Archive for the 'BRD-Sexindustrie' Category

14
Jan
10

Die Sexindustrie in Deutschland

Inhalt

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1. Ein kurzer Abriss kulturpolitischer Entwicklungen in Deutschland
1.1. Die 50er Jahre – die Rekonstruktion einer konservativen Sexualmoral
1.2. Einflüsse us-amerikanischer Subkulturen über die Kultur- und Medienindustrie
1.3. Außerparlamentarische Opposition und sexuelle Revolution – Das Private wird politisch
1.4. Kommunen, Kollektive und Wohngemeinschaften

2. Die Anfänge der Liberalisierung von Pornographie
2.1. Dänemark als Vorreiter
2.2. Der Pressemarkt – Veränderungen im Mainstream, Sexillustrierte und Pornomagazine
2.3. Von der Zensur in den 50ern zum Sexfilm der 60er Jahre
2.4. Der Pornofilm-Markt
2.5. Vom Staatsfernsehen zu privaten Anbietern – Satellitenfernsehen, Pay-TV und Kabelnetze

3. Geschichte und Entwicklung einzelner Unternehmen des Pornobusiness
3.1. Rodox Trading
3.2. ZBF-Vertriebs GmbH
3.3. Von Intex zur Scala GmbH
3.4. Verlag Theresa Orlowsky
3.5. Beate Uhse
3.6. Orion-Versand
3.7. condomi AG
3.8. Private Media Group
3.9. Unternehmen in Großbritannien

4. Der Online-Pornographiemarkt am Beispiel Deutschlands
4.1. Der deutsche Markt im Verhältnis zur us-amerikanischen Branche
4.2. Die internen Veranstaltungen des Online-Gewerbes
4.3. Einzelne Unternehmen der Branche
4.4. Der Bauer-Holding, fundorado und andere deutsche Majors
4.5. Dialer – Zwischen Missbrauch und regulärer Abrechnungsmethode
4.6. Gesetzgebung zwischen Zensur und Selbstregulation
4.7. Der wachsende Markt des e-commerce

Die 50er Jahre – die Rekonstruktion einer konservativen Sexualmoral

Mit der Zerschlagung der Weimarer Arbeiter- und Reformbewegung wurden auch die Ansätze der Sexualreform und die in den 20er Jahren entstandenen Subkulturen der Lesben, Transvestiten und Homosexuellen vernichtet. Die Sexualwissenschaft, die in Deutschland begründet und wesentliche Impulse erfahren hatte, wurde im Faschismus vollständig zerstört und es gelangte ihr nicht an die Zeiten der Weimarer Republik anzuknüpfen. Stattdessen entwickelte sich die Sexualwissenschaft in den USA zu einer anerkannten akademischen Disziplin, die später mit den Arbeiten von Kinsey, Masters und Johnson nicht nur akademisch, sondern auch kulturpolitisch Einfluss nahm. Der 1933 in Deutschland erfolgte politisch-kulturelle Einschnitt war auf der politischen Ebene zwar 1945 beendet, auf der kulturellen und sittengeschichtlichen Ebene wurde der „abgeschnittene Faden“ erst Anfang der 60er Jahre wieder aufgenommen.

Nach Kriegsende lebten 7,3 Millionen mehr Frauen als Männer in Deutschland. Vor allem bei den 20-40-jährigen war der Überschuss, bzw. der Männermangel am prägnantesten. Die unmittelbaren Nachkriegsjahre waren durch eine Auflockerung der Sexualmoral, Gelegenheitsprostitution und zahlreichen Sexualkontakten mit den Besatzungssoldaten gekennzeichnet, die sich am Beginn der 50er Jahre in einer exorbitanten Zahl illegaler Abtreibungen niederschlug.  Erst Ende der 40er und in den 50ern entwickelte sich unter starker Einflussnahme der Kirchen – über die christlichen Parteien CDU/CSU auch auf die dementsprechende Gesetzgebung – eine zutiefst konservative Sexualkultur. Diese Vertreter einer rückwärtsgewandten, auf die Ehe und Familie ausgerichtete Sexualmoral, stammten aus den Kirchen, politischen Parteien, Medien und der Wissenschaft und propagierten Jungfräulichkeit bis zur Ehe und wandten sich vehement gegen Onanie und gegen die „Schmutz- und Schundliteratur“. Ehebruch war strafbar. Eltern die ihre jugendlichen Teenager mit einem Partner in der Wohnung schlafen ließen, konnten wegen schwerer Elternkuppelei mit bis zu 6 Jahren Haft bestraft werden. Bis zum Ende der 60er Jahre war aufgrund eines Erlasses von Heinrich Himmler von 1943 die Werbung für empfängnisverhütende Mittel verboten.

In so einem gesellschaftlichen Klima wurden dann, die von den Nazis verschärften, offiziell nie außer Kraft gesetzten Homosexuellen-Paragraphen §175 und §175a 1949 , wie auch der Abtreibungsparagraph §218 in das Strafgesetz der Bundesrepublik übernommen. Der Paragraph 218 des Strafgesetzbuches besagte, dass „eine Frau, die ihre Leibesfrucht abtötet oder die Abtötung durch einen anderen zulässt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft.“ –  Wer abtreiben wollte, musste nach Holland oder England fahren oder im deutschen Rechtsraum in die Illegalität ausweichen.  Der §175 und §175a wurden mit der Begründung aufrecht erhalten, dass es sich dabei nicht um NS-Unrecht handele. Überlebende KZ-Opfer erhielten deshalb weder eine Entschädigung, noch wurden sie rehabilitiert. Noch im Jahr 1957 erklärte das Bundesverfassungsgericht den Paragraphen für verfassungskonform mit der Begründung: „Gleichgeschlechtliche Betätigung verstößt eindeutig gegen das Sittengesetz“. Im repressiven Klima der frühen BRD als Homosexueller öffentlich gemacht zu werden, bedeutete oft die Vernichtung der sozialen Existenz und die Verbüßung einer Gefängnisstrafe. Nichtsdestsotrotz kam es zu dieser Zeit zu einer Wiederbelebung der schwulen Subkultur in Form von Bars und anderen Lokalitäten, die allerdings quasi konspirativ und nach außen hin abgeschottet waren.

Ab 1953 wurde die Sexualberatung und dementsprechende Schriften streng zensiert, Verhütungsmittel wie Diaphragma und Kondome waren schwerer zu bekommen. Jenseits dieses propagierten Moraldiskurses offenbarten erste repräsentative Umfragen zum Geschlechtsleben der Deutschen im Jahr 1949 allerdings ein anderes Bild. So empfanden knapp 85% der 20-29 Jährigen den vorehelichen Geschlechtsverkehr für notwendig oder zulässig. Seitens der jüngeren Generation wurden auch Fragen der Verhütung und der Bewertung des Sexuellen für ein erfülltes Leben weitaus wichtiger eingeschätzt als von ihren Eltern. Eine Diskrepanz zwischen den Generationen, die erstmals in  den 50er Jahren mit dem Rock`n Roll und der um ihn geführten Diskussion deutlich zutage trat. Die Gleichstellung der Frau wurde nach dem 2. Weltkrieg in der BRD, wie in der DDR in der Verfassung verankert, wobei die praktische Umsetzung dieser Gesetzestexte nicht den realen Verhältnissen entsprach. Im Osten wie im Westen blieben die Frauen in den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsgremien stark unterrepräsentiert. Im Gegensatz zur DDR, wo eine proletarische Frauenbewegung mit Clara Zetkin als eine ihrer Leitfiguren proklamiert wurde, blieben in der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren die Frauenvereine der Tradition der bürgerlichen Frauenbewegung verpflichtet.

Anhaltende Vollbeschäftigung und steigende Löhne und Kaufkraft sorgten ab Ende der 50er Jahre erstmals in der deutschen Geschichte dafür, dass immer mehr Menschen an der allmählich entstehenden Konsum- und Freizeitgesellschaft teilhaben können. Im Zuge der amerikanischen Antikommunismus-Politik konnten sich nicht wenige der Funktionsträger des nationalsozialistischen Regimes in der Nachkriegsordnung der Bundesrepublik etablieren und Karriere machen. (Globke, Seebohm, Oberländer, Filbinger, Kiesinger). Ein Generationskonflikt zwischen der sogenannten Aufbaugeneration, die sich nach den Erfahrungen der NS-Zeit und der „Entnazifizierung“ eher unpolitisch verhielt, und den politisch stärker engagierten Jugendlichen, die die vorwiegend arbeits- und konsumorientierte Lebensweise ihrer Eltern kritisierten, zeichnete sich ab. Doch zunächst betrieb eine breite, katholisch-konservative Volksbewegung Kampagnen gegen „Schmutz und Schund“ in Film und Literatur und gegen die neu entstandenen FKK-Verbände. In Deutschland tat sich nach dem 2. Weltkrieg der sogenannte „Volkswartbund“ als oberster „Moralwächter der Volkseele“ hervor. Seit 1951 nannte er sich „Bischöfliche Arbeitsstelle für Fragen der Volkssittlichkeit“ und war von der Fuldaer Bischofskonferenz mit der Wahrnehmung des literarischen Jugendschutzes und der „Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit“ beauftragt worden und stellten eine Vielzahl von Indizierungsanträgen. Die Aktionen gegen die „Schundliteratur“ gingen soweit, dass 1957 der „Bund katholischer Jugend“ in Württemberg eine Aktion „Scheiterhaufen“ startete in deren Folge z.b. Comics wie „Falkenauge“ und „Sheriff Teddy“ hochoffiziell verbrannt wurden. Mitte der 50er Jahre setzte die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ FKK-Zeitschriften auf den Index. Noch 1963 wurde der Bikini an deutschen Badestränden, seitens offizieller moralischer Postulate als „unanständig“ abgelehnt,  aber bereits 5 Jahre später bieten große Reiseveranstalter wie Quelle, Hummel, Touropa, Scharnow und Neckermann erstmalig FKK-Reisen in ihren Katalogen an. 1955 mit der Verabschiedung des „Freiwilligengesetzes“ wurde der Grundstein für die Aufstellung eines deutschen Heeres, der Bundeswehr, im Rahmen der westeuropäischen Union und der Nato gelegt. Nachdem unter den Diktionen des kalten Krieges, die Stationierung von Atomwaffen auf westdeutschen Territorium beschlossen wurde, demonstrierten im April 1958 über 100.000 Menschen auf dem Hamburger Rathausmarkt gegen die atomare Rüstung der Bundeswehr. Aus den landes- und europaweiten Protesten entwickelte sich die Ostermarschbewegung, die mit der „Kampagne für Abrüstung“ später dann in die Außerparlamentarische Opposition (APO) aufging.
Eder Franz X. : 2002, Kultur der Begierde: eine Geschichte der Sexualität“, Verlag C. H. Beck, München
Knigge Andreas, 1985, „Sex im Comic“, Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main/ Berlin
König Oliver, 1990, „Nacktheit – Soziale Normierung und Moral“, Westdeutscher Verlag, Opladen

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14
Jan
10

Einflüsse us-amerikanischer Subkulturen über die Kultur- und Medienindustrie

Bereits in den 40er Jahren hatte sich in den USA eine Protestkultur entwickelt, die einen unkonventionellen mobilen Lebensstil, frei von der bürgerlicher Moral, zu ihrem Ideal erhob. Diese Bewegung identifizierte sich zunächst über die Beat-Literatur von Autoren wie Jack Kerouac, Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Gregory Corso. Vielgehörte Musik war Anfang der 50er Jahre, der schwarze Bebop-Jazz, als die Protestbewegung sich weiter ausbreitete, wurde Rhythm & Blues, die Musik der afroamerikanischen Unterschicht, populär. Bald wurden die Musikrichtungen der 1950er und frühen 1960er Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl der Jugend-Protestkultur von den Medien mit dem Begriff  Rock ’n‘ Roll klassifiziert und über die Kulturindustrie vermarktet und weitertransportiert

Zu dieser Zeit sind die USA Leitbild in der Filmproduktion und beherrschen den westdeutschen Filmmarkt. Schauspieler wie Marlon Brando(„Die Wilden“/1954) und James Dean („Jenseits von Eden“ (1955), „Denn sie wissen nicht was sie tun“ (1955) und „Giganten“ (1956)), die den Typus des harten Draufgängers mit rebellischen Attitüden darstellten, werden zu Idolen der Jugendlichen. Mit Bill Haley wird der Rock ’n‘ Roll populär und ein afroamerikanisches Rhythmus- und Körpergefühl  erhält wieder Einzug in die deutsche Kultur. Mit ihm wurde Rockn`Roll als Tanz populär. Ein Stil der ursprünglich aus dem Lindy Hop und dem Jitterbug, beides Tänze mit akrobatischen Einlagen, hervorgegangen war. 1954 wird der Song „Rock around the clock“ veröffentlicht, der 1955 die Titelmusik für den Film „Die Saat der Gewalt“ stellt. 1956 kommt dann der gleichnamige Film auf den Markt. Viele Jugendliche begreifen diese Musik als eine betonte Abgrenzung gegenüber der Elterngeneration.1957 kommt es während seiner Deutschlandtournee zu Krawallen in Essen und Berlin an denen sich vor allem Lehrlinge und junge Arbeiter beteiligen, die mit dazu beitragen das Bild des neuen Jugendtyps des „Halbstarken“, bzw. „Rockers“ zu prägen.

Durch die expandierende Musikindustrie, die bereits in den 50ern mit dem Rock´n Roll die Jugendlichen als Konsumenten und Zielgruppe erkannt hatten, gelangten dann in den 60ern Gruppen wie die Beatles und die Rolling Stones zu einer nie zuvor da gewesenen Popularität. Allein von den Beatles wurden bis heute weltweit über 500 Millionen LPs und Singles verkauft. Die technischen Innovationen der Vinyl – und Stereo-Langspielplatte und die Entwicklung des Kassettenrecorders und der Musikkassette, die zuerst 1964 von Philips auf den Markt gebracht wurden und es möglich machten Schallplatten zu überspielen und Musik aus dem Radio oder Fernsehen aufzunehmen, trugen mit zu der schnellen Verbreitung der neuen Musik bei. Der Beat, die englische Rockmusik vermittelte den Jugendlichen ein neues Lebensgefühl das mit dem Bruch von Konventionen gegen die starre Ordnung der Adenauerära einherging und war oft Anlass für den alltäglichen familiären Zweikampf um die Musik, Jeans, Rocklänge und Haarfrisur.

In den USA entwickelte sich gleichzeitig zur afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, mit der zunehmenden Kritik an den kosumorientierten Lebensstil, eine Gegenkultur, die an Ansätzen der Lebensreform des ausgehenden 19. Jahrhunderts angelehnt war und entsprechende Ansätze der Beat Generation weiterführte. Ein eigener Dress-Code, lange Haare, Drogenexperimente, spirituelle Sinnsuche in außereuropäischen Kontexten, ökologisches Bewusstsein, Kommunegründungen, sexuelle Libertinage und experimentelles Theater charakterisierten die Bewegung, die sich in allen westlichen Industriestaaten entwickelte. Der Slogan „Love, peace and happiness“ veränderte sich durch die zunehmende Politisierung im Gefolge des Vietnamkriegs zu „make love, not war“. Der Vietnamkrieg verhärtete die Fronten zwischen den Supermächten und aktivierte in politischer und ideologischer Hinsicht die Jugend. 1966 kam es in den USA und Europa erstmals zu größeren Antikriegsdemonstrationen, die ein Ende der militärischen Besetzung Vietnams fordern. 1968 wird in der Tschechoslovakei die Hoffnung auf einen freiheitlichen Sozialismus mit dem Experiment des „Prager Frühlings“, durch den Einmarsch sowjetischer Truppen zunichte gemacht und in den USA und Westeuropa kam es wegen der zunehmenden Repression gegen die außerparlamentarische Opposition zu schweren Unruhen. Die Radikalisierung der APO wurde in der BRD von der großen Koalition von CDU und SPD mit einer Notstandgesetzgebung und einem massiven Ausbau und Aufrüstung des Polizeiapparates beantwortet.

Die „human-be-ins“ 1967 in San Francisco waren die Vorläufer der Festivals unter freiem Himmel, die dann 1969 mit dem Woodstock-Festival ihren Durchbruch hatten. Die über 200 000 Besucher dieses Festivals feierten nicht nur einen gelungenen Event, bzw. zelebrierten einen Markenstein der Gegenkultur, sondern waren für die Unterhaltungsindustrie auch ein Indikator für einen neuen kommerziellen Massenmarkt. Nicht nur die Musik, auch die subkulturellen Kontexte von Mode und Sexualität wurden vom „freien Markt“ integriert. Die Jugend avancierte in den sechziger Jahren zum Leitbild der Mode. Im Jahre 1967 erwarben die 15- bis 19jährigen 60 % aller Modeartikel. Durch die Einrichtung von Beatshops, Twen-Boutiquen und Fashion-corners in den großen Kaufhäusern wurde der „neuen, jugendlichen Mode“ Rechnung getragen und die Bekleidungsbranche boomte mit diesem Trend bis in die 70er.

13
Jan
10

Außerparlamentarische Opposition und sexuelle Revolution– Das Private wird politisch

„Das sich spontan an Orten mit hohem Publikumsverkehr, wie auf dem Bahnhofsvorplatz oder auf der Einkaufsmeile Zeil, Diskussionsgruppen bilden, die von allen Seiten her Zulauf haben und bei der viele der im Kreis Versammelten sich erregt an der Diskussion beteiligen, kommt in deutschen Großstädten offenbar nur selten vor. In Frankfurt jedenfalls habe ich es in fünfundzwanzig Jahren – in einem Vierteljahrhundert – nur drei-, nein viermal erlebt. Die Voraussetzung hierfür ist, wie mir scheint, nicht bloß ein bedeutendes Ereignis oder auch eine Kette von Ereignissen, sondern wesentlich scheint eine Polarisierung der Bevölkerung in divergierende Meinungen aufgrund der Ereignisse zu sein; ein einzelner Spinner kann solche »Massenkerne«, wie Canetti in »Masse und Macht« dieses Phänomen nennt, nur kurz binden, es müssen Massenkristalle in Form meinungstragender und meinungsbildender Gruppen vorhanden sein, und die »Mehrheitsmeinung«, das damals oft beschworene sogenannte »gesunde Volksempfinden, muss zumindest ins Schwanken geraten sein.“

„Fuchstanz“, Heipe Weiss, dipa-Verlag, Frankfurt a. Main, 1996

Die westdeutsche Gesellschaft durchlief in den sechziger Jahren einen tiefgreifenden Wandel, der Einstellungen, Lebensgefühl und Wertesystem der Nachkriegsgeneration nachhaltig veränderte. Neben der APO, der politischen Opposition, die sich unter dem Eindruck der Nürnberger Prozesse von 1962 und der NS-Vergangenheit von Bundespräsident Kiesinger und der 1968 folgenden Notstandsgesetze zunehmend radikalisierte, wurde ein Teil der Protestbewegung von Subkulturen getragen, die der Vereinzelung der privaten Lebenssituation solidarischer Gruppenerfahrungen entgegensetzten. Während der theoretische Diskurs des studentischen Protestes stark von sozialistischen und kommunistischen Ideologien beeinflusst war, war die Lebensform des Protestes und die sich entwickelnde Alltagskultur durch sinnliche Qualitäten bestimmt und fand ihren Ausdruck in neuen musikalischen Formen, freier Sexualität, Drogenkonsum und Experimenten mit alternativen Lebens- und Arbeitsformen.

