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Jan
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Arbeitsbedingungen von Prostituierten

Einleitung

Durch die neuen Technologien hat sich die traditionelle Arbeitsweise – von Bordellen, Clubs und der Straße ausgehend – geändert. Viele Frauen nutzen das Handy als wichtiges Arbeitsgerät ihrer Branche und betreiben ihr Geschäft über Kleinanzeigen, bei ständiger Erreichbarkeit, weitaus flexibler und diskreter als dies früher möglich war. Nicht nur das Pornobusiness nutzt die Möglichkeiten des WorldWideWeb, sondern auch verstärkt das Prostitutionsgewerbe. Viele Prostituierte veröffentlichen im Internet Portefolios mit Photos, Verfügbarkeit, Preisen und angebotenen speziellen Dienstleistungen, so dass der Kunde sich vorab informieren kann. Es gibt Webseiten, die neben den Modell-Portefolios auch potentiellen und tatsächlichen Kunden die Möglichkeit geben sich über Boards auszutauschen und die Dienstleistungen der verschiedenen Frauen zu bewerten. Das Internet hat die Entstehung einer Klasse von gebildeten Sexarbeiterinnen begünstigt, die überwiegend aus der Mittelschicht kommen aus der sich auch ihr zahlungskräftiges Klientel rekrutiert. Das Internet schafft Möglichkeiten sich unabhängig von der Sexindustrie, bzw. dem dementsprechenden Milieu über Sexarbeit zu informieren und auszutauschen und bietet Frauen die Möglichkeit ohne eine Agentur oder ein Bordell zu kontaktieren, in diesem Bereich selbstständig zu arbeiten oder sich einen Nebenverdienst zu sichern.

Es gibt eine Vielzahl von Webseiten, die es Sexarbeiterinnen ermöglichen Werbung für ihre potentiellen Kunden zu schalten. In den USA sind die populärsten Seiten „Craigslist“ und „Eros Guide“, die beide bereits seit über einer Dekade online sind. Beides sind überregionale Meta-Seiten, die nach Städten, bzw. Regionen organisiert sind. Craigslist bietet ein kostenloses, öffentliches Board, welches vor allem bei Frauen beliebt ist, die Prostitution nur als einen Nebenverdienst sehen und über die Möglichkeit des kostenlosen Postings, eine überschaubare Werbung für sich betreiben. „Eros Guide“ hingegen bietet professionelle Werbemöglichkeiten in mehr als 30 us-amerikanischen Städten, sowie einigen kanadischen und englischen Metropolen. Die Kosten für die geschaltete Werbung, deren Standard 200 Wörter, 3 Photos, sowie Telefonnummer und Weblink beinhaltet, bewegt sich je nach Region zwischen 60$ – 175$. Neben diesen Advertising-Seiten gibt es spezielle Message-Boards wie „UtopiaGuide“, „Big Doggie“ und “The Erotic Review” die ihre Popularität Erfahrungsberichten von Freiern verdanken. Die Männer veröffentlichen dort ihre Erfahrungen mit Prostituierten und bieten so potentiellen Kunden die Möglichkeit sich vorab über die Frauen zu informieren.

Abgesehen davon bietet das Internet über Suchmaschinen die Möglichkeit sich über potentielle Kunden zu informieren und so, zumindestens teilweise, die Richtigkeit ihrer Angaben zu überprüfen. Weitergehend unterhalten verschiedene Netzwerke von Prostituierten, vor allem Callgirls, sogenannte „Bad Date“-Listen, wo sich die Frauen gegenseitig informieren für denn Fall das Kunden wegen ihrer schlechten Zahlungsmoral oder wegen Gewalttätigkeiten aufgefallen sind. Neben diesen internen Listen gibt es auch öffentliche, wie z.b. den Washingtoner Blacklist-Blog „Don´t fuck with us“ Auf der Grundlage eines Common sense, das Kunden, die einer Sexarbeiterin psychische oder physische Gewalt angetan haben, ihr Recht auf Anonymität und Diskretion verwirkt haben. Diese Blogs dienen einerseits der Information und schaffen in der Praxis einen vorbeugenden Schutz, da die betroffenen Männer sich in ihrem asozialen Verhalten eher zurücknehmen als in dem Zusammenhang entsprechender Vorwürfe öffentlich an den Pranger gestellt zu werden.

