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Pornographie, Moral und Sexindustrie von Peer A. Gosewisch steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Inhalt

Die Sexualmoral im alten und modernen Japan
Preface – Japan als Exporteur pornographischer Kultur
Die Sexualmoral in Japan im historischen Kontext
Die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft
Homosexualität und sexuelle Subkulturen
.
Die Sexindustrie in Japan
Prostitution
Pornographie
„pinku eiga“ – Der japanischer Sexfilm
Manga und Anime
“bishōjo“- Games
.
Yakuza – Organisierte Kriminalität in Japan
Preface
Ursprünge und Entwicklung der Yakuza
Die Yakuza als rituell-patriarchale Organisationsform
Politische Konstellationen im Nachkriegs-Japan
Traditionelle und neue Einkommenquellen
Yakuza und Polizei
.
China – Der zukünftige Massenmarkt der Sexindustrie
Taoismus und Neokonfuzianismus
Das sozialistische, sexualfeindliche Staatsmodell
Die langsame Liberalisierung nach Mao TseTungs Tod
Der Sonderfall Hongkong
Die chinesische Medienlandschaft
Homosexualität in China
Zensur im Internet
Sextoys und Läden für „Erwachsenengesundheit“
Konkubinat, Frauenmangel, Aids und Landflucht
Triaden

Die Sexualmoral im alten und modernen Japan

Preface – Japan als Exporteur pornographischer Kultur

Durch das Internet hat sich bei der Produktion von Pornographie eine bezeichnende Entwicklung in Richtung Dezentralisierung und Heterogenität vollzogen. Eine weitaus größere Anzahl von Produzenten und Konsumenten partizipiert bei der Entstehung des zunehmend globalen Marktes als dies früher der Fall war. Onlinepornographie wird durch die weltweit Verfügbarkeit des Netzes als Bestandteil einer transnationalen Warenkultur von Menschen konsumiert, die in verschiedenen Kulturen und Orten leben. Während aus Lateinamerika, Afrika und dem islamischen Kulturraum so gut wie keine Akzente einer eigenen pornographischen Kultur gesetzt und im Internet verbreitet werden, hat sich aus dem asiatischen Raum, vor allem aus Japan, ein pornographisches Angebot entwickelt, das in westlichen Industrieländern nachgefragt wird und inzwischen eigene Nischensegmente innerhalb der westlichen Pornoindustrie bildet. Dies betrifft beispielsweise die pornographischen Mangas und Anime, die in dem Angebot jedes Sexshops und jeder Videothek zu finden sind, Sonderformen wie Bukkake und japanische Bondage (Shibari), sowie die allgemeine Beliebtheit asiatischer Modelle bei westlichen, männlichen Pornokonsumenten aufgrund ihres jugendlichen Erscheinungsbildes.

Der asiatische Kontinent kann auf eine alte sexuelle Kultur und Tradition zurückblicken, die sich in der Moderne in vielen Bereichen an Europa und die USA angepasst hat, aber immer noch viele Besonderheiten aufweist, bzw. Teilaspekte der sexuellen Kultur dort auch gesellschaftlich anders konnotiert werden, wobei man vorsichtig sein muss nicht in einen euro-ethnozentristischen Blickwinkel zu verfallen, der Europa und die USA mit ihren progressiven sozialen Bewegungen als moderne Staatssysteme und Kulturen wahrnimmt, während andere Regionen und Kulturen als traditionell eingestuft werden und in ihrem Entwicklungsstand an dem Grad der Anpassung an die westlichen Industriekulturen gemessen werden. Gerade in bezug auf das Thema Sexualität werden andere moralische Parameter gerne als ein Überbleibsel eines primitiven freizügigen sexuellen Umgangs bewertet, der seinen Ursprung in Glaubensvorstellungen und Fruchtbarkeitskulten des Agrarzeitalters des jeweiligen Landes hat.

Die Paradigmen der Regulation pornographischer Inhalte können dementsprechend ebenfalls von Kultur zur Kultur verschieden sein. Während in den westlichen Industrienationen sexuelle Themen mit Minderjährigen ein absolutes Tabu darstellen, ist in Japan die Grenzziehung zwischen Erlaubten und Verbotenen toleranter, so dass Material von nackten Minderjährigen, sofern sie keine harte Pornographie darstellen, auf japanischen Webseiten häufig zu finden sind. Der Umgang mit Themen wie Urination und Gruppenritualen wie Bukkake ist dort ebenfalls toleranter als im Westen, während andererseits die Darstellungen der männlichen und weiblichen Sexualorgane und der Penetration in Japan lange Zeit streng zensiert wurden.

Die Sexualmoral in Japan im historischen Kontext

Im agrarischen Japan gab es keine religiöse Organisation wie in Europa, die ihre sexualfeindlichen Tendenzen über Begriffe wie Sünde und Verdammnis und über das Instrument der Inquisition in das Bewusstsein der Bevölkerung verankerte. In der japanischen Kultur sind die Wurzeln zur eigenen agrarischen Tradition mit ihren Götter- und Geisterglauben, sowie ihren Fruchtbarkeitskulten weitaus existenter als dies in Europa der Fall ist. Die eigentliche japanische Religion, der Shintoismus beruht auf diesen Ursprüngen und hat zusammen mit Formen des chinesischen Taoismus in Fragen der Sexualität die positiven, glückbringenden und im medizinischen Sinne gesundheitsfördernden Aspekte betont. In Teilen Japans sind die shintoistischen Phallus- und Fruchtbarkeitskulte, vergleichbar mit den antiken griechischen Phalli-Kulten, immer noch integraler Bestandteil der Volksfestkultur. Erst mit der Etablierung des Neo-Konfuzianismus durch die herrschende Klasse des Shoguns und seines Beamten- und Samurai-Apparates, vor allem während der Tokugawa-Periode, wurde die patriarchalische Herrschaftsstruktur spiegelbildlich im sozialen Mikrokosmos verankert. Eine Entwicklung, die die absolute Autorität des Mannes innerhalb der Familie festlegte und der Frau eine ausschließlich dienende Funktion als Mutter und Hausfrau zuwies.

Japan kann auf eine reichhaltige, künstlerische Produktion von Erotica zurückblicken, z.b. Holzschnitte, literarische Erotika und Plastiken. Während der Edo-Periode stieg die Nachfrage nach solchen Produkten aufgrund der besonderen Situation der Hauptstadt Edo enorm an. Über 60% der Bevölkerung waren jung und männlich und für Jahre zur Arbeit und Ausbildung in die Hauptstadt gekommen, bevor sie in ihre Heimatregionen zurückgingen, wo sie heirateten oder bereits verheiratet waren. Dies führte zur Herausbildung staatlich kontrollierter Prostitutionsviertel (z.b. „Yoshiwara“) und zur raschen Zunahme der Produktion von Erotika. Weit über Japan hinaus bekannt sind die „Shunga`s“, pornographische Holzschnitte mit Textbeschreibungen, die im Buchformat publiziert wurden. Sie sollen teilweise für die Sexualaufklärung verwendet worden sein und die Eltern gaben sie der Frau desöfteren als Hochzeitsgeschenk mit in die Ehe. Außerdem wurden sie zur sexuellen Stimulanz von alleinstehenden Männern und von Paaren verwendet. Diese Bücher konnten in speziellen Buchhandlungen gekauft, oder aber gemietet werden. 1808 soll es in Edo 656 dieser Buchläden gegeben haben, in Osaka deren 300.

Japan hat eine lange, ca. 800 Jahre alte Tradition der graphischen Erzählung, die während der Tokugawa-Periode (1600-1868) mit den Holzschnittdrucken von Hokusai, Hiroshige und Kuniyoshi, den Kompendien zur japanischen Geisterwelt “The Hundred Demons‘ Night Parade” und “Illustrated Bag of One Hundred Random Ghosts” (1781-4) von Toriyama, sowie den sexuell expliziten Shunga-Drucken einen ihrer Höhepunkte hatte. Mit der Entwicklung des Vielfarbendruckes zwischen 1760 und 1790 emanzipierte sich der Holzschnittdruck von der Malerei und es entstand eine eigenständige Industrie der Bildproduktion. Beliebte Themen waren neben Szenen des Alltags und dem Leben der herrschenden Elite, Aufführungen des Kabuki-Theaters, die Stars der damaligen Vergnügungsstätten, vom Theater und Sumowettbewerben bis zu den Prostituierten, sowie erotischen Themen.

Nach der Meiji-Restauration geriet die Produktion von Erotika unter den zunehmenden Druck seitens der staatlichen Behörden, u.a. weil die Regierung Anfangs des 19.Jh. befürchtete, dass diese offene sexuelle Kultur seitens der westlichen Industriestaaten als ein Zeichen der Rückständigkeit gewertet werden könnte. Die Produktion der „Shunga“ und anderer Erotika ging zurück, wurden aber gleichzeitig in die westlichen Märkte exportiert. Generell kam es zu einer Umbewertung, die dazu führte das Erotika und Pornographie als „niedere Künste“ angesehen wurden.

Die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft

In dem zivilrechtlichen Code der Meiji-Ära (1868-1912) hatten nur die Männer legale Rechte während die Frauen im sozialen wie auch im rechtlichen Sinne dem männlichen Haushaltsvorstand untergeordnet waren. In der Gesetzgebung des “Public Police Law” von 1900 war es den Frauen verboten sich in politischen Aktivitäten zu engagieren. Es gab aber, ähnlich wie in Europa und den USA, vergleichbare Emanzipationsbestrebungen die z.b. zur Anerkennung von arbeitenden Frauen in der Gewerkschaftsbewegung und ihrer Beteiligung an den damaligen Arbeitskämpfen führte. Unter der Militärregierung während des 2. Weltkrieges wurden diese Teilerfolge wieder zunichte gemacht und die Frauen auf die Ideologie des patriarchalen Rollenverständnis festgelegt. Die Veränderungen durch die Niederklage Japans im 2. Weltkrieg brachen dieses traditionelle Rollenverständnis von der Frau als guter Ehefrau und Mutter teilweise auf und verschafften der Emanzipationsbewegung neuen Auftrieb. So erhielten die Frauen erstmals 1946 das Wahlrecht.

Viele Frauen orientieren sich weiterhin auf ihre traditionelle Rolle als Ehe- und Hausfrau, sowie als Mutter. Eine für viele japanische Frauen gegenwärtiger Begriff ist der des „Christmas Cakes“ – des Weihnachtskuchens, der bis zum 24. teuer verkauft wird und dessen Preis ab dem 25. rapide fällt – als eine Entsprechung einer in der japanischen Gesellschaft weit verbreiteten Haltung, das Frauen bis zum 25 Lebensjahr verheiratet sein sollten und Männer ab dem 25. Lebensjahr als heiratsfähig gelten. Viele Japaner/innen, die innerhalb dieses Zeitraums noch unverheiratet geblieben sind,  nutzen dann zur Anbahnung einer möglichen Partnerschaft das sogenannte „Omiai“-System. Eine liberale Form der traditionell arrangierten Heirat, bei der den Suchenden eine Anzahl potentieller Heiratskandidaten vorgestellt werden, die von einer älteren Autoritätsperson innerhalb der Familie oder vom Arbeitgeber ausgewählt werden. Die Scheidungsrate ist in Japan im Verhältnis zu westlichen Industrienationen erstaunlich niedrig, was einerseits auf einen stark verinnerlichten moralischen Impetus verweist , andererseits aber auch mit einer über lange Zeiträume hinweg ungenügenden Gesetzgebung zusammenhängt, was die Zahlung von Alimenten an die Frauen betrifft und einer mangelnden staatlichen Unterstützung der Kinder, bzw. der alleinerziehenden Mütter. Oft werden die Kinder im Scheidungsfall im elterlichen Haushalt des Mannes großgezogen.

Bevor 1986 ein Gleichstellungsgesetz verabschiedet wurde, welches den Frauen die gleichen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt verschaffen sollte, akzeptierten nur 33% der großen japanischen Unternehmen überhaupt Bewerbungen von Frauen, vorausgesetzt sie konnten eine 4-jährige Collegeausbildung vorweisen. Bis 1990, im Zeitraum des massiven japanischen Wirtschaftswachstums, fanden viele Frauen reguläre Arbeit, wurden nach dem Niedergang der „Bubble“-Ökonomie aber in großer Anzahl von den Unternehmen entlassen. 22% der weiblichen Arbeitskräfte sind inzwischen darauf angewiesen im Rahmen sogenannter Teilzeitverträge zu arbeiten, die schlechter angesehen und bezahlt werden und den Unternehmern die Möglichkeit geben die Bestimmungen des Arbeitsrechts weitgehend zu umgehen.

Die Pille wurde in Japan lange Zeit nur bei medizinischen Indikationen verschrieben. Ein freier Verkauf der Pille zur vorbeugenden Verhütung wurde 1972 verboten. Erst nach 2000 wurde eine hormonarme Pille zur Verhütung, nach einer fast 10-jährigen Testserie erneut zugelassen. Viagra-Pillen hingegen wurden nach einer kurzen Testphase von 6 Monaten auf dem Markt zugelassen.  Sogar die Mehrheit der japanischen Feministen steht der hormonalen Empfängnisverhütung durch die Pille skeptisch gegenüber, so dass in Japan das Kondom und die Abtreibung die wirksamsten Methoden der Geburtenkontrolle sind. Von den Japanern., die beim Sex verhüten, nutzen über 77% das Kondom, außerdem ist die Ogino-Methode bei japanischen Frauen weit verbreitet. Die Popularität von Kondomen geht  u.a. auf  Verordnungen der kaiserlichen Militärverwaltung zurück, die zur Vorbeugung vor Geschlechtskrankheiten den Kondomverbrauch zwingend vorschrieben.

Japan hat eine der weltweit höchsten Abtreibungsraten. Der Eingriff ist bis zum 6. Monat möglich und kostet im Regelfall zwischen $800-$1000, die von der Krankenkasse übernommen werden. Im Gegensatz zur Spirale, so dass diese Methode der Empfängnisverhütung für die meisten Frauen zu teuer ist und kaum genutzt wird. Nach dem geltenden japanischen Strafgesetzbuch (§ 212 – §216) ist die Abtreibung ein Straftatbestand, der mit Gefängnisstrafen von mehreren Monaten bis zu 7 Jahren verfolgt wird. In der Praxis sind diese Paragraphen inzwischen nahezu gegenstandlos geworden, weil von einer Strafverfolgung wegen Abtreibung in der Regel abgesehen wird. Die Anklagebehörde kann nach den gesetzlichen Bestimmungen von der Erhebung einer Anklage absehen, wenn die körperlichen und wirtschaftlichen Umstände der Frau den Abbruch sinnvoll erscheinen lassen. 1937 wurden in Japan bei 452 bekannten Fällen noch 127 Personen verurteilt, 1948 waren es bei 639 Fällen nur noch 68 und 1952 gab es nur noch 15 Verurteilungen. Nach Angaben des japanischen Sozialministerium wurden zwischen 1953-1964 jährlich 900.000 bis 1.200.000 legale Schwangerschaftsunterbrechungen registriert.

Im Gegensatz zu den westlichen Ländern wird in Japan das Thema Abtreibung von der Religion nicht tabuisiert. Buddhistische Klöster betreiben über den Verkauf von Statuen von Jizô, der in diesem Zusammenhang in seiner Rolle als Begleiter der Totenseele auf dem Weg in die Unterwelt verehrt wird, ein einträgliches Geschäft. Der Totenkult um diesen Boddisvhata aus dem Kanon der japanischen Götterwelt bietet vielen Frauen Möglichkeiten den Eingriff zu verarbeiten und sich um das Wohl ihres abgetrieben Kindes zu sorgen. „Jizo Bosatsu“ ist der der Schutzherr der ungeborenen (abgetriebenen) und früh verstorbenen Kinder, die als „mizuko“, („Wasserkinder“, bzw. „flüssiges Leben“) bezeichnet werden.

Journal of Mundane Behavior, Volume3, Nr.1 “Mundane Sex”, Februar 2002
„One Step at a Time: Japanese Women Walking“ von Eva Paulino Bueno

http://www.genders.org/g46/g46_hudson.html


Homosexualität und sexuelle Subkulturen

Weder die Shinto-Religion, noch die japanische Auslegung des Konfuzianismus kennen Verbote bezüglich homosexueller Beziehungen. Zwischen Mönchen  und ihren Schülern sollen homosexuelle Beziehungen häufig gewesen sein, wie auch zwischen buddhistischen Mönchen. Diese gleichgeschlechtliche Lebenspraxis in den religiösen Kreisen wurde von der Kriegerkaste der Samurai aufgenommen, wo sie, gekoppelt mit einem Autoritäts- und Lehrverhältnis, als „shudo“ – „Weg der Jugend“ bezeichnet wurde und hohe Anerkennung besaß. Mit dem Niedergang der Samuraikaste wurden viele ihrer Praktiken von der Mittelklasse adaptiert. In Bezug auf „shudo“ wurden eher die sinnlichen und materiellen Aspekte betont, als die der geistigen und körperlichen Ausbildung. Nur für kurze Zeit, mit einen Erlass von 1873, wurde Sodomie in Japan kriminalisiert. Diese Verfügung wurde aber bereits 7 Jahre später wieder aufgehoben. Homosexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen auf der Basis gegenseitigen Einverständnisses, wie auch männliches oder weibliches Crossdressing sind in Japan nicht strafbar.

Aufgrund der Tatsache das Homosexualität in Japan nie in dem Ausmaß wie in der christlichen Hemisphäre seitens konservativer und fundamentalistischer Gruppen als familienfeindlich, antisozial und als Sünde konstruiert und bekämpft wurde, gab es nicht diesem Maße die Notwendigkeit einer sozialen Gegenbewegung, wie z.b. in den USA. Homosexualität hat in Japan weder den politischen, sozialen noch moralischen Stellenwert in der Öffentlichkeit wie dies in Europa und den USA der Fall war und ist. Die sexuellen Subkulturen in Japan sind nicht in dem Maße sichtbar und politisch aktiv, wie dies in den großstädtischen Räumen des westlichen Kulturkreises inzwischen üblich ist. Sie sind aufgrund der kulturellen Vorbedingungen Japans und wegen der fehlenden politischen Polarisation aber auch nicht in akademischen, politischen (Queer und Feminismus) und künstlerisch-institutionellen Rahmen gettoisiert.

Sexuelle Subkulturen als ein Thema wissenschaftlicher Diskussionen wurden in Japan über die damaligen Diskurse europäischer Universitäten und Institute bekannt. Der Begriff Hentai für eine Umschreibung sexueller Paraphilias, wurde zunächst durch den Einfluss der deutschen Sexualwissenschaft verwendet und wurde durch die Übersetzung der Psychopathia Sexualis von Krafft-Ebing ins Japanische mit dem Titel „Hentai seiyoku shinrigaku“ bekannt, was ins Deutsche übersetzt sinngemäß dem Titel „Die Psychologie sexueller perverser Begierden“ entspricht. Anfangs wurde der Term „seiyoku“(sexuelle Begierde), bzw. „hentai seiyoku“ überwiegend in einem wissenschaftlichen Kontext verwendet, stieß aber bald auf das zunehmende Interesse breiterer Bevölkerungskreise. Mit der steigenden Popularität publizierten in den 1920ern eine Reihe von  Journalen zu diesem Thema und stießen damit weit über die fachmedizinische Leserschaft hinaus auf Interesse. Diese Thematiken wurden oft unter der Phrase „ero-guro-nansensu” zusammengefasst, was “erotisch, grotesk und nonsense” meinte. „hentai“ wurde so zu einem bekannten Begriff  für sexuelle Interessen, die als pervers, bzw. im modernen Sprachgebrauch als queer, verstanden wurden.

Der Zeitgeist während der Kriegsvorbereitungen und des Krieges, die zu dieser Zeit verschärften Zensurbestimmungen und die Papierrationierung führten zu einem fast vollständigen Niedergang dieses Genres in den 30ern. Erst in den 50er Jahren entstanden wieder verschiedene Magazine, die sich mit „hentai seiyoku“ und mit Subgenres wie männlicher und weiblicher Homosexualität und speziellen fetischistischen Verhaltensweisen, wie beispielsweise Crossdressing und den Liebesselbstmord, beschäftigten. Sie stellten oft eine hybride Mischung aus populärwissenschaftlichen Expertisen, journalistischen Essays und Selbstdarstellungen von Betroffenen dar. In den 60er Jahren begann sich die Hentai-Presse zunehmend an der heterosexuellen, bzw. männlichen Leserschaft zu orientieren. Artikel über Homosexualität und männliches Crossdressing, die in den 50er Jahren den Inhalt der Magazine bestimmten, verschwanden. Stattdessen wurde der Fokus auf Themen wie Sadomasochismus und lesbische Frauen gelegt, wobei letzteres bereits als ein pornographisches Genre verstanden wurde, welches von Männern für Männer produziert wurde.

Mit einem ähnlichen Stil und einem gleichen Blickwinkel wie die Publikationen in den 1920ern erschien 1950 das Magazin Amatoria, welches Homosexualität als eine Abweichung von der sexuellen Norm betrachtete, aber auch Standpunkte und Beiträge von Homosexuellen veröffentlichte. 1952 erschien Adonis, das erste Homosexuellenmagazin das von Schwulen für Schwule publiziert wurde in einer kleinen Auflage. Erst mit dem Erscheinen des kommerziellen Magazins Barazoku im Jahr 1971, dem bald weitere Magazine folgten, veränderte sich die Situation auf dem Pressemarkt. Barazoku war das erste Schwulenmagazin, welches über die regulären Vertriebswege der Kioske und des Buchhandels vermarktet wurde und galt als ein Wegbereiter der japanischen Szene, bis es 1994 eingestellt wurde. Die Verfügbarkeit dieser Magazine im regulären Buchhandel führte zu einer größeren Publizität und Popularität der Szene, die sich vergrößerte und intensiver zu vernetzen begann. Gay-Bars, die früher über Mundpropaganda bekannt gemacht wurden, schalteten nun Werbeanzeigen in den Magazinen und wurden über die eigentliche Szene hinaus bekannt.

In den Frauenmagazinen der 90er Jahre, während des sogenannten „Gay-Booms“, wurde männliche Homosexualität zwar oft unrealistisch aber mit Symphatie referiert, während das Bild in den Mainstream-Medien eher von Ironie und Humor getragen wird und den Mann im Kontext von femininen Rollenmustern darstellt.  Sie werden oft als das Gegenteil zu „normalen“ Männern porträtiert, die versuchen wie eine Frau zu sein, dies aber nicht schaffen. Die aus solchen Momenten entstehende Situationskomik ist in japanischen Fernsehsendungen wie Live-Reportagen und Varieteveranstaltungen sehr beliebt. Heutzutage wird in Japan Homosexualität aufgrund der Popularität einzelner Stars dieser Szene in den Medien und der Unterhaltungsindustrie oft mit Crossdressing und Transgender gleichgesetzt. Trotz einer Vielzahl von Referenzen über Homosexualität in verschiedenen Mainstreammedien, wurde selten ein realistischen Bild von homosexuellen Frauen oder Männern dargestellt. Es gab in den japanischen Medien kaum eine Diskussion über Homosexualität  als politisches Thema oder zu Identitätsfragen.

Erst mit dem Auftauchen von Aids in den 80er Jahren begannen Mainstream-Medien Reportagen über die soziale Situation und die Lifestyles von Homosexuellen in den USA zu veröffentlichen. Mit dem Bekanntwerden der ersten Aids-Infektionen in Japan, begann sich dieses Interesse auf die japanische Homosexuellenszene auszurichten. Zu gleichen Zeit gründeten sich die ersten politischen Organisationen wie die ILGA (International Lesbian and Gay Association/ 1984) und die OCCUR (Association for Moving Lesbians and Gays/1986) und begannen die Szene über Aids zu informieren und initiierten eine Kampagne gegen die diskriminierenden Aspekte des „AIDS Prevention Law“ der Regierung. 1994 wurde in Tokio erstmals eine Lesbian & Gay-Parade organisiert, die seitdem mit einigen Unterbrechungen jedes Jahr stattfindet. Nichtsdestotrotz ist in Japan eine politische Bewegung, die sich für die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe und für Anti-Diskriminierungsgesetze einsetzt, nur in Ansätzen zu erkennen.

http://wwwsshe.murdoch.edu.au/intersections/author_index.html

Die Sexindustrie in Japan

Prostitution

Während der Edo-Periode (1603-1868) war weibliche wie männliche Prostitution, vor allem in den großen Städten, weit verbreitet. Das Tokugawa-Shogunat reglementierte die sich zu dieser Zeit rasch ausbreitende Prostitution. 1617 wurde eine Sonderzonenregelung erlassen, die die Prostitution nur noch in bestimmten Regionen an den Außenbezirken der Städte erlaubte. Diese Prostitutionsquartiere waren von Mauern umgeben und wurden bewacht um die Besucher wie die Prostituierten zu kontrollieren und um Abgaben, bzw. Steuern erheben zu können. So war Ronins (herrenlosen Samurais) der Zugang zu den Quartieren verboten und die Frauen durften ihrerseits diese Bezirke nicht verlassen. Einzige Ausnahmen waren schwere Krankheits- bzw. Todesfälle in der Verwandtschaft und das einmal im Jahr stattfindende Kirschblütenfest. Die drei bekanntesten Bezirke waren Yoshiwara in Edo(Tokyo), Shinmachi in Osaka und Shimabara, ein 1640 gegründetes Quartier für Kurtisanen in Kyoto, welches 1958 im Zuge der Antiprostitutionsgesetzgebung geschlossen wurde. Neben diesen Prostitutionsvierteln, wo die Frauen in einem hierarchischen System klassifiziert und lizenziert wurden – von der Kurtisane und der Geisha bis zu den verschiedenen Formen der Liebesdienste – entstanden während der Tokugawa-Periode landesweit eine Vielzahl von Gasthäusern, die heiße Bäder und sexuelle Dienste anboten, sowie große Badehäuser bei denen Prostitution zum normalen Service gehörte. Die Einführung dieser Sonderzonenregelung entsprach der damaligen Vorstellung einer funktionalen Stadtplanung und dem verstärkten Kontrollgedanken. Auch andere Bereiche des Unterhaltungsgewerbes wie das Kabuki- und Joruri-Theater wurden in ähnlicher Weise reglementiert und kontrolliert. In dieser Zeit soll der Begriff „mizu shobei“, sinngemäß „das Wassergeschäft“, als eine Umschreibung für das gesamte sexuell konnotierte Unterhaltungsgewerbe entstanden sein, das in Japan für das Rotlichtmilieu mit seinen Kabaretts, Bordellen und Bars immer noch benutzt wird.

