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13
Jan
10

Die Anfänge der Liberalisierung von Pornographie

Dänemark als Vorreiter

Im politisch liberalen Klima Dänemarks wurden bereits seit 1962 literarische Erotika gehandelt und 1964/5 wurde pornographisches Material in hoher Quantität, bis hin zum bekannten „Weekend-Magazin“ produziert. 1967 wird das gesetzliche Verbot für pornografische Schriften aufgehoben. Zwei Jahre später, 1969, werden auch erotische Abbildungen und Materialien legalisiert. Pornobücher, also reine Textpornographie, die vor der Legalisierung sehr populär waren und wöchentlich, mit 2-3 neuen Exemplaren in hohen Auflagen auf den Markt geworfen wurden, versanken danach in der Bedeutungslosigkeit. Zu diesem Zeitpunkt hat Dänemark die liberalste Pornografie-Gesetzgebung der Welt. Ein prosperierender Wirtschaftszweig entstand, der bereits 1969 etwa 50 bis 70 Millionen Dollar umsetzte. Das Geschäft mit der Pornografie boomte – auch wenn die Preise nach der Legalisierung vorübergehend fielen. Wichtige Exportländer dänischer Pornographie waren Deutschland, Schweden und die USA. Nach der Legalisierung gab es in Dänemark etwa 100 Sexläden, über die Hälfte davon in Kopenhagen, die zu ca. 25% von Ausländern frequentiert wurden, die ihren Bedarf nicht über den Versandhandel, sondern in persona abdeckten. Bereits 1969 fand in Kopenhagen, mit ca. 50.000 Besuchern, die erste Sexmesse der Welt statt – die „Sex 69“. Schweden hebt 1971 das Pornografieverbot auf. Den beiden skandinavischen Ländern kommt im rechtshistorischen Sinne eine Vorreiterrolle zu. 1973 wird dann auch in Deutschland die Herstellung und Abgabe von Pornografie an Erwachsene legalisiert. In den 60er Jahren waren eine große Vielfalt von Kleinstverlagen und Produktionen am Geschäft mit der Pornographie beteiligt. Ab Anfang der 70er Jahre findet in dieser Branche eine starke Marktkonzentration und Professionalisierung statt, an deren Ende nur eine kleine Zahl von Großunternehmen übrig bleibt.


http://archives.arte-tv.com/de/archive_271127.html

Der Pressemarkt –  Veränderungen im Mainstream, Sexillustrierte und Pornomagazine

Bereits im Gründungsjahr der Bundesrepublik 1949 regte F. J. Strauß ein „Bundesgesetz gegen Schmutz und Schund“ an, aus dem 1953 das „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften“ (GjS) hervorging. 1954 wurde dann die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPJS) gegründet. Neben Schriften können Comics, Filme, Videos und inzwischen auch  Computerspiele, CDs und DVDs indiziert werden. Ausgenommen sind lediglich Fernsehsendungen.In den fünfziger und sechziger Jahren gerieten vorwiegend harmlose Erotik -, Western- und Krimiromane, FKK-Zeitungen, sowie Abenteuercomics auf den Index. Indiziert wurden beispielsweise „Tarzan“-, „Akim“-, „Sigurd“- und andere Comic-Hefte. Henri Miltens Sittenroman „Quer durch die Betten Europas“ wurde 1954 indiziert. Es folgten Sacher-Masochs „Venus im Pelz“ (1958) de Sades „Philosophie im Boudoir“ (1963) und Josefine Mutzenbacher (1968).

Ab Ende der 60er Jahre kam es zu einer Verschiebung der Zensurmaßnahmen in Deutschland. 1967 indizierte die Bundesprüfstelle insgesamt 705 Titel, davon allein 702 aufgrund ihres erotischen Inhalts. In den siebziger Jahren konzentrierte die BPJS sich dann auf die Produkte der Porno- und Sexwelle. In diesem Zusammenhang wurden in größeren Mengen Horrorhefte und Undergroundcomics indiziert. Ein Focus dieser Behörde lag auf den „Fumetti neri per adulti“, italienische Pornocomics, oft mit einem makaberem Horroreinschlag, die größtenteils verboten wurden. Herausgegeben wurden diese Hefte von dem Aachener „Freibeuter-Verlag“ der aufgrund von bis zur einjährigen Dauerindizierung gegen sieben seiner Comic-Serien, wie  „Messalina“ und „Oltretomba“, schwere finanzielle Verluste hinnehmen musste und bankrott ging.

In Italien entwickelte sich ab 1962 die Comic-Gattung der „fumetti neri“.  Herausragende Figur war „Diabolik“, ein Negativheld, der Nachts zu kriminellen Unternehmungen auszieht und das Gesetz bekämpft. Inspiriert wurde dieses Comic durch Marcel Alains Figur „Fantomas“. 1965 erschien mit „Satanik“ der erste weibliche Held der „fumetti neri“. Im Zuge der vielen Nachahmungen und Folgeerscheinungen flossen bald immer mehr Horrorelemente, dann sadistische Darstellungen und später verstärkt pornographische Inhalte mit ein, mit denen das das Genre „fumetti neri“ im Rückblick gleichgesetzt wurde. Beliebte Themen wurden unter diesem Gesichtspunkt die Verführung von Jugendlichen, Nekrophilie, Inzest, Masturbation und Sodomie

Die Verlage „Olympia Press“ aus Frankfurt und der Beate-Uhse-Verlag „Carl Stephenson“ standen ebenfalls unter besonderer Beobachtung der Bundesprüfstelle, aber auch Verlage aus der linken Alternativszene waren oft betroffen, wie z.b. der „Volksverlag“ in Linden, der im deutschen Raum Anfang der 80er eine Vorreiter-Rolle auf dem Comicmarkt innehatte. So wurde das ironisch-emanzipatorische Comic „Anne und Hans kriegen ihre Chance“ des Holländers Theo van de Boogards (1970/Brumm-Comic), welches sich für den Sexualkundeunterricht an den Schulen geeignet hätte, verboten. Trotz dieser aus heutiger Sicht oft unverständlichen Entscheidungen wies die Indizierungspraxis im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen liberalere Parameter auf als in den vorangegangenen Jahrzehnten. Die Folgen einer Indizierung bestehen vor allem in einem Abgabeverbot an Jugendliche und einem Verbot jeder öffentlichen Werbung. Es gilt bereits als Werbung, wenn in einem für Jugendliche zugänglichen Geschäft ein indiziertes Produkt offen ausgelegt oder in einem Katalog auch nur genannt wird.

Im Zusammenhang mit der außerparlamentarischer Opposition und der Studentenbewegung begann eine öffentliche, kritische Auseinandersetzung mit der überkommenen Sexualmoral. Durch die Strafrechtsreform von 1973 wurde dann auch die mediale Darstellung von Sexualität liberalisiert, Scham- und Tabugrenzen verschoben sich. Anfang der 60er Jahre sind in den Zeitungen der Regenbogenpresse nur kleine Anzeigen für Miederwaren und Kosmetikprodukte zu finden. Ab 1964 werden diese Anzeigen großformatiger und enthüllen nach und nach Brustansatz, Oberschenkel, Po und Bauch der Modelle.  Mit größerer Regelmäßigkeit werben nun weibliche Modelle auf den Titelseiten für den Kauf der Zeitschriften. Bei der Illustrierten „Quick“ beispielsweise, werden die Titelmodelle bis 1968 im Badeanzug oder Mieder abgebildet, während sich dann das Maß der Entblößung im Rahmen einer kalkulierten Redaktionspolitik  bis 1970 steigert: ein Titel von 68 zeigt ein Modell von hinten mit entblößtem Rücken, später folgt ein Frontalakt bis zur Hüfte und einige Ausgaben weiter ein Totalakt mit Schamhaar. Dieser Entwicklung schlossen sich spätestens ab Anfang der 70er die meisten großen Publikumszeitschriften an.

Zur gleichen Zeit  bildete sich das neue Segment der Sexillustrierten heraus. Erschlossen wurde dieser lukrative Markt von den 1968 in Hamburg gegründeten „St. Pauli-Nachrichten“. Inhaltlich war neben kleinen Artikeln zum Thema St. Pauli, dass Thema Sex, vor allem visuell, dominierend. Der umfangreiche Kontaktanzeigenmarkt mit sexuelle Such- und Kontaktanzeigen war einer der Hauptträger der Zeitung. Die enorme Auflagensteigerung trotz oder gerade wegen der Gefahr der Dauerindizierung durch die BPJS von anfänglichen 10.000 bei einer monatlichen Erscheinungsweise, zu 1,2 Millionen Exemplaren wöchentlich im Frühjahr 1970, führte in Kürze zu vielen Folgeproduktionen – so gab es im Zeitraum 1971 an den deutschen Großstadtkiosken bereits 15 verschiedene Sex-Illustrierte zu kaufen.

Im Bereich der europäischen Hardcore-Pornographie waren das schwedische Magazin „private“(1966) und die dänischen Magazine „Color Climax“(1969) und „Blue Climax“, mit für in diesem Segment sehr hohen Auflagen von 40.000 marktbestimmend. Der 1982 in Deutschland gegründete Verlag Theresa Orlowsky(VTO) gab qualitativ gleichwertige Magazine heraus und erreichte innerhalb kurzer Zeit die gleiche Auflagenstärke. In den 80er Jahren öffnete sich dann der deutsche Buchmarktes für die pornographische Literatur und schuf damit einen etablierten Vertriebsweg für diese Produkte, die in den 60er und 70er über Verlage wie den zum Orion-Versand gehörigen Stephenson-Verlag oder der deutschen Filiale der  Olympia Press in Darmstadt an den Leser gelangten. Die darauf folgende Indizierungswelle und daraus resultierenden Prozesse endeten alle mit Freisprüchen für die Buchhändler, so dass pornographische Literatur sich im Mainstreambereich etablieren konnte.

Im „Presseporträt“ wurden 1994  39 heterosexuelle und 7 Homosexuellen-Magazine aufgelistet. 14 Sex-Zeitschriften stammten aus dem Delta-Verlag in Goggenau, weitere 8 aus dem St.Pauli Nachrichten- Zeitschriftenverlag  aus Hamburg. Der Deutsche Pressekatalog führt Anfang 2006  67 Publikationen unter der Themensparte Sex, darunter 60 Sex-Illustrierte. Der Delta Verlag war  nur noch mit 3 Titeln vertreten und der SPN Zeitschriftenverlag  mit 11 Zeitschriften gelistet. Viele dieser Illustrierten mit Titeln wie „Das ist geil“, „Frech und Frivol“, oder „Heisse Höschen“ sind ohne Verlagsangaben oder mit einem gleichnamigen Einzelverlag gelistet, so dass die Aufzählung keine wirklichen Rückschlüsse über das Marktsegment möglich macht. Auffällig ist, das sich die verschiedenen Titelblätter im Layout, Farbgestaltung und sprachlichen Niveau alle sehr ähnlich sind.

Die in Hamburg ansässige Heinrich.Bauer-Verlagsgruppe, die 2004 36 Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von rund 17,1 Millionen Exemplaren in Deutschland herausgab, ist nicht nur Herausgeber von Europas größte Jugendzeitschrift  „Bravo“, sondern auch marktbestimmend im Segment der Sexillustrierten und der Online-Pornographie.  Zu dem Bauer Verlag gehören u.a die Hamburger Inter Publish GmbH  mit den Zeitschriften wie Praline, Sexwoche, Blitz Illu,  Coupe und Schlüsselloch und der österreichische Bazar Zeitschriften Verlag der u.a die Magazine von Private Media vertreibt. Die Inter Content KG, eine mittelbare Tochter des Bauer-Verlags hat ihren  Schwerpunkt zusammen mit dem Pabel-Moewig-Verlag, bei der Produktion und Betreuung einer Vielzahl von pornographischen Webseiten.