„Ein Volk von sexuell Verklemmten, Gehemmten, Frustrierten, lässt sich leichter einschüchtern und unterdrücken als Menschen, die in  freier Selbstentfaltung Lusterfüllung erfahren“

hieß es in der Zeitschrift „konkret“, die 1968 die Aktion „Pille für jedes Mädchen“ startete – zu einer Zeit als es noch verboten war für Verhütungsmittel zu werben, es keine Kondomautomaten gab und die Pille nur an Verheiratete abgegeben werden durfte. Das Private, Sexualität, Musik und Mode wurden in dieser Zeit zum politischen Programm, so dass individuelle Emanzipationsversuche in einem Kontext der antiautoritären Bewegung, der sexuellen Revolution und der Studentenrevolte getragen und begleitet wurden. Andererseits wurden individuelle Erfahrungsansätze auf das Verständnis und die Vorstellung des gesamtgesellschaftlichen Körpers übertragen und somit ein dynamischer Emanzipations- und Erkenntnisprozess in Gang gesetzt.

„Wie kann man Politik von Sex trennen? Es ist ein und dasselbe: Körperpolitik. Politisch-sexuelle Wirklichkeit: für das Christentum ist der nackte menschliche Körper unmoralisch, nach dem amerikanischen Gesetz ist er illegal. Nacktheit wird als „obszöne Entblößung“ bezeichnet. (…)  Puritanismus führt zu Vietnam. Sexuelle Unsicherheit führt zu jenem Supermännlichkeitswahn, den man Imperialismus nennt. Die amerikanische Außenpolitik, insbesondere die Vietnam-Politik, wird nur dann verständlich, wenn man sie unter sexuellem Aspekt betrachtet. Amerika hat einen frustrierten Penis und versucht, ihn in den winzigen Schlitz Vietnams zu stoßen, um seine Männlichkeit zu beweisen.“

Zitat: Jerry Rubin, „Do It – Szeneario für die Revolution, München 1977 (Erstausgabe in den USA 1970)

Verschiedene sexualwissenschaftlichen Publikationen wie der Kinsey-Report von 1954, „Studenten-Sexualität“ (1968) von Gieses und Schmidt und die „Die sexuelle Reaktion“ von Masters und Johnson (1967) tragen mit zu einer veränderten  Einstellung zum Thema Sexualität in der Öffentlichkeit bei. Das Bindeglied zwischen Theorie und Praxis für die Bewegung lieferten u.a Theoretiker wie der 1939 in die USA emigrierte Wilhelm Reich mit seinen Veröffentlichungen „Die Funktionen des Orgasmus“(1927), „Massenpsychologie des Faschismus“ (1933) und „Die sexuelle Revolution“ (1936). Wilhelm Reich kritisierte die bürgerliche Sexualmoral, die zwangsläufig Doppelmoral und Unterdrückung der vitalen sexuellen Triebe mit sich bringt und daher zu Aggression und Frustration führten, welche sich oft in Lust an Herrschaft und Hierarchie ein Ventil schaffen müssten. Nach Reichs Auffassung bringt eine Befreiung der Sexualität eine friedliche Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen mit sich, die autoritären Herrschaftsstrukturen entgegenwirken. Daher sah er die Notwendigkeit der Arbeit an sich Selbst, am Individuum, mit dem Ziel einer herrschaftsfreien Gesellschaft. Ein weiterer  Theoretiker war Herbert Marcuse (1898-1979) der mit seinen Werken „Eros und Kultur“(1955) und „Triebstruktur und Gesellschaft“ die Utopie einer von repressiven Zwängen und Autoritäten befreiten Kultur entwickelte, die großen Einfluss auf die europäische Studentenbewegung hatte. 1972 formulierte er eine politische Strategie, die in der Studenten- und Alternativszene großen Nachhall fand.

„Die individuelle Befreiung (…) muß im besonderen Protest die allgemeine Befreiung vorwegnehmen, und die Bilder und Werte einer künftigen freien Gesellschaft müssen in den persönlichen Beziehungen innerhalb der unfreien Gesellschaft bereits auftreten. Die sexuelle Revolution zum Beispiel ist nur dann eine Revolution, wenn sexuelle Befreiung mit politischer Moral verknüpft ist“
(Marcuse 1973)

In den späten sechziger Jahren entstand in Verbindung mit der Studentenbewegung eine neue autonome Frauenbewegung. Ab Anfang der siebziger Jahre bildeten sich in fast allen größeren Städten der Bundesrepublik Frauenzentren, Frauenforen und Frauenhäuser, in denen die Isolation der Frauen in Familie und Beruf aufgebrochen und ein frauenspezifisches Selbstbewusstsein geschaffen wurde. 1971 verschaffte Alice Schwarzer mit der Selbstanklagekampagne „Ich habe abgetrieben“ die im Magazin „Stern“ publiziert wurde, den Frauengruppen die sich für die ersatzlose Streichung des §218 einsetzten, eine große Öffentlichkeit.1974 reformierte der Bundestag den §218 mit einer Fristenregelung, die den Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten drei Monate nicht als „Tötungshandlung“ ansieht und Straffreiheit zusichert. 1975 lehnt der Bundesrat die Gesetzesvorlage allerdings ab, das Gesetz wurde in eine Indikationslösung umgewandelt. Erst seit 1995 wird Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche im Rahmen einer Beratungspflicht toleriert. Die Frauenbewegung der BRD war alles andere als homogen. So gab es im Zuge der 68er Gruppen die vom theoretischen sozialistischen Diskurs beeinflusst waren wie auch radikal-feministische Standpunkte von Frauen, die gegen die Unterdrückung der Frau durch die bestehenden Sexualnormen und patriarchalischen Verhaltensweisen vorgingen und diese thematisierten. Die Frauen konzentrierten sich nicht nur auf die Beseitigung der vielen rechtlichen und realen Benachteiligungen in Gesellschaft und Familie. Das geschlechtliche Rollenverständnis in der patriarchal bestimmten Gesellschaft wurde grundlegend analysiert und kritisiert und die Frauen begannen von den Männern deutliche Verhaltensänderungen im privaten Bereich einzufordern.

Nach dem es 1969 in New York zu mehrtägigen Straßenschlachten von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeirepression in der Christopher Street in Greenwich Village gekommen war, erschien 1971 in Deutschland der Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“(1970) von Rosa von Praunheim. Der Film spielte eine wichtige Vorreiterrolle für die aufbrechende Emanzipationsbewegung der Homosexuellen in der BRD. Er wurde in den 70er Jahren mehrmals im Fernsehen ausgestrahlt. Praunheim ließ sich für diesen Film von dem Soziologen Martin Dannecker beraten, der zusammen mit Reimut Reiche eine der ersten wissenschaftlichen Untersuchungen über Homosexualität veröffentlicht hatte („Der gewöhnliche Homosexuelle“/Fischer Verlag). Der Film zeigt Ausschnitte der schwulen Subkultur, die damals im Verborgenen existieren musste. Der Film fordert die Schwulen zu einer kämpferischen und solidarischen Emanzipation auf. Zu dieser Zeit gründeten sich die ersten politischen Schwulengruppen der Nachkriegszeit und 1972 wurde in Münster die erste Schwulendemo in der Geschichte der Bundesrepublik durchgeführt.  Der Paragraph 175 wurde 1969 erstmals reformiert und 1973  kam es zu einer zweiten Reform. Seitdem waren nur noch homosexuelle Handlungen mit männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren strafbar.

Der Paragraph 175 war seit 1871 Bestandteil des deutschen Strafgesetzes. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Bis 1969 bestrafte er auch die „widernatürliche Unzucht mit Tieren“ (ab 1935 unter §175b ausgelagert). 1935 verschärften die Nationalsozialisten den Paragraphen 175, unter anderem durch Anhebung der Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis. Darüber hinaus wurde der Tatbestand von beischlafähnlichen auf sämtliche „unzüchtigen“ Handlungen ausgeweitet. Der neu eingefügte Paragraph 175a bestimmte für „erschwerte Fälle“ zwischen einem und zehn Jahren Zuchthaus. Nach dem 2. Weltkrieg kehrte die DDR 1950 zur alten Fassung des Paragraphen 175 zurück, beharrte aber gleichzeitig auf einer weiteren Anwendung des Paragraphen 175a.  Die Bundesrepublik hielt zwei Jahrzehnte lang an den Fassungen der Paragraphen 175 und 175a aus der Zeit des Nationalsozialismus fest, bis er dann 1969 und 1973 erstmals reformiert wurde. Nach einer gescheiterten Gesetzesinitiative der Grünen in den 80er Jahren wurde der Paragraph 175 im Zuge der Rechtsangleichung mit der ehemaligen DDR erst 1994 aufgehoben. Insgesamt wurden etwa 140.000 Männer nach den verschiedenen Fassungen des Paragraphen 175 verurteilt.

In den 80er Jahren wurden mehrere Dachverbände der  Lesben- und Schwulenbewegung gegründet und die Zahl der Selbsthilfegruppen stieg um ein Vielfaches auf über 400 an (1986) Die Christopher Street Day-Parade, als Andenken an den Stonewall-Aufstand in New York, erstmals 1983 in Berlin organisiert, entwickelte sich in vielen deutschen Städten  von einer politischen Demonstration hin zu einem beliebten Straßenumzug mit Volksfestcharakter und hunderttausenden von Teilnehmern

Eine maßgebliche Voraussetzung der sexuellen Revolution wurde mit der Anti-Babypille geschaffen. 1960 brachte der Chicagoer Pharmakonzern „C. D. Searle“ mit „Enovid 10“ weltweit die erste Pille auf den amerikanischen Markt. Ein Jahr später wurde die Antibabypille in der Bundesrepublik (in DDR 1965, mit „Ovosiston“) zugelassen. Die Berliner Schering AG bediente mit „Anovlar“  den deutschen und europäischen Markt. 1970 verkaufte dieser Pharmakonzern in der BRD 27,8 Mio. Packungen. Die Folge war der sogenannte „Pillenknick“, zwischen 1963 und 1978 sinkt die Zahl der Geburten um fast 50%. Bis heute ist das verschreibungspflichtige Medikament weltweit das erfolgreichste Verhütungsmittel: rund 35% aller Frauen nehmen es ein. Das Präservativ hatte sich als massenwirksames Verhütungsmittel nicht durchsetzen können, so dass mit der Pille erstmals sexueller Verkehr mit einem oder wechselnden Partnern für viele möglich wurde, ohne das die Gefahr einer ungewollten Schwangerschaft bestand. Ehe und Kleinfamilie, als sozialer Zweckverband waren somit nicht mehr zwingend notwendig.

„Diese »freie Liebe« oder uneingeschränkte Sexualität war nicht allein Konsequenz der »goldenen Pille«, sondern nach Jahrhunderten der Bedrohung durch die unheilbare Syphilis dank Penizillin erstmals relativ gefahrlos möglich. All die damit verbundenen Tabus (mach dich nicht unglücklich, Kind!) waren plötzlich obsolet, und so öffnete sich für 15 Jahre ein sexualhistorisches Fenster, das dann 1982 plötzlich durch AIDS wieder zugeschlagen wurde.“
„Fuchstanz“, Heipe Weiss, dipa-Verlag, Frankfurt a. Main, 1996

Ludwig Haberlandt(1885-1932), entdeckte bereits 1919 das Prinzip der Pille, das auf der Zuführung von Schwangerschaftshormonen beruhte, die zu einer Unterdrückung des Eisprunges bei der Frau führten. Er bewies experimentell seine Annahmen und 1927 waren seine Testserien an Kaninchen und Mäusen abgeschlossen. Er ließ daraufhin in Budapest Vorbereitungen zur Produktion des weltweit ersten hormonalen Verhütungsmittels treffen. Sein plötzlicher Tod unterbrach jedoch die laufenden Arbeiten

Der sexuelle Liberalisierungsprozess führte in den 70er Jahren zu einem veränderten Meinungsbild und Verhaltensweisen. Ehescheidungen wurden nicht mehr in dem Maße moralisch verurteilt und 1972 war in der BRD die Anzahl der Scheidungen erstmals höher als die der Eheschließungen. Gegenüber der Homosexualität und der Prostitution entwickelte sich eine größere Toleranz und voreheliche Sexualkontakte galten inzwischen als normal. Während 1967 in Westdeutschland noch 43% der jungen unverheirateten Männer und 65% der jungen unverheirateten Frauen eine nicht-eheliche Lebensgemeinschaft ablehnten, waren es 1973 nur noch 5% der Männer und 2% der Frauen Die Kommerzialisierung von Sexualität und ihre Überhöhung zum emanzipatorischen Faktor waren eng miteinander verbunden und oft von einem männlichen Blickwinkel bestimmt. In den 60er und 70er Jahren wurde das sexuelle Bild als eher subversives Element charakterisiert – ein Ausdruck des Protestes der Jugend gegen das Establishment. Es wurde allerdings nicht als obszönes Stilmittel gegen den politischen Gegner verwendet, wie dies bei pornographischen Pamphleten der französischen Revolution der Fall war, sondern eher als Lock- und Reizmittel. Linke Wochenmagazine wie Pardon und konkret warben beispielsweise zu dieser Zeit mit barbrüstigen bis nackten Frauen auf ihren Titelblättern. Im Zuge der Kommerzialisierung wurde der Impuls des sexuellen Bildes als eines der Kultur der Befreiung allerdings schnell überführt in eines der Ausbeutung, in der die bestehenden sexualmoralischen Paradigmen konserviert wurden. Spätestens Ende der 70er Jahre hatte das sexuelle Bild seine subversive Funktion verloren.

Faulstich Werner, 1994, „Die Kultur der Pornographie“, Wissenschaftler Verlag, Bardowick
Seeßlen, Georg/ Bernhard Roloff (Hg.)  1980, „Ästhetik des erotischen Kinos“, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg

Kommunen, Kollektive und Wohngemeinschaften

Die wohl konsequenteste Weiterführung der 68-Bewegung fand dort statt, wo versucht wurde, an der Basis neue Lebensformen einzuüben: Wohngemeinschaften, Kommunen, Kinderläden, Kneipen- und andere Arbeitskollektive, Naturkostläden, freie Schulen, Jugendzentren, Frauenhäuser, pädagogische und sozialtherapeutische Projekte, etc. Das Experimentieren mit alternativen Lebensformen, der „abgeschnittene Faden“ zur Weimarer Reformbewegung, wurde zu dieser Zeit nach vierzigjähriger Unterbrechung wieder aufgenommen.

1966, nach einer Versammlung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS)  wurde von einer Gruppe von ca. 30 Menschen die Gründung von Kommunen angeregt. Die erste – und auch bekannteste – Kommune war die Ende 1966 in Westberlin gegründete K1 (aus der so bekannte Personen wie Rainer Langhans, Dieter Kunzelmann und Fritz Teufel hervorgingen) Eines der Ziele der Kommunegründung waren die eigene Psychoanalysierung und die Befreiung von der bürgerlichen Sexualnormen. Verschiedene politische Aktionen und die Beziehung eines Kommunarden mit dem Modell Uschi Obermayer verschafften der Kommune I eine ausgesprochen große Medienöffentlichkeit. Die K1 löste sich bereits im November 1969 endgültig auf. Ebenfalls 1967 wurde die SDS-Kommune K 2 gegründet. Hier stand die gemeinsame politische Arbeit im Vordergrund, später beschäftigten sie sich hauptsächlich mit den psychischen und neurotischen Problemen der Gruppenangehörigen, mit Beziehungen und Gruppendynamik. Diese Kommune hatte einen großen Anteil an dem theoretischen, wie praktischen Diskurs zur Entwicklung der antiautoritären Erziehung und dem Aufbau von Kinderläden. Die Kinderladen-Idee wurde neben der Kommune II, vom Aktionsrat zur Befreiung der Frau, von sich rasch bildenden Initiativgruppen unter den linken Studenten, unter Künstlern und Berufslosen Berlins verbreitet. Im Mai ’68 existierten drei Läden, im Februar ’69 arbeiteten 15 Gruppen, elf davon hatten schon einen Laden bezogen.  Eine weitere Kommune, die K3 hatte sich der Kulturrevolution verschrieben. Sie wurde 1970 in Wolfsburg gegründet und bereits 1971 von der Polizei aufgelöst. In den 1970ern setzten nach den politischen Stadtkommunen mehrere unterschiedliche Bewegungen ein. Die drei bedeutsamsten waren: Die neu gegründeten Kollektive, viele tausend kleine Betriebe, in denen versucht wurde selbstbestimmt und gleichberechtigt zu arbeiten. Die Gründung von Landkommunen, welche etwa um 1975 einsetzte und die in den ’70ern beginnende Hausbesetzer-Bewegung, in denen die politischen Ansprüche der 68er in Form einer anderen Alltagskultur mit Ansätzen einer gemeinsamen Ökonomie, basisdemokratischen Entscheidungsstrukturen und ökologischen und radikalpolitischen Leitgedanken weitergetragen wurden.

Heute ist die Wohngemeinschaft eine normale Wohnform, bei der die politischen Ansprüche der 60/70er Jahre allerdings keine nennenswerte Rolle mehr spielen. Viele Menschen leben inzwischen aus Gründen der Kostenersparnis zusammen und bevorzugen diese Art von Gemeinschaftsleben gegenüber dem familiären Haushalt. Allein ca. 22% der Studierenden , ungefähr 445.000 lebten im Jahr 2003 in der Bundesrepublik Deutschland in Wohngemeinschaften.

Otto Mühl (er wirkte, bzw. spielte an den Filmen „Schamlos“ (1968), „Wunderland der Liebe“(1970) und „Sweet Movie“(1973)  mit), ein Wiener Aktionskünstler der im Umfeld der Studentenbewegung wirkte, gründete 1973 mit seiner Wohngemeinschaft die AA-Kommune (AAO = Aktions-Analytische Organisation) auf dem Friedrichshof bei Wien. Auch hier ging es vor allem darum, den bürgerlichen „Kleinfamilienmenschen“ in sich zu überwinden. Sie propagierte und praktizierte „freie“ Sexualität und nutzten Wilhelm Reich für ihren theoretischen Überbau. Um die gruppeninternen Konflikte zu regeln, gab es ein ganzes Arsenal kommunikationspsychologischer Methoden: Gesprächanalyse, Aktionsanalyse (z.b. Malen und Tanz, Urschreitherapie), Selbstdarstellung und ein offenes (darstellerisch agressives) Ausleben des Konkurrenzprinzips. Diese an für sich erfolgsversprechenden Methoden wurden allerdings langfristig dogmatisch und reduktionistisch eingesetzt, so dass sich bald sektiererische Tendenzen bemerkbar machten. Wer in die AAO einsteigen wollte musste sich in der Anfangsphase die Haare scheren lassen, sein ganzes Privateigentum der Organisation als „Darlehen“ übertragen und sich den Entscheidungen des „Kollektiv“, bzw. der Autorität der „Kommunikationstrainer“ unterwerfen. Zweierbeziehung waren streng verboten, ständiger Partnerwechsel mit sexuellem Verkehr gehörten zum Dogma der AAO.  Es entstanden mehrere Ableger der AA-Kommune z.B. in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Holland und Skandinavien. 1992 wurde Otto Mühl zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er angeblich Organisationsmitglieder, darunter auch Kinder und Jugendliche, sexuell missbraucht habe. Die Kommune löste sich auf.

