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17
Okt
08

Die Sexindustrie und das Internet – Inhalt

Creative Commons License
Pornographie, Moral und Sexindustrie von Peer A. Gosewisch steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Die Sexindustrie und das Internet

Der us-amerikanische Markt der Online-Pornographie

Usenet Newsgroups und das Bulletin Board System (BBS)

Die Sexindustrie als Innovator des Onlinemarktes

Preface

Der e-commerce – Bezahlung per Kreditkarte

Einzelne Internet Payment Service Provider

Alterbestätigungssysteme – Age Verification Systems

Dialer

Partnerprogramme (Affiliates)

Einzelne Anbieter von Partnerprogrammen

Der Mobile Markt

„Adult-Webmaster“ – Geschäftsmodell für Kleinunternehmer ?

Patent-Portefolios – Ein neues Betätigungsfeld für Juristen


Die Freiheit des Netzes und die Freiheit der Pornographen

Preface

Filtersysteme – sinnvoller Jugendschutz contra staatlichen Missbrauchspotential

Das Internet zwischen simplen Betrug und Schwerstkriminalität

Von den Justizbehörden verhandelte Fälle von Internetkriminalität

Der Online-Markt

WebCams – Die Kommerzialisierung der Privatsphäre

Unternehmen der Onlinepornographie

Social-Networking- und Dating-Seiten

Nischenproduktionen – Kommerzielle Alternativen im Internet?

Alt., bzw. „Alternaporn“

BDSM

„Amateure“

SexPro-Zines und Femmeporn

Queer- und Netporn-Politics

Netzkunst

Webseiten von Photographen

Bloggersphäre

Sex und Computerspiele

Vom Strip-Poker zum Multi-Player-Online-Game(MPOG

Einzelne Spiele mit narrativer Struktur

Virtuelles Theater und virtuelles Leben -“Fascade” und “Second Life“

Machinima-Filme

Virtuelle Welten und Cybersex

Preview

Ein Blick ins Museum – Erste kommerzielle Teledildonics-Anwendungen

Computeranimation – ein Rückblick und Aussichten

Brain Computer Interfaces und humanimplantierbare Chips

Comics – Rohstofflieferant für zukünftige Bilderwelten? – Ein Exkurs

Preface

Tijuana Bibles/ eight pagers

Von der „Blonden Pantherin“ zum feministischen Sexcomic

Von Barbarella und Glamour Girl zu „Métal Hurlant“ – Der europäische Markt

Online-Comics

Das Thema „Sexworking“ im Comic – 3 Beispiele

„WigWam Bang“

„Omaha – The Cat Dancer“

„From Hell“

17
Okt
08

Die Sexindustrie und das Internet

Der us-amerikanische Markt der Online-Pornographie


Internet-Pornographie wird über Webseiten, peer-to-peer file sharing Software, ICR und über Usenet-Groups vermarktet und distributiert. Bereits in den 80ern wurde Pornographie im Internet gehandelt, allerdings überwiegend von Privatpersonen und Newsgroups. Mit der Öffnung des Internets für breite Bevölkerungsschichten und der Proklamierung des „World Wide Web“ in der ersten Hälfte der 90er Jahre, kam es zu einer explosionsartigen Ausbreitung von Pornographie über das Internet, die via einem Home- Computer komplikationslos und völlig anonym erhältlich war. Diese Industrie besteht aus einer Reihe weniger großer Unternehmen, die zwischen einigen hundert bis tausenden von Webseiten betreiben und einer großer Anzahl kleinerer Unternehmen. Sie umfasst Firmen, die direkt in der Produktion und Distribution von pornographischen Material involviert sind, aber auch Firmen, die Serviceleistungen wie Hosting, Inkasso und Programmierung anbieten. Kabel- und Satelliten-Netzwerkbetreiber sowie Telekommunikationsdienstleister sind im erheblichen Umfang an diesem Geschäft beteiligt. Global wird die Anzahl der maßgeblich beteiligten Unternehmen, die ihren Umsatz über Mitgliedereinschreibungen, Distribution über das Internet (Pay-per-View, Video-on-Demand, etc.) sowie Werbung und Lizenzierung von pornographischen Inhalten generieren, auf zwischen 150 bis 400 geschätzt.


Quelle: Caslon Analytics profile of the online ‚adult content‘ industrie/

http://www.caslon.com.au/xcontentprofile.htm

Der Markt der Online-Pornographie ist ähnlich wie der der gesamten Sexindustrie immer noch geprägt von einer mangelnden Transparenz und fehlendem verlässlichen statistischen Material. Es gibt zwar eine Vielzahl von Statistiken, die aber, je nach tatsächlicher Einsicht in die Marktstrukturen oder politischer Intention, zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Eine Erkenntnis kann man bei dieser Zahlenjonglage, die nachfolgend teilweise dokumentiert wird, auf jeden Fall gewinnen: Das es sich bei diesem relativ jungen Markt um eine sehr dynamische, profitable und schnell wachsende Branche handelt. Nach einem Bericht von „Forrester Research“ aus dem Jahr 2001 sind 19% der nordamerikanischen User regelmäßige Besucher von pornographischen Webseiten. Von diesen 19% soll jeder vierte User bereits weiblich gewesen sein. Nach den Internetstatistiken und Analysen (2001) von US-Firmen wie “Jupiter Media Metrix”, “Nielsen/NetRatings” und der europäische „NetValue” besuchten ca. 30% aller Internet-User monatlich erotische und pornographische Webseiten bei einer aufgewendeten Gesamtzeit, die zwischen 40 und 85 Minuten lag. Die Firmen “Datamonitor” und “Forrester Research“ schätzten die Anzahl von pornographischen Webseiten für diesen Zeitraum auf 50.000-60.000, während AdultCheck, ein Alterbestätigungssystem für Adult-Seiten von ca. 80.000 Seiten ausging. Nach dem „Internet Filter Review“ der us-amerikanischen Firma „TopTenReview.Inc“ (2003 gegründet) gab es in den USA 2003 4,2 Millionen pornographischer Webseiten – was 12% der globalen Gesamtsumme entspricht – mit jährlich 72 Millionen Besuchern, davon 40 Millionen US-Amerikaner. ( Die auffällige Diskrepanz bei einigen Zahlenwerten ergibt sich aus dem Umstand, das zwischen den Begriffen „Domain“, die beliebig viele Webseiten enthalten kann und einer einzelnen „Webseite“ in einigen Artikeln nicht klar unterschieden wurde) “Websense, Inc.”, ein Provider von Filter-Software, verzeichnete einen enormen Zuwachs von Adult-Webseiten in ihrer URL-Datenbank – von 88.000 im Jahr 2000 zu annähernd 1.6 Millionen Seiten im Jahr 2004. Die Anzahl von Webmastern, bzw. Firmen, die mindestens eine Adult-Seite betreiben, wurden, nach einer Einschätzung von Jason Hendeles im Jahr 2000 auf zwischen 30.000 bis 45.000 geschätzt und man ging von einer Steigerung auf über 110.000 bis 2003 aus. Dies bezieht kleine, vom Privathaushalt aus betriebene Operationen, die in der Regel zwischen 9-18 Domains registriert haben genauso mit ein wie die Majors der Branche, die tausende von Domains betreiben. 2002 sollen nicht mehr als 25 Unternehmen die Branche dominiert haben, wobei der Großteil des Marktes von den 10 führenden Unternehmen kontrolliert wurde.


Jason Hendeles ist der Vizepräsident der Abteilung “Strategic Business Development” des Unternehmens „ICM Registry“. ICM, eine Firma aus Florida, hatte sich bei dem Internetverwalter “Internet Corporation for Assigned Names and Numbers” (ICANN) um ein virtuelles Rotlicht-Quartier beworben, in der alle pornographischen US-Webseiten zentral auf einer Top-Level Domain gebündelt werden sollten. Die ICANN hat diese Bewerbung nach einer unüblichen politische Einflussnahme der Regierung aufgrund des wachsenden Drucks konservativer, christlicher Familienorganisationen, abgelehnt.


2005 listete Google beim Suchbegriff „Porno“ 35 Millionen Seiten auf. Ein Viertel der täglichen Anfragen bei den Suchmaschinen (68 Mill.) soll sich auf pornographisches Material beziehen. Der Markt für Internetpornographie wird auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt, im Verhältnis zu dem angenommenen 57 Milliarden Dollar schweren weltweiten pornographischen Markt zwar noch ein geringer Anteil, der aber stetig im Wachsen begriffen ist. Vor allem da der Markt für Adult-Videos, der global auf 20 Milliarden Dollar geschätzt wird, sich zunehmend auf die Distributionsmöglichkeiten des Internets über Video-on-Demand und Pay-per-View auszurichten beginnt.

Neben der direkten Produktion von Pornographie sind in dem Online-Sektor die Bereiche Analyse, Navigation, Webdesign und Werbung wichtige Segmente des Business. Analyse meint vor allem eine Untersuchung und Aufschlüsselung des Traffics einer betreffenden Weboperation zum Zwecke des verbesserten Marketings. Es gibt Unternehmen deren Service auf einem klaren Preis-Leistungsverhältnis beruhen und andere, die von vor allem kleineren Webunternehmen die Platzierung von Werbebannern oder eine Umsatzbeteiligung als Gegenleistung einfordern. Dieser Service ist inzwischen fester Bestandteil aller großen Partnerprogramme. Navigations-Services bieten spezielle Directories für den User und leiten den Traffic zu einzelnen Seiten. Diese Webseiten bieten neben Hitlisten Linksammlungen von einigen tausend bis 80.000 Links und lassen sich die Platzierung von den Webseiten-Betreibern bezahlen. Ein weiterer wichtiger und lukrativer Geschäftsbereich, der von den beteiligten Firmen als Bestandteil des regulären IT Management Systems gesehen wird, ist die Entwicklung und Anwendung von Filter-Software, um den Zugang zu pornographische Inhalten einzuschränken.


Im Jahr 1997 schätzte Forrester Research den gesamten Online-Endkunden-Markt in den USA auf über $ 2,4 Milliarden. Für 2004 wurde dieser Markt auf über $ 140 Milliarden geschätzt, was einer Wachstumsrate von ca. 80% entspricht und für 2005 ging man von einen gesamten us-amerikanischen e-commerce-Umsatz von knapp $ 170 Milliarden aus. Umsätze des e-commerce in Europa sollen 2004 $ 90 Milliarden ausgemacht haben und wurden für 2005 auf $ 130 Milliarden geschätzt. Der Online-Content-Markt stellt natürlich nur einen Teil dieser Umsätze dar, der sich aufgrund besserer Anbindung der Konsumenten an High-Speed- und Flatrate-Verbindungen aber deutlich erhöhen wird. Nach “Jupiter Research” entwickelt sich der europäische Online-Content-Markt, der im Vergleich zu den USA noch unterentwickelt ist, sehr schnell. 2003 sollen 9% der europäischen Internetnutzer bereit gewesen sein Online-Content und Services zu kaufen, was in einem Umsatz von €693 Millionen resultierte. Das größte Segment stellten hierbei kostenpflichtige pornographische Inhalte, die 43% der Aufwendungen der User ausmachten. Weiterer nicht sexuell-expliziter Multimedia-Content (Musik, Spiele, Video) machten 23% dieses Umsatzes aus. Für 2007 wird davon ausgegangen, das inzwischen 23% aller europäischen User bereit sind Online-Käufe zu tätigen, wobei von einem statistischen Wert von 70€ ausgegangen wird, die jeder User investiert. Wegen der besseren Breitbandanbindungen und der höheren Akzeptanz wird erstmals die Online-Pornographie nicht den Hauptumsatzes dieser Branche generieren. Regulärer Multimedia-Content und Service sollen nach dieser Voraussage 50% des Gesamtumsatzes ausmachen, gefolgt von kostenpflichtigen Bild und Text-Downloads mit 25% und weiteren 25% die die Adult-Branche betreffen. Diese Prognose deckt sich mit dem Ergebnis einer US-Studie aus dem Jahr 2006,die verschiedene Suchmaschinen wie Excite und Alta Vista im Zeitraum 1997 bis 2005 auf die Frequenz pornographisch- und sexorientierter Suchanfragen untersuchte, aus der hervorgeht das diese im Verhältnis zu anderen Suchanfragen erheblich zurückgegangen sind – von 16,8% im Jahr 1997, zu 8,5% 2001, bis zu weniger als 4% im Jahr 2004. Allerdings bezieht die Studie die Marktführer Google, MSN, AOL und Yahoo! In ihre Untersuchung nicht mit ein. Ein Artikel von time.com vom November 2007 bestätigt diese Tendenz . Danach ist der Traffic von Pornowebseiten in den USA von 16,9% im Oktober 2005 auf 11,9% im November 2007 zurückgegangen. Für über 25-jährige User ist sexuelles Entertainment im Web nach wie vor populär und rangiert hinter den Suchmaschinen an zweiter Stelle. Bei den 18-24-jährigen zeigt sich laut dieser Untersuchung aber ein anderer Trend: an erster Stelle stehen Social-Networking-Seiten, gefolgt von Suchmaschinen und e-Mails. Der Besuch von pornographischen Webseiten steht hier nur noch an der vierten Stelle.


“Sexual and Pornographic Web-Searching – Trend Analysis”(2006) von Amanda Spink, Helen Partridge und Bernard J. Jansen / http://www.firstmonday.org/issues/issue11_9/spink/

http://www.thenewatlantis.com/archive/6/jrosen.htm

http://internet-filter-review.toptenreviews.com/internet-pornography-statistics.html


Für die Porno-Industrie hatte das Internet eine enorme Dezentralisierung zur Folge, die nicht nur die Konsumption, sondern auch die Produktion und den Versand betrifft und bot den Majors der Branche die Möglichkeit der Mehrfachverwertung ihres Materials. Schon Ende der 90er konnte ein Pornofilm, z.b. von Vivid oder Private produziert, der in Video- und Sexshops zum Verleih und Verkauf auslag, gleichzeitig über Mail-order vertrieben – im Pay-TV, im AT&T eigenen Sender „Hot Network“ oder im Hotelzimmer angeschaut – und auf den Porno-Webseiten zur Konsumption angeboten werden. Zu den bekanntesten Unternehmen der Sexindustrie gehören neben den Konzernen, die aus dem traditionellen pornographischen Druckgewerbe entstanden sind, wie die “Larry Flynt Publishing”(Hustler), “Playboy” und die “Private Media Group”, Unternehmen wie “Vivid Video”, ”New Frontier Media” und “Rick’s Cabaret”, die alle an der Börse notiert sind. Als die größten Unternehmen in dem Geschäft mit der Online-Pornographie galten um die Jahrtausendwende Voice Media (Cybererotica) und RJB Telcom, welche beide im Audiotext-Segment(Telefonsex) aktiv waren, bevor sie ihre Internetunternehmungen starteten. Außerdem Vivid Video, iGallery, WebPower, CyberEntertainmentNetwork(CEN), „Python Communications“ und BabeNet Ltd.. Im Bereich des “Premium Contents” sollen sie ungefähr die Hälfte des Marktes kontrolliert und zusammen einen Gesamtumsatz von mehr als einer Billion Dollar verzeichnet haben. Allein das Unternehmen „RJB Telcom“ kam auf einen jährlichen Umsatz von ca. 125 Millionen Dollar. Die Mehrzahl dieser Unternehmen befindet sich in privaten Händen, wobei eine zunehmende Tendenz zur Unternehmenskooperation und Networking festzustellen ist. So haben das „Cyber Entertainment Network” und “VS Media” Joint-Ventures mit der „Private Media Group” abgeschlossen, wie auch zwischen “Voice Media” und „Rick’s Cabaret International“ Geschäftskontrakte bestehen. „Private“, wie „Rick`s“ sind öffentlich gehandelte Aktienunternehmen, wie dies auch bei „iGallerie“, die inzwischen Bestandteil von „New Frontier Media“ sind, der Fall ist.


„How Big Is Porn?”, Dan Ackman, Forbes.com, (05.25.01)

Weissbuch der “Free Speech Coalition” (2005) / http://www.freespeechcoalition.com/whitepaper05.htm


Die Zusammenarbeit zwischen Technologie-, Softwarefirmen und Internetdienstleistern mit der Online-Sexindustrie schließt viele bekannte us-amerikanische Konzerne mit ein, u.a. Marriott, Exodus, Concentric, Verio, AboveNet, UUNet (im Besitz von MCI), Sun Microsystems, Yahoo!, AltaVista, Covad, Pacific Bell, Bell Atlantic, Real Networks, Microsoft, AOL und Earthlink. Die größten amerikanischen Kabelnetzwerkbetreiber und Satellitenfirmen, die an pornographischen Filmen über das Pay-per-View-Verfahren mitverdienen sind: Time-Warner, AT&T Cable, , News Corporation über Echostar und DirecTV und Comcast. Während der sogenannten Dot.Com-Krise in den Jahren 2000/2001 erwies sich das Segment der Online-Pornographie als relativ krisenfest und als stabilisierender Faktor der gesamten Internet-Ökonomie. In dieser Zeit, als viele Unternehmen des e-commerce bankrott gingen und ihren laufenden Zahlungen nicht mehr nachkommen konnten, war der Bedarf an Hardware, Hosting-Service und Bandbreite im Adult-Sektor ungebrochen nach wie vor hoch.


Inzwischen hat sich mit “AdultVest.com” die erste Investmentfirma gegründet, die über ihre Webseite mögliche Investoren und Unternehmen aus der Sexindustrie zusammenbringt. Mai 2006 hatten sich bereits 1000 Investoren über die Webseitenformulare des Unternehmens registrieren lassen.


Für Hosting-Firmen, die die Hardware des WorldWideWeb zu Verfügung stellen, stellte die Online-Pornographie ein wichtiger Einkommensfaktor dar, u.a. weil pornographische Webseiten eine weitaus größere Bandbreite und dementsprechend optimierte Hardware zur Darstellung der Photos und Filme benötigen, während viele der Non-Adult-Seiten sich früher überwiegend aus Html-Layout, textbasierten Inhalt und kleinen Graphiken zusammensetzten. Nach Informationen von „PCData Online“ und „NetCraft“ werden 14 der 20 us-amerikanischen Top-Adult-Sites von bekannten Firmen des regulären Internet-Kommerzes gehostet. “Akamai”, eine globale Caching-Company mit mehr als 8000 Servern, die an ca. 1200 Internet Service Providern stationiert und in über 55 Ländern an 700 verschiedene Netzwerke angeschlossen sind, ist ebenfalls an dem Business der Online-Pornographie beteiligt. Den Service den Akamai anbietet, besteht darin Webseiteninhalte(Content) von einem zentralen Server auf viele verschiedene zu platzieren, die sich näher am realen Ort der Konsumenten befinden. Dies sorgt führe schnellere Übertragungszeiten und vermindert die Gefahren von Netzwerküberlastungen. Akamai, zu deren Kunden u.a. CNN, Nasdaq, Apple, Microsoft, Yahoo, CBS und MSNBC gehören, bietet separat, über die Firma „Directrix” seinen Service auch für die Adult-Industrie an. Im März 2001 kam es zwischen der Firma und 15 führenden Unternehmen der Branche, wie Playboy, Vivid, iGallery und Babenet, zu weiterführenden Geschäftsgesprächen.


