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Der Pornofilm-Markt

Durch eine Gesetzesnovelle konnten sich von Mitte der 70er bis zu ihren durch den Videoboom bedingten Niedergang in den 80er Jahren das spezielle Segment des Bahnhofkinos mit öffentlichen Pornofilmvorführungen etablieren. Der Besucher eines Porno-Kinos zahlte an der Kasse einen Eintrittspreis, dessen überwiegender Teil sich rein rechnerisch auf ein bis zwei Getränke bezog, z.b. 6 zu 10 oder 7 zu 12 Mark. Somit entsprachen die Betreiber der Vorgaben des damaligen Gesetzestextes, der besagte das: „Pornographie nicht in einer öffentlichen Filmvorführung gegen ein Entgelt gezeigt werden darf, das ganz oder überwiegend für diese Vorführung verlangt wird.“ Gleich einen Tag nach dem Inkrafttreten des dementsprechenden Paragraphen, am 29.1.1975, startete die Bauer KG aus Dortmund mit 12 PAM-Kinos. Die Bauer KG hatte 1977 40 Kinos in der ganzen Bundesrepublik unter Vertrag, die sie mit us-amerikanischen Pornofilmen belieferte. Der deutsche Sexfilmproduzent Alois Brummer eröffnete bald darauf mit der AB-Film eine Reihe sogenannter Tam-Tam-Kinos und zeigte ebenfalls überwiegend aus den USA importierte Pornofilme. Später zogen der Müller-Film-Verleih aus Frankfurt mit seinen MAM-Filmen und Beate Uhse mit selbstproduzierten Filmen nach.  Von insgesamt 3096 Kinos in der BRD zu dieser Zeit (1977) waren 120 reine Pornokinos. Der Müller-Film-Verleih hatte ca. 65 Kinos unter Vertrag – was eine zu kleine Basis für deutsche Produktionen darstellte, weswegen überwiegend auf amerikanische Filme zurückgegriffen wurde. Die Bauer KG verfügte über einen Grundstock von ca. 90 Filmen. Alois Brummer bot 82 ausländische und 11 selbst produzierte Filme an. Die Beate Uhse KG war zu diesem Zeitpunkt mit 6 eigenen Filmen im Geschäft. Die Kosten für einen in Deutschland produzierten 90 minütigen Pornofilm lagen zwischen 100 000 – 500 000 DM, wobei die Kosten für Material und Kopierwerk die höchsten Festkosten stellten. In dieser Anfangsphase des Pornofilms wurden ausschließlich Laien eingesetzt, wobei nicht selten auf Prostituierte zurückgegriffen wurde. Der Regelsatz für eine weibliche Darstellerin lag bei ca. 500DM pro Tag.

„Ich kenne aus der ganzen Zahl, sagen wir mal 100 gutaussehenden Frauen in Pornofilmen nur einige wenige, die könnte ich an einer Hand abzählen, die nicht, wie man so sagt, anschaffen gehen. Einmal bekommt so ein Mädchen fünf oder sechs Drehtage im Monat und dann nimmt sie plötzlich 3 Monate keiner. Ja, sie muss ihre Miete zahlen, da sie aber keinen Beruf hat, muss sie halt dasselbe, was sie vor der Kamera macht, für Geld auch mal so machen.“

Pornofilmregisseur Alan Vydra

Meder, Friedhelm,  S.129-143, ca. 1978, „Körper als Ware – Ein Bericht über Produzenten, Regisseure und Darsteller von Pornofilmen“ – In: Medienspiegel Nr. 7 „Kino – Film – Politik“ , NDR, Hamburg

Seit 1976 ist in Deutschland die „Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten m.b.H. (Güfa)“ mit der Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte, speziell auch der von Pornofilmen, beauftragt. Ende der 80er Jahre waren dort 75 Filmproduzenten mit ca. 4500 Titeln angeschlossen. 1988 beliefen sich die Erlöse aus den Verwertungsrechten auf ca. 10 Millionen DM. Zu den großen Anbietern pornographischer Videos gehörten 1988 Beate Uhse mit 281 lieferbaren Kassetten, VTO (Teresa Orlowski und Heinz Moser) mit 160 lieferbaren Titeln, Ribu (Werner Ritterbusch) und Mike Hunter (Gerd Wassmund). Es folgten ca. zwanzig Anbieter mittlerer Größe wie Tabu, VFL, Essex, DVC und  Hohmann, die jeder über 100 Titel im Angebot hatten, weiterhin existierten rund 30 Kleinanbieter mit 10-20 Titeln im Programm.

Im Januar 2006 listete die Guefa auf ihrer Webseite 210 deutsche Produzenten von pornographischen Filmen und 37 aus anderen europäischen Ländern auf, wobei nicht ersichtlich ist, welche Kriterien zur Aufnahme in der Liste angewendet wurden, so dass der Eindruck entsteht, das Einzelproduktionen und Produzenten aus den semi-professionellen Bereich neben Firmen mit wirklicher Produktionskapazität stehen. Als Filmproduzenten werden u.a. genannt: die Beate Uhse Einzelhandels GmbH, der Orion Versand, Hustler Germany in Greifenberg  und die Inter Publish GmbH des Bauer Verlages in Hamburg

In Deutschland gibt es hunderte von kleinen Firmen die in der Produktion involviert sind und bei denen die Namen oft wechseln. Es besteht keine Markttransparenz wie in den USA, wo die Traderorganisation „Adult Video News(AVN)“ seit 1986 regelmäßig Zahlen zu Produktion und Umsatz veröffentlicht. Die größten deutschen  Produktionsfirmen sollen „Videorama“ und „Magmafilm“ in Essen sein, an dritter Stelle steht die Firma VTO von Teresa Orlowski aus Hannover, gefolgt von der „DBM-Videoproduktion“ des Produzenten Dino Baumberger aus Wesel. DBM ist weitergehend auch in den Sparten Webdesign und Telefonsex vertreten. Außer der VTO lieferten alle ihre Filme über den Grossisten „ZBF“ an die Videotheken aus. Die „Videorama GmbH“ gehört wie die „Puaka Video Produktion“ zur 1972 gegründeten „Silwa Filmvertrieb AG“, die ihren Sitz, genauso wie die Firmen Magma und Tabu, in Essen hat. Die Geschäftsfelder der Silwa liegen in der Herstellung und Vertrieb von Bild- und Tonträgern sowie Druckerzeugnissen im Bereich Sex und Erotik,  der Vermarktung dementsprechender Medienrechte und die Massenkopierungen von DVD, CD und VHS, sowie deren Lagerhaltung und Distribution. Die Produktionsfirma „Magma“ hat enge Geschäftsbeziehungen zu weiteren Produktionen im Essener Raum, wobei deren Grad für Außenstehende nicht ersichtlich ist. Dies betrifft z.b. den 1973 gegründeten Pornofilmproduzenten  „Tabu“. 1997 übernahm die Schweizer Filmrechtehandelsgesellschaft Mascotte Film AG die Firma, die mit ihrem aktuellen Namen „Tabu&Love Film GmbH“ ihren Sitz in Essen hat. Tabu nutzt mit der MTC(MAGMA) und der EVP gemeinsame Lagerkapazitäten und Möglichkeiten der Distribution und verfügen über das gleiche Staraufgebot. Tabu&Love bringen monatlich 8 Neuerscheinungen auf den Markt. In den Illustrierten „Praline“ und „Blitz-Illu“ des Bauerverlages findet sich eine kontinuierliche Berichterstattung über Magma-Filme und deren Stars (Bsp.: Praline Nr.9/12/13/24/28/31 – Februar bis Juli 2005)

Deutschland ist europaweit führend in der Herstellung von pornographischer Massenware und stellte bereits 2001 mit ca. 1,5 Milliarden Euro Umsatz hinter den USA den zweitstärksten Konsumenten von Erotikartikeln, wobei allerdings ca. 80% der in Deutschland konsumierten Filme aus den USA stammen. Aufgrund der günstigeren Produktionsbedingungen wurden pornographische Filme seit ca. Mitte der 80er Jahre verstärkt in den USA produziert, bzw. amerikanische Produkte wurden angekauft und synchronisiert. Die Produktionskosten sollen im Vergleich zu Deutschland wesentlich geringer  sein. Laut Peter M. Bonitz, einen deutschen Pornographen, kostete ein Film, der in den USA produziert und für den deutschsprachigen Raum bearbeitet wurde, inklusive Werbung und Kopien, ca. 130 000 Mark – bei einer Zeitspanne von Inauftragnahme bis zum vorführbaren Produkt von 6 Wochen. Jährlich wurden in der BRD noch höchstens 50 abendfüllende Pornofilme produziert, in den USA hingegen mehr als 5000. Hier könnte die Ursache liegen, warum sich in Deutschland keine innovative Pornofilmszene entwickeln konnte. Laut Jakob Pastötter scheint die reine Filmproduktion nur den geringeren Teil des Gesamtbudgets zu beanspruchen. Die Kosten pro Drehtag bei einer qualitativen Produktion sollen zwischen 7500-10 000 Euro liegen. Die Drehdauer ist kurz gehalten und liegt zwischen einem und drei Tagen. Es gibt auch eine Reihe von Billiganbietern, die mit geringster Besetzung und einigen ausländischen Frauen bei höchstens zwei Drehtagen mit einem Budget von 2500 Euro Filme von geringer Qualität produzieren.

1987 belief sich in der Bundesrepublik Deutschland der Gesamtumsatz aller pornographischen Filme auf ca. 25 Millionen Euro. 1988 gab es 80 Produktionsfirmen mit einem geschätzten Jahresumsatz von 75 Millionen und ca. 2500 Beschäftigten. In diesem Jahr wurden ca. 1300 neue Pornovideos auf den Markt geworfen mit ca. 2,2 Millionen legal hergestellter Kopien. Die Filme wurden von 6 Grossisten geliefert die insgesamt 150 Mitarbeiter hatten. Bei rund 5000 Videotheken mit ca. 16 000 Mitarbeitern betrug der Umsatz aus pornographischen Filmen 150 Millionen Euro, was einem Anteil von ca. 30% des gesamten Jahresumsatzes entspricht. 1993 gab es in Deutschland 150 verzeichnete Pornofilm-Produzenten mit einem Gesamt-Jahresumsatz von 425 Millionen Euro, 1995 waren es bereits 180 Produzenten mit einem Jahresausstoß von 3600 neuen Filmen. 1998 wurden in Deutschland 210 Millionen Euro mit Pornovideos umgesetzt.

1987 wurden in der Bundesrepublik Deutschland etwa 500.000 Pornovideos ausgeliehen, bis 1999 stieg diese Zahl auf etwa 80 Millionen an. Dieser Trend  hielt aber nicht an. Nach der Jahrtausendwende ist es in Segmenten des Video- und DVD-Marktes zu massiven Einbrüchen gekommen. Bedingt durch eine Sättigung des Marktes mit qualitativ minderwertigen Produktionen, deren Standards vergleichsweise umsonst aus dem Internet heruntergeladen werden können und einer veränderten, zunehmend globalen Wettbewerbssituation, sowie den neuen Distributionsmöglichkeiten via Internet, sehen sich vor allem die Anbieter des unteren bis mittleren Marktsegments mit rückläufigen Verkaufszahlen und einer verschärften Konkurrenzsituation konfrontiert. Nach Einschätzung von Nils Molitor, Regisseur bei Magmafilm ist der deutsche Pornomarkt von 2007 bis 2009 um 30 bis 40 Prozent geschrumpft.

“The economic collapse of the pornographic movie industry (though not of porn websites or amateur videos) has naturally hit the earnings of the genre’s workers: actors, directors and technicians. To put it bluntly, it’s not financially attractive to be an actress in blue movies, unless you come from a part of the world where living standards are very low, like certain countries in eastern Europe.”