Ein weiteres Projekt dieser Zeit, allerdings in den USA gelegen, war die Sandstone-Kommune, in der Umgebung von Los Angeles, mit den offiziellen Namen „Sandstone Foundation for Community Systems Research“. Sie wurde 1969 von John und Barbara Williamson und einer Reihe von Therapeuten und Financiers als ein radikales soziales Experiment gegründet. Dort wurde versucht die Auswirkungen einer repressiven Sexualerziehung zu überwinden indem man anstelle monogamer Beziehungen Partnertausch und offene Sexualbeziehungen thematisierte und praktizierte. Die Kerngruppe der Kommune setzte sich aus einer Handvoll von Paaren zusammen, hinzu kamen Gäste und zahlende Clubmitglieder, die in den Hochzeiten der Kommune bei 400 Personen gelegen haben soll. Sandstone entsprach aber weder dem Klischee einer Landkommune, noch dem eines der damals populären Swinger-Clubs. Es wurden über das Jahr verteilt spezielle Events, Workshops und Seminare angeboten und Publikationen herausgegeben. Ein Großteil der Clubmitglieder nutzte vor allem am Wochenende die Möglichkeiten eines sexuellen Experimentierfeldes. Die Finanzkräftigeren unter ihnen konnten einen Standard und ein Ambiente vergleichbar mit dem eines Hotels in Anspruch nehmen – mit Räumlichkeiten für Gruppen und Paare, Bars, Restauration und Swimming Pool – weitergehend standen verschiedene kommunale Schlafbereiche zur Verfügung. Nach vorheriger Absprache konnten Mitglieder Gäste mitbringen. Auf ein Mindestalter von 18 Jahren und ein ausgeglichenes Zahlenverhältnis zwischen Männern und Frauen, nicht den Tag über, aber ab 18.00 Abends, wurde strikt geachtet. Die Kommune existierte zwischen 1969 und 1973, wurde 1974 unter dem neuen Besitzer Paul Paige wiedereröffnet und musste Ende 1976 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten endgültig aufgeben. In den Büchern von Gay Talese, “Thy Neighbor’s Wife” und Dr. Alex Comfort, “More Joy”(1973) wird die Geschichte von Sandstone ausführlich dokumentiert. Das Ehepaar Jonathan und Bunny Dana, die ein Jahr in der Kommune lebten, realisierten 1974 den Dokumentarfilm „Sandstone“.

Eine weitere Kommune, die Ende der 70er populär wurde und Anfang der 80er in der Medienöffentlichkeit diskutiert wurde, war die Ashrams von  Bhagwan. Sie stand allerdings nicht mehr im Kontext einer politischen Zielsetzung, sondern in der der „Neuen Innerlichkeit“ und spirituellen Sinnsuche: Nicht wenige Einzelpersonen aus politischen Zusammenhängen, die von den aktuellen Entwicklungen frustriert waren, fühlten sich von dem Konzept der „inneren Befreiung“ durch  Körperarbeit, psychologischen Therapien und Meditation angezogen. Zwischen der linken Szene und den orange-gekleideten Baghwanis gab es so gut wie keine Anknüpfpunkte mehr. Bhagwan Rajneesh Chandra Mohan gründete 1969 in Bombay seinen ersten Ashram, den er 1974 nach Poona verlegte. Dort lehrte er von ihm entwickelte meditative Techniken, die vom Tantrismus, Buddhismus und westlichen Therapieformen beeinflusst waren, darunter die „Dynamische Meditation“ und die „Kundalini Meditation“. Im Zentrum seiner Lehren standen Themen wie Liebe, Sexualität und Meditation, auch die Überbetonung des rationalen Elementes beim modernen westlichen Menschen unterzog er immer wieder unter Rückgriff auf die Humanistische Psychologie (W. Reich, A. Janov, Fitz Perls) der Kritik. In therapeutischen Gruppen und Tanzmeditationen sollten blockierten Energien gelockert, aufgestaute Aggressionen und Sexualität freigesetzt werden, um so Selbsterfahrung und Bewusstheit zu ermöglichen. Ziel war ein ausgewogenen Verhältnis zwischen Denken und Fühlen, so dass nicht nur der Verstand den Menschen kontrolliert. Seine unkonventionellen Lehrmethoden und seine 93 Rolls-Royces führten in der Öffentlichkeit zu einer Polarisierung: während die einen ihn als Bhagwan verehrte, wurde er von andern als Sexguru bezeichnet. 1981 siedelte der Ashram nach Oregon (USA) über, wo es allerdings bald zu internen Zerwürfnissen und zu Konflikten mit den amerikanischen Behörden kam. 1985, nach der Verhaftung von Rajneesh, wurde der Ashram in Oregon aufgelöst. Vier Jahre nach der Verhaftung starb dieser mit 59 Jahren. Der Ashram in Indien/ Poona existiert weiterhin, wie auch einige der Meditationszentren, die oft über Betriebe wie Restaurants, Reisebüros und Discotheken wirtschaftlich autark sind. Viele der ehemaligen Mitglieder der Ashrams sind in der Körpertherapie tätig und in den Strukturen der New-Age-Bewegung eingebunden.

13
Jan
10

Die Anfänge der Liberalisierung von Pornographie

Dänemark als Vorreiter

Im politisch liberalen Klima Dänemarks wurden bereits seit 1962 literarische Erotika gehandelt und 1964/5 wurde pornographisches Material in hoher Quantität, bis hin zum bekannten „Weekend-Magazin“ produziert. 1967 wird das gesetzliche Verbot für pornografische Schriften aufgehoben. Zwei Jahre später, 1969, werden auch erotische Abbildungen und Materialien legalisiert. Pornobücher, also reine Textpornographie, die vor der Legalisierung sehr populär waren und wöchentlich, mit 2-3 neuen Exemplaren in hohen Auflagen auf den Markt geworfen wurden, versanken danach in der Bedeutungslosigkeit. Zu diesem Zeitpunkt hat Dänemark die liberalste Pornografie-Gesetzgebung der Welt. Ein prosperierender Wirtschaftszweig entstand, der bereits 1969 etwa 50 bis 70 Millionen Dollar umsetzte. Das Geschäft mit der Pornografie boomte – auch wenn die Preise nach der Legalisierung vorübergehend fielen. Wichtige Exportländer dänischer Pornographie waren Deutschland, Schweden und die USA. Nach der Legalisierung gab es in Dänemark etwa 100 Sexläden, über die Hälfte davon in Kopenhagen, die zu ca. 25% von Ausländern frequentiert wurden, die ihren Bedarf nicht über den Versandhandel, sondern in persona abdeckten. Bereits 1969 fand in Kopenhagen, mit ca. 50.000 Besuchern, die erste Sexmesse der Welt statt – die „Sex 69“. Schweden hebt 1971 das Pornografieverbot auf. Den beiden skandinavischen Ländern kommt im rechtshistorischen Sinne eine Vorreiterrolle zu. 1973 wird dann auch in Deutschland die Herstellung und Abgabe von Pornografie an Erwachsene legalisiert. In den 60er Jahren waren eine große Vielfalt von Kleinstverlagen und Produktionen am Geschäft mit der Pornographie beteiligt. Ab Anfang der 70er Jahre findet in dieser Branche eine starke Marktkonzentration und Professionalisierung statt, an deren Ende nur eine kleine Zahl von Großunternehmen übrig bleibt.


http://archives.arte-tv.com/de/archive_271127.html

Der Pressemarkt –  Veränderungen im Mainstream, Sexillustrierte und Pornomagazine

Bereits im Gründungsjahr der Bundesrepublik 1949 regte F. J. Strauß ein „Bundesgesetz gegen Schmutz und Schund“ an, aus dem 1953 das „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften“ (GjS) hervorging. 1954 wurde dann die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPJS) gegründet. Neben Schriften können Comics, Filme, Videos und inzwischen auch  Computerspiele, CDs und DVDs indiziert werden. Ausgenommen sind lediglich Fernsehsendungen.In den fünfziger und sechziger Jahren gerieten vorwiegend harmlose Erotik -, Western- und Krimiromane, FKK-Zeitungen, sowie Abenteuercomics auf den Index. Indiziert wurden beispielsweise „Tarzan“-, „Akim“-, „Sigurd“- und andere Comic-Hefte. Henri Miltens Sittenroman „Quer durch die Betten Europas“ wurde 1954 indiziert. Es folgten Sacher-Masochs „Venus im Pelz“ (1958) de Sades „Philosophie im Boudoir“ (1963) und Josefine Mutzenbacher (1968).

Ab Ende der 60er Jahre kam es zu einer Verschiebung der Zensurmaßnahmen in Deutschland. 1967 indizierte die Bundesprüfstelle insgesamt 705 Titel, davon allein 702 aufgrund ihres erotischen Inhalts. In den siebziger Jahren konzentrierte die BPJS sich dann auf die Produkte der Porno- und Sexwelle. In diesem Zusammenhang wurden in größeren Mengen Horrorhefte und Undergroundcomics indiziert. Ein Focus dieser Behörde lag auf den „Fumetti neri per adulti“, italienische Pornocomics, oft mit einem makaberem Horroreinschlag, die größtenteils verboten wurden. Herausgegeben wurden diese Hefte von dem Aachener „Freibeuter-Verlag“ der aufgrund von bis zur einjährigen Dauerindizierung gegen sieben seiner Comic-Serien, wie  „Messalina“ und „Oltretomba“, schwere finanzielle Verluste hinnehmen musste und bankrott ging.

In Italien entwickelte sich ab 1962 die Comic-Gattung der „fumetti neri“.  Herausragende Figur war „Diabolik“, ein Negativheld, der Nachts zu kriminellen Unternehmungen auszieht und das Gesetz bekämpft. Inspiriert wurde dieses Comic durch Marcel Alains Figur „Fantomas“. 1965 erschien mit „Satanik“ der erste weibliche Held der „fumetti neri“. Im Zuge der vielen Nachahmungen und Folgeerscheinungen flossen bald immer mehr Horrorelemente, dann sadistische Darstellungen und später verstärkt pornographische Inhalte mit ein, mit denen das das Genre „fumetti neri“ im Rückblick gleichgesetzt wurde. Beliebte Themen wurden unter diesem Gesichtspunkt die Verführung von Jugendlichen, Nekrophilie, Inzest, Masturbation und Sodomie

Die Verlage „Olympia Press“ aus Frankfurt und der Beate-Uhse-Verlag „Carl Stephenson“ standen ebenfalls unter besonderer Beobachtung der Bundesprüfstelle, aber auch Verlage aus der linken Alternativszene waren oft betroffen, wie z.b. der „Volksverlag“ in Linden, der im deutschen Raum Anfang der 80er eine Vorreiter-Rolle auf dem Comicmarkt innehatte. So wurde das ironisch-emanzipatorische Comic „Anne und Hans kriegen ihre Chance“ des Holländers Theo van de Boogards (1970/Brumm-Comic), welches sich für den Sexualkundeunterricht an den Schulen geeignet hätte, verboten. Trotz dieser aus heutiger Sicht oft unverständlichen Entscheidungen wies die Indizierungspraxis im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen liberalere Parameter auf als in den vorangegangenen Jahrzehnten. Die Folgen einer Indizierung bestehen vor allem in einem Abgabeverbot an Jugendliche und einem Verbot jeder öffentlichen Werbung. Es gilt bereits als Werbung, wenn in einem für Jugendliche zugänglichen Geschäft ein indiziertes Produkt offen ausgelegt oder in einem Katalog auch nur genannt wird.

Im Zusammenhang mit der außerparlamentarischer Opposition und der Studentenbewegung begann eine öffentliche, kritische Auseinandersetzung mit der überkommenen Sexualmoral. Durch die Strafrechtsreform von 1973 wurde dann auch die mediale Darstellung von Sexualität liberalisiert, Scham- und Tabugrenzen verschoben sich. Anfang der 60er Jahre sind in den Zeitungen der Regenbogenpresse nur kleine Anzeigen für Miederwaren und Kosmetikprodukte zu finden. Ab 1964 werden diese Anzeigen großformatiger und enthüllen nach und nach Brustansatz, Oberschenkel, Po und Bauch der Modelle.  Mit größerer Regelmäßigkeit werben nun weibliche Modelle auf den Titelseiten für den Kauf der Zeitschriften. Bei der Illustrierten „Quick“ beispielsweise, werden die Titelmodelle bis 1968 im Badeanzug oder Mieder abgebildet, während sich dann das Maß der Entblößung im Rahmen einer kalkulierten Redaktionspolitik  bis 1970 steigert: ein Titel von 68 zeigt ein Modell von hinten mit entblößtem Rücken, später folgt ein Frontalakt bis zur Hüfte und einige Ausgaben weiter ein Totalakt mit Schamhaar. Dieser Entwicklung schlossen sich spätestens ab Anfang der 70er die meisten großen Publikumszeitschriften an.

Zur gleichen Zeit  bildete sich das neue Segment der Sexillustrierten heraus. Erschlossen wurde dieser lukrative Markt von den 1968 in Hamburg gegründeten „St. Pauli-Nachrichten“. Inhaltlich war neben kleinen Artikeln zum Thema St. Pauli, dass Thema Sex, vor allem visuell, dominierend. Der umfangreiche Kontaktanzeigenmarkt mit sexuelle Such- und Kontaktanzeigen war einer der Hauptträger der Zeitung. Die enorme Auflagensteigerung trotz oder gerade wegen der Gefahr der Dauerindizierung durch die BPJS von anfänglichen 10.000 bei einer monatlichen Erscheinungsweise, zu 1,2 Millionen Exemplaren wöchentlich im Frühjahr 1970, führte in Kürze zu vielen Folgeproduktionen – so gab es im Zeitraum 1971 an den deutschen Großstadtkiosken bereits 15 verschiedene Sex-Illustrierte zu kaufen.

Im Bereich der europäischen Hardcore-Pornographie waren das schwedische Magazin „private“(1966) und die dänischen Magazine „Color Climax“(1969) und „Blue Climax“, mit für in diesem Segment sehr hohen Auflagen von 40.000 marktbestimmend. Der 1982 in Deutschland gegründete Verlag Theresa Orlowsky(VTO) gab qualitativ gleichwertige Magazine heraus und erreichte innerhalb kurzer Zeit die gleiche Auflagenstärke. In den 80er Jahren öffnete sich dann der deutsche Buchmarktes für die pornographische Literatur und schuf damit einen etablierten Vertriebsweg für diese Produkte, die in den 60er und 70er über Verlage wie den zum Orion-Versand gehörigen Stephenson-Verlag oder der deutschen Filiale der  Olympia Press in Darmstadt an den Leser gelangten. Die darauf folgende Indizierungswelle und daraus resultierenden Prozesse endeten alle mit Freisprüchen für die Buchhändler, so dass pornographische Literatur sich im Mainstreambereich etablieren konnte.

Im „Presseporträt“ wurden 1994  39 heterosexuelle und 7 Homosexuellen-Magazine aufgelistet. 14 Sex-Zeitschriften stammten aus dem Delta-Verlag in Goggenau, weitere 8 aus dem St.Pauli Nachrichten- Zeitschriftenverlag  aus Hamburg. Der Deutsche Pressekatalog führt Anfang 2006  67 Publikationen unter der Themensparte Sex, darunter 60 Sex-Illustrierte. Der Delta Verlag war  nur noch mit 3 Titeln vertreten und der SPN Zeitschriftenverlag  mit 11 Zeitschriften gelistet. Viele dieser Illustrierten mit Titeln wie „Das ist geil“, „Frech und Frivol“, oder „Heisse Höschen“ sind ohne Verlagsangaben oder mit einem gleichnamigen Einzelverlag gelistet, so dass die Aufzählung keine wirklichen Rückschlüsse über das Marktsegment möglich macht. Auffällig ist, das sich die verschiedenen Titelblätter im Layout, Farbgestaltung und sprachlichen Niveau alle sehr ähnlich sind.

Die in Hamburg ansässige Heinrich.Bauer-Verlagsgruppe, die 2004 36 Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von rund 17,1 Millionen Exemplaren in Deutschland herausgab, ist nicht nur Herausgeber von Europas größte Jugendzeitschrift  „Bravo“, sondern auch marktbestimmend im Segment der Sexillustrierten und der Online-Pornographie.  Zu dem Bauer Verlag gehören u.a die Hamburger Inter Publish GmbH  mit den Zeitschriften wie Praline, Sexwoche, Blitz Illu,  Coupe und Schlüsselloch und der österreichische Bazar Zeitschriften Verlag der u.a die Magazine von Private Media vertreibt. Die Inter Content KG, eine mittelbare Tochter des Bauer-Verlags hat ihren  Schwerpunkt zusammen mit dem Pabel-Moewig-Verlag, bei der Produktion und Betreuung einer Vielzahl von pornographischen Webseiten.

