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Der Pornofilm-Markt

Durch eine Gesetzesnovelle konnten sich von Mitte der 70er bis zu ihren durch den Videoboom bedingten Niedergang in den 80er Jahren das spezielle Segment des Bahnhofkinos mit öffentlichen Pornofilmvorführungen etablieren. Der Besucher eines Porno-Kinos zahlte an der Kasse einen Eintrittspreis, dessen überwiegender Teil sich rein rechnerisch auf ein bis zwei Getränke bezog, z.b. 6 zu 10 oder 7 zu 12 Mark. Somit entsprachen die Betreiber der Vorgaben des damaligen Gesetzestextes, der besagte das: „Pornographie nicht in einer öffentlichen Filmvorführung gegen ein Entgelt gezeigt werden darf, das ganz oder überwiegend für diese Vorführung verlangt wird.“ Gleich einen Tag nach dem Inkrafttreten des dementsprechenden Paragraphen, am 29.1.1975, startete die Bauer KG aus Dortmund mit 12 PAM-Kinos. Die Bauer KG hatte 1977 40 Kinos in der ganzen Bundesrepublik unter Vertrag, die sie mit us-amerikanischen Pornofilmen belieferte. Der deutsche Sexfilmproduzent Alois Brummer eröffnete bald darauf mit der AB-Film eine Reihe sogenannter Tam-Tam-Kinos und zeigte ebenfalls überwiegend aus den USA importierte Pornofilme. Später zogen der Müller-Film-Verleih aus Frankfurt mit seinen MAM-Filmen und Beate Uhse mit selbstproduzierten Filmen nach.  Von insgesamt 3096 Kinos in der BRD zu dieser Zeit (1977) waren 120 reine Pornokinos. Der Müller-Film-Verleih hatte ca. 65 Kinos unter Vertrag – was eine zu kleine Basis für deutsche Produktionen darstellte, weswegen überwiegend auf amerikanische Filme zurückgegriffen wurde. Die Bauer KG verfügte über einen Grundstock von ca. 90 Filmen. Alois Brummer bot 82 ausländische und 11 selbst produzierte Filme an. Die Beate Uhse KG war zu diesem Zeitpunkt mit 6 eigenen Filmen im Geschäft. Die Kosten für einen in Deutschland produzierten 90 minütigen Pornofilm lagen zwischen 100 000 – 500 000 DM, wobei die Kosten für Material und Kopierwerk die höchsten Festkosten stellten. In dieser Anfangsphase des Pornofilms wurden ausschließlich Laien eingesetzt, wobei nicht selten auf Prostituierte zurückgegriffen wurde. Der Regelsatz für eine weibliche Darstellerin lag bei ca. 500DM pro Tag.

„Ich kenne aus der ganzen Zahl, sagen wir mal 100 gutaussehenden Frauen in Pornofilmen nur einige wenige, die könnte ich an einer Hand abzählen, die nicht, wie man so sagt, anschaffen gehen. Einmal bekommt so ein Mädchen fünf oder sechs Drehtage im Monat und dann nimmt sie plötzlich 3 Monate keiner. Ja, sie muss ihre Miete zahlen, da sie aber keinen Beruf hat, muss sie halt dasselbe, was sie vor der Kamera macht, für Geld auch mal so machen.“

Pornofilmregisseur Alan Vydra

Meder, Friedhelm,  S.129-143, ca. 1978, „Körper als Ware – Ein Bericht über Produzenten, Regisseure und Darsteller von Pornofilmen“ – In: Medienspiegel Nr. 7 „Kino – Film – Politik“ , NDR, Hamburg