Zitat aus einem Interview mit Ovidie, einer französischen Pornofilmdarstellerin und Regisseurin im Guardian, 12.04.2002

Neben den jährlich stattfindenden Industriemessen der AVN und weiteren Veranstaltungen wie der „CES (Consumer Electronics Show)“ die in Chicago stattfindet, der „MIPCOM“ in Cannes und ehemals der „Videokongress“ in Deutschland, bieten die sogenannten „Sexmessen“ eine reguläre Plattform für die Video- und DVD-Branche. Die erste Sexmesse in Deutschland fand 1986 in Offenbach statt. Inzwischen gibt es in fast jeder deutschen Großstadt eine Sexmesse (allein in Hamburg  ca. 2-5 jährlich)  Die bedeutendste ist die Venus-Messe in Berlin – eine Fachmesse für Internet, Multimedia und Adult Entertainment –  mit 300 Aussteller aus über 20 Ländern, die 2005 bereits zum 9. Mal stattfand. Wichtige Partner und Sponsoren sind Beate Uhse, Orion, Private Media, Hustler und – über verschiedene Firmen – der Heinrich Bauer Verlag.

Pastötter Jakob, 2003, „Erotic Home Entertainment und Zivilisationsprozess“, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden
Faulstich Werner, 1994, „Die Kultur der Pornographie“, Wissenschaftler Verlag, Bardowick

Vom Staatsfernsehen zu privaten Anbietern – Satellitenfernsehen, Pay-TV und Kabelnetze

Durch die Zulassung des Privatfernsehens im Jahre 1983 hat sich die gesamte Medienlandschaft der BRD grundlegend verändert Im Jahre 1995 konnten bereits mehr als 80% der Haushalte die Programme von RTLplus und SAT 1 empfangen, die auf die Verbreitung durch Kabel und Satellit angewiesen sind. Viele Jahre vermarkteten Sender wie SAT 1, Vox und RTLplus  Softsexfilme, die sich grob folgendermaßen gliedern: Eine erste große Gruppe bilden die überwiegend in den 70er und frühen 80er Jahren entstandenen Streifen, die – mit unterschiedlichen Niveau – Sex mit Klamauk verbinden. Filmtitel wie „Liebesgrüße aus der Lederhose“, „Ach jodel mir noch einen“, „Frau Wirtin bläst auch gern Trompete“ sprechen für sich. Die zweite große Gruppe konstituiert sich aus den, im deutschen Kino der 70er populären „Aufklärungsfilmen“ von Oswald Kolle bis zu den „Report-Serien“.

Die dritte große Gruppe bilden Filme jüngeren Datums, vorwiegend aus Frankreich, Italien und den USA. Softpornographische Produktionen die den gleichen dramaturgischen Gesetzen folgen wie die härtere Pornographie, aber auf explizite Darstellungen des Geschlechtsverkehrs und der Geschlechtsorgane verzichten, bzw. dieser nur simuliert wird. Die amerikanischen Produktionen setzen einen ästhetischen Standard ihrer weiblichen Darstellern, der denen der Hochglanzmagazine ähnelt, während französische Filme sich öfters um differenziertere  Darstellung der Charaktere und der Handlung bemühen. RTL oder SAT 1 strahlen gelegentlich auch Filme aus, die wegen drastischer Sex- und/oder Gewaltdarstellungen indiziert worden sind, kürzen diese dann aber zum Teil handlungsentstellend. Da es in der Öffentlichkeit immer massivere Proteste gegen Sex und Gewalt im Fernsehen gab, errichteten die Privatsender 1993 die „Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen“ (FSF). Die öffentlich-rechtlichen Anstalten schlossen sich nicht an, da sie ihre internen Kontrollgremien als ausreichend für die Gewährleistung des Jugendschutzes erachten. Die FSF ähnelt von der Struktur her der FSK. Sie entscheidet in Zweifelsfällen über Sendezeiten und kann auch Schnitte verfügen oder eine Freigabe generell ablehnen

In einer Reihe von TV-Magazinen wie „Sexy Clips“ oder „Männermagazin M“ mischten sich Kurzfilme mit Lifemoderation und Pseudoreportagen, wurden Latex- oder Sadomasokleidung vorgestellt und  Stripteaseshows  inszeniert. Hohe Einschaltquoten erlangten Game Shows, die Spiele mit Zoten und Entblößungen jeder Art verbanden, die bekannteste dieser Shows, „Tutti Frutti“, erreichte zeitweise Kultstatus, ist inzwischen aber mangels Nachfrage abgesetzt. In Journalen wie „Liebe Sünde“ oder „Wahre Liebe“ kommen Moderatoren wie Matthias Frings und Lilo Wanders  dem gesteigerten Interesse an sexuellen Subkulturen und dem Thema Sexarbeit mit z.T. qualitativen Beiträgen entgegen, wobei den Einschaltquoten dieser Sendungen klar ein voyeuristisches Interesse zugrunde liegt, dem die Konzeption dieser Journale auch entspricht. Ein Großteil dieses Erotikangebotes taucht, nachdem der Ruf  des Neuen und Skandalösen zur Normalität generiert war, in den Hitlisten der Einschaltquotenforschung nicht mehr auf. Nichtsdestsotrotz hat der Sexfilm innerhalb der erwachsenen Bevölkerung ein festes Publikum und bei Sendern wie RTL,  SAT 1 und vor allem VOX gehört der Sexfilm am Wochenende zum festen Programmrepertoire, während die nächtlichen Erotik-Clips bei DSF, Hamburg 1 und Das Vierte vor allem Bestandteil des aggressiven Marketingkonzeptes der Telefonsexwerbung dieser Sender sind und ansonsten als Lückenfüller dienen.

Petra Milhoffer (Hg.) : 1995, speziell: „Sexualität in Film und Fernsehen“, Frankfurt/M., S.200-209.

Im Bereich des Pay-TV gilt Premiere als der führende Abonementen-Sender in Deutschland und Österreich. Im  Februar  2002 übernahm Dr. Georg Kofler, Vorsitzender und ehemaliger Geschäftsführer  der ProSieben Television GmbH, die Geschäftsführung von Premiere. Aufgrund der umfassenden Neustrukturierung des Unternehmens war die Firmengruppe von dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe und dem Insolvenzantrag der „Holding KirchPayTV“ nicht betroffen, stattdessen gewährten die Bayerische Landesbank und die HypoVereinsbank sogar eine neue Kreditlinie. Im Dezember 2002 übernahm Premiere mit seiner neu gegründeten Tochter DPC Digital Playout Center GmbH den Betrieb und alle Mitarbeiter der in der Insolvenz befindlichen BetaDigital GmbH. Im Februar 2003 übernahm die Investorengruppe Permira 65,13 Prozent an der Premiere Fernsehen GmbH. Ca. acht Millionen Zuschauer in rund 2,9 Millionen Abonnenten-Haushalten nahmen das Premiere –Angebot zu dieser Zeit wahr. Premiere bietet eine Vielzahl von Programme mit dem Schwerpunkt auf die Live-Sport-Berichterstattung und TV-Premieren. Mit dem Angebot „Premiere Direkt“ können Zuschauer Filme zur Wunschzeit bestellen. Konferenzschaltungen während Fußballübertragungen und z.T.frei wählbare Kameraperspektiven nutzen. Abgerechnet wird dieses Angebot nach dem „Pay-per-View“-Verfahren über das Internet, eine Service-Hotline oder per SMS. Premiere Erotik präsentiert täglich zwei Erotikfilme und einen SMS-Erotik-Chat. Mit einer speziellen Pay-per-View-Variante kann über den Kanal „Big Brother –24 Stunden live“ ein 24 Stunden-Einblick in die Container-WG  geordert werden. Unter der Marke „Blue Movie“ bietet Premiere einen Erotik-Kanal an, der über den Fernseher im Einzelabruf genutzt werden kann. Außerdem kann das Angebot von Beate Uhse TV geordert werden. Seit Sommer 2004 bietet Premiere eine spezielle Pay-TV-Variante für Hotels an.

Seit März 2005 ist Premiere an die Börse notiert und im September gleichen Jahres hat die schweizerische „erotic media AG“ von der Premiere AG den Blue Movie Kanal übernommen. Die Erotic Media Ag verfügt nach eigenen Angaben über eine Bibliothek von über 6000 Filmen. Neben Blue Movie betreibt sie seit Juli 2006 den Telemediendienst redXclub.

Das Blue Movie Programm, das weiterhin von Premiere mit einer Smart Card und einem Digital Receiver empfangen werden kann, wird seitdem zusätzlich über die Ladenkette, den Versandkatalog und den Online Shop von Beate Uhse vermarktet. Im August 2007 verkaufte Georg Kofler seine Aktienanteile und trat als Vorstandsvorsitzender zurück. Seit Januar 2008 steigert  die News Corporation von Rupert Murdoch beständig ihre Aktienanteile an Premiere: von 14,5% im Januar auf 25% im Mai des gleichen Jahres. 2007 erzielte Premiere nach eigenen Angaben einen Umsatz (vor Steuern und Abschreibungen) in Höhe von 83,4 Millionen Euro. Inzwischen (10/09) hat die News Corp. ihre Anteile an Sky Deutschland (bis Juli 2009 „Premiere“) auf 39,96% aufgestockt. Vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen verlor der Münchner Pay-TV-Sender im Jahr 2008 29,8 Mio, während im Vorjahr noch 2,9 Millionen Euro Gewinn verzeichnet wurde. Auch die Abonnentenzahlen entwickelen sich rückläufig: Bis Ende März 09 hatten weitere 28.000 Abonnenten dem Bezahl-TV-Sender gekündigt. Darüber hinaus gab Premiere bekannt, sich in Sky Deutschland AG umzufirmieren. Das Produktbündel Sky Deutschland ist den Kabelnetzbetreibern, die in den Abonnementfernsehmarkt drängen, allerdings unterlegen. Rund 1,7 Millionen Haushalte haben mit Stand 31. März 2009 eines oder mehrere Pay-TV-Angebote eines Kabelnetzbetreibers abonniert – insgesamt deutlich mehr Abonnenten als Premiere jemals im Kabel verzeichnen konnte.

1993 versuchte die Firma VTO von Teresa Orlowski im Privatfernsehen einen Pornokanal zu etablieren. Sie belegte Sendezeit auf einem Satelliten und ließ von 1 bis 4 Uhr nachts ihr eigens für den Sender produziertes Programm ausstrahlen, scheiterte damals aber an der Gesetzeslage. Inzwischen ist das Segment Pornographie zu einem lukrativen Geschäft beim Pay-TV geworden. Bereits 1995 gaben Gäste in Deutschland Hotels jährlich 60 Millionen Mark für den Konsum von Pornofilmen aus. Laut des damaligen Geschäftsführers der Firma „C.I.S. Hotel Communication“, einer von zwei Firmen die sich in Deutschland auf die Belieferung von Hotels mit Pornofilmen spezialisiert haben, sollen mehr als drei Viertel aller Pay-TV-Programme die in deutschen Hotels konsumiert werden, Hardcore-Filme sein. Seit 1992 sendete die britische „Red Hot Television“ von Richard Desmond Hardcore-Pornos für ihre rund 10 000 Abonnomenten, zuerst von Holland, dann von Dänemark aus. Im April 1993 wurde dieser Fernsehsender in England verboten und bietet seit 2000 sein Angebot über die „Sky-Plattform“ an. Ein Satellit bei dem  auch acht Playboy-Chanels und weitere , wie „Xplicit 984 “ zu empfangen waren. Der europäische Kabel-TV-Betreiber „Sky TV“ gehört zur Rupert Murdoch`s „BskyB“. SkyTV offeriert inzwischen über das Label  „Adult Channel“ Hardcore-Angebote und Vivendi SA`s Canal Plus, Europas größter Pay-TV-Anbieter mit 14 Millionen zahlenden Kunden in 11 Ländern, bietet nach 22.30 Uhr Hardcore über das pay-per-view-Verfahren.