Weitergehend gibt es professionelle Dienste wie „Room Service 2000“(RS2K) und „Date Check“, welche überwiegend von Escorts und selbstständig arbeitenden Dominas in Anspruch genommen werden. Sexarbeiterinnen wie Kunden müssen, um das System nutzen zu können, ein Kontaktformular ausfüllen, welches Informationen zur Privat- und Arbeitsadresse, Kreditkarteninformationen und dem vollen Namen beinhaltet. Diese dann verifizierten Daten schaffen die Grundlage für einen sicheren Umgang zwischen Sexarbeiterinnen und Kunden.

„Sex on the open Market: Sexworkers harness – The power of the Internet“, Audicia Ray; C`Lick me-Reader 2007

Im deutschsprachigen Internet existieren seit einigen Jahren ebensolche, gutbesuchte Freier-Foren wie „Bordellcommunity“ oder „Rheinforum“ von Freiern für Freier zum Informations- und Meinungsaustausch gegründet. Neben Preisvergleichen, Tipps und Erfahrungsberichten werden dort Themen wie Safer-Sex und Frauenhandel diskutiert. Aus einer Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die die Webmaster dieser Foren kontaktiert hatte, ist das Pilotprojekt „www.sexsicher.de“ hervorgegangen, das speziell auf die Bedürfnisse von Freiern ausgerichtete Fragen zum Thema sexuelle Gesundheit beantwortet.

Das beste deutschsprachige Forum für Sexarbeiter ist die werbefreie österreichische Webseite http://sexworker.at. Das Portal bietet umfangreiche Informationen und Foren für  Gewerbetreibende wie für interessierte Aussenstehende. Bestimmte Bereiche stehen ausschließlich Sexarbeiter/innen zur Verfügung, die ihren Status vorher von den Admins überprüfen lassen müssen.

Über die vielseitigen Arbeitsbedingungen von Prostituierten lassen sich schwer allgemeingültigen Aussagen treffen. So kann, je nach individuellen sozialen Kontext und der Geschichte der jeweiligen Frau der gleiche Arbeitsort trotzdem in einem unterschiedlichen Bedeutungszusammenhang stehen. Abgesehen davon sind lokale Begebenheiten und das betreffende Milieu ein entscheidender Faktor. Ein Bordell ist nicht gleich ein Bordell, ein Appartement nicht gleich ein Appartement und Straßenstrich ist nicht gleich Straßenstrich.

Zuhälter

„Die Nachfrage nach einem Zuhälter liegt auch in der Unvereinbarkeit einer Liebesbeziehung mit der Arbeit in der Prostitution begründet: kaum ein Mann verkraftet es über längere Zeit seine Geliebte in der Prostitution zu wissen. Auch Zuhälter bevorzugen eine Liebesbeziehung, die nichts mit dem Milieu zu tun hat.“

Zitat aus:„Wer macht was? Jobs im Sexgewerbe“, Uta Falck, Ausstellungskatalog Sexarbeit S. 49

