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Jan
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„Hysteria“ und Vibratoren

Hysterisch : Adj. „auf Hysterie beruhend“, allgemein: „übertrieben leicht erregbar, übertrieben erregt“,  von „hysterikos“ (griechisch) – „die Gebärmutter betreffend, von ihr hervorkommend“, von „hystera“ (griech.) – „Gebärmutter“     („Etymologisches Wörterbuch des Deutschen“ 1989 : 724)
Hysterie : -(Mutterweh) eine Krankheit des weiblichen Geschlechts die in einer abnormen Erregbarkeit des Nervensystems besteht, welche sich teils durch krampfhafte, teils durch Lähmungserscheinungen ausspricht.

Hysterie : -zweite Hälfte des 19.Jh. bis heute  – abnorme Reaktionsweise mit übersteigerten Ausdruckserscheinungen, Neurose bei der neben psychischen Störungen auch körperliche Beschwerden ohne nachweisbare somatische Ursache bestehen.

Die jahrhundertelang als reine Frauenkrankheit geltende „Hysterie“ und deren Behandlungsgeschichte liefert einen Einblick wie sich die Behandlung von „Frauenleiden“ unter der Dominanz eines männlichen Ärztestandes entwickelt hat. In einem medizinisches Werk, 1653 von Dieter van Foreest publiziert, speziell in dem Kapitel über Frauenkrankheiten, werden folgende Behandlungen der „Hysterie“ beschrieben:

„Wenn die Symptome festgestellt werden, ist es notwendig eine Hebamme zum assistieren dabei zu haben, so daß sie die Genitalien massieren kann, wobei ein Finger von innen das Geschlechtsorgan massiert. Zu der Massage sollte Öl von Lilien, Krokus oder Ähnliches verwendet werden.. Auf diesem Wege kann die so geplagte Frau bis zum Paroxysm zur Entkrampfung erregt/angeregt werden. Diese Art der Stimulation mit den Fingern wurde schon von Galen und Avicenna empfohlen, im speziellen  für Witwen und religiösen Frauen mit keuschem Lebensstil. Es wird seltener empfohlen für sehr junge Frauen oder öffentliche und verheiratete Frauen die sich auf dem Wege des Geschlechtsverkehrs mit ihren männlichen Partnern eher Abhilfe verschaffen können.“

Durch die Beschreibung von „van Foreest“ wird deutlich, dass Hysterie als eine weitverbreitete, oft auch chronische Frauenkrankheit galt und das die Genitalmassage durch einen Arzt oder eine Hebamme als eine der üblichen Behandlungsmethoden galt. Ähnliche Beschreibungen lassen sich in medizinischen Werken vom 1.Jh. bis ins 19.Jh. finden. An dieser lang andauernden Kontinuität der schriftlichen Überlieferung dieser als Krankheit beschriebenen Symptome und ihren Behandlungsmethoden wird einiges deutlich: die androzentrische Definition von Sexualität als Grundvoraussetzung der Institution der Ehe und eine durch die herrschende Sexualmoral bedingte frauenspezifische Sexualnot, sowie die Reduktion weiblichen Sexualverhaltens und Bedürfnisse jenseits des Standards zu Krankheitsparadigmen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Androzentrismus