Nachdem 2. Weltkrieg wurde das lizenzierte Prostitutionssystem abgeschafft, Prostitution als solche blieb aber weiterhin legal. Erst nachdem es in den 50er Jahren zu einem massiven Anstieg von Geschlechtserkrankungen unter den stationierten Soldaten gekommen war, wurde 1956 das Antiprostitutionsgesetz verabschiedet. Die Definition dieses Gesetzestextes von „Prostitution“ beschränkte sich ausschließlich auf den Koitus, so dass alle nicht-koitalen sexuellen Akte wie analer und oraler Sex weiterhin legal blieben. Abgesehen davon verbot dieses Gesetz den Prostituierten nicht die Ausübung ihrer Arbeit. Es erklärte die Zuhälterei, die Begünstigung und den Zwang zur Prostitution, sowie den erwerbsmäßigen Gewinn aus der Prostitution Dritter für illegal. Japan hat eine lange Tradition des Prostitutions- und Bordellwesens, die auch ungebrochen weiterhin besteht. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes ließen die Bordellbesitzer größtenteils ihre Etablissements als Trinkbuden und Gaststätten registrieren und gingen weiterhin ihrem Gewerbe nach.

Ein Bordellviertel Osakas, welches den klassischen Bordellvierteln der Edo-Zeit ähnlich sein soll ist Tobita. Es entstand ab 1919 nachdem das ursprüngliche Bordellviertel vollständig abbrannte und ist inzwischen der größte Bordellbezirk im Westen Japans der die Sanktionen der Behörden und der Polizei seit 1958 überstanden hat. Durch eine Umbenennung der Bordelle in „Japanese-Style-Restaurants“ wurden diese auch nach dem Gesetz von 1958 weiterbetrieben. Inzwischen stehen dort ca. 150 Bordelle auf engstem Raum, offiziell Gaststätten, die seitens der Behörden toleriert werden. Im Durchschnitt arbeiten 3-4 Frauen je Schicht in einem Etablissement, die, wenn sie frei sind, am Eingang des Lokals oder in einer separaten Nische, bzw. Schaukasten stehen. Die Frauen müssen sich zweimal in der Woche einer ärztlichen Untersuchung unterziehen und die Benutzung von Kondomen ist in der Regel vorgeschrieben. Der potentielle Kunde wird zuerst von einer „yobi wari“, einer älteren Frau, die als Kupplerin fungiert, angesprochen. Die Stunde kostet 10 000 Yen, bei Verlängerung pro Stunde die gleiche Summe. (10 000 Yen entsprechen, je nach Wechselkurs, zwischen 70-75 Euro) Das zeitliche Limit liegt bei 3 Stunden. 30% gehen an den Manager oder Besitzer des Lokals, 10% bekommt die Kupplerin und 60% bleibt den Frauen an Verdienst. Das Management wird, wie ein Großteil des Sexbusiness, von den Yakuza kontrolliert. Anfallende Probleme mit dem Klientel werden über die Mobster der örtlichen Yakuza geklärt. Die Polizei wird so gut wie nie eingeschaltet.

Nach 1945 schuf die massive Präsenz von us-amerikanischen Militär in Japan wie im ganzen pazifischen Raum eine Einflusszone in der sich eine Sexindustrie nach westlichen Vorbild entwickeln konnte. Die Soldaten brachten zum Teil ihr eigenes Material mit, Tijuana Bibles und Pin ups, die von den Japanern kopiert wurden, aber vor allem war es die von ihnen ausgehende Nachfrage nach pornographischem Material und sexueller Dienstleistung die zu einer dementsprechenden Herausbildung in den Rotlichtmilieus der betreffenden Städte führte. Eine dementsprechende Region mit einem ausgeprägten Prostitutionswesen ist die Insel Okinawa. Als Folge des verlorengegangenen 2. Weltkrieges wurde Okinawa von den USA besetzt, die dort eine ständige Militärbasis einrichteten. Erst 1972 ging die Verwaltungshoheit der Insel an Japan zurück. Die USA unterhält aber weiterhin ihren dortigen Militärstützpunkt mit einem Truppenkontingent von über 14.000 Mann.

Unter us-amerikanischer Verwaltung wurde bald nach dem Ausbruch des Koreakrieges 1950 das Prostitutionswesen reglementiert und den Frauen eine regelmäßige Untersuchung auf Geschlechtskrankheiten vorgeschrieben. Okinawa war nicht nur ein wichtiger Militärstützpunkt, sondern wurde während des Korea- und des späteren Vietnamkrieges, auch als „Rest&Recreation“-Zone für die Soldaten genutzt, die Fronturlaub bekamen. Während des Vietnamkrieges wurden über 1200 verschiedene Lokalitäten von Restaurants, Bars, Nachtclubs und Bordellen von einer extra dafür geschaffenen Behörde überprüft und mit einem Gütesiegel zertifiziert, der ihre Eignung für die „R&R“-Programme bestätigte. 1969/70 sollen in der Region um die Militärbasis nach offiziellen Schätzungen über 7000 Frauen in der Prostitution beschäftigt gewesen sein, die einen jährlichen Umsatz von über $50 Millionen erwirtschafteten. Andere Quellen gehen sogar von ca. 15.000 Frauen aus, die zu diesem Zeitpunkt als Prostituierte arbeiteten. Nach der Rückgabe Okinawas an Japan wurde für die Insel wieder die japanische Gesetzgebung rechtskräftig und damit auch das Antiprostitutionsgesetz von 1958 – nichtsdestotrotz blieb die Prostitution einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Insel. Inzwischen haben viele Philippinas die japanischen Frauen in den Bordellen Okinawas ersetzt.

Die Philippinen und Thailand sind traditionelle Entsendeländer für Sexarbeiterinnen, erst seit 1988 überstieg die Zahl männlicher Arbeitskräfte, die nach Japan kamen, die der Frauen. Es soll in den Vergnügungsvierteln von Manila (Ermita mit rund 10.000 Sexarbeiterinnen die in ca. 2000 Nachtclubs, Bordellen und Stripshows arbeiten) und Bangkok (Thaniya) Dependancen der japanischen Yakuza geben, die dort mehrere Dutzend Etablissements kontrollieren. Über diese Lokale wird die Rekrutierung und Einschleusung der Frauen abgewickelt. Frauen, die bereits als Prostituierte arbeiten, gehen nach Japan in der Hoffnung auf bessere Verdienstmöglichkeiten, sind sich aber auch der Arbeitsverhältnisse im Rahmen des Sexbusiness bewusst. Viele andere werden allerdings mit Versprechungen von lukrativen Jobs als Kellnerin, Tänzerin oder Sängerin nach Japan gelockt und geraten oft in Verhältnisse der Zwangsprostitution.

Die Frauen werden unter zwei verschiedenen Visa-Kategorien nach Japan gebracht. Am häufigsten mit einem Tourismusvisum, wobei sie vorab ein „Vorzeigegeld“ und andere Utensilien bekommen, die ihren Status als Touristen verdeutlichen. Als zweite Möglichkeit gibt es ein Entertainer-Visum, welches einen 60-tägigen legalen Aufenthalt und Gelderwerb als Tänzerin gestattet. Die Flug- und Visakosten, plus einen im keinen Verhältnis stehenden Zuschlag, müssen die Frauen dann in Japan in den Etablissements abarbeiten. Beispielsweise kamen 1982 9.103 Philippinas mit einem Entertainer-Visum nach Japan. 1988 waren es bereits 41.357. Viele dieser Frauen sollen nach dem Ablauf des Visums weiterhin illegal im Land bleiben. Neben Thailand und den Philippinen kommen viele Frauen aus Südkorea, China und Malaysia und seit den 90ern verstärkt Frauen aus Kolumbien und den Ländern des ehemaligen Ostblocks in das japanische Rotlichtmilieu.

In anderen Ländern der pazifischen Region, vor allem den Philippinen und Thailand, hat die Präsenz von US-Militär ebenfalls im erheblichen Umfang an der Entstehung einer modernen Sex-Industrie mitgewirkt.

2004 hatten die USA rund 100.000 US-SoldatInnen im ostasiatischen Raum stationiert. Als vordergründige Legitimation der Truppenpräsenz für dir rund 100 Basen gilt die angebliche Bedrohung durch China und Nordkorea. In Wirklichkeit dient der ostasiatische Raum den USA aber als militärisches Depot und als Truppenaufzugsgebiet für mögliche Interventionen im globalen Rahmen. Die Truppenstationierungen sind in den SOFA-Abkommen (Security Treaties and the Status of Forces Agreements) zwischen den USA und dem Gastgeberland geregelt.

In Thailand entstand diese Sex- und Entertainment – Industrie nach dem 2. Weltkrieg., vor allem seit dem Vietnamkrieg, Während dieses Krieges von 1962 bis 1976 betrieben die US-Amerikaner viele ihrer „Rest and Recreation“-Programme in Thailand. Als mit dem Ende des Krieges 1975/6 dort alle US-Militärstützpunkte geschlossen wurden, waren 70 000 Thailänder auf einen Schlag arbeitslos, die Hälfte von ihnen Frauen, die im Unterhaltungsgewerbe tätig waren. Die thailändische Regierung rief daraufhin 1979 zum „Jahr des Tourismus“ aus, um diesen Geschäftszweig zu erhalten und sich weiterhin Deviseneinnahmen zu sichern. In Thailand waren 1964 212.000 Touristeneinreisen verzeichnet. Im Rahmen des zunehmenden Sextourismus steigerte sich diese Zahl auf mehr als 1,3 Millionen im Jahr 1978. Vor allem japanische und deutsche Touristen wurden zu einem lukrativen Ersatz für die US-Truppen, so dass die Sexindustrie in Thailand weiterhin boomte, (die Hälfte aller Kunden in Thailand stellten die Touristen, die andere Hälfte Einheimische. 30 Prozent der Kunden sollen thailändische Geschäftsleute und 15 Prozent Regierungsangestellte gewesen sein.) bis sie dann im Zuge der Aids-Gefahr in die Krise geriet. Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Asienkrise und der Aidsgefahr (1998/99) verloren tausende von Sex-Arbeitern ihre Jobs. Kondome sind teuer, AIDS-Patienten bekommen keine kostenfreie Behandlung und Abtreibung wird nach wie vor als ein Verbrechen gewertet .Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Asien erhöhte den Migrationsdruck und begünstigte so auch die Rahmenbedingungen unter denen Frauenhandel stattfinden konnte.

In den Philippinen stehen immer noch eine Anzahl von Häfen den US-Marines für Manöver, aber auch für „R and R“-Programme zur Verfügung, was zu einer vergleichbaren Entwicklung modernen Vergnügungssektoren westlichen Zuschnitts wie in Thailand führte.(nach Schätzungen staatlicher Stellen soll es Ende der 90er Jahre 400.000 Prostituierte auf den Philippinen gegeben haben, davon 75.000 Kinder.)Seit dem Abzug eines Großteils der regulären US-Truppen 1992 hat sich die Prostitution in andere Teile des Landes verlagert, vor allem in die „Boomtowns“ – schnell gewachsene Städte mit internationalen Flughäfen, wo Männer aus der Geschäftswelt einen gewinnbringenden Teil der Kundschaft ausmachen. Außerdem werden in diesen Städten viele philippinische Frauen für die japanische Unterhaltungsindustrie rekrutiert. So waren zum Ende des Jahrtausends 94 % aller philippinischen Arbeiter in Japan Frauen. Ein Großteil arbeitet in der Unterhaltungsindustrie.

In Japan ist Prostitution gesellschaftlich zwar ebenfalls stigmatisiert, aber nicht in dem Ausmaß wie in den westlichen Industrieländern. Auf der Seite der Männer gilt es als durchaus normal, den Geschäftspartner in einschlägige Clubs auf Firmenkosten auszuführen. Auf der Seite der Frauen wird Prostitution bisweilen pragmatisch als eine Methode gesehen, schneller an Geld zu kommen als mit normalen Jobs. Eine große Anzahl von jungen Mädchen arbeitet zeitweise in Hostess-Clubs; Oberschülerinnen, nach einigen Umfragen rund 10%, verkaufen ihre Begleitung und ihren Körper im Enjo-kosai-System. Der Begriff „enjo kosai“ meint ursprünglich das Zustandekommens eines Datings, wird inzwischen aber oft als eine Form der Prostitution verstanden, wo Oberstufenschülerinnen, bzw. junge Frauen im dementsprechenden Alter von älteren Herren für ihre Begleitung bezahlt werden, die oft auch sexuellen Service beinhalten kann. Laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung (Nr. 135, 14./15. 06. 2003) betreiben 20% aller Schülerinnen in Japan mindestens 1x im Laufe ihrer Ausbildung „Enjo Kosai“, Prostitution per Selbstvermarktung oder über einen Telefonclub, bei dem der Anruf für sie kostenlos ist.

Viele dieser Telefonclubanzeigen befinden sich in den speziellen Mädchenmangas. Gezahlt wird von den Männern, die sich auf diese Art einen Termin vermitteln lassen und sich dann privat oder in einem der vielen „Love-Hotels“ mit den Mädchen treffen. 4% aller Schülerinnen sollen regelmäßig „Enjo Kosai“ betreiben, bei Verdienstspannen die ca. dem 50-fachen der einer Schicht in einem Schnellrestaurant entsprechen. Enjo kosai tauchte als Phänomen zum Ende des 1980er-Wirtschaftsbooms auf und wurde von vielen jungen Frauen als Möglichkeit gesehen ihren Lebensstandard zu halten, bzw. aufzubessern. In einigen akademischen Diskussionen hingegen wird „enjo kosai“, ähnlich wie „eropuri“, oft als eine Art selbstgewähltes Initiationsritual interpretiert, welches den Übergang der Mädchen in die Erwachsenenwelt charakterisiert.

Diese weitgehende Akzeptanz, bzw. Toleranz soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, das die Prostitution in Japan durch die gleichen Problemfelder charakterisiert ist wie in anderen Industrienationen. Dies betrifft den Einfluss der organisierten Kriminalität, Verhältnisse der Zwangsprostitution und damit zusammenhängender Menschenhandel, die rechtliche Situation vieler SexarbeiterInnen und die häufig anzutreffende Mysogenie der männlichen Kundschaft.

Der Prostitutionsmarkt ist in Japan sehr ausgeprägt. Es gibt Bars, Massagesalons, Date Clubs, „Hotetoru“, Telefon-Sexclubs, bis hin zu „buru sera“-Shops, die Kostüme von Schulmädchenuniformen verkaufen. Neben den sogenannten „Japanes-Style Restaurants“ gibt es „herusu“-Clubs. Der Name ist abgeleitet von dem englischen Verb „health“- Gesundheit. Diese Clubs und die vergleichbaren „Pink Salons“ sollen in ihrem Angebot qualitativ im unteren Bereich liegen. Zur Dienstleistung gehört in der Regel der schnelle Fellatio oder die Handarbeit. Die „sopurando“ (von „soapland“/engl.), sogenannte Badebordelle, stellen eine der gehobenen Kategorien dar. Dort gehören neben den rein sexuellen Dienstleistungen Ganzkörperwaschungen, Ölungen und Massagen zum Angebotsprogramm. Vor den 1980ern hießen diese Badebordelle „toruko“- (türkische Bäder) und die dort arbeitenden Frauen „toruko-jo“ (türkische Mädchen). Bis sich dann türkische Gelehrte über diese Diskriminierung ihrer Landsfrauen aufregten und protestierten. In einem daraufhin ausgerufenen Preisausschreiben wurde die Namensgebung „sopurando“ initiiert. Anfang der 90er sollen landesweit in 1400 Badebordellen ca. 15 000 sogenannte „sopu-jo“ gearbeitet haben. Laut Nicholas Bornhoff („Pink Samurai“, 1991) soll es in Japan zum Ende der 80er Jahre mindestens 250 000 Sexarbeiterinnen gegeben haben. Allein in Tokios Rotlichtvierteln existieren mehr als 2000 Etablisments auf engstem Raum. Japans Prostitutionsgewerbe soll 2004/5 einen jährlichen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro erwirtschaftet haben

http://www.fes.de/fulltext/iez/00742001.htm
Vorträge von Jean Enriquez, Vizedirektorin der „Coalition Against Trafficking in Women“ und von Chantawipa Noi Apisuk (Empower Foundation, Thailand) und des Berliner Vereins „Ban Ying“ / „Haus der Frauen“ (thai.))

http://www.gsoa.ch/gsoa/zeitung/110/index.php?selection=26

http://www.querelles-net.de/forum/forum13/tagungsdokumentation.pdf.

Pornographie

Spätestens seit 1890 begannen in Japan verschiedene Verlage westliche Pornographie zu importieren und zu imitieren. Dies entwickelte sich zu einem lukrativen Geschäft, das bis in die 30er Jahre im pazifischen Raum über die Zentren Shanghai(China), Taiwan(zu der Zeit unter japanischer Kontrolle) und in Japan direkt über Tokio, Kyodo und Osaka expandierte. Unter der Militärregierung, anfangs der 30er Jahre bis 1945 wurde jeglicher Handel und die Produktion von Erotika und Pornographie streng verfolgt. Heutzutage sind die Zentren der Produktion von Pornographie in Asien Japan, Hongkong und Thailand. In Singapur hingegen ist Pornographie illegal, sogar das Männermagazin Playboy ist dort verboten. Japan hat eine gut entwickelte Sexfilmindustrie während Hongkong und Thailand stärker in der Produktion von Erwachsenenmagazinen hervorgetreten sind. Viele der japanischen Produktionen werden übersetzt und in westliche Länder exportiert. Dieser „Kulturaustausch“ hat seit dem Boom des Internets weiter zugenommen, so dass zu den Konsumenten asiatischer Pornographie inzwischen im erheblichen Umfang Männer aus dem westlichen Kulturkreis zählen.

Bereits in den 60er und 70er Jahren, mit dem Aufstieg der us-amerikanischen Pornoindustrie hatten auch japanische Pornovideos einen erfolgreichen Absatz in den USA, wobei vom Markt hauptsächlich Filme wahrgenommen wurden, die Brutalität, Vergewaltigung und Bondage thematisierten mit denen auch heutzutage das japanische Pornogenre oft identifiziert wird.

“Oriental Dream Pictures “, 1999 gegründet, ist eine der wenigen US-Companies, die überwiegend mit japanischen Modellen arbeiten. Teilweise werden die Frauen in Kalifornien oder New York gecastet, zum großen Teil aber direkt in Japan. Wobei nach Aussagen des Managers, ein Großteil dieser Geschäftskontrakte über Yakuza-Verbindungen vermittelt werden, die bis zu 50% des vereinbarten Honorars einbehalten. Außerdem bietet Oriental Dream japanische Filmproduktionen an, größtenteils in japanischen Orginalton, die dann englisch untertitelt werden. Dies setzt voraus, dass schon in den betreffenden japanischen Studios zwei Versionen – für den japanischen und den amerikanischen Markt – produziert werden.

Mit dem Internet ist japanische Pornographie weltweit über den Computer abrufbar. Neben dem Hentai-Genre sind es die fast immer jugendlich wirkenden Modelle der japanischen Internetseiten, die bei vielen westlichen Usern beliebt sind. Als weitere japanische Eigenarten sind eine spezielle Form des Bondage und Bukkake im Westen bekannt geworden. Seit der Nachkriegszeit gibt es in Japan den Paragraphen 175, der Verkauf, Verbreitung und Auslage sogenannter obszöner Druckerzeugnisse verbietet. Lange Zeit war es in Japan illegal Penetrationen, Detailaufnahmen der Geschlechtsorgane und Schamhaar offen in Magazinen, Filmen und Photographien zu zeigen. Das Geschlecht musste entweder durch ein Kleidungsstück, einen Gegenstand oder der Hand der Frau verdeckt werden oder durch punktuelle Unschärfe unkenntlich gemacht werden. Die nicht-obszöne Darstellung von nackten Mädchen vor der Pubertät sollen von diesen Zensurmaßnahmen nicht betroffen gewesen sein. 1994 begann das Magazin „Tenmai“ Nacktphotographien von Frauen zu veröffentlichen bei denen das Schamhaar voll und ganz zu sehen war. Sie begründeten ihren Schritt damit, dass es sich um Kunst handelte und das die Regierung kein Recht habe Photographien zu zensieren. Da es zu keiner Reaktion seitens der japanischen Behörden kam, begann die gesamte Branche diese Zensur zu brechen. Offiziell existiert das Gesetz zwar noch, ist aber inzwischen „de facto“ teilweise außer Kraft gesetzt.

Fesselungen (Bondage) als eine sexuell konnotierte Aktivität wurde in Japan um ca. 1900 bekannt, die sich dann immer mehr zu einer bekannten Kunstform entwickelte. In den 50er Jahren wurde „Kinbaku“ durch eine Reihe von Magazinen populär und in den 60er Jahren entwickelte sich ein bestimmter Bondage-Stil zu einer Performancekunst weiter, bis dann, verstärkt seit den 1990ern, japanische Bondage-Kunst in den BDSM-Szenen der westlichen Industrieländer populär wurden. „Bukkake“ ist eine Praktik bei der eine Vielzahl von Männern in das Gesicht und auf den Körper einer Frau ejakulieren, ohne das es zum Geschlechtsverkehr kommt. Bukkake wurde in Japan in der ersten Hälfte der 1970er von japanischen Pornofilmproduktionen popularisiert. Da diese aufgrund der Gesetzesbestimmungen keine Geschlechtsorgane und keine Penetration zeigen durften, waren sie ständig auf der Suche nach neuen aussagekräftigen Visualisierungen. Die Darstellung des männlichen Ejakulats war keiner Zensur unterworfen, dieser Umstand schuf die Möglichkeit visuelle Hardcore-Szenen zu schaffen, die dann in Film und Druckerzeugnissen legal in die USA und Europa exportiert werden konnten, wo sie als eine Steigerung des Formula des „Cum shots“ begriffen wurden.

http://artbomb.net/comics/breslin.jsp – eine künstlerische Webseite zum Thema Bukkake

Die japanische Industrie bedient ein ähnliches Themenspektrum, wie ihr westliches Gegenstück: heterosexuellen und homosexuellen Geschlechtsverkehr, Gruppensex und Bondage. Im Genre des Fetisch existiert in Japan des weiteren die spezielle Variante des „buru sera“, die sich auf das Kostüm der japanischen Schülerin oder Studentin bezieht und „cosplay“- die Kostümierung und Nachahmung von Anime, Manga und Videogame-Charaktere oder bekannter Personen aus der Film- und Musikwelt, die in der nicht-sexuell expliziten Form äußerst populär ist.

In dem gesellschaftlichen Klima in dem das Antiprostitutionsgesetz von 1957 in Kraft trat, wurden auch die Medien in Bezug auf sexuell explizites Material stärker reglementiert. Als eine Auswirkung der sexuellen Revolution in den 60er Jahren wurde der Umgang der Medien mit dem Thema wieder deutlich liberaler. Nach dem Erfolg der „Pink“- und „Roman“-Filme starteten verschiedene TV-Sender Late-Night-Porno-Shows.

Ai Iijimas (geb.1972 als Ishii Mitsuko)Werdegang zum Star zeigt beispielsweise die bestehende Akzeptanz der japanischen Öffentlichkeit zum pornographischen Genre auf.. Als Tween trat sie in Late Night Shows im Fernsehen als Bikinimädchen auf, ihr Bühnenname Ai Iijima ist ihr von ihren Fans gegeben worden. Später wurde sie ein Star im japanischen Pornovideo und wechselte dann wieder zum Mainstreamfernsehen. Sie gilt als eine etablierte „tarento“ – ein professioneller Medienstar im Fernsehen und tritt in Reise- Lifestyle- und Quizsendungen auf. 2000 veröffentlichte sie das Buch „Platonic Sex“., über ein junges Mädchen, welches von ihrem Elternhaus flüchtet und dann zum Pornofilmstar wird. Das Buch wird dem Genre des „fikushon“ zugerechnet – von dem englischen Wort „fiction“ und meint die Mischung eines erzählerischen und dokumentarischen Stils. „Platonic Sex“ wurde als Kinofilm und als Fernsehserie umgesetzt.

In diesem Zusammenhang ist auch der „eropuri“-Trend interessant. In Japan haben spezielle Photoautomaten („purikura“) mit welchen man Ganzkörperphotos schießen kann, seit 1995 einen Trend bei den 15- 20-jährigen Mädchen ausgelöst, den man inzwischen „eropuri“ oder „erotic purikura“ nennt. „eropuri“ bedeutet, das die jungen Frauen sich in Striptease und Nacktposen von der Kamera photographieren lassen und diese Photos dann im Freundeskreis der betreffenden Person zirkulieren. Im Zusammenhang mit dem eropuri-Trend sind eine Reihe purikura-Center entstanden in welchen neben den Photoautomaten, Umkleidekabinen und Kostümverleihe als weiterer Service angeboten werden

„Girls use eropuri to create an image for themselves that encapsulates their dreams as being media personalities, just as many girls imagine they’re a rock idol every time they pick up the microphone to sing karaoke, they probably imagine they’re some sort of glamorous photo model when they show off their bodies in a purikura.“

„Bold teen babes flash full body“ von Ryann Connell, 27.08.2003, WaiWai Stories Übersetzung aus der Mainichi Daily News

Der Umgang mit Pornographie ist in Japan in der öffentlichen Meinung zwar ebenfalls moralisch intendiert und dementsprechend marginalisiert, aber Angebote von kommerziellen Sex und Pornographie sind deutlicher als im Westen bis zu einem gewissen Grad Bestandteil der Alltagskultur geworden. Pornomagazine, wie auch Softcore-Magazine für Teens werden überall in Buchläden und Kiosken vertrieben. Pornofilme sind in den Videoshops neben regulären Filmen eingeordnet und nicht wie in Europa und den USA in separaten, nur für Erwachsene zugänglichen Abteilungen. Radio- und Fernsehprogramme, sowie Tageszeitungen und Magazine haben einen hohen Anteil an sexuell expliziten Inhalten. Kataloge von Pornovideos werden, ähnlich wie bei uns Neckermann oder Otto-Kataloge, flächendeckend an die Haushalte verteilt. Eine dementsprechende Werbung in Form von Flyern und Aufklebern an öffentlichen Plätzen ist überall in den Städten zu finden. Anders als die us- und europäische Industrie, die lange Zeit nur den alleinstehenden jungen und alten Mann als Konsumenten im Blick hatten, gibt es in Japan schon länger eine breite Varietät von Angeboten, die ganz gezielt erwachsene Frauen und Teens ansprechen.