Desweiteren gibt es Vertriebsgesellschaften, die sich auf bestimmte Segmente von Illustrierten und pornographischen Druckerzeugnissen spezialisiert haben, z.b. die MZV Export Import GmbH mit dem Vertriebspartner Deutscher Pressevertrieb Worldwide (100%G&J), die u.a. die Produkte des SPN- und des österreichischen OEKM-Verlages im Programm führt und der BPV Medien Vertrieb, der u.a. die  Hustler DV-Book- Reihe und das Magazin Penthouse in seinem Programm führt. Außerdem gibt es Verlage wie der Berliner Bruno Gmuender Verlag, die ausschließlich ein homosexuelles Kundenklientel bedienen , sie geben verschiedene Magazine heraus, unterhalten Webseiten wie http://www.maenneraktuell  und  http://www.spartacus und bieten ein umfangreiches Angebot an belletristischer Literatur.

http://www.pressekatalog.de/
Eder Franz X. : 2002, Kultur der Begierde: eine Geschichte der Sexualität“, Verlag C. H. Beck, München
Knigge Andreas, 1985, „Sex im Comic“, Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main/ Berlin
König Oliver, 1990, „Nacktheit – Soziale Normierung und Moral“, Westdeutscher Verlag, Opladen
Schnurrer Achim (Hg.), 1996, „Comic: zensiert“, Bd.1, Edition Kunst der Comics, Sonneberg, Deutschland

13
Jan
10

Der Online-Pornographiemarkt in Deutschland

(Die Funktionsweisen des Internetgeschäfts und einzelne Segmente der Branche werden ausführlich im Kapitel über die us-amerikanische Onlinepornographie abgehandelt)

Der deutsche Markt im Verhältnis zur us-amerikanischen Branche

Die Sexindustrie, insbesonders die Online-Pornographie in Deutschland, hat keine vergleichbare Markttransparenz erreicht, wie dies in den USA der Fall ist, wo neben den regelmäßigen Publikationen der Trader-Organisation AVN und verschiedenen Adult-Webmaster-Boards, wie die von YNOT, eine Vielzahl von Informationen über die Branche aus dem Internet zu beziehen sind. Weiterhin ist auffällig, dass das pornographische Angebot zwar das gesamte Nischensegment abdeckt, es im deutschen Raum aber keine Internetprojekte und Webcommunities gibt, die eigenständige AlternaPornseiten hervorgebracht haben – ein Segment, welches in den USA sehr populär und kommerziell erfolgreich ist. Bis vor kurzem gab es keine allgemein anerkannte Interessvertretung der Branche mit einer öffentlichkeitsorientierten Informationspolitik. Dies lag vielleicht daran, dass man gegenläufigen juristischen Strategien keine Informationen liefern wollte, oder das man aufgrund der Konkurrenzsituation auf dem Markt darauf verzichtete. Andererseits zeigt sich mit der zunehmenden Anzahl von Branchenveranstaltungen eine Bereitschaft zur Kooperation und zum Aufbau von Netzwerken – eine Tendenz, die Markttransparenz voraussetzt. In den letzten Jahren sind unter den aufgeführten Sponsoren und Medienpartnern der Messen us-amerikanische Unternehmen in steigender Anzahl präsent, was auf eine bevorstehende Konsolidierung des Internetmarktes unter globalen Vorzeichen hindeutet. Die US-Trader-Organisation AVN gibt seit 2008 das Magazin „AVN-Europe“ heraus. Erhältlich als Druckpublikation oder als Onlinepräsenz. Die Redaktionsadresse liegt in Budapest.

Als eine deutsche Branchenvertretung sah sich der „Interessenverband Neue Medien e.V (IVNM)“, dem fast ausschließlich Betreiber des Erotik-Business angehörten. In den Mitgliederlisten des IVNM waren 2004 204 Mitglieder aufgeführt, die meisten als „außerordentlich“ klassifiziert  Von den insgesamt 8 ordentlichen Mitgliedern waren drei über das Internet nicht mehr erreichbar. Zu den anderen gehörten die „Erodata GmbH“, die mit ihrem kostenlosen Jugendschutzsystem „ueber18.de“, mit 17.000 angeschlossenen Webseiten, zu dieser Zeit deutscher Marktführer auf diesem Gebiet war. Der Berliner „starweb-service.de“  und die schwedische Aktiengesellschaft „Artergo International“. Artego ist ein Internet Service Provider, der Domains, Webspace, Server und Partnerprogramme für Adult-Webmaster anbietet. Weitere tragende Mitglieder waren die deutschen Unternehmen „FIS- Fuerst Internet Solution“ und die „RST-Datentechnik“. In der Vergangenheit wurden eingetragenen Mitgliedern dieses Interessenverbandes unseriöse Geschäftspraktiken nachgewiesen, ohne das der Vorstand darauf angemessen reagierte. Es handelte sich um einen Fall von Dialermissbrauch, wo von der Firma ISAS (Jörg Dudzinski)  ahnungslosen Websurfern über Domains wie  hausaufgaben.de, malvorlagen.de, rauchen.de, etc. Dialer vorgeschaltet wurden, die mit 1,86 Euro pro Minute abgerechnet wurden. Die Webpräsenz des IVNM war eine einfach gestaltete Webseite, die außer der Auflistung ihrer Mitglieder keine weiteren Informationen zu bieten hatte. Weitere Zugänge waren nur für Mitglieder gedacht und verlangen die Eingabe eines Passwortes. Dies ist symptomatisch für viele deutschsprachige Onlinepräsenzen der Branche. Der Interessenverband Neue Medien e.V. wurde im  Oktober 2006 aufgelöst. Liquidatoren des IVNM waren u.a. der Hamburger Rechtsanwalt Marko Dörre.

Auch die Webseiten der verschiedenen Messen und Kongresse – bieten kaum weiterführende Informationen. Deutsche Adult-Webmaster-Boards, wo umfangreiche Ressourcen für einen Unternehmensstart ins Netz gestellt – und Geschäftsideen und Branchentrends diskutiert werden, sind in der Qualität, wie dies im englischsprachigen Raum der Fall ist, selten, obwohl sich dies zu ändern beginnt. Deutsche Boards, die eine nennenswerte Aktivität in ihren Foren zu verzeichnen haben, sind  pornhulk.net/, jaginforum.de/ und webroyals.net/. Das Board EU38 vertritt einen anderen Ansatz. EU38.COM ist ein 2008 gegründetes europaweites Adultwebmasterforum, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, Kooperationspartner aus den verschiedenen Sprachregionen zusammen zu führen. Für jede Sprachregion soll jeweils ein Forum in Landessprache und eines in Englisch angeboten werden. Realisiert sind bis jetzt die Foren für die Märkte Deutschland, Holland, Italien, Frankreich und Spanien. Initiiert wurde das Forum von den Firmen Translationsxxx (Moreno Aguiari), der holländischen Mediacast BV (Pascal Stegers/camchoice.com) und Momo-Net (Thommy Oliver). Weitergehend bieten Unternehmen wie „Sexmoney“ und“Pixelcut New Media”(awm-ressource) auf ihren Webseiten  Informationen und Adult-Webmaster-Akademien im Rahmen eines Geschäftsmodells an, wo die Wissensvermittlung die Weitergabe personenbezogener Daten oder sogar die persönliche Teilnahme voraussetzt.

Das seit 2001 existierende Online-Magazin mit dem Namen „German-Adult-News“, der auf Hintergrundinformationen und weiterführende Links hoffen lässt, zeigte bis 2006/7 zwar eine illustre Liste von deutschen und internationalen Filmstudios, bot aber hauptsächlich Kurzweiliges aus dem Pornobusiness als Bestandteil der Konsumentenwerbung. Filmvorstellungen und Informationen zu Pornofilmstars dominierten das Angebot. Inzwischen präsentiert sich German-Adult-News mit einem neuen Weblayout und einer informellen Gliederung, die vielversprechend ist, wenn es denn Autoren gäbe, die diese auch mit Inhalten füllen würden. Den Anspruch eines Kommunikationsmediums und einer informellen Ressource für die Branche werden die Betreiber dieser Seite auf jeden Fall nicht gerecht. Das Online-Zine BRAD ist in dieser Hinsicht deutlich informativer. BRAD – (Broadcasting Adult Directory) bietet seit Anfang 2008 branchenspezifische Fachinformationen für das Online, Mobile und DVD-Business an. Chefredakteur und Herausgeber ist Bernhard Bradatsch /München.  Betreiber der gleichnamigen Webseite ist die S.C.NEM International mit Sitz in Bukarest/Rumänien.

Andererseits werden Messen wie die „Venus Fair“ in Berlin und regelmäßig stattfindende Kongresse der Online-Pornographie, wie die „Eurowebtainment“, der „Adult Web Master-Event (AWM) in Hamburg, die „Adult-Online-Point“(AOP), die seit 2006 in Kooperation mit dem Hamburger „Bundesverband Erotik Handel e.V.“ organisiert wird, die „AdultOnlineEurope“ und die „World Telemedia“ zur Unternehmenspräsentation und zum Networking genutzt.

Die Organisatoren, die „VenusBerlin GmbH“, bei der – über PralineOnline auch der Bauer Verlag beteiligt ist – veranstalteten April 2006 die erste „VenusParis“ und schufen damit die Möglichkeit für Kooperationen mit französischen Branchenunternehmen, welche im Verhältnis zu dem deutsch- und englischsprachigen Raum weit weniger entwickelt ist
13
Jan
10

Die internen Veranstaltungen des Online-Gewerbes

Der Bundesverband Erotik Handel e.V. mit Sitz Hamburg, deren tragende Vorstandsmitglieder u.a. von Orion und Beate Uhse kommen, richtet über ihren Arbeitskreis Videoproduktion jährlich die BEH-Fachmesse aus, auf der die AOP/ Adult-Online-Point integriert ist. Während sich  die AOP an Anbieter aus den Segmenten Mobile, Telekommunikation und Internet im europäischen Raum richtet, sind auf der „Erotika“-Fachmesse viele maßgebliche deutsche Hardcore-Produzenten als Aussteller vertreten. Partner der Erotika-Messe sind der 1983 gegründete Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD), der laut eigener Angaben 80% der 4.300 deutschen Videotheken vertritt und die Mediatainment Publishing GmbH

Die Eurowebtainment, auf der 2006  erstmals ein Webmasterforum angeboten wurde, ist eine der wichtigsten Messen für die deutsche Branche. Zu den Medienpartnern gehörten alle bedeutenden Adult-Webmasterportale wie YNOT, Klixxx, AVN-Online, Adult Insider und italienische und spanische  Boards. 2008 hat sich die Gewichtung der Partner und Sponsoren deutlich auf Unternehmen des E-Business verschoben, die auf ihren Webseiten keinen Zusammenhang mehr zur Online-Pornographie erkennen lassen. Ein Organisator der Eurowebtainment und inzwischen als Medienpartner aufgeführtes Unternehmen ist die „Mediatainment Publishing“, die seit 2005 auf der Venus-Messe den „Erotic-line Award“ vergibt, der die „Venus-Award“-Verleihung ersetzte. Der im Jahr 1996 gegründete Verlag Mediatainment Publishing ist ein Fachverlag im Bereich Home-Entertainment. Er gibt insgesamt 14 Publikationen heraus, die teilweise Online bezogen werden können. Neben kostenlosen Werbezeitschriften für die Konsumenten handelt es sich um Publikationen, die ausschließlich für das Fachpublikum – Gewerbetreibende in den verschiedenen Segmenten des Home-Entertainments- gedacht sind. Neben den Bereichen Musik, Games und Multimedia, produziert der Verlag die wesentlichen Informationsträger für den pornographischen Film- und Online-Markt. Die Magazine „Gay e-line“(2006 gegründet), „Shop e-line“, „Medien e-line“ und „web e-line“ liefern branchenintern Informationen über Produktneuheiten und Marketingstrategien und bieten eine Kommunikations- und Diskussionsplattform für die gesamte Branche. Zielgruppen sind der Videotheken-Fachhandel, Sexshops, Studios, Fachverlage, PR-Agenturen und sämtliche Anbieterfirmen. „Medien e-line“ und „Gay e-line“ sind überwiegend auf den Videomarkt ausgerichtet, „Shop e-line“ auf den Erotikshop-Fachhandel und web e-line deckt das Segment der Online-Pornographie ab. Web e-line bietet Informationen über die verschiedenen Content-Anbieter, Alterverifikationssysteme, e-commerce, Lizenzen und behandelt juristische und technische Fragen, weitergehend wird über die verschiedenen Branchentreffen und Messen berichtet. Seit 2006 ist web e-line erstmals als Onlineversion im Internet. Das Magazin ist in seinem Angebot und Themenboards zwar noch lange nicht so umfangreich wie die bekannten englischsprachigen Branchenmagazine, könnte sich aber in diese Richtung entwickeln.