Auch ein Zuhälter ist nicht gleich einem Zuhälter. Unter der Gesetzesregelung verschiedener europäischer Länder fallen der Lebenspartner oder reguläre Ehemann und sogar Verwandte unter diese Begriffsdefinition, auch wenn sie mit dem Prostitutionsgewerbe nicht im Kontakt stehen, sofern ihr Lebensunterhalt durch das Einkommen der Frau finanziert wird. Der Kriminalist Jürgen Kahmann liefert eine konservative, polizeiliche Sichtweise. Er definiert den Zuhälter als eine Person, die ganz oder teilweise von den Einnahmen einer Prostituierten lebt, wobei es sich auch um weibliche Zuhälter handeln kann. Als Gegenleistung für die Beteiligung am finanziellen Ertrag der Prostituierten wird die Frau durch ihren Zuhälter gegebenenfalls vor Übergriffen der Freier geschützt und – falls nötig bei der Geldeintreibung tatkräftig unterstützt. Zwischen Zuhälter und der sich prostituierenden Frau besteht in der Regel eine intime Beziehung, in welcher er die Rolle des „Geliebten“ einnimmt. Für den Fall das der Mann für mehrere Frauen die Rolle des Zuhälters einnimmt, kann dies ein promiskutives Sexualverhalten voraussetzen.

“ Natürlich gibt es Frauen, die von Zuhältern unter Anwendung körperlicher Gewalt und psychischen Zwang, zur Prostitution gezwungen werden. Das betrifft aber nur einen sehr geringen Teil der Frauen. Die meisten Sexarbeiterinnen haben ihren Beruf aus freien Stücken gewählt, da in der Sexindustrie und gerade in der Prostitution, sehr viel mehr Geld als Frau zu verdienen ist, als in den meisten anderen Berufen. Gerade angesichts der Existenz von Sperrgebieten für die Ausübung der Prostitution mischen aber viele Männer in der Sexindustrie mit, die keine kriminellen Zuhälter sind, sondern Organisatoren und Manager der Prostitution. Natürlich sind diese Männer ohne Zweifel Mehrwertbeschneider und leben vom Geld der Sexarbeiterinnen.“

Zitat aus: „Women at Work – Sexarbeit, Binnenmarkt und Emanzipation“, 1992, Schüren Presseverlag, Seite 139. Eine Dokumentation zum 1. europäischen Prostituiertenkongress 1991 in Frankfurt am Main

Bestenfalls ist der Zuhälter der tatsächliche Lebenspartner der Frau oder fungiert als regulärer Geschäftspartner was z.b. die Regelung der Verhältnisse im Milieu und Finanzdienstleistungen betrifft. Innerhalb des Milieus ist das Verhältnis allerdings häufig von Ausbeutungsverhältnissen geprägt, die noch aus der Tradition des kontrollierten Bordellwesens stammen. Dies betrifft z.b. die Forderung einer „Ablösesumme“, wenn die Frau sich von dem Zuhälter trennen will, entweder um ihren Arbeitsplatz innerhalb des Gewerbes zu wechseln oder um auszusteigen. Dieser Geldbetrag kann zwischen 5000-20.000 Euro liegen und wird der Frau, falls ein anderer Zuhälter diese Summe zahlt, als Schuldenlast in Rechnung gestellt.

„Wenn eine Frau arbeiten will, und sich so gar nicht auskennt, ist das Beste, was ihr passieren kann, ein guter Zuhälter.  Einer, der auf den ersten Blick sieht, wofür die Frau der Neunziger eine teure Typ-Beratung braucht: Welches Make-up, welche Frisur, welches Outfit. Wenn Bodybuilding angesagt ist, welche Übungen für welche Region des Körpers und in welchem Studio. Welcher Bereich in der Prostitution liegt ihr am ehesten, wo kann sie arbeiten, welche Hure lernt sie an, welches Bordell bietet welchen Service und, und, und… Ein Mann eben, der das gesamte „who`s who“ der Szene kennt und dort bekannt und akzeptiert ist. Der sich darum kümmert, dass die Frau gefeatured wird, dass sie krankenversichert ist. Der sie aufbaut, mit ihr trainiert, der die Entwicklung ihrer Karriere und ihres Geldes steuert, ihr Tipps gibt. Dafür braucht frau doch keinen Zuhälter? Eben doch! Wer sonst ist in der Lage, die beschriebenen Dinge zu leisten? Ein Manager? Genau darüber reden wir hier. Über Manager in einem hochpotenten Zweig unserer Wirtschaft, der mit Milliardenumsätzen jährlich zu Buche schlägt.   So erklären sich bei genaueren Hinsehen auch Zusammenhänge, die auf den ersten Blick unverständlich erscheinen,. Zum Beispiel nämlich, warum ein Zuhälter mehrere Frauen „hat“, die ihn bezahlen, woher genau das Geld kommt, warum Abstand gezahlt wird, und vieles mehr.“