Allison, Anne 1994, „Nightwork – Sexuality, Pleasure and Corporate Masculinity in a Tokyo Hostess Club“
The University of Chicago Press, Ltd. London

Stern, Nr.30/21.7.05 – „So liebt die Welt, Teil 1“, Seite 98

http://www.clas.ufl.edu/users/jmurphy/JPT3500file/JPT.Projectfile/Jpt/Jpoporn.html Ressource
“The Emergence of Japanese Pornography into the United States”

http://www.kinseyinstitute.org/ccies/jp.php

„pinku eiga“ – Der japanischer Sexfilm

Ab den frühen 60ern begannen verschiedene japanische Filmstudios sogenannte „pink movies“ und „roman porno“ zu produzieren, die ausschließlich in speziellen Kinos für Erwachsene gezeigt wurden. Die japanische Gesetzgebung verbot zwar strikt die Zuschaustellung der Geschlechtsorgane, vor allem des Schamhaares, ließ den Filmemachern sonst aber alle Freiheiten, so dass diese Filme schnell Subgenres entwickelten, die sich z.T. auf exzessive Gewaltdarstellungen, Vergewaltigung, Sadomasochismus und Bondage fokussierten. Mit dieser Mischung aus Sex und Gewalt, die sich oft gegen die Frauen richtete, die in ihrer Darstellung weit über das hinaus ging was zu dieser Zeit in den europäischen Ländern und den USA erlaubt war, wurde der japanische „Pink-Movie“, das Pendant zum Sexplotation-Film, bzw. des japanische Pornofilms ab der 70er Jahre, oft identifiziert.

„Pink“-Filme wurden ab 1961 produziert. In der Regel wurden drei dieser Filme zusammen – bei einer Gesamtzeit von 60 – 90 Minuten – in den dementsprechenden Kinos aufgeführt. Die Pink-Filme wurden auf 16/32 mm gedreht und wegen dem begrenzten Produktionsetat wurde die Tonspur nachträglich aufgenommen und eingespielt. Die jeweiligen Filmszenen wurden in nur einem Take abgedreht. „pinku eiga`s“ galten zwar als pornographisch, aber die Sexszenen waren simuliert, die japanischen Gesetze verboten die Darstellung der Geschlechtsorgane und des Schamhaars, so dass die Szenen so gedreht wurden, das diese nicht zu sehen waren. In den späteren „Adult-Videos“ hingegen wurden bei den realen Sexszenen die Geschlechtsorgane auf elektronischen Wege mit einem Mosaik überdeckt

Die innovativste Phase des „pinku eiga“ fand zwischen 1971 bis 1982 statt, ein Zeitraum, der gekennzeichnet war durch den Einstieg großer Filmstudios wie „Nikkatsu“ und „Toei“ in diesen Markt. Nikkatsu, Japans ältestes Filmstudio, das durch die Konkurrenz des Fernsehens in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, begründete den Term „Roman Porno“ für seine hochbudgetierten Sexfilme. Nikkatsu verwendete den Term „Pornographie“ für seine „Pink“-Filme der 70er Jahre, obwohl es sich, aufgrund der strengen Zensurregelung, die die Abbildung von Schamhaaren, Geschlechtsorganen und frontalen Nacktaufnahmen verbot, ausschließlich um Softcore-Produktionen handelte. Mit dem Fokus auf bizarre Themen, die von westlichen Filmemachern oft als „politisch unkorrekt“ angesehen wurden, ging eine innovative Entwicklung einher die zu neuen, stilvollen Narrationen und Filmtechniken führte, die noch heute das japanische Kino beeinflussen und viele dieser Filme immer noch sehenswert machen. Mit dem Einstieg der großen Studios waren zum ersten Mal talentierte Regisseure mit einem hohen Filmbudget in diesem Genre tätig. Die Produzenten verlangten ein hohes Maß an Nackt- und Sexszenen (offiziell ein Minimum an vier Szenen pro Stunde), ließen den Regisseuren in Bezug auf Storylines, visueller Ausstattung und Themen aber freie Gestaltungsmöglichkeit, was zu einem kreativen Boom innerhalb dieses vorher limitierten Genres führte.

Wegen der Zensurregelungen hat sich z.T. eine imaginative Bildersprache entwickelt und das Thema Sex wurde, ganz im Gegensatz zu den rein geschlechtsorientierten westlichen Filmproduktionen dieser Zeit, mit Sadismus, Politik, Religion, Gewalt und vielen anderen Themen kombiniert um den Erwartungen des Publikums entsprechen zu können. Filme wie „Star Of David“(Regie: Norifumi Suzuki) und „Go Go Second Time Virgin“(Regie: Koji Wakamatsu) mit ihrer Darstellung von Vergewaltigung, Sadismus und Selbstmord, haben auch heute nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren, auch wenn sie als Beispiele für „politisch inkorrekte“ Filme gelten, verlieren sie trotz der Masse von Nacktaufnahmen und Gewalt nicht ihr eigentliches Thema, welches die Regisseure intelligent umsetzen.

Ein ganz anderes Beispiel ist die Nikkatsu-Produktion „Nukeraremasu“ /Street of Joy“ , Japan 1974, (Regie: Tatsumi Kumashiro), die gänzlich ohne exzessive Gewaltdarstellungen und Frauenfeindlichkeit auskommt. Der Film beginnt mit einer intimen Bettszene einer Prostituierten und einer ihrer engeren Kunden. Intim in dem Sinne, dass der Alltag der Prostituierten in diesem Haus in einer Tokoyer Bordellstraße ungewöhnlich realistisch und nah geschildert wird. Obwohl ein Großteil des Filmes aus Bettszenen besteht, kommt keine einzige pornographische Szene in ihm vor.

Die Produktion von Pink-Filmen war nicht in der Grauzone der japanischen Filmwirtschaft angesiedelt, sondern integrierter und akzeptierter Bestandteil derselben. Im Zeitraum 1965-1973 sollen diese „pinku eiga“ nahezu die Hälfte der binnenländischen Filmproduktion Japans ausgemacht haben. Zu den Hochzeiten soll es allein in Tokyo ca. 500 Erwachsenenkinos gegeben haben, die Pink-Filme zeigten und der Besuch eines solchen Kinos wurde als weitgehend normal angesehen und zog, wenn überhaupt, nur ein geringes soziales Stigmata auf sich.

Japanische Pornofilme werden bis heute, in vielen Regionen Asiens illegal kopiert und vermarktet. Neben den wirtschaftlichen Gründen, gibt es dafür auch technische, da selbst ein kleines, schlecht ausgestattetes japanisches Filmstudio über ein technisches Equipment verfügt, welches vergleichbar ist mit dem großen Studios in vielen asiatischen Ländern und die Filme eine dementsprechende Qualität aufweisen.

Mit dem Aufkommen des Videomarktes ging die Sexploitation-Produktion, die in den 1970er Jahren über 2/3 der jährlichen Kinoproduktion ausmachte, in den 1980er Jahren stark zurück. Da in Japan aber auch der offizielle Pornovideomarkt denselben Beschränkungen unterworfen ist, also auch in Videos Hardcore-Szenen nicht gezeigt werden dürfen, blieb dem Kino das Sexploitation-Segment erhalten, das an Bedeutung gewann, weil es angehenden Filmemachern eine Möglichkeit bot, im Filmgeschäft Fuß fassen zu können. Zahlreiche Filmemacher haben auf diese Weise ihre ersten Spielfilme gedreht, etwa Suô Masayuki, der in Japan erfolgreichste Filmemacher der 1990er Jahre, oder Kurosawa Kiyoshi, der später mit seinen anspruchsvollen Horrorfilmen zu internationaler Bekanntheit gelangte.

Der Regisseur Ôshima Nagisa wurde nach seinen Filmerfolgen „Kôshikei“ (Tod durch Erhängen, 1968), „Shônen“ (Der Junge, 1969) und „Gishiki“ (Zeremonien, 1971) mit seinem 1976 produzierten Remake „Ai no koriida“ (Im Reich der Sinne) international bekannt. Die auf einer wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte der excessiven Liebesgeschichte eines Pärchens inszeniert Ôshima als einen Rückzug in die Privatsphäre vor dem Hintergrund der Erstarkung des Nationalismus in den 1930er Jahren. Der Film endet in einem Liebestod, indem die Frau ihren Geliebten während eines letzten Liebesaktes mit dessen Einwilligung stranguliert und schließlich kastriert. Der Film wurde aufgrund seiner expliziten Szenen in mehreren Ländern verboten und erreichte u.a. auch dadurch eine große Medienöffentlichkeit.

Einige japanische Filmproduktionen befassen sich konkret mit der asiatischen Sexindustrie und der Rolle die die japanische Kultur und Wirtschaft dabei gespielt hat: „The Pornographers“ (Jinruigoku nyumon), (1966, Regie: Shohei Inamura). Vom gleichem Regisseur der Dokumentarfilm „The making of a Prostitute“, 1975 – über eine bestimmte Art der Bordellprostitution, „Karayuki“ genannt, in welcher japanische Frauen aus ländlichen Regionen zur Bordellprostitution außer Landes, (um 1920 nach China und Indien), „zwangsverpflichtet“ wurden. Als letzter der Film „Saudakin 8“, 1974 vom Regisseur Kumio Kei, der sich mit dem gleichen Thema beschäftigt.

Turim Maureen „The erotic in Asian Cinema“ in Gibson Pamela, 1993 „Dirty Looks“, Seite 84/5
British Film Institute Publishing, London

„Queer Japan“ , Herausgeber: Barbara Summerhawk, Cheiron McMahill und Darren McDonald.
New Victoria Publishers, 1998, Norwegen)

Manga und Anime

In Japan werden jährlich ca. 2 Milliarden Manga-Zeitschriften und -Bücher verkauft, ungefähr ein Drittel aller inländischen Bucherzeugnisse. Diese japanischen Comics sind so billig (Zeitschriften, 400 Seiten – unter 400 Yen und Manga-Bücher zwischen 400 und 1000 Yen ), dass sie oft „read and throw away“ – Produkte sind. Der Markt ist fast völlig unter einer Handvoll Medienkonzernen aufgeteilt. Die drei größten sind Kodansha, Shogakkan und Shue’isha, die mit den beiden nächstkleineren Verlagen ca. 80% des Marktes mit Comic-Magazinen und Comic-Büchern bedienen. Die Manga-Industrie in Japan ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit Gesamteinnahmen, von ca. 520 Milliarden Yen, umgerechnet 4,043 Mrd. Euro. Der Anime-Markt hat einen geschätzten Umsatz von 1,244 Mrd. Euro, zusätzlich 7,7 Mio. Euro aus dem Verkauf von Merchandising-Produkten. Ein riesiger Markt, der weiterhin hohe Wachstumsraten verzeichnet.

Bereits in der Vorkriegszeit war in Japan ein Netz sogenannter „Leihbuchhandlungen“ entstanden von denen es zu ihrer Blütezeit in den 50er Jahren etwa 30.000 gab. Sie boten Druckerzeugnisse gegen eine geringe Leihgebühr an und ermöglichten so dem einfachen Volk den Zugang zur Literatur, da der Buch- und Pressehandel zu dieser Zeit zu kostspielig und das öffentliche Bibliothekswesen kaum entwickelt war. Fast ein Drittel des Bestands dieser Leihbuchhandlungen setzte sich aus Mangas zusammen. Die Leihbuchhändler publizierten u.a. auch Mangabände, die sich von den herkömmlichen Kindermangas und lustigen Zeitungsstrips für Erwachsene unterschieden. Spektakuläre Panelabfolgen und die Darstellung drastischer Gewaltszenen charakterisierten dieses neue Genre, das unter dem Namen „Gegika“ (dramatische Bilder) bekannt wurde. Als ein weiteres Untergenre entwickelte sich das „Ero-Gegika“, Mangas mit explizit erotischen und sexuellen Themen. Im Laufe der 60er Jahre verdrängten die auflagenstarken Mangamagazine der Großverlage – die zunehmend begannen sich neben Kindern und Jugendlichen auf das Käuferpotential der Erwachsenen einzustellen – die Leihbuchhandlungen vom Markt. Das „Lolikon“ bildete Ende der 80er Jahre einen Markt mit etwa dreißig Zeitschriften mit Auflagen von 10 – 40 000. Sie wurden von kleineren Verlagen herausgebracht, deren vorheriges Betätigungsfeld das sogenannte „Ero – Gekiga“ gewesen war. Der Gekiga-Boom, hatte anfänglich eine mit den Undergroundcomix in den USA vergleichbare subkulturelle und antiautoritäre Tendenz. Anders als der Lolikon bleibt der Ero-Gekiga in der Nähe zum realen, oft gewaltsamen Geschlechtsakt und interessiert sich für den weiblichen Körper als Objekt, der oft gefesselt und stranguliert wird.

„Dojinishi“- bezeichnet japanische Comic-Bücher (Mangas), die eher von Amateuren und unbekannten Künstlern gezeichnet werden, als von professionellen Zeichnern. Ursprünglich ein kleiner, künstlerischer Markt für Underground-Mangas, entwickelte sie der Dojinshi-Markt ab Mitte/Ende der 80er Jahre zum Mainstream (so ging das Yaoi-Genre aus dem Dojin-Markt heraus). Ein nicht unerheblicher Teil enthält sexuell explizites Material und bedient thematisch eher die Interessen des Erwachsenen-Marktes. Viele dieser Comics sind aber auch Parodien oder Fan-Arbeiten von bereits bekannten Mangaserien. Einige der ursprünglichen Kategorien des „dojinshi“, die sich teils zu eigenständigen Genre weiterentwickelt haben, sind: „Seinen dōjinshi“ – welches immer sexuell explizites Material enthält und sich an Männer über 18 Jahre richtet, „Yaoi und Shonen-ai dōjinshi“ – beschäftigt sich in harter oder softer Ausführung mit der Storyline und graphischer Darstellung von homoerotischen, -bis sexuellen Beziehungen zwischen Männern- und richtet sich an die Käuferschicht der erwachsenen Frau. „Yuri and shojo-ai dōjinshi“ stellen das Equivalent der lesbischen Beziehung und „Ippan dōjinshi“ enthält kein Adult-Material und wird von Kindern und Jugendlichen gelesen. Der Dojinshi-Markt bot und bietet vielen talentierten Künstlern die Möglichkeit ihre eigene Arbeiten zu publizieren und so bekannt zu werden

Schon in der Anfangszeit dieses Genres entwickelten sich Mangas für Jungen und etwas später, Mangas für Mädchen als zwei eigenständige Gattungen denen dann später die sogenannten Erwachsenen-Comics folgten. Aus dieser Tradition kamen in den 80er Jahren die „Lady`s Comics“ auf den Markt, dem Grundmuster des Mädchenmangas folgend, für Frauen ab Mitte 20. Die Geschichten kreisen größtenteils um Liebe und Seitensprünge, Ehe und Arbeit und erregten vor allem durch ihre direkten Sex-Darstellungen Aufsehen. Als neues Thema tauchten schon in den 70ern die Liebesbeziehungen zwischen schönen Jungen, bzw. Jungmännern als eine neue Form der Innerlichkeit im Mädchenmanga auf. Daraus entwickelten sich die beiden speziellen Subgenre des Manga „Yahoi“ und „Shonen-ai“.


Diese spezielle Thematik steht auch in Beziehung zur Tradition des Geschlechtertausches in den „Takarazuka“-Revuen. Ein 1914 durch die Eisenbahngesellschaft Hankyu an der Endstation ihrer Osaka – Takarazuka – Linie geschaffenes Etablissement, stand Pate für die Namensgebung. Diese Revuen orientierten sich in ihren Musik- und Tanzdarbietungen anfangs an europäischen und seit der Nachkriegszeit an dem amerikanischen Musicalgenre. Während in der traditionellen japanischen Theaterform des Kabuki alle Rollen von Männern gespielt werden, wird in der „Takarazuka-Revue“ dieses Prinzip umgekehrt. Die männlichen wie weiblichen Rollen werden ausnahmslos von Frauen dargestellt. Ein 1924 eröffnetes Bühnenhaus für 4000 ZuschauerInnen war zu dieser Zeit das größte in Japan, dass dort aufgeführte Stück „Mon Paris“, die erste in Japan aufgeführte Revue. Sie war eines der wenigen Zentren für die moderne Unterhaltungskultur und bot Frauen, wenn auch in einem geschlechtlich abgegrenzten Bereich, eine kulturelle Öffentlichkeit.

In diesen Frauencomics spiegelte sich auch das Interesse der Frauen an homosexuellen Liebesgeschichten wieder. Bereits in der Anfangszeit dieses Genre wurden homosexuelle Bettszenen dargestellt, die mit einer zunehmenden Anzahl weiblicher Zeichnerinnen zum Ende der 70er Jahre zunehmend expliziter wurden, so dass dieses Manga-Genre zu dieser Zeit das Testfeld im Umgang mit den staatlichen Zensurregelungen wurde. In den Darstellungen dieser jugendlichen, schönen und erotischen Männer werden die Zeichner einerseits dem Wunsch nach Selbstreflexion der weiblichen Konsumenten gerecht. Daneben wird für die moderne, emanzipierte Frau, für die die traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit und männlichen Rollenverhalten eher negativ besetzt sind, das Wunschbild eines modernen Mannes konstruiert. Diese ästhetischen Repräsentationen von Homosexualität haben die Art und Weise beeinflusst wie viele japanische Frauen Homosexuelle wahrnehmen und waren Teil eines sogenannten „Gay-Booms“ in den Frauenmagazinen der 90er Jahre, wo über schwule Subkulturen berichtet wurde und wo sich mit den Möglichkeiten und Vorteilen von Freund- und Partnerschaften mit homosexuellen Männern auseinandergesetzt wurde. Mit dieser Thematik beschäftigten sich zu dieser Zeit auch mehrere Filme wie „Okoge“ und „Twinkle“, die beim weiblichen Publikum sehr populär waren.

Die meisten Frauenmangas sind nicht feministisch, bilden aber dennoch ein Stück Frauenkultur, denn sie machen die Erlebnisse erwachsener Frauen zum Gegenstand lustbetonter Lektüre. Sie ignorieren die Tendenz anderer populärer Erwachsenenmangas, in welchem der Typus der niedlichen Kindfrau zum Objekt der Sexindustrie und als Zeichen einer verklärten Mädchenkultur zusammen in Erscheinung treten, beispielsweise als vorgebliche Unschuld im Matrosenanzug oder als halbnackte Serviererin im Häschen-Kostüm im Rotlichtmilieu. Im männlichen Pornomanga auch „Ero-Manga“ genannt, mit dem neuerem Subgenre „Lolikon“, schlägt diese Tendenz dagegen voll durch. Der Begriff „Lolikon“ leitet sich von Lolita her, eine in der westlichen Kultur entwickelte literarische Figur eines sexuell frühreifen und begehrenswerten Mädchens. In diesen Mangas werden puppige Mädchen, lüstern masturbierende Schülerinnen und männliche Vergewaltigungsphantasien dargestellt, die durch Mutanten, Androiden und Dämonen vollzogen werden.

Diese Pornomangas sind seit einigen Jahren auch fester Bestandteil des Verkaufangebotes in jedem Sexshop, im Versand und auf den Sexmessen in Deutschland. Im Internet findet sich unter dem Stichwort „Hentai“ ein umfassendes Angebot von mindestens 50 bis ca. 100 Webseiten, die sich vorwiegend auf erotische und pornographische Comics spezialisiert haben. Auffallend ist die Vielzahl von extremen Thematiken, wie Vergewaltigung, gewalttätiger Sex und Bondage. Eine Vielzahl dieses Angebotes wird von japanischen Manga-Seiten bestritten, darüber hinaus gibt es auch eine Anzahl amerikanischer Webseiten mit gleichem Inhalt.

Im Japanischen bedeutet „hentai“ ursprünglich „sexuell pervertiert » und wurde dann im Englischen, von Fans des japanischen Mangas als Oberbegriff für alle japanischen Erwachsenencomics und Anime-Spiele verwendet und hat sich zumindestens im Internet als gebräuchlicher Term etabliert.

Für den US-Markt werden die gepixelten Mosaike, die die Geschlechtsorgane verdecken, wieder entfernt oder die betroffenen Bildpartien werden nachgezeichnet, obwohl es inzwischen eher üblich ist, von einem expliziten Manga oder Anime zwei Versionen – einen für den inländischen und eine für den ausländischen Markt zu produzieren. Da es in Japan keinen legalen Hardcore gibt, hat sich demzufolge ein Schwarzmarkt gebildet, der über eine lange Tradition verfügt und für jede erdenkliche Spielart von Pornographie die Bedürfnisse abdeckt. Alles was in der herkömmlichen Pornographie tabu ist, wird im hentai bevorzugt thematisiert. Die Themen reichen von Inzest, Vergewaltigung, extremer SM und Bondage bis zur Nekrophilie und Geschlechtsverkehr mit Kindern.

Die Manga-Kultur, lange Zeit als rein japanisches Phänomen betrachtet, hat sich inzwischen als ernsthafter Konkurrent der europäischen und amerikanischen Comic-Tradition etabliert. Japanische Manga und Anime stellen inzwischen einen erfolgreichen Nischenmarkt in den USA und Europa. Unter den europäischen Ländern steht Frankreich mit einem Umsatz von 260 Mio. Euro an erster Stelle. Die Charaktere und Storylines sind sich in beiden Medien oft ähnlich. In Japan ist dieses Genre sehr populär und wenn ein Manga besonders erfolgreich ist, ist es nicht unüblich ihn als animierten Film und weitergehend als TV-Serie zu vermarkten. Erotica und Pornographie haben sich als Subgenre dieser Medien etabliert und bilden auch in den USA und Europa einen erfolgreichen Absatzmarkt, der aber separat und nicht über die großen Comicverlage bedient wird.

In Deutschland bestimmen vor allem der Carlsen Verlag, Ehapa/Egmont und Manga-Planet von Panini-Comic (Marvel), den Markt. Hinzu kommt „Tokyopop“, die neu gegründete deutsche Niederlassung des US-amerikanischen Marktführers(Marktanteil von über 50% ) im Bereich Manga, mit dem ehemaligen Verlagsleiter von Carlsen Comics als Geschäftsführer. Carlsen hat sich überwiegend auf den Jugendbereich spezialisiert, während Egmont einen erfolgreichen Adult-Label im Programm führt.. Was die erotischen Darstellungen im deutschsprachigen Manga betrifft, beschränken sich diese oft auf angedeutete homoerotische Beziehungen, wie bereits beim japanischen Mädchenmaga beschrieben, großbrüstige „Dolls“ oder Szenen in denen eine klare sadomasochistische Tendenz zu erkennen ist, wie z.b. in der Serie „Berserk“ des Zeichners Kentaro Miura (Planet Manga)

Abseits dieser Tendenz hat der Carlsen-Verlag zwei Mangas herausgebracht, in denen sich alles ausschließlich um das Thema Sex dreht. Zum einem ein Aufklärungsmanga, die „Manga Love Story“ von Katsu Aki. für Jugendliche und Paare, wo die Leser u.a. mit Problemen der Impotenz oder den „48 Stellungen des Lotus“ vertraut gemacht werden. In Japan wurden bislang über zehn Millionen Bände verkauft und in Deutschland sind bis jetzt 17 dieser Manga-Bücher erschienen. Gedacht ist dieser Manga als Ratgeber für Jugendliche, der am Beispiel der Ehepartner Yura und Makoto Schritt für Schritt erklärt, wie man zu einem erfüllten Liebesleben findet. Der andere Manga ist die Serie „Golden Boy“. Die Geschichte eines japanischen Jungen in der Adoleszenz und seinen Erfahrungen mit den Frauen. Eingebunden in einem Storyboard, das manchmal einen phantastischen, politischen oder spirituellen Background liefert. Erschienen sind von „Golden Boy“ (Tatsuya Egawa, Carlsen Verlag) 10 Bände, in Japan ab 1991, in Deutschland im Zeitraum 2001-2004, außerdem ist die Serie als Anime auf MTV gelaufen. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Mangas „Eden“ und „The Day of the Revolution“. „Eden“ von Hiroki Endo (Egmont-Verlag) ist eine Science-Fiction-Story, die ab dem 6. Band immer mehr zum „Sex and Crime-Genre“ tendiert. In den Folgen 7 und 8 schildert Endo die Beziehung zwischen dem Jungen Eliah und der Prostituierten Helena in typischen Manga-Zeichenstil, von der Story aber ungewöhnlich nah und realistisch. Der Manga “The Day of Revolution “ von Mikiyo Tsuda,( 2001 Shinshokan CO Japan – 2004 Egmont Verlag, Köln) handelt ganz konkret vom Geschlechtertausch: Kei Yoshikawa, ein hübscher 15-jähriger Junge, gesteht sich ein, dass die Welt seiner Empfindungen und Gedanken die eines Mädchens ist. Er entschließt sich zur Operation und nennt sich ab dann Megumi. Der Manga setzt sich zwar nicht ernsthaft mit der Transgenderproblematik auseinander, bezieht seinen Humor aber aus der Situation dieses Rollentausches und hinterfragt so das traditionelle Rollenverhalten.

Berndt Jaqueline, 1995, „Phänomen Manga: Comic-Kultur in Japan“, Edition q, Berlin

AVN-Online, “Hentai 101: A Primer on Japan’s Amazing Cartoon Porn” 9-1-2001

Strapazin Nr. 81, Dez. 2005, „Garo – ein alternatives Mangamagazin“ von Beatrice Marechel

http://www.arte-tv.com/de/kunst-musik/mangarte/Planet_20Manga/390372.html

“bishōjo“- Games

Der Term “bishōjo“ ist ursprünglich eine Umschreibung für „schöne Mädchen“, bezieht sich im modernen Sprachgebrauch aber inzwischen auf die in Japan populären Anime-Games für Erwachsene. „Bishoujo games” werden in der Regel auch als „hentai“ games bezeichnet. Die “bishōjo-game”-Industrie in Japan ist eng verbunden mit der Anime- und Manga-Branche. Alle drei nutzen die „dōjin“-Szene als Talentpool. Zwei typische Enviroments des „bishōjo” sind die japanische Highschool oder ein mittelalterliches europäisches Phantasieland. Ein Grossteil der Graphik der „bishōjo”-Spiele war ganz im Gegensatz zum allgemeinen Trend, lange Zeit in 2D gehalten. Das liegt daran, das diese Spiele überwiegend Charaktere und keine Landschaften porträtieren, wofür 2D-Bitmaps eine bessere Darstellungsoption boten. „bishōjo”-Spiele können sexuell expliziten oder pornographischen Inhalt haben, müssen dies aber nicht. Titel des dementsprechenden Genres werden in den westlichen Industrieländern unter dem Begriff „hentai“ und in Japan unter dem Begriff „erogē“ vermarktet. In Japan werden diese Spiele fast ausschließlich für den PC angeboten, da die großen Spiele-Konsolen-Anbieter wie Sony und Nintendo keine pornographischen Spiele für ihre Systeme lizenzieren.