Weitere Co-Veranstalter der Eurowebtainment 2006 waren die Gründer der „Netvision AG“.  Die „Netvision AG“, mit Sitz in Liechtenstein, wurde 1997 gegründet. Zu dem Unternehmen gehören die „Netmedia“ und die „Visionnet“. Visionnet unterhält eigene Online-Kreditkarten-Abrechnungssysteme in der Schweiz und ist auf die Umsetzung von Streaming-Technologien spezialisiert. Netmedia produziert zurzeit mit über 120 Darstellern in 12 Live-Studios interaktive pornographische Inhalte. Zu den Sponsoren der Eurowebtainment gehörten neben der österreichischen Maxolution -Internet Services GmbH mit ihrem Programm „Partnercash.de“, die fundorado GmbH, Orion und weitere Firmen von „freenet“,  u.a. die CamPoint AG mit ihrer Visit-X-Plattform, Der mit Beate Uhse NewMedia kooperierende Content-Anbieter „777Live N.V.“ mit Sitz in Curacao (niederländische Antillen), “Friendscash.eu” der österreichischen “S.A.G. Technology GmbH“ mit ihren Webseiten und Partnerprogrammen „OpenErotik“ und „OpenToys“,  der schweizerische Contentanbieter Momo-Net GmbH  und die 2005 gegründete Firma “TranslationsXXX”(Italien/USA) die Übersetzungen für Adult-Webseiten vom Englischen in über 20 verschiedene Sprachen anbietet.

Im Bereich der Finanzdienstleistungen werden weiterhin eine Reihe von Firmen aufgeführt: u.a. der IPSP „energy factor“, „Click&Buy“, die schweizerische „aconti.netService“ und “PasswordByPhone”. Der englische IPSP “PasswordByPhone” bietet, wie inzwischen eine ganze Reihe anderer Firmen,  eine auf dem Telefon basierende Abrechnungsmöglichkeit für pornographische Webseiten an. Das Unternehmen nutzt für ihr in 35 verschiedenen Sprachen bestehendes Angebot ein europäisches Satellitennetzwerk und ist inzwischen über Hongkong auf dem chinesischen Markt vertreten. Bei dieser Methode muss der User eine auf der Webseite angezeigte Telefonnummer anrufen und sich eine 5,5 minutenlange Ansage inklusive Passwortvergabe anhören. Mit dem Passwort ist der User dann zu einem halbstündigen Zugang zu dem Angebot der betreffenden Webseite berechtigt.

Weitere Unternehmen, die 2009 erstmals als Partner, bzw. Sponsor der Eurowebtainment aufgeführt wurden, sind die DatingFactory und die französische DreamNex. Die DatingFactory der Firma Caerus Ag bietet Systemlösungen im Dating-Segment an, d.h. Komplettangebote, die Internetauftritt, Design und e-commerce umfassen (in den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch). 2009 initiierte das Unternehmen die „London iDate Conference“. DreamNex SA (Rousset, France) wurde 1999 von Patrice Macar gegründet. Im folgenden Jahr hatte die Webseite SexyAvenue.com ihren Start up. Sie beinhaltet einen Internetversand für Sex-Toys und pikante Unterwäsche, Photo- und Videoangebote, sowie den Datingservice Edenflirt.com. Das Unternehmen entwickelte sich schnell zum Branchenführer in Frankreich. 2006 soll die Webseite zeitweise 27 Millionen Besuche monatlich aufgewiesen haben. Seit März 2007 ist DreamNex  über Eurolist Paris an der Börse notiert. Im gleichem Jahr erfolgte die Akquirierung der französischen Firmen Open Axe SAS, einen Provider für Webdesign und Hostingservice und Think Multimedia, einen Traffic-Aggregator. Anfang 2008 übernahm DreamNex  das belgische Unternehmen Enjoy, welches überXcams.com, ein Webcamportal mit dementsprechenden E-commerce betrieb, bei dem über 10.000 Modelle registriert waren.
Die expandierende Firma baute damit ihre Marktposition deutlich aus und wird inzwischen (2009) auf einen Marktwert von €97 Millionen veranschlagt. Über die Webseite „The Adult Company“ bietet die Dreamnex-Gruppe ihre Affiliate-Programme an.

Die „World Telemedia„, die 2003 das erste Mal organisiert wurde und im April 2006 in Berlin stattfand, wird überwiegend von britische Unternehmen organisiert. Der Hauptsponsor „Opera Telecom“ (2000 gegründet) ist ein globaler Provider von Mobile-Content und Services. Einer der Besitzer des Unternehmens war bis 2005 der britische Porn-Mogul David Sullivan. Weitere Sponsoren waren 2006 CCBill Europe, Colt, Mobile 365, Redstone Telecom und Netcollex. „Colt Telecom“ ist ein europäischer Telekommunikationsanbieter und ist mit zahlreichen Stadtnetzen in Deutschland und weiteren Ländern Europas vertreten. „Netcollex“ ist der Internetarm der Sullivan Group und gilt seit 1997 als der führende britische Provider von pornographischen Content und Service. Zu ihren Internetunternehmungen gehörten die Onlineausgaben von „sundaysport“ und „dailysport“ und  die Megaseite „free4internet.com“ . Seit 1999 bietet „Netcollex“ einen eigenen e-commerce-Dienstleister an. Seit 2003, nach einem Geschäftskontrakt mit „Bango.net“, wird das pornographische Angebot über die Mobile-Technologie vermarktet. Netcollex hat sich bereits seit 2003 auf den wachsenden Mobile-Markt fokussiert und bot Mitte 2006 auf ihrer Webseite nur noch pornographischen Content für diesen Markt an. „Netcollex“ trat neben der „World Telemedia“ auch als Co-Sponsor der europäische Messe „AOE“ in Erscheinung. Opera Telecom wurde nach einem Skandal (2007) im Zusammenhang mit manipulierten Telefonquizspielen in Großbritannien in Oxygen8 umbenannt. Oxygen8 ist weiterhin einer der maßgeblichen Sponsoren der World Telemedia. 2008 wurde erstmals die MobX in Budapest veranstaltet, die ausschließlich auf das Mobile-Segment der Branche ausgerichtet ist. Neben der AVN Europe und der Eurowebtainment waren viele us-amerikanische Organisationen beteiligt.

Der „Adult Web Master-Event (AWM), ein jährlich in Hamburg stattfindendes Treffen des Internet-Sexbusiness, wurde getragen von den Firmen „SEXMoney.com“, „PX24“ und „Partner2Go“ und der „Cytainment AG“ Der AWM-Kongress fand erstmals 2001, noch als relativ kleiner Event in den Räumen eines Kinos statt, 2002 und 2003 wurde der Kongress, bereits mit über 500 Teilnehmern, im Erotic Art Museum durchgeführt. 2004 vergrößerte er sich auf 6000qm Ausstellungsfläche und mit 800 Teilnehmern in die Lagerhallen des ehemaligen Freihafens. Der Eindruck, das es sich bei dem AWM um einen Zusammenschluss vieler verschiedenen Firmen zu einem Interessenverband handelt, täuscht allerdings. Bei weitergehender Recherche stellte sich heraus, das es sich um einige wenige, kapitalkräftige Majors der Branche handelt, die diesen Event organisieren: der Bauer-Verlag mit seinen Internetfirmen und die Unternehmensgruppen Fuerst Internet Solution(F.I.S.)/ RST-Datentechnik und  Cyberservices B.V./SexMoney.Com. Das Adultwebmastertreffen (AWM) findet seit 2006, im deutlich kleineren Rahmen,  in Suderbruch bei Hannover statt. Vom ersten Treffen mit 65 Teilnehmern steigerte sich die Anzahl 2009 auf 280 Teilnehmer. SEXMoney.com veranstaltete 2009 erstmals die WebmasterDays in Hamburg.

Zwischen 2004-06 organisierte  der AWM-Hamburg  , zusammen mit „AdultOnlineEurope“ Internet-Expos und Konferenzen für das Gewerbe. (2004 in Amsterdam und Lisabon, 2005 in Prag, zuletzt 2006 in Berlin) Der Hauptsponsor war „SexMoney.Com“, Cosponsoren waren „Private Cash“, das Affillliate-Programm der Private Media, „Netpond“, „Interclimax.com“, „XXXProviderNet“, „SexCom“ und „CC Bill Euro“. Offizieller Medienpartner war die AVN und als weiterer Co-Partner wird die WorldTeleMedia  aufgeführt. Mit den führenden US-Trader-Magazin AVN, der populären Suchmaschine Sex.com und dem europäischen Ableger des InternetPaymentServiceProvider (IPSP) CCBill zeigt sich eine zunehmende Einflussnahme und Vernetzung mit dem us-amerikanischen Markt.

Mit dem BarcelonaSummit (Veranstalter Andreas Bischoff) findet seit 2009 eine  Veranstaltung statt, die es sich zum Ziel gesetzt hat Vertreter der Branche im internationalen Rahmen zusammenzubringen. Auf der Veranstaltungswebseite findet sich eine illustre Liste europäischer und us-amerikanischer Branchengrößen.

Eine weitere interessante Tendenz zeigte sich auf dem im Oktober 2006 parallel zur Venus-Messe stattfindenden „1. PornfilmFestival“ in Berlin, die an die Entwicklungen auf dem us-amerikanischen Markt anknüpfen. Das Festival wird von einem umfangreichen Begleitprogramm getragen. Die Galerie Tristesse deluxe präsentierte  einen Monat die Ausstellung „Achtung FSK 18“, SexPro-Aktivisten aus den USA und Europa boten Vorträge und Worksshops an und auf dem zeitgleich stattfindenden Symphosium „Postpornpolitics“ wurden queere und feministische Pespektiven der Pornoproduktion diskutiert. Zu den Sponsoren, bzw. Partnern des Festivals gehörten neben Studios und Unternehmen der Berliner Gay- und BDSM-Szene, dem  konkursbuch-Verlag und einigen Kulturinitiativen, bekannte Namen wie Blue Movie (erotic media ag), Beate Uhse TV, Praline-Video(Bauer-Verlag) und Private. Ein deutlicher Indikator, dass die Majors der Branche inzwischen auch in Deutschland den Wert dynamischer sexueller Subkulturen und Communities für die Contentproduktion im Film und Internet erkannt haben. Bei dem vierten Berliner Pornfilmfestival wurde erstmals der „Feministischen Pornofilmpreises Europa“ verliehen. Bei den über 100 gezeigten Lang- und Kurzfilmen stellten lesbische Pornos und Filme weiblicher Regisseure einen deutlichen Schwerpunkt dar.

Einzelne Unternehmen der Branche

Das Unternehmen FIS Inc. -Die Fuerst Internet Solutions wurde 1996 in Atlanta / USA gegründet. 1998 folgte die Gründung der gleichnamigen deutschen Tochtergesellschaft Lautertal/ Hessen. 2004 wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt. Der Hauptgeschäftsträger ist die Vermarktung von E-Commerce Portalen, wie „affiliatecash.de”, “SMSdate.com” und “webmastercash”. Partner des Unternehmens sind u.a. RST Datentechnik und Digipay.Sie wird im Impressum vieler Pornoseiten als Betreiber aufgeführt und bietet  über RST Datentechnik, Webmaster, Sponsoren-, Traffic- und Zahlungssysteme an.

Die im süddeutschen Raum beheimatete RST Datentechnik ist eine Serviceplattform für den Adult-Bereich, die das gesamte Spektrum abdeckt: Partnerprogramme, e-commerce, Programmierung und Weblayout. Mit der Webseite „Eromoney“ boten sie ein Zahlungssystem für Kreditkarten-, Lastschrift- und Paysafecardbuchungen an. Diese Dienstleistungen werden inzwischen von dem Schweizer e-commerce-Dienstleister DigiPay AG  abgedeckt. Über die Seite „cyberpics“ können Webmaster Bilder, Filme und komplette Weblayouts einkaufen und mit „sexcrawler.de“ bietet sie eine Suchmaschine für den Porno- und Erotikbereich an und avskey.de liefert ein Jugendschutzprogramm für Webmaster wie für Konsumenten. Desweiteren ergänzt ein AdultWebmaster-Magazin das Portefolio. Auftraggeber für die Online-Ausgabe von adultwebmasternews.net  ist die RST Datentechnik , verantwortlich im Sinne des Impressums zeichnet die DigiPay AG. Die Webseite wird allerdings seit Oktober 2007 nicht mehr aufgefrischt.