Zitat, Seite 178, .„Prostitution : Ein Handbuch“,  Christine Drössler, Jasmin Kratz (Red.), 1994  Hg.: HWG e.V, Schüren Presseverlag, Marburg

Innerhalb des Milieus existieren Organisationszusammenhänge und Hierarchien zwischen den Zuhältern, die zu einer Arbeitsteilung führen können. So kann es Einzelpersonen geben, die für die Finanzen zuständig sind, andere, die Kontakte zu anderen Milieugruppierungen unterhalten oder sich mit der Instandhaltung der Etablissements und der Anmietung oder dem Ankauf neuer Wohnungen oder Häuser beschäftigen und welche, die sich hauptsächlich um die Frauen kümmern. So gibt es bestimmte Einzelpersonen – in Hamburger Milieu „Poussierer“ genannt – die für die Neurekrutierung von Frauen zuständig sind und z.b. in Diskotheken und Musikclubs Frauen ansprechen, eine intime Beziehung zu ihnen eingehen und sie dann auf die eine oder andere Art und Weise dazu bringen im Prostitutionsgewerbe „anzuschaffen“. Charakteristisch für den Typus des Zuhälters „des alten Schlags“ innerhalb des Milieus sind Personen, die über Durchsetzungsvermögen, insbesondere körperlicher Art verfügen und dementsprechend matriarchalisch auftreten. Bis in die 80er Jahre war es allgemein üblich und ist es teilweise immer noch, durch Zuschaustellen von Statussymbolen wie teure Uhren, Kleidung und Autos seine Position innerhalb des Milieus hervorzuheben. Schlimmstenfalls besteht zwischen dem Zuhälter und der Prostituierten ein Verhältnis, in welchem die Frau nur als „Ware“ gesehen wird und die Zuhälter Zwang auf die für sie tätigen Prostituierten ausüben, entweder damit sie sich überhaupt prostituieren oder damit sie den gewünschten Anteil an den Einnahmen abliefern. Ein besonderes Verhältnis besteht im Fall des Menschenhandels, wo oft unter Einsatz von Gewalt oder psychischen Manipulationen ein Abhängigkeitsverhältnis geschaffen wird und der Verdienst zum Großteil vom Zuhälter einbehalten wird.