Seit 1976 ist in Deutschland die „Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten m.b.H. (Güfa)“ mit der Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte, speziell auch der von Pornofilmen, beauftragt. Ende der 80er Jahre waren dort 75 Filmproduzenten mit ca. 4500 Titeln angeschlossen. 1988 beliefen sich die Erlöse aus den Verwertungsrechten auf ca. 10 Millionen DM. Zu den großen Anbietern pornographischer Videos gehörten 1988 Beate Uhse mit 281 lieferbaren Kassetten, VTO (Teresa Orlowski und Heinz Moser) mit 160 lieferbaren Titeln, Ribu (Werner Ritterbusch) und Mike Hunter (Gerd Wassmund). Es folgten ca. zwanzig Anbieter mittlerer Größe wie Tabu, VFL, Essex, DVC und  Hohmann, die jeder über 100 Titel im Angebot hatten, weiterhin existierten rund 30 Kleinanbieter mit 10-20 Titeln im Programm.

Im Januar 2006 listete die Guefa auf ihrer Webseite 210 deutsche Produzenten von pornographischen Filmen und 37 aus anderen europäischen Ländern auf, wobei nicht ersichtlich ist, welche Kriterien zur Aufnahme in der Liste angewendet wurden, so dass der Eindruck entsteht, das Einzelproduktionen und Produzenten aus den semi-professionellen Bereich neben Firmen mit wirklicher Produktionskapazität stehen. Als Filmproduzenten werden u.a. genannt: die Beate Uhse Einzelhandels GmbH, der Orion Versand, Hustler Germany in Greifenberg  und die Inter Publish GmbH des Bauer Verlages in Hamburg

In Deutschland gibt es hunderte von kleinen Firmen die in der Produktion involviert sind und bei denen die Namen oft wechseln. Es besteht keine Markttransparenz wie in den USA, wo die Traderorganisation „Adult Video News(AVN)“ seit 1986 regelmäßig Zahlen zu Produktion und Umsatz veröffentlicht. Die größten deutschen  Produktionsfirmen sollen „Videorama“ und „Magmafilm“ in Essen sein, an dritter Stelle steht die Firma VTO von Teresa Orlowski aus Hannover, gefolgt von der „DBM-Videoproduktion“ des Produzenten Dino Baumberger aus Wesel. DBM ist weitergehend auch in den Sparten Webdesign und Telefonsex vertreten. Außer der VTO lieferten alle ihre Filme über den Grossisten „ZBF“ an die Videotheken aus. Die „Videorama GmbH“ gehört wie die „Puaka Video Produktion“ zur 1972 gegründeten „Silwa Filmvertrieb AG“, die ihren Sitz, genauso wie die Firmen Magma und Tabu, in Essen hat. Die Geschäftsfelder der Silwa liegen in der Herstellung und Vertrieb von Bild- und Tonträgern sowie Druckerzeugnissen im Bereich Sex und Erotik,  der Vermarktung dementsprechender Medienrechte und die Massenkopierungen von DVD, CD und VHS, sowie deren Lagerhaltung und Distribution. Die Produktionsfirma „Magma“ hat enge Geschäftsbeziehungen zu weiteren Produktionen im Essener Raum, wobei deren Grad für Außenstehende nicht ersichtlich ist. Dies betrifft z.b. den 1973 gegründeten Pornofilmproduzenten  „Tabu“. 1997 übernahm die Schweizer Filmrechtehandelsgesellschaft Mascotte Film AG die Firma, die mit ihrem aktuellen Namen „Tabu&Love Film GmbH“ ihren Sitz in Essen hat. Tabu nutzt mit der MTC(MAGMA) und der EVP gemeinsame Lagerkapazitäten und Möglichkeiten der Distribution und verfügen über das gleiche Staraufgebot. Tabu&Love bringen monatlich 8 Neuerscheinungen auf den Markt. In den Illustrierten „Praline“ und „Blitz-Illu“ des Bauerverlages findet sich eine kontinuierliche Berichterstattung über Magma-Filme und deren Stars (Bsp.: Praline Nr.9/12/13/24/28/31 – Februar bis Juli 2005)