Die ersten „bishōjo”-Spiele in Japan in den 1980ern hingegen waren überwiegend pornographisch, wenn auch nur mit einer rudimentären Graphik ausgestattet. Auch einige der späteren Mainstream-Game-Produzenten begannen mit der Produktion von expliziten „bishōjo`s”. So „Kōei” u.a. mit den Spiel „Night Life”(1982) und das Unternehmen “Enix” mit „Lolita Syndrome”(1983). Ein weiteres Spiel, welches Gegenstand einer Debatte des japanischen Parlaments wurde, war das 1986 herausgegebene „177“ von „dB-soft“ in welchem der Spieler die Rolle eines Vergewaltigers einnahm. 177 bezeichnet die Nummer des Paragraphen der japanischen Gesetzgebung, welcher Vergewaltigung unter Strafe stellt. Angesichts der Firmenpolitik von Sony und Nintendo, die auf eine familienfreundliche Geschäftspolitik setzten und Angebote mit sexuell expliziten Inhalt vom Markt ausgeschlossen, sowie schärferen Zensurmaßnahmen seitens der Regierung, gründete die bishōjo game-Industrie 1992 die „Computer Software Rinri Kikō“ welche allgemein akzeptierte Standards für Inhalt und Verpackung der Spiele durchsetzte und gegen „Schwarze Schafe“ der eigenen Branche vorging.

1997, ein Jahr nachdem er erfolgreich “Shizuku“ – ein typisches Vergewaltigungsspiel – auf den Markt gebracht hatte, setzte der Spieleproduzent „Leaf“ mit „To Hearth“ mit der Rahmenhandlung einer Highschool-Liebe, neue Standards für das japanische „erogē“. Das Spiel wurde so populär, das die dort verwendeten Musiktitel in ganz Japan von Karaoke-Maschinen ins Repertoire übernommen wurden. Ein weiteres „erogē“ ist „Kana Imoto“ (Kana – Little Sister) welches 1999 auf den japanischen Markt kam. 2002 erschien eine englischsprachige Version. Das Spiel hat seinen Fokus auf der Narration und bietet nur begrenzte Spielmöglichkeiten. Erzählt wird die Geschichte von Taka und ihrer kleinen Schwester Kana in Form von Dialogen und Rückblenden. Der Spieler schaut überwiegend der sich langsam entfaltenden Erzählung zu und hat an ca. 25-35 Punkten die Möglichkeit den Verlauf der Geschichte, bzw. der einzelner Charaktere zu beeinflussen. Ein Gesamtdurchlauf des Spieles nimmt zwischen 5-10 Stunden in Anspruch. Das Spiel enthält pornographische Szenen und wird überwiegend Online vermarktet. Auf dem amerikanischen und europäischen Markt ist es wenig bekannt.

Die ersten englischen Ausgaben von bishōjo-Spielen waren alle sexuell explizit und für MS-DOS vorgesehen. Dazu gehörten Spiele wie „True Love“ (1995/ JAST USA), „Season of the Sakura“ und
„Three Sisters‘ Story” (beide 1996). “JAST USA” lizenziert und distributiert englischsprachige Bishōjo-Spiele wie „Three Sisters‘ Story”, “Runaway City” und „Hentai Anime Poker“. Das Unternehmen wurde 1997 gegründet und gilt als eines der ersten, die Bishōjo`s in englischer Sprache auf den Markt brachten. Ein weiterer Anbieter ist die seit 1998 bestehende Exclusive Media Group, die sich auf Anime, Hentai, Bishoujo und Adultcomics spezialisiert hat. Auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite werden amerikanische Unternehmen, die japanische Produktionen unter dem Hentai-Genre vermarkten, aufgeführt und ca. 200 H (Hentai-Games) aufgelistet.

http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_H_authors

http://www.jlist.com/glossary.html

Yakuza – Organisierte Kriminalität in Japan

Preface

Im Vergleich zu den westlichen Industriestaaten weist Japan eine weitaus geringere Kriminalitätsrate auf. Eine vergleichende Studie aus dem Jahr 1987 zwischen der Bundesrepublik und Japan zeigt das die Kriminalitätsbelastung Japans etwa ein fünftel der Bundesrepublik betrug – und dies obwohl nach Schätzungen der japanischen Polizei, Ende der 80er, die Mitgliederzahlen der Yakuza etwa das Zwanzigfache der der us-amerikanischen Mafia betragen haben soll. Es gibt keinen einzelnen klar definierten Ursprung der japanischen Yakuza. Sozialverbände, Organisationen, die unter dem Oberbegriff Yakuza zusammengefasst werden, haben sich aus verschiedenen Elementen der traditionellen Agrargesellschaft Japans entwickelt. Der Stellenwert der Yakuza in der japanischen Gesellschaft kann über ihre feudale Ursprünge besser verstanden werden. Sie waren zu keinem Zeitpunkt eine Geheimgesellschaft wie die italienische Mafia oder die chinesischen Triaden und hatten in der japanischen Gesellschaft ihren festen Platz. Yakuza-Organisationen, auf der kommunalen Ebene, hatten immer ein öffentliches Haus oder Büro mit einem Schild an der Eingangstür auf dem ihre speziellen Namen und Emblemata zu finden waren. Sie waren für Außenstehende in der Regel durch ihren Kleidungsstil und Tätowierungen als solche erkennbar.

Ursprünge und Entwicklung der Yakuza

Einer der Ursprünge der Yakuza bezieht sich auf die Tradition der ehemaligen kommunalen Polizeigruppen der Feudalzeit – örtliche Vigilanten, bekannt als „machi yakko“ – („Diener der Stadt“), die zur Verteidigung gegen Eindringlinge und zur Durchsetzung der kommunalen Politik eingesetzt wurden. Sie unterschieden sich, je nach lokalen Begebenheiten, in Form und Organisationsgrad und setzten sich oft aus einfachen wehrfähigen Männern, Bauern und Arbeitern, der lokalen Region zusammen. In ihrem Kampf gegen Banditen und für das Wohl der heimischen Bevölkerung wurden sie oft zu Volkshelden hochstilisiert und sind noch heute ein populäres Subjekt des „Jidaigeki“-Dramas, welches ihr Themenspektrum aus dieser Zeit bezieht. In größeren Städten existierten in der Regel mehrere dieser Gruppen in Konkurrenz zueinander.

Die Yakuza waren seit dem Beginn des japanischen Films ein beliebtes Thema. Der Stummfilm „Matatabi no Mono“ erzählt beispielsweise die Geschichte von wandernden Yakuzas in der Edo-Zeit, die als Spieler, Masseure oder Bettler ihr Geld verdienten. Sie wurden als ehrenwerte Männer dargestellt, vergleichbar mit Samurais oder mit einer Robin Hood-Mentalität – von den Reichen nehmend und den Armen gebend. Diese Filme waren sehr populär, wurden aber nach dem verlorenen 2.Weltkrieg und dem Bann auf bestimmte Filmgenres kaum noch produziert und aufgeführt. Erst Ende der 50er Jahre begannen die großen Filmstudios „Toei“, „Nikkatsu“ und „Daiei“ wieder mit der massenhaften und gewinnträchtigen Produktion von „Yakuza-Eigas“. In der großen Periode der Yakuzafilme zwischen 1963-1973 lassen sich zwei Hauptkategorien unterscheiden: die „ninkyo eiga“ häufig mit dem Thema des Konfliktes zwischen traditionellen und modernen Yakuza, wobei der Film die Sichtweise des ehrenwerten, traditionellen Protagonisten einnimmt, der in Konflikt mit modernen Gangstern westlichen Zuschnitts gerät. – und den „jidsuroku eiga“, actionbetonte Filme die vorgeben die brutale Realität der modernen Yakuza nachzuzeichnen. In den frühern 60ern wurde dieses Genre durch die Figur des blinden, umherwandernden Zatoichi bereichert, dessen Remake 2004 in den europäischen Kinos mit großem Erfolg lief. In den 90er Jahren erlebte dieses Filmgenre einen weiteren Höhepunkt auf dem Videomarkt. Vor allem die Firma Toei-Video produzierte mehrere Serien, von dessen Regisseuren Miike Takashi der bekannteste sein dürfte.

Andere Ursprünge der Yakuza liegen bei den „tekiya“ und den „bakuto“, deren Rituale teilweise Eingang in die Initiationsriten der Yakuza gefunden haben. In der neuzeitlichen japanischen Ständegesellschaft gab es, vergleichbar mit den Unständigen und Fahrenden im europäischen Mittelalter, Gruppen die aus dem offiziellen Ständesystem ausgegrenzt waren, in deren Organisationsstrukturen und Formalismen sich die Ständegesellschaft aber wiederspiegelte. Bei den „tekiya“ handelte es sich um Standbudenverkäufer, Straßenhändler und Straßenkünstler, die überwiegend auf Jahrmärkten oder bei Märkten zum Anlass von Schreinfesten ihren Gewerbe nachgingen. Bei den großen Schrein- und Tempelfesten kamen „tekiya“ aus dem ganzen Land zusammen. Dort war die lokale tekiya-Autorität verantwortlich für die Standplatzvergabe. Ihm wurde eine Art Schutzgeld abgeliefert, offiziell für die Stromversorgung, Müllabfuhr und ähnliches. Daneben gehörten auch Straßenmusik, Bauchladenverkauf und Hausieren zu den Handelsformen der „tekiya, die aber an Bedeutung verloren haben. Zu ihren Geschäftszweigen gehörten damals auch weitgehendere Jahrmarktsunterhaltung wie Akrobatik, Zauberkunst und Schaustellerei. „Bakuto“ waren Spieler. Das Glückspiel war zu dieser Zeit in Japan verboten, aber dennoch im ganzen Land weitverbreitet. Jedes dieser „Gambling Houses“ hatte ein eigenes Sicherheitspersonal und stand in Verbindung mit dem ebenfalls illegalen Geldverleih.

Mit dem Ende des Edo-Shogunats und dem Beginn der Meiji-Restauration leitete die Regierung eine Neustrukturierung der Polizeikräfte ein, die zu einem Niedergang der kommunalen Vigilantengruppen führte. Es wurde verstärkt gegen das illegale Glückspiel vorgegangen, welches vorher weitgehend geduldet wurde. Als Konsequenz schlossen sich die Yakuza der allgemeinen Immigration der ländlichen Bevölkerung in die städtischen Zentren an und konzentrierten ihre Aktivitäten im Unterhaltungs- und Rotlichtgewerbe und der Schutzgelderpressung, vor allem beim Rikschatransport und im Bauwesen. Mit der Industrialisierung Japans tauchte eine weitere Gruppe von Yakuzas auf, die im Nachhinein als „gurentai“ bezeichnet wurde. Sie setzten weitaus offener Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele ein und wurden oft eingesetzt, um die neu entstehenden Arbeiterorganisationen zu infiltrieren und unter Druck zu setzen. Sie standen den konservativen politischen Kräften nahe und stellten zum Teil, mit der einhergehenden Militarisierung Japans, den militanten Flügel der Ultranationalisten und wurden als „uyoku“ bekannt. Anders als die traditionellen Yakuza, setzten die „uyoku“ ihr Gewaltpotential zur Erlangung politischen Einflusses ein.

Die Allianz zwischen den Yakuza und bestimmten politischen Gruppen hat eine lange Tradition. Bereits im 17. Jh. wurden tekiya und bakuto mit Lizenzen bedacht, behördlich genehmigt und somit kontrolliert. In dieser Zeit wurde es zur allgemeinen Praxis entlassene Sträflinge als Informanten und Kontaktpersonen zu den organisierten Banden einzusetzen. Mit der einsetzenden Industrialisierung bildeten sich politische Männerbünde die sich der japanischen Tradition verpflichtet fühlten und sich als Gegenbewegung zur Modernisierung und Technisierung im westlichen Stil verstanden. Viele dieser Gruppierungen haben in den heutigen rechtsextremen Gruppierungen ihre Nachfolger. Eine dieser Gruppierung war die 1901 gegründete „Kokuryu-kai“ (Schwarze Drachen-Gesellschaft), einem konspirativen Dachverband der extremen politischen Rechten, die sich aus Politikern, höherstehenden Militärs, Mitgliedern der japanischen Unterwelt und bestimmten Kampfsportfamilien zusammensetzte. Sie setzten politischen Terrorismus und Auftragsmorde zur Erreichung ihrer Ziele ein und betrieben Spionagedienste für die japanischen Kolonialverwaltungen. Sie waren im chinesischen Opiumhandel engagiert, wie auch in der Prostitution und dem Glücksspiel außerhalb Japans. Zwischen Yakuza und Rechtsextremen gab und gibt es gegenseitige Symphatie-, Schutz- und Bündnisverhältnisse.

Seitens der Yakuza dient die Gründung einer politischen Organisation u.a. auch als Möglichkeit der Geldwäsche und allgemein zur Camouflage. Die japanische Polizei differenzierte die Yakuza bis in die 1970er anhand dieser drei Hauptgruppen: tekiya, bakuto und gurentai. Aufgrund der Veränderungen der Neuzeit macht diese Unterscheidung anhand von Historie und Tradition keinen Sinn mehr, dient den einzelnen Syndikaten aber weiterhin zur Identitäts- und Mythenbildung.

Die Yakuza als rituell-patriarchale Organisationsform

Im Gegensatz zu italienischen Mafiaorganisationen spielen Blutsbande bei den Yakuza nur eine untergeordnete Rolle. Die Familie im verwandtschaftlichen Sinne wird meistens von den Geschäften ferngehalten. Mitglied der Yakuza-„Familie“ wird man durch ein fiktives Verbrüderungs-, bzw. Adoptionsritual bei dem im streng ritualisierten Kontext Sake konsumiert wird. Die Yakuza sind patriarchal organisiert, was sich vor allem in dem „Oyabun-Kobun“-Verhältnis zeigt. „Oyabun“ meint buchstäblich „Vaterrolle“ und „Kobun“ – „in der Rolle des Kindes“. Wenn ein neues Mitglied bei den Yakuza eingeführt wird, muss er dieses Beziehungsverhältnis akzeptieren. Er muss seinem „Oyabun“ uneingeschränkten Gehorsam und Loyalität entgegenbringen. Neben dem Ritual zur Herstellung pseudoverwandschaftlicher Beziehungen zum oyabun, gibt es welche, die im Ablauf ähnlich sind, zur Verbrüderung zwischen verschiedenen Bossen, in dessen Konsequenzen auch deren Untergebenen in eine Art „Freundschaftsverhältnis“ gelangen. Diese „sakazuki“-Rituale stellen ein wichtiges Bindemittel für den Gruppenzusammenhalt und die soziale Identität dar. Aus ihnen ergeben sich wiederum eine Vielzahl von verpflichtenden Anwesenheiten bei Festen und Zusammenkünften der eigenen Gruppe und derjenigen wo „Freundschaftsverhältnisse“ bestehen. Aufgrund ihrer Geschichte als legitime feudale Organisation, wie auch durch ihre Beziehungen zum politischen System über die „uyoku“, sind die Yakuza bis zu einem gewissen Grade ein legitimer Teil der japanischen Gesellschaft. Die Ermordung von Rechtsanwälten und Politikern wie in Italien war in Japan undenkbar, da sie den halb-öffentlichen Charakter der Yakuzaaktivitäten unmöglich gemacht hätte. Wenn eine Yakuzagruppe öffentlich einer Straftat angeklagt wird, ist oft noch die „Oyabun-Kobun“- Beziehung wirksam und ein junges Mitglied bezichtigt sich der Straftat um die älteren Mitglieder, bzw. die Gruppenstruktur zu schützen.

Das im Westen wohl bekannteste Yakuza-Ritual, vor allem durch die ständige Nach-Zelebrierung in den dementsprechenden Filmproduktionen, ist das Abtrennen eines Fingergliedes, in der Regel das obere Fingerglied des kleinen Fingers der linken Hand, als Geste dem oyabun gegenüber nach einem schwerwiegenden Fehlverhalten. Die abgetrennte Fingerkuppe gilt als Siegel zur Untermauerung eines Versprechens oder einer Entscheidung. Oft geht es dabei auch um die Beilegung von Unstimmigkeiten zwischen verschiedenen Banden. Das Abtrennen eines Fingergliedes soll das präzise Führen eines Schwertes erschweren und aus diesem Kontext – der Schwerthaltung , das traditionelle Werkzeug der Samurai, dessen Privileg des Waffenbesitzes auch auf andere, beispielsweise die Ortsmilizen übertragen werden konnte,(aus denen bis zu einem gewissen Grad, Teile der Tradition der Yakuza entspringen) – erklärt sich das Ritual. Durch die Fingercision sollte das Wenden des Schwertes gegen den eigenen oyabun unmöglich gemacht werden, Widerstand gebrochen und Loyalität gestärkt und für alle ersichtlich bewiesen werden. Anfang der 70er Jahre sollen noch fast die Hälfte aller Yakuza mindestens ein abgeschnittenes Fingerglied gehabt haben. In den 80ern hatte sich dieser Anteil bereits auf ca. ein Drittel verringert und ist weiter rückläufig. Ein fehlendes Fingerglied ist ein viel zu auffälliges Merkmal bei Auslandreisen oder einen eventuellen Ausstieg, bzw. Einstieg ins normale Geschäftsleben, so dass anstelle einer Fingercision sich immer mehr die Bezahlung einer Geldstrafe durchsetzt. Weitere negative Sanktionen können körperliche Strafen, wie das Prügeln mit dem Holzschwert sein, bis hin zu den härtesten Sanktionen, der zeitweiligen (hamon) oder endgültigen (zetsuenjo) Verbannung aus dem Sozialverband der Yakuza. Dabei wird an alle Yakuza-Organisationen des Landes eine Benachrichtigung verschickt in der in einer formalisierten Form darum gebeten wird, dem zeitweilig oder endgültig Ausgestoßenen keine Hilfe oder Aufnahme zu gewähren, so dass in der Regel einem gebannten Yakuza alle Kontakte, auch die zu anderen Organisationen, verwehrt sind.

Ursprünglich waren die Yakuza auf die lokalen Gemeinschaften beschränkt und hatten klar definierte und begrenzte Territorien und erfüllten dort auch Funktionen mit einem gewissen kommunalen Wert, wie Arbeitsvermittlung, Zivilschutz, Konfliktmanagement, Festbudenverkauf und Glücksspiel. Gerade in der Provinz hatten die Yakuza oft traditionell die Funktion einer Art Friedensrichter inne, um nachbarschaftliche Konflikte zu bereinigen. In diesem Sinne werden die Yakuza oft noch als quasi halb-legitimierte Organisationen angesehen. Nach dem schweren Erdbeben in Kobe, beispielsweise, haben die „Yamaguchi-gumi“, eine der größten Yakuza-Organisationen, die dort ihr Hauptquartier haben, die Katastrophenhilfe organisiert. Dies wurde auch in den Medien erwähnt, die diese Initiative im Verhältnis zu der weitaus langsamer anlaufenden Hilfe der staatlichen Behörden stellten. Viele der Yakuza betrachten ihr Einkommen weiterhin als eine Sammlung feudaler Abgaben.

Mit der nach dem 2. Weltkrieg einsetzenden aggressiven Expansion einzelner Syndikate wurden die kommunalen Territorialkonzepte außer Kraft gesetzt und eine Entwicklung eingeleitet, die zu einer Transformation der Yakuza zu einem Wirtschaftsholding mit legalen, halblegalen und illegalen Portofolio führte. Mit der nach 1945 beginnenden Expansion einzelner Syndikate über einen örtlichen Zusammenhang hinaus, hat sich bei den Yakuza eine Dualstruktur entwickelt. Einerseits die Großsyndikate die landesweit und international operieren und aufgrund ihres Kapitals, Personals, ihrer Infrastruktur und ihren Beziehungen in der Lage sind beispielsweise kapitalintensive Wirtschaftsdelikte zu begehen und wie ein Unternehmensholding zu agieren – und andererseits die ihnen angegliederten oder selbstständigen kleinen Banden, die Basis, bzw. das Fußvolk, die durch traditionell parasitäre Ertragsquellen existieren.

Politische Konstellationen im Nachkriegs-Japan

Die Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg war aufgrund mangelnder staatlicher und polizeilicher Kontrolle die Hochzeit der Yakuza. Es gelang den Syndikaten mit Hilfe konservativer US-Militärs und Politikern und US-Wirtschaftsunternehmen, die alle kein Interesse an einem links regierten Japan hatten, ihre Stellung auch politisch zu festigen. Die Armee Japans war aufgelöst, die Polizei entwaffnet und das organisierte Verbrechen wurde zur Ordnungsmacht der Besatzer in Nachkriegs-Japan. Bei dieser Kooperation zeigen sich Parallelen zu der Situation in Italien, wo das US-Militär ebenfalls die Macht der italienischen Mafia nutzte, um die besetzten Gebiete zu kontrollieren. Nach dem 2. Weltkrieg kontrollierten die Yakuza einen Großteil des Schwarzmarktes. Zur gleichen Zeit begannen sie ihren Einfluss auf die Entertainment-Industrie und die größten Seehäfen auszuweiten. Die größte Dachorganisation, die „Yamaguchi-gumi“ wurde in der Kansai-Region aktiv, die in der Stadt Osaka eine bedeutende Unterhaltungsindustrie – und mit dem Seehafen Kobe einen wichtigen Hafen aufwies. Die Yakuza begannen von ihren traditionellen Betätigungsfeldern aus zu expandieren und adaptierten einen westlicheren Stil in Bezug auf Kleidung und Konsumgewohnheiten und gingen dazu über häufiger Schusswaffen einzusetzen.

Laut einer Untersuchung der amerikanischen Besatzungsmacht sollen 1947 ca. 3 Millionen der 14 Millionen japanischen Arbeiter sich in einem oyabun-kobun, oder ähnlichem, Verhältnis befunden haben – davon 2 Drittel im Baugewerbe, wo die Yakuza ihr legales Standbein hatten. Die Sorge vor dem weiteren Machtzuwachs der japanischen kommunistischen Partei, die von 8000 Mitgliedern 1946 zu 100 000 Mitgliedern im Jahr 1949, expotentielle Zuwachsraten verzeichnete, machten die Yakuza für die Besatzungsbehörden und für die japanische Regierung gesellschaftsfähig, die dann, im Zuge der Kampagnen gegen Linke und die gewerkschaftliche Bewegung als Streikbrecher eingesetzt wurden.

Diese unter der Diktion des kalten Krieges gegen die Sowjetunion veränderte amerikanische Besatzungspolitik begünstigte eine Entwicklung, die zu einer Allianz zwischen Yakuza, Rechtsextremen und der Liberaldemokratischen Partei(LPD) führte. Zwei einflussreiche Personen aus dieser Ära waren Koduma Yoshio und Sasakawa Ryoichi. Koduma war ein vermögender Ultranationalist und wurde zum Mittelsmann zwischen den Yakuza und dem „General Headquarter“ der Amerikaner, später dann zu konservativen Politikern, vor allem aus der LPD. Sasakawa baute nach dem Krieg ein Wettimperium auf und hatte, ähnlich wie Koduma, dank Finanzen und Verbindungen einen außerordentlichen Einfluss auf die Regierungspartei LPD. 1963 wurde Sasakawa „Berater“ von Sun Myung Moon, dem Gründer der Vereinigungskirche (Moonsekte). Er galt als großzügiger Förderer rechtslastiger Organisationen – von Karate-Förderationen bis hin zu rechtsextremen Gruppen, die er in einer Unterorganisation der „World-Anti-Communist League (WACL)“ zusammenführte. In den 50er und 60er Jahren galt es für Politiker durchaus als opportun sich in der Öffentlichkeit mit hochrangigen Yakuza zu zeigen, um so sein gesellschaftspolitisches Gewicht zu unterstreichen.

Erst mit dem Lockheed-Skandal in den 70er Jahren, ein Regierungsgeschäft zum Ankauf von Verkehrsflugzeugen, bei dem Millionen von US-Dollar an Bestechungsgelder flossen, kam es zu einer veränderten Haltung in der Öffentlichkeit. Der Skandal führte zu einer breiten Berichterstattung über die Zusammenhänge zwischen organisierter Kriminalität, legaler Wirtschaft und konservativen Politikern. So waren Koduma und sein Bekannter, der damalige Verkehrsminister maßgeblich an diesem Skandal beteiligt. Seitdem sind öffentliche Zuschaustellungen von Beziehungen zwischen Politikern und Yakuza selten geworden.

Traditionelle und neue Einkommenquellen

Die konventionellen Geschäftsbereiche der Yakuza sind Glücksspiel, Schutzgeld, Drogenhandel und Prostitution. Eigentumskriminalität wird hingegen traditionell verachtet, so dass selbst organisierter Raub im großen Stil seitens japanischer Yakuza eher selten ist. In den 70er Jahren begannen die Yakuza sich neben ihren traditionellen Tätigkeitsfeldern neue Einkommensquellen zu schaffen. Mit ihrem erwirtschaften Kapital kauften sie sich in Firmen und Großunternehmen ein und bauten eigen Firmen auf. Wobei das Entwicklungsmuster immer ähnlich zu sein scheint: zuerst arbeiten die Yakuza für externe Auftraggeber, bsp. im Bereich der Immobilienbranche, treiben Schulden ein, vermitteln Arbeitskräfte und setzen Eigentümer unter Druck ihre Grundstücke zu verkaufen. Mit dem erworbenen Gewinn und dem Know How sind sie dann nach einiger Zeit in der Lage eigene Firmen in diesem Sektor zu gründen oder zu übernehmen.

Offiziell beanspruchen diejenigen Yakuza, die sich traditionell als Beschützer der Bevölkerung sehen, Japan frei von den gefährlichen Drogen zu halten. In den 1960ern initiierten die Yamaguchi mit Politikern aus dem rechtsradikalen Umfeld eine Anti-Drogen-Kampagne und 1992 starteten sie eine weitere landesweite Kampagne, bei denen ihre offiziellen Zweigstellen und Büros als Anlaufstellen dienten. Den Mitgliedern der Yamaguchi-gumi ist der Konsum und Missbrauch von Drogen verboten. Der Handel wird aber aufgrund des lukrativen Geschäfts, toleriert. Dies betrifft seit den 90ern auch verstärkt harte Drogen wie Kokain. Drogen wie Heroin, Kokain und Opium und weiche Drogen wie Marihuana und Haschisch wurden in Japan nicht in dem Umfang wie in den westlichen Industriestaaten konsumiert. Den Hauptanteil des Drogengeschäftes in Japan stellen Stimulanzien die auf Amphethaminbasis hergestellt werden. Diese waren nach dem 2. Weltkrieg in allen Apotheken frei erhältlich und wurden erst nach ihrem Verbot 1951 für die Yakuza interessant. Laut einer Polizeistudie soll der Anteil der Einnahmen durch Drogen 1989 35% des Gesamtumsatzes betragen haben. Mitte der 90er Jahre waren ca. 600 000 Japaner als regelmäßige Konsumenten von Amphetaminen bekannt und zur Jahrtausendwende sollen laut Statistik 2,2 Millionen Personen in Japan regelmäßig Weckamine nehmen oder sie schon einmal probiert haben.