Die Symptome von Hysterie waren: Angstzustände, Schlaflosigkeit, allgemeine Nervosität, erotische Phantasien, Gefühle von „Schwere“ im Unterleib ,eine erhöhte Produktion von Vaginalsekreten und eine Verlagerung des Uterus durch Nervenreizungen und Muskelverkrampfungen. Der Uterus, voll mit nicht ausgetretenen Flüssigkeiten, früher mit „Samen“( „Semen“/lat.) bezeichnet, wurde sich vorgestellt, als ein Organ, das gegen den sexuellen Entzug revoltierte. Die Therapie, die übereinstimmte mit der humoralen Therapie von Galen, bestand darin, mit viel Geduld, das Organ wieder zurück in seine normale Position im Becken und das Übermaß an Flüssigkeiten zum Ausstoß zu bringen. Im 19.Jh. wurde, wenn die Patientin alleinstehend, eine Witwe, unglücklich verheiratet oder eine Nonne war, in der Kur kräftigendes Reiten auf dem Pferde, kreisförmige Bewegungen des Unterleibes, der Schaukelstuhl, die durchrüttelnde Fahrt mit der Kutsche oder dem Zug, oder die Massage der Vulva durch einen Arzt oder eine Hebamme, zur Anwendung gebracht. Alleinstehende Frauen im heiratsfähigen Alter mit Symptomen von Hysterie wurden angehalten zu heiraten. Die Ehe allerdings, „heilte“ nicht immer diese „Krankheit“, was an für sich nicht weiter als weibliche Bedürfnisse und Wünsche jenseits des normativen, dominanten Sexualparadigmas signalisierte. So entstand die Aufgabe, diese Symptome weiblicher Erregtheit einer medizinischen Behandlung zu unterziehen, welche den weiblichen Orgasmus, unter klinischen Bedingungen, als eine Krise einer Krankheit des „hysterical paroxysm“ zu definieren. Wenn das eheliche Sexualleben sich als unbefriedigend erwies und eine strenge moralische Erziehung soweit ging, dass Masturbation nicht möglich schien, war eine der akzeptierten Auswege die Symptome von Hysterie, von hysterischen Störungen und deren Behandlung. Obwohl es gewiss nicht der Fall war, dass bei allen Frauen, bei denen „Hysteria“ diagnostiziert wurde, die Gründe in der sexuellen Benachteiligung zu suchen sind. Bei vielen waren bestimmt andere mentale oder physische Gründe ausschlaggebend, deren Symptome sich aber mit denen der „Hysterie“ überlappten.

Hysterische Frauen repräsentierten einen großen und lukrativen Markt für die Ärzte. Im spätem 19.Jh. nahmen mehrere Fachleute an, dass diese den größten Markt für therapeutische Maßnahmen und ärztlichen Service darstellten und Hysterie war eine der meist diagnostizierten Krankheiten bei Frauen bevor die „American Psychiatric Association“ 1952  die hysterisch- neuroästhesischen Störungen aus der Auflistung der modernen Krankheitsparadigmas nahm. Nach 19.Jh. interpretierte Sigmund Freud die Hysterie neu. Nach dieser Definition, die bis in die heutige Zeit besteht, lagen die Ursachen von Hysterie nicht im sexuellem Entzug, sondern begründet in Kindheitserfahrungen, die sich dann in einer Neigung zur Masturbation und zur Frigidität im Geschlechtsverkehr zeigten. Wilhelm Reich hat demgegenüber noch 1927 argumentiert, dass neuroästhesische und hysterische Neurosen ihre Ursache in dem Fehlen  sexueller Befriedigung haben, aber die Argumentation und Theorie von Freud wurde zum dominanten und anerkannten Paradigma.