Desweiteren gibt es Vertriebsgesellschaften, die sich auf bestimmte Segmente von Illustrierten und pornographischen Druckerzeugnissen spezialisiert haben, z.b. die MZV Export Import GmbH mit dem Vertriebspartner Deutscher Pressevertrieb Worldwide (100%G&J), die u.a. die Produkte des SPN- und des österreichischen OEKM-Verlages im Programm führt und der BPV Medien Vertrieb, der u.a. die  Hustler DV-Book- Reihe und das Magazin Penthouse in seinem Programm führt. Außerdem gibt es Verlage wie der Berliner Bruno Gmuender Verlag, die ausschließlich ein homosexuelles Kundenklientel bedienen , sie geben verschiedene Magazine heraus, unterhalten Webseiten wie http://www.maenneraktuell  und  http://www.spartacus und bieten ein umfangreiches Angebot an belletristischer Literatur.

http://www.pressekatalog.de/
Eder Franz X. : 2002, Kultur der Begierde: eine Geschichte der Sexualität“, Verlag C. H. Beck, München
Knigge Andreas, 1985, „Sex im Comic“, Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main/ Berlin
König Oliver, 1990, „Nacktheit – Soziale Normierung und Moral“, Westdeutscher Verlag, Opladen
Schnurrer Achim (Hg.), 1996, „Comic: zensiert“, Bd.1, Edition Kunst der Comics, Sonneberg, Deutschland

13
Jan
10

Von der Zensur in den 50ern zum Sexfilm der 60er Jahre

1949 wurde die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) gegründet, mit der sich die Filmindustrie vor staatlicher Zensur schützen wollte. Kino- als auch Videofilme werden auf Antrag der Firmen kostenpflichtig geprüft. Oft ist die vom Verleih jeweils beantragte Freigabe nur durch Schnittauflagen der FSK zu erreichen. Besonders im kommerziellen Verkauf spielt die Jugendfreigabe eine große Rolle, eine Indizierung bedeutet bei Kaufkassetten das kommerzielle Aus, da diese hauptsächliche durch Kaufhäuser und Elektronikmärkte und nicht durch Erwachsenenvideotheken verkauft werden. Bestimmte Beschränkungen bei der Ausstrahlung von Spielfilmen im Fernsehen sind im Rundfunkstaatsvertrag vorgegeben. Filme die von der FSK ohne Altersbeschränkung, ab 6 oder ab 12 Jahren freigegeben werden, unterliegen keiner Sendezeitbeschränkung. Filme mit FSK 16 dürfen nur von 22.00 – 06.00 Uhr, solche mit FSK 18 erst ab 23.00 – 06.00 Uhr ausgestrahlt werden. Die Ausstrahlung indizierter Titel ist nur zulässig, wenn die Jugendgefährdung nicht als schwer anzusehen ist. Um nicht mit dieser Vorschrift in Konflikt zu geraten, werden viele dieser Indexfilme von den Sendern geschnitten.

http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/gottberg_fsk_50/gottberg_fsk_50.html

Das einzige Filmgenre, in welchem die Darstellung von Nacktheit anfangs der 50er akzeptiert wurde, waren „Kulturfilme“ über die unschuldigen und primitiven Wilden aus der 3.Welt , wie „Abenteuer im Dschungel“, „Der dunkle Erdteil erwacht“ oder „HitoHito“– ganz in der wilhelminischen Tradition des faszinierenden Exotismus. Der Film „Die Sünderin“ hingegen löste 1951 einen  großen Skandal aus, weil die Hauptdarstellerin Hildegard Knef für einige Sekunden ohne BH auf der Leinwand zu sehen war. Der Film zeigt die Wandlung einer ehemaligen Prostituierten zu einer liebenden und opferbereiten Frau. Vor allem Kirchvertreter griffen den Film vehement an, da er u.a. die Prostitution als ein lukratives Gewerbe darstellte, dass nicht unbedingt zum ökonomischen Verfall einer Frau führen musste und zudem die sexuelle Unabhängigkeit einer Frau außerhalb der Institution  Ehe darstellte. Noch 1964 wurde  Ingmar Bergmanns Film „Das Schweigen“, der eine kurze, realistische Beischlafszene enthielt in einigen Ländern beschlagnahmt und löste europaweit Diskussionen aus.
Einen Startpunkt in der Entwicklung des Sexfilm-Genres in den westlichen Nachkriegsgesellschaften stellten die FKK-Filme aus Skandinavien, wie „Han dansode en Sommer“/Sie tanzte nur einen Sommer“ (1951, R.: Arne Mattson) dar. Diese in der Regel harmlosen und unerotischen Filme gingen in erster Linie das Nacktheitstabu an und waren Ausdruck des damals stattfindenden Kulturkampfes um die Freikörperkultur, die in Deutschland mit völlig überzogenen Attacken seitens christlicher Kulturvereine und Medienkritik geführt wurde. Stattdessen konnte Veit Harlan, ohne massivere Kritik oder gar moralische Empörung seitens dieser Interessenverbände hervorzurufen, 1957 den Film „Anders als du und ich“ realisieren. Der Regisseur Harlan, der im nationalsozialistischen Deutschland u.a. mit dem antisemitischen Propagandafilm „Jud Süß“ Karriere gemacht hatte, nahm sich mit dem Film „Anders als du und ich“ des Themas Homosexualität an. Der Film gab vor die Problematik des § 175 StGB zu behandeln, setzte aber in Wirklichkeit in einer ungebrochenen ideologischen Ausrichtung zur NS-Ideologie Homosexualität mit der modernen Kunst gleich und stellte in diesem Kontext diese als „entartet“ und „widernatürlich“ dar.

Trotz oder vielmehr gerade wegen diesem gesellschaftlichen Klimas feierte der Starkult um weibliche Filmschauspielerinnen neue Höhepunkte. Im us-amerikanischem Film der 50er Jahre wurde die Darstellung weiblicher Erotik durch Frauen wie Ava Gardener und Rita Hayworth dargestellt, die oft in den Rollen von unterkühlten Vamps auftraten. Pinup-Stars wie Betty Gable und Jane Russel erreichten ebenso wie Jayne Mansfield eine enorme Popularität, während Marilyn Monroe, als Überzeichnung dieses Trends, zur regelrechten Sex-Ikone stilisiert wurde. Die Grand Dames des italienischen Films in den 50er und 60er Jahren waren Gina Lollobrigida und später Sofia Loren. In Deutschland genossen Romy Schneider, zunächst bekannt als Sissi-Darstellerin, nach ihrem Imagewechsel  mit Viscontis Episodenfilm „Boccacio 70“(1961) und Schauspielerinnen wie Anita Eckberg einen dementsprechenden Starruhm. In Frankreich war es in den 50er Jahren vor allem Martini Carol, die- wenn sie auch nicht so bekannt wurde – als Wegbereiterin für Brigitte Bardot gelten kann. B.B. galt zunächst als Busenstar und etablierte sich als Protagonistin für Entkleidungsszenen. Später entstand ihr Typus einer sexuell aggressiven Kindfrau, wobei die Darstellung ihrer Sexualität einen Grad von Selbstverständlichkeit und Körperlichkeit erreichte, die sie zu einem Symbol des beginnenden gesellschaftlichen Wertewandels und der beginnenden sexuellen Revolution werden ließ.

In den 60er Jahren befindet sich das Kino aufgrund der zunehmenden Konkurrenz des Fernsehens in der Krise. Die Anzahl der Abspielstätten halbierte sich im Zeitraum von 1960 bis 1970 von ca. 7000 auf ca. 3500 Stück. Aufgrund dessen gingen immer mehr Filmproduzenten dazu über lukrative Sexfilme zu produzieren. Eingeläutet wurde diese Entwicklung mit dem von der staatlichen Bundeszentrale co-produzierten Aufklärungsfilm „Helga – Vom Werden des menschlichen Lebens“. Der Film, der  nichts anderes erzählt als die Geschichte einer Schwangerschaft, aber eben auch explizite Nacktheit zeigte, hatte Ende 1968 fast 5 Millionen Zuschauer in Deutschland zu verzeichnen und ca. 14 Millionen DM eingespielt. Weltweit lockte er 40 Millionen Besucher in die Kinos. Mit der Lockerung der Zensurregelung und aufgrund der erreichten Popularität dieses Filmes, setzte in den Folgejahren eine Massenproduktion an sogenannten „Aufklärungs“ – und Sexfilmen ein. Beispiele für diese Aufklärungsfilme sind: „Helga und Michael“/1968, R.: Erich F. Bender, „Oswald Kolle – Das Werden der Liebe“/1967, R.: Franz Josef Gottlieb, „Die Zwischenzeichen der Sexualität“/1968, R.: Gerhard Zenkel und „Freiheit für die Liebe“/1969, R.: Phyllis und Eberhard Kronhausen.

Oswald Kolle (geb. 1928) arbeitete in den 50er Jahren u.a. in den Kulturressorts der Zeitungen Bild und BZ und  Star-Revue. Bekannt wurde er ab 1960 mit seinen Aufklärungsserien „Dein Kind – Das unbekannte Wesen“, gefolgt von „Deine Frau“ – und „Dein Mann – Das unbekannte Wesen“, die in den Illustrierten „Quick“ und „Neue Revue“ publiziert wurden und später als Bücher erschienen. Sein 1967/8 produzierter Aufklärungsfilm „Oswald Kolle – Das Wunder der Liebe“ (R.: F.J. Gottlieb) wies bereits nach einem halben Jahr eine Bilanz von 8 Millionen Zuschauern im deutschsprachigen Raum auf. Die Aufklärungsfilme „Helga“ (1967, R.: Erich F. Benders)  und Oswald Kolles „Das Wunder der Liebe“ zeigen deutlich eine sexualitätsbejahende Tendenz im Rahmen des konstitutionellen Ehe- und Familienverbundes auf, betonen aber die Reproduktionsaufgabe der Ehe und sind als ein deutlicher Kontrapunkt zu der von den 68ern propagierten „freien Liebe“ zu verstehen. Diese Filme wurden dementsprechend, trotz ihrer zum Teil freizügigen Bilder, von den Zensurbehörden wie den kirchlichen Institutionen gleichermaßen gelobt.

Die Mitarbeit eines anerkannten Wissenschaftlers, Psychologen oder Fachjournalisten diente diesen Filmen als wissenschaftliche Legitimation. Eine Struktur die ansatzweise noch in den darauf folgenden „Report-Filmen, insbesondere den „Schulmädchenreport“ beibehalten wurde. Daneben gab es Report-Filme über Hausfrauen, Jungfrauen und Krankenschwestern. Parallel wurden zunehmend reine Sexfilme produziert, die auf eine aufklärerische, informative Alibifunktion verzichteten. Sie wurden wie die Reportfilme, Ende der 60er Jahre zu einem lukrativen Exportprodukt der deutschen Filmindustrie, da die Zensurrichtlinien liberaler waren als in den anderen Ländern. Im Gegensatz zu den amerikanischen „Nudies“ waren z.b. Szenen mit simuliertem Geschlechtsverkehr bereits häufig. 1967 hatte der Sexfilm bereits einen Anteil von 27 % an der deutschen Jahresproduktion. Im Jahr 1968 bereits 44 %, bis dann  1969 der Sexfilm 50 % der deutschen Filmproduktion ausmachte. Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Produktionen gehörten die Report-Serien wie „Intim-Report“(1967) und „Der Schulmädchen-Report“(ab 1970)  und die Werke des ehemaligen Spediteurs Alois Brummer. Sein Film „Lass jucken, Kumpel“ lockte allein vier Millionen Zuschauer  in die Kinos. Die Schulmädchen-Reports wurden von Wolf C. Hartwig und seiner „Rapid-Film“ produziert. Mit dem Profit dieser Serie und ähnlicher Sexfilme realisierte er u.a. aufwendige Kriegsfilme wie „Steiner“ Neun dieser „Reports“ wurden von dem Regisseur Ernst Hofbauer inszeniert. Neben weiteren Filmen des Sex&Crime-Genres führte er für die Shaw Brothers (Hongkong) in dem Film „Virgins of the seven Seas“/“Karate, Küsse, blonde Katzen“ (1974) Regie.

Eine Ausnahme in der Vielzahl der zu dieser Zeit produzierten Filme stellt der Film „Das Wunderland der Liebe – Der große deutsche Sexreport“ (1970) dar. In diesem Film präsentierten der Autor und bekannte Filmjournalist Joe Hembus und der Regisseur Dieter Geissler eine Collage aus dokumentarischen bis ironisch-kritischen Eindrücken zum Thema, die von dem Gründer der „Deutschen Sex Partei“ und Herausgeber der „St. Pauli Nachrichten“ bis zu einer Performance des Wiener Aktionskünstlers Otto Muehl reichen. Filme dieser Art blieben in Deutschland zu dieser Zeit aber die Ausnahme, so dass sich viele Autorenfilmer, aufgrund der Dominanz  kommerzieller Billigproduktionen von Sexfilmen, von dieser Thematik zurückzogen.

http://www.deutsches-filminstitut.de/sozialgeschichte/dt069b.htm
Faulstich Werner, 1994, „Die Kultur der Pornographie“, Wissenschaftler Verlag, Bardowick
Seeßlen, Georg/ Bernhard Roloff (Hg.)  1980, „Ästhetik des erotischen Kinos“, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg
Thissen, Rolf : 1995 , „Sex verklärt – Der deutsche Aufklärungsfilm“, Heyne-Verlag, München

Im europäischen Raum sah die Lage etwas anders aus, auch wenn einige Filmschaffende im Zuge der Liberalisierung und des beginnenden „Porno-Chics“ sich zu Produzenten erotischer Massenware entwickelten und an Qualität einbüßten. Neben bekannten Regisseuren wie dem Surrealisten Luis Bunuel und dem Italiener Pasolini, die sich in ihren Filmen oft intensiv mit der katholischen und bürgerlichen Moral auseinandersetzen und vielen Vertretern der französischen Nouvelle Vague, gab es eine Reihe von nennenswerten Regisseuren, die für ihre erotischen Produktionen bekannt waren:

Jose´ Benazeraf wurde in den 60er Jahren in Frankreich als B-Film-Regisseur von Sex&Crime-Filmen bekannt, der mit seinen freizügigen Sexfilmen oft mit der Filmzensur aneinander geriet. Sein erster Spielfilm war „Heißer Strand“ (1961), der seinen Erfolg u.a. den leichtbekleideten Hauptdarstellerinnen Monique Just und Sylvia Sorrente verdankte. Es folgten Filme wie „Paris Erotica“ (1963); „Cover Girls“ (1963) und „Joe Caligula“ (1966), ein Sex&Crime-Noir, der von der Zensur verboten wurde. Fast alle Filme von Benazeraf wurden in Frankreich produziert. Eine Ausnahme ist „St. Pauli zwischen Nacht und Morgen“ (1966), der von der deutschen Urania produziert wurde. Der Film erzählt die Geschichte eines Interpol-Inspektors, der sich in eine Striptease-Tänzerin (Dunja Rajter) verliebt und sich vom Milieu korrumpieren lässt. Nach weiteren erotischen Filmproduktionen wie „French Love“ (1972); „Le sexe nu“ (1974) und „J.B. 1“ (1975) produzierte er einige Pornofilme, die wenig von den Ansprüchen und dem Stil seiner früheren Filme erkennen ließen.

“Das traditionelle Prinzip der Ehe ist von der Erotik her gesehen absurd. Die Erotik ist eine Verneinung aller Strukturen der Gesellschaft“

Jose´ Benazeraf

Der polnische Maler, Lithograph und Regisseur Walerian Borowczyk realisierte in den 50er Jahren zusammen mit Jan Lenica eine Reihe von Animationsfilmen wie „Strip-tease“(1957) und „Dom“ (1958). Mit Jan Lenica war er zu dieser Zeit auch Mitglied einer Gruppe von Graphikern deren Theater- und Filmplakate weltbekannt wurden. Sein Episodenfilm „Unmoralische Geschichten“(1973) wurde in Frankreich zunächst verboten, nach Protesten der Kunst- und Literaturszene aber freigegeben. Sein Film „La bete“ (1975) wurde in Deutschland 5 Jahre auf den Index gesetzt und kam dort erst Anfang der 80er Jahre in die Kinos.

Der spanische Regisseur Jess Franco, mit seinen speziellen Ausrichtungen auf Sadismus, Horror und Phantastik, gilt als einer der wichtigsten Vertreter des europäischen Sexplotation-Genres. Mit „99 Mujeres“/““Der heiße Tod“ (1968) legte er den Grundstein für eine ganze Reihe von Frauengefängnis-Filmen. Außerdem versuchte er sich in einer ganzen Reihe von de Sade-Adaptionen. In den frühen siebziger Jahren drehte Jess Franco unter verschiedenen Pseudonymen bis zu 15 Filme pro Jahr ab. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören u.a. „Necronomicon“/“Geträumte Sünden“ (1967) und „“El conde Dracula/“Nachts wenn Dracula erwacht“ (1969)

Die italienische Regisseurin Liliana Cavani drehte in der ersten Hälfte der 60er Jahre eine Reihe von Dokumentationen für den staatlichen Fernsehsender RAI: „Geschichte des 3. Reiches“(1963); „Die Frauen des Widerstandes“ (1963) und „Das Zeitalter Stalins“ (1964). Ab 1966 wechselte sie zum fiktiven Film. 1973 realisierte sie ihren Film „Der Nachtportier“, der die Geschichte einer sadomasochistischen Amour fou zwischen einer verheirateten Frau und einem Nachtportier, indem sie einen ehemaligen SS-Offizier wiedererkennt, dem sie früher im Konzentrationslager sexuell zu Diensten sein musste.

Der Film „Jag wär nyfiken-bla“ (Sie will´s wissen)/Schweden 1967) des Regisseurs Vilgot Sjönman zeigte Sexszenen, die sich durch ihren erotischen Realismus und durch die Durchlässigkeit der Grenzziehung zwischen Fiktion und Realität auszeichneten. Die gezeigten Szenen wirkten nicht mechanisch oder von „tiefer Bedeutung erfüllt“, sondern waren in ihrer Darstellung ungezwungen und frei.

Der Film „Wilhelm Reich – Mysterien des Organismus“ (1971) des jugoslawischen Regisseurs Dusan Makavejer beginnt als fundierte Dokumentation über das Leben, die Arbeit und Verfolgung des bekannten Sexologen Wilhelm Reich und entwickelt sich im 2. Teil zu einer Filmcollage aus Sexszenen, politischen Ansprachen zur freien Liebe an die jugoslawische Arbeiterschaft und Interviews – u.a. mit dem Transvestiten Jackie Curtis und Jim Buckley, dem Herausgeber des amerikanischen Pornomagazins „Screw“. 2 Jahre später folgte der Film „Sweet Movie“ in welchem der Aktionskünstler Otto Muehl und Mitglieder der Wiener Kommune mitspielten.

„Ich sehe das Kino als eine Guerilla-Operation gegen alles, was fixiert, definiert, etabliert, dogmatisch und ewig ist. Es ist nicht irrelevant, das sich das Kino im Krieg befinden sollte, denn letztlich hängt alles zusammen. Hollywood ist Wall Street und das Pentagon. (…)Ich glaube, das wir, indem wir im Kino mit unseren Filmen für einen freieren, authentischeren Ausdruck kämpfen mit Waffen, die Joie de Vivre (Lebensfreude) und Komödie mit einschließen, denselben Krieg führen wie jene, die auf den Barrikaden kämpfen.“

Dusan Makavejer

1973 kam aus Frankreich mit dem Film „Emanuelle“ des Regisseurs Just Jaeckins eine neuer Stil in das Genre des erotischen Films, der sich an die Ästhetik der Werbung anlehnte und zum ersten Mal Frauen im größeren Umfang als Publikum gewinnen konnte. Der Film war ein derartiger Erfolg, dass er eine ganze Reihe von Fortsetzungen und Folgefilmen nach sich zog, die bis in die 90er produziert wurden. Bis zum 5. Teil hatten allein die offiziellen Emanuelle-Filme in Europa 350 Millionen Zuschauer zu verzeichnen. Im Zuge der allgemeinen Liberalisierung und der Welle des Porno-Chics hat dann der deutsche Sexfilm um 1976 als eigenständiges Genre zu existieren aufgehört.