Bordelle

Ein Bordell ist: „ein geschäftsmäßiger Betrieb, der auf regelmäßige Einnahmen ausgerichtet ist und wo mehrere Prostituierte tätig sind, denen der Inhaber Räume und die übrige zur Ausübung der Prostitution nötige Infrastruktur zur Verfügung stellt.“ Ein(e) Bordellbetreiber(in) muss sich wie jeder Firmenchef um die betriebliche Organisation kümmern. In vielen Läden ist zusätzlich ein Wirtschaftler, bzw. eine Wirtschaftlerin eingestellt. Überwiegend sind es Frauen die diese Position einnehmen. Ein Wirtschaftler  bildet die Schnittstelle zwischen Betreiber, Mitarbeiterinnen und Kunden. Er, bzw. sie sorgt für den alltäglichen Ablauf im Betrieb. Ein Bordell kann ein Etablissement sein, wo Prostituierte freiberuflich oder als Angestellte arbeiten und die Arbeitsbedingungen sich an den Bedürfnissen der dort arbeitenden Frauen orientieren, oder aber Läden, wo milieubedingte Abhängigkeiten bestehen, bis zu solchen, wo die Frauen sich unter Zwang prostituieren müssen. Um der Definition „Bordell“ gerecht zu werden, müssen also mindestens 2 Frauen in denselben Räumlichkeiten ihrem Job nachgehen. Die durchschnittliche Anzahl weiblicher Mitarbeiter dürfte bei kleineren bis mittleren Bordellen so zwischen 5-15 Frauen liegen. In Deutschland gibt es in fast allen Großstädten mit Sperrgebietsverordnung mindestens ein Großbordell. Ein Eros-Center bietet der Frau die Möglichkeit sich dort die ganze Zeit über aufzuhalten, oft befinden sich eine Kantine, Fitnesscenter und Solarium im selben Haus. Das gemietete Zimmer ist möbliert und hat in der Regel einen Fernseher und ein Bad mit Dusche. Die Frauen zahlen dort Tagesmieten zwischen ca. 70-150€, zusätzlich entstehen Kosten für Reinigung, Präservative und Abgaben für den Wirtschaftler. Diese Fixkosten, auch Blockkosten genannt, müssen tagtäglich gezahlt werden, unabhängig von dem erzielten, individuellen Umsatz. Eine Woche besteht aus 6 Arbeitstagen, der siebte Tag ist dann oft mietfrei. Einige dieser Etablissements haben einen zentralen Kontakthof wo die Frauen sich anbieten. In anderen Eros-Centern warten die Prostituierten in oder vor ihren Zimmern auf Kundschaft. Desweiteren gibt es die Schaufensterprostitution, wie z.b. in der Herbertstraße/St. Pauli oder „Walljettes“/Amsterdam, wo die Frauen hinter großen Fenstern sitzen und von dem potentiellen Kunden in Augenschein genommen werden. Zum Fensterplatz gehört ein weiterer Raum in den der Kunde nach Geschäftsvereinbarung dann eingelassen wird. Auch hier müssen neben der Tagesmiete Blockkosten gezahlt werden.

Straßenstrich

Einen Straßenstrich, ob legal, geduldet oder illegal, gibt es in fast jeder Großstadt. Diese auffälligste Form der Prostitutionsausübung wird durch die Polizei am stärksten kontrolliert und überwacht. In diesem Segment ist auch die Beschaffungsprostitution zur Finanzierung von Drogensucht (Heroin, Crack) am weitesten verbreitet. Auf dem Straßenstrich könnten die Frauen oft mehr Geld verdienen als ihre Kolleginnen im Bordell, da sie kaum Nebenkosten haben und es viel Laufkundschaft gibt. Die Kontaktaufnahme zwischen dem Kunden und der Prostituierten findet auf der offenen Strasse statt. Meistens kommen die Kunden mit dem Auto und die sexuelle Dienstleistung wird häufig im Auto des Freiers oder im Wagen oder Wohnmobil der Prostituierten erbracht. Auch die Fahrt zu nahe gelegen Absteigen, Hotels und Pensionen ist möglich. In einigen Regionen, wie z.b. in Hamburg/ St. Pauli, wo Fußgänger die Zielgruppe bilden, gehen die Prostituierten mit ihren Freiern grundsätzlich auf ein Zimmer. Sie zahlen dann für das Zimmer eine feste Tagesmiete oder einen Anteil pro Freier. Der Straßenstrich ist in Deutschland größtenteils fest in der Hand von Zuhälterorganisationen, die Kleidung und Arbeitszeiten vorschreiben und Standgelder pro Nacht kassieren.