Die traditionelle Einkommensform des Glückspiels soll rund 17% der Gesamteinnahmen der Yakuza ausmachen. Hierzu gehören Würfel- und Kartenspiele, Majong und seltener Roulette und Back Gammon, alle mit Geldeinsatz, was offiziell verboten ist. Außerdem sind sie, vorallem über Warenumtausch und Schutzgeldzahlung an der nationalen Pachinkoindustrie beteiligt Bei diesem Spiel werden, ähnlich wie beim Flipperautomaten, eine Vielzahl von kleinen Metallkugeln hochgeschossen. Neben verschiedenen Jackpotmöglichkeiten, liest sich der Gewinn daran ab, wie viele dieser Kugeln nicht in Löchern verschwinden, sondern durch das Nagellabyrinth in eine für Nachschub zugängliche Rinne gelangen. Dieses Spiel soll nach 1945 durch die amerikanischen Besatzungsstreitkräfte derart populär geworden sein, dass inzwischen ca. ein fünftel der japanischen Bevölkerung diesem Zeitvertreib nachgeht . Pachinko gilt offiziell nicht als Glücksspiel, da man nur festgelegte Preise, wie beispielsweise Zigaretten, gewinnen kann. Diese Preise können aber häufig in Bargeld umgetauscht werden und genau an diesem Punkt des Business sitzen oft Mitglieder von Yakuza-Syndikaten.

Schutzgeld als Einnahmequelle soll Ende der 1980er nicht mehr als 9% der Gesamteinnahmen betragen haben, gehören aber zu den traditionellen Erwerbsquellen und die darauf basierende Protektion wird von den Yakuza als ihr selbstverständlichstes Metier verstanden. Neben Lokalitäten des Gastgewerbes, Bars und Imbissen sollen bis zu drei Viertel der Etablissements des Sexbusiness Abgaben an die Yakuza leisten. In diesem Bereich ist eine Protektion durch die Yakuza in der Regel erwünscht. Sie fungieren in diesem Bereich als eine Art Ordnungs- und Sicherheitsdienst anstelle der Polizei, deren Auftreten nicht gerne gesehen wird. Oft werden diese Gelder inzwischen indirekt eingetrieben. So gibt es fast in jedem Lokal ein Erfrischungstuch (oshibori) und ein Glas Wasser mit vielen Eiswürfeln. Die Lieferung von oshibori und Eis ist in den Vergnügungsvierteln oft von den Yakuza monopolisiert, die dann durch eine dementsprechende Preisgestaltung ihre Gelder eintreiben. Der Verkauf von Utensilien für shintoistische Rituale, wie z.b. Neujahrsschmuck oder den Verleih von Pflanzendekorationen soll in ähnlicher Weise benutzt werden.

1982 soll es laut Polizeistatistik über 24 000 Betriebe gegeben haben, die direkt oder indirekt von der Yakuza kontrolliert wurden. Ein Großteil dieser Unternehmen stammen aus dem gastronomischen Sektor und dem Sexbusiness: 9800 Straßenverkaufsbuden und Snackbars, über 3600 Bars, Restaurant, Kaffeehäusern und Nachtclubs und 2150 Badebordelle und Stripteaseclubs. Desweiteren gab es über 4200 Unternehmen im Kreditwesen, über 2150 Baufirmen, 570 Immobilienfirmen und über 360 Betriebe im Transportwesen. Durch die Skandale und Nachforschungen um die Firmenzusammenbrüche aus der Zeit der sogenannten japanischen „Bubble-Wirtschaft“ wurde bekannt, dass die Yakuza im großen Stil in Aktien und Immobilien investierten und das sie an vielen Bankenskandalen beteiligt waren, in denen es um ungedeckte Kredite ging.

Seit den 80er Jahren wird von der japanischen Polizei ein Anstieg von Delikten der Kategorie „gewaltsame Interventionen in zivile Angelegenheiten“ festgestellt. Ende der 90er waren durchschnittlich 30 000 Fälle dieser Kategorie der Polizei bekannt, wobei nur ca. 10% zur Anklage gebracht wurden. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen, da die Normalbürger die als Auftraggeber der Yakuza fungieren, kein Interesse haben ins Feld der Öffentlichkeit und der polizeilichen Ermittlung zu geraten. Unter dieser Kategorie fallen: Schuldeneintreiben, Geldverleih, Wechsel- und Immobiliengeschäfte, „Beratung“ bei Autounfällen, Eingriffe in Handels- und Alltagskonflikten und Konkursbetreibungen. Aufgrund des Umstandes, das in Japan die Zahl der Rechtsanwälte durch die schwierigen Zulassungsprüfungen künstlich klein gehalten wird (1985 kamen statistisch gesehen, auf einen Strafverteidiger in Japan 9294 Personen – in Deutschland war das Verhältnis 1: 1486, in den USA 1: 360) werden bei zivilgerichtlichen Konflikten oftmals Yakuza mit dem „Rechtsbeistand“ beauftragt. Ein Zivilprozess ist in Japan sehr teuer, oft von langer Dauer und kann zu Ungunsten des Klägers ausgehen, so dass viele Japaner z.b. beim Schuldeneintreiben auf die Yakuza und deren Methoden zurückgreifen – auch wenn in so einem Fall bis zu der Hälfte der zurückzufordernden Summe als Honorar einbehalten wird. Dabei nutzen die Yakuza ihr vielfältiges Repertoire von Einschüchterungen und ihre Kenntnisse im Rotlichtmilieu für evtl. Erpressungen.

Beim Kreditwesen, also dem Geldverleih waren die Yakuza schon lange beteiligt da es bis in die 80er Jahre für Privatpersonen in Japan schwierig war einen Kredit aufzunehmen. Diese Nische nutzten verschiedene Yakuza-Syndikate und boten gegen einen Einkommensnachweis und einer Krankenversicherungspolice Kredite an , bei gesetzlich erlaubten Zinsen von 109,5%. Ab 1983 sind die Höchstzinsen auf 39,9% festgesetzt, was immer noch eine profitable Gewinnausschöpfung zulässt. Die Yakuza sind auch engagiert in „Jiageya“ und haben darüber Beziehungen zum Immobilienmarkt und Bankengeschäft. „Jiageya“ bezeichnet Geschäftspraktiken, die darauf hinauslaufen Besitzer kleiner Immobilien zum Verkauf derselben zu „überreden“, damit Immobilienfirmen weitaus größere Bauvorhaben und Strukturpläne umsetzen können.

Ein weiterer Bereich in dem Yakuza zunehmend engagiert sind ist der der „Sokaiya“. Dies sind Personen die durch einen geringen Aktienbesitz das Recht erwerben an Aktionärshauptversammlungen teilzunehmen, wo sie unangenehme Fragen stellen und skandalisieren. Es soll ca. 1000 professionelle „Sokaiyas“ geben, die in rund 40 Gruppen organisiert sind. Sie geben Publikationen heraus, einerseits zur internen Kommunikation, aber auch als Forum zur eventuellen Veröffentlichung von Skandalen. Viele Großunternehmen sind von dieser Praxis betroffen. Die Sokayia werden entweder von der Konkurrenz engagiert oder lassen sich ihr Schweigen von den betreffenden Unternehmen honorieren, die um ihre Reputation und den reibungslosen Ablauf ihrer Aktionärsversammlungen bemüht sind.

1999 sollen laut einer Umfrage 45% der japanischen Großunternehmen von Sokayia kontaktiert worden sein. 7% dieser Firmen gaben zu finanzielle Zuwendungen geleistet zu haben, die in 85% der Fälle unterhalb einer Million Yen lagen, in einzelnen Fällen aber erheblich höher.

Yakuza und Polizei – von kommunaler Balance zu Anti-Yakuzakampagnen

Die Yakuza waren bis zur Gesetzesvorlage in den 90ern aufgrund ihrer quasi halböffentlichen Struktur und ihren ausgewiesenen „Geschäftsstellen“ von der Polizei zum Teil bestens erfasst. In den jährlichen Polizeiberichten sind die Anzahl, die Einnahmequellen und neuere Deliktformen größtenteils erfasst. Eine polizeiliche Untersuchung vom Ende der 80er Jahre belegt das 80% der Yakuza-„Anwärter“ entweder nur die Pflichtschuljahre absolviert haben oder aus der High School vorzeitig ausgestiegen sind. Aufgrunddessen wären ihre Berufschancen im „legalen“ Sektor der Berufswelt denkbar schlecht. Anstelle einer Perspektive als Gelegenheitsarbeiter, ungelernter Fabrik- oder Bauarbeiter, entschieden sich viele für eine Karriere innerhalb der Yakuzakreise. Die Stigmatisierung wegen einer abgebrochenen Schullaufbahn, deliquenten Verhalten oder Straffälligkeit (fast ein Drittel der Yakuza-Novizen sind von ihrem Elternhaus ausgerissen und drei von vier wurden bereits im Alter zwischen 15-18 Jahren einmal verhaftet) kann durch den Erwerb des Status „Yakuza“ kompensiert werden. Auch ansonsten rekrutiert sich die Yakuza größtenteils aus Mitgliedern stigmatisierter Randgruppen. So sollen 10% der Yamaguchi-gumi, dem bedeutendsten Syndikat, Koreaner sein und nahezu 70% der Mitglieder sollen einen „Buraku“- Hintergrund haben. Bei den Burakumin handelt es sich um Nachkommen stigmatisierter Berufsgruppen aus dem feudalen Ständesystem, Berufe die zum Teil aus religiösen Gründen tabuisiert waren, wie Schlachter, Henker, Totengräber, Gerber, um nur einige zu nennen. Obwohl die Gliederung der japanischen Ständegesellschaft in Samurai, Bauer, Handwerker, Kaufleute und „Unreine“ seit kurz nach der Meij-Restauration 1868 als überwunden gilt, scheinen Fragmente dieses gesellschaftlichen Selbstverständnisses und ihrer Vorurteile in Japan immer noch lebendig zu sein. Wertneutral betrachtet kam den Yakuza als patriarchale soziale Organisation mit einem identitätsstiftenden rituellen Kontext der Aufnahme und des sozialen Verkehrs eine wichtige soziale Funktion im gesamtgesellschaftlichen Kontext zu, da sie einer Vielzahl von gesellschaftlichen Ausgegrenzten sozialen Rückhalt bot und sie innerhalb ihres Disziplinar- und Wertesystems integrierte. 3 große Syndikate vereinen in einem Oligopol fast drei Viertel der Yakuza in sich. Die Yamaguchi-gumi, die 1997 18.300 offizielle Vollmitglieder hatten, die Sumiyoshi-kai mit 8700 Mitgliedern und die Inagawa-kai mit deren 5600.

Die Yamaguchi wurden 1915 gegründet, der eigentliche Aufstieg zum größten Syndikat begann aber erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Ausgangspunkt der Expansion waren die Häfen von Kobe (Osaka) wo Hafen- und Dockarbeitsvermittlungen übernommen wurden und in die Bereiche Glückspiel und Schutzgeld expandiert wurde. Territorialkonflikte mit anderen lokalen Gruppen wurden seitens der Yamaguchi brutal und oft mit tödlichen Folgen für sich entschieden. Andere Gruppen wurden in die rasch wachsende Organisation integriert. 1964 gehörten 343 Banden und rund 10 000 Gefolgsleute zu diesem Syndikat. In Kobe wurden bis zu 80% der Cargo-Verladungen von der Yamaguchi kontrolliert, sowie 14 Firmen im Transportwesen. In den 70ern brachten sie ganze Branchen des Showgeschäftes unter ihre Kontrolle, insbesondere Catchen und Boxveranstaltungen, sowie bestimmte Segmente der Unterhaltungsmusik. Mitte der 80er Jahre kam es zu internen Konflikten innerhalb der Yamaguchi-gumi die zur zeitweisen Abspaltungen und zu bewaffneten Auseinandersetzungen führten. Ende der 80er Jahre konnte das Syndikat dann gestärkt aus diesem Konflikt hervorgehen, auch wenn die aggressive „Kriegsführung“, besonders der Schusswaffengebrauch in der Öffentlichkeit und der zeitweilige Wegfall des eigenen Verhaltenscodes, der auf der bedingungslosen Autorität gegenüber dem Oyabun beruhte, dem Image der Yakuza schwer geschadet hatten.

Polizei und Yakuza sind teil eines prekären sozialen Gleichgewichts, dass ständig neu austariert und ausgehandelt wird. Zwischen Polizei und Yakuza gab es auf bestimmten Ebenen lange Zeit ein Verhältnis gegenseitiger Kooperation. Sie waren eine Anlaufstelle für delinquente Jugendliche, ein Ordnungsfaktor im Rotlichtmilieu und gaben der Polizei Einblick in ihre internen Organisationsverhältnisse. In vielen Büros waren Mitgliedslisten aufgehängt in denen aktuelle Veränderungen verzeichnet waren. Polizisten konnten regelmäßig bei einem Gespräch und Teekonsum Einblick in diese Listen nehmen. Die aus der Tradition der Yakuza heraus verständlichen, quasi öffentlichen Strukturen, mit offiziellen Büros und eingetragenen Mitgliedern, wie auch die interne soziale Organisation, trugen auf ihre Art und Weise zu einer Stabilisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse mit bei.

Erst Ende der 1950er kam es seitens der Polizei zur Gründung von speziellen Yakuza-Abteilungen und zu Pressekampagnen gegen die Yakuza. Infolge der neuen Polizeidirektiven stieg die Anzahl der jährlichen Festnahmen von den in den 40er und 50er Jahren üblichen 9000 auf über 58 000. In den 60er Jahren entwickelte die Polizei Richtlinien im Kampf gegen die organisierte Kriminalität, die in den Jahren 1965-67, 1969 und 1975 zu groß angelegten Anti-Yakuza-Kampagnen führten. Die Erfolge dieser Aktionen waren allerdings nur kurzfristig, während auf lange Sicht betrachtet, die Polizei eher als Katalysator der Modernisierung der Yakuza-Syndikate wirkte. Die Massenverhaftungen und Zerschlagung einzelner Gruppen leitete eine Entwicklung ein bei der sich die Yakuza zunehmend von ihrem traditionellen Selbstverständnis lösten und sich stattdessen Organisationsstrukturen entwickelten, die mit modernen Industrie-Holdings vergleichbar sind.

Aufgrund der zunehmenden Versuche die Führungsspitzen der Yakuza justiziell zu verfolgen, entwickelte sich eine Art Franchisesystem mit einer Lizenzgebühr für die Verwendung des Namens einer Großorganisation. Das heißt dass kleine Organisationen und Gangs gegen eine monatliche Gebühr der Großorganisation angegliedert werden und dessen Namen verwenden können. Die Abgaben richten sich nach der Hierarchieposition und Mannesstärke. Durch dieses Franchisesystem werden die Führungspersonen der Yakuza im juristischen Sinne praktisch unangreifbar, da sie ihr Einkommen nur aus den „Mitgliedsbeiträgen“ beziehen und nicht mehr mit kriminellen Aktionen in Verbindung gebracht werden können.

Unter dem Eindruck langjähriger Bandenkriege mit Scharmützeln und Schiessereien in der Öffentlichkeit zwischen 1985-89 infolge interner Konflikte im größten Syndikat der Yamaguchi-gumi und aufgrund der Tatsache der zunehmenden Expansion der Syndikate in Bereiche der legalen Wirtschaft und Hochfinanz und dem zunehmenden Engagement in zivile Angelegenheiten, also eine Tendenz, die ein zunehmendes Eindringen in die bürgerliche Gesellschaft aufzeigt, führte 1992 zu der Verabschiedung eines Anti-Yakuza-Gesetzes. Im gleichem Jahr wurden die drei größten Yakuza-Gruppen; Yamaguchi-gumi, die Sumiyoshi-rengo und die Inagawa-kai zu kriminellen Vereinigungen erklärt. Im Fokus des neuen Gesetzes stehen Yakuza-Organisationen, die von einer Sicherheitskommission mit dem Label „shitei“ belegt werden, als Ausdruck ihrer besonderen kriminellen Energie und Organisationsform. In dem neuen Gesetz ist die Feststellung der Tatsache der „Ausnützung des bedrohlichen Gang-Images“ Bedingung für die Möglichkeit einer weiteren justiziellen Handhabe, die u.a. auch die eventuelle Schließung der offiziellen Yakuza-Büros vorsieht.

1995 verabschiedete die japanische Regierung dann den „Act for Prevention of Unlawful Activities by Criminal Gang Members“ welches traditionelle kriminelle Aktivitäten seitdem bedeutend erschwert. Aufgrunddessen sind Yakuza mit dem Umgang mit Symbolen und Emblemen die auf ihre Gang- und Syndikatzugehörigkeit verweisen, vorsichtig geworden. Als direkte Reaktion zur Umgehung dieses Gesetzes wurden ein Grossteil der Yakuza-Organisationen in legale Aktiengesellschaften und Firmen umgewandelt. Infolgedessen kam es zu einer zunehmenden Anonymisierung und Unkenntlichmachung der internen Organisationsstrukturen. Die ursprünglichen offiziellen Yakuza-Büros mit ihren erkennbaren Emblemata wurden durch normale Geschäftsräume mit unverfänglichen Firmenbezeichnungen ersetzt. Die früher gängige Praxis, das Beamte sich über die Internas der einzelnen Gangs informieren konnten wurde zunehmend außer Kraft gesetzt und den Beamten der Einblick verweigert. Eine Entwicklung die in Japan als eine Mafiosierung der Yakuza bezeichnet wird.

Herbert Wolfgang : 2002 , „Japan nach Sonnenuntergang“, Dietrich Reimer Verlag, Berlin

Kawamura Gabriele, 1994, „Yakuza – Gesellschaftliche Bedingungen organisierter Kriminalität in Japan“
Hamburger Studien zur Kriminologie, Bd. 19, Centaurus- Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler

http://www.crimelibrary.com/gangsters_outlaws/gang/yakuza/1.html

http://www.wordiq.com/definition/Boryokudan

http://en.wikipedia.org/wiki/Yakuza

China – Zwischen Liberalisierung und staatlichen Restriktionen
Der zukünftige Massenmarkt der Sexindustrie

Taoismus und Neokonfuzianismus – ein historischer Rückblick auf die chinesische Sexualmoral

Über 90% Prozent der Bevölkerung Chinas sind Han-Chinesen, desweiteren leben 55 offiziell anerkannten nationalen Minderheiten im Land. Verbreitete Religionen sind der Tao- oder Daoismus, Buddhismus, Islam, Christentum und Lamaismus. Der Konfuzianismus, eher Sozialethik als Religion, beeinflusst bis heute die moralischen Verhaltensweisen der Chinesen. In der chinesischen Gesellschaft existieren verschiedene Modelle des Sexualverhaltens in ideologischer Vorgabe wie in realer Praxis. Zum einen diejenigen, die aus der vielseitigen chinesischen Geschichte und Tradition heraus entstanden sind, von denen die sexualitätsbejahende taoistische Praxis und andererseits die neokonfuzianische Ideologie auseinanderliegende Fixpunkte eines weiten Spektrums existierender Meinungen und Verhaltensweisen darstellen. Im alten chinesischen Heiratssystem war es dem Mann erlaubt eine unbegrenzte Anzahl von Frauen zu heiraten, wie auch das Konkubinat weit verbreitet war. Unter den Han, der dominierenden Volksgruppe Chinas gab es bis zur zweiten Hälfte des 20.Jh. eine weite Brandbreite sexueller Verhaltensweisen außerhalb der Ehe, die als akzeptabel galten oder zumindestens toleriert wurden. Hierzu zählten neben dem weit verbreiteten Konkubinat, Prostitution, Homosexualität und Pädophilie. Ein nicht unwesentliche Einflussnahme erfolgte während der Kolonialzeit mit dem Import der auf der christliche Sexualethik basierenden westlichen Kulturvorstellungen. Mit dem darauffolgenden Versuch des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaftsordnung auf der Grundlage der marxistischen Ideologie, welche mit einer stringenten Reglementierung des Individuums einherging, kamen die sexualitätsnegierenden Tendenzen des Neokonfuzianismus wieder zur Geltung. Seit der Öffnung und Liberalisierung der chinesischen Märkte ab den 1980ern und der damit einhergehenden Konsumentenkultur, experimentieren zunehmend Teile der chinesischen Bevölkerung in den Metropolregionen mit postmodernen Konditionen einer kosmopolitischen, globalen Kultur und ihren sexuellen Verhaltensweisen.

Über lange Perioden der chinesischen Geschichte existierte eine generelle sexualitätsbejahende Haltung bei den herrschenden Kreisen und in der Kultur, die zu einer Verfeinerung der Liebestechniken führte, wie sie z.b. aus dem überlieferten Tao Te King bekannt sind. Die Einflusssphären des Daoismus und des Konfuzianismus lösten in der Wirkung ihres Geltungsbereiches aneinander ab, bis dann in der späten Phase der Sung-Dynastie (960-1279) die konfuzianische Lehre durch einflussreiche Schriftgelehrte re-interpretiert wurde, deren Doktrin deutlich körper- und sexualfeindlicher war.

Die taoistische Philosophie geht von der Interaktion zweier kosmischer Kräfte, Yin und Yang, als zwei sich bedingende Gegensätze aus, auf deren Basis universelle wie alltägliche Erklärungs- und Deutungsmuster entwickelt werden. Unter diesem Konzept wurde auch die Sexualität bewertet und nach ihren reproduktiven und sinnlichen Qualitäten positiv eingeschätzt. Frauen wurde nachgesagt, dass sie einen unerschöpflichen Vorrat an Yin-Essenz haben, während Männer einen deutlich begrenzten Vorrat an Yang-Energie in sich tragen. Aus diesem Blickwinkel heraus wurde die männliche Masturbation wie die Homosexualität als schädlich für die Gesundheit bewertet. Selbstbefriedigung und gleichgeschlechtliche Liebe bei Frauen galten hingegen als problemlos. Ein wichtiger Aspekt dieser dynamischen Sichtweise von Gegensätzen ist der des Qui – der Lebensenergie als solches – in ihrer Repräsentation in den Körpern, im Leben, in der Natur, wie in der gestalteten Lebenssphäre und der sozialen Existenz. In Bezug auf die Sexualität ist der Mann nach dieser Vorstellung dazu angehalten Ejakulationen im Sinne von Energieverlust zu vermeiden, da das Sperma als eine Transformation von Qui verstanden wurde. Viele taoistischen Sexualpraktiken bauen auf diesen Grundsatz auf, um mittels von Atem- und weiteren Körpertechniken den Sexualakt zu verlängern, die Ejakulation zurückzuhalten und die Frau sexuell zu befriedigen, damit es nicht zu einem Verlust, sondern zu einem Austausch von Sexualenergien kommt. Weitergehend waren diese Praktiken darauf ausgerichtet, das Männer ihr Qui über die Frau vermehren konnten, da ihr innerhalb dieser Sichtweise im Gegensatz zum Mann ein relativ unbegrenztes Potential an Yin-Energie zur Verfügung stand. Zwei bekannte taoistische Texte der Han-Dynastie sind “The Handbook of the Plain Girl” und “The Art of the Bedchamber“, die sich im besonderen mit verschiedenen Atemtechniken während des Sexualaktes beschäftigen

Im Neokonfuzianismus wurde dieses Verständnis von einer begrenzten Yang-Energie, welche sich u.a. im Sperma manifestiert, anstelle der taoistischen sexualitätsbejahenden Praxis durch ein ideologisches patriarchales Konzept ersetzt, welches gewisse Ähnlichkeiten mit dem Viktorianismus in sich trägt. Dem möglichen Mangel, bzw. Verlust männlicher Sexualenergie wurde durch eine Negierung von Sexualität und ihre Eingrenzung in ein familiäres Konzept der Reproduktion begegnet, bei gleichzeitiger Eingrenzung der Rolle der Frau. Heterosexualität wurde per Gesetz als Norm festgelegt, vor- und außerehelicher Sex wurde tabuisiert und die Jungfräulichkeit der Frau bis zur Ehe als wichtiges Kriterium festgeschrieben, abweichendes Sexualverhalten und Libertinage sanktioniert. Diese Weichenstellung auf eine restriktive Sexualmoral bestimmte fortan die chinesische Kultur und verschärfte sich noch in der folgenden Ming- und Mandschu-Dynastie. Öffentliche Diskussionen über Sexualität und deren gesetzliche Reglementierungen, wie auch das Verfassen erotischer Texte wurden verboten.

Während des Neokonfuzianismus begann sich, vor allem bei den Han-Chinesen, der Brauch des Füßeabbindens bei jungen Mädchen, der am kaiserlichen Hof gepflegt wurde, in den oberen Bevölkerungsschichten und später in der gesamten Bevölkerung auszubreiten. Den Mädchen wurde der Fußknochen gebrochen und der Fuß dann so eng mit Bandagen umschlungen, dass er im Wachstum gehemmt und zum Klumpfuß verformt wurde. Frauen deren Füße so deformiert wurden – als ideale Fußlänge galten 10 cm – waren nicht in der Lage weite Strecken zu gehen und konnten oft ohne fremde Hilfe das Haus nicht mehr verlassen. Zu dieser Zeit galt es für eine wohlhabende Frau als unstandesgemäß, das Haus zu verlassen und mit der Zeit verband sich das Schönheitsideal kleiner Füße mit der „Tugend“, das Haus nicht zu verlassen. Frauen mit solchen Lotus- oder Lilienfüßen konnten sich nur in einem Trippelgang bewegen. Dieser sogenannte „Lotusschritt“ sollte bei den Frauen eine kräftigere Kontraktion der Vaginalmuskeln bewirken und ihre sexuelle Bereitschaft steigern. Die Praxis des Füßeabbindens wurde erst nach der Revolution von 1949 offiziell verboten. Die letzte chinesische Schuhfabrik, die Lotusschuhe produzierte, schloss erst 1988 ihre Pforten.

http://www.bigeye.com/sexeducation/ancientchina.html

Das sozialistische, sexualfeindliche Staatsmodell Mao Tse Tungs

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs endete der chinesische Bürgerkrieg mit einem Sieg der Kommunisten. Die unterlegenen Nationalisten der Kuomintang flüchteten auf die Insel Taiwan und in das sogenannte Goldene Dreieck zwischen Laos, Burma und Thailand, wo sie ihre Einflusssphären ausbauten. Am 1. Oktober 1949 proklamierte Mao Zedong die Volksrepublik China. Die Politik Maos – die Umgestaltung Chinas nach einem sozialistischen Modell – wurde mit groß angelegten Kampagnen wie dem „Großen Sprung nach vorn“ und der „Kulturrevolution“ vollzogen, die von Rückschlägen, Hungersnöten und politischen Säuberungen begleitet waren, welche etlichen Millionen von Menschen das Leben kostete. Nach der Gründung der Volksrepublik lebten in China ca. 540 Millionen Menschen. In den 1950er Jahren stieg die Bevölkerungszahl, forciert von dementsprechenden Direktiven der politischen Führung, stark an. Erst am Ende des Jahrzehnts begann man mit Kampagnen zur Geburtenkontrolle. In den 1960er Jahren wurden zahlreiche Geburtenplanungskampagnen durchgeführt. Abtreibungen wurden legalisiert und Verhütungsmittel waren, wo vorhanden, kostenlos erhältlich. Trotzdem waren die 1960er Jahre das Jahrzehnt mit dem höchsten Bevölkerungswachstum in China. Erst in den 70er Jahren kam die 1-Kind-pro-Familie-Politik der Regierung zum Tragen.