Deutschland ist europaweit führend in der Herstellung von pornographischer Massenware und stellte bereits 2001 mit ca. 1,5 Milliarden Euro Umsatz hinter den USA den zweitstärksten Konsumenten von Erotikartikeln, wobei allerdings ca. 80% der in Deutschland konsumierten Filme aus den USA stammen. Aufgrund der günstigeren Produktionsbedingungen wurden pornographische Filme seit ca. Mitte der 80er Jahre verstärkt in den USA produziert, bzw. amerikanische Produkte wurden angekauft und synchronisiert. Die Produktionskosten sollen im Vergleich zu Deutschland wesentlich geringer  sein. Laut Peter M. Bonitz, einen deutschen Pornographen, kostete ein Film, der in den USA produziert und für den deutschsprachigen Raum bearbeitet wurde, inklusive Werbung und Kopien, ca. 130 000 Mark – bei einer Zeitspanne von Inauftragnahme bis zum vorführbaren Produkt von 6 Wochen. Jährlich wurden in der BRD noch höchstens 50 abendfüllende Pornofilme produziert, in den USA hingegen mehr als 5000. Hier könnte die Ursache liegen, warum sich in Deutschland keine innovative Pornofilmszene entwickeln konnte. Laut Jakob Pastötter scheint die reine Filmproduktion nur den geringeren Teil des Gesamtbudgets zu beanspruchen. Die Kosten pro Drehtag bei einer qualitativen Produktion sollen zwischen 7500-10 000 Euro liegen. Die Drehdauer ist kurz gehalten und liegt zwischen einem und drei Tagen. Es gibt auch eine Reihe von Billiganbietern, die mit geringster Besetzung und einigen ausländischen Frauen bei höchstens zwei Drehtagen mit einem Budget von 2500 Euro Filme von geringer Qualität produzieren.

1987 belief sich in der Bundesrepublik Deutschland der Gesamtumsatz aller pornographischen Filme auf ca. 25 Millionen Euro. 1988 gab es 80 Produktionsfirmen mit einem geschätzten Jahresumsatz von 75 Millionen und ca. 2500 Beschäftigten. In diesem Jahr wurden ca. 1300 neue Pornovideos auf den Markt geworfen mit ca. 2,2 Millionen legal hergestellter Kopien. Die Filme wurden von 6 Grossisten geliefert die insgesamt 150 Mitarbeiter hatten. Bei rund 5000 Videotheken mit ca. 16 000 Mitarbeitern betrug der Umsatz aus pornographischen Filmen 150 Millionen Euro, was einem Anteil von ca. 30% des gesamten Jahresumsatzes entspricht. 1993 gab es in Deutschland 150 verzeichnete Pornofilm-Produzenten mit einem Gesamt-Jahresumsatz von 425 Millionen Euro, 1995 waren es bereits 180 Produzenten mit einem Jahresausstoß von 3600 neuen Filmen. 1998 wurden in Deutschland 210 Millionen Euro mit Pornovideos umgesetzt.

1987 wurden in der Bundesrepublik Deutschland etwa 500.000 Pornovideos ausgeliehen, bis 1999 stieg diese Zahl auf etwa 80 Millionen an. Dieser Trend  hielt aber nicht an. Nach der Jahrtausendwende ist es in Segmenten des Video- und DVD-Marktes zu massiven Einbrüchen gekommen. Bedingt durch eine Sättigung des Marktes mit qualitativ minderwertigen Produktionen, deren Standards vergleichsweise umsonst aus dem Internet heruntergeladen werden können und einer veränderten, zunehmend globalen Wettbewerbssituation, sowie den neuen Distributionsmöglichkeiten via Internet, sehen sich vor allem die Anbieter des unteren bis mittleren Marktsegments mit rückläufigen Verkaufszahlen und einer verschärften Konkurrenzsituation konfrontiert. Nach Einschätzung von Nils Molitor, Regisseur bei Magmafilm ist der deutsche Pornomarkt von 2007 bis 2009 um 30 bis 40 Prozent geschrumpft.