Auf dem Straßenstrich sind die Frauen während der Wintermonate neben einfachen Erkältungen  oft gesundheitlichen Problemen wie Blasenentzündung, Gebärmutterentzündung und Nierenproblemen ausgesetzt. Viele Frauen ziehen sich beim Sex nur gegen Aufpreis aus. Ihre Strumpfhosen und Hosen sind in der Mitte geschlitzt, so dass auch im Winter mehrere Lagen übereinander getragen werden können, ohne das die Frau sich ständig an und ausziehen muss. Straßenprostituierte sind, sofern ihr Arbeitsplatz durch Sonderzonenregelung sich jenseits der Vergnügungsviertel in menschenleeren Gewerbegebieten und Vorstädten befindet, besonders gefährdet, was gewalttätige Übergriffe, Raub, Vergewaltigung und sogar Mord betrifft. Viele versuchen dem vorzubeugen indem sie die Umgebung ihres Arbeitsplatzes weitgehend kontrollieren. Dies schließt sichere Stehplätze in der Nähe zu anderen Menschen mit ein, die gut beleuchtet sind und die Zusammenarbeit mit den anderen Kolleginnen vor Ort, d.h. aufeinander zu achten, den übermäßigen Konsum von Drogen zu vermeiden und die Autonummern der Kunden vorbeugend aufzuschreiben und darauf zu achten das die Beifahrertür jederzeit geöffnet werden kann. Ein weiterer Punkt ist das Tragen von sicherer, fluchttauglicher Kleidung, die im Extremfall seitens des Kunden nicht gegen die Frau verwendet werden kann – oder im Ernstfall ihrerseits zur Selbstverteidigung gebraucht werden können – wie z.b. Schuhe mit metallenen Pfennigabsätzen. Zu den weiteren vorbeugenden Maßnahmen gehört die nötige Kontrolle im Haus und Hotel, wohin der Kunde nach der Kontaktaufnahme mitgenommen wird. Hierzu gehören Regeln gegen laute Musik, damit Hilfeschreie wahrgenommen werden, das Ersetzen von Glasobjekten durch solche aus Plastik und die Installation eines elektronischen Alarmsignals in der Nähe des Bettes. Bekannte Kunden werden Unbekannten vorgezogen und wenn ein Mann auf die Frau einen schlechten Eindruck macht, gibt es verschiedene Möglichkeiten sein Angebot abzulehnen – indem überhöhte Preise genannt werden oder entschuldigend ein bereits vereinbarter Termin vorgegeben wird. Als ein wichtiges Kriterium, Gewalttätigkeiten vorzubeugen, wird gesagt, dass man den Kunden „gut handhaben“ muss, freundlich und zuvorkommend auf ihn reagieren sollte, auch wenn es nicht der eigenen Gefühlslage entspricht, was voraussetzt das schwer Betrunkene und Männer mit denen man sich nicht verständigen kann, abgelehnt werden sollten. In Bordellen und Absteigen und z.T. auf der Straße sollten außerdem Zuhälter und Wirtschaftler den Schutz der Frauen garantieren. Bei Haus und Hotelbesuchen kann, sofern die Frau einen Zuhälter hat, dieser mitfahren und im Auto warten. Bei der Agenturvermittlung ist die Vereinbarung von Kontrollanrufen üblich, d.h. das die Frau einmal vor ihrem Dienstantritt beim Kunden ihre Ankunft telefonisch bestätigt und einen zweiten Anruf nach Beendigung des Kundenkontaktes bei der Agentur macht.

Weitzer Ronald (Hg.), 2000,  „Sex for Sale“,  Routledge, New York, London

Sexclubs

In den hochpreisigen  Sexclubs wird dem Kunden oft ein aufwendiges Interieur und dementsprechender Service, bei Eintrittspreisen von 25-65€, geboten. Spezielle Saunaclubs und Massagesalons bieten neben der sexuellen Dienstleistung auch Sauna, Wellness, Massage und Unterhaltung an. Das Zeitbudget ist anders verteilt, anstatt der schnellen sexuellen Dienstleistung, wird mit dem Kunden vorher oft stundenlang geredet. Häufig haben die Frauen nur ein bis zwei Kunden pro Abend. In vielen Clubs wird der Sex über die Getränkerechnung gezahlt. In diesem Fall müssen die Frauen bereit sein größere Mengen an Alkohol zu trinken – ein nicht zu unterschätzender Faktor für den Kokainkonsum in diesem Milieu – und sind in der Regel mit 30-50% am Getränkeumsatz beteiligt. Alkohol ist oft integraler Bestandteil der Arbeitskultur, bzw. gehört zur Ausstattung des Arbeitsbereiches, über dessen Konsum in vielen Nachtclubs und Bordellen ein Großteil des Verdienstes erzielt wird. In anderen Clubs wird das Geld im voraus an die Prostituierte gezahlt, die, je nach abzuführenden Abgaben, zwischen 30-70% vom Umsatz behalten kann. Die verdeckte Prostitution findet z.b. in Peepshows, Strip- und Nachtbars statt und unterscheidet sich von dem qualitativen Segment bestimmter Nachtclubs und Bars dadurch, dass sie fast ausschließlich auf Laufkundschaft eingestellt ist, also im innerstädtischen Rotlichtmilieu verortet ist. Die sexuelle Dienstleistung wird entweder in separaten Räumen oder in der Nähe befindlicher Stundenhotels geleistet und steht oft im Zusammenhang mit dem Konsum überteuerter Alkoholika an dem die Frauen prozentual beteiligt werden.