Zu den Firmen, die pornographische Webseiten hosten, gehören Unternehmen wie AboveNet (eine Tochterunternehmen von Metro Fiber Network(MCI)) , die beide zum MCI-Konzern gehörende Digex und UUNet, außerdem Exodus, Level3, und Verio (im Besitz des japanischen Telekomkonzerns NTT). AboveNet hostet die führende Adult-Webseite „Karasxxx.com“ von RJB Telcom mit monatlichen 6,9 Millionen Usern (2001). MCI hostet über seine Firmen Digex and UUNet, sowie Business Internet Inc die Megaseiten „Cybererotica“ mit einem monatlichen Traffic von über 4 Millionen monatlich (4,6 Mil./Februar 2001) und „adultrevenueservice.com“, außerdem die Webseiten „smutserver.com“, „sexspy.com” und “amateurfreehost.com”. Die Hostingfirma Exodus liefert ihren Service u.a. an „sexshare.com“, “adultfriendfinder.com”, wie auch “Danni’s Hard Drive“. “Level3” welche eines der größten Glasfaser-Netzwerke in den USA betreibt und 33% an dem Telekom-Unternehmen RCN besitzt, hostet die Webseiten „sleazydream.com“ und „lightningfree.com“.


Die großen Suchmaschinen-Betreiber, wie Yahoo, Alta Vista, AOL und Excite machten (2000) alle erhebliche Umsätze mit Onlinewerbung für pornographische Webseiten, vor allem mit der Bannerwerbung auf den Ergebnis-Seiten der dementsprechenden Such-Anfragen. Im Gegensatz zu den Firmen Compuserve und Prodigy, die in der Anfangszeit ihre Chatrooms und Messageboards kontrollierten und sexuell explizitite und obszöne Inhalte zensierten, vertrat AOL eine tolerante Geschäftspolitik gegenüber den Chat-Aktivitäten seiner Mitglieder und verschaffte sich so einen Wettbewerbsvorteil. Neben dieser toleranten Linie in den öffentlichen Chatrooms hatten AOL-Mitglieder die Möglichkeit eigene Chatrooms zu kreieren, einmal auf der Ebene von Interessengruppen und weitergehend als „private area“ wo die Öffentlichkeit ausgeschlossen war und der Zugang nur über persönliche Einladung erfolgte. 1996 sollen diese öffentlichen bis privaten Chat-Räume das profitabelste Geschäftsegment von AOL gewesen sein und 25% der gesamten Onlinezeit aller AOL-Mitglieder ausgemacht haben.


Yahoo hat in den ersten Jahren nach der Unternehmensgründung Sex als einen profitablen Geschäftsbereich wahrgenommen und dementsprechende Marketingstrategien entwickelt. Die zu sexuellen Themen bezug nehmenden Kategorien waren vielfältig und umfangreich. 1997 bot Yahoo dann den speziellen Service von „Adult-Only-Chatrooms“ an und betrieb dort eine intensive Vermarktung des dortigen Web-Space an pornographische Webseitenbetreiber. Yahoo hatte jahrelang auf den sex-orientierten Suchmaschinenseiten Bannerwerbung für pornographische Webseiten zugelassen und eine eigene Webseite, auf der Pornovideos und andere Produkte verkauft wurden, betrieben. 2001 kam es zu einer massiven E-Mail-, Presse- und Telefonkampagne von konservativen religiösen Gruppen, u.a. der einflussreichen „American Family Association“ Yahoo sah sein Image als Internet-Einstiegsseite für die ganze Familie bedroht und entschloss sich Werbung für pornographische Produkte nicht mehr zuzulassen. Dies betraf vor allem die Yahoo-Seiten für Shopping, Auktionen und bezahlte Anzeigen, sowie die Bannerwerbung. In dem folgenden dreimonatigen Zeitraum April bis Juni 2001 betrogen die Einnahmen von Yahoo 140,7 Millionen Dollar, im Gegensatz zu 232,9 Millionen Dollar für den gleichen Zeitraum im Jahr 2000. Ein defizitäres Ergebnis, welches sicherlich auf die damalige Dot.com-Krise verweist, aber auch auf die fehlenden Werbeeinnahmen, aufgrund des Beschlusses keine pornographische Werbung mehr zu schalten, zurückzuführen war.


Im August 2000 schloss AltaVista mit der Private Media Group einen bis dahin für reguläre Suchmaschinen ungewöhnlichen Geschäftskontrakt betreffend der Bannerwerbung ab. Anstelle eines normalen Werbevertrages wurde AltaVista ein Prozentsatz der Einnahmen, die aus den Mitgliedsbeiträgen von „Privates“ Webseiten resultierten, die über die Suchmaschine zustande kamen, zugesprochen. Über die Hälfte aller Suchanfragen bei AltaVista – zum damaligen Zeitpunkt 50 Millionen täglich – sollen sich auf sexuell relevante Themen bezogen haben. „Private“ erhoffte sich über dieses Arrangement weitere Einnahmen und einen höheren Traffic für seine Webseiten aus dem europäischen, pazifischen und asiatischen Raum, sowie aus dem mittleren Osten. Der nordamerikanische Markt – USA und Kanada – waren von diesem Kontrakt ausgeschlossen. In den Wirtschaftsanalysen und Statistiken großer Unternehmen ist das Segment „Online-Sex“ als Umsatzfaktor allerdings selten zu finden. Auch in den Reports von Wirtschaftsanalysten wird dieser Einkommensfaktor immer seltener aufgeführt. Die europäische Firma Datamonitor, die Ende der 1990er noch aufschlussreiche Statistiken erarbeitete und veröffentlichte, hat ihre Forschung eingestellt und sieht von einer Aktualisierung ihrer Statistiken ab. Dies mag aus „Rücksicht“ auf die betreffenden Großkonzerne, die gleichzeitig auch die wichtigsten Großkunden der Analysten sind, geschehen. Diese Unternehmen müssen, vor allem in den USA, Rücksicht auf die öffentliche Meinung nehmen, die oftmals durch Kampagnen einflussreicher konservativer christlicher Organisationen bewusst lanciert wird. Beste Beispiele sind die veränderte Geschäftspolitik von Yahoo nach einer inszenierten Mail- und Telefonkampagne im Jahr 2001 und der teilweise Rückzug von AT&T aus dem Geschäft mit der Online-Pornographie nach Auktionärsprotesten gleichen Jahres.


Usenet Newsgroups und das Bulletin Board System (BBS)


1979 entwickelten die Studenten Tom Truscott und Jim Ellis von der Duke University das sogenannte Usenet. Sie erdachten ein Dateien-Übertragungssystem in welchem die Beteiligten Nachrichten empfangen und lesen sowie abschicken konnten, die in einer Reihe von Kategorien, den „newsgroups“, unterteilt waren. Diese Nachrichten, Artikel, Textbotschaften, etc. wurden dann gespeichert und an eine große Gruppe von Servern weitergeleitet, die es möglich machten jede Textnachricht von einer Person zu Vielen zu transferieren. Das Usenet war zu seiner Zeit eine sehr innovative Technologie, galt aber mit der Einführung des Internets und des E-mail-Systems zunehmend als antiquiert. Die in den newsgroups geführten Diskussionen werden über Google Groups indiziert, aber keine der großen Suchmaschinen erfasst den Multimedia-Content, vor allem Videos und Photos, der weiterhin über das Usenet transferiert wird. Obwohl Yahoo und Google, sowie verschiedene P2P-Netzwerke ähnliche Möglichkeiten des Datentausches anbieten, werden laut Wikipedia täglich mehr als 2 Terrabytes an Content in das Usennet eingegeben. Die Usenet Newsgroups, ursprünglich eine rein textbasierte Möglichkeit des Meinungs- und Informationsaustausches, waren einer der ersten Internetservices die zur Distribution von Pornographie verwendet wurden.


Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre, als digitale Kameras und dementsprechende Software für den Computer für einen Massenmarkt verfügbar wurden und über das Usenet und später über Yahoo- und MSN-Groups freier Webspace angeboten wurde, bildeten sich eine Vielzahl von Gruppen, die sich mit speziellen sexuellen Interessen beschäftigten und dort ihre eigen Photos veröffentlichten. Viele Menschen aus der BDSM-Szene nutzten mit als erste diese Möglichkeiten des Internets. Aufgrund ihrer ausgefallenen sexuellen Praktiken und des möglichen Potentials einer Stigmatisierung war dort das Bedürfnis nach Informationsaustausch, Kommunikation und Partnersuche größer als bei anderen Gruppen. Innerhalb des Baums des Usenets unter hyerarchy alt. binaries.pictures.erotica mit den Untergruppen interracial, .transvestites und .wives, sowie unter alt.personal.bondage, bekommt man einen Einblick in die Bilderwelten dieser BDSM und Amateur-Interessengruppen. Viele dieser Seiten sind allerdings spam-verseucht und es besteht die Gefahr mit Bildmaterial konfrontiert zu werden, welches Szenen extremer Gewalttätigkeit oder Kinderpornographie enthält. Um dies zu vermeiden kann man einen der vielen Usenet-Services, wie pictureview.com in Anspruch nehmen, die beispielsweise jegliche Form von Kinderpornographie herausfiltern.


Zu jedem pornographischen Genre und jeder Nische gibt es dementsprechende Newsgroups. Das dargebotene Material besteht überwiegend aus Files von Bildern und Filmen, die von Magazinen gescannt, von kommerziellen Pornoseiten heruntergeladen wurden oder aus privat aufgenommenen Material. Außerdem stellen viele Unternehmen der Online-Pornographie Bildmaterial, das mit Wasserzeichen versehen ist, in das Usenet und nutzen es so als eine freie Werbemöglichkeit.


Über die unmoderierte Newsgroup Alt.sex.prostitution , die 1995 alt.sex.services und alt.sex.brothels ersetzte, fanden Diskussionen und ein Informationsaustausch über alle Aspekte der Prostitution statt. Aus der Perspektive der in diesem Bereich arbeitenden Frauen, wie auch aus der Sicht der Freier wurden die Situationen in den verschiedenen Ländern erläutert, Preise verglichen und Bordelle, Clubs, Bars, Callgirl-Ringe und Straßenprostituierte vorgestellt.


Obwohl bei diesem Material oft gegen das Urheberrecht verstoßen wird, ist es bis jetzt kaum zu juristischen Vorstößen der betroffenen Unternehmen und Content-Vermarktern gekommen. Newsgroup-Pornographie ist kostenfrei erhältlich und wird, wenn überhaupt, auf Tauschbasis gehandelt. Es stellt nach wie vor eine populäre Möglichkeit für Einzelpersonen dar, Pornographie anzubieten und zu erhalten und bietet ein größeres Maß an Anonymität da keine Übermittlung von Kontaktdaten, wie dies beim kostenpflichtigen Einloggen auf kommerziellen Seiten der Fall ist, verlangt werden. März 2005 waren beispielsweise innerhalb der alt.sex—Hierarchie noch über 1600 Gruppen verzeichnet, wobei ein Großteil der Gruppen keine nennenswerten Aktivitäten verzeichneten. Die Möglichkeit eines nicht-kommerziellen Video- und Bildertausches hat das Usenet, eigentlich ein Relikt aus den Anfangszeiten des Internets, lebendig gehalten. Eine weitere Methode nichtkommerzieller Distrubution von Pornographie bietet das ICR (Internet Relay Chat), ursprünglich ebenfalls ein textbasiertes Chat-System, dessen Popularität aber im Laufe der letzten Jahre zugunsten anderer file-sharing-Netzwerke, wie z.b. „Instant messaging“ von AOL nachgelassen hat.


GUBA“, eine Suchmaschine und Archivierungssystem, wurde 1998 von zwei Studenten der Arizona State University entwickelt um die enorme Datenmengen des Usennets zu erfassen. Die Möglichkeiten die „GUBA“ bietet haben erheblich mit dazu beigetragen das das Usenet gegenüber der Konkurrenz von ähnlichen Anbietern wie Google Video, Kazaa und Bit Torrent, etc., überlebt hat. Das Potential von “GUBA” liegt in der Suchmaschine und in der Implementation von Technologien, die die Wiedergabe der gewünschten Medien in fast allen gängigen Dateiformaten ermöglicht. Der flash-basierende Videoplayer spielt beispielsweise alle Typen von Videodateien ohne größere Wartezeiten ab. Der über „GUBA“ abgerufene Content ist mit den neuen Medien wie Apple’s Video iPod, Sony’s PlayStation Portable (PSP) und Microsoft’s Xbox 360 kompartibel und macht so die Multimediadaten des Usenets für jede Internetplattform zugänglich. Das Unternehmen sieht sein Ziel aber nicht nur in einer Vermarktung des Usenets, sondern weitergehend in einer Bereitstellung des Contents für den zukunftsträchtigen Mobile-Content-Markt. Gerade auch in Hinblich auf die Adaption der Technologien von dem Video iPod und PSP, stellt Pornographie ein nicht unbeträchtliches Marktsegment dar. Der überwiegende Teil der Multimediadaten des Usenets sind nicht erotischen oder pornographischen Kategorien zuzurechnen, bei den Usern von „GUBA“ stellt dies aber ein populäres Thema dar. Die Unternehmen mit denen „GUBA“ Geschäftspartnerschaften eingegangen ist, stammten zunächst alle aus dem Adult-Bereich: Video Box, AEBN, WantedList und Xobile. Aufgrund der konsumentenfreundlichen Such- und Navigationsfunktionen und vor allem der Komparibilität zu vielen Dateiformaten geht man davon aus sich weiterhin erfolgsversprechend auf dem Internetmarkt platzieren zu können und strebt strategische Partnerschaften in regulären Geschäftsbereichen an. Neben dem Hauptgeschäftsbereiches des Mediendownloads – für einen monatlichen Betrag von $14.95 können User Unmengen von Daten herunterladen – bietet „GUBA“ Partnerprogramme und Möglichkeiten für Content-Provider an. Inzwischen hat sich „Guba“ neu ausgerichtet. Die Adult-Sparte wurde ausgegliedert und ein kostenloses Videohosting-Angebot geschaffen. Weitergehend bietet „Guba“, nachdem dementsprechende Vereinbarungen mit Sony und Warner Bros. abgeschlossen wurden, den kostenpflichtigen Downloads von Hollywoodfilmen an. Seit März 2003 wird der lukrative Geschäftsbereich der Onlinepornographie von Guba über die Plattform skinvideo.com abgewickelt.


Quelle: AVN-Online, “Guba – Sexing up Usenet” 3-1-2006


Eine weitere Form des Informationsaustausches stellten die frühen Internetforen dar, die inzwischen allgemeiner Standard für die Kommunikation der verschiedenen Webcommunities geworden sind. Im Gegensatz zum offenen Usenet setzen die meisten Webforen eine Registrierung voraus. Viele Foren bieten registrierten Benutzern die Möglichkeit, sich per E-Mail benachrichtigen zu lassen, wenn neue Beiträge verfasst wurden. Ein Bulletin Board, als eine spezielle Form des Webforums, vereint alle Postings eines Themas auf einer Seite Nach einer einstellbaren Anzahl von Beiträgen wird das Thema auf eine Folgeseite umbrochen. Der Vorteil dieser „flachen“ Struktur ist eine niedrigere Abrufzeit, kann aber bei umfangreichen Themen zur Unübersichtlichkeit führen. Bereits vor der Geburt des World WideWeb anfangs der 1990er, wurden im größeren Umfang Informationen über solche Bulletin Board Systems (BBS) Sysops (Systems Operators) ausgetauscht. BBS startete Ende der 70er und hatte seine größte Popularität Ende der 80er Jahre erreicht. Während ein Großteil des Datentransfers der über das Bulletin Board System abgewickelt wurde nichtkommerziell war und dem Austausch von Informationen und Software diente, nutzten andere BBS-Operateure das System zum Versand von Pornographie. Die Bezahlung wurde derzeit über verschiedene Methoden abgewickelt. Entweder mussten Kunden eine Telefonnummer anrufen und einem realen Ansprechpartner die notwendigen Kreditkarteninformationen übermitteln. Die eigentliche Transaktion wurde dann manuell oder mit Hilfe von ICVerify, einem Softwarepaket, das die Überprüfung der Kundeninformation und den Überweisungsvorgang abwickelte, vorgenommen.


Andere Operateure nutzten die Zahlungssysteme die in der Telefonsexindustrie gebräuchlich waren und erhoben anfangs von jedem, der eine dementsprechend angewiesene 900-Nummer gewählt hatte, Gebühren. Da mit dieser Methode aber keine Kontrolle, inwieweit sich Minderjährige und andere unautorisierte Personen Zugang verschafften, möglich war, ging man bald dazu über den User seine Kreditkarteninformationen per Telefon über ein Interactive Voice Response (IVR) System übermitteln zu lassen, das dann den Prozess des Geldabhebens an das bestehende Visa/Mastercard-Netzwerk weiterleitete. 1993/4 wurde bereits im erheblichen Umfang Pornographie per Kreditkartenüberweisungen über das Internet gehandelt, während Server-Firmen wie Netscape zu diesem Zeitpunkt Schwierigkeiten hatten den erhöhten Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. SSL Security und Methoden der Datenverschlüsslung wurden gerade in das System implantiert, hatten aber oft Kompatibilitätsprobleme und die Serversoftware war teuer und kompliziert zu handhaben. In Konsequenz entwickelte sich das Apache Server Projekt, ursprünglich ein Open Source Projekt, welches freie Server-Software produzierte, zum Marktführer. 2001 wurden bereits über 60% aller Server weltweit über Apache betrieben, im Segment der Online-Pornographie soll dieser Prozentsatz sogar bei über 80% gelegen haben..

17
Okt
08

Die Sexindustrie als Innovator des Onlinemarktes

Die Sexindustrie als Innovator des Onlinemarktes

Preface

“Without consumer demand for big, bandwidth-hogging sex pictures and streaming video, Cisco would never have sold so many routers and Sun Microsystems so many servers. Without programming pioneers trying to perfect video streaming software that would deliver images of copulation and procreation to paying customers hooked up with a 28.8 kbps dial-up modem, it is unlikely that CNN would be effectively delivering news clips of global breaking news. Without sex-oriented chat and forums to sustain its early years, America Online might never have survived. The e-commerce payment systems that are so common today would be in a far more primitive stage of development, security and usability”.

EroticaBiz – How Sex shaped the Internet“ von Lewis Perdue

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Viele Innovationen des Internets wie Video-streams, Live-Chat und -Webcams, sowie Geschäftsmodelle wie Affiliate-Netzwerke, wurden in den Anfangsjahren des Netzes zuerst im pornographischen Segment auf ihre technische Umsetzbarkeit und ihre kommerzielle Anwendung bis hin zur Praktikabilität überprüft, modifiziert und fanden später dann Verbreitung in anderen kommerziellen Sektoren des Internets. Aus dem bekannten Striptease-Club „Casa Rosso“ im Amsterdamer Rotlichtbezirk wurde ab 1996 eine der ersten Live-Sexshows und Online-Abrechnungssysteme über das Internet anboten. Im gleichen Jahr bot „Cybererotica“ mit „XXX Counter“ einen Vorläufer der späteren Partnerprogramme an. Betreiber pornographischer Webseiten waren die ersten, die sich mit erhöhten Sicherheitsstandards im Bereich der Zugangsberechtigung und des e-commerces auseinandersetzen mussten.


Das Missbrauchspotential seitens der User ist sehr hoch und geht von der Angabe falscher Personen- und Kreditkarteninformationen, widerrechtlicher Stornierung der Zahlung, über Passwort-Hacking und versuchten Betrug bei den möglichen Auszahlungskonditionen der Partnerprogramme, bis hin zu aggressiven Hacker-Attacken durch Anti-Porno-Aktivisten. Diese sogenannte „Grauzone“ pornographischer Webangebote bot sich für Software-Entwickler an, um ihre Produkte in der Testphase unter erschwerten Bedingungen testen zu können. Auch wenn Unternehmen wie „Amazon.com“, „Ebay“ und die Bankinstitute im Bereich des e-commerce die Paradigmen bestimmen, wurde sehr viel der Pionierarbeit im Bereich der Online-Pornographie geleistet. Deren Material warf vor dem Auftauchen der großen Musiktauschbörsen und Filmbibliotheken als einzigstes genügend Profit ab, so dass wirkungsvolle Kopierschutzmaßnahmen sinnvoll erschienen.


