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Unternehmen in Großbritannien

Großbritannien hat die strengsten Gesetze zur Regulierung der Sexindustrie die auf dem „Obscene Publications Act“ von 1959 beruhen, welches sich an eine diesbezügliche Gesetzgebung aus dem Jahr 1857 anlehnt. Im Rotlichtmilieu des Londoner Stadtteils Soho entwickelte sich bereits in den 1930ern ein Geschäft mit pornographischen Publikationen, welches dann mit der Liberalisierung der Pornographie in Skandinavien durch den illegalen Import aus diesen Ländern und eigene Magazin- und Filmproduktion boomte. Viele der führenden Pornographen dieses Milieus wurden dann 1977 mit zeitgleichen Anti-Korruptionskampagnen innerhalb der Londoner Polizei verhaftet und aus dem Geschäft gedrängt. Der neu entstehende, vor allem durch die Videotechnologie profitable Massenmarkt, wurde nicht mehr durch das Epizentrum Soho bestimmt und entwickelte sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. David Sullivan war einer der Pornographen, der die Sohoer ersetzte und von dieser Entwicklung profitierte. Der Verkauf von Hardcore-Videos blieb weiterhin illegal, was zur Herausbildung einer dementsprechenden Ökonomie führte. Pornofilme, die in anderen europäischen Ländern und den USA legal erhältlich waren wurden, unter Missachtung der Lizenzrechte kopiert und in Kneipen und illegalen Sexshops verkauft. Erst im Jahr 2000 kam es zu einer Liberalisierung, die zwar nicht die bestehenden Gesetze berührt, aber mehr der öffentlichen Meinung in England entspricht. In diesem Jahr genehmigte erstmals die staatliche Zensurstelle, das „British Board of Film Classification“ den Verkauf von 250 Hardcoretiteln in lizenzierten Sexshops ohne das prekäre Filmszenen herausgeschnitten werden mussten. In Konsequenz bemühten sich sieben der führenden britischen Unternehmen erstmals um den Ankauf von Lizenzrechten europäischer und us-amerikanischer Filme.

http://en.wikipedia.org/wiki/Censorship_in_the_United_Kingdom

Die „David Sullivan Group“ ist eines der größten Unternehmen der britischen Sexindustrie mit einer Kette von Sexshops und einer Kartei von mehreren Millionen Postversandkunden, insgesamt 25 Sex- Magazinen wie „Whitehouse“, „Parade“ und „Playbirds“, Telefonsexdienstleistern sowie der täglich erscheinenden Illustrierten „The Sunday Sport“, die 1986 zusammen mit den Gold-Brüdern gegründet wurde. Mit David Gold zusammen ist er unter anderem auch Teilbesitzer des Fußballclubs Birmingham City F.C. 1990 wurde eine Übernahme der „Bristol Evening Post“ durch Sullivan durch einen Einspruch der „Monopolies and Merger Commission“ verhindert. Von den 120 lizenzierten Sexshops in England gehören 48  der „Sheptonhurst Ltd“, u.a. auch ein großer Distributor von Pornovideos und DVD`s, die von Frank (Clive)Sullivan, dem Bruder von David Sullivan geleitet wird. Zwei Stammunternehmungen der Sullivan Group sind die Unternehmen „Roldvale Ltd.“ und „Conegate Ltd.“,  Lizenzhalter und Distributoren von pornographischen Filmen und Magazinen und Bedarfsartikeln für das Sexshop-Segment des Holdings. 1987 gewann „Conegate“ einen Prozess gegen die britischen Behörden, die den Import von sogenannten „Sexdolls“ aus Deutschland verboten hatten, vor dem europäischen Gerichtshof. Dies führte zu einer Lockerung der strengen Importbestimmungen, die noch auf einem Gesetz von 1876 beruhte und leitete einen liberaleren Umgang mit der Sexindustrie und der Homosexuellenszene ein, gegen die zu dieser Zeit eine Vielzahl von Prozessen liefen. Der Postversand von pornographischen Material blieb in England aber weiterhin illegal. In der Praxis konnte ein englischer Distributor kein dementsprechendes klassifiziertes Material auf dem Postweg verkaufen, einem Unternehmen, das beispielsweise in Amsterdam angemeldet war, ist dies hingegen möglich. David Sullivan war auch als Filmproduzent aktiv und realisierte u.a. zum Ende der englischen Sexploitation-Welle  “Come Play with Me” (1977, R.: Harrison Marks) und „The Playbirds“ (1978) mit Mary Millington in der Hauptrolle.