„Der Erfolg der Emanuelle-Filme rührte nicht zuletzt daher, dass aus ihm das Subversive, das soziale Unten herausgekürzt worden war und das sexuelle Bild nun nicht mehr der Auflösung von Machtstrukturen, sondern im Gegenteil – ihrer Bestätigung dienen konnte. Anders gesagt: der Preis dafür, dass das Kino zum ersten Mal Ikonen für Subjekte der weiblichen Lust schaffen konnte, war die Bindung an ein spezifisches, bürgerliches Milieu. Die ästhetische Entsprechung der Aneignung des sexuellen Bildes durch das bürgerliche Zentrum der Kultur war die – in der Praxis durchaus willkürliche Unterscheidung zwischen Erotik und Sex, wobei Erotik das bürgerliche Raffinement, Sex die proletarische Direktheit meinte“

Zitat: Georg Seesslen „Ästhetik des erotischen Films“ S. 148/9

1980 kam der Film „Deutschland privat“ in die Kinos, der sich aus Szenen von Super-8-Amateurfilmen zusammensetzt. Die Regisseure Robert von Ackeren und Erwin Kneibsl sichteten rund 200 Stunden Material aus ihrer zusammengetragenen Sammlung für diesen Film. Ein Hauptaugenmerk liegt auf dem erotischen Film, wo deutsche Amateurfilmer ihrem Hang zum Voyeurismus und Exhibitionismus nachgehen. In der Regel sind die abgebildeten Personen Frauen – Ehefrauen oder Freundinnen der Männer, die hinter der Kamera stehen. Filmende wie Abgefilmte spiegeln in vielen dieser Szenen ihre persönliche Rezeption von kommerziellen Pornofilmen wieder.

Der Film „Catch your Dreams“, (1983, Regie: Moritz Boerner, Verleih: Tantra-Film Produktion) war der Versuch der Gestaltung einer neuen Form des Sexfilms auf der Grundlage esoterischer, ganzheitlicher und psychodynamischer Erfahrungen. Daraus resultierte der zum Teil dokumentarische Film in dem 10 junge Leute auf einem Schloss in der Schweiz sieben Tage lang ihre erotischen Träume ausleben und am Ende ihres Settings in einer Gesprächsrunde ihre Erlebnisse reflektieren. Der Regisseur war vor der Entstehung der Filmidee mehrere Monate in Indien und eine seine Darstellerin und Bekannte war vorher an mehreren Selbsterfahrungsgruppen und Massageworkshops beteiligt. Der Film wurde mehrere Male beschlagnahmt und nur unter den üblichen Auflagen für Pornofilme freigegeben (ab 18 Jahre, Getränkeverzehr oder anderes, da der Eintrittspreis sich nur zum geringeren Teil auf den Film beziehen durfte). Innerhalb von 5 Jahren haben sich mehr als 500 000 Menschen den Film, der bis zu einem gewissen Grad die libertinen Einstellungen der frühen Baghwan-Kommunen widerspiegelt, angeschaut. Ein weiterer Film von Moritz Boerner „Abenteuer meiner Seele“, der die gleiche Thematik behandelte und unter der Leitung einer Tantra-Lehrerin entstand, wurde allerdings ein Misserfolg.

In den 80er und 90er Jahren hat das Sexfilm-Genre quasi keine nennenswerte Bedeutung mehr, während sich die Auswirkungen der Liberalisierung zunehmend in den Mainstreamproduktionen verschiedener Genre-Gattungen – vom Thriller bis zum Science-Fiction-Film zeigen. Diese beinhalten in den 80er Jahren bereits Szenen, die drei Jahrzehnte zuvor in den sogenannten Sexfilmen undenkbar waren. Dies entspricht der Tendenz der allgemeinen Sexualisierung der Mainstreamkultur wie er in der Werbung und Mode inzwischen allgegenwärtig ist. Cineastische Beispiele dieser Entwicklung sind u.a. „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (1980/ mit Jack Nicholson und Jessica Lange, R.: Bob Rafelson); „Color of Nights“ (1994/ mit Bruce Willis und Jane March, R.: Richard Rush) und  “Showgirls” (1996/, R.: Paul Verhoeven). Der Sexfilm, wie er in den 70er Jahren in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit stand, verschwand mit dieser Entwicklung aus dem Zentrum der Kinokultur. Angebot und Nachfrage nach expliziten sexuellen Bildern werden seitdem zunehmend von Videotheken und später Pay-TV-Kanälen und dem Internet bestimmt. Medien, die auf einen Konsum innerhalb der Privatsphäre ausgerichtet sind, während in den 60er  und 70er Jahren die Rezeption dieser Produkte durch die Kinos in einem quasi öffentlichen gesellschaftlichen Raum stattfand.

Relix, Leo; Thissen Rolf, „Pioniere und Prominente des modernen Sexfilms“, Goldmann-Verlag

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Der Pornofilm-Markt

Durch eine Gesetzesnovelle konnten sich von Mitte der 70er bis zu ihren durch den Videoboom bedingten Niedergang in den 80er Jahren das spezielle Segment des Bahnhofkinos mit öffentlichen Pornofilmvorführungen etablieren. Der Besucher eines Porno-Kinos zahlte an der Kasse einen Eintrittspreis, dessen überwiegender Teil sich rein rechnerisch auf ein bis zwei Getränke bezog, z.b. 6 zu 10 oder 7 zu 12 Mark. Somit entsprachen die Betreiber der Vorgaben des damaligen Gesetzestextes, der besagte das: „Pornographie nicht in einer öffentlichen Filmvorführung gegen ein Entgelt gezeigt werden darf, das ganz oder überwiegend für diese Vorführung verlangt wird.“ Gleich einen Tag nach dem Inkrafttreten des dementsprechenden Paragraphen, am 29.1.1975, startete die Bauer KG aus Dortmund mit 12 PAM-Kinos. Die Bauer KG hatte 1977 40 Kinos in der ganzen Bundesrepublik unter Vertrag, die sie mit us-amerikanischen Pornofilmen belieferte. Der deutsche Sexfilmproduzent Alois Brummer eröffnete bald darauf mit der AB-Film eine Reihe sogenannter Tam-Tam-Kinos und zeigte ebenfalls überwiegend aus den USA importierte Pornofilme. Später zogen der Müller-Film-Verleih aus Frankfurt mit seinen MAM-Filmen und Beate Uhse mit selbstproduzierten Filmen nach.  Von insgesamt 3096 Kinos in der BRD zu dieser Zeit (1977) waren 120 reine Pornokinos. Der Müller-Film-Verleih hatte ca. 65 Kinos unter Vertrag – was eine zu kleine Basis für deutsche Produktionen darstellte, weswegen überwiegend auf amerikanische Filme zurückgegriffen wurde. Die Bauer KG verfügte über einen Grundstock von ca. 90 Filmen. Alois Brummer bot 82 ausländische und 11 selbst produzierte Filme an. Die Beate Uhse KG war zu diesem Zeitpunkt mit 6 eigenen Filmen im Geschäft. Die Kosten für einen in Deutschland produzierten 90 minütigen Pornofilm lagen zwischen 100 000 – 500 000 DM, wobei die Kosten für Material und Kopierwerk die höchsten Festkosten stellten. In dieser Anfangsphase des Pornofilms wurden ausschließlich Laien eingesetzt, wobei nicht selten auf Prostituierte zurückgegriffen wurde. Der Regelsatz für eine weibliche Darstellerin lag bei ca. 500DM pro Tag.

„Ich kenne aus der ganzen Zahl, sagen wir mal 100 gutaussehenden Frauen in Pornofilmen nur einige wenige, die könnte ich an einer Hand abzählen, die nicht, wie man so sagt, anschaffen gehen. Einmal bekommt so ein Mädchen fünf oder sechs Drehtage im Monat und dann nimmt sie plötzlich 3 Monate keiner. Ja, sie muss ihre Miete zahlen, da sie aber keinen Beruf hat, muss sie halt dasselbe, was sie vor der Kamera macht, für Geld auch mal so machen.“

Pornofilmregisseur Alan Vydra

Meder, Friedhelm,  S.129-143, ca. 1978, „Körper als Ware – Ein Bericht über Produzenten, Regisseure und Darsteller von Pornofilmen“ – In: Medienspiegel Nr. 7 „Kino – Film – Politik“ , NDR, Hamburg

Seit 1976 ist in Deutschland die „Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten m.b.H. (Güfa)“ mit der Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte, speziell auch der von Pornofilmen, beauftragt. Ende der 80er Jahre waren dort 75 Filmproduzenten mit ca. 4500 Titeln angeschlossen. 1988 beliefen sich die Erlöse aus den Verwertungsrechten auf ca. 10 Millionen DM. Zu den großen Anbietern pornographischer Videos gehörten 1988 Beate Uhse mit 281 lieferbaren Kassetten, VTO (Teresa Orlowski und Heinz Moser) mit 160 lieferbaren Titeln, Ribu (Werner Ritterbusch) und Mike Hunter (Gerd Wassmund). Es folgten ca. zwanzig Anbieter mittlerer Größe wie Tabu, VFL, Essex, DVC und  Hohmann, die jeder über 100 Titel im Angebot hatten, weiterhin existierten rund 30 Kleinanbieter mit 10-20 Titeln im Programm.

Im Januar 2006 listete die Guefa auf ihrer Webseite 210 deutsche Produzenten von pornographischen Filmen und 37 aus anderen europäischen Ländern auf, wobei nicht ersichtlich ist, welche Kriterien zur Aufnahme in der Liste angewendet wurden, so dass der Eindruck entsteht, das Einzelproduktionen und Produzenten aus den semi-professionellen Bereich neben Firmen mit wirklicher Produktionskapazität stehen. Als Filmproduzenten werden u.a. genannt: die Beate Uhse Einzelhandels GmbH, der Orion Versand, Hustler Germany in Greifenberg  und die Inter Publish GmbH des Bauer Verlages in Hamburg

In Deutschland gibt es hunderte von kleinen Firmen die in der Produktion involviert sind und bei denen die Namen oft wechseln. Es besteht keine Markttransparenz wie in den USA, wo die Traderorganisation „Adult Video News(AVN)“ seit 1986 regelmäßig Zahlen zu Produktion und Umsatz veröffentlicht. Die größten deutschen  Produktionsfirmen sollen „Videorama“ und „Magmafilm“ in Essen sein, an dritter Stelle steht die Firma VTO von Teresa Orlowski aus Hannover, gefolgt von der „DBM-Videoproduktion“ des Produzenten Dino Baumberger aus Wesel. DBM ist weitergehend auch in den Sparten Webdesign und Telefonsex vertreten. Außer der VTO lieferten alle ihre Filme über den Grossisten „ZBF“ an die Videotheken aus. Die „Videorama GmbH“ gehört wie die „Puaka Video Produktion“ zur 1972 gegründeten „Silwa Filmvertrieb AG“, die ihren Sitz, genauso wie die Firmen Magma und Tabu, in Essen hat. Die Geschäftsfelder der Silwa liegen in der Herstellung und Vertrieb von Bild- und Tonträgern sowie Druckerzeugnissen im Bereich Sex und Erotik,  der Vermarktung dementsprechender Medienrechte und die Massenkopierungen von DVD, CD und VHS, sowie deren Lagerhaltung und Distribution. Die Produktionsfirma „Magma“ hat enge Geschäftsbeziehungen zu weiteren Produktionen im Essener Raum, wobei deren Grad für Außenstehende nicht ersichtlich ist. Dies betrifft z.b. den 1973 gegründeten Pornofilmproduzenten  „Tabu“. 1997 übernahm die Schweizer Filmrechtehandelsgesellschaft Mascotte Film AG die Firma, die mit ihrem aktuellen Namen „Tabu&Love Film GmbH“ ihren Sitz in Essen hat. Tabu nutzt mit der MTC(MAGMA) und der EVP gemeinsame Lagerkapazitäten und Möglichkeiten der Distribution und verfügen über das gleiche Staraufgebot. Tabu&Love bringen monatlich 8 Neuerscheinungen auf den Markt. In den Illustrierten „Praline“ und „Blitz-Illu“ des Bauerverlages findet sich eine kontinuierliche Berichterstattung über Magma-Filme und deren Stars (Bsp.: Praline Nr.9/12/13/24/28/31 – Februar bis Juli 2005)

Deutschland ist europaweit führend in der Herstellung von pornographischer Massenware und stellte bereits 2001 mit ca. 1,5 Milliarden Euro Umsatz hinter den USA den zweitstärksten Konsumenten von Erotikartikeln, wobei allerdings ca. 80% der in Deutschland konsumierten Filme aus den USA stammen. Aufgrund der günstigeren Produktionsbedingungen wurden pornographische Filme seit ca. Mitte der 80er Jahre verstärkt in den USA produziert, bzw. amerikanische Produkte wurden angekauft und synchronisiert. Die Produktionskosten sollen im Vergleich zu Deutschland wesentlich geringer  sein. Laut Peter M. Bonitz, einen deutschen Pornographen, kostete ein Film, der in den USA produziert und für den deutschsprachigen Raum bearbeitet wurde, inklusive Werbung und Kopien, ca. 130 000 Mark – bei einer Zeitspanne von Inauftragnahme bis zum vorführbaren Produkt von 6 Wochen. Jährlich wurden in der BRD noch höchstens 50 abendfüllende Pornofilme produziert, in den USA hingegen mehr als 5000. Hier könnte die Ursache liegen, warum sich in Deutschland keine innovative Pornofilmszene entwickeln konnte. Laut Jakob Pastötter scheint die reine Filmproduktion nur den geringeren Teil des Gesamtbudgets zu beanspruchen. Die Kosten pro Drehtag bei einer qualitativen Produktion sollen zwischen 7500-10 000 Euro liegen. Die Drehdauer ist kurz gehalten und liegt zwischen einem und drei Tagen. Es gibt auch eine Reihe von Billiganbietern, die mit geringster Besetzung und einigen ausländischen Frauen bei höchstens zwei Drehtagen mit einem Budget von 2500 Euro Filme von geringer Qualität produzieren.

1987 belief sich in der Bundesrepublik Deutschland der Gesamtumsatz aller pornographischen Filme auf ca. 25 Millionen Euro. 1988 gab es 80 Produktionsfirmen mit einem geschätzten Jahresumsatz von 75 Millionen und ca. 2500 Beschäftigten. In diesem Jahr wurden ca. 1300 neue Pornovideos auf den Markt geworfen mit ca. 2,2 Millionen legal hergestellter Kopien. Die Filme wurden von 6 Grossisten geliefert die insgesamt 150 Mitarbeiter hatten. Bei rund 5000 Videotheken mit ca. 16 000 Mitarbeitern betrug der Umsatz aus pornographischen Filmen 150 Millionen Euro, was einem Anteil von ca. 30% des gesamten Jahresumsatzes entspricht. 1993 gab es in Deutschland 150 verzeichnete Pornofilm-Produzenten mit einem Gesamt-Jahresumsatz von 425 Millionen Euro, 1995 waren es bereits 180 Produzenten mit einem Jahresausstoß von 3600 neuen Filmen. 1998 wurden in Deutschland 210 Millionen Euro mit Pornovideos umgesetzt.

1987 wurden in der Bundesrepublik Deutschland etwa 500.000 Pornovideos ausgeliehen, bis 1999 stieg diese Zahl auf etwa 80 Millionen an. Dieser Trend  hielt aber nicht an. Nach der Jahrtausendwende ist es in Segmenten des Video- und DVD-Marktes zu massiven Einbrüchen gekommen. Bedingt durch eine Sättigung des Marktes mit qualitativ minderwertigen Produktionen, deren Standards vergleichsweise umsonst aus dem Internet heruntergeladen werden können und einer veränderten, zunehmend globalen Wettbewerbssituation, sowie den neuen Distributionsmöglichkeiten via Internet, sehen sich vor allem die Anbieter des unteren bis mittleren Marktsegments mit rückläufigen Verkaufszahlen und einer verschärften Konkurrenzsituation konfrontiert. Nach Einschätzung von Nils Molitor, Regisseur bei Magmafilm ist der deutsche Pornomarkt von 2007 bis 2009 um 30 bis 40 Prozent geschrumpft.

“The economic collapse of the pornographic movie industry (though not of porn websites or amateur videos) has naturally hit the earnings of the genre’s workers: actors, directors and technicians. To put it bluntly, it’s not financially attractive to be an actress in blue movies, unless you come from a part of the world where living standards are very low, like certain countries in eastern Europe.”

Zitat aus einem Interview mit Ovidie, einer französischen Pornofilmdarstellerin und Regisseurin im Guardian, 12.04.2002

Neben den jährlich stattfindenden Industriemessen der AVN und weiteren Veranstaltungen wie der „CES (Consumer Electronics Show)“ die in Chicago stattfindet, der „MIPCOM“ in Cannes und ehemals der „Videokongress“ in Deutschland, bieten die sogenannten „Sexmessen“ eine reguläre Plattform für die Video- und DVD-Branche. Die erste Sexmesse in Deutschland fand 1986 in Offenbach statt. Inzwischen gibt es in fast jeder deutschen Großstadt eine Sexmesse (allein in Hamburg  ca. 2-5 jährlich)  Die bedeutendste ist die Venus-Messe in Berlin – eine Fachmesse für Internet, Multimedia und Adult Entertainment –  mit 300 Aussteller aus über 20 Ländern, die 2005 bereits zum 9. Mal stattfand. Wichtige Partner und Sponsoren sind Beate Uhse, Orion, Private Media, Hustler und – über verschiedene Firmen – der Heinrich Bauer Verlag.

Pastötter Jakob, 2003, „Erotic Home Entertainment und Zivilisationsprozess“, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden
Faulstich Werner, 1994, „Die Kultur der Pornographie“, Wissenschaftler Verlag, Bardowick

Vom Staatsfernsehen zu privaten Anbietern – Satellitenfernsehen, Pay-TV und Kabelnetze

Durch die Zulassung des Privatfernsehens im Jahre 1983 hat sich die gesamte Medienlandschaft der BRD grundlegend verändert Im Jahre 1995 konnten bereits mehr als 80% der Haushalte die Programme von RTLplus und SAT 1 empfangen, die auf die Verbreitung durch Kabel und Satellit angewiesen sind. Viele Jahre vermarkteten Sender wie SAT 1, Vox und RTLplus  Softsexfilme, die sich grob folgendermaßen gliedern: Eine erste große Gruppe bilden die überwiegend in den 70er und frühen 80er Jahren entstandenen Streifen, die – mit unterschiedlichen Niveau – Sex mit Klamauk verbinden. Filmtitel wie „Liebesgrüße aus der Lederhose“, „Ach jodel mir noch einen“, „Frau Wirtin bläst auch gern Trompete“ sprechen für sich. Die zweite große Gruppe konstituiert sich aus den, im deutschen Kino der 70er populären „Aufklärungsfilmen“ von Oswald Kolle bis zu den „Report-Serien“.