Zu der Firmengruppe gehören weiterhin die Unternehmen „PX24“, ein LiveCam-Portal und „MediaPlain“. MediaPlain stellen sich auf ihrer Seite als Webdesigner vor und betreiben weitergehend ein Internetportal für Adultwebmaster. Sie bieteen zusammen mit „PX24“ die Einrichtung und weitergehenden Service für Livecamplattformen an. Zum weiteren Angebot gehört der Suchmaschineneintrag und dessen Optimierung, sowie Mehrwertrufnummer. Partnerseiten sind „Camparadies, Erosuchen, Suchtower, live-sexcamchat. und  Erowebcams“. Als ein weiter Verantwortlicher vieler dementsprechender Webseiten wird die MediaPlain unter der Adresse Pfingstweide 2, 61169 Friedberg angegeben. Diese Webseiten werden von der Fuerst Internet Solutions( F.I.S) betrieben. (Recherchezeitraum 2006)

Die Hamburger Firmen „Cytainment“ und die „Treuhandfinanz“ sind Betreiber einer Vielzahl von Adult-Webseiten, u.a. auch „XXXMoney.de“, ein Adult-Netzwerk , die 2003 in verschiedenen deutschen Städten Webmaster Seminare für die Pornobranche angeboten haben. Cytainment (XXXMoney) bot Einsteigern über 50 verschiedene Webseiten zur Promotion, 40 Fertiglayouts und 20 verschiedene Memberbereiche. XXX-Money ist 2003 in die Portalseite Sexmoney der Cyberservices B.V. aufgegangen.

Laut einem Internet-Forum* bestanden zwischen den Firmen „Cytainment AG“ und der „Cyberservices B.V.“ Querverbindungen und Ähnlichkeiten in der Geschäftsabwicklung. Gibt man die Firmennamen als Suchmaschineneintrag ein, kommt man jenseits der wirklichen Webseite von Cyberservices, auf zwei fast identische, sehr einfach gestaltete Webseiten mit den jeweiligen Firmennamen im Impressum. Auf verschiedenen Internetforen tauchen die Namen dieser beiden Unternehmen mit einer Reihe von Betrugsmanövern, wie ungerechtfertigten Zahlungsforderungen, Trojanern und Dialern auf. So soll die Firma Cytainment als erste mit einem Webdialer operiert haben, der sich über die Vorwahl 0192 einwählt, so dass Blockersoftware und der Telekom- Schutz versagten, da nur die 0190er-Nummern erkannt wurden. Die Vorwahl 0192 war bei der Regulierungsbehörde als frei tarifierbare Service-Nummer eingetragen und wurde vorher vor allem von Call-by-Call-Anbietern beispielsweise für Ortsgespräche genutzt. Der Anbieter konnte die Einwahlgebühr selbst bestimmen, im Fall der Firma Cytainment waren 29,90 Euro pro Einwahl und 2,99 Euro pro Minute zu zahlen. Da Sexmoney ein bedeutender Contentprovider und Partnerprogramm-Anbieter – auf dem europäischen wie auf dem us-amerikanischen Markt ist, scheint es schwer vorstellbar, das das Unternehmen auf  wilde Methoden der Anfangszeit der Internetpornographie zurückgreift um seinen Gewinn zu steigern. Wahrscheinlicher ist es, das da jemand im Schatten des Unternehmens versucht seine Geschäfte abzuwickeln und über die Namensgleichheit, bzw. die Gleichsetzung mit der  Cyberservices B.V. Verwirrung stiften will. (Die Quellen, u.a. Martin Fiutak von ZDNet.de und  harald-diehm.de waren 08/2008 im Internet nicht mehr abrufbar)

Die Aktivitäten der Amsterdamer „Cyberservices B.V.“, die seit 1996 in der Telefonerotik und im Online Adult Business  tätig ist, wurden 2003  unter dem Dach von „SEXMoney.com“ gebündelt, die sich auf Webmasterprogramme und Webseitenerstellung spezialisiert hat. SexMoney.com bietet eine große Auswahl an Web-Fertiglayouts mit denen der sofortige Start.up einer pornographischen Webseite möglich ist. Free Content und automatisierte Audio-Layouts (Audiotex) für die Telefonerotik stehen dem einzelnen Adult-Webmaster zur Verfügung, wenn er sich auf das Geschäftsmodell von SexMoney einlässt. Das Unternehmen bietet u.a. Content unter den Namenssparten von  Holio, IGallery, CandyCam, WebmasterCentral und Cybererotica an. Dies sind alles Namen von us-amerikanischen Unternehmen, die in den 90er Jahren als Anbieter von Online-Pornographie bekannt waren.

SEXMoney.com
bietet eine Dating Plattform, bei der die komplette Kommunikation über SMS läuft. Besonders vorteilhaft bei diesem neuen Trend im Mobile-Commerce, ist die Tatsache, dass es sich nicht direkt um Erotik handelt und somit auch breitgefächert im Non-Adult Bereich geworben werden kann. Als Ergänzung zur Konvertierung des deutschsprachigen Traffics bietet SEXMoney.com die Logistik für globalen Traffic. Nahezu alle SEXMoney-Seiten ( über 350/2006) liegen in bis zu 25 Sprachen vor und bieten automatisch, mittels Browser und IP-Detection, die richtige Sprache und Zahlungsmöglichkeiten an. Zu den Abrechnungsmethoden gehört inzwischen auch das „Handy-Payment“. Über „www.adult-webmaster-akademie.de“ und „www.sexmoney-university.com“ werden Workshops und Seminare zur Weiterbildung zum Adult-Webmaster angeboten. Im deutschsprachigen Raum soll dieses Angebot relativ flächendeckend gelten, darüberhinaus besteht in Amsterdam, London, Barcelona und Fort Lauderdale (Florida, USA) die Logistik für solche Lehrangebote.
2007 expandierte die Cyberservices B.V. im Rahmen einer Geschäftskooperation mit der net mobile AG in den Mobile-Adult-Entertainment-Sektor und startete das WAPerotica Portal.

„InterClimax“ (www.interclimax.com)ist eine holländische Firma mit Hauptsitz in Amsterdam. Sie wurde 1997 von Claudia und Werner Van Lubek gegründet und ist spezialisiert auf Video- und interaktiven Live-Content. Claudia Van Lubek hat einen Hintergrund als Darstellerin in der Pornobranche, während ihr Mann vormals als Systemanalytiker und Programmierer gearbeitet hat. „InterClimax“ unterhält Geschäftskontrakte zu über 50 Studios weltweit und zählt wichtige Branchenvertreter wie „VividCash.com“, „Penthouse.com“, „Cybererotica.com“ und „Private.com“ zu ihren Kunden. 2002 hatte ihre Webseite Amsterdam Voyeur House – wo über 20 Frauen, überwiegend aus Osteuropa, via Live-Cam und Chat für den User über Internet erreichbar waren – zwischen 50.000 bis 80.000 Besucher täglich und 2003 wurde ihre populäre Dokusoap „Webcamgirls“ über den holländischen TV-Sender „Veronica“ gesendet. Seit 2004 bietet die Firma einen eigenen Hosting-Service für Adult-Webmaster an. 2005 hatte die Firma 55 Mitarbeiter und über 250 Modelle die täglich Online zu sehen waren.

Ein weiteres, ursprünglich niederländisches Unternehmen ist „Phyton Video“ von David Vander Poel. Vander Poel startete 1994 die pornographische Webseite “ The Red Light District (fun.nl), die als eine der ersten ein auf Telephon basierendes e-commerce-System entwickelten. 1996 bestand die “fun.nl”-Domain aus den Webseiten; “Studio17”, eine Internetversion des gleichnamigen holländischen Erotikmagazins, drei weiteren Seiten und der Hauptseite „Red Light District“, wo als eines der ersten Live-Sex-Angebote im Internet, Shows aus einem Studio von „Casa Rosso“, einem bekannten Amsterdamer Sex-Kabarett angeboten wurden. Vander Poel verkaufte sein Internetunternehmen 1996 und gründete mit dem Kapital “Python Video“. Die neuen Besitzer der Domain waren u.a. Thomas Bervoets von „Funtertainment BV“ und Michel van de Sanden von der “International Media Company(Imco)”. Python expandierte in die USA und soll  sich zu einem der größten pornographischen Online-Unternehmen entwickelt haben, wofür es allerdings kaum Belege gibt. Ein aktuelles Beispiel für die Geschäftsaktivitäten von Phyton ist die seit Sommer 2006 online gegangene Webseite YouPorn. Das Cam-Portal dieser populären Webseite ist  die „Visit-X B.V.“ von der „Van der Poll Internetservice B.V.“ , registriert in den Niederlanden. Die Video-Live-Chat-Plattform „Visit-X“, die sich früher im Besitz der Internolix AG des Verlegers Klaus Helbert befand, ging nach dessen Insolvenz 2004 in den Besitz von Van der Poll über.

http://yoz.com/wired/2.10/features/fun_nl.html

17
Okt
08

Die Sexindustrie als Innovator des Onlinemarktes

Die Sexindustrie als Innovator des Onlinemarktes

Preface

“Without consumer demand for big, bandwidth-hogging sex pictures and streaming video, Cisco would never have sold so many routers and Sun Microsystems so many servers. Without programming pioneers trying to perfect video streaming software that would deliver images of copulation and procreation to paying customers hooked up with a 28.8 kbps dial-up modem, it is unlikely that CNN would be effectively delivering news clips of global breaking news. Without sex-oriented chat and forums to sustain its early years, America Online might never have survived. The e-commerce payment systems that are so common today would be in a far more primitive stage of development, security and usability”.

EroticaBiz – How Sex shaped the Internet“ von Lewis Perdue

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Viele Innovationen des Internets wie Video-streams, Live-Chat und -Webcams, sowie Geschäftsmodelle wie Affiliate-Netzwerke, wurden in den Anfangsjahren des Netzes zuerst im pornographischen Segment auf ihre technische Umsetzbarkeit und ihre kommerzielle Anwendung bis hin zur Praktikabilität überprüft, modifiziert und fanden später dann Verbreitung in anderen kommerziellen Sektoren des Internets. Aus dem bekannten Striptease-Club „Casa Rosso“ im Amsterdamer Rotlichtbezirk wurde ab 1996 eine der ersten Live-Sexshows und Online-Abrechnungssysteme über das Internet anboten. Im gleichen Jahr bot „Cybererotica“ mit „XXX Counter“ einen Vorläufer der späteren Partnerprogramme an. Betreiber pornographischer Webseiten waren die ersten, die sich mit erhöhten Sicherheitsstandards im Bereich der Zugangsberechtigung und des e-commerces auseinandersetzen mussten.


Das Missbrauchspotential seitens der User ist sehr hoch und geht von der Angabe falscher Personen- und Kreditkarteninformationen, widerrechtlicher Stornierung der Zahlung, über Passwort-Hacking und versuchten Betrug bei den möglichen Auszahlungskonditionen der Partnerprogramme, bis hin zu aggressiven Hacker-Attacken durch Anti-Porno-Aktivisten. Diese sogenannte „Grauzone“ pornographischer Webangebote bot sich für Software-Entwickler an, um ihre Produkte in der Testphase unter erschwerten Bedingungen testen zu können. Auch wenn Unternehmen wie „Amazon.com“, „Ebay“ und die Bankinstitute im Bereich des e-commerce die Paradigmen bestimmen, wurde sehr viel der Pionierarbeit im Bereich der Online-Pornographie geleistet. Deren Material warf vor dem Auftauchen der großen Musiktauschbörsen und Filmbibliotheken als einzigstes genügend Profit ab, so dass wirkungsvolle Kopierschutzmaßnahmen sinnvoll erschienen.


Die Firma “BayTSP“, die ihre Wurzeln in der Online-Adult-Industrie hat, bietet einen Service an der es unter den Gesichtpunkten des Copyrights möglich macht jede Art von digitalen File, ob Photo, Text, Musik oder Film im Internet zu verfolgen. Hierzu hat “BayTSP“ einen Prozess entwickelt, der zu jedem digitalen File ein mathematisches Profil, eine sogenannte elektronische DNA entwickelt. Dieses Profil wird dann zusammen mit Copyright und Lizenzierungsinformationen gespeichert. Mit Hilfe vollautomatischer Programme, sogenannter „Spiders“, wird dann das Web nach Fällen von Copyrightverstößen durchsucht. In so einem Fall wird ein Snapshot der Seite erstellt und eine Benachrichtigung an den Webseitenbetreiber verschickt. BayTSP bietet seit Juni 2000 ihren Service an und bis März 2001 wurden bereits 93.000 Benachrichtigungen wegen Verletzungen des Copyrights verschickt.