Gegen die Prostitution und Pornographie wurde nach dem Machtwechsel 1949 entschieden vorgegangen. Jegliche Erotika wurden verboten, der Besitz, Handel und Herstellung derselben mit strengen Strafen belegt. In den 50er und 60er Jahren war diese Politik sehr effektiv, da sämtliche Medien, Zeitungen, Radios, Fernseher, aber auch Büchereien und Läden wie Photostudios sich seit der Kulturrevolution im staatlichen Besitz befanden und somit unter der „Kontrolle des Volkes“ standen.

Die kommunistische Partei Chinas proklamierte zwar die Befreiung und Emanzipierung der Frau und sie setzte auch ein generelles Verbot des Füße-Abbindens durch – was in agrarischen Regionen teils immer noch üblich war – aber an den grundsätzlich sexualfeindlichen Paradigmen änderte sich nichts. Im Gegenteil, nach Einschätzung des Autors Fang Fu Ruan („Sex in China“) befand sich die chinesische Gesellschaft bis zur Öffnung ihrer Märkte und der damit einsetzenden Liberalisierung in einer ihrer repressivsten Perioden was die Sexualmoral und die Einflussnahme auf das Individuum, der Familie und der Privatsphäre im allgemeinen betraf. Vor der umfassenden Liberalisierung in den 80er Jahren gab es kein öffentliches Nachtleben in den Städten. Alle Theater und Kino hatten in der Regel vor 23 Uhr geschlossen. Es gab keine Nachtclubs oder Cafes, wo junge Männer und Frauen sich treffen konnten. Bis in die 80er Jahre galt es offiziell als üblich das Frauen sich wie Männer kleideten. Es gab so gut wie keine Beauty-Shops und die Frauen verwendeten selten Kosmetika, da sie fürchteten in Verruf zu geraten. Nicht nur Prostitution und Pornographie, auch Polygamie, vor- und außerehelicher Geschlechtsverkehr, Homosexualität und weiteres, von der heterosexuellen Norm abweichendes Sexualverhalten, war offiziell verboten. Dies betraf auch soziale Aktivitäten die Sexuelles implizieren könnten, wie z.b. Tanzen, die oft zum Objekt von Restriktionen und öffentlichen Verordnungen wurden.

Die Haltung der kommunistischen Partei zur Frage des Tanzvergnügens war sehr ambivalent. 1953 ordnete die Regierung die Schließung sämtlicher Tanzhallen an und Frauen die in diesem Bereich ihren Lebensunterhalt bestritten wurde die Möglichkeit gegeben sich „umschulen“ zu lassen. Seitdem war das Tanzen, je nach politischem Klima, entweder verboten oder erlaubt. 1956, z.b. protegierte eine wichtige politische Führungspersönlichkeit das Tanzen und infolge dessen wurden im ganzen Land an den Wochenenden unter der Organisation von Colleges, Universitäten, Fabriken und anderen Institutionen Tanzveranstaltungen durchgeführt. Ein paar Monate später wurde auf Anordnung eines in der Parteihierarchie höher stehenden Politiker, das Tanzen wiederum verboten. Die Art und Weise wie die Gesetze bezüglich des Tanzen gehandhabt wurden, war ein Gradmesser für das politische Klima im Land.

Ungefähr ab 1974, in der Mitte der Kulturrevolution, tauchten verschiedene handkopierte erotische Kurzgeschichten auf, die unter der Hand verbreitet wurden und vor allem bei Jugendlichen, an den Hochschulen, aber auch in den Fabriken beliebt waren. Ein Beispiel ist die Geschichte „The Hearth of a young women“, auch unter dem Titel „The Memoirs of Mania“ bekannt. In China symbolisiert ein Großteil der Underground-Pornographie immer auch eine Form des politischen Widerstands. So dieser pornographische Text, der in China weit verbreitet war und in Hongkong unter verschiedenen Titeln veröffentlicht wurde. Er erzählt die sexualitäts-bejahende und glückliche Geschichte einer Frau, einer jungen Studentin und ihres Cousins und begleitet die Frau auf ihrem weiteren Lebensweg, ihrer Hochzeit mit einem anderen Mann und explizit ihre sexuellen Erfahrungen. Die Geschichte schildert Tabubrüche und sexuelle Erlebnisse aus der Sicht einer weiblichen Protagonistin, der aus ihren Handlungen keine negativen Konsequenzen entstehen. Die gesamte Form der Geschichte forderte die Ethik der Disziplin, der Selbstaufopferung und Kontrolle, die die chinesische Kulturrevolution charakterisierte, heraus.

Ende der 70er Jahre wurden verstärkt pornographische Filme über Hongkong und andere Länder nach China geschmuggelt. Diese waren zuerst nur Privilegierten vorbehalten, da Videorekorder zu dieser Zeit in China sehr selten und teuer waren. Später wurden solche sogenannten „yellow videos“, u.a. der bekannte amerikanische Pornofilm „Deep Throat“ mehr Menschen zugänglich. Diese Videovorführungen waren in der Regel kommerziell und sehr subversiv organisiert und kosteten ein zehntel bis ein fünftel des normalen, durchschnittlichen Monatseinkommens. Oft fanden diese Veranstaltungen im kleinen und sehr privaten bis intimen Teilnehmerkreis statt, der folgend weitgehendere sexuelle Aktivitäten mit einschloss. Die Reaktion seitens der Politik reichte bis in die höchsten Regierungskreise und führte zu weitgehenden Beschlagnahmungen und Verfolgungen durch die Polizei.

„Sex in China“, 1991, Fang Fu Ruan, Plenum Press, New York, London

Turim Maureen „The erotic in Asian Cinema“ in Gibson Pamela, 1993 „Dirty Looks“, Seite 84/5
British Film Institute Publishing, London

Die langsame Liberalisierung nach Mao TseTungs Tod

Nach Maos Tod im Jahr 1976 war China weitgehend isoliert und noch paralysiert von den Folgen der Kulturrevolution. Die Kommunistische Partei Chinas blieb an der Macht und die nachfolgenden Vorsitzenden Hua Guofeng und danach Deng Xiaoping, setzten auf den wirtschaftlichen Fortschritt und eine Liberalisierung der Märkte, die dazu führte das ab den 80er Jahren die Kontrolle über das persönliche Leben der Menschen schrittweise gelockert wurde. Die Volksrepublik China wurde noch bis in die 1990er Jahre als Entwicklungsland eingestuft, entwickelt sich aber seit der wirtschaftlichen Öffnung zunehmend zu einer Großmacht. Im Zuge dieser Entwicklung entstand in allen größeren Städten eine sich rasch entwickelnde Unterhaltungs-industrie, Nachtbars eröffneten und das Prostitutionsgewerbe boomte. Ab 1987 wurde dann das Tanzen und die Eröffnung kommerzieller Tanzhallen erlaubt – eine bei der Bevölkerung sehr populäre Entscheidung. So wurden alleine in der Region Xiamon im gleichem Jahr über eine halbe Million Tickets für Tanzveranstaltungen verkauft, obwohl diese sehr teuer waren. (ca. 3% des Monatseinkommens) Die chinesische Regierung versucht diese Entwicklung zu steuern und reglementiert vor allem die Sexindustrie mit wiederholten Anti-Prostitution und –Pornographiekampagnen und passt die Gesetzgebung der aktuellen Situation an

Die Volksrepublik China war bis in die 80er Jahre eine anti-erotische Gesellschaft, in der die sexuelle Seite des Ehelebens, außereheliche Beziehungen und romantische Gefühle entweder ignoriert, verachtet oder sogar verboten waren. Nur die Ehe bot den einzigen offiziellen Kontext für das Ausleben der Sexualität. Allerdings waren viele verheiratete Paare gezwungen, in Zeiträumen von 1-10(!) Jahren voneinander getrennt zu leben, da Entscheidungen betreffend des Wohnsitzes und des Arbeitsplatzes in der Regel vom Gouvernement bestimmt wurden. Anfang der 90er Jahre sollen noch ca. 360 000 verheiratete Menschen isoliert von ihrem Partner gelebt haben. Inzwischen brauchen Heiratswillige nicht mehr die Erlaubnis ihres Arbeitgeber einzuholen und auch Scheidungen werden als Privatsache gehandelt und sind nicht mehr Gegenstand von Genehmigungs-verfahren beim Personalchef oder einem Nachbarschaftskomitee.

Trotzdem wird behördlicherseits immer noch häufig in die Privatsphäre des Einzelnen eingegriffen. Im Oktober 1987 wurden beispielsweise 18 Paare, die im Studentenwohnheim der Shenzhen-Universität (die Stadt Shenzhen liegt in der Nähe von Hongkong und war zu dieser Zeit schon wirtschaftliche Sonderregion) unverheiratet zusammenlebten, von der Campus-Polizei verhaftet. Danach bestimmte die Universitäts-verwaltung, dass alle weiblichen Studenten der Frauenwohnheime vor 24 Uhr in ihren Schlafräumen zu sein hatten, andererseits riskierten sie ein Ausschlussverfahren.

Seit Ende der 70er Jahre begann die im Westen inzwischen weitverbreitete Toleranz von nicht-ehelichen sexuellen Beziehungen, die jüngere Generation in China zu beeinflussen. Vor allem bei Collegestudenten und jungen Intellektuellen traf dies zu. Es kam in der akademischen Disziplin der Soziologie sogar zu theoretischen Diskussionen über die Notwendigkeit „die überkommenen traditionellen Eheschließungen zu überwinden“. Für die Chinesen verlangte das „wilde Zusammenleben“, ohne Ehevertrag ein gehöriges Maß an Courage und Mut, da sie mit Sanktionen zu rechnen hatten.

1985 wurde ein neues, weiterführendes Antipornographie-Gesetz verabschiedet. Die verschärfte Gesetzeslage und das Klima der Verfolgung ging soweit, das ein Shanghaier Eisenbahnarbeiter, der mit vier anderen Personen private Pornovideovorführungen und Sexparties organisiert hatte, 1987 zum Tode verurteilt wurde, die anderen wurden mit zum Teil lebenslänglichen Freiheitsstrafen belegt. Im Zuge dieser Kampagne wurden bis 1987 über 300 Verleger und Herausgeber von Erotika und Pornographie verhaftet und 42 Verlagshäuser geschlossen. Vor allem in den Stadtregionen Beijings und Shanghai wurden hunderttausende von Büchern und Magazinen, photographisches Material und Videofilme beschlagnahmt und vernichtet. Nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz wurden die Anti-Prostitutions- und Pornographie- Kampagnen weitergeführt und intensiviert.

Auf dem Land dominieren weitgehend patriarchal konservative – und von die MaoTseTung implementierten Werte der Kulturrevolution mit ihren individual-negierenden, sexualfeindlichen Tendenzen, während Städte wie Shanghai und Beijing sich auch kulturell immer mehr in Richtung globaler Metropolenregionen entwickeln. Raubkopien von Filmen wie „Sex in the City“ erfreuen sich großer Popularität und die Jugendlichen können aufgrund der spürbaren Lockerung moralischer Konventionen inzwischen in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen und mit den durch westliche DVD`s und dem Internet importierten plakativen sexuellen Lifestyle experimentieren. Nach einer aktuellen Untersuchung des chinesischen Familienministeriums hatten 70% der befragten Chinesen bereits vorehelichen Sex, im Verhältnis zu 16% der Chinesen, die Ende der 80er zu diesem Thema befragt wurden.

2004 wurde im Rahmen eines Testversuchs in 3 chinesischen Großstädten erstmals Sexualkundeunterricht ab dem 12. Lebensjahr angeboten. Bei Erfolg soll dieses Programm auf über 300 Städte im Zeitraum der nächsten Jahre ausgeweitet werden. Wichtige Basisdaten für diese Entscheidungen lieferte der Liu-Report. Dieser Report basiert auf der Befragung und dessen Auswertung von 20.000 Individuen, die in vier Kategorien unterteilt wurden: Schüler, Universitätsstudenten, verheiratete Paare und Personen die wegen sexueller Vergehen verurteilt wurden. Organisiert wurde diese Befragung vom 1988 gegründeten Shanghaier Zentrum für Soziologie und Sexologie mit dem Ziel eine zukünftige Sexual- und Bevölkerungspolitik zu entwerfen und der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, insbesondere Aids, entgegenzuwirken.

China und Japan haben eine – im Westen häufig nicht bekannte – Tradition der Sexualwissenschaft. Der Sexologe Hirschfeld hatte 1931 an allen chinesischen Nationaluniversitäten Vorträge gehalten und so erheblich mit zu der Ausbreitung einer Sexualwissenschaft nach westlichen Vorbild beigetragen, bei dem allerdings auch die pathologisierenden Konzepte von Homosexualität und sexuellen Paraphilias mitübernommen wurden.(die in den aktuellen Diskussionen immer häufiger hinterfragt werden)

„Sex in China“, 1991, Fang Fu Ruan, Plenum Press, New York, London

http://www.time.com/time/asia/features/sex/

Der Sonderfall Hongkong

In diesem Zusammenhang ist auch eine vergleichende Betrachtung zwischen Festlandchina und Hongkong interessant, welches bis 1997 unter britischen Mandat stand. Die Insel Hongkong wurde 1841 seitens China nach dem verlorenen Opiumkrieg an die Briten abgetreten. Im Laufe dieses Jahrhunderts kamen noch weitere angrenzende Gebiete hinzu, bzw. wurden gepachtet. Als britische Kronkolonie entwickelte sich Hongkong mit seinem Hafen zu einer prosperierenden kapitalistischen Enklave. 1994 einigten sich die Regierungen beider Länder auf eine Rückführung Hongkongs unter chinesischer Regierungshoheit zum Sommer 1997. Diese Einigung kam unter der Voraussetzung zustande, das Hongkong für die folgenden 50 Jahre einen Status als wirtschaftliche und politische Sonderzone innehat, der die demokratischen Strukturen in der Politik, Verwaltung, in den Medien und die Freiheit der Religionswahl und des Reisens garantiert. 2002 hatte Hongkong eine Bevölkerung von ca. 7,3 Millionen, buddhistische und taoistische Religionen dominieren klar mit ca. 90%, aber der relativ geringe Anteil an Christen in der Bevölkerung mit 7,8% hat aufgrund der deutlichen christlichen Ausrichtung der Bildungsinstitutionen während der britischen Mandatszeit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Meinung und Moral der Hongkonger.

Dem administrativen Standard nach ist Hongkong in vielen Bereichen liberaler als das chinesische Festland. Bereits in den 50er Jahren wurde an den Schulen der Sexualkundeunterricht eingeführt. 1990 wurde die „Erste Internationale Konferenz über Sexualität in Asien“ veranstaltet und die „Asian Federation for Sexology“ gegründet. Ein Jahr später wurde Homosexualität offiziell dekriminalisiert und 1996 die „Equal Opportunities Commission“ zur Gleichberechtigung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt. Unter dem Einfluss der britischen Gesetzgebung, galt Homosexualität in Hongkong als strafbar und wurde mit zum Teil hohen Gefängnisstrafen verfolgt. Erst 1991 wurden sexuelle Handlungen zwischen Männern, die älter als 21 Jahre sind und die in gegenseitiger Übereinstimmung stattfinden, dekriminalisiert. Diese Dekriminalisierung führte zu der Gründung von Schwulenbars, eigenen Publikationen und Organisationen der homosexuellen Community, die jetzt legal an die Öffentlichkeit treten konnte.

Auch Prostitution und Pornographie werden weitgehend toleriert. Demgegenüber weisen vergleichende Befragungen von Jugendlichen in Hongkong und in Shanghai darauf hin, das eine deutlich konservative Einstellung der Hongkonger Jugendlichen in Fragen der Sexualität gegenüber der der Festlandchinesen besteht. In einer 1991 durchgeführten Befragung befürworteten 80,4% der befragten Hongkonger Oberschüler die monogame Ehe für ihre persönliche Zukunftsplanung und nur 39,5 akzeptierten die Existenz und Verbreitung von Pornographie innerhalb ihres Gemeinwesens (obwohl der Konsum von pornographischen Filmen und Comics unter den Hongkonger Jugendlichen weit verbreitet ist.) Bei ähnlichen Studien aus den Jahren 1988-1990 auf dem chinesischen Festland befürworteten nur 49,5% von Shanghaier Schülern die monogame Ehe als bedeutend für die eigene Lebensplanung, während über 60% der angehenden Erwachsenden aus verschiedenen Regionen Chinas Pornographie als harmlos einstuften und für eine Legalisierung waren. Studien in denen Studenten aus Hongkong (1991) und Shanghai (1994) zu ihren Sexualverhalten befragt wurden, ergaben das die studierten Festlandchinesen deutlich sexuell aktiver und promiskutiver waren als die Hongkonger Kommilitonen. Diese deutlich verschiedenen Umfrageergebnisse weisen nach der Meinung einiger chinesischer Sexualwissenschaftler auf den christlichen Einfluss in Hongkong hin.

http://www.kinseyinstitute.org/ccies/cn.php

http://www.rosalux.de/cms/index.php?id=4065

http://www.archiv3.org/index.php?seite=suche&suchmode=einfach&seitenr=1&suchtext=china&k4=1&k3=1&k2=1&k1=1

Die chinesische Medienlandschaft – Skandale um einzelne Aktivisten, Weblogs und Bücher

Es gibt Radio- und Fernsehsendungen und Zeitungsessays, die das Thema Sex aufgreifen. Nacktheit in Film und Fernsehen ist zwar nach wie vor tabu, doch von vielen Verlagen werden inzwischen erotische Romane und Bände mit Aktfotografie publiziert. Das Männermagazin FHM erscheint in einer chinesischen Ausgabe und Foto- und Modemodelle sind bei den Shootings und Events oft nur noch leicht bekleidet. Die offizielle Regierungslinie ist immer noch sehr restriktiv, so forderte das chinesische Kulturministerium 2004 eine Inspektion der Garderobe der Pop-Sängerin Britney Spears, damit ihr Auftritt nicht zu sexuell aufregend geriet und sie kein dementsprechendes Vorbild für die chinesische Jugend abgeben konnte. Es gibt aber einzelne AktivistInnen und AutorInnen, die – wenn sie auch mit Restriktionen zu kämpfen haben – sich eine Öffentlichkeit geschaffen haben, die dann in einzelnen Fällen auch von dem Medienmarkt der westlichen Hemissphäre wahrgenommen und vermarktet werden. Eine der bekanntesten Aktivistinnen ist die Sexologin Li Yinhe. Sie gilt als eine der progressivsten chinesischen Sexologen, die als eine von wenigen, Ansätze der modernen Queer-Theorie und Praxis reflektiert und vertritt. Sie befürwortet eine sexuelle Revolution in China und stellt die Paradigmen in Bezug auf Promiskuität und abweichenden Sexualverhalten in Frage und befürwortet die Dekriminalisierung der Prostitution, die gleichgeschlechtliche Ehe sowie die Legalisierung jedweder Sexualpraktik, sofern sie im Privaten und im gegenseitigen Einverständnis zwischen Erwachsenen ausgeübt wird.

Desweiteren veröffentlichte der Shanghaier Sexologe Liu Dalin in einer chinesischen Ausgabe das „Illustrierte Handbuch der Sex-Geschichte“ und die Autorin Wei Hui Den hat mit ihren Roman „Shanghai Baby“ im Jahr 2000 einen Skandal in China ausgelöst. Der semibiographischer Roman handelt von den sexuellen Erfahrungen einer jungen Frau, die sie mit verschiedenen Partnern erlebt. Der Roman war sehr populär in China und wurde dann verboten. 40.000 Bücher hat die Regierung nach dem Verbot öffentlich verbrennen lassen. In einer deutsch-chinesischen Produktion wurde „Shanghai Baby“ 2007 verfilmt. Bai Ling, die bekannte chinesische Erotikdarstellerin spielt die Hauptrolle, Katja Riemann eine Nebenrolle.
Eine weitere Chinesin aus Guangzhou, Li Li schrieb eine Kolumne für ein Online-Magazin und informierte über den sachgemäßen Gebrauch von Kondomen und die richtige Begleitmusik zum Petting, bevor sie unter dem Pseudonym Mu Zimei mit ihrem eigenen Sexblog „Love Letters before dying“ berühmt wurde. Ende 2003 hatte ihr Blog täglich 100 000 Besucher, bis sie aufgrund einer Kampagne der staatlichen Presse ihren Job verlor und ihren Weblog noch im gleichen Jahr schließen musste. Ihr Tagebuch erscheint als Druckpublikation in verschiedenen Sprachen, u.a. im deutschen Aufbau Verlag.

Die junge Autorin Jiu Dan hat mit ihrem schriftstellerischen Porträt chinesischer Prostituierter in Singapur in ihrem Roman „Wuya“ für kontroverse Diskussionen gesorgt. Auch im chinesischen Film hat sich die Prostitution zu einem Thema entwickelt. Der Film „Blush“(1995) des Regisseurs Li Shaohong erzählt die Geschichte mehrerer Shanghaier Prostituierter und ihrer Freier nach 1949 zwischen Festnahme und Rehabilitation. Der Film „Xiu Xiu: The Sent Down Girl“ von 1998 porträtiert die verdeckte Prostitution im ländlichen China unter Mao und der Film „Seafood“ (2001) beleuchtet anhand der persönlichen Geschichte einer Prostituierten und eines Polizisten das Verhältnis von Prostitution und verschärfter Gesetzgebung.

Homosexualität in China

Im alten China soll die gleichgeschlechtliche Liebe trotz gewisser Einschränkungen seitens der taoistischen Lehre und der weitergehenden restriktiven Sichtweise des Konfuzianismus weit verbreitet gewesen sein und in der Bevölkerung keinen negativen Stellenwert eingenommen haben. Mit der Öffnung zum Westen begann im 18. Jahrhundert die Übernahme homophober Ideologien und Gesetze.. Neben den daraus resultierenden Repressionen, die im Kommunismus Mao Tse Tungs fortbestanden, gibt es seit einigen Jahrzehnten nachhaltige Liberalisierungsprozesse, die in allen chinesischen Staatszonen zur vollständigen Entkriminalisierung von Homosexualität geführt haben. So wurde im April 2001 Homosexualität aus der chinesischen Klassifikation der mentalen Erkrankungen gestrichen.

Homosexualität wird in der chinesischen Gesellschaft traditionell toleriert, aber auch als Privatangelegenheit bewertet, über die in der Familie und am Arbeitsplatz Stillschweigen bewahrt wird. Dementsprechend waren regelmäßig erscheinende Publikationen, die einen Informations- und Erfahrungsaustausch ermöglichen, wie auch öffentliche Treffs in der jüngeren Vergangenheit so gut wie nicht existent. Inzwischen sind in den großen Städten schwule und lesbische Bars entstanden, die sich zu Anziehungspunkten einer wachsenden Szene entwickeln. Seit Anfang 1998 existiert die regelmäßige Newsletter „Friend Exchanging“ (Pengyou tongxin), herausgegeben vom Zentrum für sexuelle Gesundheit der Universität Qingdao, die sich nicht nur mit Aidsaufklärung, sondern auch mit dem gesellschaftlichen Leben der Homosexuellen befasst, bzw. sie selbst zu Wort kommen lässt und seit 2007 bietet Phoenix TV über den „Character Reading Channel“ auf seiner Webseite das erste Programm mit dem Focus auf die homosexuelle Community in China an. PhönixTV arbeitet dabei mit anderen schwulen Medien- und Selbsthilfe-Organisationen zusammen.

Vor allem das Internet wird von der Szene als übergreifendes Kommunikationsmedium genutzt. 2006 veranstalteten an die 30 schwule und lesbische Webmaster in Beijing eine inoffizielle Convention und diskutierten Möglichkeiten das Internet zur HIV/AIDS-Aufklärung und zur Destigmatisierung von Homosexuellen in China zu nutzen. Es soll in China ca. 250 Webseiten von/für Homosexuelle geben, von einfachen lokalen Chatrooms, bis hin zu einer Webseite für schwule Buddhisten. Auch die größten chinesischen Webportale „Sina.Com“ und „Sohu.Com“ bieten inzwischen Homosexuellen die Möglichkeit der Kommunikation über Message-Boards und Chatrooms.

Eine der populärsten Webseiten ist „Aibai“, bzw „gaychinese.net“. „Aibai“ ist hervorgegangen aus einer Initiative von einem schwulen chinesischen Pärchen, die 1999 einen Webblog zum Meinungs- und Informationsaustausch mit der homosexuellen Community starteten. Später begannen sie chinesische Übersetzungen von themenrelevanten internationalen Publikationen zu veröffentlichen. Aufgrund der wachsenden Popularität entwickelte sich der Blog mit Hilfe internationaler Unterstützung, insbesonders der ICCGL (Information Clearinghouse for Chinese Gays and Lesbians), die ihren Schwerpunkt in der Aids-Prävention sieht, zu der „gaychinese.net“-Webseite, die täglich zwischen 50.- 60.000 Besucher zu verzeichnen hatte. Die Seite wurde von einem us-amerikanischen Server gehostet, der ab April 2005 seitens der chinesischen Behörden geblockt wurde. Danach folgte die Initiative dem vorgeschriebenen Prozedere, ließ die Webseite in China registrieren und beantragte eine Internet Content Provider-Nummer. Die neue Aibai-Webseite bietet eine Mischung aus Nachrichten, Literatur und Informationen zur Geschichte und Entwicklung der schwulen und lesbischen Bewegung in China, sowie zu den Bereichen Gesundheit und Justiz. Desweiteren hat Aibai mit Unterstützung des us-amerikanischen „Aids Relief Fund for China“ in Chengdu(Sichuan) und Hangzhou Jugendzentren aufgebaut. In Beijing entstand ein Informationszentrum wo inzwischen 30 Teilzeit-Volontäre arbeiten, mit einer kleinen Bibliothek und Filmothek sowie einem Archiv von elektronischen Dokumenten.