Ein weiteres Unternehmen im Pay-TV-Segment ist „InXworld“, ein 2002 gegründetes niederländisches Unternehmen, das über Satellit auf verschiedenen Kanälen pornographische Filme anbietet. Der erste Kanal „FREE-X TV“, der nach dem Geschäftsmodell der Vorauszahlung und nicht über kostenpflichtige Mitgliedschaft funktionierte, konnte bereits nach einem Jahr ca. 1 Million Zuschauer verzeichnen. Trotz der Konkurrenz von 20 verschiedenen Adult-Kanälen in den Jahren 2002-3 wurden  zwei weitere Kanäle gestartet: „X Dream TV“ und „Back Room“. X Dream ist auf das Amateurgenre spezialisiert und „Back Room“ ist auf ein homosexuelles Publikum ausgerichtet. Mit diesen drei Kanälen expandierte das Unternehmen dann auf den amerikanischen und australischen Markt, wobei für den US-Markt, im Gegensatz zu Europa wo nur Karten verkauft wurden, die notwendigen Empfangsgeräte mit angeboten werden (der sogenannte „Starter Kit“ für $369 )

Nach einem Report von “Strategy Analytics, Inc.“  (“Digital TV in Western Europe: Market Outlook & Analysis”) nutzten 2004  25 Millionen Haushalte digitalen Satelliten-Service und 7,6 Millionen weitere nutzten digitalen Kabelservice. Für das Jahr 2010 wird von einer Gesamtzahl von 78 Millionen Haushalte für beide Segmente ausgegangen, was einer Wachstumsrate von 139% entsprechen würde.  2004 wurden in Europa acht neue Internet-Pay-TV(IPTV)-Services gegründet. Den IPTV-Plattformen werden hohe Wachstumsraten und eine entscheidende Bedeutung bei der Entwicklung des europäischen PayTV-Marktes prognostiziert. 2005 gab es 2 Millionen IPTV-Kunden in Europa, prognostiziert werden 15 Millionen für das Jahr 2009. Die komplette Anzahl aller europäischen PayTV-Kunden – inclusive Kabel- und Satellitfernsehen – wird für 2010, nach einem Report der “Multimedia Research Group, Inc“(MRG),  auf ca. 100 Millionen geschätzt. Da sich die Deutsche Telekom 2006 entschieden hat IPTV und begleitende Entwicklungen wie Video-on-Demand zu unterstützen, wird der deutsche Markt auch für die us-amerikanischen Majors interessant.

Laut der Global Broadband-Studie des kanadischen Unternehmens Sandvine von 2009 machen Echtzeit-Unterhaltungsangebote wie Video- und Audiostreams  inzwischen rund 27 Prozent des weltweiten Internetverkehrs aus. Eine deutliche Steigerung um fast 14% gegenüber der Erhebung von 2008. Von dem zu diesem Segment dazugehörigen globalen IPTV-Markt entfallen knapp 50 Prozent auf Europa. Weitere zentrale IPTV-Märkte sind Nordamerika und Asien. Der us-amerikanische IPTV-Markt wuchs von 2008 mit ca. 3 Millionen Abonnenten auf über 5 Millionen im Folgejahr. Damit hat IPTV in den USA momentan noch einen geringen Marktanteil von knapp 5%. Das Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics prognostiziert dem IPTV-Markt bis 2013 eine Steigerung auf 13%, mit 15,5 Millionen Abonnenten. Ende 2007 gab es in Deutschland 180.000 IPTV-Kunden und laut einer Studie von BITKOM stieg die Anzahl bis Ende 2008 auf 536.000 IPTV-Abonnenten. Damit hat sich die Kundenzahl innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Die Telekom nahe Management-Beratung Detecon International prognostiziert für das Jahr 2013 mehr als 5 Millionen IPTV-Nutzer. Diese Zahlen bleiben zwar weit hinter den ursprünglichen Prognosen zurück, bestätigen aber eine, wenn auch langsamere, stetige Wachstumstendenz.

Total Media, ein Betreiber von mehreren Adult-TV-Kanälen in Europa, und LFP Broadcasting haben 2005 eine umfangreiche Zusammenarbeit vereinbart, die u.a. die Etablierung von Hustler TV in Europa zum Ziel hat.  Hustler TV zählt bereits ein Jahr nach dem Sendestart in den USA zu einem der erfolgreichsten Pay Per-View Adult Channels, der schon in sechs der 10 wichtigsten Kabelnetzen zu empfangen ist und eine potentielle Zielgruppe von 16 Millionen Abonnenten erreicht. Der Start von Hustler TV in Europa (und Israel) ging einher mit Kooperationsvereinbarungen und Umverteilungen unter den Majors von Adult-Kanälen. Der Softcore-Kanal „Blue Hustler“ sendet auf der Sendefrequenz von „Private Blue“ und ersetzte diesen und anstelle von „Private Gold“ mit seinem Hardcore-Angebot sendet der Kanal „Hustler TV“ . Beide Kanäle der „Private Media“ wiesen zuletzt rückläufige Zuschauerzahlen auf. Private und Playboy TV haben Ende 2005 ihre europäischen Kanäle „Private Gold“ und „Spice Platinium“ in einem zunächst auf 5 Jahre befristeten Vertrag zu dem neuen Label „Private Spice“ zusammengelegt

„Spice Platinum“ wurde 2001 als europäischer Adult-Kanal gegründet und hatte Abonnenten in über 15 Ländern. „Private Gold“, 2000 gegründet und war in Lateinamerika und Europa zu empfangen. Er galt als der führende europäische XXX-Kanal mit Abonnenten in 25 Ländern.

Die Umbenennung der Programme die vor allem in Zentral- und Osteuropa bekannt sind , verschafft der LFP eine gute Ausgangsposition für den europäischen Markteintritt. Hustler GB wird über Sky Channel 988 und Telewest gesendet. Ab 2005/06 war Hustler TV auch in Frankreich über Kabelnetzwerk und über französische Satellitenplattformen zu empfangen. Kurze Zeit später folgte der osteuropäische Raum. Auch der Konkurrent „Penthouse“ will in den europäischen Markt mit eigenen PayTV-Kanälen und einem VOD-System einsteigen.

Die Entwicklung immer schnellerer Internetverbindungen erschließt der Branche neue Geschäftsfelder. Moderne Breitbandverbindungen über das Telefon- oder Fernsehkabelnetz ermöglichen die Kombination von Internetzugang, Online-Telefonie und Online-TV („Triple Play“). Allein die Erlöse aus dem Netzzugang werden einer Marktstudie  zufolge von 2006 bis 2010 um jährlich 11,9 Prozent auf 214 Milliarden US-Dollar steigen. In Deutschland lag der Umsatz mit Zugangsentgelten für das Breitband-Internet im Jahr 2005 bei geschätzt 4,1 Milliarden US-Dollar. Bis 2010 dürfte der Umsatz wegen der aggressiven Expansion von Seiten der Telefon- und Kabelnetzgesellschaften auf 11,4 Milliarden US-Dollar steigen. Damit wäre Deutschland vor England der größte Markt innerhalb Europas.

Pastötter Jakob, 2003, „Erotic Home Entertainment und Zivilisationsprozess“, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden

http://www.guefa.de/Links/Default.htm
Ressource von Filmproduzenten pornographischer Filme

http://www.lyngsat-address.com/tv/Europe.html
Ressource : Lyngemark Satellite-Angebote in Europa

Webseiten der erwähnten Unternehmen

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Der Videomarkt

„Nicht nur in Zahlen, auch in ihrem Erscheinungsbild ist die Pornoindustrie heute so etabliert und bürgerlich wie die Branchen der Hersteller klassischer Konsumprodukte. Große Pornofirmen wie Vivid, Odyssey, VCA und Digital Playground residieren in weitläufigen, unauffälligen Betonkomplexen, in denen man Computer- oder Sportswearfirmen vermuten würde. Sie verfügen über Kopierwerke, Internetanlagen und Schneidestudios. Die Büros sind im neutralen Stil von Anwaltskanzleien eingerichtet und nichts deutet darauf hin, dass hier Pornografie produziert wird. Vor noch 20 Jahren war das Geschäft mit der Pornografie noch fest in der Hand der Halbwelt. Goldbehangene Pimps und Hustler in Seidenanzügen und Krokodillederschuhen verdienten sich mit den so genannten Skin Flicks ihre Cadillacs. Drogendealer wuschen mit Sex ihr Geld. Heute haben die Pornomillionäre abgeschlossene Betriebswirtschaftsstudien, wie Vividchef Bill Asher. Oder sie sind aus weniger profitablen Geschäftszweigen übergewandert, wie Samantha Lewis von Digital Playground, die früher als Immobilienmaklerin arbeitete. Selbst die Produktpalette macht bei den etablierten Firmen einen seriösen Eindruck. Wären da nicht Titelzeilen wie „Blowjob Adventure“, „Cumback Pussy“ oder „Anal Intruder“, könnten sich hinter den bunten Verpackungen mit den ästhetisch retuschierten Frauenkörpern auch Aerobicvideos verbergen. Das muss so sein, denn sonst würden reguläre Videoverleihketten wie Tower Video die Kassetten nicht in ihr Programm aufnehmen.“
http://www.elektrolurch.com/spezial/planetporno/planetporno.htm

Die Videotechnologie löste den pornographischen Film aus dem Ghetto der Sexshops, die alle in den Rotlichtmilieus angesiedelt waren und schuf Möglichkeiten des Konsums in den Privathaushalten. In vielen, der die Allgemeinheit berührenden technologischen Innovationen wurde die Pornoindustrie zum kommerziellen Vorreiter, so auch auf dem neu entstehenden Videomarkt der USA. Zur Anfangszeit, als gerade 14 000 Titel auf dem Markt waren, wurde dieser mit 7000 Titeln zu mehr als 50% vom Pornomarkt dominiert Mit dem einsetzenden Video-Boom traten die Models der Sexmagazine auch in Videos auf, genauso wie die weiblichen Stars des Pornovideos auf den Photoseiten der Magazine weiter vermarktet wurden. Als indirekter Einstieg für eine Filmkarriere  in der Sexindustrie wurde es durchaus üblich, explizite Photos an dementsprechende Publikationen günstig oder umsonst anzubieten und dann auf Angebote zu warten. Magazine, wie Playboy, Penthouse und Scew bauten in den 80ern ihre eigenen Video-Editionen auf.1987 wurden schon 15 Millionen Hardcore-Videos wöchentlich ausgeliehen, was einem Jahresumsatz von über einer Billion Dollar entspricht. In der Vergangenheit waren im Adult-Bereich die Größen aus dem Printbereich marktführend. Nach der Etablierung der Videotechnik verschob sich die Gewichtung hin zu den Filmproduktionen, die sich auf den Videomarkt ausrichteten. Die Zahl der großen Filmproduzenten wie Private, Vivid, VCA und Metro, wurde auf insgesamt zwanzig geschätzt, gefolgt von ca. 80 kleineren Filmproduktionen.

Die Produktionskosten konnten durch den Einsatz professioneller Videotechnik bedeutend gesenkt werden. 1978 kamen knapp 100 Pornoproduktionen auf den Markt, mit einem Budget von 250 000-350 000 Dollar, da sie noch mit 35mm Kameras aufgenommen werden mussten. Seit Anfang der 80er Jahre ist es möglich einen pornographischen Videofilm für 5000 Dollar zu produzieren. Die ersten konkreten Zahlen für den Gesamtumsatz mit „Adult Video“, der sowohl den Verkauf wie den Verleih mit einbezieht, liegen seit 1992 vor. Die über Mail-Order bestellten Filme flossen allerdings nicht in diese Umsatzstatistik mitein. Demnach lag der Umsatz 1992 bei 1,6 Milliarden Dollar und steigerte sich bis 1996 auf  vier Milliarden und blieb die folgenden Jahre stabil. In den 80er Jahren lag die US-Produktion bei ca. 1300 Filmen pro Jahr und stagnierte eine zeitlang auf diesem Niveau, bis sie 1995 auf 5000 anstieg und 1999 bereits die 10 000er Marke deutlich überschritt. Laut dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ sollen inzwischen jedes Jahr ca. 13.000 neue Videotitel auf den US-Markt kommen, die sich im Durchschnitt 1000 bis 2000 mal verkaufen lassen. Die Videos werden auf verschiedene Arten vermarktet: entweder über den Bereich des Verkaufes, über den Versand oder direkt in den Sexshops. Ein weiterer Gewinnanteil entsteht durch den Verleih in den Videotheken und den Einsatz in den Filmautomaten. Ein weiteres Geschäft stellt die Vergabe von Lizenzen, Verleih- und Verkaufsrechten in andere Kontinente dar. So mussten z.b. Konsumenten, die in Deutschland Produkte der amerikanischen Videofirma „Caballero“ sehen wollten, in einen Beate Uhse- Sexshop gehen, da Gerd Wasmund mit seiner Videoproduktion „Mike Hunter Video“ u.a. auch die Rechte an den Caballero-Produkten in Deutschland hielt.