Der e-commerce – Bezahlung per Kreditkarte


Die meisten pornographischen Webseiten haben keinen eigenen Kreditkarten-Account und lassen den e-commerce über Drittunternehmen, sogenannte IPSP (Internet Payment Service Provider) abwickeln. Die größten Finanzdienstleister, die mit Webmastern von pornographischen Seiten Geschäfte machen, sind „iBill“, „CCBill“, “Paycom/Epoch“ und die Alterbestätigungssysteme„Adult Check“ und „CyberAge“, die inzwischen auch als IPSP eingestuft werden. Der e-commerce wird direkt über die Bankkonten des beauftragten IPSP abgewickelt, die ihrerseits wöchentlich oder zweiwöchentlich an den Webmaster auszahlt. Das Unternehmen behält neben den für die Dienstleistung erhobenen Gebühren eine Summe von 10-20% von jeder eingehenden Zahlung als Sicherheitsreserve zurück, um Stornierungen, bzw. Rückzahlungen, Kreditkartenbetrug und eine mögliche Geschäftsaufgabe von Webmastern, die unerfüllte Mitgliederverträge hinterlassen, auffangen zu können. Dieses Geschäftsmodell einer zahlungspflichtigen Webseite, deren e-commerce über eine Kreditkartenfirma abgewickelt wird, wird hauptsächlich von Firmen betrieben, die über ein ausreichendes Content-Angebot verfügen, welches den User bis zu mehreren Stunden auf der Webseite halten kann und die dieses Angebot regelmäßig erneuern und weitergehend Möglichkeiten der Interaktion anbieten (Live-Chats und Cams mit Modellen, Info-Boards, etc.) Für eine Internetpräsentation mit Abo-Mitgliedschaft werden folgende Einzelfunktionen benötigt: eine Userverwaltung, einen offenen und einen gesicherten Bereich, SSL-Zertifikat, eine Alterskontrolle, einen Adressen- und Risikocheck und mehrere Bezahlverfahren, zumindestens Kreditkarte und elektronischer Lastschrift.

In den USA sind Kreditkarten populär und weit verbreitet und haben sich aufgrund dessen auch im Internet zu dem am meisten genutzten Bezahlverfahren entwickelt. Die Bezahlung per Kreditkarte ist für den Endnutzer auf der ganzen Welt identisch, während es für Internetanbieter, die diese Bezahlform auf ihren Webseiten anbieten wollen, Unterschiede gibt, da die Kreditkartengesellschaften den globalen Markt nach geographischen Regionen unterteilen. Ein Internethändler unterliegt den Anforderungen jener Region, in der er seinen Firmensitz hat. Deutsche Unternehmen unterliegen somit den EU-Regularien und amerikanische Unternehmen den Regularien der USA. Die wichtigsten Kreditkartengesellschaften sind MasterCard International, Visa International, American Express und Diners Club International. Diese vergeben nationale Lizenzen an Banken und andere Finanzdienstleister was die Ausgabe sowie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs via Kreditkarte betrifft, wobei die beiden Erstgenannten für die Online-Pornographie maßgebend sind. Was den e-commerce pornographischer Webseitenüber das Internet betrifft, sind vor allem die sogenannten IPSP (Internet Payment Service Provider) von Interesse. Diese wurden nach den Visa/Mastercard-Regularien zuerst in den USA legalisiert und beginnen sich seit 2003 auf dem europäischen Markt zu etablieren. Ein IPSP ist berechtigt, über seinen Kreditkartenakzeptanzvertrag für andere Unternehmen den Einzug von Kreditkartenzahlungen abzuwickeln. Diese Dienstleistung wird überwiegend von kleinen Händlern und als „risikobehaftet“ eingestuften Anbietern genutzt, die nicht die Möglichkeit haben, einen eigenen Kreditkartenakzeptanzvertrag zu erhalten. Der IPSP ist wegen der Visa/Mastercard-Regularien der Inhaber der Forderungen und zieht die Gelder ein. Auf der Kreditkartenabrechung der Enduser erscheint nicht der Name des entsprechenden Händlers oder Anbieters, sondern der Name des IPSP, der somit juristisch als offizieller Betreiber des Angebots gilt, während der Domaineigentümer nach dem Gesetz für die Inhalte verantwortlich ist. (in Deutschland nach dem§184 StGB) Die IPSP verlangen neben den Gebühren für durchgeführte Transaktionen sogenannte Disagiosätze, die zwischen 10-20% des Umsatzes des Internetanbieters ausmachen können. Im Gegenzug bieten sie ein komplettes Leistungspaket an, dessen Aufbau für kleinere Händler und Anbieter auch nicht rentabel wäre. Hierzu können gehören: Kreditkartenakzeptanz, Userverwaltung, der Einzug von wiederkehrenden Zahlungen bei Mitgliedschaften, sowie deren Zugangsschutz, Hosting, Webmasterprogramme, Statistikfunktionen und Trafficanalyse, Händler- und Endkunden-Support und Betrugs- und Chargeback-Prävention durch Sicherheitsüberprüfungen, sowie das Inkasso bei nicht erfolgten Zahlungen.


Bestandteil der Betrugsprävention ist z.b. die Adressüberprüfung potentieller Kunden, wobei in Deutschland auf die Daten der Deutschen Post und für andere Länder auf die Daten des Weltpostvereins zurückgegriffen wird. Weitergehend wird über Adressbestände von großen Versandhäusern wie Quelle, Neckermann und Otto-Versand überprüft, ob an diese Adresse bereits erfolgreich ausgeliefert worden ist. Außerdem werden die Daten gegen Negativlisten abgeglichen, welche von Inkassounternehmen geführt werden.


Die Company „DMR“ (Dacotah Marketing and Research), 1995 gegründet, war eines der führenden Unternehmen, über die der e-commerce des Adultbusiness abgewickelt wurde. 1996 folgten die inzwischen bekanntesten und größten IPSP in den USA, IBill, CCBill und Epoch/Paycom und eine Vielzahl weiterer Unternehmen, wie „Epic“, „Digiblaze”, “Globill”, “MSBill”, “Netbilling” und viele andere. In den Anfangszeiten des Internets bestimmte teilweise eine Goldgräber- und Wildwestatmosphäre das pornographische Onlinesegment. Copy Rights wurden kaum beachtet und eine Vielzahl der Webseiten bestand aus gestohlenem, bzw. gesaugtem Material. Kundentäuschung und Betrug am Enduser wie auch an beteiligten Unternehmen waren weit verbreitet und wurden als Möglichkeit gesehen schnell zu Geld zu kommen. In Konsequenz kam es zu einem überproportionalen Anstieg an Widerrufen bereits getätigter Kreditkartenzahlungen – sogenannten „Chargebacks“. Ein Chargeback entsteht, wenn ein Endkunde bei seiner Bank einer Kreditkartenbelastung widerspricht. Die Bank schreibt in der Regel den Betrag dem Kunden wieder gut und bei dem Internetanbieter wird der Betrag durch den IPSP zurückbelastet. Durch Userbetrug, aber vor allem durch aggressive Marketingkampagnen wie Spam-Mails und unseriöse Mitgliederwerbung und Abrechnungsmethoden können sich diese zurückgeforderten Einzelbeträge (in der Regel in der Höhe der veranschlagten Mitgliedsbeiträge für die Paysides) schnell zu mehrstelligen Millionenbeträgen summieren. 1999 erhob die Bank über die DMR den Zahlungstransfer abwickelte, hohe Strafgebühren gegen Webseiten, die eine überproportional hohe Chargebackquote aufwiesen.

Dezember 1999 musste „DMR“ Konkurs anmelden, ohne bestehenden Zahlungsverpflichtungen gegenüber Adult-Webmastern in einer geschätzten Höhe von 80- 100 Millionen Dollar nachzukommen. “American Express” sperrte im Jahr 2000 seine Kreditkarten für Transaktionen im Bereich der Online-Pornographie aufgrund der hohen Kosten und des Risikos des hohen Prozentsatz der Stornierungen und Rückforderungen in diesem Segment. Die anderen beteiligten großen Kreditkartenunternehmen „VISA“ und „MasterCard“ verschärften in Konsequenz ihre Geschäftspolitik gegenüber den Unternehmen der Online-Pornographie. Es wurden Sonder- und Strafgebühren eingeführt und Kontrollverfahren implementiert um Kreditkartenbetrug auszuschalten und um Kunden, die bereits durch mehrmalige Stornierungen auffielen, auszusieben und sie auf Schwarze Listen zu setzen. Seit 2003 ist nur noch eine Chargebackquote von maximal 1% (vormals 2,5%) erlaubt. Diese Quote errechnet sich aus Betrag aller Stornierungen aus einem Kalendermonat, dividiert durch den Gesamtumsatz des Monats. Neben den Bearbeitungsgebühren wurden die Strafgebühren empfindlich erhöht. Als weitere Maßnahme wurden die Anbieter von Alterbestätigungssystemen (AVS/Age Verification Systems) als IPSP eingestuft und mussten dementsprechende Gebühren zahlen und sich den neuen Regularien unterwerfen. Zunächst brachen die Umsätze, vor allem bei den Megasites ein, langfristig stabilisierte sich durch diese Maßnahmen aber der e-commerce der Online-Pornographie


Seitens der Online-Adult-Industrie gibt es ein klares Interesse die Abhängigkeiten zu Kreditkartenunternehmen, bedingt durch deren Monopolstellung zu minimieren, indem man an der Idee eines alternativen Zahlungssystems, welches unabhängig vom Kreditkartensystem ist, arbeitet. Die Hoffnung das sich „PayPal“ zu einem geschäftsfähigen Alternativmodell für die Online-Pornographie entwickeln könnte, hat sich allerdings mit der Übernahme des Unternehmens (2002) durch ebay zerschlagen. 2003 entschied sich der inzwischen weltweit größte Online-Zahlungsdienstleister keine weiteren finanziellen Transaktionen für pornographisches Material durchzuführen. Ausgenommen sind hiervon ausschließlich Artikel wie Videos, Magazine und Photos, die auf Online-Auktionen gehandelt werden und vor 1980 produziert wurden. Serviceleistungen für Adult-Webmaster und ihre Bezahlseiten werden im Gegensatz zu der vorherigen Geschäftspolitik von PayPal nicht mehr durchgeführt. Inzwischen werden zunehmend alternative Bezahlverfahren wie Handy-Payment und Abrechnungsverfahren über das Telefon angeboten.



Einzelne Internet Payment Service Provider


Das Unternehmen « iBill » ging aus der 1986 gegründeten “Logicom, Inc.”(Fort Lauderdale, Florida) hervor, das im Audiotextbereich (u.a. Telefonsex) Abrechnungssysteme anbot. „iBill“ wurde 1997 gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren schnell zu einem populären Finanzdienstleister, vor allem für Unternehmen der Online-Pornographie. Im Jahr 2002 sollen ca. $400 Millionen an Kreditkartentransaktionen über „iBill“ abgewickelt worden sein – wobei der Kreditkartenprozessor einen Betrag von 15% der Gesamtsumme als eigenen Umsatz verbuchen konnte. 85% dieses Geldes sollen über die Sexindustrie umgesetzt worden sein. 2002 wurde „iBill“ von dem aus Atlanta stammenden Unternehmen „InterCept“ für $112 Millionen aufgekauft. Die neuen Bestimmungen des Kreditkartenunternehmens Visa, vor allem in Bezug auf die sogenannten „Chargebacks“ erhöhten die Kosten für Adultwebmaster erheblich, zogen Kontenauflösungen und Vertragswechsel zu anderen Dienstleistern nach sich und führten zu Umsatzeinbrüchen bei „iBill“. 2003 sollen nur noch $330 Millionen an Transaktionen über „iBill“ abgewickelt worden sein. 2004 wechselte das Unternehmen mehrfach den Besitzer und befand sich im Zentrum undurchsichtiger Finanzspekulationen. Im März 2004 wurde „iBill“ von „InterCept“ an ein Finanzkonsortium, zu welchem seit der Insolvenz von „General Media“(2003) auch „Penthouse International“ gehört, verkauft. Im August 2004 übernahm die „Care Concepts I, Inc.“ zu 100% die „Internet Billing Company(„iBill“) von „Penthouse International“ für $55 Millionen und einen Aktienanteil von 19,9% an „Care Concepts“. September 2004 verlor das Unternehmen seinen Geschäftskontrakt mit dem übergeordneten Kreditkartenprozessor „First Data“, da dort Unstimmigkeiten in Bezug auf Zusammenarbeit und Serviceleistungen zu den Kunden der Sexindustrie bestanden. Adultwebmaster mussten teilweise monatelang auf ihre Auszahlungen warten, während „First Data“ das Geld zurückhielt. Im Januar 2005 wurde „iBill“ dann für $23,5 Millionen an das Unternehmen „Interactive Brand Development“ verkauft. Der „neue“ Besitzer war kein anderer als die nach einer Umstrukturierung umbenannte „Care Concepts“. Anfang 2006 wurde bekannt, das persönliche Informationen von Millionen Kunden von „iBill“ in die Hände von Hackern geraten waren und auf den Internet-Schwarzmärkten kursieren. Diese Daten beinhalten zwar nicht die Kreditkartennummern, aber umfassen eine ganze Reihe sensibler Daten wie persönliche Namen; Berufsbezeichnungen, Wohnanschriften, Telefonnummern, E-Mail- und IP-Adressen, Kennwörter, Benutzernamen, Kreditkartentypen und Kaufsummen. Diese Sicherheitslücke soll insgesamt 18 Millionen Kunden von iBill betreffen, die im Zeitraum 1998 bis 2003 dessen Service in Anspruch genommen hatten.