Die Firma “BayTSP“, die ihre Wurzeln in der Online-Adult-Industrie hat, bietet einen Service an der es unter den Gesichtpunkten des Copyrights möglich macht jede Art von digitalen File, ob Photo, Text, Musik oder Film im Internet zu verfolgen. Hierzu hat “BayTSP“ einen Prozess entwickelt, der zu jedem digitalen File ein mathematisches Profil, eine sogenannte elektronische DNA entwickelt. Dieses Profil wird dann zusammen mit Copyright und Lizenzierungsinformationen gespeichert. Mit Hilfe vollautomatischer Programme, sogenannter „Spiders“, wird dann das Web nach Fällen von Copyrightverstößen durchsucht. In so einem Fall wird ein Snapshot der Seite erstellt und eine Benachrichtigung an den Webseitenbetreiber verschickt. BayTSP bietet seit Juni 2000 ihren Service an und bis März 2001 wurden bereits 93.000 Benachrichtigungen wegen Verletzungen des Copyrights verschickt.


Der e-commerce – Bezahlung per Kreditkarte


Die meisten pornographischen Webseiten haben keinen eigenen Kreditkarten-Account und lassen den e-commerce über Drittunternehmen, sogenannte IPSP (Internet Payment Service Provider) abwickeln. Die größten Finanzdienstleister, die mit Webmastern von pornographischen Seiten Geschäfte machen, sind „iBill“, „CCBill“, “Paycom/Epoch“ und die Alterbestätigungssysteme„Adult Check“ und „CyberAge“, die inzwischen auch als IPSP eingestuft werden. Der e-commerce wird direkt über die Bankkonten des beauftragten IPSP abgewickelt, die ihrerseits wöchentlich oder zweiwöchentlich an den Webmaster auszahlt. Das Unternehmen behält neben den für die Dienstleistung erhobenen Gebühren eine Summe von 10-20% von jeder eingehenden Zahlung als Sicherheitsreserve zurück, um Stornierungen, bzw. Rückzahlungen, Kreditkartenbetrug und eine mögliche Geschäftsaufgabe von Webmastern, die unerfüllte Mitgliederverträge hinterlassen, auffangen zu können. Dieses Geschäftsmodell einer zahlungspflichtigen Webseite, deren e-commerce über eine Kreditkartenfirma abgewickelt wird, wird hauptsächlich von Firmen betrieben, die über ein ausreichendes Content-Angebot verfügen, welches den User bis zu mehreren Stunden auf der Webseite halten kann und die dieses Angebot regelmäßig erneuern und weitergehend Möglichkeiten der Interaktion anbieten (Live-Chats und Cams mit Modellen, Info-Boards, etc.) Für eine Internetpräsentation mit Abo-Mitgliedschaft werden folgende Einzelfunktionen benötigt: eine Userverwaltung, einen offenen und einen gesicherten Bereich, SSL-Zertifikat, eine Alterskontrolle, einen Adressen- und Risikocheck und mehrere Bezahlverfahren, zumindestens Kreditkarte und elektronischer Lastschrift.

In den USA sind Kreditkarten populär und weit verbreitet und haben sich aufgrund dessen auch im Internet zu dem am meisten genutzten Bezahlverfahren entwickelt. Die Bezahlung per Kreditkarte ist für den Endnutzer auf der ganzen Welt identisch, während es für Internetanbieter, die diese Bezahlform auf ihren Webseiten anbieten wollen, Unterschiede gibt, da die Kreditkartengesellschaften den globalen Markt nach geographischen Regionen unterteilen. Ein Internethändler unterliegt den Anforderungen jener Region, in der er seinen Firmensitz hat. Deutsche Unternehmen unterliegen somit den EU-Regularien und amerikanische Unternehmen den Regularien der USA. Die wichtigsten Kreditkartengesellschaften sind MasterCard International, Visa International, American Express und Diners Club International. Diese vergeben nationale Lizenzen an Banken und andere Finanzdienstleister was die Ausgabe sowie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs via Kreditkarte betrifft, wobei die beiden Erstgenannten für die Online-Pornographie maßgebend sind. Was den e-commerce pornographischer Webseitenüber das Internet betrifft, sind vor allem die sogenannten IPSP (Internet Payment Service Provider) von Interesse. Diese wurden nach den Visa/Mastercard-Regularien zuerst in den USA legalisiert und beginnen sich seit 2003 auf dem europäischen Markt zu etablieren. Ein IPSP ist berechtigt, über seinen Kreditkartenakzeptanzvertrag für andere Unternehmen den Einzug von Kreditkartenzahlungen abzuwickeln. Diese Dienstleistung wird überwiegend von kleinen Händlern und als „risikobehaftet“ eingestuften Anbietern genutzt, die nicht die Möglichkeit haben, einen eigenen Kreditkartenakzeptanzvertrag zu erhalten. Der IPSP ist wegen der Visa/Mastercard-Regularien der Inhaber der Forderungen und zieht die Gelder ein. Auf der Kreditkartenabrechung der Enduser erscheint nicht der Name des entsprechenden Händlers oder Anbieters, sondern der Name des IPSP, der somit juristisch als offizieller Betreiber des Angebots gilt, während der Domaineigentümer nach dem Gesetz für die Inhalte verantwortlich ist. (in Deutschland nach dem§184 StGB) Die IPSP verlangen neben den Gebühren für durchgeführte Transaktionen sogenannte Disagiosätze, die zwischen 10-20% des Umsatzes des Internetanbieters ausmachen können. Im Gegenzug bieten sie ein komplettes Leistungspaket an, dessen Aufbau für kleinere Händler und Anbieter auch nicht rentabel wäre. Hierzu können gehören: Kreditkartenakzeptanz, Userverwaltung, der Einzug von wiederkehrenden Zahlungen bei Mitgliedschaften, sowie deren Zugangsschutz, Hosting, Webmasterprogramme, Statistikfunktionen und Trafficanalyse, Händler- und Endkunden-Support und Betrugs- und Chargeback-Prävention durch Sicherheitsüberprüfungen, sowie das Inkasso bei nicht erfolgten Zahlungen.


Bestandteil der Betrugsprävention ist z.b. die Adressüberprüfung potentieller Kunden, wobei in Deutschland auf die Daten der Deutschen Post und für andere Länder auf die Daten des Weltpostvereins zurückgegriffen wird. Weitergehend wird über Adressbestände von großen Versandhäusern wie Quelle, Neckermann und Otto-Versand überprüft, ob an diese Adresse bereits erfolgreich ausgeliefert worden ist. Außerdem werden die Daten gegen Negativlisten abgeglichen, welche von Inkassounternehmen geführt werden.


Die Company „DMR“ (Dacotah Marketing and Research), 1995 gegründet, war eines der führenden Unternehmen, über die der e-commerce des Adultbusiness abgewickelt wurde. 1996 folgten die inzwischen bekanntesten und größten IPSP in den USA, IBill, CCBill und Epoch/Paycom und eine Vielzahl weiterer Unternehmen, wie „Epic“, „Digiblaze”, “Globill”, “MSBill”, “Netbilling” und viele andere. In den Anfangszeiten des Internets bestimmte teilweise eine Goldgräber- und Wildwestatmosphäre das pornographische Onlinesegment. Copy Rights wurden kaum beachtet und eine Vielzahl der Webseiten bestand aus gestohlenem, bzw. gesaugtem Material. Kundentäuschung und Betrug am Enduser wie auch an beteiligten Unternehmen waren weit verbreitet und wurden als Möglichkeit gesehen schnell zu Geld zu kommen. In Konsequenz kam es zu einem überproportionalen Anstieg an Widerrufen bereits getätigter Kreditkartenzahlungen – sogenannten „Chargebacks“. Ein Chargeback entsteht, wenn ein Endkunde bei seiner Bank einer Kreditkartenbelastung widerspricht. Die Bank schreibt in der Regel den Betrag dem Kunden wieder gut und bei dem Internetanbieter wird der Betrag durch den IPSP zurückbelastet. Durch Userbetrug, aber vor allem durch aggressive Marketingkampagnen wie Spam-Mails und unseriöse Mitgliederwerbung und Abrechnungsmethoden können sich diese zurückgeforderten Einzelbeträge (in der Regel in der Höhe der veranschlagten Mitgliedsbeiträge für die Paysides) schnell zu mehrstelligen Millionenbeträgen summieren. 1999 erhob die Bank über die DMR den Zahlungstransfer abwickelte, hohe Strafgebühren gegen Webseiten, die eine überproportional hohe Chargebackquote aufwiesen.

Dezember 1999 musste „DMR“ Konkurs anmelden, ohne bestehenden Zahlungsverpflichtungen gegenüber Adult-Webmastern in einer geschätzten Höhe von 80- 100 Millionen Dollar nachzukommen. “American Express” sperrte im Jahr 2000 seine Kreditkarten für Transaktionen im Bereich der Online-Pornographie aufgrund der hohen Kosten und des Risikos des hohen Prozentsatz der Stornierungen und Rückforderungen in diesem Segment. Die anderen beteiligten großen Kreditkartenunternehmen „VISA“ und „MasterCard“ verschärften in Konsequenz ihre Geschäftspolitik gegenüber den Unternehmen der Online-Pornographie. Es wurden Sonder- und Strafgebühren eingeführt und Kontrollverfahren implementiert um Kreditkartenbetrug auszuschalten und um Kunden, die bereits durch mehrmalige Stornierungen auffielen, auszusieben und sie auf Schwarze Listen zu setzen. Seit 2003 ist nur noch eine Chargebackquote von maximal 1% (vormals 2,5%) erlaubt. Diese Quote errechnet sich aus Betrag aller Stornierungen aus einem Kalendermonat, dividiert durch den Gesamtumsatz des Monats. Neben den Bearbeitungsgebühren wurden die Strafgebühren empfindlich erhöht. Als weitere Maßnahme wurden die Anbieter von Alterbestätigungssystemen (AVS/Age Verification Systems) als IPSP eingestuft und mussten dementsprechende Gebühren zahlen und sich den neuen Regularien unterwerfen. Zunächst brachen die Umsätze, vor allem bei den Megasites ein, langfristig stabilisierte sich durch diese Maßnahmen aber der e-commerce der Online-Pornographie


Seitens der Online-Adult-Industrie gibt es ein klares Interesse die Abhängigkeiten zu Kreditkartenunternehmen, bedingt durch deren Monopolstellung zu minimieren, indem man an der Idee eines alternativen Zahlungssystems, welches unabhängig vom Kreditkartensystem ist, arbeitet. Die Hoffnung das sich „PayPal“ zu einem geschäftsfähigen Alternativmodell für die Online-Pornographie entwickeln könnte, hat sich allerdings mit der Übernahme des Unternehmens (2002) durch ebay zerschlagen. 2003 entschied sich der inzwischen weltweit größte Online-Zahlungsdienstleister keine weiteren finanziellen Transaktionen für pornographisches Material durchzuführen. Ausgenommen sind hiervon ausschließlich Artikel wie Videos, Magazine und Photos, die auf Online-Auktionen gehandelt werden und vor 1980 produziert wurden. Serviceleistungen für Adult-Webmaster und ihre Bezahlseiten werden im Gegensatz zu der vorherigen Geschäftspolitik von PayPal nicht mehr durchgeführt. Inzwischen werden zunehmend alternative Bezahlverfahren wie Handy-Payment und Abrechnungsverfahren über das Telefon angeboten.



Einzelne Internet Payment Service Provider


Das Unternehmen « iBill » ging aus der 1986 gegründeten “Logicom, Inc.”(Fort Lauderdale, Florida) hervor, das im Audiotextbereich (u.a. Telefonsex) Abrechnungssysteme anbot. „iBill“ wurde 1997 gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren schnell zu einem populären Finanzdienstleister, vor allem für Unternehmen der Online-Pornographie. Im Jahr 2002 sollen ca. $400 Millionen an Kreditkartentransaktionen über „iBill“ abgewickelt worden sein – wobei der Kreditkartenprozessor einen Betrag von 15% der Gesamtsumme als eigenen Umsatz verbuchen konnte. 85% dieses Geldes sollen über die Sexindustrie umgesetzt worden sein. 2002 wurde „iBill“ von dem aus Atlanta stammenden Unternehmen „InterCept“ für $112 Millionen aufgekauft. Die neuen Bestimmungen des Kreditkartenunternehmens Visa, vor allem in Bezug auf die sogenannten „Chargebacks“ erhöhten die Kosten für Adultwebmaster erheblich, zogen Kontenauflösungen und Vertragswechsel zu anderen Dienstleistern nach sich und führten zu Umsatzeinbrüchen bei „iBill“. 2003 sollen nur noch $330 Millionen an Transaktionen über „iBill“ abgewickelt worden sein. 2004 wechselte das Unternehmen mehrfach den Besitzer und befand sich im Zentrum undurchsichtiger Finanzspekulationen. Im März 2004 wurde „iBill“ von „InterCept“ an ein Finanzkonsortium, zu welchem seit der Insolvenz von „General Media“(2003) auch „Penthouse International“ gehört, verkauft. Im August 2004 übernahm die „Care Concepts I, Inc.“ zu 100% die „Internet Billing Company(„iBill“) von „Penthouse International“ für $55 Millionen und einen Aktienanteil von 19,9% an „Care Concepts“. September 2004 verlor das Unternehmen seinen Geschäftskontrakt mit dem übergeordneten Kreditkartenprozessor „First Data“, da dort Unstimmigkeiten in Bezug auf Zusammenarbeit und Serviceleistungen zu den Kunden der Sexindustrie bestanden. Adultwebmaster mussten teilweise monatelang auf ihre Auszahlungen warten, während „First Data“ das Geld zurückhielt. Im Januar 2005 wurde „iBill“ dann für $23,5 Millionen an das Unternehmen „Interactive Brand Development“ verkauft. Der „neue“ Besitzer war kein anderer als die nach einer Umstrukturierung umbenannte „Care Concepts“. Anfang 2006 wurde bekannt, das persönliche Informationen von Millionen Kunden von „iBill“ in die Hände von Hackern geraten waren und auf den Internet-Schwarzmärkten kursieren. Diese Daten beinhalten zwar nicht die Kreditkartennummern, aber umfassen eine ganze Reihe sensibler Daten wie persönliche Namen; Berufsbezeichnungen, Wohnanschriften, Telefonnummern, E-Mail- und IP-Adressen, Kennwörter, Benutzernamen, Kreditkartentypen und Kaufsummen. Diese Sicherheitslücke soll insgesamt 18 Millionen Kunden von iBill betreffen, die im Zeitraum 1998 bis 2003 dessen Service in Anspruch genommen hatten.


Epoch Transaction Services”, zu dem auch „Paycom Billing Services” und “Card.com” gehören, ist ein 1996 gegründeter Internet Payment Service Provider (IPSP). Auf der Webmaster-Convention 1997 wurde, nach Änderung des Firmennamens in Epoch, der e-commerce- Service auf den Kundenkreis der Adult-Webmaster ausgerichtet. Epoch begann mit 7 Mitarbeitern und beschäftigt inzwischen (2006) 160 Angestellte. Nach einer Krise bedingt durch hohe Chargeback-Quoten, verschärfte Regularien durch Visa/Mastercard und damit einhergehende Schwierigkeiten den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, hat sich das Unternehmen inzwischen wieder konsolidiert. Zu Epochs Kunden zählen Unternehmen wie Net Management, Flashcash, Topbucks, Python und SilverCash. 2005 expandierte Epoch mit der Gründung von „PaycomEU.net” auf den europäischen Markt und bietet europäischen Webmastern einen fast identischen Service wie in den USA an. Die verschiedenen Online-Abrechnungssysteme umfassen Visa, Mastercard, Discover/Novus, ePassporte, JCB und U.S.-Checks. Zusätzlich wurden die Kartensysteme „Switch“ und „Solo“, die für den e-commerce vor allem in Großbritannien weit verbreitet sind (Anfang 2005 befanden sich mehr als 29 Millionen Karten im Umlauf) in das Angebot von Epoch integriert.

CCBill, ein 1998 gegründetes Unternehmen aus Arizona mit 200 Mitarbeitern, ist eine von fünf Firmen der „CWIE Holding Company Inc.“ und ist in der Adultbranche für eine konservative, aber auch solide Geschäftpolitik bekannt. CCBill bietet über die Partnerschaft mit „DRM-Networks“ (Digital Rights Management) seinen Kunden eine schlüsselfertige Lösung an, was den Schutz der Lizenzierung und des Copyright bei der Vermarktung digitaler Inhalte betrifft. Der IPSP ging aus der 1996 gegründeten „Cavecreek Web Hosting“ hervor, nachdem der Gründer und jetziger Präsident Ron Cadwell sich entschloss seinen 24 Stunden/7 Tage- Hosting-Service auf den e-commerce auszudehnen und so in Konkurrenz zu iBill und DMR zu treten, die ihren Service zu dieser Zeit nur 5 Tage die Woche anboten.


Netbilling Inc.“ (www.netbilling.com) ist ein kleinerer e-commerce-Dienstleister im weitesten Sinne. Sie hilft Online-Unternehmen den Verkauf von Produkten und Services über das Internet zu vereinfachen und zu erleichtern. Neben den regulären Kreditkartentransaktionen bietet „Netbilling“ außerdem eine alternative e-payment-Methode an. Zu den weiteren Dienstleistungen gehört die Übernahme des Kundenkontaktes der einzelnen Internetunternehmen via Telefon und E-Mail. Die Mitarbeiter im Kundencenter regeln unvollständige Vertragsabschlüsse und versuchen Annulierungen bei den Kreditkarteninstituten entgegenzuwirken. Ein Service der vor allem auf kostenpflichtige pornographische Webseiten auf Mitgliedschaftsbasis abgestimmt ist. „Netbilling“ wurde 1998 gegründet und beschäftigt mittlerweile über 30 Mitarbeiter. Über 70% ihrer Kunden kommen aus dem Adult-Bereich, neben Mainstream und Fetish-Seiten auch Alterbestätigungs- und Webmasterprogramme. Daneben hat das Unternehmen aber auch ein vielseitiges Portefolio von Kunden aus regulären Geschäftsbereichen zu verzeichnen, z.b. Photoausrüstungen, Pferdezucht, Ställe, Gartenbau, etc. und eine Reihe von Videoshops, Internet Service Providern, Content-Anbietern und Hosting-Firmen aus dem regulären wie aus dem pornographischen Geschäftsbereich. Ein Großteil der Kundschaft kommt aus den USA, „Netbilling“ betreut aber auch Kunden in England, Australien, Italien und Japan.


“Sultans of Smut – Cyperporn targets the Mainstream”, MSNBC.com, 09.08.2000, von Mike Brunker

http://www.msnbc.com/news/438846.asp?cp1=1

AVN-Online, “Netbilling Inc.: Smoothing the Way for E-Commerce” 12-1-2000

“Wired News Warns Consumers About iBill” 09.03. 2006


Alterbestätigungssysteme – Age Verification Systems


Die Struktur des Segments der Alterbestätigungsprogramme (Age Verification Services/AVS) reflektiert die der gesamten Branche. Es gibt um die 10 maßgebliche Unternehmen, wie AdultCheck, in diesem Sektor, die zwischen 60% bis 80% der über AVS betriebenen Webseiten abdecken. Die Gebühren für den Enduser variieren zwischen $20 vierteljährig bis $25 pro Monat. In der Regel wird ein einfacher und ein Premium-Zugang angeboten. Diese Einnahmen werden zwischen den AVS-Operateuren, den beteiligten Webseiten-Betreibern und dem jeweiligen Inkasso-Unternehmen geteilt. Das Geschäftsmodell der Alterbestätigungssysteme betrifft vor allem Webmaster, die eine Mehrzahl von kleinen, selten aufgefrischten Webseiten ins Netz stellen, um Traffic zu generieren. Bei diesem Modell werden die Kreditkarteninformationen von einer Drittfirma, die das Alterbestätigungssystem betreibt, abgefragt. Dieses System beruht auf der Annahme, das Kinder keinen Zugang zu Kreditkarten haben. Die Webmaster stellen ihr unzensiertes pornographisches Material in einen passwortgeschützten Bereich ein und verweisen in ihren Startseiten auf dieses Angebot. Die interessierten User werden aufgefordert nachzuweisen, das sie volljährig sind und erhalten dann ein Passwort und einen User-Namen von der Firma die das Alterbestätigungssystem betreibt. Der Webmaster seinerseits erhält für jeden User, der sich über seine Webseiten in das Kontaktformular einträgt, einen bestimmten Betrag.