Im Videoverleihgeschäft haben ca. 50% der Videotheken keine pornographischen Filme im Angebot, vor allem weil die Branchenführer „Blockbuster“ und „Hollywood Video“ wegen ihrer „familienfreundlichen“ Geschäftspolitik diese Filme nicht in ihr Programm nehmen. Bei den anderen 50% machen die Pornofilme bis zu 20% der Gesamteinkünfte aus.  Laut der Arthur Andersen Studie im Auftrag der „Video Software Dealers Association (VSDA)“ gibt es in den USA mehr als 81.000 Einzelhandelsgeschäfte, vom Großhändler, Discountern, bis zu unabhängigen Videoshops, die Homevideos anbieten. 25000 von diesen handeln mit pornographischen Videos. Das Geschäft mit Adult-Filmen hat sich in den USA zu einer Überlebensstrategie der kleinen Videogeschäfte entwickelt. Die Gewinnspannen sind bei Adultfilmen höher, während eine gängige Hollywoodproduktion ca. 60 Dollar im Einkauf kostet, ist ein durchschnittlicher Pornofilm  schon für 20 Dollar zu haben, beide erzielen im Verleih aber den gleichen Preis von ca. 4 Dollar. Nach der VSDA sollen die US-Amerikaner im Jahr 2000 mehr als 19 Milliarden Dollar für die Ausleihe und den Kauf von Video und DVD ausgegeben haben, ca. 16% dieses Umsatzes wurden mit Soft- und Hardcorefilmen erwirtschaftet. 2002 wurden aus dem Verleih und dem Verkauf von Adult-Videos und DVD`s  anteilig 29,1% des Gesamtumsatzes erwirtschaftet, der in diesem Jahr $3.95 Milliarden betrug. Der Umsatz per Mail Order und über das Internet ist bei dieser Bilanz nicht berücksichtigt worden.
2006 sank in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal nach vielen Wachstumsjahren der Umsatz aus dem Verkauf und Verleih von herkömmlichen Pornos (VHS/DVD) von 4,28 auf 3,62 Milliarden Dollar. Laut dem Direktor der Free Speech Coalition sind die Gewinne der amerikanischen Pornoindustrie 2009 im Verhältnis zum Jahr 2007 um 30%-50% eingebrochen. Im San Fernando Valley [Los Angeles], einem der Produktionszentren der Industrie werden anstelle der sonst üblichen 5-6000 Filme jährlich momentan nur noch 3-4000 Filme produziert. Auch die Darsteller sind von dieser Entwicklung spürbar betroffen. Bekam eine weibliche Darstellerin für eine „straight scene“ rund $1000, so sind es inzwischen nur noch $800 oder weniger. Ursache sind neben der allgemeinen Wirtschaftskrise, vor allem Copyrightverletzungen und der unlizensierte Handel über die File-sharing-Plattformen.

2007 trafen sich in San Fernando Valley ca. 60 Vertreter der Pornobranche um über eine gemeinsame Vorgehensweise gegen die Produktpiraterie zu beraten. Unter ihnen befanden sich namenhafte Unternehmen wie Vivid Entertainment, Digital Playground und Red Light District. Aus diesem Treffen resultierte die Gründung der Global Anti-Piracy Agency(GAPA), die sich als eine brancheninterne Organisation der Sexindustrie begreift. Laut Caryn Goldberg, einem der Vorstandsvorsitzenden der GAPA, liegt der Verlust der durch das illegale Kopieren und Weiterverbreiten ihrer Produkte entsteht, bei ca. 25% des Gesamtumsatzes. Mit einem ähnlichen hohen Prozentsatz kalkuliert die reguläre Musik- und Filmindustrie ihre Verluste durch Produktpiraterie. Für 2007 wurden die Verluste der US-Sexindustrie, laut der GAPA, auf $2 Milliarden geschätzt. Diese gemeinsame Initiative von Unternehmen aus der Sexindustrie, die größtenteils aus dem Filmbereich kommen, scheint aber kein großer Erfolg gewesen zu sein, oder die Aktivitäten haben sich auf andere Organisationen verlagert. Die Domain der Internetpräsenz der GAPA stand jedenfalls im November 2009 zum Verkauf.

Eine ähnliche Organisation, die sich im gleichen Jahr in Los Angeles konstituierte, ist die PAK Group. Sie zählte einem Monat nach ihrer Gründung 17 Unternehmen als Mitglieder (u.a. Falcon Foto, Shane’s World/Hush Hush Entertainment, Antigua Pictures, VCX, Cal Vista, Teravision, Kink und Grooby Productions) und unterhält Verbindungen zur australischen Adult Industry Copyright Organisation (AICO), der Free Speech Coalition, dem AVN Media Network und der Helmy Enterprises, die über Adnet Media das populäre Webmasterboard XBIZ betreibt. Die PAK Group unterstützt und berät Porno-Produzenten bei der Wahrnehmung ihrer Urheberrechte und dokumentiert und verfolgt Copy Right-Verletzungen u.a. mit eigens entwickelter Software, um dann mit Zahlungsaufforderungen und Gerichtsverfahren gegen die Produkt-Piraten vorzugehen. Vorstandsmitglied und Sprecher der PAK Group ist Jason Tucker von Falcon Foto, die bereits seit 2003 juristisch gegen Copy Right-Verstösse vorgehen.


Mail Order und Internet sollen laut Forrester, 2001 nicht mehr als 10% des Verkaufsumsatzes ausgemacht haben. Genau in diesem Bereich bannt sich aber eine Verschiebung des Marktes an. Durch verbesserte Streaming-Technologien, verbilligte Flatrates, Pay-per-View-Verfahren und neue Technologien, die das schnelle Herunterladen von Filmen ermöglichen – technische Innovationen, die vor allem zuerst von der Sexindustrie genutzt werden – geraten die Majors mit ihrem herkömmlichen Verleihsystem und der veralteten VHS-Kassette inzwischen in Zugzwang. 2000/1 kamen der Videoverleih-Marktführer Blockbuster und ein Zusammenschluss von fünf Hollywood-Filmstudios; MGM, Paramount, Sony, Warner Brothers und Universal jeweils mit einem eigenen Video-on-Demand-System auf dem Markt, scheiterten aber an der technischen Umsetzung.(zu lange Downloadzeiten, umständliche Plug-Ins, mangelnde Versorgung der Konsumenten mit High-Speed-Verbindungen) Zu diesem Zeitpunkt bot die pornographische Online-Industrie bereits seit sechs Jahren aufgezeichnete und Live-Videos über das Internet an, angefangen mit den ersten Echtzeitvideos von Sexshows über die holländische Webseite “Red Light District” im Jahr 1994. „Blockbuster“ fuhr Verluste in dreistelliger Millionenhöhe ein und der Blockbuster-Rivale „Movie Gallery“ büßte 2005 beinahe zehn Prozent seines Geschäftes ein. Von den 11,4 Milliarden Dollar, die insgesamt auf dem Heimvideo-Markt umgesetzt werden, kommen inzwischen nur noch 900 Millionen aus dem Umsatz mit Magnetbandkassetten. Die Zukunft des Videos im Segment Home-Entertainment, liegt im Vertrieb per Netz mittels „Pay-per-View(PpV)“ und „Video on Demand(VoD)“- Verfahren, sowie in der Vermarktung über PayTV durch Kabel- und Satellitennetzwerke und dem InternetPayTV(IPTV). Nach einem Report der “Multimedia Research Group, Inc“(MRG) wird global die Anzahl der IPTV-Kunden von 3,7 Millionen im Jahr 2005 auf 36,9 Millionen im Jahr 2009 anwachsen – eine Wachstumsrate von voraussichtlich 78%.

Bei der Einführung der neuen Disk-Technologie, die u.a. die Wahl verschiedener Kameraperspektiven zum Standard erheben wird, wird die Pornoindustrie mit ihren 11.000 Neuerscheinungen pro Jahr von von Online-Diensten wie  „BIZ-Report“  inzwischen schon als ein maßgebender Faktor gehandelt. Zwei Firmenkonsortien aus Technik und Filmkonzernen propagierten verschiedene Scheiben als Nachfolger der DVD. Die Blue Ray Disc mit 50 Gigabyte Speicherkapazität, die Investitionen in neue Maschinen verlangt, wurde von Sony, Philips und Disney favorisiert. Die billiger zu produzierende HD-DVD mit 30 Gigabyte Platz wurde von NEC, Toshiba und Warner Brothers vertreten. Die Produktionsfirmen Digital Playground und Vivid, die bereits seit 2004 hochauflösende Videos drehen, begannen ab 2007 ihre Produktionen auf  HD-DVD zu veröffentlichen, da Sony wegen der „öffentlichen Meinung“ in den USA versucht das Blu-ray-Format weitgehend pornofrei zu halten, u.a. um so die Vermarktung der PlayStation 3 problemlos realisieren zu können

Die Japanische Pornoindustrie hat im Sommer 2007 auf ihrer landesweit größten Erotikmesse ihre Entscheidung für das Blue-ray-Format bekanntgegeben. Sony hält zwar auch in Japan daran fest, in seinen eigenen Presswerken keine Pornos herstellen zu wollen, die Maßgaben dieser Firmenpolitik wurden aber umgangen, indem ein taiwanesisches Unternehmen eine Press-Maschine von Sony kaufen konnte und die Serienfertigung von pornographischen Discs im August 2007 aufnahm, die dann nach Japan importiert werden. Walt Disney, 20th Century Fox und Metro-Goldwyn-Mayer entschieden sich ebenfalls für das Blue-ray-Format und Anfang 2008 schloss sich Warner dieser Allianz an. Gemeinsam mit Universal ist Paramount nun das letzte große Studio, dessen Produkte auf HD DVDs auf den Markt kommen sollen. In Finanzkreisen wurde daraufhin spekuliert, dass Paramount eine Klausel im Vertrag mit der HD-DVD-Group geltend machen könne, die besagt, dass bei einem Ausstieg von Warner auch Paramount seine Bindung an die HD DVD als Medienträger lösen kann. Mit deren Ausstieg würde sich die Blu-ray Disc als de facto Standard für hochauflösende Videodatenträger etablieren.

“VCA Interactive” realisierte Ende 2000 eine der ersten Multi-Angle-DVDs die es dem Zuschauer ermöglichte aus einer Vielzahl von Kameraperspektiven auszuwählen. Die Kosten für eine derartige Produktion mit durchgehenden vier verschiedenen Perspektiven können sich ohne weiteres verdoppeln, da zusätzliches Personal, mehr Zeit und Ausrüstung benötigt wird. In diesem Zusammenhang ist auch die US-Firma „Perpetual Robotics“ aus Chicago interessant. Sie galt um 2000 als marktführend in der Anwendung sogenannter zuschauer-kontrollierter Webcams, die dem User eine Auswahl verschiedener Kamerapositionen und -Winkel ermöglichen. „Perpetual Robotics“ zählte große Sportorganisationen wie die „National Football League“, die „Major League Baseball“ und die „United States Tennis Open“, wie auch „Playboy.com“ zu ihren Kunden.