Epoch Transaction Services”, zu dem auch „Paycom Billing Services” und “Card.com” gehören, ist ein 1996 gegründeter Internet Payment Service Provider (IPSP). Auf der Webmaster-Convention 1997 wurde, nach Änderung des Firmennamens in Epoch, der e-commerce- Service auf den Kundenkreis der Adult-Webmaster ausgerichtet. Epoch begann mit 7 Mitarbeitern und beschäftigt inzwischen (2006) 160 Angestellte. Nach einer Krise bedingt durch hohe Chargeback-Quoten, verschärfte Regularien durch Visa/Mastercard und damit einhergehende Schwierigkeiten den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, hat sich das Unternehmen inzwischen wieder konsolidiert. Zu Epochs Kunden zählen Unternehmen wie Net Management, Flashcash, Topbucks, Python und SilverCash. 2005 expandierte Epoch mit der Gründung von „PaycomEU.net” auf den europäischen Markt und bietet europäischen Webmastern einen fast identischen Service wie in den USA an. Die verschiedenen Online-Abrechnungssysteme umfassen Visa, Mastercard, Discover/Novus, ePassporte, JCB und U.S.-Checks. Zusätzlich wurden die Kartensysteme „Switch“ und „Solo“, die für den e-commerce vor allem in Großbritannien weit verbreitet sind (Anfang 2005 befanden sich mehr als 29 Millionen Karten im Umlauf) in das Angebot von Epoch integriert.

CCBill, ein 1998 gegründetes Unternehmen aus Arizona mit 200 Mitarbeitern, ist eine von fünf Firmen der „CWIE Holding Company Inc.“ und ist in der Adultbranche für eine konservative, aber auch solide Geschäftpolitik bekannt. CCBill bietet über die Partnerschaft mit „DRM-Networks“ (Digital Rights Management) seinen Kunden eine schlüsselfertige Lösung an, was den Schutz der Lizenzierung und des Copyright bei der Vermarktung digitaler Inhalte betrifft. Der IPSP ging aus der 1996 gegründeten „Cavecreek Web Hosting“ hervor, nachdem der Gründer und jetziger Präsident Ron Cadwell sich entschloss seinen 24 Stunden/7 Tage- Hosting-Service auf den e-commerce auszudehnen und so in Konkurrenz zu iBill und DMR zu treten, die ihren Service zu dieser Zeit nur 5 Tage die Woche anboten.


Netbilling Inc.“ (www.netbilling.com) ist ein kleinerer e-commerce-Dienstleister im weitesten Sinne. Sie hilft Online-Unternehmen den Verkauf von Produkten und Services über das Internet zu vereinfachen und zu erleichtern. Neben den regulären Kreditkartentransaktionen bietet „Netbilling“ außerdem eine alternative e-payment-Methode an. Zu den weiteren Dienstleistungen gehört die Übernahme des Kundenkontaktes der einzelnen Internetunternehmen via Telefon und E-Mail. Die Mitarbeiter im Kundencenter regeln unvollständige Vertragsabschlüsse und versuchen Annulierungen bei den Kreditkarteninstituten entgegenzuwirken. Ein Service der vor allem auf kostenpflichtige pornographische Webseiten auf Mitgliedschaftsbasis abgestimmt ist. „Netbilling“ wurde 1998 gegründet und beschäftigt mittlerweile über 30 Mitarbeiter. Über 70% ihrer Kunden kommen aus dem Adult-Bereich, neben Mainstream und Fetish-Seiten auch Alterbestätigungs- und Webmasterprogramme. Daneben hat das Unternehmen aber auch ein vielseitiges Portefolio von Kunden aus regulären Geschäftsbereichen zu verzeichnen, z.b. Photoausrüstungen, Pferdezucht, Ställe, Gartenbau, etc. und eine Reihe von Videoshops, Internet Service Providern, Content-Anbietern und Hosting-Firmen aus dem regulären wie aus dem pornographischen Geschäftsbereich. Ein Großteil der Kundschaft kommt aus den USA, „Netbilling“ betreut aber auch Kunden in England, Australien, Italien und Japan.


“Sultans of Smut – Cyperporn targets the Mainstream”, MSNBC.com, 09.08.2000, von Mike Brunker

http://www.msnbc.com/news/438846.asp?cp1=1

AVN-Online, “Netbilling Inc.: Smoothing the Way for E-Commerce” 12-1-2000

“Wired News Warns Consumers About iBill” 09.03. 2006


Alterbestätigungssysteme – Age Verification Systems


Die Struktur des Segments der Alterbestätigungsprogramme (Age Verification Services/AVS) reflektiert die der gesamten Branche. Es gibt um die 10 maßgebliche Unternehmen, wie AdultCheck, in diesem Sektor, die zwischen 60% bis 80% der über AVS betriebenen Webseiten abdecken. Die Gebühren für den Enduser variieren zwischen $20 vierteljährig bis $25 pro Monat. In der Regel wird ein einfacher und ein Premium-Zugang angeboten. Diese Einnahmen werden zwischen den AVS-Operateuren, den beteiligten Webseiten-Betreibern und dem jeweiligen Inkasso-Unternehmen geteilt. Das Geschäftsmodell der Alterbestätigungssysteme betrifft vor allem Webmaster, die eine Mehrzahl von kleinen, selten aufgefrischten Webseiten ins Netz stellen, um Traffic zu generieren. Bei diesem Modell werden die Kreditkarteninformationen von einer Drittfirma, die das Alterbestätigungssystem betreibt, abgefragt. Dieses System beruht auf der Annahme, das Kinder keinen Zugang zu Kreditkarten haben. Die Webmaster stellen ihr unzensiertes pornographisches Material in einen passwortgeschützten Bereich ein und verweisen in ihren Startseiten auf dieses Angebot. Die interessierten User werden aufgefordert nachzuweisen, das sie volljährig sind und erhalten dann ein Passwort und einen User-Namen von der Firma die das Alterbestätigungssystem betreibt. Der Webmaster seinerseits erhält für jeden User, der sich über seine Webseiten in das Kontaktformular einträgt, einen bestimmten Betrag.


Eines der größten Unternehmen der us-amerikanischen Online-Pornographie ist „Cybernet Ventures” mit Sitz in Kalifornien, die das Alterbestätigungssystem „Adult Check“ betreibt. Mehr als 4 Millionen Kunden zahlen dreimonatlich eine Summe von 20$ und bekommen im Gegenzug ein Passwort und einen Usernamen, der ihnen den Zugang zu mehr als 400.000 pornographischer Webseiten verschafft. Der jährliche Umsatz von „Cybernet Ventures” soll 2002 bei 320 Millionen Dollar gelegen haben. Im Bereich der Alterbestätigungssysteme ist diese Firma Marktführer. „Adult Check“ ist eines von vier führenden Zugangssystemen für pornographische Webseiten, die seit dem „Communications Decency Act“ von 1996, welches die Angabe von Kreditkarteninformationen für User pornographischer Webseiten zum Schutze von Minderjährigen vorschrieb, enorm an Bedeutung gewonnen haben. Weitere Firmen in diesem Segment sind “CyberAge“ und „NetVerifier”. Die kalifornische Firma “CyberAge“ wurde von drei ehemaligen Mitarbeitern von „Adult Check“ gegründet und gewährt inzwischen Zugang zu ca. 250.000 Webseiten. „NetVerifier” (Elite Erotic Portal) ist ein unabhängiges Wiederverkaufsprogramm, welches bereits seit 1995 online ist. Der primäre Service besteht in einem Alterbestätigungsprogramm, inklusive Passwortvergabe, für den das Unternehmen ihren Partnern eine Kommission in Rechnung stellt. Das Unternehmen, dessen Büros in Tampa liegt, beschäftigte 2003 24 Mitarbeiter und listete über 240.000 Seiten. Für eine Gebühr von $29,95 haben User für den Zeitraum von 2 Jahren Zugang zu dem kompletten Netzwerk. Desweiteren betreibt das Unternehmen separat „GayVerifier“ und „LadyVerifier“. 2002 sollen über 60.000 Unternehmen den Service von „NetVerifier” in Anspruch genommen haben.


Quelle: AVN-Online, „A Webmaster Roundtable, Part One“ 7-1-2001


Dialer


Eine weitere Methode, Mitgliedsbeiträge einzufordern, sind Dialer. Dies sind Einwahlprogramme, die sich auf dem Computer der Internet-Nutzer installieren und Internetverbindungen automatisch über eine andere als die eingestellte Standardverbindung herstellen. Der Kunde lädt die Dialer-Anwendung von einer Webseite herunter und füllt die Kontaktdaten aus. Das Programm schaltet den Verbraucher vom Internet ab und baut eine separate, kostenpflichtige Verbindung über eine Telefongesellschaft zu der Webseite auf. Die Kostenabrechnung erfolgt über die Telefonrechnung des Kunden. Ursprünglich waren sie als einfache und anonyme Zahlungsmethode im Internet gedacht, die vor allem vom Sexbusiness genutzt wurde. Diese Programme waren vor allem in Europa verbreitet, wo die Weitergabe von Kreditkarteninformationen nicht so akzeptiert wurde wie in den USA. In den Vereinigten Staaten haben sich diese Programme nie in dem Maße durchsetzen können und sind inzwischen auch dort wegen ihres Missbrauchspotentials zunehmend in Verruf geraten. Die zuständigen US-Behörden erschwerten ihrerseits den Einsatz von Dialern als Bezahlalternative zur Kreditkarte mit der Begründung vermeintlichen oder realen Missbrauches, so dass Unternehmen der Online-pornographie erst seit den letzten Jahren verstärkt auf alternative Abrechnungsverfahren zurückgreifen konnten um der Monopolstellung von Visa und MasterCard auszuweichen.


Im Oktober 2000 beendete die Federal Trade Commission (FTC) alle us-amerikanische Unternehmungen der “Verity International, Ltd”, einer kleinen Dialer-Firma. Die beiden britischen Besitzer Robert Green und Marilyn Shein wurden beschuldigt mehr als 110.000 US-Amerikanern betrogen zu haben, indem sie ihnen über einen Dialer $3,99 pro Minute für den Besuch pornographischer Webseiten abrechneten, die Kunden aber von weitaus niedrigeren Preisen ausgingen. Die Dialer-Firma stand in direkter Verbindung mit „RJB Telcom“, eines der größten Unternehmen der Online-Pornographie. Die Gebrüder Robert J. und Richard D. Botto, Besitzer von „RJB Telcom“ wurden in diesem Zusammenhang angeklagt. Auf den RJB-Webseiten wurden die potentiellen Kunden zuerst auf eine Formularseite weitergeleitet, die die traditionellen Bezahlmethoden via Kreditkarte anbot. Bei Usern, die sich nicht auf eine Mitgliedschaft einließen, klappte eine Konsole mit der Dialer-Anwendung auf. Zuerst betrieben RJBT ihr eigenes Dialerprogramm über AT&T, die diesen Service aber beendete. Daraufhin wendete sich RJBT an die Firma „Verity International“, die den Dialer-Service betrieb bis seitens des FTC Anklage erhoben wurde. Beide Firmen wurden angeklagt, das sie es unterlassen hatten Minderjährigen den Zugang zu ihren Webseiten zu versperren und das es Usern schwer bis unmöglich gemacht wurde den Dialer-Service zu beenden. In dem Zeitraum dieses Jahres war die Chargeback-Rate so hoch, dass sich Visa Ende Juli 2000 entschloss RBJ Telcom aus dem us-amerikanischen Kreditkartengeschäft auszusperren. MasterCard seinerseits sperrte die Geschäftskonten im August gleichen Jahres wegen einer Rückzahlungsquote die bei über 14% lag. Im Oktober wurden dann per Gerichtsbeschluss die Vermögenswerte von RBJ Telcom eingefroren. Die Botto-Brüder wiesen die Vorwürfe der Anklage von sich und behaupteten, das Sicherheitslücken in ihrem System es einzelnen Webmastern aus den Partnerprogrammen möglich gemacht hätten, derartige kriminelle Verfahrensweisen unbemerkt zu implementieren. RBJT einigte sich im August 2001 mit dem FTC ohne dabei irgendeine Schuld einzugestehen. Die Auflagen denen sich RBJT unterwerfen musste, beinhalteten u.a. das Zugeständnis keine Dialer mehr zu benutzen, keine Gelder von Konsumenten ohne die notwendige Authorisation einzuziehen und neue Sicherheitstechniken zur Vorbeugung gegen eventuellen Missbrauch zu installieren. Außerdem stimmte sie einer dreijährigen Überwachung ihrer Geschäftsbetriebe durch die FTC zu und hinterlegten eine Kaution von 250.000 Dollar, die im Falle einer Verletzung der Auflagen einbehalten werden sollte.