Die dritte große Gruppe bilden Filme jüngeren Datums, vorwiegend aus Frankreich, Italien und den USA. Softpornographische Produktionen die den gleichen dramaturgischen Gesetzen folgen wie die härtere Pornographie, aber auf explizite Darstellungen des Geschlechtsverkehrs und der Geschlechtsorgane verzichten, bzw. dieser nur simuliert wird. Die amerikanischen Produktionen setzen einen ästhetischen Standard ihrer weiblichen Darstellern, der denen der Hochglanzmagazine ähnelt, während französische Filme sich öfters um differenziertere  Darstellung der Charaktere und der Handlung bemühen. RTL oder SAT 1 strahlen gelegentlich auch Filme aus, die wegen drastischer Sex- und/oder Gewaltdarstellungen indiziert worden sind, kürzen diese dann aber zum Teil handlungsentstellend. Da es in der Öffentlichkeit immer massivere Proteste gegen Sex und Gewalt im Fernsehen gab, errichteten die Privatsender 1993 die „Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen“ (FSF). Die öffentlich-rechtlichen Anstalten schlossen sich nicht an, da sie ihre internen Kontrollgremien als ausreichend für die Gewährleistung des Jugendschutzes erachten. Die FSF ähnelt von der Struktur her der FSK. Sie entscheidet in Zweifelsfällen über Sendezeiten und kann auch Schnitte verfügen oder eine Freigabe generell ablehnen

In einer Reihe von TV-Magazinen wie „Sexy Clips“ oder „Männermagazin M“ mischten sich Kurzfilme mit Lifemoderation und Pseudoreportagen, wurden Latex- oder Sadomasokleidung vorgestellt und  Stripteaseshows  inszeniert. Hohe Einschaltquoten erlangten Game Shows, die Spiele mit Zoten und Entblößungen jeder Art verbanden, die bekannteste dieser Shows, „Tutti Frutti“, erreichte zeitweise Kultstatus, ist inzwischen aber mangels Nachfrage abgesetzt. In Journalen wie „Liebe Sünde“ oder „Wahre Liebe“ kommen Moderatoren wie Matthias Frings und Lilo Wanders  dem gesteigerten Interesse an sexuellen Subkulturen und dem Thema Sexarbeit mit z.T. qualitativen Beiträgen entgegen, wobei den Einschaltquoten dieser Sendungen klar ein voyeuristisches Interesse zugrunde liegt, dem die Konzeption dieser Journale auch entspricht. Ein Großteil dieses Erotikangebotes taucht, nachdem der Ruf  des Neuen und Skandalösen zur Normalität generiert war, in den Hitlisten der Einschaltquotenforschung nicht mehr auf. Nichtsdestsotrotz hat der Sexfilm innerhalb der erwachsenen Bevölkerung ein festes Publikum und bei Sendern wie RTL,  SAT 1 und vor allem VOX gehört der Sexfilm am Wochenende zum festen Programmrepertoire, während die nächtlichen Erotik-Clips bei DSF, Hamburg 1 und Das Vierte vor allem Bestandteil des aggressiven Marketingkonzeptes der Telefonsexwerbung dieser Sender sind und ansonsten als Lückenfüller dienen.

Petra Milhoffer (Hg.) : 1995, speziell: „Sexualität in Film und Fernsehen“, Frankfurt/M., S.200-209.

Im Bereich des Pay-TV gilt Premiere als der führende Abonementen-Sender in Deutschland und Österreich. Im  Februar  2002 übernahm Dr. Georg Kofler, Vorsitzender und ehemaliger Geschäftsführer  der ProSieben Television GmbH, die Geschäftsführung von Premiere. Aufgrund der umfassenden Neustrukturierung des Unternehmens war die Firmengruppe von dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe und dem Insolvenzantrag der „Holding KirchPayTV“ nicht betroffen, stattdessen gewährten die Bayerische Landesbank und die HypoVereinsbank sogar eine neue Kreditlinie. Im Dezember 2002 übernahm Premiere mit seiner neu gegründeten Tochter DPC Digital Playout Center GmbH den Betrieb und alle Mitarbeiter der in der Insolvenz befindlichen BetaDigital GmbH. Im Februar 2003 übernahm die Investorengruppe Permira 65,13 Prozent an der Premiere Fernsehen GmbH. Ca. acht Millionen Zuschauer in rund 2,9 Millionen Abonnenten-Haushalten nahmen das Premiere –Angebot zu dieser Zeit wahr. Premiere bietet eine Vielzahl von Programme mit dem Schwerpunkt auf die Live-Sport-Berichterstattung und TV-Premieren. Mit dem Angebot „Premiere Direkt“ können Zuschauer Filme zur Wunschzeit bestellen. Konferenzschaltungen während Fußballübertragungen und z.T.frei wählbare Kameraperspektiven nutzen. Abgerechnet wird dieses Angebot nach dem „Pay-per-View“-Verfahren über das Internet, eine Service-Hotline oder per SMS. Premiere Erotik präsentiert täglich zwei Erotikfilme und einen SMS-Erotik-Chat. Mit einer speziellen Pay-per-View-Variante kann über den Kanal „Big Brother –24 Stunden live“ ein 24 Stunden-Einblick in die Container-WG  geordert werden. Unter der Marke „Blue Movie“ bietet Premiere einen Erotik-Kanal an, der über den Fernseher im Einzelabruf genutzt werden kann. Außerdem kann das Angebot von Beate Uhse TV geordert werden. Seit Sommer 2004 bietet Premiere eine spezielle Pay-TV-Variante für Hotels an.

Seit März 2005 ist Premiere an die Börse notiert und im September gleichen Jahres hat die schweizerische „erotic media AG“ von der Premiere AG den Blue Movie Kanal übernommen. Die Erotic Media Ag verfügt nach eigenen Angaben über eine Bibliothek von über 6000 Filmen. Neben Blue Movie betreibt sie seit Juli 2006 den Telemediendienst redXclub.

Das Blue Movie Programm, das weiterhin von Premiere mit einer Smart Card und einem Digital Receiver empfangen werden kann, wird seitdem zusätzlich über die Ladenkette, den Versandkatalog und den Online Shop von Beate Uhse vermarktet. Im August 2007 verkaufte Georg Kofler seine Aktienanteile und trat als Vorstandsvorsitzender zurück. Seit Januar 2008 steigert  die News Corporation von Rupert Murdoch beständig ihre Aktienanteile an Premiere: von 14,5% im Januar auf 25% im Mai des gleichen Jahres. 2007 erzielte Premiere nach eigenen Angaben einen Umsatz (vor Steuern und Abschreibungen) in Höhe von 83,4 Millionen Euro. Inzwischen (10/09) hat die News Corp. ihre Anteile an Sky Deutschland (bis Juli 2009 „Premiere“) auf 39,96% aufgestockt. Vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen verlor der Münchner Pay-TV-Sender im Jahr 2008 29,8 Mio, während im Vorjahr noch 2,9 Millionen Euro Gewinn verzeichnet wurde. Auch die Abonnentenzahlen entwickelen sich rückläufig: Bis Ende März 09 hatten weitere 28.000 Abonnenten dem Bezahl-TV-Sender gekündigt. Darüber hinaus gab Premiere bekannt, sich in Sky Deutschland AG umzufirmieren. Das Produktbündel Sky Deutschland ist den Kabelnetzbetreibern, die in den Abonnementfernsehmarkt drängen, allerdings unterlegen. Rund 1,7 Millionen Haushalte haben mit Stand 31. März 2009 eines oder mehrere Pay-TV-Angebote eines Kabelnetzbetreibers abonniert – insgesamt deutlich mehr Abonnenten als Premiere jemals im Kabel verzeichnen konnte.

1993 versuchte die Firma VTO von Teresa Orlowski im Privatfernsehen einen Pornokanal zu etablieren. Sie belegte Sendezeit auf einem Satelliten und ließ von 1 bis 4 Uhr nachts ihr eigens für den Sender produziertes Programm ausstrahlen, scheiterte damals aber an der Gesetzeslage. Inzwischen ist das Segment Pornographie zu einem lukrativen Geschäft beim Pay-TV geworden. Bereits 1995 gaben Gäste in Deutschland Hotels jährlich 60 Millionen Mark für den Konsum von Pornofilmen aus. Laut des damaligen Geschäftsführers der Firma „C.I.S. Hotel Communication“, einer von zwei Firmen die sich in Deutschland auf die Belieferung von Hotels mit Pornofilmen spezialisiert haben, sollen mehr als drei Viertel aller Pay-TV-Programme die in deutschen Hotels konsumiert werden, Hardcore-Filme sein. Seit 1992 sendete die britische „Red Hot Television“ von Richard Desmond Hardcore-Pornos für ihre rund 10 000 Abonnomenten, zuerst von Holland, dann von Dänemark aus. Im April 1993 wurde dieser Fernsehsender in England verboten und bietet seit 2000 sein Angebot über die „Sky-Plattform“ an. Ein Satellit bei dem  auch acht Playboy-Chanels und weitere , wie „Xplicit 984 “ zu empfangen waren. Der europäische Kabel-TV-Betreiber „Sky TV“ gehört zur Rupert Murdoch`s „BskyB“. SkyTV offeriert inzwischen über das Label  „Adult Channel“ Hardcore-Angebote und Vivendi SA`s Canal Plus, Europas größter Pay-TV-Anbieter mit 14 Millionen zahlenden Kunden in 11 Ländern, bietet nach 22.30 Uhr Hardcore über das pay-per-view-Verfahren.

Ein weiteres Unternehmen im Pay-TV-Segment ist „InXworld“, ein 2002 gegründetes niederländisches Unternehmen, das über Satellit auf verschiedenen Kanälen pornographische Filme anbietet. Der erste Kanal „FREE-X TV“, der nach dem Geschäftsmodell der Vorauszahlung und nicht über kostenpflichtige Mitgliedschaft funktionierte, konnte bereits nach einem Jahr ca. 1 Million Zuschauer verzeichnen. Trotz der Konkurrenz von 20 verschiedenen Adult-Kanälen in den Jahren 2002-3 wurden  zwei weitere Kanäle gestartet: „X Dream TV“ und „Back Room“. X Dream ist auf das Amateurgenre spezialisiert und „Back Room“ ist auf ein homosexuelles Publikum ausgerichtet. Mit diesen drei Kanälen expandierte das Unternehmen dann auf den amerikanischen und australischen Markt, wobei für den US-Markt, im Gegensatz zu Europa wo nur Karten verkauft wurden, die notwendigen Empfangsgeräte mit angeboten werden (der sogenannte „Starter Kit“ für $369 )

Nach einem Report von “Strategy Analytics, Inc.“  (“Digital TV in Western Europe: Market Outlook & Analysis”) nutzten 2004  25 Millionen Haushalte digitalen Satelliten-Service und 7,6 Millionen weitere nutzten digitalen Kabelservice. Für das Jahr 2010 wird von einer Gesamtzahl von 78 Millionen Haushalte für beide Segmente ausgegangen, was einer Wachstumsrate von 139% entsprechen würde.  2004 wurden in Europa acht neue Internet-Pay-TV(IPTV)-Services gegründet. Den IPTV-Plattformen werden hohe Wachstumsraten und eine entscheidende Bedeutung bei der Entwicklung des europäischen PayTV-Marktes prognostiziert. 2005 gab es 2 Millionen IPTV-Kunden in Europa, prognostiziert werden 15 Millionen für das Jahr 2009. Die komplette Anzahl aller europäischen PayTV-Kunden – inclusive Kabel- und Satellitfernsehen – wird für 2010, nach einem Report der “Multimedia Research Group, Inc“(MRG),  auf ca. 100 Millionen geschätzt. Da sich die Deutsche Telekom 2006 entschieden hat IPTV und begleitende Entwicklungen wie Video-on-Demand zu unterstützen, wird der deutsche Markt auch für die us-amerikanischen Majors interessant.

Laut der Global Broadband-Studie des kanadischen Unternehmens Sandvine von 2009 machen Echtzeit-Unterhaltungsangebote wie Video- und Audiostreams  inzwischen rund 27 Prozent des weltweiten Internetverkehrs aus. Eine deutliche Steigerung um fast 14% gegenüber der Erhebung von 2008. Von dem zu diesem Segment dazugehörigen globalen IPTV-Markt entfallen knapp 50 Prozent auf Europa. Weitere zentrale IPTV-Märkte sind Nordamerika und Asien. Der us-amerikanische IPTV-Markt wuchs von 2008 mit ca. 3 Millionen Abonnenten auf über 5 Millionen im Folgejahr. Damit hat IPTV in den USA momentan noch einen geringen Marktanteil von knapp 5%. Das Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics prognostiziert dem IPTV-Markt bis 2013 eine Steigerung auf 13%, mit 15,5 Millionen Abonnenten. Ende 2007 gab es in Deutschland 180.000 IPTV-Kunden und laut einer Studie von BITKOM stieg die Anzahl bis Ende 2008 auf 536.000 IPTV-Abonnenten. Damit hat sich die Kundenzahl innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Die Telekom nahe Management-Beratung Detecon International prognostiziert für das Jahr 2013 mehr als 5 Millionen IPTV-Nutzer. Diese Zahlen bleiben zwar weit hinter den ursprünglichen Prognosen zurück, bestätigen aber eine, wenn auch langsamere, stetige Wachstumstendenz.

Total Media, ein Betreiber von mehreren Adult-TV-Kanälen in Europa, und LFP Broadcasting haben 2005 eine umfangreiche Zusammenarbeit vereinbart, die u.a. die Etablierung von Hustler TV in Europa zum Ziel hat.  Hustler TV zählt bereits ein Jahr nach dem Sendestart in den USA zu einem der erfolgreichsten Pay Per-View Adult Channels, der schon in sechs der 10 wichtigsten Kabelnetzen zu empfangen ist und eine potentielle Zielgruppe von 16 Millionen Abonnenten erreicht. Der Start von Hustler TV in Europa (und Israel) ging einher mit Kooperationsvereinbarungen und Umverteilungen unter den Majors von Adult-Kanälen. Der Softcore-Kanal „Blue Hustler“ sendet auf der Sendefrequenz von „Private Blue“ und ersetzte diesen und anstelle von „Private Gold“ mit seinem Hardcore-Angebot sendet der Kanal „Hustler TV“ . Beide Kanäle der „Private Media“ wiesen zuletzt rückläufige Zuschauerzahlen auf. Private und Playboy TV haben Ende 2005 ihre europäischen Kanäle „Private Gold“ und „Spice Platinium“ in einem zunächst auf 5 Jahre befristeten Vertrag zu dem neuen Label „Private Spice“ zusammengelegt

„Spice Platinum“ wurde 2001 als europäischer Adult-Kanal gegründet und hatte Abonnenten in über 15 Ländern. „Private Gold“, 2000 gegründet und war in Lateinamerika und Europa zu empfangen. Er galt als der führende europäische XXX-Kanal mit Abonnenten in 25 Ländern.

Die Umbenennung der Programme die vor allem in Zentral- und Osteuropa bekannt sind , verschafft der LFP eine gute Ausgangsposition für den europäischen Markteintritt. Hustler GB wird über Sky Channel 988 und Telewest gesendet. Ab 2005/06 war Hustler TV auch in Frankreich über Kabelnetzwerk und über französische Satellitenplattformen zu empfangen. Kurze Zeit später folgte der osteuropäische Raum. Auch der Konkurrent „Penthouse“ will in den europäischen Markt mit eigenen PayTV-Kanälen und einem VOD-System einsteigen.

Die Entwicklung immer schnellerer Internetverbindungen erschließt der Branche neue Geschäftsfelder. Moderne Breitbandverbindungen über das Telefon- oder Fernsehkabelnetz ermöglichen die Kombination von Internetzugang, Online-Telefonie und Online-TV („Triple Play“). Allein die Erlöse aus dem Netzzugang werden einer Marktstudie  zufolge von 2006 bis 2010 um jährlich 11,9 Prozent auf 214 Milliarden US-Dollar steigen. In Deutschland lag der Umsatz mit Zugangsentgelten für das Breitband-Internet im Jahr 2005 bei geschätzt 4,1 Milliarden US-Dollar. Bis 2010 dürfte der Umsatz wegen der aggressiven Expansion von Seiten der Telefon- und Kabelnetzgesellschaften auf 11,4 Milliarden US-Dollar steigen. Damit wäre Deutschland vor England der größte Markt innerhalb Europas.

Pastötter Jakob, 2003, „Erotic Home Entertainment und Zivilisationsprozess“, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden

http://www.guefa.de/Links/Default.htm
Ressource von Filmproduzenten pornographischer Filme

http://www.lyngsat-address.com/tv/Europe.html
Ressource : Lyngemark Satellite-Angebote in Europa

Webseiten der erwähnten Unternehmen

13
Jan
10

Geschichte und Entwicklung einzelner Unternehmen des Pornobusiness

Rodox Trading

Die „Rodox Trading“ in Dänemark, in der Nähe von Kopenhagen, galt als eines der weltweit größten Verlagshäuser für Pornographie. In den ersten 20 Jahren ihres Bestehens brachte sie über 90 Millionen Magazine, 9 Millionen Super-8-Filme und über 1 Million Videocassetten heraus. Ihre Anfänge liegen im Jahr 1966, als Pornographie noch illegal war, bis zur Legalisierung in Dänemark im Jahr 1969. Gegründet wurde sie von den Brüdern Peter Gruntvig und Jens Theander, die 1968 ihr erstes Magazin „Color Climax“ herausbrachten. 1969 gründeten sie die „Candy Film“, die zu einem der weltweitgrößten Produzenten von pornographischen 8mm-Filmen wurde. Ein beachtlicher Teil der pornographischen Filmware die in den 60er Jahren in England, speziell in Soho/London produziert wurde, wurde nach Dänemark verschickt, da es das erste Land mit einer liberalen Gesetzgebung in Bezug auf die Pornographie war. Die Filme wurden dann in Kopenhagen entwickelt und dupliziert. In den 60er und 70er Jahren war das Geschäft mit Pornographie in England aufgrund der restriktiven Gesetzgebung, fest in den Händen der organisierten Kriminalität. Nachdem der Erfolg der Videotechnologie absehbar war, wurden die Filmlaboratorien geschlossen und die Theander-Brüder investierten mit einem enormen Kapitalaufwand in das Videogeschäft. Die frühere „Rodox Color Teknik“ nannte sich nun „RCT Video“ Das Videogeschäft erwies sich allerdings als ein verlustreiches, so dass Peter Theander den gesamten Videobereich der Firma an ein Konsortium verkaufte. Der weiterhin profitable Bereich von der Produktion und Verteilung von Pornomagazinen blieb weiterhin in seinen Händen.

In den 1970er Jahren entwickelte sich Color Climax zu einem der größten Anbieter von Kinderpornographie. In Dänemark, Schweden und den Niederlanden war in den 1970er-Jahren nur die Herstellung, nicht aber der Vertrieb von Kinderpornografie verboten. Dort wurden Produkte von Color Climax vermarktet, die pornografische Aktaufnahmen von Kindern im Alter von 5-12 Jahren, bis hin zum Geschlechtsverkehr enthielten. Anfang der 1980er-Jahre wurde Kinderpornografie in Dänemark und Schweden verboten, 1985 dann in den Niederlanden. Color Climax arbeitete dann mit jugendlichen Darstellern denen man durch Kleidung und Frisur ein  besonders junges Aussehen gab. Produziert wurden diese Pornos dann hauptsächlich in Dänemark, da es dort bis zum Jahr 2001 erlaubt war Pornographie mit Darstellern ab 15 Jahren zu produzieren.