10
Jan
10

Der Kabel-, Satellit-, und InternetPay TV- Markt (IPTV)

Namen und Zahlen, Zahlen, Zahlen..

Der Marktführer der Satellit-Provider, die „DirecTV Group Inc.” ist im  Besitz der „News Cooperation“ von Rupert Murdoch. Murdoch, wie auch die “ EchoStar Communications Corp.” bieten beide bereits seit mehreren Jahren XXX-Programme über ihre Netzwerke an. AT&T bietet den Kunden ihrer Breitbandkabeldienste einen Hardcore-Sexkanal an und ist im Besitz einer Firma die pornographische Videos für fast eine Million Hotelzimmer anbietet. Weitere Konzerne, die hohe Gewinnmargen aus dem Pornographiegeschäft erzielen, sind: Time Warner, Liberty Media, Marriot International, Hilton, On Command, LodgeNet Entertainment und die News Corporation.

Rupert Murdoch stellt mit seiner News Corporation einen der weltweit größten Medienkonzerne. Seine Karriere begann 1952 nach dem Tod seines Vaters, als er die Führung des väterlichen Medienunternehmens, das zu dieser Zeit aus zwei Zeitungen in Adelaide, u.a. der „News“, die dem Unternehmen den Namen gab und einem Radiosender bestand. In den nächsten Jahrzehnten erfolgten Übernahmen von Tageszeitungen, Magazinen und Fernsehstationen, zuerst in Australien, später dann in England und den USA. 1964 gründete Murdoch die erste nationale australische Tageszeitung, „The Australian“. 1972 übernahm er den „Daily Telegraph“ aus Sydney und stieg damit zu einem der drei größten Zeitungsverleger in Australien auf. Er erwarb auch einen australischen TV-Sender, scheiterte mit einer weiteren Expansion in diesem Segment aber an der australischen Gesetzgebung, die derartige Monopolbestrebungen im Medienbereich nicht zuließ. Ab Mitte der 60er expandierte Murdoch auf den britischen Markt mit der Übernahme der Zeitungen „News of the World“ und  „The Sun“. 1981 akquirierte er die Tageszeitung „The Times“. 1973 wurde er auf dem us-amerikanischen Markt aktiv und erwarb 1985 die Staatsbürgerschaft und weitergehend eine Reihe von Tageszeitungen und Magazinen. Murdochs us-amerikanischen Tageszeitungen unterstützten George W. Bush während der Wahlen 2000 und 2004.  Wie es bereits bei den Wahlen in England mit der Kandidatur von Margaret Thatcher deutlich wurde, unterstützt der Medienkonzern  deutlich neoliberale und konservative Positionen.

Rupert Murdoch ist Hauptaktionär und leitender Vorstand der News Corporation. Substantielle Teile dieses Medienimperiums sind das Hollywood-Film Studio 20th Century Fox und das US-amerikanische TV-Network Fox Television, das Murdoch 1986, nachdem er die US-Staatsbürgerschaft bekam, gründete. In der „Cable News“-Kategorie hat das Fox-Netzwerk den Konkurrenten CNN aus dem Feld gedrängt und hat inzwischen 78% mehr Zuschauer als der Rivale und betreibt 9 der 10 Top-Programme.1989 wurde die  Sky Television gegründet, die ihren Schwerpunkt auf dem britischen und  europäischen Markt hat. 1991 musste die zu dieser Zeit noch in Australien beheimatete „News Corporation“ einen Teil ihrer in den 80er Jahren erworbenen US-Publikationen wieder verkaufen um die Umstrukturierung des Satelliten-Netzwerk Sky Television und des ehemaligen Konkurrenten British Satellite Broadcasting zu BSkyB zu finanzieren.1990 gelang es Murdoch 40% von British Satellite Broadcasting, der bis dahin den britischen Pay TV-Markt dominiert hatte, zu erwerben und so das Unternehmen quasi zu kontrollieren. Inzwischen ist Murdoch über Sky Latin America auch auf dem lateinamerikanischen Markt aktiv. BSkyB hat jahrelang ausschließlich pornographischen Content für Drittanbieter über seine Kanäle angeboten. Inzwischen betreibt BSkyB einen eigenen pornographischen Kanal, den „18+ Movies“ und ist in engere Kooperation mit den Unternehmen getreten, die über das Netzwerk ihre Adult-Kanäle wie Sport XXX Babes, XXX Housewive und Playboy betreiben. 1993 kaufte Murdoch für $525 Millionen 63.6% des in Hong Kong beheimateten Satelliten-TV-Netzwerk „Star TV“ und ist seitdem mit einem Potential von ca. 100 Millionen Zuschauern auf dem asiatischen Markt präsent.

1994 expandierte der Konzern in den deutschen Raum und erwarb  49.9% des deutschen TV-Senders von Bertelsmann, verkaufte dieses Paket aber 5 Jahre später über die CLT-UFA für $340 Millionen an Bertelsmann zurück. 1999 kaufte die News Corporation über BSkyB einen  24% Anteil an dem deutschen Pay TV-Sender Premiere, der zu dieser Zeit noch von Leo Kirch kontrolliert wurde. Weiterhin besaß Murdoch 66% an TM3.

2003 übernahm die News Corporation einen 34% Anteil von „Hughes Electronics“ für $6,6 Billionen von General Motors und damit die Kontrolle über DirecTV, sowie 81% von „PanAmSat“ und „Hughes Network Systems“, dem weltweit führenden Provider von Breitband-Satellitennetzwerken. Mit  DirecTV, Amerikas größtes Satelliten-Netzwerk erreicht die News Corporation momentan 13 Millionen Haushalte und strebt bis 2010 zehn Millionen an. Seit dieser Übernahme ist Murdochs News Corp. über das Medium PayTV und deren Distribution an große Hotelketten an dem pornographischen Business in den USA im großen Stil beteiligt. Inzwischen bietet DirecTV  6 verschiedene pornographische Kanäle an (2005)

2004 verkaufte Murdoch über DirecTV den 80.5% Anteil an PanAmSat (29 Satelliten mit 2100 Programmen) an „Kohlberg Kravis Roberts“ für $4.3 Milliarden. Mit dem frei gewordenen Kapital wurde die Verlegung der Operationsbasis des Konzerns von Adelaide/Australien in die Vereinigten Staaten  und die Expansion in das Internetsegment finanziert. 2005 kaufte Murdoch das Unternehmen „Intermix Media Inc.“, den Betreiber von MySpace.com und anderen Social-Networking-Seiten für $580 Millionen. September gleichen Jahres wurde die „IGN Entertainment“ für $650 Millionen übernommen, 2006 folgte „Jamba“(Mobile-Entertainment) für $188 Millionen. Kurz vor der Übernahme von MySpace kündigte die News Corp. mit „Fox Interactive Media (FIM)“ die Gründung einer eigenen Internetplattform an. Zu dieser neuen Konzernformation gehören FoxNews.com, FoxSports.com und Fox.com. Anfang 2008 erwarb News Corp eine 19,9-prozentige Beteiligung am deutschen Pay-TV-Sender Premiere, die 2009 auf 39,96 % aufgestockt wurde. Laut Wikipedia stellen sich die aktuellen Konzernbeteiligungen der News Corporation auf dem Pay-TV- und Satellitenmarkt folgendermaßen dar: BSkyB – Großbritannien (36,8-prozentige Beteiligung), DirecTV Group – Nord- und Südamerika (33,9-prozentige Beteiligung), Sky Deutschland (bis Juli 2009 „Premiere“) – deutscher Bezahlfernsehanbieter (39,96%).

http://www.ketupa.net/murdoch1.htm#broadcast
http://de.wikipedia.org/wiki/News_Corporation

Ähnlich wie in Deutschland gibt es in den USA nur wenige Firmen, die die Distribution von pornographischen Filmen an die Hotelketten über Kabelnetzwerke bewerkstelligen. Die Versionen der Filme die in den Hotelketten der USA zu sehen sind, sind weniger explizit und entsprechen höchstens der XX-Version während Kunden in den Hotels in Übersee durchaus Hardcore-Material zu sehen bekommen. Die wichtigsten Unternehmen in diesem Segment sind „LodgeNet“ und „On Command“ (Spectravision),  die 2001 ca. 190 Millionen Dollar mit ihrem Angebot von pornographischen Filmen an Hotels verdienten. Bei beiden Firmen handelt es sich um Aktiengesellschaften. Marktführer ist die „On Command“, dessen Hauptanteilhaber, die „Liberty Media“, wird von John C. Mallone kontrolliert, Anteilseigner von 15% der Aktien von Rupert Murdochs „News Corporation“ und Aufsichtsratmitglied bei AT&T.  “On Command” bot ihren Service bereits 1999 für  835.000 Hotelzimmer an, bei einem durchschnittlichen Umsatz von $23 je Zimmer pro Monat, also $276 im Jahr, was auf einem Gesamtumsatz von über $230 Millionen hinausläuft. Über die Hälfte dieses Umsatzes soll mit pornographischen Filmen erwirtschaftet worden sein. Inzwischen ist On Command von LodgeNet übernommen worden.  Nach einem Bericht der „Citizens for Responsibility and Ethics in Washington (CREW)” aus dem Jahr 2004 sollen 40% der us-amerikanischen Hotels die Möglichkeit des Konsums pornographischer Filme angeboten haben. Pornofilme generierten ca. 90% des Umsatzes des „pay-per-view“-Verfahrens, der bei $190 Millionen gelegen haben soll.

Die Verbreitung von Breitband-Internetanschlüssen und schnellen Mobilfunkverbindungen ermöglicht immer mehr Verbrauchern, digitalisierte Inhalte direkt auf ihren Computer oder ihr Mobiltelefon zu laden. Verfügten im Jahr 2001 weltweit erst 30 Millionen Haushalte über einen schnellen Internetzugang, waren es 2005 bereits 187 Millionen. Diese Zahl wird der Studie zufolge bis 2010 auf 433 Millionen steigen. Im gleichen Zeitraum dürfte zu den 1,8 Milliarden Menschen mit Mobilfunkanschluss eine weitere Milliarde hinzukommen. Für Online-Abonnements (beispielsweise für Filme), Musikdownloads, Online-Spiele, E-Books und Glücksspiele gaben die Verbraucher im Jahr 2005 rund 19 Milliarden US-Dollar aus, 2010 werden es voraussichtlich rund 67 Milliarden US-Dollar sein. In nahezu jedem Bereich der Branche gewinnt der Kauf digitalisierter Inhalte über das Internet und andere virtuelle Vertriebskanäle an Bedeutung, während die Umsätze mit herkömmlichen, physischen Datenträgern wie CDs, DVDs oder auch Büchern sinkende Verkaufszahlen prognostiziert werden

Aufgrund dieser Markaussichten sind nicht nur die großen Telekommunikationsanbieter daran interessiert ihre Angebote im Rahmen eines „Tripple Play“ – einer gemeinsamen Plattform von Mobiltelefon, Internet und TV – dem Konsumenten als ein Servicepaket zur Verfügung zu stellen. Auch in der Sexindustrie findet zur Zeit ein intensiver Konkurrenzkampf statt, um sich auf diesen zunehmend globalen Markt günstig zu positionieren. Neben einer Anzahl von Übernahmen ist die Situation vordergründig geprägt von Joint Ventures und Networking mit kleineren Unternehmen der Branche, sowie Kooperationen mit Software-, e-commerce- und Hostingfirmen und den Multis der Internet-, Kabel- und Satellitenbranche, einerseits um über ausreichend qualitativen Content für den Endverbraucher zu verfügen und um diesen dann auf allen technischen Medien mit kombinierten Abrechnungsverfahren anbieten zu können. In diesem Zusammenhang finden 2007/8 in den USA die bisher größten Auktionen für Frequenzen von Wireless-Applikationen statt, die auf einen Gesamtwert von 20 Billionen US-Dollar geschätzt werden und die das Potential der verfügbaren Bandbreite in den USA für Wireless nahezu verdoppeln werden. Neben den großen Telefongesellschaften wie „Cingular Wireless“, „Verizon Wireless“ und „T-Mobile USA“ sind es die großen Kabel- und Satellit-TV-Konzerne, die zu den maßgeblichen Bietern dieser Auktion gehören. Ein Konsortium von „Sprint Nextel“, „Time Warner Cabl.“, „Comcast Corp“ und Cox Communication Inc“ bietet bereits mit $638 Millionen mit. Für die Kabelnetzwerkbetreiber bietet Wireless die Möglichkeit ihr sogenanntes „Tripple Play“ von TV, Telefon und Internet zu einem „Quadruple Play“ zu transformieren. Das höchste Gebot liegt seitens der Satellit-TV-Betreiber „DirecTV Group Inc.“ und „Echo Star Communication Corp.“ vor, die sich mit dem Joint Venture „Wireless DBS“ im großen Stil Zugang zum High-Speed-Internetmarkt verschaffen wollen. Ihr Gebot lag bei $973 Millionen. (Mai 2007)