Modellprostitution

Die Prostitution in normalen Mietwohnungen hat seit den 70er Jahren stark zugenommen. Meistens bieten 2-3 Frauen in so einer Wohnung ihre Dienste an. Im Idealfall sind sie selbständig, mieten die Räume gemeinsam und arbeiten gleichberechtigt. In den Modell- oder Hostessenwohnungen arbeiten meist mehrere Frauen am Tage. In so einer Wohnung gibt es einen Aufenthaltsraum, ein oder mehrere Badezimmer und die Dienstleistungsräume, die oft nach individuellen Noten, bzw. nach verschiedenen Themen eingerichtet werden. Die Werbung erfolgt über geschaltete Anzeigen in der Tagespresse und über das Internet. Viele potentielle Kunden erkundigen sich vorher per Telefon nach Einzelheiten, so dass manche Läden extra eine Telefonistin eingestellt haben. In der Regel gibt es einen Chef oder Chefin die bis zu der Hälfte des Freierlohns kassiert. Hinzu kommen in so einem Fall die bereits erwähnten Blockkosten, zusätzlich entstehen Kosten für Zeitungsannoncen und Interneteinträge, da, anders als im Großbordell oder auf der Straße, gezielt Werbung betrieben werden muss. Ausländische Frauen, die in dazugehörigen Räumen übernachten, müssen dafür oft überhöhte Mieten zahlen, zusätzlich zu den „Schlepperkosten“, die sie abarbeiten müssen, so dass sie schnell in finanzielle Abhängigkeit geraten. Oft werden die Frauen in regelmäßigen Abständen ausgetauscht. Viele Appartements und Sexclubs sind untereinander vernetzt und die Frauen sind in ein Rotationsprinzip eingebunden. Häufig ist auch ein Zusammenspiel zwischen Sperrbezirksverordnung und Immobilienhandel zu bemerken. In allen deutschen Großstädten gibt es Hausverwaltungen die gezielt Wohnungen an Prostituierte oder Zuhälter zu überhöhten Preisen vermieten. Monatsmieten zwischen 2000-4000 € sind keine Seltenheit. Wenn die Vermieter, bzw. die Immobilienmakler nicht in das Geschäft involviert sind, wird die Wohnung über Mittelsmänner angemietet und einem Zuhälter oder den Prostituierten direkt zur Verfügung gestellt.