Das Unternehmen ist nicht mehr in der Produktion pornographischen Materials involviert. Die Magazine werden inzwischen von der ZBF in Wiesbaden in Lizenz herausgegeben. Das Originalmaterial aus den 60er und 70er Jahren (der aktuellen Gesetzeslage angepasst) wird über eine kostenpflichtige Webseite vermarktet. Die “Color Climax”- Webseite ist beim “Library of Congress Washington DC” und beim  „Danske Patent Kontor A/S Denmark“ registriert. Seit 1996 ist  das Color Climax -Web  mit „Digital Graphic SystemsAB“ liiert.

Weiterhin erwähnenswert für den skandinavischen Raum sind Leif Hagen und Rolf Rahm. Sie hatten u.a. mit der Scandinavian Publishing Group marktführende Print- und Versandhäuser für pornographische Ware. Der Norweger Leif Hagen gab seit 1976 das Pornomagazin „Aktuell Rapport“ heraus und  besaß eine 1980 gegründete Versandfirma in der Nähe von Stockholm und einen Pornoshop in dieser Stadt. Er beschäftigte ca. 15 Angestellte die über 50 000 Aufträge jährlich bearbeiten. Sein Lagerhaus war gefüllt mit nahezu 2 Millionen Magazinen von 8000 verschiedenen Titeln und 250 000 Videocassetten bei 2500 Titeln, ausschließlich für den schwedischen Markt bestimmt.  1992 stand Hagen, mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Kronen, in der Liste der reichsten Männer Schwedens auf Platz 182 und gilt noch immer als einer der Majors im skandinavischen Pornobusiness.

http://www.nettkatalogen.no/gsearch/default.asp?search=porno-hagen&cmd=adsense&x=22&y=26&searchwhere=net


ZBF-Vertriebs GmbH

Die „ZBF-Vertriebs GmbH“ (Zeitschrift-Buch- und Film Vertriebs GmbH,  Wiesbaden) wurde 1974 von Georg Schmitt gegründet, auch seine vier Söhne waren im Geschäft involviert. Ein relativ später Geschäftsstart in dieser Branche, der nahe an dem Termin der Legalisierung 1975 in der BRD lag. Zur ZBF gehörte ein großer Supermarkt für Großeinkäufer, der Schwerpunkt lag aber im Versandgeschäft. ZBF galt als der größte Anbieter und Lagerist des pornographischen Gesamtangebots. In den späten 70er und in den 80ern galt Deutschland als einer größten europäischen Märkte für Pornographie. So gingen an die 80% der Produktion von Peter Theanders Firma „Rodox“ in die deutschen Landen. Kein wichtiger Herausgeber von pornographischer Magazine kam an dem deutschen Markt vorbei, bzw. ließ ihn aus, was wiederum bedeutete, dass er geschäftliche Transaktionen mit der Firma ZBF tätigen musste, die mit ihren drei riesigen Waren- und Lagerhäusern in Wiesbaden das Verteilungs- und Versandgeschäft dominierten. Im Jahr 1987 hatte die ZBV einen Umsatz von 110 Millionen DM zu verbuchen. 70 Mitarbeiter und ein Fuhrpark von 12 LKW`s bewerkstelligten den Versand zu 6000 Groß- und Kleinabnehmern in ganz Europa. Monatlich sollen rund 25 000 Videokassetten abgesetzt worden sein. 1989 belieferte die ZBF 5500 Videotheken und 820 Sexshops mit ca. 6 Millionen Pornovideokassetten. Die Videokassetten machten anfangs der 90er Jahre 30% des Gesamtumsatzes aus. Wöchentlich erschienen 17 neue Videotitel im Angebot. Seit 1983 produzierte die ZBF auch eigene Videos. Die Firmen „ZBF“ und „DBM“ sollen bevorzugt mit amerikanischen Darstellern gearbeitet haben. 1998 wurde die ZBF GmbH vom Beate Uhse Holding zu 50% übernommen.

Von Intex  zur Scala GmbH

Ein Konkurrent der ZBF auf dem europäischen Markt war die Firma „Intex“ (ehemaliger Besitzer Charlie Geerts), deren Sitz in Amsterdam lag und die in vergleichbarer Weise wirtschaftlich operierte. Zu diesem zweit-größten Lageristen und Versandhandel gehörte auch die Videofirma „Caballero Videos“. Bereits in den 80ern übernahm der westdeutsche Porno-Verleger Horst Peter von Essen das europäische Versandgeschäft der amerikanischen „Caballero Videos“.  1994 verkaufte er seine Firma, inzwischen in „Scala Agenturen BV“ umbenannt und soll seitdem seine geschäftlichen Aktivitäten in den Immobilienbereich verlagert haben. Charlie Geerts wurde 1994 infolge einer Untersuchung der „FIOD“, der holländischen Steuerbehörde, wegen Steuerhinterziehung, Copyrightverletzung und anderer Vergehen verhaftet – und nach der Begleichung der Kaution in Höhe von 1 Million Gulden, wieder freigelassen. Der amerikanische Porno-Multimillionär Reuben Sturmann war jahrelang ein Partner von Geerts „Intex“ und Geerts wurden persönliche Kontakte zur organisierten Schwerkriminalität nachgesagt. Geerts, der bis zu dem Zeitpunkt seiner Verhaftung als einer der Größen im europäischen Pornogeschäft galt, wurde vorgeworfen, dass er seit 1988 beträchtliche Geldsummen aus illegalen Einnahmen über eine Hongkonger Firma waschen ließ.
Die Scala GmbH ist seit 1998 Bestandteil des Beate Uhse Holdings und wurde im Sinne eines legalen Wirtschafts-Portefolios umstrukturiert.

Verlag Theresa Orlowsky

Theresa  Orlowsky, vormals ein Pornomodell, gründete 1982, zusammen mit Hans Moser, einem bankrotten Pornoproduzenten und ihren späteren Ehemann, ihren eigenen Verlag, „VTO(Verlag Theresa Orlowsky) der qualitative Pornographie produzierte. Die Magazine hatten innerhalb kürzester Zeit die gleiche Auflagenstärke von 40 000 erreicht, wie die schon lang etablierten Magazine „Color Climax“ und „Blue Climax“. Später kam eine eigene Videoproduktion hinzu, mit der bekanntesten Serie „Foxy Lady“. VTO expandierte, 1988 wurde ein neues Studio- und Verwaltungsgebäude, mit eigenem Kopierwerk, fertiggestellt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte VTO über 60 Festangestellte und bis zu 50 freie Mitarbeiter – musste jedoch bereits 1989 Insolvenz anmelden.  Im selben Jahr wurde die Ehe geschieden. Mit ihrer bisher letzten Firma New Age Communications ging Orlowski durch Überschuldung 2005 erneut in Insolvenz.

Beate Uhse

Beate Uhse begann ihre Karriere gleich nach dem 2. Weltkrieg in Flensburg, wo sie zuerst ein Buch über die Verhütungsmethode nach Klaus Ogino nachdruckte, mit der die Frauen tabellarisch ihre frucht- und unfruchtbaren Tage ausrechnen konnten. Schon 1951, sie war inzwischen mit dem Flensburger Geschäftsmann Ernst Walter Rotermund verheiratet, war aus diesem ursprünglichen Nebengeschäft ein kleines Versandhaus entstanden, wo Verhütungsmittel, sexuelle Hilfsmittel und dementsprechende Literatur gehandelt wurde.2 Jahre später machte sie schon über 370 000 DM Umsatz im Jahr und hatte 10 Angestellte. 1962 eröffnete sie in Flensburg das „Sex Institut für eheliche Hygiene“. In den folgenden Jahren expandierte das Unternehmen außergewöhnlich, so dass innerhalb einer Dekade keine von Deutschlands Großstädten ohne einen „Beate-Uhse-Sexshop“ war. 1973 erfolgte die Umwandlung in eine GmbH & Co. KG unter Beteiligung der Söhne von Beate Rotermund-Uhse. In den Folgejahren wurden diverse Tochtergesellschaften gegründet und Firmen dazugekauft, um die einzelnen Sparten der Branche abzudecken. Ein weiterer geschäftlicher Aufschwung erfolgte 1975, nachdem in Westdeutschland die Pornographie legalisiert wurde. Das Gesetz besagte u.a., dass die Hardcore-Pornographie nicht über den Versand- und Postwege, sondern nur über lizenzierte Sexshops vertrieben werden durfte. Eine Situation für die das Unternehmen von Beate Uhse die besten Voraussetzungen mitbrachte. Im gleichen Jahr entstanden in vielen Städten Beate Uhse-Sexkinos, in denen von Anfang an ausschließlich 35mm- Filme gezeigt wurden, während sonst eher noch die 8mm-Loops, mit einer Länge von ca. 10 Minuten gebräuchlich waren. Bald darauf wurde die „Beate-Uhse Film GmbH“ gegründet, die offiziell unter dem Dach der Schweizer „Filminvest AG“ existierte. Schon bald nannte sie die Filmrechte von über 120 Hardcore- Produktionen ihr eigen und hatte über die Hälfte des deutschen Marktes in ihren Händen. 1979 expandierte Beate Uhse weiter, indem sie die 14 Sexshops ihres Konkurrenten der „Dr. Müller Sexshop-Kette“ aufkaufte.

1981 wird das Beate Uhse-Unternehmen einer Realteilung unterzogen und Dirk Rotermund, Sohn von Beate Uhse, übernahm in  zweiter Generation die Führung von Orion. Heutzutage sind „Beate Uhse“ und „Orion“ Marktführer auf dem deutschen Markt. Bei dem deutschen Segment der Sexshops soll der Marktanteil des Beate-Uhse Holdings allerdings nur 15% betragen haben, mit weitem Abstand gefolgt von dem Orion-Versand und an dritter Stelle, dem Einzelhändler „World of Sex“ mit 26 Läden. Laut dem Spiegel (Spiegel Nr10, Jg.2000, S.110) sollen sich hunderte von kleinen Sexshopbetreibern und Versandhäusern gegen die Konkurrenz aus Flensburg behauptet haben.

1992 begann die schrittweise Neustrukturierung der gesamten Firmengruppe zur Beate Uhse Holding GmbH und  1999 wurde das Beate Uhse-Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der anfängliche Höchstkurs der Beate-Uhse-Aktie von 28,20 Euro hielt sich nur kurz und stabilisierte sich dann auf 13,20. 2001 pendelte sich der Kurs auf um die 10 Euro ein. Der Börsengang lieferte nichtsdestsotrotz das nötige Kapital für die wirtschaftliche Expansion des Konzerns.

Mit der schwedischen „MAX`S Filmdistribution AB“ wurde 2001 die „Beate Uhse MAX`S AB“, Schweden gegründet, womit der Holding über sämtliche Filmrechte für Videos, DVD und dem Internet der schwedischen Firma verfügen kann. Zum März 2001 startete das Erotikunternehmen Beate Uhse dann einen eigenen Fernsehkanal, als Pay-TV-Angebot über „Premiere World“, der damals noch Bestandteil des „Kirch“-Konzerns war. An dem mit einem Kapital von 8 Millionen Euro ausgestatteten „Beate Uhse Television“ halten die Beate Uhse AG 49,9% und die schweizerische „Erotic Media“ 50,1%. Die Beate Uhse AG war wiederum mit ca 34% an „Erotic Media“ beteiligt. Diese hat Verträge mit Filmproduzenten, die pro Jahr zwischen 400-500 neue Erotikfilme garantieren.

Die Beate Uhse AG  hat 2004/2005 einen Großteil ihrer Beteiligung an der börsennotierten „erotic media ag“ an den Schweizer Finanzinvestor Almira S.A. verkauft. Ein  Kooperationsvertrag sichert der Beate Uhse AG zu, dass die umfassenden erotic media Filmrechte und- Lizenzen weiterhin  zur Verfügung stehen. Im gleichen Geschäftspaket wurde die 49% Beteiligung an dem Sender Beate Uhse TV an die erotic media GmbH veräußert. Im September 2005 hat die erotic media AG von der Premiere AG den Blue Movie Kanal übernommen. Das Blue Movie Programm, das weiterhin über das technische Programm von Premiere empfangen werden kann, wird seitdem über die Ladenkette, den Versandkatalog und den Online Shop von Beate Uhse vermarktet. Blue Movie verfügte bei der Übernahme über einen Kundenstamm von ca. 170.000 Adressen.

erotic media – neuer Name: tmc Content Group AG
2005 erwarb das Unternehmen den Telemediendienst „Blue Movie“ von der Premiere Fernsehen GmbH
2006 startete das Unternehmen den Telemediendienst „redXclub“,  zwei Vollerotikkanäle als Pay-per-View Angebot in den Netzen von Kabel Deutschland.
2007 erfolgte die Fusion mit der Telcomedia AG
2008 erfolgte die Umfirmierung in die tmc Content Group AG.
2009 verließ der langjährige Verwaltungsratspräsident Ulrich Rotermund das Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen.

Ende 2001 übernahm Beate Uhse die Internetfirmen „Exitec AG“(Logistik) und die „NetCom GmbH (Erotik-Content). Beide Firmen sind 1999 gegründet worden und erzielten bereits beträchtliche Umsätze: Exitec – 1,1 Mio. DM(2001) und NetCom – 3,7 Mio. DM(2001). Mit dieser Übernahme ging die Geschäftsführung der Beate Uhse New Media an die beiden Firmengründer von Exitec und Netcom, Udo Andresen und Gerwin Klotz über. Inzwischen bietet innerhalb des Holdings die „Beate Uhse New Media“ Dienstleistungen in den Segmenten Internet, Telefonie und Pay-TV – mit mehr als 1.000 Domains , die bekanntesten sind http://www.beate-uhse.com und http://www.sex.de., einer Internet-Videothek  und die 0190er-Nummern- Angebote. Der Konzern positionierte sich damit als Content-und Support-Provider im Internet und setzte dabei auf neue Bezahlsysteme wie Video-on-Demand und Pay-per-View.

Seit Dezember 2001 unterhält Beate Uhse unter dem Namen Lavetra KFT eine eigene Produktionsstätte in Börcs, im Westen Ungarns. Dort werden Produkte aus Latex wie Puppen und Dessous sowie Leder- und Hartgummi-Artikeln hergestellt, mit denen die eigenen Sexshops beliefert werden. Der Konzern betreibt ca. 300 Sex- Shops in 13 Ländern Europas. Zur Strategie des Beate Uhse-Konzerns gehört der weitere Ausbau von Ladengeschäften auf höherem Niveau und der Aufkauf der jeweiligen Marktführer in anderen Ländern. Mit der Übernahme des holländisch-belgischen Filialisten „Sandereijn B:V:“ im Jahr 2000 wurden 43 Shops in diesen beiden Ländern erworben. Ende 2000 startete der Beate Uhse-Konzern unter den Namen „Helen Duval“ in Frankreich eine neue Ladenkette, die inzwischen unter dem Label  Adam & Eve firmieren. 2003 kaufte der Konzern die holländische Einzelhandelskette „Christine Le Duc“ auf. Damit besitzt die Beate Uhse AG allein in Holland 67 Shops, außerdem expandierte sie im gleichen Jahr nach Skandinavien und übernahm 80% des erotic-lifestyle Unternehmens „Kondomeriet A.S“ in Norwegen von der „condomi AG“. Mit dem Fokus auf die weibliche Kundschaft startete das Unternehmen unter den Namen „Mae B.“ ein neues Shop-Konzept. Filialen wurden zuerst in Norwegen und dann in England eröffnet. März 2004 startete dann in Hamburg im Karstadt-Haus die erste Mae B Filiale. Die damit zusammenhängende Neuausrichtung auf eine Produktpalette, die Wellness, Parfüms, Schmuck, Wäsche sowie Sexspielzeug umfasst, ist eine Reaktion auf die rückläufigen Verkaufszahlen bei Videos und DVD`s, den früheren Hauptumsatzträger Beate Uhses, der inzwischen nur noch 30% zum Konzernumsatz beiträgt. Das neue Shop-Konzept soll auch im Ausland eingeführt werden, gleichzeitig sind weitere Shopkonzepte an Flughäfen und Autobahnen in Planung. Von Shops im Rotlicht-Milieu will Beate Uhse sich trennen.

Beate Uhse ist auf allen Vertriebswegen aktiv: Versandhandel, Groß- und Einzelhandel. Inzwischen ist der Konzern in 13 Ländern präsent. Das Versandhaus „PABO by Beate Uhse“ hat seinen Hauptsitz in Walsoorden/Holland.. In Skandinavien wird der Versandhandel über die Magazine Lek und Cocktail abgewickelt. Das 1998 eingekaufte Großhandelsunternehmen Scala BV in Amsterdam und die im gleichen Jahr übernommene ZBF GmbH in Wiesbaden liefern die Sex- und Erotik-Produkte des Beate Uhse Konzerns in rund 60 Ländern. 2004/2005 wurde bei Amsterdam ein hochmodernes Logistik- und Service-Zentrum in Betrieb genommen.

Der Beate Uhse-Holding hatte im ersten Halbjahr 2001 seinen Gewinn nahezu verdoppelt. Der Konzernumsatz lag bei 205,4 Millionen Mark, was ein Plus von 76% bedeutete . Nach Steuern blieb ein Gewinnzuwachs von 93% auf 5,6 Millionen Mark. Der Vorstand wurde besetzt von Otto Christian Lindemann und  Gerard Cok, der ehemalige Inhaber der 1999 durch die Beate Uhse AG übernommenen Erotik-Unternehmen Pabo b.v., Sandereijn b.v. und Gezed Holding in den Benelux-Ländern. Der Gesamtumsatz steigerte sich von 169,2 Mill. Im Jahr 2000 auf  294,8 Mill. Im Jahr 2004.   2005 konnten Umsatzrückgänge auf dem deutschen und niederländischen Markt, Verluste auf dem US-Markt und einen Aktientiefstand von 5,84(Okt.2005), durch einen Umsatzwachstum im gesamten Auslandsgeschäft von ca.15% aufgefangen werden. Seit 2002 hat Beate Uhse in den USA rund 6 Millionen Euro Verlust eingefahren und wird 2005/2006 das Versandgeschäft einstellen und in den Vereinigten Staaten nur noch als Großhändler in Erscheinung treten. 2006 sank der Umsatz um fünf Prozent auf 271 Millionen Euro. Meinungsverschiedenheiten über einen Imagewechsel – statt harter Pornographie sexueller Livestyle – wie er sich im neuen Shopkonzept des Konzerns abzeichnet – haben dazu geführt das der Hauptaktionär Ulrich Rotermund sein Aktienpaket von fast 30 Prozent 2007 zum Verkauf gestellt hat. Nach eigenen Angaben sind 1.500 Mitarbeiter beim Konzern beschäftigt.