Eines der größten Unternehmen der us-amerikanischen Online-Pornographie ist „Cybernet Ventures” mit Sitz in Kalifornien, die das Alterbestätigungssystem „Adult Check“ betreibt. Mehr als 4 Millionen Kunden zahlen dreimonatlich eine Summe von 20$ und bekommen im Gegenzug ein Passwort und einen Usernamen, der ihnen den Zugang zu mehr als 400.000 pornographischer Webseiten verschafft. Der jährliche Umsatz von „Cybernet Ventures” soll 2002 bei 320 Millionen Dollar gelegen haben. Im Bereich der Alterbestätigungssysteme ist diese Firma Marktführer. „Adult Check“ ist eines von vier führenden Zugangssystemen für pornographische Webseiten, die seit dem „Communications Decency Act“ von 1996, welches die Angabe von Kreditkarteninformationen für User pornographischer Webseiten zum Schutze von Minderjährigen vorschrieb, enorm an Bedeutung gewonnen haben. Weitere Firmen in diesem Segment sind “CyberAge“ und „NetVerifier”. Die kalifornische Firma “CyberAge“ wurde von drei ehemaligen Mitarbeitern von „Adult Check“ gegründet und gewährt inzwischen Zugang zu ca. 250.000 Webseiten. „NetVerifier” (Elite Erotic Portal) ist ein unabhängiges Wiederverkaufsprogramm, welches bereits seit 1995 online ist. Der primäre Service besteht in einem Alterbestätigungsprogramm, inklusive Passwortvergabe, für den das Unternehmen ihren Partnern eine Kommission in Rechnung stellt. Das Unternehmen, dessen Büros in Tampa liegt, beschäftigte 2003 24 Mitarbeiter und listete über 240.000 Seiten. Für eine Gebühr von $29,95 haben User für den Zeitraum von 2 Jahren Zugang zu dem kompletten Netzwerk. Desweiteren betreibt das Unternehmen separat „GayVerifier“ und „LadyVerifier“. 2002 sollen über 60.000 Unternehmen den Service von „NetVerifier” in Anspruch genommen haben.


Quelle: AVN-Online, „A Webmaster Roundtable, Part One“ 7-1-2001


Dialer


Eine weitere Methode, Mitgliedsbeiträge einzufordern, sind Dialer. Dies sind Einwahlprogramme, die sich auf dem Computer der Internet-Nutzer installieren und Internetverbindungen automatisch über eine andere als die eingestellte Standardverbindung herstellen. Der Kunde lädt die Dialer-Anwendung von einer Webseite herunter und füllt die Kontaktdaten aus. Das Programm schaltet den Verbraucher vom Internet ab und baut eine separate, kostenpflichtige Verbindung über eine Telefongesellschaft zu der Webseite auf. Die Kostenabrechnung erfolgt über die Telefonrechnung des Kunden. Ursprünglich waren sie als einfache und anonyme Zahlungsmethode im Internet gedacht, die vor allem vom Sexbusiness genutzt wurde. Diese Programme waren vor allem in Europa verbreitet, wo die Weitergabe von Kreditkarteninformationen nicht so akzeptiert wurde wie in den USA. In den Vereinigten Staaten haben sich diese Programme nie in dem Maße durchsetzen können und sind inzwischen auch dort wegen ihres Missbrauchspotentials zunehmend in Verruf geraten. Die zuständigen US-Behörden erschwerten ihrerseits den Einsatz von Dialern als Bezahlalternative zur Kreditkarte mit der Begründung vermeintlichen oder realen Missbrauches, so dass Unternehmen der Online-pornographie erst seit den letzten Jahren verstärkt auf alternative Abrechnungsverfahren zurückgreifen konnten um der Monopolstellung von Visa und MasterCard auszuweichen.


Im Oktober 2000 beendete die Federal Trade Commission (FTC) alle us-amerikanische Unternehmungen der “Verity International, Ltd”, einer kleinen Dialer-Firma. Die beiden britischen Besitzer Robert Green und Marilyn Shein wurden beschuldigt mehr als 110.000 US-Amerikanern betrogen zu haben, indem sie ihnen über einen Dialer $3,99 pro Minute für den Besuch pornographischer Webseiten abrechneten, die Kunden aber von weitaus niedrigeren Preisen ausgingen. Die Dialer-Firma stand in direkter Verbindung mit „RJB Telcom“, eines der größten Unternehmen der Online-Pornographie. Die Gebrüder Robert J. und Richard D. Botto, Besitzer von „RJB Telcom“ wurden in diesem Zusammenhang angeklagt. Auf den RJB-Webseiten wurden die potentiellen Kunden zuerst auf eine Formularseite weitergeleitet, die die traditionellen Bezahlmethoden via Kreditkarte anbot. Bei Usern, die sich nicht auf eine Mitgliedschaft einließen, klappte eine Konsole mit der Dialer-Anwendung auf. Zuerst betrieben RJBT ihr eigenes Dialerprogramm über AT&T, die diesen Service aber beendete. Daraufhin wendete sich RJBT an die Firma „Verity International“, die den Dialer-Service betrieb bis seitens des FTC Anklage erhoben wurde. Beide Firmen wurden angeklagt, das sie es unterlassen hatten Minderjährigen den Zugang zu ihren Webseiten zu versperren und das es Usern schwer bis unmöglich gemacht wurde den Dialer-Service zu beenden. In dem Zeitraum dieses Jahres war die Chargeback-Rate so hoch, dass sich Visa Ende Juli 2000 entschloss RBJ Telcom aus dem us-amerikanischen Kreditkartengeschäft auszusperren. MasterCard seinerseits sperrte die Geschäftskonten im August gleichen Jahres wegen einer Rückzahlungsquote die bei über 14% lag. Im Oktober wurden dann per Gerichtsbeschluss die Vermögenswerte von RBJ Telcom eingefroren. Die Botto-Brüder wiesen die Vorwürfe der Anklage von sich und behaupteten, das Sicherheitslücken in ihrem System es einzelnen Webmastern aus den Partnerprogrammen möglich gemacht hätten, derartige kriminelle Verfahrensweisen unbemerkt zu implementieren. RBJT einigte sich im August 2001 mit dem FTC ohne dabei irgendeine Schuld einzugestehen. Die Auflagen denen sich RBJT unterwerfen musste, beinhalteten u.a. das Zugeständnis keine Dialer mehr zu benutzen, keine Gelder von Konsumenten ohne die notwendige Authorisation einzuziehen und neue Sicherheitstechniken zur Vorbeugung gegen eventuellen Missbrauch zu installieren. Außerdem stimmte sie einer dreijährigen Überwachung ihrer Geschäftsbetriebe durch die FTC zu und hinterlegten eine Kaution von 250.000 Dollar, die im Falle einer Verletzung der Auflagen einbehalten werden sollte.

17
Okt
08

Partnerprogramme (Affiliates)

Partnerprogramme (Affiliates)

Affiliate- oder Partnerprogramme sind Provisionssysteme für das Bewerben von bestimmten Produkten oder Dienstleistungen. Ein Webmaster einer gut frequentierten Internetseite vermittelt von seiner Seite Kunden weiter und erhält dafür eine Provision. Eine weitere weit verbreitete Möglichkeit ist der Design von sogenannten „free“-sites um dann den Traffic zu einem der verschiedenen Pay-Sides weiterzuleiten. Als eines der größten und populärsten Affiliate-Programme für Adult-Webmaster galten die von „Innovative Ideas International, Ltd“ betriebenen “Adult Revenue Services”. Nach “Forrester Research” wurden 1999 13% des e-commerce über Affiliate-Programme generiert, 2003 bereits 21%. Diese Partnerprogramme sind eine wichtige Einkommensquellen für die kostenpflichtigen Mitgliederseiten und eine sehr effektive Methode Traffic auf die dementsprechenden Seiten zu lenken und zu erhöhen. Dieses Geschäftsmodell ist allgemeingültig, ob es sich um die einzelne Homepage eines Webmasters handelt oder um ein Unternehmen mit tausenden von Domains. In der Regel leiten die kleineren Portalseiten potentielle Kunden zu den kostenpflichtigen Mitgliederseiten der großen Unternehmen weiter, diese wiederum zahlen prozentuale Gewinnbeteiligungen an den Einnahmen, die aus diesen weitergeleiteten Traffic resultieren. Dieses Verfahren wurde erstmals von führenden Betreibern pornographischer Seiten eingeführt.


Um unter Beweis zu stellen das ihre Webseite gut besucht wird, gingen viele Webmaster dazu über Besucherzähler auf ihrer Startseite zu platzieren. Da diese aber leicht zu manipulieren waren und man dem Kunden objektive Zahlen präsentieren wollte, verlagerte sich dieser Bereich zu Drittfirmen, deren Zähler dann die Daten zur deren Webseite sendeten, dort auswerteten und die Ergebnisse dann wieder im Zähler der Ausgangseite präsentierten. Das erste daraus resultierende Geschäftsmodell bot „Cybererotica“ im Jahr 1996 mit dem „XXX Counter“ (inzwischen im Besitz der Firma „SexTracker“) an, wo Webmaster die Anzahl der Besuche und Mitgliedereinschreibungen darstellen konnten und gleichzeitig eine Analyse ihres Traffic bekamen. Um diesen Service in Anspruch nehmen zu können, zahlten die Adult-Webmaster ihrerseits mit Traffic, indem sie den Icon „The World’s Top Sex Sites“, eine Linkhitliste von Cybererotica, auf ihrer Startseite platzierten. Dieses Geschäftsmodell war einer der Vorläufer der späteren Partnerprogramme. Als nächstes entwickelte Cybererotica „Fast Cash Count“, welches neben den Zählerstatistiken den beteiligten Webmastern einen Prozentsatz an Mitgliedsbeiträgen zahlte, wenn der User über die betreffende Webseite den CashCount-Ikon anklickte und sich danach einschrieb. Auch wenn es zu keinem neuen Vertragsabschluss kam, zahlte Cybererotica für jeden Click auf den Ikon einen Betrag zwischen 0,05 bis 0,10$ und bot damit eines der ersten Pay-per-Clickthrough-Programme im Internet an. Dieses Modell erwies sich allerdings als anfällig für Manipulationen: bereits mit dem ersten Pay-per-Click-System tauchten sogenannte „clickbots“ auf, einfache Programme die den Task des Bannerclicks automatisierten und vervielfältigten. Die Partnerprogramme gingen daraufhin dazu über nur für Clicks zu zahlen, die jeweils von einer einmaligen IP (Internet Protokoll)-Adresse kamen. Click-throughs die über Clickbots maximiert wurden, wiesen demgegenüber nämlich immer die gleiche IP-Adresse auf. Als nächstes tauchten dann Systeme auf, die in der Lage waren zu dem Server des Partnerprogramms gefakte IP-Adressen zu senden. Da der Kontrollaufwand bei diesem Geschäftsmodell sehr aufwendig ist, verzichten inzwischen viele kommerzielle Pornoseiten, die Partnerprogramme anbieten, auf diese Bezahlmethode.


Zu einem nachgefragten Service und wichtigen Marketing-Instrument hat sich die Analyse des Traffics und des Surfverhaltens entwickelt. Mittels speziell entwickelter Software ist eine Analyse der Server Log Files möglich geworden. Server Log Files können einem Webmaster Informationen über das Surfverhalten des Users liefern: von welcher Webseite er gekommen ist, welchen Browser er benutzt, seine IP-Adresse, welche Seiten besucht worden sind und wie viel Zeit er auf den einzelnen Seiten verbracht hat. Log-file-Analyse-Software vereinfacht und automatisiert den Prozess der Informationsauswertung und macht es Webseitenbetreibern und potentiellen Werbekunden möglich nachzuvollziehen von welchen Webseiten Traffic generiert wird und wie der Surfer auf Werbeaktionen und den Aufbau der Webseite reagiert.

Die Vertragsbedingungen zwischen Partnerprogramm und einzelnen Webmastern, die in den sogenannten „Terms&Conditions“ festgelegt werden, sind in der Regel darauf angelegt den Anbieter juristisch abzusichern und Geschäftsbedingungen zu schaffen die einen hohen Traffic und Kundenzufriedenheit gewährleisten. Im Allgemeinen wird es den Partnerseiten verboten insbesonderen Kinderpornographie und anderes Material, welches illegal ist oder gegen die Copyrightbestimmungen verstößt, zu veröffentlichen. Desweiteren führt die Praxis von Spam-e-mails, und die Veröffentlichung von illegalen Passwörtern, MP3s und gecrackter Software in der Regel zum sofortigen Vertragsabbruch. Eine steigende Anzahl von Anbietern lässt inzwischen keine Partnerseiten aus Ländern des osteuropäischen Raumes wie Rumänien, Bulgarien und Russland mehr zu, da die Missbrauchsrate dort zu hoch ist, desgleichen betrifft Webseiten deren Betreiber aus Ländern stammen in denen Pornographie mit hohen Strafen belegt und bis hin zur Todesstrafe verfolgt wird, wie z.b. in Pakistan und Singapur. Diese „Terms&Conditions“ wurden spätestens ab Januar 2001 ernstgenommen, als AOL erfolgreich gegen die Firma Cyber Entertainment Network prozessierte, da über einige der Partnerseiten von CEN AOL-Mitglieder vom massiven Spamming betroffen waren. Das Gericht stimmte der Position von AOL zu, das ein Unterbinden, bzw. Verhindern solcher Vorgehensweisen in der Verantwortlichkeit von Cyber Entertainment Network gelegen hätte.


Einzelne Anbieter von Partnerprogrammen


Alle Majors der Onlinepornographie bieten Affiliate-Programme an, wie Cyber Entertainment Network (CEN) mit „ TrafficCash“ und ca. 35.000 beteiligten Adult-Webmastern(2001) und RJB Telecom mit “MaxCash“. „Kara’s Adult Playground”, mit dem Affiliate-Programm “MaxCash” ist eine Megaseite, die Zugang zu einer Vielzahl von Hardcore-Seiten mit mehreren hunderttausend Photos und Online-Videos offeriert. Nach Firmenangaben sollen seit 1996 ca. 250.000 Webmaster an dem Partnerprogramm beteiligt gewesen sein. Es gibt aber auch eine Reihe von Unternehmen die sich ausschließlich auf dieses Segment konzentriert haben. Viele dieser Partnerprogramme bieten inzwischen das gesamte Spektrum möglicher Serviceleistungen für den einzelnen Webmaster an. Neben den bereits aufgezählten Leistungen gehören dazu das Angebot pornographischer Inhalte wie Bildergalerien, Videos, interaktiver Content sowie das komplette Weblayout, bis hin zu den Bezahlvorgängen, die entweder über ein eigenes e-commerce-System oder über unter Vertrag stehende IPSP`s abgewickelt werden.

“SPACash” ist aus dem “LiveInteractive.net” des aus Uruguay stammenden Pel Martin Caetano hervorgegangen, der zum Zeitpunkt der Unternehmungsgründung noch nicht – oder gerade volljährig war. “LiveInteractive“ bestand aus zwei Partnerprogrammen die ausschließlich im europäischen Raum populär waren. Im August 2003 wurde „SPONSORadulto.com“ gegründet, welches bereits im Oktober gleichen Jahres die Hälfte des spanischen Marktes vereinnahmt hatte und über eine Crew von 20 Mitarbeitern verfügte. Im Anschluss und mit einer Geschäftspartnerschaft mit dem Franzosen Antoine Moreau folgte „SPONSORIX.com“, welches sich bereits 2004 zu einem der populärsten Partnerprogramme im französischen Online-Pornobusiness entwickelt hatte. „LiveInteractive“ hatte mit diesen beiden Programmen ca. 20.000 angeschlossene Webmaster. Das nachfolgende „SPACash“, mit einem Fokus auf den us-amerikanischen Markt, ist von vornerein auf ein globales Marketing ausgerichtet und bietet den Content in 10 verschiedenen Sprachen zur Auswahl an. Das Unternehmen verfügte in der Startphase über ein Netzwerk von 30 Webseiten und beschäftigte 125 Angestellte, die in zwei Schichten arbeiteten. Der Webanalyst “Alexa” gab 2007 das britische Unternehmen “Global Business P. Partnership“ als Betreiber an.


MeatCash”, mit der Muttergesellschaft “MNP Enterprises” steht als Partnerprogramm und Content-Produzent für eine Produktlinie, die unter dem Begriff “Rough Sex“ zusammengefasst wird. Dies geht von der Darstellung von „harten“, bisweilen schmerzvollen Sex , zu dementsprechenden Hardcore-BDSM, bis zu speziellen Angeboten wie Bukkake. Die Darstellerinnen werden in zwei ausführlichen Interviews abgefragt und vorbereitet und wissen worauf sie sich einlassen. Jede der Frauen setzt ein Limit, wieweit sie in den Szenen zu gehen bereit ist und bringt in der Regel ein gewisses Maß an schauspielerischen Potential mit ein, was dann im Endresultat als eine dramatische Narration vom User abgerufen werden kann. Der Begriff „Rough Sex“ wurde Ende der 90er vom Filmstudio „Anabolic” geprägt. Eine der Regisseurinnen dieses Studios gestaltete Webseiten wie “MidnightProwl.” und “Meatholes.com” mit, die 2003 mit der Gründung von „MeatCash“ ihren Start up hatten. Mit dem wachsenden Erfolg dieser Seiten folgten weitere Seiten wie: „CockBrutality“ und “Ass2MouthSluts”, bis die Zahl der Webseiten dieses speziellen Spektrums Ende 2005 bei über 30 lag – mit steigender Tendenz. Die Programme „StoneyCash”, “VouyerCash” und “RectalRevenue” schlossen sich “MeatCash” an, welches aufgrund einer Initiative der Muttergesellschaft MNP inzwischen die Onlinepräsenz für bekannte Regisseure stellt, die bei Studios wie „Red Light District“, „Platinum X Pictures“ und „Anarchy“ produzieren


SmashBucks” ein Partnerprogramm und Hosting-Service für Adult-Seiten wird von Mike Hawk, einem ehemaligen Nachtclubbesitzer und seinem Partner T. Spikes betrieben. Beide begannen ihre Karriere als Internet-Unternehmer eher zufällig mit dem Start up von „CandyFilms.com“ mit dem sie den Musikclip “Porno Star” der Musikgruppe von Spikes vermarkten wollten. Der Online-Video generierte wohl hauptsächlich wegen dem Titel soviel Traffic, das die beiden entschlossen ernsthaft in das Geschäft mit der Online-Pornographie einzusteigen. Sie sicherten sich die Rechte an den Filmen von Mike Paulson, der u.a. mit Ginger Lynn und John Holmes gedreht hatte, gründeten „PornStarClassics.com“ und vermarkteten als eine der ersten alte Pornofilme aus den 70er und 80ern im Internet. Einige Jahre später wurde „SmashBucks“ zusammen mit einem Netzwerk verschiedener Webseiten gegründet. Mit einer Reihe werbewirksamer Marketingmaßnahmen, wie teilweise kostenfreier Content und Hosting, sowie günstigen Gewinnbeteiligungen entwickelte sich „SmashBucks“ zu einem erfolgreichen Unternehmen in dem Segment dieser Branche.