Wilhelm Reich (1897-1957) trat 1920 in die „Psychoanalytische Gesellschaft“ in Wien ein. Er schlug aber einen anderen Weg, als der damals noch verpönte und vielerorts angefeindete Sigmund Freud ein. Seelische Erkrankungen sind seiner Ansicht nach Folgen der Störung der natürlichen Liebesfähigkeit. Eine Heilung kann erfolgen, wenn die gesteuerte sexuelle Bioenergie in einer Hingabe an das Strömen der biologischen Energie möglich ist. Er entwickelte in seiner Theorie für diese Energie den Begriff des „Orgons“ und die des „Körperpanzers“ beim Menschen, als Folge einer restriktiven Sexualmoral- und Erziehung, den es zu durchbrechen gilt, damit die Energie wieder frei fließen kann. Die seelische Gesundheit hängt seiner Ansicht nach von der orgiastischen Potenz ab, das heißt, vom Ausmaß der Hingabe und Erlebnisfähigkeit beim Höhepunkt der sexuellen Erregung im natürlichen Geschlechtsakt. „Potenz“ bedeutet bei Reich die Fähigkeit, Körper und Seele als psychosomatische Einheit zu lieben. 1927 wird Wilhelm Reich Mitglied der Kommunistischen Partei und gründet 1929 die „Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung“ und eröffnet Beratungsstellen in Wien. Aufgrund seiner Überzeugung, dass Individuum und Gesellschaft nicht getrennt zu betrachten sind, propagiert er die Notwendigkeit einer herrschaftsfreien Gesellschaft und eine Befreiung des eigenen „Ich’s“- die Arbeit am Individuum. In der Abfolge seiner Veröffentlichungen „Die Funktionen des Orgasmus“(1927), „Massenpsychologie des Faschismus“ (1933) und „Die sexuelle Revolution“ (1936) radikalisiert sich dieser Ansatz immer mehr. Wilhelm Reich kritisierte die bürgerliche Sexualmoral, die zwangsläufig Doppelmoral und Unterdrückung der vitalen sexuellen Triebe mit sich bringt und daher zu Aggression und Frustration führten , welche verdrängt würden und sich oft in Lust an Herrschaft und Hierarchie ein Ventil schaffen müssten. Nach Reichs Auffassung brächte eine Befreiung der Sexualität eine friedliche Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen mit sich: Menschen, die in befriedigenden Zusammenhängen lebten, ließen sich nicht oder nur schwer in autoritäre Herrschaftsstrukturen einbinden. Da er die sexuelle Unterdrückung sowohl im Kapitalismus, wie im Faschismus und auch im Stalinismus verankert sieht, gerät er zwischen alle Stühle. Er wird aus der Psychoanalytischen Gesellschaft genauso ausgeschlossen wie aus der Kommunistischen Partei. Er verlässt Österreich und emigriert 1939 mit einem Professorenvisum nach Amerika, wo er einen Lehrauftrag an der New School for Social Research in New York erhalten hatte. In dieser Zeit führte Reich mikrobiologische Forschungen durch, die in der Entwicklung sogenannter „Orgonakkumulatoren“ mündeten. Mit diesen Maschinen konnte man seiner Meinung nach, die Orgon-Energie konzentrieren und den menschlichen Organismus aufladen und therapieren, da diese Energie bakterizid und hemmend auf das Wachstum von Krebszellen wirke. Es folgte seitens der US-Justiz ein gerichtliches Verbot der Verwendung dieser Akkumulatoren, sowie eine Verfügung alle bestehenden Geräte und diesbezügliche Literatur zu vernichten. Dies wurde von Reich nicht akzeptiert. 1956 wurde Wilhelm Reich zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen „Missachtung des Gerichts“ verurteilt, woraufhin er bald darauf in Haft an Herzversagen verstarb.. 1968 wird er von der Studentenbewegung, die auch den Leitgedanken der „sexuellen Revolution“ auf ihre Fahnen geschrieben hatte, wiederentdeckt.

Ein Autor, von dem sich Wilhelm Reich beeinflussen ließ, war Bronislaw Malinowski, ein englischer Kulturanthropologe. Er untersuchte zwischen 1915 und 1917 die Trobriander, ein Inselvolk in der Südsee, deren Kinder einen extrem sexualliberalen Umgang erfuhren. Das heißt, dass die kindlichen Sexualspiele geduldet und gefördert werden und die Jugendlichen gemeinsam in Mehrfachbeziehungen zusammenleben können, ohne dass ihre Eltern sich kontrollierend einmischen. 1929 fasste Malinoswki seine Forschungsergebnisse in dem Buch „Das Geschlechtsleben der Wilden“ zusammen.