Stoller Robert J., 1991, „Porn – Myths for the 20. Century”,  Yale University Press, New Haven, London

Pastötter Jakob, 2003, „Erotic Home Entertainment und Zivilisationsprozess“, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden

17
Okt
08

Die Sexindustrie und das Internet

Der us-amerikanische Markt der Online-Pornographie


Internet-Pornographie wird über Webseiten, peer-to-peer file sharing Software, ICR und über Usenet-Groups vermarktet und distributiert. Bereits in den 80ern wurde Pornographie im Internet gehandelt, allerdings überwiegend von Privatpersonen und Newsgroups. Mit der Öffnung des Internets für breite Bevölkerungsschichten und der Proklamierung des „World Wide Web“ in der ersten Hälfte der 90er Jahre, kam es zu einer explosionsartigen Ausbreitung von Pornographie über das Internet, die via einem Home- Computer komplikationslos und völlig anonym erhältlich war. Diese Industrie besteht aus einer Reihe weniger großer Unternehmen, die zwischen einigen hundert bis tausenden von Webseiten betreiben und einer großer Anzahl kleinerer Unternehmen. Sie umfasst Firmen, die direkt in der Produktion und Distribution von pornographischen Material involviert sind, aber auch Firmen, die Serviceleistungen wie Hosting, Inkasso und Programmierung anbieten. Kabel- und Satelliten-Netzwerkbetreiber sowie Telekommunikationsdienstleister sind im erheblichen Umfang an diesem Geschäft beteiligt. Global wird die Anzahl der maßgeblich beteiligten Unternehmen, die ihren Umsatz über Mitgliedereinschreibungen, Distribution über das Internet (Pay-per-View, Video-on-Demand, etc.) sowie Werbung und Lizenzierung von pornographischen Inhalten generieren, auf zwischen 150 bis 400 geschätzt.


Quelle: Caslon Analytics profile of the online ‚adult content‘ industrie/

http://www.caslon.com.au/xcontentprofile.htm

Der Markt der Online-Pornographie ist ähnlich wie der der gesamten Sexindustrie immer noch geprägt von einer mangelnden Transparenz und fehlendem verlässlichen statistischen Material. Es gibt zwar eine Vielzahl von Statistiken, die aber, je nach tatsächlicher Einsicht in die Marktstrukturen oder politischer Intention, zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Eine Erkenntnis kann man bei dieser Zahlenjonglage, die nachfolgend teilweise dokumentiert wird, auf jeden Fall gewinnen: Das es sich bei diesem relativ jungen Markt um eine sehr dynamische, profitable und schnell wachsende Branche handelt. Nach einem Bericht von „Forrester Research“ aus dem Jahr 2001 sind 19% der nordamerikanischen User regelmäßige Besucher von pornographischen Webseiten. Von diesen 19% soll jeder vierte User bereits weiblich gewesen sein. Nach den Internetstatistiken und Analysen (2001) von US-Firmen wie “Jupiter Media Metrix”, “Nielsen/NetRatings” und der europäische „NetValue” besuchten ca. 30% aller Internet-User monatlich erotische und pornographische Webseiten bei einer aufgewendeten Gesamtzeit, die zwischen 40 und 85 Minuten lag. Die Firmen “Datamonitor” und “Forrester Research“ schätzten die Anzahl von pornographischen Webseiten für diesen Zeitraum auf 50.000-60.000, während AdultCheck, ein Alterbestätigungssystem für Adult-Seiten von ca. 80.000 Seiten ausging. Nach dem „Internet Filter Review“ der us-amerikanischen Firma „TopTenReview.Inc“ (2003 gegründet) gab es in den USA 2003 4,2 Millionen pornographischer Webseiten – was 12% der globalen Gesamtsumme entspricht – mit jährlich 72 Millionen Besuchern, davon 40 Millionen US-Amerikaner. ( Die auffällige Diskrepanz bei einigen Zahlenwerten ergibt sich aus dem Umstand, das zwischen den Begriffen „Domain“, die beliebig viele Webseiten enthalten kann und einer einzelnen „Webseite“ in einigen Artikeln nicht klar unterschieden wurde) “Websense, Inc.”, ein Provider von Filter-Software, verzeichnete einen enormen Zuwachs von Adult-Webseiten in ihrer URL-Datenbank – von 88.000 im Jahr 2000 zu annähernd 1.6 Millionen Seiten im Jahr 2004. Die Anzahl von Webmastern, bzw. Firmen, die mindestens eine Adult-Seite betreiben, wurden, nach einer Einschätzung von Jason Hendeles im Jahr 2000 auf zwischen 30.000 bis 45.000 geschätzt und man ging von einer Steigerung auf über 110.000 bis 2003 aus. Dies bezieht kleine, vom Privathaushalt aus betriebene Operationen, die in der Regel zwischen 9-18 Domains registriert haben genauso mit ein wie die Majors der Branche, die tausende von Domains betreiben. 2002 sollen nicht mehr als 25 Unternehmen die Branche dominiert haben, wobei der Großteil des Marktes von den 10 führenden Unternehmen kontrolliert wurde.


Jason Hendeles ist der Vizepräsident der Abteilung “Strategic Business Development” des Unternehmens „ICM Registry“. ICM, eine Firma aus Florida, hatte sich bei dem Internetverwalter “Internet Corporation for Assigned Names and Numbers” (ICANN) um ein virtuelles Rotlicht-Quartier beworben, in der alle pornographischen US-Webseiten zentral auf einer Top-Level Domain gebündelt werden sollten. Die ICANN hat diese Bewerbung nach einer unüblichen politische Einflussnahme der Regierung aufgrund des wachsenden Drucks konservativer, christlicher Familienorganisationen, abgelehnt.


2005 listete Google beim Suchbegriff „Porno“ 35 Millionen Seiten auf. Ein Viertel der täglichen Anfragen bei den Suchmaschinen (68 Mill.) soll sich auf pornographisches Material beziehen. Der Markt für Internetpornographie wird auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt, im Verhältnis zu dem angenommenen 57 Milliarden Dollar schweren weltweiten pornographischen Markt zwar noch ein geringer Anteil, der aber stetig im Wachsen begriffen ist. Vor allem da der Markt für Adult-Videos, der global auf 20 Milliarden Dollar geschätzt wird, sich zunehmend auf die Distributionsmöglichkeiten des Internets über Video-on-Demand und Pay-per-View auszurichten beginnt.

Neben der direkten Produktion von Pornographie sind in dem Online-Sektor die Bereiche Analyse, Navigation, Webdesign und Werbung wichtige Segmente des Business. Analyse meint vor allem eine Untersuchung und Aufschlüsselung des Traffics einer betreffenden Weboperation zum Zwecke des verbesserten Marketings. Es gibt Unternehmen deren Service auf einem klaren Preis-Leistungsverhältnis beruhen und andere, die von vor allem kleineren Webunternehmen die Platzierung von Werbebannern oder eine Umsatzbeteiligung als Gegenleistung einfordern. Dieser Service ist inzwischen fester Bestandteil aller großen Partnerprogramme. Navigations-Services bieten spezielle Directories für den User und leiten den Traffic zu einzelnen Seiten. Diese Webseiten bieten neben Hitlisten Linksammlungen von einigen tausend bis 80.000 Links und lassen sich die Platzierung von den Webseiten-Betreibern bezahlen. Ein weiterer wichtiger und lukrativer Geschäftsbereich, der von den beteiligten Firmen als Bestandteil des regulären IT Management Systems gesehen wird, ist die Entwicklung und Anwendung von Filter-Software, um den Zugang zu pornographische Inhalten einzuschränken.


Im Jahr 1997 schätzte Forrester Research den gesamten Online-Endkunden-Markt in den USA auf über $ 2,4 Milliarden. Für 2004 wurde dieser Markt auf über $ 140 Milliarden geschätzt, was einer Wachstumsrate von ca. 80% entspricht und für 2005 ging man von einen gesamten us-amerikanischen e-commerce-Umsatz von knapp $ 170 Milliarden aus. Umsätze des e-commerce in Europa sollen 2004 $ 90 Milliarden ausgemacht haben und wurden für 2005 auf $ 130 Milliarden geschätzt. Der Online-Content-Markt stellt natürlich nur einen Teil dieser Umsätze dar, der sich aufgrund besserer Anbindung der Konsumenten an High-Speed- und Flatrate-Verbindungen aber deutlich erhöhen wird. Nach “Jupiter Research” entwickelt sich der europäische Online-Content-Markt, der im Vergleich zu den USA noch unterentwickelt ist, sehr schnell. 2003 sollen 9% der europäischen Internetnutzer bereit gewesen sein Online-Content und Services zu kaufen, was in einem Umsatz von €693 Millionen resultierte. Das größte Segment stellten hierbei kostenpflichtige pornographische Inhalte, die 43% der Aufwendungen der User ausmachten. Weiterer nicht sexuell-expliziter Multimedia-Content (Musik, Spiele, Video) machten 23% dieses Umsatzes aus. Für 2007 wird davon ausgegangen, das inzwischen 23% aller europäischen User bereit sind Online-Käufe zu tätigen, wobei von einem statistischen Wert von 70€ ausgegangen wird, die jeder User investiert. Wegen der besseren Breitbandanbindungen und der höheren Akzeptanz wird erstmals die Online-Pornographie nicht den Hauptumsatzes dieser Branche generieren. Regulärer Multimedia-Content und Service sollen nach dieser Voraussage 50% des Gesamtumsatzes ausmachen, gefolgt von kostenpflichtigen Bild und Text-Downloads mit 25% und weiteren 25% die die Adult-Branche betreffen. Diese Prognose deckt sich mit dem Ergebnis einer US-Studie aus dem Jahr 2006,die verschiedene Suchmaschinen wie Excite und Alta Vista im Zeitraum 1997 bis 2005 auf die Frequenz pornographisch- und sexorientierter Suchanfragen untersuchte, aus der hervorgeht das diese im Verhältnis zu anderen Suchanfragen erheblich zurückgegangen sind – von 16,8% im Jahr 1997, zu 8,5% 2001, bis zu weniger als 4% im Jahr 2004. Allerdings bezieht die Studie die Marktführer Google, MSN, AOL und Yahoo! In ihre Untersuchung nicht mit ein. Ein Artikel von time.com vom November 2007 bestätigt diese Tendenz . Danach ist der Traffic von Pornowebseiten in den USA von 16,9% im Oktober 2005 auf 11,9% im November 2007 zurückgegangen. Für über 25-jährige User ist sexuelles Entertainment im Web nach wie vor populär und rangiert hinter den Suchmaschinen an zweiter Stelle. Bei den 18-24-jährigen zeigt sich laut dieser Untersuchung aber ein anderer Trend: an erster Stelle stehen Social-Networking-Seiten, gefolgt von Suchmaschinen und e-Mails. Der Besuch von pornographischen Webseiten steht hier nur noch an der vierten Stelle.