2002 gegründet als ein Partnerprogramm für Paysites, bietet „Epic Cash“ (www.epiccash.com) des Gründers Trey Hickey inzwischen die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten des Geldverdienens für Adult-Webmaster an. EpicCash verfügt über ein Netzwerk von 44 kostenpflichtigen Seiten und zahlte seinen Affiliates $30 Dollar pro Neueinschreibung. Dazu gehören seperate Programme wie „Epic DVDs“ und „URentDVDs.com“ zum Verkauf, bzw. Verleih von DVD`s, die Vermarktung von Aphrodisica und anderen Zusatzstoffen mit dem „Herbal Gains“-Programm, die „Epic Mail Free Sites“, Click-Through- und Build-your-own-Tour-Programme und die Dialer und Zähler-Programme „Epic Dialer“ und „Epic Tracker“. Mit „Blue Frog Mobile“ hat EpicCash verschiedene Bezahl-Modelle entwickelt um auf den Mobile-Markt zu expandieren.


SilverCash, das Programm der kalifornischen Price Communications Inc. ,wurde 1999 von Mike Price gegründet, der bereits seit 1994 ein erfolgreicher Unternehmer im pornographischen Business ist. SilverCash weist einen hohen Traffic auf und betreibt ein Netz von ca. 90 Hardcore-Seiten mit über 30.000 Affiliates zu dem Webseiten wie galleryhost.com, sologirls.com, manhunter.com und videoseekers.co gehören.


Der Mobile Markt


Die neue Handytechnologie mit visuellem Display und Videofunktion hat die Möglichkeit für Erotik- und Pornoangebote auf dem Handy geschaffen und das Mobile-Sex-Segment für die Adultbranche eröffnet, die dabei ist ihren Online-Markt auf den Mobilsektor auszudehnen und miteinander zu verknüpfen. 2007 betrug das globale Marktvolumen für Mobil-Porn, laut Juniper Research, $1,7 Milliarden, wovon 45% auf den westeuropäischen Markt entfallen. Der branchenspezifische Industrieanalyst Juniper erwartet global einen Wachstum auf 3,5 Milliarden bis 2010. 775 Millionen Dollar betrug der Umsatz 2007 in Deutschland, bis 2012 wird eine Steigerung auf 1,5 Milliarden Dollar prognostiziert. Der Umsatz des nordamerikanischen Marktes betrug 2007 hingegen nur etwa 26 Millionen Dollar. Trotz der zum Teil strengeren Jugendschutzbestimmungen in Westeuropa, scheint die Mobile Phone-Industrie hier weniger reguliert zu werden.

Im Jahr 2005 hatten Debitel, E-Plus, Mobilcom, o2, Talkline, T-Mobile und Vodafone einen Verhaltenskodex zum Jugendschutz im Mobilfunk unterzeichnet. Zu diesem Zweck wurden Altersverifikationssysteme eingeführt: der User muss sich, etwa beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages, identifizieren. Um an die entsprechenden Inhalte zu gelangen, muss dann eine „Authentifizierung“ über eine PIN-Nummer oder eine spezielle SIM-Karte stattfinden.

Viele Anbieter in Übersee fürchten, mit pornographischen Inhalten politische und religiöse Gruppen als Kunden zu verlieren und scheuten daher vor derlei Dienstleistungen zurück. So nahm die kanadische Telus Corp. 2008 nach einer Kampagne, die in hunderten von Kundenbeschwerden und öffentlicher Kritik seitens der katholischen Kirche gipfelte, ihre Mobile Porn-Angebote vom Netz. Dies scheint sich nun allerdings zu ändern. So planen die Mobilfunkbetreiber, die Kontrollfunktionen zu lockern und breiter gestreute Dienstleistungen, etwa im Erotikbereich, zuzulassen. Dies liegt u.a. in der Technologie der sogenannten Smart Phones begründet. Vor allem Apple´s iPhone mit seiner miniaturisierten Version der Safari-Software bietet optimale Möglichkeiten für das schnelle Websurfen, Downloads und die qualitative Wiedergabe von Streams. Bereits vor dem Verkaufsstart des iPhone 2.0 gab es in den USA mehrere hundert Webseiten, die ausschließlich auf diese Applikation ausgerichtet waren.

Die Möglichkeit den Besuch von Pornowebseiten über eine „Premium-Text-Nachricht“ via SMS per Handy abzurechnen, gibt dem Kunden das Gefühl anonym zu bleiben und könnte Dialer in naher Zukunft ersetzen. Eines der größten Unterschiede zwischen dem Internet und der Mobile-Technologie ist , das Mobile-Konsumenten keinen Zugang zu freiem Content haben, wie dies im Internet der Fall ist. Inhalte die heruntergeladen werden, bewegen sich zumindestens im Preissegment der Kosten für eine SMS oder eines Telefongespräches. Ein weiterer Unterschied liegt darin, das für Content-Anbieter eine weitaus größere Zahlungssicherheit besteht, da Mobiltelefonnutzer bereits als zahlende Kunden registriert sind und der Aufwand eigener Abrechnungssysteme entfällt, da entstehende Kosten über die monatliche Telefonrechnung abgerechnet werden.

Beim Mobile Payment wird per Handy die Zahlung durch den Handybesitzer autorisiert und der Betrag eingezogen. Die Abrechnung erfolgt entweder direkt durch den Mobilfunkbetreiber über die monatliche Handy-Telefonrechnung oder durch einen Inkassodienstleister. Hier gibt es welche, bei denen sich der Endkunde registriert und sein bevorzugtes Abrechnungsverfahren (Kreditkarte, Lastschrift) hinterlegt. Fällige Beträge werden dann über das hinterlegte Abrechnungsverfahren eingezogen. Bei einer Premium-SMS wird per Handy oder Festnetz eine SMS Nachricht an eine fünfstellige, so genannte Short Nummer verschickt. Dabei spielt es keine Rolle, bei welchem Mobilfunkanbieter der Endkunde sein Vertrag abgeschlossen hat. Durch die Integration einer Mitteilung innerhalb der SMS-Nachricht können verschiedenen Anbieter und Angebote über die gleiche Short Nummer verarbeitet werden bzw. individuelle Angebote abgerechnet werden. Es ist keine separate Registrierung des Endkunden notwendig, noch müssen Kreditkarten oder Bankverbindungen in irgendeiner Form hinterlegt werden. Die Abrechnung erfolgt über die Mobilfunkbetreiber. Bis jetzt wurden die Premium-SMS überwiegend für die Bezahlung von Klingeltönen und für SMS-Chats verwendet. Die Bezahlung von pornographischen Content, wie auch die Möglichkeit einer Alternative zu den klassischen Bezahlverfahren bietet sich an. Der Endkunde könnte per SMS-Nachricht ein Passwort für einen kostenpflichtigen Bereich anfordern. In einer Antwort-SMS wird das Passwort übermittelt und der Endkunde kann den Mitgliederbereich betreten und per SMS Content bestellen, der entweder an das Handy oder an die zu diesem Zweck mitüberlieferte e-mail-Adresse übermittelt wird. In der Regel können bei den einzelnen Mobilfunkanbietern Beträge zwischen € 0,19 und € 3,- abgerechnet werden. Größere Beträge sind nicht möglich und könnten nur durch das Versenden von mehreren SMS-Nachrichten realisiert werden.

Bis jetzt sind die Bezahlverfahren via Handy überwiegend auf das Segment des Micropayments ausgerichtet und erfordern damit innovative Lösungen und eine leistungsfähige Software, die die Funktionsweisen von Handytechnologie und Computer, bzw. Internet in Bezug auf das Mobile Payment deckungsgleich und komplikationslos miteinander verbindet. Denkbar wäre auch – unter der Voraussetzung der Implementierung neuer Sicherheitsstandards, die Missbrauch und Betrug weitgehend ausschließen – eine Öffnung des Mobile Payments hin zu Transaktionsvolumen wie sie im regulären e-commerce üblich sind. Dies würde allerdings eine weitgehende Geschäftskooperation, bzw. Zusammenschluss zwischen großen Telekommunikations- und Finanzdienstleistern voraussetzen.

Eine weitere interessante Methode der Bezahlung mittels Mobiltelefons wird in Japan praktiziert. Dort können Mobile-User bei Transitstellen und anderen Gebühren, die sich im Segment des Mikro-Payments bewegen, ihr Telefon konkret als Zahlungsmittel verwenden indem sie es ein paar Zentimeter vor einem Zahlungsterminal halten. Das Terminal schickt eine Anfrage an einen dafür ausgerichteten Chip im Handy, der dann eine Seriennummer und ein individuelles Kryptogramm zurücksendet. Diese Daten werden vom Terminal an die beauftragte Bank gesendet, die wiederum bei der Bank des Users eine Identifikationsbestätigung und eine Genehmigung der Abbuchung einholt. Dieses Methode kann auf ein Kreditkartenkonto oder ein anderes Bezahlformat des Users eingestellt werden. In den USA gibt es ein ähnliches kontaktloses Zahlungssystem, welches allerdings auf einem Radio Frequency ID -Chip(RFID) beruht, den Exxon Mobil SpeedPass, der ein komplikationslose und schnelle Bezahlung an den Tankstellen ermöglicht.

Laut einer Studie von Maryam Kamvar und Shumeet Baluja, zwei Informatik-Professoren, die über eine Million Suchanfragen für Internetseiten von Mobiltelefonen und PDA`s im Jahr 2005 analysierten, sind pornographische Seiten bei Mobiltelefonnutzern populär und machen ca. 20% aller Suchanfragen aus. Die Besuche von Adult-Seiten über den Personalcomputer sind im Gegensatz zu 1997 im statistischen Wert gesunken. Obwohl diese Angebote über Mobiltelefone alle kostenpflichtig sind und die Qualität des visuellen Angebots auf den kleinen Bildschirmen fragwürdig ist – während über den regulären PC Zugang zu kostenloser und visuell optimierter Internetpornographie besteht – rechnet sich die Sexindustrie hohe Gewinnmargen aus, was das Potential des Mobile Payment betrifft, aber auch der direkten Vermarktung pornographischer Inhalte. Gerade bei Jugendlichen, die eine der großen Nutzergruppen des Mobiltelefons darstellen, steht der Konsum von Erotik-Content einer weitaus geringeren sozialen Kontrolle als beim heimischen PC gegenüber. Aber vor allem stellt der SMS-Markt, der problemlos über das Mikropayment abgerechnet werden kann, einen lukrativen Markt dar. Die weltweite “GSM Association”, die mehr als 450 Wireless-Netzwerk-Operateure vertritt, schätzte die Anzahl der bereits im August 2000 versendeten SMS-Nachrichten auf ca. 9 Milliarden und ging von einem Wachstumspotential aus, das sich in einer halbjährigen Verdopplung dieser Summe zeigen würde. SMS hat sich durch die Werbung als wichtiges Lifestyleelement bei Jugendlichen durchgesetzt und wird oft für private Kommunikation in öffentlichen Räumen genutzt und hat bei vielen Dating-Services bereits den telefonischen Kontakt ersetzt.

“Mobile phone users love their pornography”, 4/17/2006 , Nat Anderson

http://arstechnica.com/news.ars/post/20060417-6610.html

17
Okt
08

„Adult-Webmaster“ – Geschäftsmodell für Kleinunternehmer ?

In den USA soll es 2002 ca. 100 000 Paysites mit Adult-Content gegeben haben. Global deren 400 000. Was den amerikanischen Markt betrifft, sollen ca. 1000 „echte“ Unternehmen und 9000 weitere Firmen, deren Status nicht näher definiert ist, ihren Umsatz aus diesem Bereich erzielen. Das Geschäft ist zwar fest in der Hand von wenigen großen Companys aber auch Amateuren und Semi-professionellen  bietet das Internet eine Möglichkeit mit Gewinnen, die theoretisch in der Spanne von einigen tausend bis Millionen Dollar im Jahr liegen. Ein Homecomputer, digitale Photo- und Filmkamera und Produktionssoftware, die auch auf Amateurlevel angeboten werden, ermöglichen das Erstellen einer solchen Webseite. Weitergehend gibt es Firmen die bereits für $200 einen Grundstock an pornographischen Inhalten liefern um einem Webprojekt die Startphase zu ermöglichen, so dass neben den Produktionen der regulären milliardenschweren Sexindustrie, gleichzeitig eine Vielzahl sogenannter „Mom and Pop-Productions“ existieren. Die Hoffnung auf das „schnelle Geld“ erweist sich bei vielen dieser Kleinunternehmer allerdings als Illusion. Nach einer Untersuchung von YNOT (Juni 2000) sollen die Hälfte aller us-amerikanischen Adult-Webseiten weniger als 20.000$ Umsatz im Jahr gemacht haben.

Der Einstieg in das Internet-Porno-Geschäft scheint einfach. Jeder kann eine einfache pornographische Seite für unter 1000 Euro oder Dollar betreiben indem er bei den dementsprechenden Anbietern eine CD-Room mit pornographischen Photos kauft und die Seite dann ins Netz stellt- was dazu führte, dass ein Großteil dieser Webmaster den gleichen oder zumindestens austauschbaren Content gleicher Qualität benutzte. Laut „YnotMaster.Com“ liegen diese Kosten mindestens bei ca. 200$ für Photo-CDs mit einigen hundert Bildern und 800$ für lizenzierte Videoclips monatlich oder 400$ wöchentlich für exclusiven Videostream, plus der Kosten für die zusätzliche Bandbreite.  Bestimmte Firmen bieten bereits fertige Webseiten zum Verkauf an. Eine einfache Webseite mit Photos und Bannern kostete ca $3500, für knapp $5000 wurde eine Webseite inklusive Video-Streaming angeboten. Eine Seite mit einem kompletten e-commerce-Service, also mit zugehöriger Software für die Zahlungsabwicklung via Internet und weiterführenden interaktiven Diensten, lag allerdings bereits in der Preisklasse von knapp $35 000 (Anbieter: „Tiarra Corporation“) Bei der Produktion qualitativ hochwertiger Adultseiten, sogenannten „premium products“ sieht das Kostenverhältnis schon völlig anders aus. Das aufgewendete Kapital einiger Betreiber von amerikanischen Webseiten mit einem derartigen Anspruch bewegte sich zwischen 50 000 – 290 000$. Die größten Kosten entstehen dabei, neben dem Kauf der notwendigen Bandbreite, durch die Produktion von eigenem Orginalmaterial. Ein Photoshooting mit einem Pornostar kostet bis zu 500$ pro Tag. Die Kosten einer Filmproduktion können schnell über 10 000$ anwachsen. Das gesamte technische Equipment und die Filmcrew muss angemietet werden, dazu die Kosten für die Agentur, die für die Darsteller sorgt und die Gagen für die Akteure. Die Installation eines Live-Video-Systems – einer Mehrzahl von Web-Cams, die Anmietung dementsprechender Räume, die Gagen der Darsteller und die notwendige Software für den e-commerce und die interaktiven Funktionen können ein Startkapital von bis zu 60 000$ nötig machen. So sind die wirklichen Verdiener im Adult-Internet-Business in der Regel diejenigen, die bereits Verbindungen zur Sex-Industrie haben, bzw. innerhalb dieses Gewerbes auf das Internet umgestiegen sind, beispielsweise Print-Magazine mit eigenen Portefolios, Filmproduktionen mit einem Grundstock an Pornomodellen oder Telefonsex-Anbieter die auf die dementsprechende Logistik und Personal zurückgreifen können.

„Porn and Politics in a Digital Age“, Nicholas Confessore http://www.salon.com

In den 80er und 90ern war der Start-up einer kostenpflichtigen Porno-Webseite hauptsächlich eine Frage der Quantität des angebotenen Materials. Ein Webmaster konnte einen Satz von einigen tausend Bildern von einem Händler leasen oder kaufen und auf seiner Webseite mit Video-Clips kombinieren. Viele der „Teens” oder “Asians“-Seiten funktionierten nach diesem Muster und die größten Affiliate programme bauten auf diesem Typus von kostenpflichtiger Webseite auf. Seiten wie CyberErotica.com dominierten lange Zeit diese Branche. Inzwischen hat aber die quantitative Vermarktung viel an Effektivität verloren. Seitdem neben den schon lange bestehenden „Newsgroups“, peer-to-peer-Netzwerke wie „Kazaa“ dazu übergegangen sind Pornovideoclips und Bilder en masse frei anzubieten, verlieren Webmaster, die keinen eigenes, qualitativ hochwertiges Material anbieten können, zunehmend ihre Kundschaft. Webmaster von konventionellen  pornographischen Seiten im unteren Einkommenssegment werden  somit zunehmend auf die Affiliate-Netzwerke der Majors angewiesen sein, um ihr finanzielles Auskommen zu sichern. Eine Perspektive stellen die sogenannten Nischensegmente dar ( Amateur, Gothic, BDSM, „Rough Sex“, etc.), wo einerseits nur das Verlangen des Konsumenten an „Außergewöhnlichen“ und „Authentischen“ befriedigt wird, sich aber auch emanzipatorische Tendenzen der Swinger- und BDSM- und anderer Communities auf den pornographischen Markt ausgewirkt haben. In diesem Bereich ist eine zunehmende Tendenz zum Networking zu beobachten, während andererseits Produzenten herkömmlicher Mainstream-Pornographie dazu übergegangen sind Nischen zu covern indem sie die Modelle dem entsprechenden Dresscode gemäß einkleiden und das Interieur darauf abstimmen, das alte Produktions-Formula aber beibehalten.

Viele Webmaster bieten Ersteinsteigern einen begrenzten freien, oder günstigeren Zugang zu ihren Seiten, bei Angabe der Kontaktinformationen und der Kreditkartennummer – in der Regel auf 3 oder 7 Tage begrenzt. Wenn der Kunde dann aber nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit seine Testmitgliedschaft annulliert, wird der volle Mitgliedsbeitrag für einen Monat fällig (ca. 30$). Diese Geschäftspraxis der fortlaufenden, zahlungspflichtigen Mitgliedschaft stellt eine der Haupteinnahmequellen dieser Industrie und funktioniert faktisch genauso wie der Kundenfang mit kostenlosen, bzw. günstigeren Probeabonnements von Zeitungen, mit dem kleinen aber wichtigen Unterschied, dass bei der Zahlungspraxis via Web über Kreditkartennummer, die Kreditkartenunternehmen durch ihre Gebühren im nicht unerheblichen Maße an diesem Geschäft mitverdienen. Neben der Zugangsmöglichkeit über einen „Member-Bereich“, den man durch Bezahlung eines monatlichen Mitgliederbeitrages (Abbuchung über Kreditkarte) und Passwort online besuchen kann, setzt sich zunehmend das „Pay-per-View-Verfahren durch, wo der User ohne weitere Verpflichtungen nur für ein Produkt seines Interesses zahlt. Dies kann ein Videostream sein, zeitlich gestaffelte Ausschnitte einer DVD, eine Webcam incl. Chat oder eine exclusive Photoserie.


Der Besitzer von Cybererotica schätzte im Jahr 2001, das ca 20% des Traffics aller kostenpflichtigen Webseiten von unauthorisierten, nichtzahlenden Surfers kam, die gestohlene Passwörter verwendeten. Es gibt eine Anzahl sogenannter „Passwort-Seiten“ die Usernamen und Passwörter, die entweder gehackt oder aber von jemanden weitergegeben wurden der sich regulär zahlend Zugang verschafft hat, veröffentlichen. Dieses Problem, das fast ausschließlich nur pornographische Webseiten betrifft, kann ein kleineres Webseitenprojekt in den Konkurs treiben, da neben dem Verlust von Mitgliedsbeiträgen, bei exzessiven Surfen erhöhte Kosten für die zur Verfügung gestellte Bandbreite entstehen, die nicht amortisiert werden. Reagiert wurde mit der Entwicklung von Software, die den Zugang über gestohlene Passwörter einschränken. Diese Programme überwachen die einkommenden IP-Adressen und blockieren den betreffenden Account wenn sich über den gleichen Usernamen und Passwort verschiedene IP-Adressen anmelden wollen.