Die Einstellung der chinesischen Homosexuellen zur modernen westlichen Queerkultur sind different. Einerseits werden Lifestylekonzepte und eine dementsprechende Party- und Eventkultur in den Metropolregionen Chinas als Bestandteil einer globalen Konsumentenkultur angenommen und praktiziert, andererseits warnen Sexologen und chinesische Aktivisten, wie die Unterzeichner des tongzhi-Manifest (1996), davor die offensive Minderheitenpolitik westlicher Lesben und Schwuler, in Form von Coming-outs, Massenprotesten und Paraden, zu übernehmen und setzen stattdessen eher auf eine Rückbesinnung auf die liberale Tradition Chinas, die durch ein hohes Maß an sozialer Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe geprägt gewesen war

Zensur im Internet

Die Regierung versucht den freien Internetzugang zu reglementieren. Erst 2004 wurden im Rahmen einer Jugendschutzkampagne über 500 sogenannte „yellow pages“, Webseiten mit sexuellen, bzw. pornographischen Inhalt, auf die Schwarze Liste gesetzt. Die genaue Zahl der User in China ist nicht bekannt. Offiziell soll es in China 90 Millionen Internetnutzer geben, von denen die Hälfte bereits über eine Breitbandverbindung verfügt. Hinzu kommt die große Anzahl derjenigen, die von Internetcafes aus auf das Netz zugreifen, so dass man von ca. 130 Millionen Menschen ausgeht, deren Internet-Nutzung mit großem Aufwand kontrolliert wird. Trotz der Kontrolle nimmt auch in China die Internetkriminalität zu, nach China Daily handelt es sich dabei in erster Linie um Pornographie, die sogenannten „yellow pages“, Betrug und Glücksspiele. Auch Prostituierten nutzen verstärkt das Internet, vor allem Instant Messaging-Software, zur Kundenwerbung. Im Jahr 2004 legte die Polizei das Prostitutions-Portal PlayChina still. Die seit 2004 bestehenden chinesischen Pornowebseiten “Pornographic Summer” und drei weiteren Seiten mit insgesamt ca. 600 000 Usern bei Mitgliedsbeiträgen zwischen $25 und $33 wurden von Servern im Ausland gehostet und die Betreiber wechselten regelmäßig den Domain-Namen und die Serviceanbieter. Trotzdem wurde der Gründer und Betreiber dieser Webseiten Ende 2006 zu einer hohen Geldstrafe und lebenslanger Haft verurteilt. Die Geschäftspartner des 28-jährigen wurden zu Gefängnisstrafen von 13 Monaten bis zu 10 Jahren verurteilt.

In China wird das Internet dynamisch und an mehreren Punkten gefiltert. Wenn auf eine der blockierte Seiten zugegriffen wird, erscheint meistens eine Fehlermeldung wie „404 error“. Neben pornographischen Angeboten sind es Webseiten religiöser und politischer Gruppierungen, bis hin zu Nachrichtendiensten wie BBC und sogar Wikipedia, die von der chinesischen Zensurbehörde gesperrt werden. Technisch beruhen die Filtermaßnahmen weitgehend auf westlicher Technologie, die vor allem aus den USA von den Unternehmen Cisco Systems, Nortel Networks, Sun Microsystems und 3COM stammt. Suchmaschinenbetreiber wie Yahoo, Google und Microsoft arbeiten, um ihre Marktposition auf dem chinesischen Markt zu sichern, mit chinesischen Zensurbehörden zusammen und filtern ihrerseits politisch unliebsamen Inhalten aus ihren Einträgen. Allerdings werden manche Suchbegriffe nicht von den Suchmaschinen selbst, sondern an den Gateways blockiert. Internetcafes, wie auch alle Internetprovider müssen die Benutzung aufzeichnen und die Logs 60 Tage lange vorrätig halten. Die chinesischen „Netzbars“ sind außerdem verpflichtet, Filter einzubauen und die Zugriffe auf die zensierten Seiten aufzuzeichnen und zu melden. Die eingebauten Filter suchen nach bestimmten Stichwörtern und sorgen dafür, das elektronische Nachrichten gesperrt oder Beiträge in Chaträumen gelöscht werden. Nachdem in den letzten Jahren Zehntausende von Internetcafes geschlossen wurden, sind inzwischen eine Reihe von staatlichen Gesellschaften mit der Einrichtung von Netzbars beauftragt worden, die einen landesweit einheitlichen Standard durchsetzen sollen. Dazu gehört die Videoüberwachung jedes Terminals, die Installation von Software zur Aufzeichnung sämtlicher Eingaben und zur Filterung von pornografischen und politisch subversiven Seiten. Wer in China einen Internetanschluss privat nutzen will, muss sich vorher bei der Polizei registrieren lassen und einen Vertrag unterschreiben in dem er sich verpflichtet den Internetzugang nicht für „illegale“ Aktivitäten zu verwenden. Hohe Strafen zwischen drei bis zehn Jahren Haft werden bei derartigen Vergehen verhängt und sollen der allgemeinen Abschreckung dienen.

Sextoys und Läden für „Erwachsenengesundheit“

Neben den USA ist China das Land in dem die größten Produktionsstätten für Sextoys und weitere Bedarfsartikel für Sexshops liegen. Die bekannteste dürfte die “Wenzhou Lover Health Products Co.,LTD” in Provinz Wenzhou sein, die nach Artikeln des Time Magazine und dem Wall Street Journal einer der größten Sextoy-Produzenten weltweit sein sollen. Weitere Unternehmen in China sind die “NingBo Sunway“, “Shaki” und die “China Yu Fang Tang Bioscience“ Allein in Hongkong, eines der Zentren der asiatischen Sexindustrie, gibt es eine Reihe weiterer Unternehmen: die “Nanma Manufacturing Co.”, die “Come Industrial Co” und die “Laichong Plastic Manufacturing Co” Weitere Produktionen im asiatischen Raum sind die “Sun Poro International Industry Co.” aus Taiwan und die “Pleasure Latex Products” aus Malaysia. Bis in die 1990er hat das Sextoy-Segment der asiatischen Sexindustrie fast ausschließlich für das amerikanische und europäische Ausland produziert. Es sollen viele hundert kleine Fabriken existiert haben, die in Hongkong, Shanghai und auf Taiwan Toys als Massenware produzierten, die aufgrund der niedrigen Löhne mit Handelsspannen von bis 500% von Fernost in die westliche Industrieländer vermarktet wurden. Zu dieser Zeit galt Hongkong als das größte Umschlagzentrum für Erotikartikel. Mit der Liberalisierung ist es ab den 90ern zu ausländischen Kapitalbeteiligungen und zur Herausbildung eines eigenen chinesischen Marktes gekommen.

In China werden zur Zeit ca. 70% des globalen Bedarfs an Sextoy`s produziert. Zwei der bekanntesten Unternehmen sind „Shaki“ und die „Wenzhou Lover Health Product“. Das Unternehmen „Shaki“ wurde 1995 von dem Besitzer Fang Hong in Shenzhen gegründet. Während der Hochzeiten zu Weihnachten beschäftigt das Unternehmen an die 300 Mitarbeiter, die bei einer täglichen Arbeitszeit von 8 Stunden einen Monatslohn von $80-$100 erhalten. An dem Unternehmen ist US-Investmentkapital beteiligt. Shaki bedient den lokalen chinesischen Markt, ist aber mit 80% überwiegend auf den Export ausgerichtet. Wichtige Kunden sind Doc Johnson und GK Sextoys. Die Produktlinie umfasst insgesamt über 2000 verschiedene Artikel, überwiegend Vibratoren, Assecoires und dementsprechende Bekleidung und Kostüme.

Das größte chinesische Unternehmen ist die „Wenzhou Lover Health Product“, die an die 60% des Marktes kontrollieren soll. Inzwischen profitiert „Wenzhou Lover Health Products“ von dem Joint Venture mit einem japanischen Sextoy-Produzenten in Bezug auf notwendige technologische Innovationen und den Kontakten zu den disverizierenden westlichen Märkten. Die Hauptabsatzmärkte des Unternehmens sind Japan, die USA und Europa, wo die Produkte u.a. unter den Labels Loves, LustyCity und DailyPlanet vermarktet werden. Das Unternehmen machte 2003 einen Gewinn von $10 Millionen und konnte diesen in den Folgejahren um 50% steigern. Die zukünftigen Expansionspläne sehen einen Börsengang des Unternehmens und die Gründung einer Shopkette, in der Größenordnung von ca. 1000 Läden, im eigenen Land vor.

Der chinesische Markt für Sexartikel (Toys, Potenzmittel, Medizin) wächst nach Angaben des „China Sex Health Committees“ mit Steigerungsraten von jährlich etwa 30 Prozent und hatte schon im Jahr 2003 offiziellen Schätzungen zufolge ein Volumen von mehr als 12 Milliarden Euro. Bejing`s erster Sexshop wurde 1992 eröffnet. 2005/6 gab es bereits ca. 2000 „Läden für Erwachsenengesundheit“ in Bejing und weitere 2500 in Shanghai. Nach einer unbestätigten Einschätzung sollen 2004 bereits über 10.000 chinesische Unternehmen in der Sexprodukt-Industrie involviert gewesen sein. Seit dem Jahrtausendwechsel haben sich in China mehrere Sexmessen und Traderveranstaltungen etabliert. Dazu gehört das „China Sex Culture Festival“ in Guangzhou, die „Adult-Care Expo“, die 2004 erstmals in Shanghai veranstaltet wurde und die „Sex Products Expo“ in Fenghua.

„Sex toys are China’s latest booming industry“, The Guardian, Shenzhen, China, Sunday, Jun 26, 2005

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,312545,00.html

http://www.counterpunch.org/rosen12022006.html
„The Global Trade in Sex Toys made in China“ David Rosen, December 2 / 3, 2006

www. salon.com / 02.12. 2003 | “Even in China, sex sells”

Konkubinat, Frauenmangel, Aids und Landflucht – die wachsenden Prostitutionsmärkte Chinas

Die Prostitution kann in ihren vielfältigen Erscheinungen im asiatischen Kulturraum, gerade auch in China, auf eine lange Tradition zurückblicken. Nach Reiseberichten des Italieners Marco Polo soll es im 13.Jh. alleine in der Kaiserhauptstadt Peking über 20 000 Prostituierte gegeben haben. Die Anzahl der Prostituierten allein im Raum des kapitalistischen Shanghais betrug im Jahr 1920 insgesamt 60 141, wobei in der Statistik in vier verschiedene Kategorien unterschieden wird: vom „1.Rang“, der Edelprostituierten (1200) bis zum „4.Rang“ der gewöhnlichen Straßenprostituierten (21 315).

Nachdem die Kommunisten 1949 in China an die Macht gekommen waren, wurden noch im gleichen Jahr massiv gegen die Prostitution vorgegangen. In der chinesischen Propaganda galt die Prostitution als eine „verrottete Frucht und Übel des Kapitalismus“. In Beijing, z.b. wurden 224 bekannte Bordelle geschlossen und insgesamt 1286 Prostituierte und 424 Bordellbesitzer und Zuhälter verhaftet. In Shanghai wurden zwischen 1950 bis 1955 5333 Prostituierte verhaftet. Die neue Regierung versuchte die sozioökonomischen Ursachen der Prostitution, wie Landlosigkeit, hohe Verschuldung, hohe Mieten und Abgabeforderungen und die allgemeine Armut zu bekämpfen. Den betreffenden Frauen wurde eine kostenlose medikamentöse Behandlung gewährt in Zusammenhang mit begleitenden Umschulungsmaßnahmen, die es ihnen ermöglichen sollte sich eine andere Arbeit zu suchen. In den 50er Jahren wurde dann verkündet es gebe im „Neuen China“ keine Prostitution mehr und in den frühen 60ern folgte die Proklamation, dass die Geschlechtskrankheiten so gut wie ausgerottet seien.

Die Rückkehr der Prostitution in der Volksrepublik China begann 1978 mit der Liberalisierung der chinesischen Wirtschaftspolitik durch Deng Xiaoping. Aus den unvollständigen Statistiken, die auf landesweiten Razzien basieren, ist ersichtlich das die Prostitutionsrate in China seit 1982 jährlich ansteigt.. Anfang der 80er Jahre taucht das Problem der Prostitution wieder in den Statistiken und Polizeiberichten auf, nachdem 1981/2 Bezirksregierungen erneut zur entschlossenen Bekämpfung der Prostitution aufgerufen hatten. Infolge dieser Kampagne wurden über 300 Bordelle geschlossen und über 11 000 Personen im Zusammenhang der polizeilichen Maßnahmen als „in der Prostitution involviert“ registriert. Die Repressionen gegen Prostituierte verschärften sich zum Ende der 80er Jahre unter dem Eindruck der Aids-Gefahr erheblich, so wurden alleine in der Provinz Canton 1987 über 7000 Prostituierte verhaftet.

Die chinesische Polizei soll die Prostituierten nach ihrer sozialen Hierarchie und ihren Praktiken in sieben verschiedene Stufen kategorisieren. Zu der obersten Stufe gehören die sogenannten „zweiten“, sowie die „verpackten Ehefrauen“, die die lange chinesische Tradition des Konkubinats widerspiegeln oder aber dem modernen Callgirl entsprechen. Zu ihrem Kundenklientel gehören einflussreiche Personen aus Politik und Wirtschaft, sowie Geschäftsleute aus Übersee. An dritter Stelle stehen Frauen, die ihre Dienstleistungen an öffentlichen Orten des Vergnügungsgewerbes wie Diskotheken, Bars, Restaurants und Teehäusern anbieten. Für ein geringes Entgelt leisten sie Männern Gesellschaft beim Trinken, Tanzen und Karaoke-Singen, weitergehender Service wird dann extra berechnet. Die Bezahlung erfolgt z.T. direkt durch den Kunden und über einen Anteil an den Einkünften durch Getränke- und Essenskonsum und anderen Einrichtungen, wie z.b. Karaokeautomaten. Als nächstes folgen die Frauen, die ausschließlich im Hotelgewerbe der Prostitution nachgehen, gefolgt von den „Schwestern des Friseursalons“ – Frauen, die in Friseur- und Massagesalons, Saunen, Badehäusern und Fitnesscentern ihre Dienste, zu denen überwiegend Oralsex und Masturbation gehören, anbieten. Die sechste und siebte Stufe charakterisieren die Straßenprostitution in ihrem sozialen Gefälle, welche am unteren Ende im Austausch gegen Naturalien angeboten wird. Vor allem die gehobene Prostitution sorgt in China für intensive öffentliche Diskussionen, da sie oft im Zusammenhang mit Bestechung und Korruption innerhalb des Staatsapparates und der Wirtschaft steht. Aber auch Frauenvereine wie die feministische „All-China Women’s Federation“ setzt sich gegen diese Form der Prostitution, bzw. des Konkubinats ein, da sie die emotionale und ökonomische Sicherheit des Ehevertrags verletzt.

Im alten chinesischen Heiratssystem war es dem Mann erlaubt eine unbegrenzte Anzahl von Frauen zu heiraten, wie auch das Konkubinat weit verbreitet war. Die Form der chinesischen Vielehe ist in Hongkong beispielsweise seit 1971 illegal, seitdem wird nur die christliche Form der monogamen Heirat akzeptiert. Das Konkubinat hingegen blieb unter dem britischen Gesetz legal. 1996 wurde geschätzt, das von den ca. 2 Millionen verheirateten Paaren, ungefähr 300 000 Ehemänner zusätzlich Konkubinen in Festlandchina unterhielten. Die chinesische Regierung versucht aufgrund des negativen Einflusses des Konkubinats auf die Familienpolitik mit ihrer „Ein Kind pro Familie“-Doktrin gegen dieselbe vorzugehen und sie zu reduzieren. Dies gestaltet sich aufgrund der ökonomischen Situation – einerseits boomende freie Märkte in den Wirtschaftszentren wie Shanghai und Hongkong und einer neuen Elite die an dem Wirtschaftswachstum partizipieren und andererseits eine wachsend Armut in den ländlichen Regionen die zu einer millionenfachen Landflucht geführt hat – als äußerst schwierig. In dieser Situation stellt das Konkubinat oft eine annehmbare Lebensperspektive zu den ärmlichen Verhältnissen einer Land- oder Fabrikarbeiterin dar. Dies hat wiederum zu der Herausbildung dementsprechender Märkte geführt, wo die Verhältnisse zwischen Konkubinat und Prostitution oft fließend sein können. Anwerber reisen durch das Land und rekrutieren junge Frauen, die nur allzu gerne bereit sind ihren ärmlichen Verhältnissen zu entfliehen. Es soll regelrechte Konkubinendörfer geben, wo erfolgreiche Geschäftsmänner für umgerechnet $200 monatlich sich eine „Zweitfrau“ und ihren Unterhalt leisten können. Ein weiteres Problem ist die chinesische Praxis der Arbeitsgenehmigungen. Da die chinesische Regierung die Landflucht mithilfe von Arbeitsgenehmigungen einzudämmen versucht, die es den betroffenen Personen nur erlaubt innerhalb eines gewissen Radius von ihrem Geburtsort legal zu arbeiten, stellt das Konkubinat für viele Frauen die einzige Möglichkeit dar, mit der Unterstützung „ihres Mannes“ ihre Heimatregion ohne eine Arbeitsgenehmigung zu verlassen.

Um die rasch wachsenden Konkubinats-Märkte mit ihren negativen Auswirkungen für die politischen Planungsvorgaben besser kontrollieren zu können, ist man in einigen Provinzen inzwischen zu einer verschärften Gesetzesregelung übergegangen. In Shenzhen, einer Region in direkter Nachbarschaft zu Hongkong, wurde 2000 ein Gesetz verabschiedet, welches andauernde Bigamie mit Gefängnis bis zu 10 Monaten unter Strafe stellt. Bei einem weiteren Gesetz, das die ganze Guangdong-Provinz betrifft, gilt eine langandauernde Beziehung zwischen nichtverheirateten Paaren inzwischen als ein Verbrechen, welches mit bis zu 2 Jahren Arbeitslager bestraft werden kann.

Bis zu den 1980er Jahren beschäftige sich der Nationale Volkskongress nicht mit dem Thema Prostitution. Das erste Strafrecht der Volksrepublik China, das “Criminal Law and Criminal Procedure Law“ von 1979 enthielt keine ausdrücklichen Anmerkungen zur Prostitution. Die rechtliche Kontrolle der Prostitution basierte bis zur Einführung der „Security administration punishment regulations“ von 1987 auf provinziellen Gesetzen und örtlichen Initiativen der Polizei. Nach dem neuen Gesetz galt es als Straftat, sexuelle Dienstleistung zu verkaufen oder solche von einer Prostituierten in Anspruch zu nehmen. Als Reaktion auf die Anfragen des Ministeriums für öffentliche Sicherheit und der „All-China Women’s Federation“ verabschiedete der Nationale Volkkongress 1991 eine Gesetzesregelung, welche die Kontrollen der Prostitution erheblich erweiterte und den Menschenhandel von Frauen und Kindern und die damit zusammenhängende Zwangsprostitution unter harte Strafen stellte.

Mit einer Überarbeitung des Strafrechts im Jahr 1997 wurde es zum ersten Mal möglich, in Fällen von organisierter Prostitution oder besonders schweren Begleitumständen, wie Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung, die Todesstrafe zu verhängen. In den letzten Jahren sind aufgrunddessen einige lebenslange Haft- und sogar Todesstrafen- wegen Zuhälterei verhängt worden. So wurde z.b. ein 2003 verhafteter Hauptangeklagter eines organisierten Rings, der in der Provinz Fujian eine Kette von Kasinos und Bordellen kontrollierte, 2005 hingerichtet. Außerdem wurde das Strafmaß für Personen, die wissentlich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit infiziert sind und trotzdem sexuelle Dienstleistungen anbieten oder in Anspruch nehmen, verschärft. Das Strafrecht von 1997 übernahm weitgehend einen Regelkatalog, der darauf abzielt die kommerzielle Vergnügungs- und Erholungsbranche, in der viele Prostituierte verdeckt ihrem Gewerbe nachgehen, zu kontrollieren und reglementieren. Dieser Maßnahmenkatalog wurde durch die Einführung lokaler Lizenzierungsmaßnahmen noch verstärkt und sollte so verhindern, das Gewerbetreibende dieser Branche direkt oder indirekt von der Prostitution profitieren, bzw. sie fördern. Seit 2003 wird auch männliche homosexuelle Prostitution nach dem Gesetz verfolgt.

Wegen der  olympischen Spielen musste seit Ende 2005 in Peking jeder Hausbesitzer einen „Sicherheitsvertrag“ mit der örtlichen Polizei unterschreiben und in Zukunft kontrollieren, welchem Geschäft ihre Mieter nachgehen. Wenn Vermieter Prostitution oder illegalen Handel bei den Behörden nicht anzuzeigen, drohten Geldstrafen in Höhe von bis zu zehn Monatsmieten. Anfang 2006 trat ein vom Volkskongress verabschiedetes Gesetz in Kraft, wonach jeder, der in der Öffentlichkeit Kunden für sexuelle Dienstleistung wirbt, mit einer Bußgeld- oder Gefängnisstrafe bestraft werden kann.

Chinas Sexindustrie ist in den letzten 25 Jahren enorm gewachsen. Es wird von einer Anzahl von 6 bis 8 Millionen Prostituierten ausgegangen und der Umsatz der Sexindustrie, die aufgrund ihres illegalen Status eine Schattenwirtschaft ist, wird nach konservativen Schätzungen auf 30 Billionen Yuan veranschlagt. Nach Zhong Wei, dem Autor des Buches „The Sex Industry”( 2000), soll die Sexindustrie bereits 1998 einen Anteil von ca. 12% an dem chinesischen Bruttosozialprodukt gehabt haben. Als in der zweiten Hälfte von 1999 die staatlichen Maßnahmen zur Regulierung von Vergnügungsstätten im Rahmen einer Anti-Prostitutionskampagne durchgesetzt wurden fiel das Bruttosozialprodukt vorübergehend um 1%

Die Schätzung des UNO-Gesundheitsprogramms Unaids geht von einer Anzahl von 6 Millionen chinesischer Prostituierter aus, die umgerechnet über drei Milliarden Euro erwirtschaften. Es gibt allerdings kaum abgesicherte Daten über die chinesische Sexindustrie. Eine Möglichkeit sich einen Einblick zu verschaffen stellen die Daten zu den „Kampagnen gegen die Untugend“ , die seit 1999 verstärkt in den großen Städten durchgeführt werden. 1999 wurden 6000 Friseurgeschäfte, Bäder und andere Etablissements Ziel dieser Kampagne. Jedes größere Bordell soll in China bis zu 100 Prostituierten Platz geben, während in den sogenannten Friseursalons bis zu 10 Frauen der Prostitution nachgehen. Alleine in Beijing wird von ca. 200.000 – 300.000 Prostituierten ausgegangen. In der Region Shenzhen wird die Prostitution in bestimmten Regionen weitgehend toleriert, so dass ganze Straßenzüge mit sogenannten Karaoke-Bars und Massagesalons entstanden sind, wo die Frauen sich teilweise über die Schaufenster der Läden den männlichen Kunden anbieten.

Die Situation von Sexarbeiterinnen ist nach wie vor geprägt von einem hohen Grad an Stigmatisierung und Diskriminierung. Es gibt wenige regierungsunterstützte Projekte, die sich konstruktiv mit dem Problem Prostitution/ AIDS befassen, stattdessen werden betroffene Frauen oft in Erziehungs- und Arbeitscamps eingewiesen. Der Gebrauch von Präservativen bei Prostituierten wird dadurch erschwert, dass die Polizei bei Razzien Kondome als Beweismittel für illegale Prostitution ansieht, außerdem ist die Akzeptanz von Kondomen bei den männlichen Freiern sehr gering, so dass die Frauen mit ungeschütztem Sex bis zu 60% mehr verdienen sollen. Aufgrund der Illegalität der Prostitution in China und der periodisch durchgeführten Anti-Prostitutionskampagnen kommen die HIV/Aids-Präventionsprogramme nicht zur Entfaltung, da die Frauen eine Verfolgung durch die Polizei und die soziale Stigmatisierung befürchten. In China soll die Anzahl HIV-Infizierten jährlich um 40% steigen. Pessimistische Prognosen gehen davon aus, dass sich die aktuellen Zahlen von 840.000 – 1,5 Mio. AIDS-Infizierten (bei 80.000 direkt Erkrankten) im Jahre 2010 auf 10 Millionen erhöhen wird, sofern keine wirksamen Gegenmaßnahmen, wie z.b. eine Dekriminalisierung der Prostitution bei gleichzeitiger mediatorischer Präventation, zum Zuge kommen.

Eine Eindämmung des Prostitutionsgewerbes ist aufgrund der demographischen Entwicklung nicht zu erwarten: die anhaltende Landflucht und das zu erwartende statistische Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern werden die Problematik eher noch verschärfen. Vor 1985 kamen laut der Statistiken nur 3% der wegen Prostitution verhafteten Frauen aus ländlichen Gebieten. 1999 sollen es bereits 62% gewesen sein. Zwischen 1980 und 1992 migrierten ca. 112 Millionen Chinesen auf der Suche nach Arbeit in die Städte und Sonderwirtschaftszonen. Über die Hälfte von ihnen waren Frauen im Alter zwischen 15-40 Jahren. Diese „floating population“, die je nach den Bedingungen des Arbeitsmarkts von Region zu Region wechseln, sollen inzwischen ein Potential von ca. 80-100 Millionen Menschen stellen. Ende 2005 veröffentlichte das „Nationale Büro für Statistik“ Daten zur Wirtschafts- und Sozialentwicklung. Demnach erhöhte sich das Monatseinkommen chinesischer Stadtbewohner um 8,4 Prozent auf 4719 Yuan (654 Euro) während es auf dem Land um 1,8 Prozent auf 1500 Yuan (208 Euro) sank.

Aufgrund der 1-Kind-Politik und der traditionellen Bevorzugung männlicher Nachkommen hat sich durch Abtreibungen und Säuglingstötungen die Zahl der weiblichen Chinesen drastisch reduziert. Diese Entwicklung hat sich in den 80er Jahren mit dem Aufkommen von billigen, tragbaren Ultraschallscannern verschärft, die eine Untersuchung des Geschlechts des Fötus für eine große Zahl von Chinesinnen ermöglichte, was dann zu einer dementsprechenden hohen Abtreibungsrate von weiblichen Föten führte. Inzwischen ist eine sex-selektive Abtreibung in China strengstens verboten. Dieses zahlenmäßige Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern gilt neben Aids und anstehenden Umweltproblemen als eines der zukünftigen Hauptprobleme Chinas. In absehbarer Zeit (2020), je nach demographischer Entwicklung, werden in China zwischen 40-60 Millionen Frauen fehlen mit dementsprechenden Auswirkungen auf Chinas Prostitutionsindustrie und den Menschenhandel.