Anfang 2009 übernahm die Beate Uhse AG die niederländische Playhouse Gruppe, einen in Europa führenden Produzenten und Großhändler von erotischen Filmen, Sexspielzeugen, Wäschekollektionen und Wellnessprodukten.  Playhouse verfügte über ein Sextoy- Sortiment von 600 Artikeln und war im Besitz von 8.000 Film-Titeln unterschiedlicher Labels. Im Oktober 2009 gab die Private Media Group eine weitere Kollaboration mit der Beate Uhse AG bekannt. Neben dem Vertrieb und der Vermarktung von DVD´s in Skandinavien und Magazinen in Deutschland, übernimmt die Scala Agenturen BV für Private das DVD-Geschäft in den Benelux-Ländern. 2008 wurde ein Gewinn von rund 13 Mio. Euro erwirtschaftet. Der Beate Uhse Konzern erzielte in den ersten neun Monaten 2009 Umsatzerlöse in Höhe von 171,3 Mio. Euro und lag damit unter dem Vorjahresniveau (9M/2008: 186,8 Mio. Euro).

Orion-Versand

Zum Orion-Versand, 1962 gegründet, dessen Hauptfirmensitz ebenfalls in Flensburg liegt, gehörten in den 60ern der Stephenson-Verlag und in den 70ern eine Super8-Film-Produktion, die dann in die Video-Produktion mit heute über 1000 eigenen Videorechten überging. Im Carl Stephenson Verlag werden u.a. Sachbücher, erotische Romane, Magazine und Videos herausgebracht. Das Portfolio umfasst ca. 400 lieferbare Titel. Inzwischen werden monatlich sechs Videos für ORION produziert. Ab 1986  wurde der Aufbau der Orion-Ladenkette begonnen , die inzwischen 170 Fachgeschäfte in Europa (Schwerpunkt BRD) umfasst. Im DDR-Boom 1990 verdoppelten sich die Versand- und Großhandels-Umsätze. 1998 wurde das Erotik-Label „Top Man & Ero Man“ aus Karlsfeld zu 100% übernommen. Die Firma war 1999 mit einem Umsatz von 54 Millionen Euro verzeichnet. ORION ist in acht europäischen Ländern mit eigenen Versandhäusern aktiv: Österreich, Schweiz, Holland, Belgien, Dänemark, Schweden, Norwegen und Deutschland. Im Internet hat ORION nach eigenen Angaben bis zu 50.000 Besucher pro Tag auf seinen Seiten und 42 % des deutschen Versandumsatzes werden bereits über das Internet erzielt. Wichtigstes Standbein im Internet-Business ist die 33% Beteiligung bei „Fundorado.com“ (seit 2001) Mit seinen mobilen Erotik-Channels (Wap-Dienste, Video-Channels und MMS-Services) ist Orion inzwischen bei allen deutschen Mobilnetzbetreibern vertreten. Nach eigenen Angaben beschäftigt Orion am Firmensitz in Flensburg 300 Mitarbeiter und gesamt deren 900.

condomi AG

Der Kondom-Hersteller condomi AG wurde 1988 als „Fachgeschäft für Erektionsbekleidung“ in Köln gegründet. 1997 übernahm das Unternehmen die älteste deutsche Kondomfabrik Everts Erfurt GmbH und wurde damit zum führenden Kondomhersteller in Europa (Produktionskapazität: 720 Millionen Kondome pro Jahr). Ein Jahr später erfolgt die Umwandlung in die Aktiengesellschaft condomi AG. Condomi verfolgte die Strategie, zum Weltmarktführer im Bereich „Erotic Lifestyle“ aufzusteigen und versuchte seine Produktpalette dahingehend auszubauen  Mit dem Eintritt auf den latein- und us-amerikanischen Markt mit mehreren Kondomsorten im Jahr 2003 kam es zu Fehlinvestitionen und Überschuldungen, die fast das Ende des Unternehmens bedeutet hätten. 2004 führte die polnische Tochter Unimil eine Kapitalerhöhung durch und kaufte die Schulden des Mutterkonzerns in Höhe von 37 Millionen Euro für 16 Millionen Euro von den Gläubigerbanken auf. Anschließend übernahm Unimil die Markenrechte und Kundendaten des Unternehmens, sowie die Mehrheit an der Erfurter Kondomfabrik, in der zuvor 35 Millionen Euro investiert worden waren und gründete die Condomi Health International GmbH. 2005 übernahm die polnische Firma „AFM S.A.“ knapp 30 Prozent der Aktien von dem ehemaligen Vorstandmitglied und Firmengründer Gothe und etablierte sich so als neuer Großaktionär des europäischen Kondomherstellers. Bei diesen Finanzmanövern scheint es sich aber nicht um eine solvente Unternehmensstrategie  gehandelt zu haben. Über das Amtsgericht Köln wurde Anfang 2007 geprüft, ob ein Insolvenzgrund vorliegt und es lag eine Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung, sowie der Verdacht auf Vermögensveruntreuung vor. Die Aktie, zu besten Zeiten mehr als 30 Euro wert, lag am Ende bei 56 Cent, bis sie dann im Zuge des Insolvenzverfahrens Februar 2007 ausgesetzt wurde. Im gleichen Zeitraum übernahm der australische Ansell-Konzern die komplette Unimil-Gruppe für 40,5 Millionen Dollar. Ansell, mit Hauptsitz in Richmond (Australien), ist Weltmarktführer im Geschäft für so genannte Schutzprodukte wie Krankenhaus-Handschuhe, Handschutzprodukte für die Industrie und Kondomen und setzt weltweit ca. 620 Millionen Euro um.
Seit dem 1. März 2008 firmiert die Condomi Health international GmbH als Ansell GmbH.

Präservative der Marke Condomi hatten in Deutschland laut Ansell (2007) noch einen Marktanteil von 7,4 Prozent. Marktführer in Deutschland ist derzeit Mapa (Billy Boy, Blausiegel, Fromms), ein Tochterunternehmen des französischen Mineralölkonzerns Total, mit etwa 40 Prozent, dahinter folgen Durex (25 Prozent) und Ritex (20 Prozent).

Private Media Group

1966 erschien in Schweden die erste Nummer von „private“, das erste vollfarbige Hardcore-Magazin, produziert und herausgegeben von Berth Milton (geb.1927) der als einer der Pioniere im pornographischen Geschäft galt. Erst im folgendem Jahr, 1967 wurde die Hardcore- Pornographie in Schweden für legal erklärt. Die üblichen Auflagen solcher Magazine lagen zu dieser Zeit bei ca. 5000, während „private“ bis zum Ende der 60er Jahre eine Auflage von 40 000 erreichte. Um Mitte der 80er Jahre wurde der Geschäftsbetrieb und Druck nach Barcelona/ Spanien verlegt, nur die Marketing-Abteilung war 1987 noch in Schweden. Die Auflage der zweimonatlich erscheinenden „private“ erreichte eine Höhe von 100 000, zusätzlich gab es Übersetzungen in vielen Sprachen die über lizenzierte Agenten herausgegeben und vertrieben wurden. Heutzutage ist das Verlagsgeschäft von „private“ und weiteren pornographischen Magazinen im Medienunternehmen „Milcap“ integriert und Bestandteil der an der Nasdaq notierten „Private Media Group“, einem weltweit bekannten Produzenten von Hardcore-Pornographie.

1989 stieg der Sohn Berth Milton junior ins Geschäft ein. 1991 produzierte das Unternehmen immer noch nur ein einziges Pornomagazin. 11 Jahre später ist die „Private“-Gruppe ein Multimedia-Imperium mit 4 Magazinen, 35 Webseiten, ca. 400 Filmen, Online-Shops, einem eigenen Modelabel und Übertragungsrechten auf drei Kontinenten. Für ein nach Kapitalmarktmaßstäben winzigem Unternehmen (Marktkapitalisierung 370 Millionen Dollar) gibt es viele namenhafte Banken die investiert haben: die „Barclay Ple.“, West Highland Capital“, Royal Bank of Scotland“ und die „Deutsche Bank“, die über die New Yorker „Taurus Cooperation“ Anteile hält. 2002 strebte die Private-Gruppe ein Zweitlistening an neuen Markt in Frankfurt an. 5.8 Millionen Aktien sollten verkauft werden und die Erlöse für eine Expansion in den US-Markt verwendet werden. Der geplante Börsengang wurde allerdings auf  unbestimmte Zeit verschoben. Der Kurs der schon vorhandenen Aktie mit dem Nasdaq-Kürzel PRVT legte seit 1999 um etwa 110% zu. In den ersten drei Quartalen 2001 hat der Pornoproduzent den Umsatz gegenüber des Vorjahres um 45% steigern können und der Nettogewinn verdoppelte sich auf 6,6 Millionen Dollar. Die „Private Group“ gilt als ein Synonym für qualitativ hochwertige Pornoproduktionen. Der Branchendienst „AVN(Adult VideoNews)“ verlieh Private bereits 20x den AVN-Award, eine Art Oscar der Pornoindustrie. Im  Jahr 2000 schloss Private einen Kooperationenvertrag mit Playboy ab, zur Ausstrahlung von Hardcorefilmen bei Playboys Pay-TV-Sendern. In den folgenden Jahren baute Private das Segment Pay-TV weiter aus und besitzt inzwischen  vier eigene Kanäle. Es folgten weitere Kooperationen, u.a. mit Playboy TV Lateinamerika. 2001 wurden etwa 80 neue Filme produziert.

Der E-Mail-Verteiler soll bereits Ende 2001 800.000 Adressen umfasst haben und über 100.000 Mitglieder haben zu diesem Zeitpunkt  das kostenpflichtige Internetangebot von Private media in Anspruch genommen. Ein Großteil der Kunden zahlte per Kreditkarte. Kunden, die davor zurückschrecken, die Kreditkarteninformationen über das Internet zu versenden oder über keine Karte verfügen, konnten die Website über eine gebührenpflichtige Telefonverbindung erreichen. Über die Internet-Adresse http://www.privatespeed.com ermöglicht Private Media Usern mit Breitband-Zugang zum Internet den Zugriff auf das gesamte Private-Media-Filmarchiv per Video-on-demand. In diesem Geschäftsbereich setzt das Unternehmen auf Partnerschaften mit Internet Service Providern, die ihren Kunden Breitband-Zugänge zum Internet anbieten. Außerdem bietet Private ein  Affiliateprogramm für Webmaster an, “Private Cash“ genannt.

Der Vertrieb aufgekaufter oder von externen Firmen  produzierten Hardcore/ Softcore-Filmen erfolgt über ein weltweites Vertriebsnetz mit ca. 60.000 Stützpunkten. Zusätzlich werden die Filme über Kabel- und Satellitenfernsehen und das Internet verbreitet. Die Private Media Group veröffentlicht alle zwei Monate die vier Magazine: „Private“, „Pirate“, „Triple X“ und „Private Sex“. Unter dem Label „Private Collection International“ wird seit 1996  eine breite Produktlinie der Erwachsenenunterhaltung vertrieben, zu denen unter anderem Kleidung, Energy-Drinks und Hautpflegeprodukte gehören. Die Gesellschaft beschäftigte 1999  89 Mitarbeiter und Anfang 2002  bereits 142. Vierzig dieser Mitarbeiter waren in den Internet-Unternehmungen der Firma eingestellt.

“Private´s“ wichtigstes Kapital ist das riesige Film- und Bildarchiv und die daraus resultierenden Gewinne durch die weltweiten Vermarktungsrechte. Das gleiche Material kann in den unterschiedlichen Medien, Film, Magazin, DVD-Video, in Videokabinen und auf Webseiten gleichzeitig verwertet werden. Sind die Produktionskosten einmal eingespielt ist jede weitere Veröffentlichung reiner Gewinn. Noch größere Gewinnspannen tun sich im Medium des Internets auf. 1996 wurde die erste Webseite „private.com“ ins Netz gestellt und auf der neuen Breitbandwebseite „privatespeed.com“ zahlen Nutzer für 360 Minuten Hardcore 45$. Für Material, dass zuvor als Verleih- oder Kaufvideo seine Herstellungskosten bereits eingespielt hat.

Ähnlich vertreibt „Private“ seine Inhalte über Vertriebspartnerschaften. In den USA mit „Playboy“, in Great Britain mit „Sky Broadcasting“ und in Lateinamerika mit „Liberty Media“ Im Geschäftsjahr 2004 konnte das Unternehmen einen Umsatz von 48,3 Mio. Dollar erwirtschaften. Die Hauptabsatzmärkte sind Süd- und Nordamerika und Europa, vor allem Schweden und Spanien. Mit 55% anteilig am Gewinn(2004) stellt das Segment der DVDs das Kerngeschäft von Private dar, es folgen mit 14% die Magazine, mit weiteren 14% das Internet, mit 11% die Sparte Pay-TV  und mit 6% das Videogeschäft.

In den letzten Jahren ist Private weitere Geschäftspartnerschaften eingegangen um ihre Marktposition auszubauen. 2004 hat Private einen dreijährigen Vertrag mit der us-amerikanischen Firma „Pure Play Media” einem bekannten Händler von qualitativ hochwertigen Pornofilmen – bezüglich der Vermarktung und Distribution von DVDs auf dem europäischen Markt, abgeschlossen. Über ein exklusives  Shopkonzept in verschiedenen europäischen Großflughäfen und den Fähren der „Stena Line’s North“ verkauft Private seine Magazine und DVDs inzwischen direkt.

Im November 2005 haben die „Private Media Group“ und „Playboy TV International“ in einer zunächst auf 5 Jahre befristeten Kooperation ihre Kanäle „Private Gold“ und „Spice Platinum“  unter den neuen Label „Private Spice“ zusammengelegt um ihre Marktführerschaft im Segment PayTV in Europa zu konsolidieren. „Spice Platinum“ wurde 2001 als europäischer Adult-Kanal gegründet und hatte Abonnenten in über 15 Ländern. „Private Gold“, 2000 gegründet war in Lateinamerika und Europa zu empfangen. Er galt als der führende europäische XXX-Kanal mit Abonnenten in 25 Ländern. Im dritten Quarter 2005 schloss die Private Media mit der “ Portland Television Group“ eine Vereinbarung bezüglich der Gründung eines neuen Private-Kanals in Großbritannien ab, der den 2000 gegründeten „Private Blue Channel“, dessen Frequenz von HustlerTV übernommen wurde, ersetzte. Der neue Kanal ist überwiegend auf Pay-per-View-Basis zu empfangen und startete in der ersten Hälfte 2006.

Ebenfalls 2005 schloss Private einen Vertrag mit der „MindMatics AG“, ein global führendes Unternehmen im Bereich der Entwicklung und Implentation von Geschäftslösungen im Mobilfunkbereich.. Private versucht damit den europäischen Markt von über 220 Millionen Handynutzern als potentielle Konsumenten ihres Adult-Contents zu erschließen. Weitere Kooperationsverträge  über die Mobile-Content-Vermarkung, speziell auf dem asiatischen Markt wurden 2005/6 mit der südkoreanischen Firma “Seal Media Ltd” abgeschlossen. Im gleichen Zeitraum eröffnete ein weiteres Tochterunternehmen in Hongkong, das für den asiatischen Raum die Vermarktung des Materials via PayTV, IPTV, VOD und Mobile-Technologie übernimmt.

Im Mai 2006 haben die „Private Media“ und der „Erotic Media“ zwei Geschäftsvereinbarungen bekanntgegeben. Die eine ist ein fünfjähriges Lizenzierungsübereinkommen über die Vermarktung der Filmbibliothek „Privates“ über die PayTV-Kanäle der „Erotic Media“. Das schweizerische Unternehmen erwarb die Rechte für insgesamt $7,7 Millionen. Desweiteren übernimmt die „Erotic Media“ die gesamte Distribution des Video-on-Demand(VOD)-Contents von Private im deutschsprachigen europäischen Raum. Die Expansion  von „Private“ nach Deutschland steht nach Verlautbarung des Unternehmens im Zusammenhang mit der Entscheidung der Deutschen Telekom, die im Sommer 2006 IPTV /Internet-TV starten wird. Neben den Vereinbarungen mit „Playboy TV International“ und der „Portland Television Group“ war dies das dritte bedeutende Joint Venture der „Private Media Group“ innerhalb eines kurzen Zeitraums.

2007 folgten weitere strategische Allianzen. Zum einen mit New Frontier Media zur weiteren Erschließung des nordamerikanischen Pay-TV-Marktes und mit Mobile Stream einen Musik- und Medien-Provider im Mobile-Sektor. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt in Großbritannien wurde 2008 das Portal „private. Mobi“ 2008 gestartet, welches auf den deutschen, spanischen und südafrikanischen Mobile-Markt abzielt. Die Umsätze im DVD- und Magazin-Verkauf gingen im ersten Drittel 2008 um 18% zurück und lagen bei 2,2Millionen Euro. Dies entspricht dem allgemeinen Trend an momentanen Umsatzeinbrüchen im DVD-Bereich. Die neuen Märkte, Mobile und das sogenannte Tripple Play von Telefonie, Internet und TV mit ihren Vermarktungskonzepten on-Demand und pay-per-view erweisen sich hingegen als wachsende Umsatzträger des Konzerns. Sommer 2008 gab der Konzern eine weitere Kooperation mit dem französischen Unternehmen Marc Dorcel im Bereich der DVD-Distribution bekannt, die langfristig weiter ausgebaut werden soll. Das 1979 in Frankreich gegründete Unternehmen – ursprünglich ein Filmstudio –  hat sich zu einem bekannten Label in der Sexindustrie entwickelt. Dorcel betreut und betreibt eine Vielzahl von VOD/IPTV- Portalen, Mobile- und Internetseiten, sowie den TV-Kanal „Dorcel TV“. „. Seit Oktober 2009 vermarktet Private seine Filme in Frankreich über den Video-on-demand-Service von „Numericable“, Frankreichs führenden Kabel-TV-Betreiber. Im gleichen Zeitraum übernahm der Konzern das us-amerikanische Unternehmen Sureflix Digital Distribution. Sureflix, spezialisiert auf Premiumangebote für Homosexuelle, betrieb ein Netzwerk von PPV/VOD-Webseiten (maleflixxx.tv, splashshots.com.)und war auf dem nordamerikanischen Kabel-TV-Markt präsent.

Zur „Private Media Group, Inc.“ gehören neben der  „Milcap-Gruppe“ u.a. die Tochtergesellschaften „Cine Craft Limited“ (Gibraltar, Inhaber von Trademarks), die “Coldfair Holdings Limited“ ( Zypern, Website), “Milcap Media Limited“ ( Zypern, Gesellschafter), die „Fraserside Holdings Ltd.“ ( Zypern, Inhaber von Video- und Fotorechten), die „Peach Entertainment Distribution AB“ ( Schweden, Vertrieb weltweit),die “Private France SAS“ ( Frankreich, Vertrieb in Frankreich und der Schweiz), die „Symbolic Productions S. L.“  ( Spanien, Gesellschafter) und die „Viladalt S. L.“  ( Spanien, Gesellschafter).

http://www.prvt.com/index.php
http://www.finanznachrichten.de/
Hebditch David/Nick Anning, 1988, „Porn Gold- Inside the Pornography Business“, Faber and Faber, London, Boston
Pastötter Jakob, 2003, „Erotic Home Entertainment und Zivilisationsprozess“, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden
Faulstich Werner, 1994, „Die Kultur der Pornographie“, Wissenschaftler Verlag, Bardowick