Bei der hohen Anzahl von Porno-Webseiten können deren Betreiber nicht mehr automatisch davon ausgehen, dass ihre Seiten gut besucht werden. Sie sind also auf Werbung angewiesen, die ihnen eine hohe Anzahl von Besuchern, auch „traffic“ genannt, sichert. Diese Paysites haben Geschäftsmodelle entwickelt in welchen sie Betreibern von Homepages und anderer Webseiten für die „Clicks“ (Mausclicks auf ihre Bannerwerbung), die dann direkt auf ihre Seite führen, bezahlen. Für viele Seiten deren Betreiber nicht ausreichend Kapital für eigenen Content und e-commerce-Software haben, hatte sich daraus ein z.T. lukratives Geschäft entwickelt. Sie bieten auf ihren Seiten eine Anzahl von freien Photos, die sie aus dem Netz gezogen haben, gemixt mit einigen Artikeln, an – während der hauptsächliche Inhalt ihrer Seite nur aus aufgelisteten Bannern besteht, deren Clicks sie sich dann von den Paysites bezahlen lassen. Dieses Geschäftsmodell hat aber bereits nach wenigen Jahren aufgrund zunehmender Konkurrenz, aber auch wegen unseriöser Methoden, an Attraktivität verloren. Laut der Firma MediaMetrix sind die Click-through-Raten von durchschnittlich 1% zu 1,5% im Zeitraum 1997-1999 auf 0,2 zu 0,33 im Jahr 2001 gefallen. Die Raten für Bannerwerbung sind ebenso gefallen, während  Mitte der 1990er ein Banner pro tausend Clicks noch 70$ kosten konnte, waren es bereits 1999 nur noch die Hälfte. Es gibt Unternehmen wie „SplitInfinity“, „WebSideStory“ und „SexHound“ die sich auf Clicking- und Counter-Software spezialisiert haben. „Counter“ – Zähler, sind insofern wichtig geworden, da die Attraktivität einer Webseite oftmals nicht mehr an ihrer wirklichen Qualität, sondern an der Hitliste, dem quantitativen Traffic gemessen wird. Dies hat dazu geführt, dass inzwischen in einem nicht unbeträchtlichen Maße – und langfristig zum Schaden der Adult-Industrie – hohe Umsätze mit der Manipulation des „Click- through“ und der Hitlisten gemacht werden. Da gibt es versteckte Clicks, zwei-bis dreifach-Clicks, vorprogrammierte „Linking-Zirkel“, die den Surfer innerhalb einer kleinen Gruppe von Seiten festsetzen. So können durch das „Click-through“ ansehnliche Geldbeträge zustande kommen und die betreffende Seite steigt in der Hitliste auf. Nach Einschätzung von Insidern des Adult-Webbusiness sollen bis zu 30% der 100 Topsites nichts anderes machen, als ihre Besucher über das „Clicking“ auszutricksen um „Hits“ zu erzielen.

http://archive.salon.com/21st/feature/1997/12/cov_01feature.html

Damit Pornoseiten Profit abwerfen, muss der Webmaster weitaus mehr tun als eine Domain anmelden, Content produzieren oder einkaufen, die Seite designen oder designen lassen und regelmäßig aufzufrischen. Zu den weiteren Geschäftspraktiken gehört neben den notwendigen Url-Eintrag bei allen wichtigen Suchmaschinen, der Einkauf von Traffic beispielsweise über einen kostenpflichtigen Eintrag eines relevanten Suchmaschinenbegriffs (z.b. High Heels oder Cheerleader) via „Click Through“ (8-11 Cent per Click) oder eine weitergehende Vermarktung über Firmen, die sich auf den Adult-Sektor spezialisiert haben wie „Traffic Dude“ oder „Detour Interactive“. Fast alle Suchmaschinen bieten Unternehmen die Möglichkeit einzelne Schlüsselwörter zu „kaufen“, die dann im Zusammenhang mit einer kombinierten Banner- und kommerziellen Linkwerbung, sowie im Listening eingesetzt werden können. Walt Disney beispielsweise kauft seinen Firmennamen und etliche weitere Schlüsselwörter und Charakternamen, wie „Entenhausen“ oder „Daisy“.


Ein weiterer Teil des Traffics wird über sogenannte Konsolen generiert, dies sind Fenster die aufpoppen wenn ein User die Webseite verlässt. Der Inhalt dieser Konsolen reicht von Bannerwerbung bis zu pornographischen Bildern, die auf ein weiterführendes kostenpflichtiges Angebot verweisen. In der Regel werden mehrere Konsolen verwendet, die den Kunden jeweils auf verschiedene Themenbereiche (Gay, Lesben, Teens, BDSM, Asian, etc.) verweisen, umso die Chancen zu erhöhen, dass der Kunde sich auf eines der zahlungspflichtigen Angebote einlässt. Eine weitere gebräuchliche Praxis den Traffic zu erhöhen ist es mehrere Free-Sides zu schalten, die alle auf das kostenpflichtige Webangebot verweisen.


Außerdem können Webmaster Werbekampagnen über Mail schalten lassen, allerdings keine Spam-Werbung, die eher kontraproduktiv wirkt, sondern Kampagnen, die sich auf klar definierte Zielgruppen beziehen. Firmen wie „Naughty Mail“ bieten ab 2500$ über 100 Listen verschiedener Zielgruppen von Internetpornokonsumenten an, die auf diese Art angesprochen werden können. In diesen Mailadress-Katalogen werden nur Personen aufgenommen, die von sich ausgehend, auf eine Anfrage-Mail eine Bestätigung-Mail zurückgesandt haben. Diese gesicherten Kundendaten werden mit bis zu 2$ pro Adresse gehandelt.


Aufgrund des Erfolgs vieler Amateur- und Alternaporn-Seiten, wo ein direkter Kontakt zwischen Usern und denjenigen die sich als Modelle präsentieren, besteht, sind viele Firmen dazu übergegangen den Usern auf ihren Webseiten die Möglichkeit der Interaktion mit regulären (oder virtuellen) Modellen via Chat und Mail zu geben. Viele Webmaster schließen inzwischen Geschäftskontrakte mit Firmen wie AEBN(Adult Entertainment Broadcast Net) ab. AEBN repräsentiert über 300 Studios und bietet eine große Auswahl an qualitativen Inhalten. Aber vor allem ist AEBN Markführer im Video-Demand-Verfahren und bietet die Möglichkeit Content in das Pay-per-View-Verfahren einzubinden. Dieses Verfahren erlaubt dem User, ohne monatliche Mitgliedsgebühr im Minutentakt nur das zu bezahlen was er sich gerade anschauen will. Viele Webmaster kombinieren inzwischen die Modelle „Pay-Side“ und „Pay-per-View“ und es ist gut möglich das sich dieses Verfahren als Bezahl-Modell gegenüber anderen Möglichkeiten im Internet in den nächsten Jahren durchsetzen wird.


Patent-Portefolios –  Ein neues Betätigungsfeld für Juristen


Auf dem US-Markt zeichnet sich eine Entwicklung ab, die in Zukunft auch in Europa viele Unternehmen betreffen und einer beträchtlichen Anzahl von Juristen ein neues Arbeitsfeld bieten wird. Firmen, die im Besitz von Patent-Portefolios und einer gut ausstaffierten Rechtsabteilung  sind,  haben es zu ihrem Geschäftsmodell gemacht Firmen aus den High Tech- und Kommunikationsbranchen und dessen Nutzern zur Abgabe von Lizenzgebühren zu zwingen. Eine dieser Firmen, die in den USA  mit dementsprechenden Forderungen an Unternehmen des Online-Bereiches herangetreten ist , ist die „Acacia Group“. Die „Acacia Technologies Group“  kontrolliert 29 Patentportefolios, die insgesamt 126 US-Patente mit einschließen. Diese Patente betreffen u.a. das Audio/Video-On-Demand-Verfahren, Kryptographie, die Ton- und Videosynchronisierung, Abrechnungssysteme via Kreditkarte und die Anmeldung in drahtlosen Internetzugängen. Zu den Unternehmen, die bereits mit Forderungen von Acacia konfrontiert wurden, gehören die Mediengruppe Bloomberg und die New York Times, auch Unternehmen, die mit der Online-Pornographie erhebliche Umsätze erzielen, sind betroffen. Acadia hält 5 US-Patente im Bereich der Digital Media Transmission (DMT)-Technologie, die die Downloading-, Streaming- und On-Demand-Verfahren von Audio und Videodateien im Internet betreffen. 2003 hatte Acadia gegen 21 Unternehmen der Online-Pornographie Prozesse wegen dem Patentrecht angestrengt. 27 weitere Unternehmen hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf Vereinbarungen mit Acadia eingelassen, die zwischen 1-2 Prozent des Gesamtumsatzes der Unternehmen für eine Lizenzierung ihrer Patente einforderten. Zu diesen Unternehmen gehören „LodgeNet Entertainment Corporation”, ein Hotel-Video-on-demand-Service, das Adult-Webmaster-Affiliate-Programm „CECash“, sowie „Babenet“.


Während die größeren Unternehmen der Branche freiwillig 2% ihres Bruttoeinkommens für Lizenzgebühren hergeben, vor allem um die ungleich höheren Prozesskosten mit diesem Unternehmen zu vermeiden, gibt es u.a. bei Internetaktivisten und einzelnen Adult-Webmastern den Ansatz sich gegen diese Forderungen zu organisieren. Auf dem Info-Board der Webseite Ynotmasters.com war von einer „Fight The Patent Foundation (FTPF)” die Rede, einer gemeinnützigen Organisation, mit dem Ziel den einzelnen Webmastern mit Rechtsbeistand zur Seite zu stehen und eigene, Non-Profit-Patent-Portefolios zu entwickeln. Eine andere Organisation, die„Electronic Frontier Foundation (EFF)“ hat eine Top-Ten-Liste von Patenten aufgestellt, die sie für besonders absurd und schädlich hält und ficht besonders strittige Patente auf eigene Kosten an.. Das »Einkaufen mit einem Klick« gehört dazu, das der Internet-Buchhändler Amazon für sich beansprucht, das „Pop-up-Fenster“, der „Hyperlink“, der „Online-Einkauf mit einer Kreditkarte“ und der von Acacias beanspruchte „Versand von Videos über eine Datenleitung“ stehen auf dieser Liste. Inzwischen ist Michael Goldberg, der Generaldirektor der “New Destiny Internet Group”, die u.a. “homegrownvideo.com” betreibt, einer der führenden Personen die die Interessenvertretung und den Rechtstreit gegen das Patentportefolio-Unternehmen „Acacia Technologies” wahrnimmt. Im Zuge dieser juristischen Auseinandersetzung initierte er die Gründung der „Internet Media Protective Association“ als eine Lobby-Organisation des Internet-Sexbusiness.


Außerhalb der USA ist die Rechtslage häufig unübersichtlich. In den zuständigen Gremien der Europäischen Union sind die Richtlinien über die Patentierbarkeit „computerimplementierter Erfindungen“ umstritten, es scheint aber absehbar zu sein, das den Patentrechtlern der Weg geebnet wird. Damit könnten Firmen wie Acacia dann auch in Europa ihre Rechtsansprüche geltend machen. Erste Vorprüfungen der Rechtslage soll Acacia bereits bei Pay-per-View-Kanälen und den Hersteller von Mobiltelefonen, die Videos übertragen können, in Auftrag gegeben haben. Sie können dabei mit politischer Rückendeckung der USA  rechnen, die bei den internationalen Konferenzen und WTO-Verhandlungen zu den radikalsten Verfechtern des Schutzes geistigen Eigentums über Landesgrenzen hinweg gehören.

http://www.FightThePatent.com.

DIE ZEIT 24.02.2005 Nr.9, Thomas Fischermann

http://de.wikipedia.org/wiki/Softwarepatent

http://www.germany.fsfeurope.org/index.de.html

17
Okt
08

Die Freiheit des Netzes und die Freiheit der Pornographen

Preface

Die Globalisierung der Medien durch das Internet wie Kabel- und Satellitenfernsehen  haben es den lokalen US-Justizbehörden schwer gemacht gegen Pornographie Zensurbestrebungen durchzusetzen, da diese sich der Definition einer lokalen Community mit geographischen Grenzen entzieht. Die Internet-Sexindustrie hatte günstige Ausgangsbedingungen und war in ihrem Entstehungsprozess  kaum von staatlichen Reglementationen betroffen, wie sie in den 80er  und anfangs der 90er Jahren in den USA üblich waren. Zur Regierungszeit von Clinton gab es gerade 5 größere Strafverfolgungen wegen Obszönität. Die Pornoindustrie hat inzwischen ein klares Interesse an einem störungsfreien Geschäftsverlauf und versucht aufwendige und teure Auseinandersetzungen mit der Strafjustiz und den Finanzbehörden zu vermeiden und neigt deswegen zunehmend zur Selbstregulation. So wurde aus der Sexindustrie heraus die Organisation „Adult Sites Against Child Pornography (ASACP)“ gegründet, die mit staatlichen Behörden zusammenarbeitet und offensiv gegen Webseitenbetreiber vorgeht die Kinderpornographie anbieten. Alec Helmy gründete die ASACP  1996. 2004 führten bereits 4700 Webseiten das Logo von ASACP und sprachen sich damit eindeutig gegen Kinderpornographie aus.

Der von Bush jr. Angekündigte „War on Porn“ mit seinen befürchteten Konsequenzen vor allem für Kleinstbetriebe und mittelständische Unternehmen der Sexindustrie ist zunächst ausgeblieben. Den Majors der Online-Pornographie könnte eine derartige Kampagne sogar Vorteile bringen. Sie trennen in der Regel klar zwischen Soft- und Hardcore-Content von der freien Eingangsseite zu den nur den zahlenden Mitgliedern vorbehaltenen Bereich, da sie auf eine aggressive Kundenwerbung mittels frei zugänglichen expliziten Materials verzichten können und befinden sich somit  nicht im Fokus eventueller Strafverfolgungen. Viele der Firmen, wie Cyber Entertainment Network, Geek Tech`s und Voice Media, die um 2000 maßgebliche Web-Unternehmungen in diesem Segment betrieben haben, hosten ihre pornographischen Angebote inzwischen über ein Netzwerk von Firmen die auf den niederländischen Antillen registriert sind und entziehen sich so dem eventuellen Zugriff der US-Justiz. Abgesehen davon, wären die Majors die einzigen die über die notwendigen Kapitalrücklagen verfügen um Prozesse im Rahmen so einer Kampagne überhaupt durchstehen zu können. Ein „Crackdown“ würde viele kleinere Webunternehmungen, sowie auf lokaler Ebene, Video-, Buch- und Sexshops zum Aufgeben zwingen, dessen Traffic bzw. Kundschaft sich dadurch aber nicht auflösen, sondern auf die weiter bestehenden Angebote verteilen würde. Eine wirklich grundlegende Einschränkung der Internetpornographie ist unrealistisch. Zu viele reguläre Unternehmen des Internetmarktes, vor allem der Segmente des e-Commerces, Hostings und des Kabel und Satelliten-TV wären hiervon betroffen. Außerdem würde in so einem Fall die Adult-Industrie ihre Logistik in andere Länder mit einer liberaleren Gesetzgebung verlegen, was für die US-Finanzbehörden einen spürbaren Verlust an Steuereinnahmen bedeuten würde.

Filtersysteme – sinnvoller Jugendschutz contra staatlichen Missbrauchspotential

Nachdem staatliche Zensurversuche wie der Communications Decency Act  in den USA weitgehend gescheitert waren, kamen seitens der regulären Internetindustrie schon 1997 Vorschläge zur „freiwilligen Selbstkontrolle“ ins Gespräch. Die Ansätze führten zu einer inzwischen standardmäßig in die gängigen Browser eingebauten „Platform for Internet Content Selection“ (PICS). Diese technische Spezifikation erlaubt im Zusammenspiel mit Bewertungssystemen für Netzinhalte, wie dem vom „Recreational Software Advisory Council“(RSAC), die Filterung von Websites, die ein Surfer nicht sehen will oder soll.

Content Filtering Technologie basiert auf zu blockenden Listen, oft im Zusammenhang mit Blockertechniken, die gespeicherte Schlüsselwörter zum Aufspüren von zu filternden Inhalten benutzen. Listen von Domain-Namen und URL`s werden zusammengefasst und kategorisiert und dann in die Filter-Software geladen, die dann je nach Einstellung, nur bestimmte Kategorien blockt. Wenn der User dann auf eine bestimmte Webseite zuzugreifen versucht, überprüft die Software ihre Listen-Datenbank und sperrt die Seite falls ein Eintrag vorhanden ist. Auf einem nationalen Level setzt die Filtertechnologie in der Regel bei den Internet Service Providern oder in der Nähe der internationalen Gateways an, so dass die Maßnahmen das ganze Land betreffen. PICS ist eine Art globales Bewertungssystem, das es dem Surfer ermöglichen soll Inhalte nach speziellen Bedürfnissen auszuwählen. Die Konzeption von PICS ähnelt der der amerikanischen V-Chip-Technologie für TV-Programme – indem die Programmverantwortlichen jugendgefährdende Sendungen indizieren, können Eltern ihre Ausstrahlung individuell verhindern. Das Funktionsmuster von PICS ist aber wesentlich komplexer: PICS ist eine Art Oberfläche, auf der verschiedene Schemata eingesetzt und den speziellen Bedürfnissen gemäß konfiguriert werden können. Das bekannte Schemata SafeSurf und das des RSAC, haben ihren Ursprung in den USA. Bis 1999 zeigten diese Selbstregulierungsmaßnahmen allerdings kaum Wirkung. Gerade 100.000 Webseiten hatten ihr Angebot nach den vorgegebenen Kriterien, die vor allem jugendgefährdende Inhalte wie Hardcoresex oder Gewaltdarstellungen kennzeichnen sollen, eingestuft, was weniger als 1 Promille der gesamten Internetangebote ausmachte.

Die im Mai 99 gegründeten Internet Content Rating Association (ICRA) versucht diese Situation zu verändern. In der ICRA sind die Majors der Internetindustrie wie AOL Europe, British Telecom, die europäische Providerlobby EuroISPA, IBM, Microsoft und T-Online angeschlossen. Der Hauptsponsor dieser Association ist die Bertelsmann Stiftung. Ein vorrangiges Ziel ist es dem RSAC-Ratingsystem zum Durchbruch verhelfen und das Netz zu einem Medium machen, in dem genauso wie beim Fernsehen Selbstkontrollsysteme greifen. Die ICRA hatte sich 1999 die Rechte an der Filtersoftware des RSCA gesichert und begann ein Basis-Vokabular zu formulieren, auf das länder- und weltanschauliche Filter aufgesetzt werden sollten. Kern der in einem Zwölf-Punkte-Plan abgegebenen „Empfehlungen“ für ein Selbstregulierung und Nutzerautonomie verbindendes System ist aber der Ruf nach einer verbesserten Architektur für das Bewerten und Filtern von Netzinhalten: Contentprovider sollen angehalten werden, ihre Inhalte mit Labels zu versehen, und Filter sollen allen Surfern dann die Möglichkeit geben, die Inhalte besser auswählen zu können. Ein Beispiel für derartige Filtersysteme bot die MSN Suche, die November 2004 im deutschen Internet online ging, die die Suche  nach Wörtern wie z.B. „Sex“ oder „Porno“, mit folgender Meldung quittierte:“ Bei der Suche nach „Sex“ werden möglicherweise sexuelle Inhalte ausgegeben. Ändern Sie Ihre Suchbegriffe, um Ergebnisse zu erhalten.“ Microsoft hatte, um gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland gerecht zu werden, einen dementsprechenden Filter in die Suche eingebaut, der von jedem findigen Jugendlichen aber problemlos zu umgehen war.