Die androzentrische Definition von Sex unterscheidet drei Stufen. Die Präparation für die Penetration, das sogenannte Vorspiel, Penetration und männlichen Samenerguss. Sexuelle Aktivität, die nicht die beiden letzten Punkte mit einschließt, wird weder gesellschaftlich noch medizinisch als normale sexuelle Begegnung zweier Menschen gewertet.. Von der Frau wird gemeinhin erwartet, dass sie während des Beischlafes ihren Orgasmus bekommt. Ist dies nicht der Fall, beeinträchtigt dies nicht die Legitimation des normativen Geschlechtsaktes, obwohl es seit den Studien von Alfred Kinsey und Shere Hite als erwiesen gilt, dass bei sehr vielen Frauen, wahrscheinlich bei über 50% aller Frauen, die Reduktion des sexuellen Aktes auf die Penetration nicht ausreicht um einen Orgasmus zu bekommen.
Was konkret die Vaginalmassage betraf, ließen sich die Ärzte oft von einer Hebamme oder dem Ehemann assistieren, bzw. vertreten. Sie suchten und fanden  neue Methoden um die Behandlung zu entpersönlichen und zu mechanisieren, z.b. durch Wassermassagen in den Thermen, spezielle Unterleibsduschen, Schüttelstühle und schließlich den Vibrator, so dass sich die Behandlung bedeutend ökonomisieren ließ. Anstatt einer Zeit von bis zu einer Stunde, langten nun oft schon 10 Minuten um zu Ergebnissen zu gelangen. 15 Jahre nachdem ein britischer Arzt den ersten Vibrator, das sogenannte „Weissmodell“ entwickelt hatte (1880), gab es über ein Dutzend Betriebe die batteriebetriebene oder über Netzstecker funktionierende Vibratoren herstellten. Manche Ärzte hatten richtiggehende „operating theaters“.

Die Elektrifizierung des Haushaltes ging nach der Einführung des elektrischen Lichtes (1876 in den USA) sehr schnell voran und gerade auch Frauen waren diejenigen, die elektrische Hilfsmittel in Anspruch nahmen. Das erste elektrische Hausgerät auf dem Markt war die Nähmaschine (1889). In den nächsten 10 Jahren folgten dann der Ventilator, der Teekessel, der Toaster und der Vibrator. Auch im „John Harvey Kellog´s Good Health Katalog“ für therapeutische Hilfsmittel wurde 1909 den Ärzten ein Vibrationsstuhl, eine Vibrationsstange, Geräte zur mechanischen Massage und auch ein elektromechanischer Vibrator angeboten.

Die Fixation auf ein rein männliches Modell der Sexualität, welches davon ausging das allein die Penetration dem Mann und der Frau sexuelle Befriedigung verschafft, bzw. als einzige Handlung überhaupt sexuellen normativen Charakter hat, machte es einfach, den oft sexuellen Charakter der medizinischen Massagen zu verschleiern. Auch die Ärzte im 19.Jh. sahen nichts unmoralisches oder unethisches an der Massage der Vulva und Klitoris mit Wasserstrahlen oder mechanischen und elektrischen Geräten. So waren das Speculum und der Tampon in ärztlichen Kreisen weitaus umstrittener als der Vibrator. Erst als der Vibrator, der seit 1880 als medizinisches Massagegerät in den Arztpraxen zur Anwendung kam, später in pornographischen Filmen auftauchte, war die Illusion eines klinischen Prozesses, fern von Sexualität und Orgasmus, nicht mehr aufrecht zu erhalten. Der Vibrator verschwand Ende der 20er Jahre aus den Arztpraxen und aus der seriösen Haushaltspresse.. Als er in den 60er Jahren wieder auftauchte, war er nicht länger ein medizinisches Gerät und ab den 70ern wurde er offen als sexuelles Hilfsmittel oder Spielzeug in der Werbung angeboten und verkauft.

Maines Rachel P., 1999, „The technology of orgasm“, John Hopkins University Press, Baltimore&London

Die Comstock-Laws –  Zensur als Kategorie in der Gesetzgebung

Jene Sexualmoral wurde umso mehr allgemeingültig in die Gesellschaft verankert als der bürgerliche Lebensentwurf auch für die arbeitende Klasse erstrebenswert erschien. Im Zusammenhang  mit der Modernisierung der Druckindustrie, die Literatur zu einem Massenprodukt werden ließ und der allgemeinen Anhebung des Bildungsstandards, wurde auch die Zensur verschärft. 1802 wurde in England die „Society for the Supression of Vice“ gegründet, die einen regelrechten Kreuzzug gegen obszöne Bücher, Zeichnungen und Theaterstücke initiierte und die Eingabe dementsprechender Gesetze gegen die Obszönität unterstützte.  1810 verbot in Frankreich der „Code Penal“ jegliches Material „gegen die guten Sitten“. Dieser napoleonische Codex wurde zeitversetzt im gesamten französischen Einflussgebiet dieser Zeit durchgesetzt, so 1838 in Sachsen, in 1840 in Brandenburg, 1841 in Baden und Hessen, und 1851 in Preußen. In anderen europäischen Ländern folgten dementsprechende Gesetzesinitiativen und Verbote: 1852 in Österreich, in Belgien 1867 und 1889 in Italien. 1892 wurde im deutschen Reichstag ein allgemeines Gesetz gegen jegliche Verletzung des Schamgefühls beschlossen.