17
Okt
08

Partnerprogramme (Affiliates)

Partnerprogramme (Affiliates)

Affiliate- oder Partnerprogramme sind Provisionssysteme für das Bewerben von bestimmten Produkten oder Dienstleistungen. Ein Webmaster einer gut frequentierten Internetseite vermittelt von seiner Seite Kunden weiter und erhält dafür eine Provision. Eine weitere weit verbreitete Möglichkeit ist der Design von sogenannten „free“-sites um dann den Traffic zu einem der verschiedenen Pay-Sides weiterzuleiten. Als eines der größten und populärsten Affiliate-Programme für Adult-Webmaster galten die von „Innovative Ideas International, Ltd“ betriebenen “Adult Revenue Services”. Nach “Forrester Research” wurden 1999 13% des e-commerce über Affiliate-Programme generiert, 2003 bereits 21%. Diese Partnerprogramme sind eine wichtige Einkommensquellen für die kostenpflichtigen Mitgliederseiten und eine sehr effektive Methode Traffic auf die dementsprechenden Seiten zu lenken und zu erhöhen. Dieses Geschäftsmodell ist allgemeingültig, ob es sich um die einzelne Homepage eines Webmasters handelt oder um ein Unternehmen mit tausenden von Domains. In der Regel leiten die kleineren Portalseiten potentielle Kunden zu den kostenpflichtigen Mitgliederseiten der großen Unternehmen weiter, diese wiederum zahlen prozentuale Gewinnbeteiligungen an den Einnahmen, die aus diesen weitergeleiteten Traffic resultieren. Dieses Verfahren wurde erstmals von führenden Betreibern pornographischer Seiten eingeführt.


Um unter Beweis zu stellen das ihre Webseite gut besucht wird, gingen viele Webmaster dazu über Besucherzähler auf ihrer Startseite zu platzieren. Da diese aber leicht zu manipulieren waren und man dem Kunden objektive Zahlen präsentieren wollte, verlagerte sich dieser Bereich zu Drittfirmen, deren Zähler dann die Daten zur deren Webseite sendeten, dort auswerteten und die Ergebnisse dann wieder im Zähler der Ausgangseite präsentierten. Das erste daraus resultierende Geschäftsmodell bot „Cybererotica“ im Jahr 1996 mit dem „XXX Counter“ (inzwischen im Besitz der Firma „SexTracker“) an, wo Webmaster die Anzahl der Besuche und Mitgliedereinschreibungen darstellen konnten und gleichzeitig eine Analyse ihres Traffic bekamen. Um diesen Service in Anspruch nehmen zu können, zahlten die Adult-Webmaster ihrerseits mit Traffic, indem sie den Icon „The World’s Top Sex Sites“, eine Linkhitliste von Cybererotica, auf ihrer Startseite platzierten. Dieses Geschäftsmodell war einer der Vorläufer der späteren Partnerprogramme. Als nächstes entwickelte Cybererotica „Fast Cash Count“, welches neben den Zählerstatistiken den beteiligten Webmastern einen Prozentsatz an Mitgliedsbeiträgen zahlte, wenn der User über die betreffende Webseite den CashCount-Ikon anklickte und sich danach einschrieb. Auch wenn es zu keinem neuen Vertragsabschluss kam, zahlte Cybererotica für jeden Click auf den Ikon einen Betrag zwischen 0,05 bis 0,10$ und bot damit eines der ersten Pay-per-Clickthrough-Programme im Internet an. Dieses Modell erwies sich allerdings als anfällig für Manipulationen: bereits mit dem ersten Pay-per-Click-System tauchten sogenannte „clickbots“ auf, einfache Programme die den Task des Bannerclicks automatisierten und vervielfältigten. Die Partnerprogramme gingen daraufhin dazu über nur für Clicks zu zahlen, die jeweils von einer einmaligen IP (Internet Protokoll)-Adresse kamen. Click-throughs die über Clickbots maximiert wurden, wiesen demgegenüber nämlich immer die gleiche IP-Adresse auf. Als nächstes tauchten dann Systeme auf, die in der Lage waren zu dem Server des Partnerprogramms gefakte IP-Adressen zu senden. Da der Kontrollaufwand bei diesem Geschäftsmodell sehr aufwendig ist, verzichten inzwischen viele kommerzielle Pornoseiten, die Partnerprogramme anbieten, auf diese Bezahlmethode.


Zu einem nachgefragten Service und wichtigen Marketing-Instrument hat sich die Analyse des Traffics und des Surfverhaltens entwickelt. Mittels speziell entwickelter Software ist eine Analyse der Server Log Files möglich geworden. Server Log Files können einem Webmaster Informationen über das Surfverhalten des Users liefern: von welcher Webseite er gekommen ist, welchen Browser er benutzt, seine IP-Adresse, welche Seiten besucht worden sind und wie viel Zeit er auf den einzelnen Seiten verbracht hat. Log-file-Analyse-Software vereinfacht und automatisiert den Prozess der Informationsauswertung und macht es Webseitenbetreibern und potentiellen Werbekunden möglich nachzuvollziehen von welchen Webseiten Traffic generiert wird und wie der Surfer auf Werbeaktionen und den Aufbau der Webseite reagiert.

Die Vertragsbedingungen zwischen Partnerprogramm und einzelnen Webmastern, die in den sogenannten „Terms&Conditions“ festgelegt werden, sind in der Regel darauf angelegt den Anbieter juristisch abzusichern und Geschäftsbedingungen zu schaffen die einen hohen Traffic und Kundenzufriedenheit gewährleisten. Im Allgemeinen wird es den Partnerseiten verboten insbesonderen Kinderpornographie und anderes Material, welches illegal ist oder gegen die Copyrightbestimmungen verstößt, zu veröffentlichen. Desweiteren führt die Praxis von Spam-e-mails, und die Veröffentlichung von illegalen Passwörtern, MP3s und gecrackter Software in der Regel zum sofortigen Vertragsabbruch. Eine steigende Anzahl von Anbietern lässt inzwischen keine Partnerseiten aus Ländern des osteuropäischen Raumes wie Rumänien, Bulgarien und Russland mehr zu, da die Missbrauchsrate dort zu hoch ist, desgleichen betrifft Webseiten deren Betreiber aus Ländern stammen in denen Pornographie mit hohen Strafen belegt und bis hin zur Todesstrafe verfolgt wird, wie z.b. in Pakistan und Singapur. Diese „Terms&Conditions“ wurden spätestens ab Januar 2001 ernstgenommen, als AOL erfolgreich gegen die Firma Cyber Entertainment Network prozessierte, da über einige der Partnerseiten von CEN AOL-Mitglieder vom massiven Spamming betroffen waren. Das Gericht stimmte der Position von AOL zu, das ein Unterbinden, bzw. Verhindern solcher Vorgehensweisen in der Verantwortlichkeit von Cyber Entertainment Network gelegen hätte.


Einzelne Anbieter von Partnerprogrammen


Alle Majors der Onlinepornographie bieten Affiliate-Programme an, wie Cyber Entertainment Network (CEN) mit „ TrafficCash“ und ca. 35.000 beteiligten Adult-Webmastern(2001) und RJB Telecom mit “MaxCash“. „Kara’s Adult Playground”, mit dem Affiliate-Programm “MaxCash” ist eine Megaseite, die Zugang zu einer Vielzahl von Hardcore-Seiten mit mehreren hunderttausend Photos und Online-Videos offeriert. Nach Firmenangaben sollen seit 1996 ca. 250.000 Webmaster an dem Partnerprogramm beteiligt gewesen sein. Es gibt aber auch eine Reihe von Unternehmen die sich ausschließlich auf dieses Segment konzentriert haben. Viele dieser Partnerprogramme bieten inzwischen das gesamte Spektrum möglicher Serviceleistungen für den einzelnen Webmaster an. Neben den bereits aufgezählten Leistungen gehören dazu das Angebot pornographischer Inhalte wie Bildergalerien, Videos, interaktiver Content sowie das komplette Weblayout, bis hin zu den Bezahlvorgängen, die entweder über ein eigenes e-commerce-System oder über unter Vertrag stehende IPSP`s abgewickelt werden.

“SPACash” ist aus dem “LiveInteractive.net” des aus Uruguay stammenden Pel Martin Caetano hervorgegangen, der zum Zeitpunkt der Unternehmungsgründung noch nicht – oder gerade volljährig war. “LiveInteractive“ bestand aus zwei Partnerprogrammen die ausschließlich im europäischen Raum populär waren. Im August 2003 wurde „SPONSORadulto.com“ gegründet, welches bereits im Oktober gleichen Jahres die Hälfte des spanischen Marktes vereinnahmt hatte und über eine Crew von 20 Mitarbeitern verfügte. Im Anschluss und mit einer Geschäftspartnerschaft mit dem Franzosen Antoine Moreau folgte „SPONSORIX.com“, welches sich bereits 2004 zu einem der populärsten Partnerprogramme im französischen Online-Pornobusiness entwickelt hatte. „LiveInteractive“ hatte mit diesen beiden Programmen ca. 20.000 angeschlossene Webmaster. Das nachfolgende „SPACash“, mit einem Fokus auf den us-amerikanischen Markt, ist von vornerein auf ein globales Marketing ausgerichtet und bietet den Content in 10 verschiedenen Sprachen zur Auswahl an. Das Unternehmen verfügte in der Startphase über ein Netzwerk von 30 Webseiten und beschäftigte 125 Angestellte, die in zwei Schichten arbeiteten. Der Webanalyst “Alexa” gab 2007 das britische Unternehmen “Global Business P. Partnership“ als Betreiber an.


MeatCash”, mit der Muttergesellschaft “MNP Enterprises” steht als Partnerprogramm und Content-Produzent für eine Produktlinie, die unter dem Begriff “Rough Sex“ zusammengefasst wird. Dies geht von der Darstellung von „harten“, bisweilen schmerzvollen Sex , zu dementsprechenden Hardcore-BDSM, bis zu speziellen Angeboten wie Bukkake. Die Darstellerinnen werden in zwei ausführlichen Interviews abgefragt und vorbereitet und wissen worauf sie sich einlassen. Jede der Frauen setzt ein Limit, wieweit sie in den Szenen zu gehen bereit ist und bringt in der Regel ein gewisses Maß an schauspielerischen Potential mit ein, was dann im Endresultat als eine dramatische Narration vom User abgerufen werden kann. Der Begriff „Rough Sex“ wurde Ende der 90er vom Filmstudio „Anabolic” geprägt. Eine der Regisseurinnen dieses Studios gestaltete Webseiten wie “MidnightProwl.” und “Meatholes.com” mit, die 2003 mit der Gründung von „MeatCash“ ihren Start up hatten. Mit dem wachsenden Erfolg dieser Seiten folgten weitere Seiten wie: „CockBrutality“ und “Ass2MouthSluts”, bis die Zahl der Webseiten dieses speziellen Spektrums Ende 2005 bei über 30 lag – mit steigender Tendenz. Die Programme „StoneyCash”, “VouyerCash” und “RectalRevenue” schlossen sich “MeatCash” an, welches aufgrund einer Initiative der Muttergesellschaft MNP inzwischen die Onlinepräsenz für bekannte Regisseure stellt, die bei Studios wie „Red Light District“, „Platinum X Pictures“ und „Anarchy“ produzieren


SmashBucks” ein Partnerprogramm und Hosting-Service für Adult-Seiten wird von Mike Hawk, einem ehemaligen Nachtclubbesitzer und seinem Partner T. Spikes betrieben. Beide begannen ihre Karriere als Internet-Unternehmer eher zufällig mit dem Start up von „CandyFilms.com“ mit dem sie den Musikclip “Porno Star” der Musikgruppe von Spikes vermarkten wollten. Der Online-Video generierte wohl hauptsächlich wegen dem Titel soviel Traffic, das die beiden entschlossen ernsthaft in das Geschäft mit der Online-Pornographie einzusteigen. Sie sicherten sich die Rechte an den Filmen von Mike Paulson, der u.a. mit Ginger Lynn und John Holmes gedreht hatte, gründeten „PornStarClassics.com“ und vermarkteten als eine der ersten alte Pornofilme aus den 70er und 80ern im Internet. Einige Jahre später wurde „SmashBucks“ zusammen mit einem Netzwerk verschiedener Webseiten gegründet. Mit einer Reihe werbewirksamer Marketingmaßnahmen, wie teilweise kostenfreier Content und Hosting, sowie günstigen Gewinnbeteiligungen entwickelte sich „SmashBucks“ zu einem erfolgreichen Unternehmen in dem Segment dieser Branche.