„Netcollex“ ist der Internetarm der Sullivan Group und gilt seit 1997 als der führende britische Provider von pornographischen Content und Service. Zu ihren Internetunternehmungen gehörten die Onlineausgaben von „sundaysport“, „dailysport“ und die Megaseite „free4internet.com“ (Okt. 2007 vom Netz) . Seit 1999 bietet „Netcollex“ einen eigenen Kreditkartenprozessor und e-commerce-Dienstleister an. Robert Johnson ist der Generaldirektor des Unternehmens. Seit 2003, nach einem Geschäftskontrakt mit „Bango.net“, einem Mobile Payment Provider und Analyse-Anbieter, wird der Content auch über die Mobile-Technologie vermarktet. Netcollex hat sich bereits seit 2003 auf den wachsenden Mobile-Markt fokussiert und bot Mitte 2006 auf ihrer Webseite nur noch pornographischen Content für diesen Markt an.

Netcollex Ltd. firmiert  inzwischen als Tochterunternehmen von „Interactive World“, einem Anbieter von Pornographie für den Mobile-Sektor. Das Unternehmen hatte 11 Festangestellte (2006). Im Rahmen einer Finanztransaktion wurde 2007 „Sport Newspaper“(1986 gegründet) mit den Zeitungen Daily und Sunday Sport von Interactive World für ca. 50 Millionen Pfund übernommen. David Sullivan, der zusammen mit den Gold-Brüdern Eigentümer dieser beiden Zeitungen ist, hielt zu diesem Zeitpunkt einen 49,5 Besitzanteil an Interactive World, welche daraufhin ihren Namen in „Sport Media Group“ änderte. Ein Großteil der Werbung der Illustrierten von SMG  bezieht sich auf kostenpflichtige Telefonsexanzeigen und dementsprechende Mobile-Angebote. Die Sport Media Group gilt in Großbritannien als Marktführer für pornographische Video-on-demand.

„Netcollex“ tritt als Co-Sponsor der europäischen Messen der Onlinepornographie „AOE“ und „World Telemedia“ auf. Die „World Telemedia“, die 2003 das erste Mal organisiert wurde und im April 2006 in Berlin stattfand, wird überwiegend von britische Unternehmen organisiert. Der Hauptsponsor „Opera Telecom“ (2000 gegründet) ist ein globaler Provider von Mobile-Content und Services, u.a. SMS, MMS, Video Streaming und e-commerce. Einer der Besitzer des Unternehmens war bis 2005 David Sullivan. Weitere Sponsoren sind CCBill Europe, Colt, Mobile 365 und Redstone Telecom

David Sullivan gilt neben den Gold-Brüdern und Paul Raymond, der  im Vaudeville und Nightclubgewerbe ab den 50er Jahren groß geworden war, sowie Richard Desmond als einer der Porn-Mogule Großbritanniens. Sein Vermögen wird auf 550 Millionen Pfund geschätzt, das von Paul Raymond auf 600 Millionen. Ein nicht unwesentlicher Teil des Kapital von P. Raymond (1925-2008) ist in den Aufkauf von Immobilien, vor allem in dem Stadtteil Soho investiert worden. Die „Paul Raymond Publications“ publiziert eine Anzahl der populärsten britischen Softcore-Magazine wie Escort, Just Girls, Mayfair, Men Only, Men’s World und Razzle. Zu den Internetunternehmungen gehört die Webseite „sexclub.co.uk“. Das Immobiliengeschäft, bzw. das Unternehmen “Soho Estates” wird nach dem Tod Paul Raymonds u.a. von seinem Neffen Mark Quinn und seinem Schwiegersohn John James weitergeführt. Über Raymond und Desmond wurden bereits TV-Filme produziert. 2002 sendete BBC2 die Dokumentation „Porn star“ und 2005 sendete Channel 4 „Paul Raymond: The King of Soho“.