In Nordamerika nahm Anthony Comstock (1844-1915) als 20-jähriger Soldat am Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten teil und versuchte in der Armee sein extremes christlich-puritanisches Gedankengut zu verbreiten. Später ging er nach New York, wo er erstmals 1868 offiziell gegen Obszönität und Lasterhaftigkeit eintrat, was dann auch seine Lebensaufgabe werden sollte. Zur gleichen Zeit begann der christliche Verein junger Männer (YMCA) in New York eine Kampagne für ein „sauberes, reines Leben“ in der Stadt. Sie unterstützten u.a. ein Gesetz, dass es ermöglichte sogenannte obszöne Literatur zu kriminalisieren. Ab 1872 wurde Comstock direkt vom YMCA unterstützt, das ein Komitee zur Bekämpfung des Lasters, die „New York Society for the Suppression of Vice“, gründete. Sein politischer Einfluss wuchs sehr rasch und schon 1873 wurde seine extrem sexualfeindliche Doktrin mit den sogenannten „Comstock-Laws“ zum allgemeingültigen Gesetz erklärt, was ihn die Position des ersten nationalen Zensors in den USA einbrachte. Er ging in den folgenden Jahren nicht nur gegen die vermeintliche Obszönität vor, sondern auch gegen illegales Spiel und Prostitution. Er beschlagnahmte tonnenweise Bücher, Zeitschriften, Photographien und anderes Material und ließ viele Spielhallen und andere Läden schließen.

Seine besondere Vorliebe galt aber den „sündhaften“ Publikationen, die mit der Empfängnisverhütung, der weiblichen Nacktheit und, weit auslegbar, der Obszönität, zu tun hatten. John Harvey Kellog war ein überzeugter Befürworter der comstockschen Maßnahmen, die sogar soweit gingen, dass 1905 das Theaterstück „Mrs. Warrens Profession“ von Bernard Shaw, verboten wurde. Comstock rechnete die Empfängnisverhütung und die sexuelle Aufklärung der Pornographie zu und ging so in massiver Weise auch gegen die Frauenrechtsbewegung vor. Seine Gegenspielerin um die Rechte der Frau auf Empfängnisverhütung und ihren eigenen Körper, wurde Margaret Sanger (1883-1966), eine ehemalige Krankenschwester. Sie war eine der Leitfiguren der damaligen Frauenrechtsbewegung in den USA und gab während des Ersten Weltkrieges die Zeitschrift „The Woman Rebel“ heraus.

In dem Punkt der Empfängnisverhütung musste Comstock eine Niederlage einstecken, aber weniger durch den Protest der Frauen, gegen den massiv polizeilich und justiziell vorgegangen wurde, sondern durch die Einführung von Kondomen, die in Automaten im Straßenverkauf angeboten wurden. Dies wurde möglich weil sie nicht als Empfängnisverhütungsmittel sondern als hygienisches Hilfsmittel zur Vermeidung von Geschlechtskrankheiten angeboten wurden. Die Sittenpolizei konnte nicht gegen den Verkauf von hygienischen Artikeln die dem Gesundheitsschutz dienten vorgehen. Die Comstock-Gesetze von 1873 hatten die gleiche Auswirkungen wie das Alkoholverbot von 1919, welches zur Prohibition führte. Es entwickelte sich ein enormer Schwarzmarkt für Erotika und Pornographie, der von Syndikaten kontrolliert wurde. Eine Gesellschaft in der Gesellschaft mit ungeschriebenen Gesetzen und Bestechungsgeldern anstelle von Steuerabgaben auf der Liste der Unkosten.
Faulstich Werner, 1994,, „Die Kultur der Pornographie“, Wissenschaftler Verlag, Bardowick

Money John , 1985, „Destroying Angels“, Prometheus Books, Buffalo, New York


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