2002 gegründet als ein Partnerprogramm für Paysites, bietet „Epic Cash“ (www.epiccash.com) des Gründers Trey Hickey inzwischen die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten des Geldverdienens für Adult-Webmaster an. EpicCash verfügt über ein Netzwerk von 44 kostenpflichtigen Seiten und zahlte seinen Affiliates $30 Dollar pro Neueinschreibung. Dazu gehören seperate Programme wie „Epic DVDs“ und „URentDVDs.com“ zum Verkauf, bzw. Verleih von DVD`s, die Vermarktung von Aphrodisica und anderen Zusatzstoffen mit dem „Herbal Gains“-Programm, die „Epic Mail Free Sites“, Click-Through- und Build-your-own-Tour-Programme und die Dialer und Zähler-Programme „Epic Dialer“ und „Epic Tracker“. Mit „Blue Frog Mobile“ hat EpicCash verschiedene Bezahl-Modelle entwickelt um auf den Mobile-Markt zu expandieren.


SilverCash, das Programm der kalifornischen Price Communications Inc. ,wurde 1999 von Mike Price gegründet, der bereits seit 1994 ein erfolgreicher Unternehmer im pornographischen Business ist. SilverCash weist einen hohen Traffic auf und betreibt ein Netz von ca. 90 Hardcore-Seiten mit über 30.000 Affiliates zu dem Webseiten wie galleryhost.com, sologirls.com, manhunter.com und videoseekers.co gehören.


Der Mobile Markt


Die neue Handytechnologie mit visuellem Display und Videofunktion hat die Möglichkeit für Erotik- und Pornoangebote auf dem Handy geschaffen und das Mobile-Sex-Segment für die Adultbranche eröffnet, die dabei ist ihren Online-Markt auf den Mobilsektor auszudehnen und miteinander zu verknüpfen. 2007 betrug das globale Marktvolumen für Mobil-Porn, laut Juniper Research, $1,7 Milliarden, wovon 45% auf den westeuropäischen Markt entfallen. Der branchenspezifische Industrieanalyst Juniper erwartet global einen Wachstum auf 3,5 Milliarden bis 2010. 775 Millionen Dollar betrug der Umsatz 2007 in Deutschland, bis 2012 wird eine Steigerung auf 1,5 Milliarden Dollar prognostiziert. Der Umsatz des nordamerikanischen Marktes betrug 2007 hingegen nur etwa 26 Millionen Dollar. Trotz der zum Teil strengeren Jugendschutzbestimmungen in Westeuropa, scheint die Mobile Phone-Industrie hier weniger reguliert zu werden.

Im Jahr 2005 hatten Debitel, E-Plus, Mobilcom, o2, Talkline, T-Mobile und Vodafone einen Verhaltenskodex zum Jugendschutz im Mobilfunk unterzeichnet. Zu diesem Zweck wurden Altersverifikationssysteme eingeführt: der User muss sich, etwa beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages, identifizieren. Um an die entsprechenden Inhalte zu gelangen, muss dann eine „Authentifizierung“ über eine PIN-Nummer oder eine spezielle SIM-Karte stattfinden.

Viele Anbieter in Übersee fürchten, mit pornographischen Inhalten politische und religiöse Gruppen als Kunden zu verlieren und scheuten daher vor derlei Dienstleistungen zurück. So nahm die kanadische Telus Corp. 2008 nach einer Kampagne, die in hunderten von Kundenbeschwerden und öffentlicher Kritik seitens der katholischen Kirche gipfelte, ihre Mobile Porn-Angebote vom Netz. Dies scheint sich nun allerdings zu ändern. So planen die Mobilfunkbetreiber, die Kontrollfunktionen zu lockern und breiter gestreute Dienstleistungen, etwa im Erotikbereich, zuzulassen. Dies liegt u.a. in der Technologie der sogenannten Smart Phones begründet. Vor allem Apple´s iPhone mit seiner miniaturisierten Version der Safari-Software bietet optimale Möglichkeiten für das schnelle Websurfen, Downloads und die qualitative Wiedergabe von Streams. Bereits vor dem Verkaufsstart des iPhone 2.0 gab es in den USA mehrere hundert Webseiten, die ausschließlich auf diese Applikation ausgerichtet waren.

Die Möglichkeit den Besuch von Pornowebseiten über eine „Premium-Text-Nachricht“ via SMS per Handy abzurechnen, gibt dem Kunden das Gefühl anonym zu bleiben und könnte Dialer in naher Zukunft ersetzen. Eines der größten Unterschiede zwischen dem Internet und der Mobile-Technologie ist , das Mobile-Konsumenten keinen Zugang zu freiem Content haben, wie dies im Internet der Fall ist. Inhalte die heruntergeladen werden, bewegen sich zumindestens im Preissegment der Kosten für eine SMS oder eines Telefongespräches. Ein weiterer Unterschied liegt darin, das für Content-Anbieter eine weitaus größere Zahlungssicherheit besteht, da Mobiltelefonnutzer bereits als zahlende Kunden registriert sind und der Aufwand eigener Abrechnungssysteme entfällt, da entstehende Kosten über die monatliche Telefonrechnung abgerechnet werden.

Beim Mobile Payment wird per Handy die Zahlung durch den Handybesitzer autorisiert und der Betrag eingezogen. Die Abrechnung erfolgt entweder direkt durch den Mobilfunkbetreiber über die monatliche Handy-Telefonrechnung oder durch einen Inkassodienstleister. Hier gibt es welche, bei denen sich der Endkunde registriert und sein bevorzugtes Abrechnungsverfahren (Kreditkarte, Lastschrift) hinterlegt. Fällige Beträge werden dann über das hinterlegte Abrechnungsverfahren eingezogen. Bei einer Premium-SMS wird per Handy oder Festnetz eine SMS Nachricht an eine fünfstellige, so genannte Short Nummer verschickt. Dabei spielt es keine Rolle, bei welchem Mobilfunkanbieter der Endkunde sein Vertrag abgeschlossen hat. Durch die Integration einer Mitteilung innerhalb der SMS-Nachricht können verschiedenen Anbieter und Angebote über die gleiche Short Nummer verarbeitet werden bzw. individuelle Angebote abgerechnet werden. Es ist keine separate Registrierung des Endkunden notwendig, noch müssen Kreditkarten oder Bankverbindungen in irgendeiner Form hinterlegt werden. Die Abrechnung erfolgt über die Mobilfunkbetreiber. Bis jetzt wurden die Premium-SMS überwiegend für die Bezahlung von Klingeltönen und für SMS-Chats verwendet. Die Bezahlung von pornographischen Content, wie auch die Möglichkeit einer Alternative zu den klassischen Bezahlverfahren bietet sich an. Der Endkunde könnte per SMS-Nachricht ein Passwort für einen kostenpflichtigen Bereich anfordern. In einer Antwort-SMS wird das Passwort übermittelt und der Endkunde kann den Mitgliederbereich betreten und per SMS Content bestellen, der entweder an das Handy oder an die zu diesem Zweck mitüberlieferte e-mail-Adresse übermittelt wird. In der Regel können bei den einzelnen Mobilfunkanbietern Beträge zwischen € 0,19 und € 3,- abgerechnet werden. Größere Beträge sind nicht möglich und könnten nur durch das Versenden von mehreren SMS-Nachrichten realisiert werden.

Bis jetzt sind die Bezahlverfahren via Handy überwiegend auf das Segment des Micropayments ausgerichtet und erfordern damit innovative Lösungen und eine leistungsfähige Software, die die Funktionsweisen von Handytechnologie und Computer, bzw. Internet in Bezug auf das Mobile Payment deckungsgleich und komplikationslos miteinander verbindet. Denkbar wäre auch – unter der Voraussetzung der Implementierung neuer Sicherheitsstandards, die Missbrauch und Betrug weitgehend ausschließen – eine Öffnung des Mobile Payments hin zu Transaktionsvolumen wie sie im regulären e-commerce üblich sind. Dies würde allerdings eine weitgehende Geschäftskooperation, bzw. Zusammenschluss zwischen großen Telekommunikations- und Finanzdienstleistern voraussetzen.

Eine weitere interessante Methode der Bezahlung mittels Mobiltelefons wird in Japan praktiziert. Dort können Mobile-User bei Transitstellen und anderen Gebühren, die sich im Segment des Mikro-Payments bewegen, ihr Telefon konkret als Zahlungsmittel verwenden indem sie es ein paar Zentimeter vor einem Zahlungsterminal halten. Das Terminal schickt eine Anfrage an einen dafür ausgerichteten Chip im Handy, der dann eine Seriennummer und ein individuelles Kryptogramm zurücksendet. Diese Daten werden vom Terminal an die beauftragte Bank gesendet, die wiederum bei der Bank des Users eine Identifikationsbestätigung und eine Genehmigung der Abbuchung einholt. Dieses Methode kann auf ein Kreditkartenkonto oder ein anderes Bezahlformat des Users eingestellt werden. In den USA gibt es ein ähnliches kontaktloses Zahlungssystem, welches allerdings auf einem Radio Frequency ID -Chip(RFID) beruht, den Exxon Mobil SpeedPass, der ein komplikationslose und schnelle Bezahlung an den Tankstellen ermöglicht.

Laut einer Studie von Maryam Kamvar und Shumeet Baluja, zwei Informatik-Professoren, die über eine Million Suchanfragen für Internetseiten von Mobiltelefonen und PDA`s im Jahr 2005 analysierten, sind pornographische Seiten bei Mobiltelefonnutzern populär und machen ca. 20% aller Suchanfragen aus. Die Besuche von Adult-Seiten über den Personalcomputer sind im Gegensatz zu 1997 im statistischen Wert gesunken. Obwohl diese Angebote über Mobiltelefone alle kostenpflichtig sind und die Qualität des visuellen Angebots auf den kleinen Bildschirmen fragwürdig ist – während über den regulären PC Zugang zu kostenloser und visuell optimierter Internetpornographie besteht – rechnet sich die Sexindustrie hohe Gewinnmargen aus, was das Potential des Mobile Payment betrifft, aber auch der direkten Vermarktung pornographischer Inhalte. Gerade bei Jugendlichen, die eine der großen Nutzergruppen des Mobiltelefons darstellen, steht der Konsum von Erotik-Content einer weitaus geringeren sozialen Kontrolle als beim heimischen PC gegenüber. Aber vor allem stellt der SMS-Markt, der problemlos über das Mikropayment abgerechnet werden kann, einen lukrativen Markt dar. Die weltweite “GSM Association”, die mehr als 450 Wireless-Netzwerk-Operateure vertritt, schätzte die Anzahl der bereits im August 2000 versendeten SMS-Nachrichten auf ca. 9 Milliarden und ging von einem Wachstumspotential aus, das sich in einer halbjährigen Verdopplung dieser Summe zeigen würde. SMS hat sich durch die Werbung als wichtiges Lifestyleelement bei Jugendlichen durchgesetzt und wird oft für private Kommunikation in öffentlichen Räumen genutzt und hat bei vielen Dating-Services bereits den telefonischen Kontakt ersetzt.

“Mobile phone users love their pornography”, 4/17/2006 , Nat Anderson

http://arstechnica.com/news.ars/post/20060417-6610.html