“Sexual and Pornographic Web-Searching – Trend Analysis”(2006) von Amanda Spink, Helen Partridge und Bernard J. Jansen / http://www.firstmonday.org/issues/issue11_9/spink/

http://www.thenewatlantis.com/archive/6/jrosen.htm

http://internet-filter-review.toptenreviews.com/internet-pornography-statistics.html


Für die Porno-Industrie hatte das Internet eine enorme Dezentralisierung zur Folge, die nicht nur die Konsumption, sondern auch die Produktion und den Versand betrifft und bot den Majors der Branche die Möglichkeit der Mehrfachverwertung ihres Materials. Schon Ende der 90er konnte ein Pornofilm, z.b. von Vivid oder Private produziert, der in Video- und Sexshops zum Verleih und Verkauf auslag, gleichzeitig über Mail-order vertrieben – im Pay-TV, im AT&T eigenen Sender „Hot Network“ oder im Hotelzimmer angeschaut – und auf den Porno-Webseiten zur Konsumption angeboten werden. Zu den bekanntesten Unternehmen der Sexindustrie gehören neben den Konzernen, die aus dem traditionellen pornographischen Druckgewerbe entstanden sind, wie die “Larry Flynt Publishing”(Hustler), “Playboy” und die “Private Media Group”, Unternehmen wie “Vivid Video”, ”New Frontier Media” und “Rick’s Cabaret”, die alle an der Börse notiert sind. Als die größten Unternehmen in dem Geschäft mit der Online-Pornographie galten um die Jahrtausendwende Voice Media (Cybererotica) und RJB Telcom, welche beide im Audiotext-Segment(Telefonsex) aktiv waren, bevor sie ihre Internetunternehmungen starteten. Außerdem Vivid Video, iGallery, WebPower, CyberEntertainmentNetwork(CEN), „Python Communications“ und BabeNet Ltd.. Im Bereich des “Premium Contents” sollen sie ungefähr die Hälfte des Marktes kontrolliert und zusammen einen Gesamtumsatz von mehr als einer Billion Dollar verzeichnet haben. Allein das Unternehmen „RJB Telcom“ kam auf einen jährlichen Umsatz von ca. 125 Millionen Dollar. Die Mehrzahl dieser Unternehmen befindet sich in privaten Händen, wobei eine zunehmende Tendenz zur Unternehmenskooperation und Networking festzustellen ist. So haben das „Cyber Entertainment Network” und “VS Media” Joint-Ventures mit der „Private Media Group” abgeschlossen, wie auch zwischen “Voice Media” und „Rick’s Cabaret International“ Geschäftskontrakte bestehen. „Private“, wie „Rick`s“ sind öffentlich gehandelte Aktienunternehmen, wie dies auch bei „iGallerie“, die inzwischen Bestandteil von „New Frontier Media“ sind, der Fall ist.


„How Big Is Porn?”, Dan Ackman, Forbes.com, (05.25.01)

Weissbuch der “Free Speech Coalition” (2005) / http://www.freespeechcoalition.com/whitepaper05.htm


Die Zusammenarbeit zwischen Technologie-, Softwarefirmen und Internetdienstleistern mit der Online-Sexindustrie schließt viele bekannte us-amerikanische Konzerne mit ein, u.a. Marriott, Exodus, Concentric, Verio, AboveNet, UUNet (im Besitz von MCI), Sun Microsystems, Yahoo!, AltaVista, Covad, Pacific Bell, Bell Atlantic, Real Networks, Microsoft, AOL und Earthlink. Die größten amerikanischen Kabelnetzwerkbetreiber und Satellitenfirmen, die an pornographischen Filmen über das Pay-per-View-Verfahren mitverdienen sind: Time-Warner, AT&T Cable, , News Corporation über Echostar und DirecTV und Comcast. Während der sogenannten Dot.Com-Krise in den Jahren 2000/2001 erwies sich das Segment der Online-Pornographie als relativ krisenfest und als stabilisierender Faktor der gesamten Internet-Ökonomie. In dieser Zeit, als viele Unternehmen des e-commerce bankrott gingen und ihren laufenden Zahlungen nicht mehr nachkommen konnten, war der Bedarf an Hardware, Hosting-Service und Bandbreite im Adult-Sektor ungebrochen nach wie vor hoch.


Inzwischen hat sich mit “AdultVest.com” die erste Investmentfirma gegründet, die über ihre Webseite mögliche Investoren und Unternehmen aus der Sexindustrie zusammenbringt. Mai 2006 hatten sich bereits 1000 Investoren über die Webseitenformulare des Unternehmens registrieren lassen.


Für Hosting-Firmen, die die Hardware des WorldWideWeb zu Verfügung stellen, stellte die Online-Pornographie ein wichtiger Einkommensfaktor dar, u.a. weil pornographische Webseiten eine weitaus größere Bandbreite und dementsprechend optimierte Hardware zur Darstellung der Photos und Filme benötigen, während viele der Non-Adult-Seiten sich früher überwiegend aus Html-Layout, textbasierten Inhalt und kleinen Graphiken zusammensetzten. Nach Informationen von „PCData Online“ und „NetCraft“ werden 14 der 20 us-amerikanischen Top-Adult-Sites von bekannten Firmen des regulären Internet-Kommerzes gehostet. “Akamai”, eine globale Caching-Company mit mehr als 8000 Servern, die an ca. 1200 Internet Service Providern stationiert und in über 55 Ländern an 700 verschiedene Netzwerke angeschlossen sind, ist ebenfalls an dem Business der Online-Pornographie beteiligt. Den Service den Akamai anbietet, besteht darin Webseiteninhalte(Content) von einem zentralen Server auf viele verschiedene zu platzieren, die sich näher am realen Ort der Konsumenten befinden. Dies sorgt führe schnellere Übertragungszeiten und vermindert die Gefahren von Netzwerküberlastungen. Akamai, zu deren Kunden u.a. CNN, Nasdaq, Apple, Microsoft, Yahoo, CBS und MSNBC gehören, bietet separat, über die Firma „Directrix” seinen Service auch für die Adult-Industrie an. Im März 2001 kam es zwischen der Firma und 15 führenden Unternehmen der Branche, wie Playboy, Vivid, iGallery und Babenet, zu weiterführenden Geschäftsgesprächen.


Zu den Firmen, die pornographische Webseiten hosten, gehören Unternehmen wie AboveNet (eine Tochterunternehmen von Metro Fiber Network(MCI)) , die beide zum MCI-Konzern gehörende Digex und UUNet, außerdem Exodus, Level3, und Verio (im Besitz des japanischen Telekomkonzerns NTT). AboveNet hostet die führende Adult-Webseite „Karasxxx.com“ von RJB Telcom mit monatlichen 6,9 Millionen Usern (2001). MCI hostet über seine Firmen Digex and UUNet, sowie Business Internet Inc die Megaseiten „Cybererotica“ mit einem monatlichen Traffic von über 4 Millionen monatlich (4,6 Mil./Februar 2001) und „adultrevenueservice.com“, außerdem die Webseiten „smutserver.com“, „sexspy.com” und “amateurfreehost.com”. Die Hostingfirma Exodus liefert ihren Service u.a. an „sexshare.com“, “adultfriendfinder.com”, wie auch “Danni’s Hard Drive“. “Level3” welche eines der größten Glasfaser-Netzwerke in den USA betreibt und 33% an dem Telekom-Unternehmen RCN besitzt, hostet die Webseiten „sleazydream.com“ und „lightningfree.com“.


Die großen Suchmaschinen-Betreiber, wie Yahoo, Alta Vista, AOL und Excite machten (2000) alle erhebliche Umsätze mit Onlinewerbung für pornographische Webseiten, vor allem mit der Bannerwerbung auf den Ergebnis-Seiten der dementsprechenden Such-Anfragen. Im Gegensatz zu den Firmen Compuserve und Prodigy, die in der Anfangszeit ihre Chatrooms und Messageboards kontrollierten und sexuell explizitite und obszöne Inhalte zensierten, vertrat AOL eine tolerante Geschäftspolitik gegenüber den Chat-Aktivitäten seiner Mitglieder und verschaffte sich so einen Wettbewerbsvorteil. Neben dieser toleranten Linie in den öffentlichen Chatrooms hatten AOL-Mitglieder die Möglichkeit eigene Chatrooms zu kreieren, einmal auf der Ebene von Interessengruppen und weitergehend als „private area“ wo die Öffentlichkeit ausgeschlossen war und der Zugang nur über persönliche Einladung erfolgte. 1996 sollen diese öffentlichen bis privaten Chat-Räume das profitabelste Geschäftsegment von AOL gewesen sein und 25% der gesamten Onlinezeit aller AOL-Mitglieder ausgemacht haben.


Yahoo hat in den ersten Jahren nach der Unternehmensgründung Sex als einen profitablen Geschäftsbereich wahrgenommen und dementsprechende Marketingstrategien entwickelt. Die zu sexuellen Themen bezug nehmenden Kategorien waren vielfältig und umfangreich. 1997 bot Yahoo dann den speziellen Service von „Adult-Only-Chatrooms“ an und betrieb dort eine intensive Vermarktung des dortigen Web-Space an pornographische Webseitenbetreiber. Yahoo hatte jahrelang auf den sex-orientierten Suchmaschinenseiten Bannerwerbung für pornographische Webseiten zugelassen und eine eigene Webseite, auf der Pornovideos und andere Produkte verkauft wurden, betrieben. 2001 kam es zu einer massiven E-Mail-, Presse- und Telefonkampagne von konservativen religiösen Gruppen, u.a. der einflussreichen „American Family Association“ Yahoo sah sein Image als Internet-Einstiegsseite für die ganze Familie bedroht und entschloss sich Werbung für pornographische Produkte nicht mehr zuzulassen. Dies betraf vor allem die Yahoo-Seiten für Shopping, Auktionen und bezahlte Anzeigen, sowie die Bannerwerbung. In dem folgenden dreimonatigen Zeitraum April bis Juni 2001 betrogen die Einnahmen von Yahoo 140,7 Millionen Dollar, im Gegensatz zu 232,9 Millionen Dollar für den gleichen Zeitraum im Jahr 2000. Ein defizitäres Ergebnis, welches sicherlich auf die damalige Dot.com-Krise verweist, aber auch auf die fehlenden Werbeeinnahmen, aufgrund des Beschlusses keine pornographische Werbung mehr zu schalten, zurückzuführen war.


Im August 2000 schloss AltaVista mit der Private Media Group einen bis dahin für reguläre Suchmaschinen ungewöhnlichen Geschäftskontrakt betreffend der Bannerwerbung ab. Anstelle eines normalen Werbevertrages wurde AltaVista ein Prozentsatz der Einnahmen, die aus den Mitgliedsbeiträgen von „Privates“ Webseiten resultierten, die über die Suchmaschine zustande kamen, zugesprochen. Über die Hälfte aller Suchanfragen bei AltaVista – zum damaligen Zeitpunkt 50 Millionen täglich – sollen sich auf sexuell relevante Themen bezogen haben. „Private“ erhoffte sich über dieses Arrangement weitere Einnahmen und einen höheren Traffic für seine Webseiten aus dem europäischen, pazifischen und asiatischen Raum, sowie aus dem mittleren Osten. Der nordamerikanische Markt – USA und Kanada – waren von diesem Kontrakt ausgeschlossen. In den Wirtschaftsanalysen und Statistiken großer Unternehmen ist das Segment „Online-Sex“ als Umsatzfaktor allerdings selten zu finden. Auch in den Reports von Wirtschaftsanalysten wird dieser Einkommensfaktor immer seltener aufgeführt. Die europäische Firma Datamonitor, die Ende der 1990er noch aufschlussreiche Statistiken erarbeitete und veröffentlichte, hat ihre Forschung eingestellt und sieht von einer Aktualisierung ihrer Statistiken ab. Dies mag aus „Rücksicht“ auf die betreffenden Großkonzerne, die gleichzeitig auch die wichtigsten Großkunden der Analysten sind, geschehen. Diese Unternehmen müssen, vor allem in den USA, Rücksicht auf die öffentliche Meinung nehmen, die oftmals durch Kampagnen einflussreicher konservativer christlicher Organisationen bewusst lanciert wird. Beste Beispiele sind die veränderte Geschäftspolitik von Yahoo nach einer inszenierten Mail- und Telefonkampagne im Jahr 2001 und der teilweise Rückzug von AT&T aus dem Geschäft mit der Online-Pornographie nach Auktionärsprotesten gleichen Jahres.