Kritiker befürchteten das unter dem Deckmantel des Jugendschutzes gegen die Informationsfreiheit des Netzes vorgegangen werden wird. Wie abhängig das sogenannte freie Netz vom jeweiligen politischen System und den Marktmechanismen ist, zeigt sich beispielsweise in China. Dort wird das Internet dynamisch und an mehreren Punkten gefiltert. Wenn auf  eine der blockierte Seiten zugegriffen wird, erscheint meistens eine Fehlermeldung wie „404 error“. Neben  pornographischen Angeboten sind es Webseiten religiöser und politischer Gruppierungen, bis hin zu Nachrichtendiensten wie BBC und sogar Wikipedia, die von der chinesischen Zensurbehörde gesperrt werden. Technisch beruhen die Filtermaßnahmen weitgehend auf westlicher Technologie, die vor allem aus den USA von den Unternehmen Cisco Systems, Nortel Networks, Sun Microsystems und 3COM stammt. Suchmaschinenbetreiber wie Yahoo, Google und Microsoft arbeiten, um ihre Marktposition auf dem chinesischen Markt zu sichern, mit chinesischen Zensurbehörden zusammen und filtern ihrerseits politisch unliebsamen Inhalten aus ihren Einträgen. In ähnlich restriktiver Weise wird in islamischen Ländern wie dem Iran und Saudi Arabien gegen die freie Netzkultur vorgegangen. Allein in Saudi Arabien sollen ca. 400 000 Webseiten blockiert sein.


Eine Möglichkeit diese Zensurmaßnahmen zu umgehen soll die Software „Peek-a-booty“ bieten.  Sie arbeitet nach dem Peer-to-Peer-Prinzip und verschlüsselt die Webseiten, so dass der blockende Server die Inhalte nicht kontrollieren kann. Diese Verschlüsselung wird standardgemäß im E-Commerce Bereich eingesetzt. Über diese Software ist ein sogenanntes Peek-a-booty Netzwerk entstanden an dem jeder teilnehmender User mitwirken kann. Es funktioniert als eine P2P-Anwendung, kommt also ohne zentralen Server aus und erschwert somit die mögliche juristische Verfolgung der Betreiber. Die dezentrale Zufallsstruktur schafft die Sicherheit, das nicht das gesamte Netzwerk auf die Liste von Zensurbehörden gelangen kann.

peek a booty, welches als Projekt über die Webseite http://sourceforge.net/  weitergeführt wurde, ist 2006 eingestellt worden

Das Internet zwischen simplen Betrug und Schwerstkriminalität

In der Regel sind die Anbieter von kommerziellen pornographischen Webseiten um seriöse Geschäftsbedingungen bemüht und werben oft damit, dass ihre Webseiten frei von Pop up`s, Spams, etc. sind. Trotzdem gibt es immer noch eine Vielzahl von Webmastern die mit kriminellen Methoden schnell zu Geld kommen wollen  oder versuchen den Computer des Users zu hijacken. Geld verdienen lässt sich nach dieser Logik mit Webseiten, die einen hohen Traffic generieren, durch massenhafte unseriöse Geldforderungen oder durch Kreditkartenbetrug oder ähnlichen Vergehen, indem z.b. Trojaner die PC`s  von Usern infiltrieren und dort Passwörter und Bankkontodaten einlesen und speichern. Das Hijacking von Computern dient z.b. dem Zweck für kriminelle Aktivitäten im Netz eine nicht rückfürbare IP-Adresse zu verwenden oder sogar dem Zusammenschalten mehrerer solcher Computer zu einem Netzwerk für Spam-Mailkampagnen oder Serverangriffe.

Zu den gebräuchlichsten unseriöse Geschäftsmethoden zählen:

-überzogene Geldforderungen über Dialer oder Mitglieds-einschreibungen

-nicht klar definierte „terms & conditions“

-Nicht-Einhaltung der zugesagten Leistung (z.b. der Konsument zahlt für den Download eines Videoclips, der nicht heruntergeladen wird oder viel kürzer ist als angegeben)

-nicht vorhandende Möglichkeit eine Mitgliedschaft zu beenden, indem z.b. der User aufgefordert wird zu diesem Zwecke eine e-Mail-Adresse oder Telefonnummer zu kontaktieren, die nie besetzt ist

-Zahlungsaufforderungen für nicht erbrachte Leistungen (z.b. Monatsbeiträge für eine Webseite die vom User nie besucht wurde)

-Pagejacking – ein Weboperateur verschafft sich Kontrolle über eine nicht-pornographische Webseite und leitet den Traffic auf sein pornographisches Angebot um

-Mousetrapping und Browser-hijacking, wo der User in eine Endlosschleife, in der Regel über Screens einer Pornoseite, gebracht wird – oft im Zusammenhang mit dem illegalen Download von kostenpflichtigen Dialern, Trojanern und anderer Spyware. Die normalen Bedienungselemente des Browsers sind in so einem Fall oft blockiert und werden manipuliert (z.b. Festlegung einer neuen Startseite) und machen ein Ausschalten des Computers notwendig.


Zum einem wird versucht den User auf bestimmte Webseiten zu locken, entweder direkt indem man  interessierte User mit kostenlosen Download von Pornographie auf präparierte Webseiten lockt, oder indirekt  indem man auf den durch die Suchmaschinen generierten Traffic setzt. Eine verbreitete Praxis ist es z.b. abgelaufene Domänenamen, bei denen der ursprüngliche Eigentümer vergessen hat seinen Rechtsanspruch zu erneuern, aufzukaufen und den Traffic dann auf dementsprechende Pornoseiten umzuleiten. Eine weitere Möglichkeit ist es ähnlich klingende Domänenamen von bereits bekannten Webseiten zu verwenden oder eine Webseite um nichtpornographische Themen herum aufzubauen, die gute Suchmaschinenergebnisse versprechen, dann den User aber auf eine Pornoseite weiterleiten, bis hin zu Methoden die als „Cyber Squatting“ bezeichnet werden, wie am Beispiel der Webseite „tourdefrance.com“. Als 2003 Fahrradsportinteressierte diese Seite anstelle der offiziellen „www.letour.fr “ besuchten, gelangten sie zunächst auf eine Begrüßungs-Seite mit Frankreich-Landkarte und  Informationen zur Tour de France, um sich dann, nach Klicken auf eine „Enter“-Schaltleiste, einen kostenpflichtigen Dialer herunterzuladen, der sie dann, hoher Telefonrechnung inklusive, zu pornographischen Angeboten weiterleitete. 2006 wurde dieser Domänename von einem Onlinecasino genutzt.


Mit Hijacking bezeichnet man  eine moderne Form der Webpiraterie im Internet. Betroffene User sollen so dazu verleitet werden bestimmte Webseiten zu besuchen, bzw. diese regelmäßig als Startseite zu akzeptieren. Dazu gehören auch imitierte Systemfehlermeldungen, „message alert“-Kästchen und Pop up`s, die einen, wenn man auf den OK Button klickt, zu dementsprechenden Angeboten weiterleiten. Gerade auch in Bezug auf pornographische Seiten ist dies eine weit verbreitete Praxis gewesen. In der gefährlicheren Form des Hijackings kann eine Umleitung direkt zum Download kostenpflichtiger Dialer oder anderer gefährlicher Programme wie Trojaner und Spyware führen. Bei dieser Vorgehensweise werden so genannte aktive Inhalte wie Java Script und ActiveX benutzt, um die Einstellungen des Internet Explorers zu manipulieren. Gerät ein Internetsurfer auf eine entsprechend präparierte Webseite, nehmen die aktiven Inhalte die Änderungen im Browser vor. Hinzu kommt, dass gleichzeitig  auch ein Trojaner auf dem PC installiert wird, der dafür  sorgt , dass diese Manipulationen nicht rückgängig gemacht werden können. Auf dem Computer des Users ist dann z.b. die Startseite im Internet Explorer  verändert und lässt sich nicht rückgängig machen, nach der Eingabe einer www-Adresse wird man auf eine andere Seite umgeleitet und die Favoriten-Liste des Internet Explorers und die Suchfunktion können manipuliert sein.


Trojaner sind kleine Programme, die im Hintergrund arbeiteten. Die meisten Trojaner sammeln heimlich Benutzerdaten desjenigen, auf dessen Computer sie eingeschleust wurden. So können  Tastatureingaben z.b. von Passworten und Kreditkarteninformationen aufgezeichnet und dann über das Internet weitergeleitet werden. Andere Trojaner, auch Server-Programme genannt, ermöglichen  Hackern den vollen Zugriff auf einen infizierten Computer. Diese Programme öffnen am Computer verschiedene Ports die dann über spezielle Scanprogramme gefunden werden können. Die Infizierung mit Trojanern und eventuelle Fremdzugriffe müssen also nicht zeitgleich erfolgen, sondern können zeitlich weit auseinanderliegen, sofern das System nicht ausreichend gegen Maleware geschützt wird.


Wenn der Websurfer einmal auf einer präparierten Seite gelandet ist, können eine Vielzahl von Problemen auftauchen, die ein Verlassen dieser Seite extrem erschweren können. Eine gebräuchliche Methode ist das „Looping“. Dabei erscheinen auf dem Computer in einer nie endenden Schleife eine Vielzahl pornographischer Seiten, die umso schneller aufklappen als das man versucht sie wegzuklicken. Andere Seiten manipulieren wichtige Steuerungsfunktionen des Browsers wie den Back und Close-Button, so dass man die Pornoseite nicht mehr verlassen kann.  Diese Methode wird als „Mousetrapping“ bezeichnet. Andere mögliche Manipulationen sind erst bei einem neuen Systemstart zu erkennen. In diesem Fall wird z.b. ein Programm ins Startverzeichnis eingeschleust, das einen dann zu einer speziellen Webseite weiterleitet oder pornographische Bilder auf den Desktop lädt. Eine weitere, oft relativ harmlose Methode, ist eine aggressive Marketingstrategie  über die e-MailAccounts, z.b. in der Form von Massenwerbung (Spams) oder weitergehend durch dementsprechende Anhänge, die mit Maleware versetzt sind, was schlimmstenfalls zu bereits beschriebenen Situationen führen kann. In Zusammenhang mit bewusst infizierten e-Mail-Anhängen ist man aufgrund der inzwischen weit verbreiteten Vorsichtmaßnahmen zu differenzierteren Methoden übergegangen. Beim sogenannten „Relaying“ wird ein fremder E-Mail-Server zur massenhaften Versendung von E-Mails mit gefälschter Absenderadresse und Herkunft missbraucht, um eine Identifizierung der Betreiber unmöglich zu machen und beim „e-mail Spoofing“ wird der Empfänger zur Öffnung eines unbekannten Anhangs verleitet indem e-Mail-Adressen aus seinem Adressbuch verwendet werden, die zuvor über Spyware ausgekundschaftet wurden.

Einige von den Justizbehörden verhandelten  Fällen von Internetkriminalität


In einem Bericht der Federal Trade Commission(FTC) von 1999 wurde geschätzt das ca. 25 Millionen Webseiten gehijackt, bzw. gepagejacked worden waren. (Begriffsunterscheidung Webseite – Domain) Ein bekannter Fall von Pagejacking wurde 1999 vor einem US-Gericht gegen die Personen Carlos Pereira und Guiseppe Nirta verhandelt. Nirta war der Direktor einer australischen Firma, die pornographische Webseiten wie „taboosisters“ und „taboohardcore“ betrieb und Pereira, mit seinen Webseiten „piratelynx.com“ und „atariz.com“, war derjenige der eine Vielzahl von Webseiten pagejackte und den daraus resultierenden Traffic zu dem australischen Netzwerk sendete. Carlos Pereira doublierte bestehende Webseiten indem er den zugänglichen Quelltext kopierte und eine Java-Skript-Routine implementierte, die den Surfer dann auf die Pornoseiten weiterleitete. Dieses Pagejacking war profitabel, da es nicht nur eine, sondern eine Vielzahl bestehender Webseiten betraf. Neben Einnahmen durch Mitgliedseinschreibungen von umgeleiteten Surfern wurde der Traffic an Clickthrough-Programme weiterverkauft. Der FTC schloss in Zusammenarbeit mit australischen und portugiesischen Behörden die Unternehmungen der beiden und erwirkte per Gerichtsbeschluss, das die in Virginia ansässige Firma Network Solutions, wo die betreffenden Domains registriert waren, die Webadressen aus dem Verkehr zog. Neben pornographischen Spam-Mails ist es vor allem das Pagejacking das Unbeteiligte in Berührung mit Pornographie kommen lässt und so Tendenzen bestärkt die eine allgemeine Reglementierung der Online-Pornographie fordern.


Ein weiterer Fall, der von der FTC in den Jahren 1999/2000 vor Gericht gebracht wurde, war der von “J.K. Publications” und “Netfill”, sowie einer Reihe weiterer Tarnfirmen des Ehepaars Taves und Dennis Rappaport, die eine Reihe pornographischer Webseiten betrieben. Die Angeklagten hatten sich den Zugang zu einer Datenbank der kalifornischen „Charter Pacific Bank“ erkauft, in der die Daten von mehr als 3 Millionen Kreditkartenkunden gespeichert waren. Sie gelangten an die gespeicherten Visa- und Mastercard-Nummern, bearbeiteten sie und verschickten dann an die dementsprechenden Personen Rechnungen über Mitgliedsbeiträge für den Zugang zu ihren pornographischen Webseiten, die sie in Wirklichkeit gar nicht besucht hatten. Das Geld wurde  anschließend an Banken auf der Cayman-Insel transferiert. Die “US Federal Trade Commission” (FTC) verurteilte die Firmeninhaber abschließend zur Rückzahlung von $37.5 Millionen – die Summe, die abzüglich bereits geleisteter Rückzahlungen, den ermittelten Gesamtumsatz dieses Kreditkartenmissbrauches entsprach.

1997 und 1998 waren Mario Carmona und Brian Shuster Gründer und Betreiber von „Xpics.com“ und einem Netzwerk weiterer Webseiten so erfolgreich, dass sie teilweise einen monatlichen Umsatz von bis zu $10 Millionen zu verzeichnen hatten. In diesen 2 Jahren gehörte „Xpics“ zu den am meisten frequentierten pornographischen Webseiten und hatte zeitweise mehr Traffic zu verzeichnen als „Amazon.com“ und befand sich an neunzehnter Stelle der im Internet meist besuchten Webseiten.(Mai, 1998). 2 Jahre später war das Unternehmen bankrott. Ausgangspunkt der Krise war die Implentation einer aggressiven Methode zur Neukundengewinnung wie sie im Prinzip bei Druckpublikationen schon lange praktiziert wird. Nach der Herausgabe von persönlichen Daten erhält der Kunde ein oder mehrere Freiexemplare, denen automatisch, sofern er nicht von sich ausgehend den Auftrag annulliert, ein kostenpflichtiges Abonnement folgt. Diese Geschäftsmethode wurde bei „Xpics“ erstmals im pornographischen Internetbusiness angewendet. Die Betreiber boten sogenannter „Free Trials“ an, denen automatisch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft folgte. Die User mussten, um  unter Beweis zu stellen das sie volljährig und zum Zugang berechtigt waren, ihre persönlichen Daten und ihre Kreditkartennummer angeben. Allerdings wurden die User nicht darauf hingewiesen das dem sogenannten „Free Trial“ automatisch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft folgt. Weitergehend wendeten die Betreiber bestimmte Strategien an, um den Widerruf der Registration unmöglich zu machen, indem über Trojaner Kontrollfunktionen des Browsers überschrieben wurden, so dass die angegebene Seite zur Aufhebung des Vertrages nicht erreichbar war oder man zu anderen irrelevanten Seiten weitergeleitet wurde. Da es vielen Betroffenen nicht möglich war die Firma via Internet oder auf anderen Wegen zu kontaktieren, wandten sie sich an ihre Kreditkarteninstitute und annullierten auf diesem Wege die Abbuchungen. Die daraus resultierenden Rückzahlungen waren sehr kostenintensiv für das betroffene Unternehmen und wurden von dem Kreditkarteninstitut mit Strafgeldern belegt. In der Regel müssen Unternehmen das Quantum an Rückzahlungen auf unter einem Prozent des beteiligten Umsatzes halten, sonst geraten sie in Gefahr das ihnen das Kreditkartenunternehmen den Service aufkündigt und sie keine Bezahlvorgänge über Kreditkarten abwickeln können. “Xpics” musste für jede Rückzahlung zusätzlich 15$ zahlen. Im April 1998 war die Anzahl der Rückerstattungen auf so ein Maß angestiegen, das die Charter Pacific Bank die Konten von „Xpics“ sperrte. Andere Kreditinstitute folgten bald mit dieser Maßnahme worauf das Unternehmen nicht mehr zahlungsfähig war. Webmastern die sich an dem dazugehörigen Partnerprogramm „Xcash“ beteiligt hatten, blieb die Firma ca. $10 Millionen an Außenständen schuldig, die nicht mehr eingefordert werden konnten.

Bei dem Fall der „Crescent Publishing Group“ wurde in dem im Jahr 2000 stattgefundenen Prozess ein weitaus größeres kriminelles Potential sichtbar. Die „Crescent Publishing Group“ vormals „Drake Publishing, Inc.“ hat ihren Sitz in Manhattan/New York und produzierte über ein Dutzend verschiedener Magazine, wie „High Society“, „Playgirl“ „Celebrity Skin“ und „Cheri“, mit einem angenommenen Umsatz von ca. 40 Millionen Dollar. Der Content dieser Magazine wurde über 64 Zweigunternehmungen für eine Vielzahl von Webseiten genutzt, die nach einem Joint Venture mit der Firma „Lexitrans, Inc.“ gestartet wurden. Die Gesellschaft betrieb neben „Cum-TV.com“ etwa  150 weitere Web-Seiten. Das pornographische Business war aber nur ein , wenn auch bedeutender, Teil des Gesamtprogramms dieses Verlagshauses, welches u.a. auch „Travel Agent“(Einzelhandel) und „Unique Homes“(Immobilien) herausgab. Lexitrans wurden enge Verbindungen zu der New Yorker Mafiafamilie der Gambinos nachgesagt. Bereits 1999 wurde seitens des FTC gegen die Crescent Publishing Group ermittelt. Über eine Vielzahl von Webseiten wurde den Usern „Free Tour Web Sites“ offeriert, unter der Voraussetzung der Angabe der Kreditkartennummer, vorgeblich um zu prüfen, ob die Konsumenten die gesetzlich vorgeschriebene Volljährlichkeit zum Besuch dieser Seiten hatten. Tatsächlich wurden dann monatliche Mitgliedsbeiträge zwischen 20 bis 90$ über die Kontodaten abgehoben, zusätzlich wurde in vielen Fällen per Programmierung der „Back“-Button des Browsers außer Funktion gesetzt. Diese „Free Tour Web Sites“ verschafften den Betreibern dieser Operation, laut Erkenntnissen der ermittelnden Staatsanwalt, zwischen 1997 bis 1999 ein Einkommen von 188 Millionen Dollar, insgesamt wird von einer Summe in Höhe von 230 Millionen Dollar ausgegangen. Um den standardisierten Sicherheitsüberprüfungen der Kreditkartenunternehmen  zu entgehen, wurden regelmäßig die Namen der geschäftsführenden Firmen und beteiligten Banken geändert bzw. gewechselt. Nachdem die Vorgehensweise publik geworden war sperrte „VisaUSCard“ die Beteiligten aus ihrem Kreditkartensystem aus. Daraufhin wurde der Geschäftssitz nach Guatemala verlegt, neue Scheinfirmen gegründet und der Betrug noch einige Zeit weiter betrieben. Ruderman, der ehemalige Besitzer der „Crescent Publishing Group, Inc“ hatte offiziell sein Unternehmen 1998 für 75 Millionen Dollar verkauft und stritt jede Beteiligung ab. Er wurde allerdings von der US-Staatsanwaltschaft 2001 als „stiller“ Teilhaber, bzw. Besitzer identifiziert. Der Präsident Bruce Chew und David Bernstein, wie die Firma Crescent Publishing insgesamt, wurden mit Strafgeldern in Höhe von 30 Millionen Dollar belegt. Bruce Chew, der offiziell seit 2003 in dieser Sache angeklagt wurde, entschied sich zu einer weitgehenden Kooperation mit den ermittelnden Behörden.