Eine persönliche Art der Prostitution wird über Haus- oder Hotelbesuche abgewickelt. Die Frauen inserieren in Boulevardzeitungen, Sexmagazinen und im Internet und geben als Kontaktmöglichkeit eine Telefonnummer an. Die Frau hat keine Möglichkeit der vorherigen In-Augenscheinnahme ihres Kunden, wie dies im Bordell, Club oder auf dem Straßenstrich der Fall ist. Zu dem vereinbarten Preis muss der Mann zusätzlich die Kosten für An- und Abfahrt zahlen. In kaum einen anderen Bereich können Prostituierte – zumindest theoretisch – so unabhängig und selbständig arbeiten. Es reicht regelmäßig ein Inserat aufzugeben oder sich über eine Agentur vermitteln zu lassen. Allerdings arbeiten viele ausländische Frauen in streng organisierten Callgirl-Ringen die die Anzeigen schalten, die Kontaktaufnahme regeln und auch die Unterkunft stellen. Wegen der Polizeikontrollen in Bordellen weichen viele Illegale, in Deutschland zunehmend Osteuropäerinnen, auf diese Art der Prostitution aus. Der Verdienst soll in diesen Fällen bei ca. 30% des Umsatzes liegen und oft befinden sich die Frauen in einem Abhängigkeitsverhältnis. Im Bereich von Haus-und Hotelbesuchen kann es öfters zu gewalttätigen Übergriffen seitens der Kunden kommen, da bei Hausbesuchen die Umgebung durch die tatsächliche Privatsphäre der Kunden bestimmt wird und die Männer, da sie sich unbeobachtet fühlen, sich eher zu unangemessenen Verhalten gegenüber den Frauen verleiten lassen. Auch sind diese Orte mit den möglichen Problemen der Kunden eng verbunden, so dass Frauen, die in diesem Bereich arbeiten über eine gute Menschenkenntnis und Wissen über deeskalierende Verhaltensweisen verfügen sollten.

Die anspruchsvollste Art der Prostitution ist der Escort-Service durch ein Callgirl. Neben der sexuellen Dienstleistung verkauft das Callgirl die Illusion von Intimität einer Partnerbeziehung und ein wichtiger Part ihrer Gefühlsarbeit ist es, bei wiederholtem Kundenkontakt diese Illusion lebendig zu halten. Die Preise für ein Callgirl liegen weitaus höher und ihre Kunden gehören zu den besser verdienenden Kreisen und beanspruchen innerhalb des Services einen längeren zeitlichen Aufwand, eine intime Atmosphäre, die Zärtlichkeiten und Küsse jenseits des reinen Geschlechtsaktes beinhaltet, gepflegte Konversation und Begleitung bei gesellschaftlichen Anlässen und Reisen. Das emotionale Rollenspiel nimmt in der Regel mehr Raum ein als die konkrete sexuelle Begegnung und wird von dem Soziologen Ronald Weitzer in seinem Definitionsrahmen von Sexarbeit als „emotional work“ bezeichnet. Eine vergleichende Studie zwischen Straßenprostituierten und Callgirls zeigt das die Sexualpraktiken zwischen Callgirl und Kunde ähnlich denen in einer privaten heterosexuellen Partnerschaft sind.

Die Daten der Untersuchung stammen von der „Los Angeles Women´s Health Risk Study“(1990-91) bei der 998 Straßenprostituierte und 83 Callgirls befragt wurden.

Zusätzlich: vergleichende Statistiken über heterosexuelle Sexualpraktiken bei Paaren zu der von Prostituierten und Kunden -Kleiber/Velten/1994

Eine Sonderform der Prostitution stellt die Sexualassistenz dar. Behinderte, die behinderungsbedingt keine andere Möglichkeit der sexuellen Befriedigung haben, nehmen die Dienste von männlichen oder weiblichen Sexualassistenten in Anspruch. Sexualassistenten sind auf die besonderen Bedürfnisse der Behindertensexualität spezialisierte Prostituierte. Inzwischen gibt es spezielle Ausbildungsgänge zu Sexualassistenten, z.b. bei der „Fachstelle für Behinderung und Sexualität“  Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen können die Kosten einer Sexualassistenz vom Sozialamt übernommen werden. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist in Deutschland jedoch gesetzlich ausgeschlossen.

Fabs, Fachstelle für Behinderung und Sexualität – gegen sexualisierte Gewalt Postfach 1362 CH – 4001 Basel

Das „Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter“ (ISBB, Nemitzer Str, 16, 29494 Trebel) bietet ebenfalls Workshops  zur Qualifikation zum Sexualbegleiter an.


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