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Jan
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Einflüsse us-amerikanischer Subkulturen über die Kultur- und Medienindustrie

Bereits in den 40er Jahren hatte sich in den USA eine Protestkultur entwickelt, die einen unkonventionellen mobilen Lebensstil, frei von der bürgerlicher Moral, zu ihrem Ideal erhob. Diese Bewegung identifizierte sich zunächst über die Beat-Literatur von Autoren wie Jack Kerouac, Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Gregory Corso. Vielgehörte Musik war Anfang der 50er Jahre, der schwarze Bebop-Jazz, als die Protestbewegung sich weiter ausbreitete, wurde Rhythm & Blues, die Musik der afroamerikanischen Unterschicht, populär. Bald wurden die Musikrichtungen der 1950er und frühen 1960er Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl der Jugend-Protestkultur von den Medien mit dem Begriff  Rock ’n‘ Roll klassifiziert und über die Kulturindustrie vermarktet und weitertransportiert

Zu dieser Zeit sind die USA Leitbild in der Filmproduktion und beherrschen den westdeutschen Filmmarkt. Schauspieler wie Marlon Brando(„Die Wilden“/1954) und James Dean („Jenseits von Eden“ (1955), „Denn sie wissen nicht was sie tun“ (1955) und „Giganten“ (1956)), die den Typus des harten Draufgängers mit rebellischen Attitüden darstellten, werden zu Idolen der Jugendlichen. Mit Bill Haley wird der Rock ’n‘ Roll populär und ein afroamerikanisches Rhythmus- und Körpergefühl  erhält wieder Einzug in die deutsche Kultur. Mit ihm wurde Rockn`Roll als Tanz populär. Ein Stil der ursprünglich aus dem Lindy Hop und dem Jitterbug, beides Tänze mit akrobatischen Einlagen, hervorgegangen war. 1954 wird der Song „Rock around the clock“ veröffentlicht, der 1955 die Titelmusik für den Film „Die Saat der Gewalt“ stellt. 1956 kommt dann der gleichnamige Film auf den Markt. Viele Jugendliche begreifen diese Musik als eine betonte Abgrenzung gegenüber der Elterngeneration.1957 kommt es während seiner Deutschlandtournee zu Krawallen in Essen und Berlin an denen sich vor allem Lehrlinge und junge Arbeiter beteiligen, die mit dazu beitragen das Bild des neuen Jugendtyps des „Halbstarken“, bzw. „Rockers“ zu prägen.

Durch die expandierende Musikindustrie, die bereits in den 50ern mit dem Rock´n Roll die Jugendlichen als Konsumenten und Zielgruppe erkannt hatten, gelangten dann in den 60ern Gruppen wie die Beatles und die Rolling Stones zu einer nie zuvor da gewesenen Popularität. Allein von den Beatles wurden bis heute weltweit über 500 Millionen LPs und Singles verkauft. Die technischen Innovationen der Vinyl – und Stereo-Langspielplatte und die Entwicklung des Kassettenrecorders und der Musikkassette, die zuerst 1964 von Philips auf den Markt gebracht wurden und es möglich machten Schallplatten zu überspielen und Musik aus dem Radio oder Fernsehen aufzunehmen, trugen mit zu der schnellen Verbreitung der neuen Musik bei. Der Beat, die englische Rockmusik vermittelte den Jugendlichen ein neues Lebensgefühl das mit dem Bruch von Konventionen gegen die starre Ordnung der Adenauerära einherging und war oft Anlass für den alltäglichen familiären Zweikampf um die Musik, Jeans, Rocklänge und Haarfrisur.

In den USA entwickelte sich gleichzeitig zur afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, mit der zunehmenden Kritik an den kosumorientierten Lebensstil, eine Gegenkultur, die an Ansätzen der Lebensreform des ausgehenden 19. Jahrhunderts angelehnt war und entsprechende Ansätze der Beat Generation weiterführte. Ein eigener Dress-Code, lange Haare, Drogenexperimente, spirituelle Sinnsuche in außereuropäischen Kontexten, ökologisches Bewusstsein, Kommunegründungen, sexuelle Libertinage und experimentelles Theater charakterisierten die Bewegung, die sich in allen westlichen Industriestaaten entwickelte. Der Slogan „Love, peace and happiness“ veränderte sich durch die zunehmende Politisierung im Gefolge des Vietnamkriegs zu „make love, not war“. Der Vietnamkrieg verhärtete die Fronten zwischen den Supermächten und aktivierte in politischer und ideologischer Hinsicht die Jugend. 1966 kam es in den USA und Europa erstmals zu größeren Antikriegsdemonstrationen, die ein Ende der militärischen Besetzung Vietnams fordern. 1968 wird in der Tschechoslovakei die Hoffnung auf einen freiheitlichen Sozialismus mit dem Experiment des „Prager Frühlings“, durch den Einmarsch sowjetischer Truppen zunichte gemacht und in den USA und Westeuropa kam es wegen der zunehmenden Repression gegen die außerparlamentarische Opposition zu schweren Unruhen. Die Radikalisierung der APO wurde in der BRD von der großen Koalition von CDU und SPD mit einer Notstandgesetzgebung und einem massiven Ausbau und Aufrüstung des Polizeiapparates beantwortet.

Die „human-be-ins“ 1967 in San Francisco waren die Vorläufer der Festivals unter freiem Himmel, die dann 1969 mit dem Woodstock-Festival ihren Durchbruch hatten. Die über 200 000 Besucher dieses Festivals feierten nicht nur einen gelungenen Event, bzw. zelebrierten einen Markenstein der Gegenkultur, sondern waren für die Unterhaltungsindustrie auch ein Indikator für einen neuen kommerziellen Massenmarkt. Nicht nur die Musik, auch die subkulturellen Kontexte von Mode und Sexualität wurden vom „freien Markt“ integriert. Die Jugend avancierte in den sechziger Jahren zum Leitbild der Mode. Im Jahre 1967 erwarben die 15- bis 19jährigen 60 % aller Modeartikel. Durch die Einrichtung von Beatshops, Twen-Boutiquen und Fashion-corners in den großen Kaufhäusern wurde der „neuen, jugendlichen Mode“ Rechnung getragen und die Bekleidungsbranche boomte mit diesem Trend bis in die 70er.


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