17
Okt
08

Der Online-Markt

WebCams – Die Kommerzialisierung der Privatsphäre

Mit der Technologie der Web-Kamera, der notwendigen Software und den Zugang zu Breitbandverbindungen hat inzwischen jedermann die Möglichkeit seine privaten Filme ins Internet zu stellen. Die für den Betrieb notwendige Technik ist inzwischen preiswert und weltweit verbreitet. Neben dem Download von Filmen, waren es vor allem Live-Webcams, die in der Anfangszeit dieser Technik für Aufmerksamkeit sorgten und in der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Dies reicht von der heute kaum noch nachvollziehbaren Popularität von Seiten wie „Coffeecam“ von Studenten der Universität Cambridge, die ab 1993 ein sich ständig aktualisierendes Foto ihrer Kaffeemaschine ins Netz stellten, bis zu „JenniCam“, die Webseite einer amerikanischen Studentin. Betreiber von Homepages, die eine per USB angeschlossene PC-Kamera bei sich zu Hause oder am Arbeitsplatz installieren, erlaubten einen früher in dieser Weise nicht möglichen Einblick in das Privatleben von Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen vor einer WebCam präsentieren. Die Unterscheidung einer öffentlichen und privaten Sphäre wird hier allen Anschein nach gebrochen. Die Aufnahmen der Webcam  werden anonymen Usern bereitgestellt und verlassen den sozialen Nahraum des Bildproduzenten und haben den Voyeurismus im Netz, im Gegensatz zu seiner früheren Konnotation, zur gesellschaftlichen Akzeptanz verholfen. Viele der Cam-Angebote – weibliche Protagonistin, männlicher User – weisen eine Schlüssellochstruktur auf und werden vom dem Betrachter erotisch belegt, auch wenn die Situationen nicht unbedingt Teil einer erotischen Inszenierung sein müssen. Andererseits ist die Auflösung von privater und öffentlicher Sphäre nur eine Scheinbare, die Unverbindlichkeit des Internets, wo beim Chat das Rollenspiel ein wichtiger Faktor der virtuellen Kommunikation sein kann, trifft auch auf Webcams zu. Man kann Betrachten ohne zu kommunizieren, man kann Wünsche äußern, auf die jedoch nicht reagiert werden muss. Während die reale soziale Gemeinschaft in der alltäglichen Begegnung in der Regel zu einer konkreten stellungsnehmenden Kommunikation führt, liegt der Fall für die virtuelle Gemeinschaft anders: die Distanz zwischen den Individuen bleibt in den meisten Fällen erhalten und so können sich Freiräume für Interpretation und Probehandeln eröffnen, wie dies auf privaten Homepages und vor allem auf den Social-Networking-Seiten zu beobachten ist. Die Webcams, Blogs und eine Vielzahl kommerzieller interaktiver Angebote des Internets korrespondieren dabei mit dem Reality-TV, das diese Folie in ein Konzept des Gegenwartsfernsehens transformiert hat, wo die Grenzen zwischen Fiktion und Realität ganz bewusst fließend gestaltet werden.


Auch diese Formate beruhen auf  Konzepten und Regieanweisungen, die Protagonisten werden in diesen Doku-Soaps oftmals wie Laienschauspieler eingesetzt, meistens handelt es sich um Material, das konzipiert, nach bestimmten Mustern abgedreht, geschnitten, montiert und bearbeitet wird.


JenniCam war eine der ersten Webseiten, die allen Internet-Usern die Möglichkeit gab Einblicke in das Privatleben einer jungen Frau (Jennifer Ringley) zu nehmen. Im April 1996 installierte sie in ihrem Zimmer im Studentenwohnheim des Dickinson College (US) eine Webcam. Auf der Webseite wurde dann alle 3 Minuten automatisch ein aktuelles Bild der Cam gezeigt. Im Laufe der Zeit wurden alle Räume mit Cams ausgestattet und die technischen Möglichkeiten verbessert. Zeitweilig ergänzt von einem Tagebuch, ließ JenniCam 7 Jahre lang für einen Jahresbeitrag von 15 $ Jeden am Leben der damals 19 Jahre alten Studentin teilhaben. Für zahlende Mitglieder der „Jenny´sWebCamside“ wechselten die Kameras alle 2 Minuten. Für nichtzahlende „Gäste“ gab es eine Dauereinstellung gratis die alle 20 Minuten wechselte. JenniCam erreichte eine enorme Popularität, zum einem weil es sich um den Einsatz einer damals noch neuen Technik handelte und vor allem weil Jennifer Ringley konsequent ihre gesamte Privatsphäre offen legte. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges hatten sich mehr als 3 Millionen User täglich auf ihrer Seite eingeloggt. Die Webseite wurde zum Jahreswechsel 2003/2004 geschlossen. Die Popularität von „Jennicam“ war ein Gradmesser für die Entwicklung von Webcams zum Massenmedium und korrespondierte mit Fernsehshows wie „Real World“ von MTV (erstmals 1992), bzw. nahm die Entwicklung späterer Sendungen wie „Big Brother“ und „Container“ vorweg, in denen Personen für Wochen rund um die Uhr unter Beobachtung stehen und ein Wegfall der Privatsphäre das Konzept bestimmte.


Im Amateur-Genre, bzw. beim sogenannten Realcore, wo die Partizipanten sexuell explizites Material von sich veröffentlichen, um auf diesem Wege Gleichgesinnte kennenzulernen und ihren exhibitionistischen Neigungen nachzugehen, werden ebenfalls Freiräume, genutzt bzw. geschaffen. Mit dem Unterschied, das die Agierenden innerhalb der Netzgemeinschaft als soziale Individuums erkennbar sind und als solche ernstgenommen werden wollen. Ursprünglich war dieser Bereich von privaten und nicht von kommerziellen Interessen geprägt, hat sich im Laufe der Jahre aber zu einem boomenden Nischensegment entwickelt. Bereits vor der Jahrtausendwende dominierten kommerzielle Angebote, die einen Streaming-Server voraussetzen und an ein Abrechnungssystem gekoppelt waren und größtenteils sexuelle, bzw. pornographische Inhalte anboten.


Im sogenannten „Single-Girl-Segment“, wo vor allem Authenzität ein wichtiges Markenzeichen ist, gehört die Verwendung von Webcams, nicht nur für Shows und aufgezeichnete Filme, sondern auch für den Live-Chat inzwischen oftmals zum Standard. Während sich das Amateurgenre in seiner Anfangszeit an den Bedürfnissen und dem sozialen Code der Swinger-Communities orientierte, entsprangen die Single-Girl-Seiten von Anfang an einem kommerziellen Konzept. Ursprünglich waren diese Seiten fast ausschließlich auf Softcore-Angebote ausgerichtet, bis dann viele Webmaster aufgrund der veränderten Marktsituation und dem Erfolg der AlternaPorn-Seiten ihre statischen Konzepte in Richtung von authentischen und interaktiven Angeboten auszurichten begannen. So eine Seite bietet jeweils nur Material von einer Frau, das Material ist aber exklusiv und die Produktion und die Up-dates sind kostengünstiger zu realisieren und wurden auch erfolgreich im Hardcore-Segment realisiert. Bei vielen Frauen wird die Livecam ergänzt durch Materialien wie Lebenslauf, Tagebuch, Homepage, einem Chat Modul und einem Archiv vorheriger Aufnahmen. Die Single-Girl-Seiten sind überwiegend Bestandteil der Angebote größerer Content-Anbieter und Partnerprogramme, es gibt aber auch eine Anzahl von Frauen, die sich erfolgreich selbst vermarkten, wie beispielsweise die 1998 gegründete kanadische „AimeeSweet.com aus der heraus sich das Partnerprogramm „ModelCash“ entwickelt hat oder Raven Riley mit ihrer 2004 gestarteten Webseite „RavenRiley.com“, die durch Veröffentlichungen von Strip-Shootings über das CFUS-Netzwerk (Crazy fucked up Shit) schnell bekannt wurde.

Beim Suchbegriff „webcamgirls“ listet Google(Nov.06) 400.000 Einträge auf. Ein Camgirl kann unter günstigen Voraussetzungen, wenn sie einen Kunden im Chat hat, 70 Cent die Minute verdienen, was auf einen Stundensatz hochgerechnet, $42 wären. Allerdings dürften viele Sitzungen mit den Klienten deutlich kürzer ausfallen und die Frauen müssen während ihrer Anwesenheit zum Teil lange Stand-by-Phasen überbrücken. Schon ab 100€ soll sich eine einfache Webcam-Verbindung realisieren lassen, zusätzlich zu den Anschaffungskosten eines Computers, der Cam und den Standardgebühren für den Internetanschluss. Die Software wird in vielen Fällen umsonst angeboten und Interessierte können sich auf Webseiten wie webcamworld.com über das Produktangebot informieren und in Tutorials die Praxis erlernen. Bei einer kommerziellen Nutzung und den dementsprechenden qualitativen Ansprüchen erhöhen sich diese Kosten aber schnell auf ein Vielfaches. Frauen, die eine sexuell explizite Webcam als ein Neben- oder Haupterwerb betreiben, können verschiedene Angebote der kommerziellen Cam-Portale in Anspruch zu nehmen. Deren Geschäftsmodelle differieren. “ iFriends“, das Netzwerk der Muttergesellschaft Web Power Inc. aus Florida, verlangt z.b. eine 50 prozentige Umsatzbeteiligung für ihren Service, während das Amateurnetzwerk „Wildrose“ Frauen, Paaren, wie Männern, kostenlos eine eigene Webseite innerhalb des Netzwerkes anbietet und dafür an dem Traffic partizipiert.


Die kanadische Dokumentarfilmerin Aerlyn Weissman untersucht in ihrem Film „WebCam Girls“ die Wechselbeziehungen zwischen dem Alltagsleben der Frauen und ihrer Arbeit vor der Webcam. Sie verschafft dem Zuschauer einen Einblick in dieses Genre und spürt einen möglichen emanzipatorischen Diskurs dieses Arbeitsbereiches nach. In dem Film werden bekannte Einzelpersönlichkeiten der Webcommunity wie die Sexualtherapeutin und Fetischmodell Ducky Doolittle, die Cam-Studio-Pionierin Dionne Loewen, die Akademikerin Terri Senft und die Künstlerin Ana Voog interviewt.Aerlyn Weissman hat zusammen mit Lynne Fernie den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „Forbidden Love“(1992) produziert, der dem Leben und der Kultur lesbischer Frauen in Kanada in den 1950ern anhand von 10 Interviews nachspürt. 1995-6 folgte eine dreizehnteilige TV-Produktion “DoubleTake: Women in Media”, die sich mit der Politik der Repräsentation von Frauen in den Medien auseinandersetzt. Ab 2000 begann sie mit der populären„Kink“-Serie, die von dem Leben von Einzelpersonen aus der BDSM und Fetischszene erzählt.

Theresa M. Senft hat eine feministische und kritische Dissertation über Camgirls geschrieben, welche 2006 in überarbeiteter Form als Buch bei Peter Lang Publishing verlegt wurde. Desweiteren war sie Co-Autorin von „History of the Internet,1843-Present” und Mitherausgeberin von „Sexuality & Cyberspace“(1990). (http://www.terrisenft.net/)

Ana Voog, Rockmusikerin und Hutmacherin, begann bereits 1997 mit ihrem Webcamprojekt „anacam“, wo sie nicht nur 24 Stunden am Tag Einblick in ihr tägliches Leben gab, sondern weitergehend künstlerisch mit Performances und visuellen Settings mit dieser Situation experimentierte. Ihre sexuellen Aktivitäten sind den Usern ebenfalls über Cam zugänglich, wobei sie sich deutlich zur Pornographie abgrenzt.


VoyeurDorm.com ist eine Webseite wo sich User einloggen können um in einer Wohnung, die mit 40 Kameras bestückt ist, mehreren jungen Frauen (die Mehrzahl um die 20 Jahre) bei ihrem „Leben“ in dieser Wohnung zu zuschauen. 6000 Zuschauer zahlten monatlich 43 $ für den Zugang zu einer Webseite die via digitaler Filmübertragung in Jetztzeit, Zugang zu dem Privatleben von 7 Frauen ermöglichte. Wie sie schlafen, essen, duschen, fernsehen oder auf Toilette gehen. Für weitere 16$ monatlich können die Mitglieder mit den Bewohnerinnen in den Live-Chat gehen, den ganzen Tag- und die ganze Nacht lang. Laut der Reportage einer US-Journalistin für das Magazin „Nerve“, die 2002 im VouyeurDorm zu Gast war, hatten alle der Frauen einen Hochschulabschluss und viele von ihnen planten Theater- und Stimmtrainingskurse im nahe gelegenen College zu belegen.. VoyeurDorm zahlte ihnen den Lebensunterhalt, Miete, Ernährung, Haushalt und mehrere hundert Dollar die Woche, außerdem 1500$ pro Semester für Kurse, die sie belegen wollten.(6 erhielten 200$ die Woche, eine Frau mit ViP-Status, 500$). Das Reglement verlangt das mindestens 3 Frauen die gesamte Zeit in der Wohnung sind. Jede von den sieben durfte nur 2x in der Woche Nachts über auswärts bleiben. Mehr als drei männliche Besucher in der Wohnung zur gleichen Zeit waren nicht erlaubt, außerdem kein Drogenkonsum, auch kein Alkohol und kein Geschlechtsverkehr vor der Kamera. Telefonnummern oder private Treffen mit den Chat-Teilnehmern waren verboten (über den Chat benutzten alle Frauen falsche Namen, bzw. Spitznamen). Jede der Frau war verpflichtet täglich drei „Aktionen“ ihres Alltaglebens für die Zuschauer zu präsentieren, wie z.b. schwimmen im wohnungseigenen Pool, Workout´s im Trainingsraum, Fernsehen oder mit der Familie telefonieren. Jede muss mindestens 2 Stunden täglich im Chat verbringen. Außer Geld war es ihnen erlaubt Geschenke anzunehmen, die dann über Expresslieferdienste zur Wohnung gebracht wurden.

Laut der Betreiber von VoyeurDorm die mit dem Slogan „The girls in VoyeurDorm have no secrets. Their privacy is your pleasure“ warben, zeigt die Webseite ganz einfach das Leben dieser jungen Frauen und ihre „natürliche und freizügige Art“. Die Frauen bewegen sich am Tage meistens in T-Shirts und Mini-Shirts oder in Fitnesskleidung in der Wohnung – sich während des „Alltaglebens“ barbusig oder ganz nackt vor der Kamera zu präsentieren wurde nicht extra bezahlt. Allerdings gab es jeden Abend eine spezielle Onlineshow, wie z.b. Body Painting, Strip-Poker und Striptease, die dann extra honoriert wurden. Die Gruppe wurde in regelmäßigen Abständen aufgefrischt, was aufgrund des großen Andrangs keine Schwierigkeiten bereitete. Jeden Tag bewarben sich ca. 60 Frauen per e-mail-Formular für einen Platz in der Arena des VoyerDorms. Nach dem gleichen Prinzip folgten ähnliche Webunternehmungen wie „Voyeur Casa“ (Costa Rica) und “Dude Dorm”, wo ausschließlich Männer zu sehen waren.  Im Januar 2000 hatte “Dudedorm.com” seinen Start up. Ähnlich wie bei Voyeurdorm lebten jeweils 3 schwule, bi- und heterosexuelle Männer in einem Stadthaus und waren bei jedem Detail ihres Alltaglebens in der Wohnung über Webcam zu beobachten und über Chat zu kontaktieren. Die dazugehörige Hosting-Firma „CandidHosting.Com” hostete u.a. “DancerDorm”, ein Joint Venture zwischen Cybererotica und dem Striptease-Unternehmen Rick’s Cabaret.375 000$ hatte der Start up von VoyeurDorm gekostet. Die monatlichen Kosten von 60 000$ waren für die beiden ursprünglichen Betreiber nicht tragbar, so dass sie 2001 50% ihrer Gesellschaft an die „Internet Entertainment Group´s Seth Warshawsky“ verkauften. Bald darauf betrug der Umsatz des VoyerDorm-Net 250 000$ im Monat. Seth Warshavsky  verkaufte seine Anteile später an seinen ehemaligen Partner Dave Marshlak. Inzwischen ist VoyeurDorm im Besitz von „Voice Media“, die u.a. die Megaseite „Cybererotica“ betreibt.

2001 kam es zu einem Prozess zwischen “VoyeurDorm” und der Stadt  Tampa. Die Stadt brachte das Unternehmen aufgrund der zur Schau gestellten partiellen Nacktheit der Bewohnerinnen in einen Kontext zum Adult Entertainment Business, auf dem die lokalen Sperrgebietsverordnungen, wie dies sonst bei Sexshops, Nachtclubs und dementsprechenden Buch- und Videoläden der Fall ist, angewendet werden konnte und verfügte eine Schließung von „VoyeurDorm“. Diese „Zoning Codes“ beruhen u.a. auf der Unterteilung zwischen Wohn- und Geschäftsbereichen einer Stadt. In den Wohnvierteln ist Gewerbe und eine gewerbliche Nutzung des Wohnbereiches in vielen Fällen nicht erlaubt. Da das Internet inzwischen fast Jedem die Möglichkeit bietet ein Gewerbe von Zuhause aus zu betreiben, sind die Behörden in der Regel zu einer liberaleren Genehmigungspraxis übergegangen.  Unter der Vorraussetzung, das diese „Hausarbeit“ in keiner Weise die Nachbarschaft und den Wohncharakter der Umgebung negativ beeinflusst und unter einem strengen Reglement wird die gewerbliche Nutzung von Wohnraum oft erlaubt. Diese Verordnungen verbieten z.b. jede Art von Herstellungsprozess und Außenwerbung, begrenzen die Anzahl möglicher Beschäftigter und verbieten möglichen Kundenverkehr. Diese Sperrgebietsverordnungen sind in vielen Städten dazu verwendet worden um gegen die Strukturen des traditionellen Rotlichtmilieus vorzugehen. Da die Vorbehalte gegenüber der Sexindustrie seitens der „öffentlichen Meinung“ und den Behörden nach wie vor bestehen und viele Adult-Webmaster ihr Geschäft von Zuhause aus betreiben, wurde dieser Prozess in der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt. In der ersten Instanz verlor „VoyeurDorm“ gegen die Stadt, in dem folgenden Berufungsverfahren vor der nächsthöheren Instanz wurde dann dem Unternehmen Recht zugesprochen, da die lokalen Sperrgebietsverordnungen sich nicht auf den Geschäftsbereich des Internets anwenden ließen. Dieser Prozess hatte bis zu einem gewissen Grade Modellcharakter und bedeutete nicht nur für „VoyeurDorm“, sondern für die gesamte Branche einen Erfolg und verschaffte dem Unternehmen einen hohen Bekanntheitsgrad, der sich in einer Vielzahl neuer Mitgliedereinschreibungen niederschlug.

AVN-Online, „VoyeurDorm and Other Home-Based Businesses“  12-1-2001

scarlettletters.com, Ed Rampell,( März 2001)

http://www.nerve.com/Dispatches/Grigoriadis/VoyeurDorm/ (o4.02.2002)