Usenet Newsgroups und das Bulletin Board System (BBS)


1979 entwickelten die Studenten Tom Truscott und Jim Ellis von der Duke University das sogenannte Usenet. Sie erdachten ein Dateien-Übertragungssystem in welchem die Beteiligten Nachrichten empfangen und lesen sowie abschicken konnten, die in einer Reihe von Kategorien, den „newsgroups“, unterteilt waren. Diese Nachrichten, Artikel, Textbotschaften, etc. wurden dann gespeichert und an eine große Gruppe von Servern weitergeleitet, die es möglich machten jede Textnachricht von einer Person zu Vielen zu transferieren. Das Usenet war zu seiner Zeit eine sehr innovative Technologie, galt aber mit der Einführung des Internets und des E-mail-Systems zunehmend als antiquiert. Die in den newsgroups geführten Diskussionen werden über Google Groups indiziert, aber keine der großen Suchmaschinen erfasst den Multimedia-Content, vor allem Videos und Photos, der weiterhin über das Usenet transferiert wird. Obwohl Yahoo und Google, sowie verschiedene P2P-Netzwerke ähnliche Möglichkeiten des Datentausches anbieten, werden laut Wikipedia täglich mehr als 2 Terrabytes an Content in das Usennet eingegeben. Die Usenet Newsgroups, ursprünglich eine rein textbasierte Möglichkeit des Meinungs- und Informationsaustausches, waren einer der ersten Internetservices die zur Distribution von Pornographie verwendet wurden.


Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre, als digitale Kameras und dementsprechende Software für den Computer für einen Massenmarkt verfügbar wurden und über das Usenet und später über Yahoo- und MSN-Groups freier Webspace angeboten wurde, bildeten sich eine Vielzahl von Gruppen, die sich mit speziellen sexuellen Interessen beschäftigten und dort ihre eigen Photos veröffentlichten. Viele Menschen aus der BDSM-Szene nutzten mit als erste diese Möglichkeiten des Internets. Aufgrund ihrer ausgefallenen sexuellen Praktiken und des möglichen Potentials einer Stigmatisierung war dort das Bedürfnis nach Informationsaustausch, Kommunikation und Partnersuche größer als bei anderen Gruppen. Innerhalb des Baums des Usenets unter hyerarchy alt. binaries.pictures.erotica mit den Untergruppen interracial, .transvestites und .wives, sowie unter alt.personal.bondage, bekommt man einen Einblick in die Bilderwelten dieser BDSM und Amateur-Interessengruppen. Viele dieser Seiten sind allerdings spam-verseucht und es besteht die Gefahr mit Bildmaterial konfrontiert zu werden, welches Szenen extremer Gewalttätigkeit oder Kinderpornographie enthält. Um dies zu vermeiden kann man einen der vielen Usenet-Services, wie pictureview.com in Anspruch nehmen, die beispielsweise jegliche Form von Kinderpornographie herausfiltern.


Zu jedem pornographischen Genre und jeder Nische gibt es dementsprechende Newsgroups. Das dargebotene Material besteht überwiegend aus Files von Bildern und Filmen, die von Magazinen gescannt, von kommerziellen Pornoseiten heruntergeladen wurden oder aus privat aufgenommenen Material. Außerdem stellen viele Unternehmen der Online-Pornographie Bildmaterial, das mit Wasserzeichen versehen ist, in das Usenet und nutzen es so als eine freie Werbemöglichkeit.


Über die unmoderierte Newsgroup Alt.sex.prostitution , die 1995 alt.sex.services und alt.sex.brothels ersetzte, fanden Diskussionen und ein Informationsaustausch über alle Aspekte der Prostitution statt. Aus der Perspektive der in diesem Bereich arbeitenden Frauen, wie auch aus der Sicht der Freier wurden die Situationen in den verschiedenen Ländern erläutert, Preise verglichen und Bordelle, Clubs, Bars, Callgirl-Ringe und Straßenprostituierte vorgestellt.


Obwohl bei diesem Material oft gegen das Urheberrecht verstoßen wird, ist es bis jetzt kaum zu juristischen Vorstößen der betroffenen Unternehmen und Content-Vermarktern gekommen. Newsgroup-Pornographie ist kostenfrei erhältlich und wird, wenn überhaupt, auf Tauschbasis gehandelt. Es stellt nach wie vor eine populäre Möglichkeit für Einzelpersonen dar, Pornographie anzubieten und zu erhalten und bietet ein größeres Maß an Anonymität da keine Übermittlung von Kontaktdaten, wie dies beim kostenpflichtigen Einloggen auf kommerziellen Seiten der Fall ist, verlangt werden. März 2005 waren beispielsweise innerhalb der alt.sex—Hierarchie noch über 1600 Gruppen verzeichnet, wobei ein Großteil der Gruppen keine nennenswerten Aktivitäten verzeichneten. Die Möglichkeit eines nicht-kommerziellen Video- und Bildertausches hat das Usenet, eigentlich ein Relikt aus den Anfangszeiten des Internets, lebendig gehalten. Eine weitere Methode nichtkommerzieller Distrubution von Pornographie bietet das ICR (Internet Relay Chat), ursprünglich ebenfalls ein textbasiertes Chat-System, dessen Popularität aber im Laufe der letzten Jahre zugunsten anderer file-sharing-Netzwerke, wie z.b. „Instant messaging“ von AOL nachgelassen hat.


GUBA“, eine Suchmaschine und Archivierungssystem, wurde 1998 von zwei Studenten der Arizona State University entwickelt um die enorme Datenmengen des Usennets zu erfassen. Die Möglichkeiten die „GUBA“ bietet haben erheblich mit dazu beigetragen das das Usenet gegenüber der Konkurrenz von ähnlichen Anbietern wie Google Video, Kazaa und Bit Torrent, etc., überlebt hat. Das Potential von “GUBA” liegt in der Suchmaschine und in der Implementation von Technologien, die die Wiedergabe der gewünschten Medien in fast allen gängigen Dateiformaten ermöglicht. Der flash-basierende Videoplayer spielt beispielsweise alle Typen von Videodateien ohne größere Wartezeiten ab. Der über „GUBA“ abgerufene Content ist mit den neuen Medien wie Apple’s Video iPod, Sony’s PlayStation Portable (PSP) und Microsoft’s Xbox 360 kompartibel und macht so die Multimediadaten des Usenets für jede Internetplattform zugänglich. Das Unternehmen sieht sein Ziel aber nicht nur in einer Vermarktung des Usenets, sondern weitergehend in einer Bereitstellung des Contents für den zukunftsträchtigen Mobile-Content-Markt. Gerade auch in Hinblich auf die Adaption der Technologien von dem Video iPod und PSP, stellt Pornographie ein nicht unbeträchtliches Marktsegment dar. Der überwiegende Teil der Multimediadaten des Usenets sind nicht erotischen oder pornographischen Kategorien zuzurechnen, bei den Usern von „GUBA“ stellt dies aber ein populäres Thema dar. Die Unternehmen mit denen „GUBA“ Geschäftspartnerschaften eingegangen ist, stammten zunächst alle aus dem Adult-Bereich: Video Box, AEBN, WantedList und Xobile. Aufgrund der konsumentenfreundlichen Such- und Navigationsfunktionen und vor allem der Komparibilität zu vielen Dateiformaten geht man davon aus sich weiterhin erfolgsversprechend auf dem Internetmarkt platzieren zu können und strebt strategische Partnerschaften in regulären Geschäftsbereichen an. Neben dem Hauptgeschäftsbereiches des Mediendownloads – für einen monatlichen Betrag von $14.95 können User Unmengen von Daten herunterladen – bietet „GUBA“ Partnerprogramme und Möglichkeiten für Content-Provider an. Inzwischen hat sich „Guba“ neu ausgerichtet. Die Adult-Sparte wurde ausgegliedert und ein kostenloses Videohosting-Angebot geschaffen. Weitergehend bietet „Guba“, nachdem dementsprechende Vereinbarungen mit Sony und Warner Bros. abgeschlossen wurden, den kostenpflichtigen Downloads von Hollywoodfilmen an. Seit März 2003 wird der lukrative Geschäftsbereich der Onlinepornographie von Guba über die Plattform skinvideo.com abgewickelt.


Quelle: AVN-Online, “Guba – Sexing up Usenet” 3-1-2006


Eine weitere Form des Informationsaustausches stellten die frühen Internetforen dar, die inzwischen allgemeiner Standard für die Kommunikation der verschiedenen Webcommunities geworden sind. Im Gegensatz zum offenen Usenet setzen die meisten Webforen eine Registrierung voraus. Viele Foren bieten registrierten Benutzern die Möglichkeit, sich per E-Mail benachrichtigen zu lassen, wenn neue Beiträge verfasst wurden. Ein Bulletin Board, als eine spezielle Form des Webforums, vereint alle Postings eines Themas auf einer Seite Nach einer einstellbaren Anzahl von Beiträgen wird das Thema auf eine Folgeseite umbrochen. Der Vorteil dieser „flachen“ Struktur ist eine niedrigere Abrufzeit, kann aber bei umfangreichen Themen zur Unübersichtlichkeit führen. Bereits vor der Geburt des World WideWeb anfangs der 1990er, wurden im größeren Umfang Informationen über solche Bulletin Board Systems (BBS) Sysops (Systems Operators) ausgetauscht. BBS startete Ende der 70er und hatte seine größte Popularität Ende der 80er Jahre erreicht. Während ein Großteil des Datentransfers der über das Bulletin Board System abgewickelt wurde nichtkommerziell war und dem Austausch von Informationen und Software diente, nutzten andere BBS-Operateure das System zum Versand von Pornographie. Die Bezahlung wurde derzeit über verschiedene Methoden abgewickelt. Entweder mussten Kunden eine Telefonnummer anrufen und einem realen Ansprechpartner die notwendigen Kreditkarteninformationen übermitteln. Die eigentliche Transaktion wurde dann manuell oder mit Hilfe von ICVerify, einem Softwarepaket, das die Überprüfung der Kundeninformation und den Überweisungsvorgang abwickelte, vorgenommen.


Andere Operateure nutzten die Zahlungssysteme die in der Telefonsexindustrie gebräuchlich waren und erhoben anfangs von jedem, der eine dementsprechend angewiesene 900-Nummer gewählt hatte, Gebühren. Da mit dieser Methode aber keine Kontrolle, inwieweit sich Minderjährige und andere unautorisierte Personen Zugang verschafften, möglich war, ging man bald dazu über den User seine Kreditkarteninformationen per Telefon über ein Interactive Voice Response (IVR) System übermitteln zu lassen, das dann den Prozess des Geldabhebens an das bestehende Visa/Mastercard-Netzwerk weiterleitete. 1993/4 wurde bereits im erheblichen Umfang Pornographie per Kreditkartenüberweisungen über das Internet gehandelt, während Server-Firmen wie Netscape zu diesem Zeitpunkt Schwierigkeiten hatten den erhöhten Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. SSL Security und Methoden der Datenverschlüsslung wurden gerade in das System implantiert, hatten aber oft Kompatibilitätsprobleme und die Serversoftware war teuer und kompliziert zu handhaben. In Konsequenz entwickelte sich das Apache Server Projekt, ursprünglich ein Open Source Projekt, welches freie Server-Software produzierte, zum Marktführer. 2001 wurden bereits über 60% aller Server weltweit über Apache betrieben, im Segment der Online-Pornographie soll dieser Prozentsatz sogar bei über 80% gelegen haben..