In China wird der Wert eines Menschen nicht nach westlichen Maßstäben bemessen. In ländlichen Regionen Chinas ist die vor der Revolution übliche Praxis des Brautkaufs wieder zurückgekehrt. In vielen Fällen arbeiten die Frauen mit diesen „Heiratsvermittlern“, in der Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebenssituation, zusammen. Aber oft werden Frauen unter falschen Versprechen rekrutiert oder regelrecht gekidnappt und verkauft. In den Jahren 1991 – 96 befreite die chinesische Polizei 88.000 Frauen und Mädchen aus solchen Zwangsituationen und verhaftete 143.000 Personen die an diesen modernen Sklavenhandel beteiligt waren. Allein im Zeitraum 2001-2003 registrierte die chinesische Polizei mehr als 42.000 Fälle von Menschenhandel von Frauen und Kindern. Vor allem sind zwar die armen Regionen von Yunnan, Sichuan und Guizhou hiervon betroffen, aber mit der Herausbildung solcher Märkte folgt das Geschäft seiner eigenen Dynamik. So sollen 12-18-jährige chinesische Mädchen in der thailändischen Sexindustrie sehr gefragt sein und unter ähnlichen Verhältnissen soll es auch einen regelrechten Handel mit Frauen aus der Ukraine und Russland geben.

http://my.opera.com/PRC/blog/show.dml/807481
„Aids in China: Discourses on Sexuality and Sexual Practices” /09.03.2007

http://www.unchina.org/unaids/enews5.html

http://www.usembassy-china.org.cn/sandt/sex-industry.html
„A close look at China´s Sexindustry” von Zhong Wei, 02.10.2000

http://www.spiegel.de/panorama
„Chinas sinnloser Kampf gegen den Sex“ von Annette Langer, 28.09.2005

http://de.wikipedia.org/wiki/Prostitution_in_der_Volksrepublik_China

http://www.cwa.tnet.co.th/cwa-publications.html

Triaden – zwischen traditionellen Geheimgesellschaften und organisierter Kriminalität

Die Geschichte Chinas ist eine Geschichte von autoritären Dynastien und von Geheimgesellschaften, die oft die einzige Möglichkeit zur Opposition im bestehenden System boten. Der Konfuzianismus, der die verpflichtende Solidarität innerhalb des Familienverbandes betonte, begünstigte die Entstehung solcher Männerbünde, die sich über die Familie und den Clan oder über die Orts- und Sprachzugehörigkeit entwickelten. Diese Gesellschaften schufen ein dichtes Beziehungskonzept und Sicherheitsnetz für alle Beteiligten und entwickelten sich bald zu mehr als orts- und verwandtschaftsgebundene Interessengemeinschaften. Da diese Organisationen sich über die Lineage und die Sprachzugehörigkeit entwickelten, war es für Außenstehende schwer Zugang zu diesen Strukturen zu erhalten. Ein Großteil der heutigen Triaden beziehen ihre historischen Wurzeln überwiegend auf die jüngere chinesische Geschichte – auf die der letzten Dynastie, der Qing-Dynastie. Sie wurde von den Manchu, die aus Nordchina kamen, begründet, die die vormals herrschenden Ming ablösten und in einer Art und Weise regierten, die von der Mehrheit der Chinesen, den Han, als Fremdherrschaft wahrgenommen wurde. Unter dem zweiten Herrscher der Qing wurden alle Geheimgesellschaften, wie auch die religiösen Organisationen der Taoisten und Buddhisten verboten und ihre Klöster geschlossen.

Bis 1700 entstanden darauf eine Vielzahl neuer Geheimgesellschaften, die- politisch intendiert – sich für Reformen und Religionsfreiheit einsetzten und sich als Anhänger der Ming-Dynastie, bzw. als chinesische Nationalisten verstanden. Die bekannteste dieser Gesellschaften war die Hung-Gesellschaft, die unter dem Namen „Heaven&Earth-Society“ firmierte. Das Symbol dieser Gesellschaft „Hung“ ist ein Triangel, welches die Einheit von Himmel, Erde und Mensch symbolisiert und welches schließlich Pate für die Namensgebung seitens der britischen Kolonialregierung in Hongkong stand, die die chinesischen Geheimgesellschaften seitdem als „Triaden“ klassifiziert. Aktuell soll es nach Erkenntnissen der Hongkonger Polizei zufolge rund 50 Triaden mit 80.000 Mitgliedern geben, von denen aber nur 15 Gruppierungen als kriminell eingestuft werden.

Viele dieser Gesellschaften waren zwar deutlich auf kriminelle Aktivitäten ausgerichtet, bzw. entwickelten sich in diese Richtung, aber diese moderne westliche Klassifikation entspricht nicht der Realität des chinesischen Konzeptes dieser Gesellschaften. Diese als „Guanxi“ bezeichneten Beziehungsnetzwerke stellen ein elementares Konzept der sozialen Organisation in der chinesischen Gesellschaft dar. Es gibt viele Organisationen die der Struktur von Gewerkschaften und Unternehmerverbänden ähnlich sind oder welche die einen bestimmten Kampfsportstil repräsentieren. Viele stellen eine Kombination all dieser Elemente dar.

Triaden sind, ähnlich wie die Yakuza, patriarchal organisierte Männerbünde mit einer klar hierarchischen Struktur. Die Aufnahme der einzelnen Mitgliedern erfolgt nach einen ritualisierten Aufnahmecodex. Dies rituelle Initiation soll sich aus verschiedenen religiösen wie historischen Quellen ableiten: dem Taoismus mit seinen alchemistischen Vorstellungen von Naturmagie, dem Buddhismus und konfuzianischen Vorstellungen. Die ursprüngliche traditionelle Initiation soll zwischen 6-8 Stunden gedauert haben. Das Aufnahmeritual repräsentierte eine Art Wiedergeburt des Initianden in die Gesellschaft der Triade, wo verschiedene Episoden der Geschichte der Triade symbolisch nachvollzogen wurden. Dies beinhaltete u.a. rituellen Tanz, ein Blutritual, sowie das Nachsprechen von festgelegten Sprachformeln, wie den bekannten „36 Schwüren“.

Inzwischen sind diese Aufnahmerituale in vielen Fällen auf wenige Elemente reduziert und verkürzt worden. Gerade bei Triaden in ihrer Nennung als kriminelle Organisation hat sich dieses Ritual oft auf eine 15-minütige Zeremonie verkürzt, bei der die Aufnahmekandidaten nur die 36 Schwüre nachsprechen. Die Hierarchie innerhalb einer Triade ist gekennzeichnet von einem paternalistischen Konzept zwischen dem „Dai-Lo“, dem „Großen Bruder“, der Protektion, Arbeit und Schutz bietet und dem „Sai-Lo“, dem „jüngeren Bruder“ von dem im Gegenzug Loyalität, Gehorsam oder Geldzahlungen erwartet werden.

Die Geschichte des Aufstiegs der Triaden zu international agierenden kriminellen Organisationen steht im direkten Zusammenhang mit der Neuzeit der Chinesen – der Kolonialpolitik, sowie der wechselvollen politischen Geschichte des Landes. Traditionelle Geschäftsbereiche der kriminellen Triaden waren u.a. der Opiumhandel, die Prostitution, Schutzgelderpressung und das illegale Glücksspiel. Bereits im 19. und frühen 20. Jh. gehörten der Betrieb von Musik- und Gesanghäusern, sowie von Bordellen in allen großen chinesischen Städten zum traditionellen Geschäftsbereich dieser Gesellschaften. Shanghai und Hongkong waren zu dieser Zeit Zentren der Vergnügungsindustrie und des Bordellwesens. Mit der Auswanderung von Chinesen im 19. Jahrhundert in den Osten Amerikas und nach Südostasien zogen die Triaden mit, so dass sich früh eine internationale Struktur von Sozial- und Geschäftsbeziehungen entwickeln konnte. So hat in anderen Ländern, wie z.b. den USA, ein dementsprechendes Prostitutionsgewerbe eine 150 Jahre alte Tradition, die auf die Zeit zurückging, als die eingewanderten Chinesen überwiegend männlich waren und aufgrund der ethnischen Barrieren keinen Kontakt zu andersrassigen Frauen bekamen oder wollten.

Ab 1772 begannen die Briten, ausgehend von ihrer Kolonie Indien, Opium nach China zu verkaufen. Der Opiumhandel war in China bereits seit 1729 verboten, so dass als Handelspartner für die europäischen Kolonialmächte, die im Drogenhandel involviert waren, nur verschiedene Triadenorganisationen in Frage kamen. Sie übernahmen den Schmuggel, die Lagerung, die Verteilung und den Verkauf des Opiums von den Hafenstädten in das chinesische Binnenland über ihre Netzwerke, die mit der Intensivierung des Handels und den damit verbundenen Gewinnen enorm ihre Macht und Einflusssphären erweitern konnten. Auf Seiten der Briten war die Firma Jardine, Matheson & Co tonangebend in diesem Geschäft. Sie weitete ab 1821 den Handel, der zunächst nur über den einzigen für Europäer geöffneten Hafen in Kanton abgewickelt wurde, auf weitere Hafenstädte aus und ignorierten dabei die chinesischen Verbote.

Ab 1840 erzwang die britische Regierung mit dem Opiumkrieg die Öffnung Chinas für seine Opiumexporte, das 1842 Hongkong abtreten und fünf weitere Hafenstädte, darunter Shanghai für den Handel öffnen musste. 1858 wurde China gezwungen seine Häfen unkontrolliert zu öffnen, die Freiheit des Handels mit allen Produkten zu garantieren und alle Ausländer unkontrolliert einreisen zu lassen.  1880 soll es ca. 20 Millionen chinesische Süchtige gegeben haben, deren Bedarf durch Opiumimporte in Höhe von 6.500 Tonnen gedeckt wurde. Aufgrund dieser Verhältnisse begann man Opium im eigenen Land anzubauen, so dass die chinesische Eigenproduktion um die Jahrhundertwende 22.000 Tonnen betrug, während der britisch-indische Importanteil auf 3.500 Tonnen zurückging.

Zu dieser Zeit wurden Morphin und später das Bayerprodukt Heroin zur „Heilung“ der Opiumsucht verwendet, ein Geschäft an dem auch deutsche Unternehmen über die Kolonie Tsingtau erheblich beteiligt waren. Der Hauptumsatz wurde mit sogenannten Anti-Opiumpillen erzielt. Seit 1880 wurde massiv Morphin importiert und seit 1900 Heroin. 10.000 Pillen wurden hergestellt aus zwei Unzen (31 Gramm) reines Heroin(ein Produkt des Chemieunternehmens Bayer), 1/2 Unze Strychnin, einer Unze Quinnin, fünf Unzen Coffein, 48 Unzen Milchzucker und zehn Unzen Zucker. 1927 lieferten beispielsweise die I.G.-Farben mit einer einzigen Bestellung fast 1,5 Tonnen Strychnin.

Die Hafenstadt Shanghai entwickelte sich zu der Hauptstadt des mondänen Nachtlebens, der Prostitution und des Glückspiels und wurde die Operationsbasis derjenigen Triaden, die maßgeblich am Opiumgeschäft beteiligt waren. Eine dieser Geheimgesellschaften arbeitete unter der Führung von Chang Hsiao-lin mit der britischen Firma Jardine, Matheson & Co zusammen, eine andere, unter der Führung von Hu-ang, tat dies gleichermaßen mit den französischen Interessengruppen. Vermittler dieser beiden Triaden war Tue Yueh Sheng, der in den 1910er und 20er Jahren als einer der uneingeschränkten Herrscher der Shanghaier Unterwelt galt. 1925/6 vereinigten diese drei Triadenoberhäupter ihre Organisationen, traten in die Kuomintang ein und unterstützten deren neuen Führer Chiang Kai-shek. Dieser verwandelte das Opiumverbot in ein Staatsmonopol, dessen erste Lizenzträger die drei genannten Triadenführer wurden. Das Monopol brachte der Kuomintang-Regierung innerhalb eines Jahres einen Gewinn von 40 Millionen Dollar ein, musste aufgrund des Druckes der ausländischen Mächte aber Ende 1928 wieder aufgehoben werden. Diese Triaden waren nicht nur in kriminellen Sektoren aktiv, sondern durch ihre Zugehörigkeit zur Kuomintang auch deutlich politisch positioniert und wurden oft herangezogen um Treffen und Streiks der organisierten Arbeiterschaft zu zerschlagen. Sie waren direkt an dem chinesischen Bürgerkrieg auf Seiten der weißen Truppen Chiang Kai-Sheks beteiligt und sollen für das Massaker an ca. 5000 kommunistischen Arbeitern im April 1927 in Shanghai verantwortlich gewesen sein. In Konsequenz dieser Beteiligung wurde Tue Yuesheng einem der Führer dieser Triade von  Chiang Kai-Shek der Rang eines Generals in der Armee der Nationalisten verliehen.

Während des zweiten Weltkrieges, als viele der chinesischen Hauptstädte von Japan okkupiert wurden und Hongkong nach zweiwöchigen Kampf von den Briten aufgegeben wurde, arbeiteten einige Triaden mit der Militärbesatzung zusammen. In Hongkong sollen Triaden kriminelle Unternehmungen für die Japaner betrieben haben, als inoffizielle Polizeitruppe Ordnungsaufgaben wahrgenommen und anti-japanische Aktivitäten unterdrückt haben. Viele der Triaden standen aber auf der Seite der chinesischen Einheitsfront gegen die Japaner, aus deren Zeit auch Maos Appell an die Triade der Gelaohui bekannt ist. Bereits in den politisch instabilen Zeiten der 20er und 30er Jahre galten die Geheimgesellschaften mit ihrer zur derzeit noch existierenden ländlichen Basis als umworbene Verbündete. Mitglieder der kommunistischen Partei ließen sich bei der Gelaohui (Gesellschaft der älteren Brüder) und anderen Triaden initiieren. Einigen Parteimitgliedern galt die Organisationsstruktur der Geheimgesellschaften sogar als Vorbild für die Parteizellen.

Nach dem Sieg der Kommunisten unter Mao Tse Tung 1949 wurden die Mitglieder der Triaden die Chiang Kai-Shek unterstützt hatten, verfolgt verhaftet und oft exekutiert. Viele flüchteten nach Hongkong, Macao, Thailand, Taiwan und nach westlichen Großstädten wie San Francisco und Vancouver, wo bereits Verbindungen bestanden. Ein Teil der ehemaligen nationalistischen Armee, der Kuomintang, flüchtete nach Burma, von wo sie den Drogenschmuggel über Bangkok /Thailand in den Westen organisierten. Die Triaden, die bereits traditionell die Produktion und den Handel mit Opium organisierten, entwickelten sich mit der Basis des sogenannten „Goldenen Dreiecks“ zwischen Thailand, Laos und Myanmar, zu den weltweit größten Produzenten und Lieferanten von Heroin für die westlichen Industrieländer. 1995 soll nach offiziellen Schätzungen 60% der weltweiten Gesamtproduktion aus dem goldenen Dreieck gekommen sein, welches zu mehr als 50% in Richtung USA über New York verbracht wurde. In Europa war Amsterdam der wichtigste Importhafen.

Nach der Machtübernahme der kommunistischen Partei 1949, wurde in China die organisierte Kriminalität massiv bekämpft und unter eine strenge Strafverfolgung gestellt, so dass die Triaden zur Weiterführung ihrer Geschäfte in die britische Kolonie Hongkong auswichen, wie auch viele Kapitalisten aus Shanghai ihre Reichtümer in die britische Kronkolonie retteten. Bereits 1931 gab es in Hongkong 8 wichtige Triaden, die die Stadt je nach ethnischer Gruppierung in verschiedene geographische Areale aufgeteilt hatten. Dort wurden erst 1956 seitens der Regierung schärfere Gesetze durchgesetzt, mit deren Hilfe die Aktivitäten der Triaden eingeschränkt werden konnten.

1841 trat China nach dem verlorenen Opiumkrieg die Insel Hongkong an Großbritannien ab. Es folgten noch im 19.Jh. mehrere Vertragsregelungen, die das britische Territorium erweiterten und bis 1997 das britische Mandat mittels eines Pachtvertrages sicherten. Am 01.07.1997 endete die 156-jährigen britischen Kolonialherrschaft. Seitdem befindet sich die Sonderverwaltungsregion Hongkong im Herrschaftsbereich der Volksrepublik China  Eine Besonderheit Hongkongs war die Walled City, eine Enklave inmitten von Kowloon, auf der sich früher kaiserliche Festung befand, deren Mauern während des 2. Weltkrieges von den Japanern niedergerissen worden waren. Obwohl im Pachtgebiet, blieb sie chinesisches Territorium, unterlag also nicht der britischen Rechtsprechung. Aus diesem Grund kamen viele chinesische Flüchtlinge nach 1949 in die Walled City. Ohne Jurisdiktion und ohne Kontrolle von außen entwickelte sich die Walled City zu einer sich selbst regierenden Gemeinschaft, in welcher Mitte der 80er Jahre 35.000 Menschen lebten. Berüchtigt war die Walled City vor allem in den 60er Jahren als Hort der organisierten Kriminalität, der Prostitution, des Drogenhandels und der Fälscherwerkstätten. 1984, nach der Unterzeichnung der chinesisch-britischen Vereinbarung über die Zukunft Hongkongs, erteilte die Pekinger Regierung die Erlaubnis die Walled City abzureißen. Ende 1992 wurde der Stadtteil  systematisch geräumt und dann gesprengt.  1993 war diese exterritoriale Insel vom Stadtplan verschwunden.

In den 1990ern soll es in Hongkong 50 verschiedene Triaden gegeben haben mit insgesamt 80.000 Mitgliedern. Von diesen Gesellschaften wurden 15 als hochorganisiert und kriminell aktiv eingestuft. Zwei der bekanntesten und größten Triaden sind die 14K-Triade und die Sun Yee On. Die 14K wurde zum Ende des chinesischen Bürgerkriegs in Guangzhou als antikommunistische, militaristische Organisation gegründet, deren Mitglieder nach der Machtübernahme Mao Tse Tungs nach Macau, Taiwan und Hongkong flüchteten. Sie galt Mitte der 90er Jahre als eine der größten und weltweit operierenden Triaden. Die Sun Yee On gilt mit einer angenommenen Mitgliederzahl von 25.000 als eine der führenden Triaden Hongkongs, die weitergehend in europäischen Ländern und auf dem chinesischen Festland, in der Provinz Guandong aktiv ist. Sie wurde 1919 von Chiu Chow, bzw. Heung Chin gegründet. Nach der Rückgabe Hongkongs an China 1997 wurden Mitglieder der Sun Yee On persönlich vom chinesischen Minister für die öffentliche Sicherheit in Beijing empfangen, der die Mitglieder dieser Hongkong-Triade deutlich als chinesische Patrioten bezeichnete.

Im Gefolge der chinesischen Kulturrevolution und der westlichen Protestbewegungen kam es in Hongkong in den 1960er Jahren zu gewalttätigen sozialen Konflikte, die massiv unterdrückt wurden.
In diesem Zusammenhang kam es zu einer weitgehenden Zusammenarbeit zwischen Triaden und der Polizei mit dem Ziel den kommunistischen Einfluss zurückzudrängen, die ihren Höhepunkt in der Revolte im Jahr 1967 hatten, die brutal niedergeschlagen wurde. Während dieser Zeit knüpften viele Triaden enge Kontakte mit Polizeibeamten und als eine Konsequenz dieser Entwicklung stieg die Korruption unter der Hongkonger Polizei in den 60er und 70er Jahren stark an. Zwischen den Banden und der Polizei entstand ein Verhältnis gegenseitiger Kooperation, welches den Triaden einen vergleichbaren Position gab, wie der semilegale Status der japanischen Yakuza. Die Polizei kontaktierte oft die Gangführer der betreffenden Stadtteile damit sie bei der Aufklärung von Verbrechen behilflich waren und war an den Absprachen der Territorialregelung der verschiedenen Gruppen beteiligt.

In dieser Situation entwickelten sich die Triaden zu einer Art Garant für die soziale Ordnung in Hongkong, bzw. sie waren zwischen der Polizeitruppe der Kolonialmacht und der Bevölkerung zwischengeschaltet. Dies änderte sich 1974, als die „Independent Commission Against Corruption (ICAC)“ in Hongkong gegründet wurde, die verstärkt gegen die Korruption im Polizeiapparat vorging und den Einfluss der Triaden zurückdrängte. Diese verstärkten, nachdem viele ihrer früher geduldeten, halblegalen Geschäftsbereiche inzwischen sanktioniert wurden, ihre „nicht-öffentlichen“ Aktivitäten. Hongkong entwickelte sich bis zur Rückgabe an China zur Drehscheibe für pornographische Waren und Sex Toys im pazifischen Raum  und wurde zum Hauptproduzenten für Hard- und Softcore-Produktionen, welche die Märkte in Taiwan, Korea und Japan abdeckten.

Die ersten chinesischen Freihandelszonen, die unter Deng Xiao Ping eingerichtet wurden, lagen, wie Shenzhen, in direkter Nachbarschaft zu Hongkong, welches sich dadurch vorübergehend zum Dreh- und Angelpunkt für den Handel zwischen China und der Welt entwickelte. Infolge dieser Entwicklung sind seit den 1980er Jahren fast alle Produktionsbetriebe aus Hongkong nach China abgewandert, während sich Hongkong zu einem führenden Handels- und Dienstleistungszentrum entwickelte. Anfang der 90er ist China, vor Japan und den USA, zum führenden Investor in HK aufgestiegen.

Die Triaden waren und sind ein sehr populäres Thema im Hongkong-Kino und in vielen Filmen sind die Triadenmitglieder die Helden der Leinwand. Die produzierten Gangsterfilme wie „A Better Tomorrow“ (1986) vom Regisseur John Woo und die Blockbuster „Young and Dangerous“ (1996/R.: Wai Keung Lau) und Infernal Affairs (2002/R.: Wai Keung Lau, Siu Fai Mak), mit in Hongkong und China populären und inzwischen international bekannten Schauspielern wie Yun-Fat Chow, Andy Lau und Maggie Cheung, sind bei dem Publikum dieser Metropole, vor allem bei den männlichen Jugendlichen sehr beliebt. Weitere international bekannte Filme dieses Genres sind „As Tears Go By” (1988/R.: Kar Wai Wong ), “The Killer” (1989) und  “Hard Boiled” (1992 / beide vom R.: John Woo) Das Leben der männlichen Hauptdarsteller wird im Film– im Gegensatz zur sozialen Realität vieler Menschen in Hongkong –  oft als abenteuerlich, erstrebenswert und glamourös dargestellt. Die Gegenwelt der Triadenorganisationen liefert die Folie in der die Männer untereinander Solidarität und Loyalität erfahren. Egal wie viele illegale Aktivitäten diese Filme beschreiben, den Hauptdarsteller gelingt es immer ihre Würde und moralische Integrität zu wahren, bzw. sie unter Beweis zu stellen.

In HK gibt es keine offizielle Filmförderung, der Markt ist rein kommerziell strukturiert. Die Triaden, vor allem die„Sun Yee On“ sollen einen dominierenden Einfluss auf die Hongkonger Filmwirtschaft ausgeübt haben. Sie investierten in Filmprojekte, kontrollierten eine Reihe von Stars und benutzten Produktionsfirmen zur Geldwäsche. Im Zuge des taiwanesischen Wirtschaftsbooms investierten dann ab den 1980ern  immer mehr Kapitalisten aus Formosa in die Filmindustrie Hongkongs. Anfang 1992 kam es in Hongkong zu einer seltenen Demonstration – Schauspieler/innen und andere Filmschaffende protestierten unter dem Motto „Showbusiness against violence“ gegen die Kontrolle und Einflussnahme von Teilen der Hongkonger Filmindustrie durch die Triaden.

Heutzutage haben viele dieser Geheimgesellschaften keine rituellen oder mythologischen Wurzeln mehr und in den westlichen Industriestaaten sind Triaden zum Inbegriff der chinesischen organisierten Kriminalität geworden. Generell wird der Begriff „Triade“ verwendet um chinesische kriminelle Organisationen zu beschreiben, die überwiegend in Hongkong ihre Operationsbasis haben, aber ebenfalls in Taiwan, dem chinesischen Festland und Ländern mit einer signifikanten chinesischen Bevölkerung wie Malaysia und Singapur, sowie den Chinatowns westlicher Industrieländer aktiv sind. Die kriminellen Aktivitäten reichen von orts- bzw. milieugebundenen Aktivitäten wie illegalem Glücksspiel, Schutzgelderpressung und Prostitution, bis hin zu international angelegten Operationen. Die Triaden sind in vielen Segmenten engagiert, dies betrifft illegales Kopieren von Computersoftware, Music-CDs, Filmen und Markenartikeln, Pornographie, Drogen, Geldwäsche, Hehlerei, die Fälschung von Kreditkarten und Identifikationspapieren und Menschenschmuggel. In bestimmten Regionen Chinas sind diese Organisationen sehr einflussreich, da die Grenzen zwischen Korruption, den klassischen Beziehungsnetzwerken, der wirtschaftlichen und politischen Macht von Partei und Behörden sowie der organisierten Kriminalität in China oft fließend sind.

Der hochprofitable Menschenschmuggel mit illegalen Immigranten in die westlichen Industrieländer ist ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Ausdehnung des Einflussbereiches der Triaden, da als logische Konsequenz die Weiterführung ihrer Aktivitäten über die dort ansässigen chinesischen Communities stattfindet, verstärkt in den Städten San Francisco, New York City und Vancouver, aber auch in europäischen Städten wie Amsterdam und London. Die Preise für eine Passage in die USA sollen 1995 zwischen $30.000-$50.000 gelegen haben. Eine Summe die die chinesischen Immigranten auf Jahre hinaus zu Abzahlungen zwingt und sie in Abhängigkeit zu den Triadenorganisationen belässt. Viele Frauen die auf diesen Wege ins Ausland gelangen, müssen gezwungenermaßen als Prostituierte ihre Schulden abarbeiten.

Die Struktur der organisierten chinesischen Kriminalität, beispielsweise in den USA ist sehr komplex und beinhaltet eine große Bandbreite von verschiedenen Organisationen: Straßengangs, auf bestimmte Stadtviertel bezogene Gruppen, die Tongs genannt werden, Triaden, taiwanesische Gruppierungen, sowie Tongs und Gangs die ausschließlich auf die USA bezogen ihren Geschäften nachgehen. Allerdings gibt es keinen empirisch gesicherten Beweis, dass man bei dieser Struktur von einem hochorganisierten, monolithischen und hierarchisch organisierten Zusammenhang ausgehen kann, den man als chinesische Mafia bezeichnen könnte. Auch wenn die Undurchsichtigkeit der Aktivitäten und Beziehungskonzepte dieser oft verschiedenen Interessengruppen zu so einem Meinungsbild verleiten kann. Mit Sicherheit lässt sich davon ausgehen, dass die Triaden durch ihre jeweilige Finanzkraft und die oft globalen Geschäftsstrukturen, wie durch die persönlichen Beziehungen, einen nicht zu unterschätzenden internationalen Einfluss haben. Viele dieser modernen Organisationen beziehen sich offiziell auf ein humanitäres Motto und unterstützen soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen, Kulturinstitutionen und die Armenfürsorge, die in Bezug zu den jeweiligen chinesischen Communities stehen.

„Drachen bedrohen die Welt“, 1996, Berndt Georg Thamm

http://en.wikipedia.org/wiki/Triads


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