David Gold und sein Bruder Ralph, Besitzer der „Gold Group International“, sind ebenfalls im Sexshopgeschäft aktiv. Die Gold Group ist die Muttergesellschaft von Ann Summers mit dem Label  „passion and fashion“ und der Lingerie-Kette „Knickerbox“, außerdem sind sie die Eigentümer von „Gold Star Publishers“, ein Verlagshaus für pornographische Magazine und der Fluggesellschaft „Gold Air International“. „Ann Summers“ ist eine der größten britischen Sexshopketten mit 117 Shops in England im Jahr 2004, bei einem Gesamtumsatz von £110 Millionen.. Es sind unlizenzierte Sexshops, was bedeutet das nur ein geringer Teil des Verkaufsangebotes aus pornographischen Artikeln bestehen darf. Das Unternehmen wurde 1979 von ihren Besitzern David und Ralph Gold gegründet. Populär wurde die Kette 1981 mit dem „Home-Marketing“-Konzept von Jacqueline Gold, der Tochter einer der Eigentümer, die inzwischen das Unternehmen leitet. Es wurden nach dem Prinzip von Tupperware-Parties eine Mischung aus Verkaufsveranstaltung, Produktvorführung und Party organisiert zu der nur Frauen zugelassen wurden. Diese Parties wurden sehr beliebt und entwickelten sich zum Bestandteil der britischen Populärkultur und stellten gleichzeitig eine Möglichkeit dar, die britische Gesetzgebung, die den Verkaufsrahmen für Sextoys und ähnliche Konsumgüter einschränkte, zu umgehen. 1999 eröffnete die Kette ihre eigene Webpräsenz und ein Jahr später wurde „Knickerbox“ ein Markenname und Shopkette für qualitative Damenunterwäsche akquiriert.  Die Unterwäscheproduktion von Ann Summers in Portsmouth wurde 2005 geschlossen, weitere Geschäftszweige der Muttergesellschaft Gold Group International, wie die Fluggesellschaft Gold Air wurden inzwischen verkauft.

Richard Desmond ist im Besitz mehrerer Adult-Kabelkanäle, wie der  „Fantasy Channel“, „Red Hot“, „Only 18“ und „Television X“ hinter denen die Firmen „Portland Enterprises“, „RHF Productions“ und „TVX Europe“ stehen, die unter der „Northern & Shell“ firmieren. Alleine Television X  soll  400.000 Mitglieder haben, die monatlich ca. 10 Pfund an Beiträgen zahlen. Großbritannien hat sich in den letzten Jahren zum Zentrum der satellit- oder kabelgestützten pornographischen TV-Sender-Branche entwickelt. Pornographie war 2004 das schnell wachsendste Segment im Bereich des Fernsehens. Die Anzahl der X-rated Channels stieg von 17 auf 27, während in Deutschland zu dieser Zeit, im Vergleich, nur 5 pornographische TV-Kanäle existierten. Der britische TV-Pornmarkt wird dominiert von Playboy, die 6 Kanäle besitzen und Richard Desmond, der 12 Channels betreibt, sowie Rupert Murdoch, der über sein „British Sky Network“ über mehrere Adult-Channels, wie die „18+ Movies Section“ verfügt, Geschäftskontrakte mit anderen im Business inolvierten Firmen wie „Sport XXX Babes“ und  „XXX Housewives“ abgeschlossen hat und ein Joint Venture mit Playboy betreibt.

Richard Desmond ist Besitzer eines Medienholdings zu dem u.a. die Firmen „Fantasy Publications“ und „Northern & Shell“ gehören, die u.a. eine Vielzahl von pornographischen Magazine wie „Big Ones“, „Asian Babes“ und „Over Forty“ publizierten. 2000 übernahm die „Northern & Shell“ mit Hilfe der „Scottish Bank“ und der deutschen „Commerzbank“ für 125 Millionen Pfund zwei britische Tageszeitungen. 2004 wurden insgesamt 45 pornographische Magazine an die „Remnant Media“ für 20 Millionen Pfund verkauft. Die Übernahme wurde wiederum durch die „Scottish Bank“ ermöglicht, die aufgrunddessen in das Kreuzfeuer der Öffentlichkeit geriet. Organisationen wie die „Women’s Council of Ireland“ und die katholische Kirche initierten Kampagnen mit dem Ziel den Transfer rückgängig zu machen und zwangen die Bank zu einer öffentlichen Entschuldigung für ihr Engagement. Die Umsatzzahlen der Publishing-Gruppe von Desmond waren bereits 2003 rückläufig und der Verkauf sollte die Holding-Interessen auf die Tageszeitungen – die „Daily- und Sunday Express“, die „Daily Star“ und die regulären Illustrierten wie „Hello!“, „New!“, „Star“, sowie die Expansion auf den US-Markt mit der Illustrierten „OK!“ fokussieren. Außerdem sollte der Verkauf günstigere Ausgangsbedingungen für eine Übernahme der Tageszeitung „Daily Telegraph“ schaffen, deren Druckerei Westferry bereits zur Hälfte Desmond gehört. Der „Daily Telegraph“ ging dann allerdings zusammen mit dem „Sunday Telegraph“ und dem Spectator Magazine für £665 Millionen an die „Barclay Brothers“

http://boards.fool.co.uk/Message.asp?mid=11170664&sort=postdate
http://www.davidgold.co.uk/business/times-online.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Raymond_(publisher)
http://www.realbusiness.co.uk/search_tags/4773386/feature-what-on-earth-is-david-sullivan-upto-now.thtml
http://enjoyment.independent.co.uk/film/features/article342041.ece


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