“The economic collapse of the pornographic movie industry (though not of porn websites or amateur videos) has naturally hit the earnings of the genre’s workers: actors, directors and technicians. To put it bluntly, it’s not financially attractive to be an actress in blue movies, unless you come from a part of the world where living standards are very low, like certain countries in eastern Europe.”

Zitat aus einem Interview mit Ovidie, einer französischen Pornofilmdarstellerin und Regisseurin im Guardian, 12.04.2002

Neben den jährlich stattfindenden Industriemessen der AVN und weiteren Veranstaltungen wie der „CES (Consumer Electronics Show)“ die in Chicago stattfindet, der „MIPCOM“ in Cannes und ehemals der „Videokongress“ in Deutschland, bieten die sogenannten „Sexmessen“ eine reguläre Plattform für die Video- und DVD-Branche. Die erste Sexmesse in Deutschland fand 1986 in Offenbach statt. Inzwischen gibt es in fast jeder deutschen Großstadt eine Sexmesse (allein in Hamburg  ca. 2-5 jährlich)  Die bedeutendste ist die Venus-Messe in Berlin – eine Fachmesse für Internet, Multimedia und Adult Entertainment –  mit 300 Aussteller aus über 20 Ländern, die 2005 bereits zum 9. Mal stattfand. Wichtige Partner und Sponsoren sind Beate Uhse, Orion, Private Media, Hustler und – über verschiedene Firmen – der Heinrich Bauer Verlag.

Pastötter Jakob, 2003, „Erotic Home Entertainment und Zivilisationsprozess“, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden
Faulstich Werner, 1994, „Die Kultur der Pornographie“, Wissenschaftler Verlag, Bardowick

Vom Staatsfernsehen zu privaten Anbietern – Satellitenfernsehen, Pay-TV und Kabelnetze

Durch die Zulassung des Privatfernsehens im Jahre 1983 hat sich die gesamte Medienlandschaft der BRD grundlegend verändert Im Jahre 1995 konnten bereits mehr als 80% der Haushalte die Programme von RTLplus und SAT 1 empfangen, die auf die Verbreitung durch Kabel und Satellit angewiesen sind. Viele Jahre vermarkteten Sender wie SAT 1, Vox und RTLplus  Softsexfilme, die sich grob folgendermaßen gliedern: Eine erste große Gruppe bilden die überwiegend in den 70er und frühen 80er Jahren entstandenen Streifen, die – mit unterschiedlichen Niveau – Sex mit Klamauk verbinden. Filmtitel wie „Liebesgrüße aus der Lederhose“, „Ach jodel mir noch einen“, „Frau Wirtin bläst auch gern Trompete“ sprechen für sich. Die zweite große Gruppe konstituiert sich aus den, im deutschen Kino der 70er populären „Aufklärungsfilmen“ von Oswald Kolle bis zu den „Report-Serien“.

Die dritte große Gruppe bilden Filme jüngeren Datums, vorwiegend aus Frankreich, Italien und den USA. Softpornographische Produktionen die den gleichen dramaturgischen Gesetzen folgen wie die härtere Pornographie, aber auf explizite Darstellungen des Geschlechtsverkehrs und der Geschlechtsorgane verzichten, bzw. dieser nur simuliert wird. Die amerikanischen Produktionen setzen einen ästhetischen Standard ihrer weiblichen Darstellern, der denen der Hochglanzmagazine ähnelt, während französische Filme sich öfters um differenziertere  Darstellung der Charaktere und der Handlung bemühen. RTL oder SAT 1 strahlen gelegentlich auch Filme aus, die wegen drastischer Sex- und/oder Gewaltdarstellungen indiziert worden sind, kürzen diese dann aber zum Teil handlungsentstellend. Da es in der Öffentlichkeit immer massivere Proteste gegen Sex und Gewalt im Fernsehen gab, errichteten die Privatsender 1993 die „Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen“ (FSF). Die öffentlich-rechtlichen Anstalten schlossen sich nicht an, da sie ihre internen Kontrollgremien als ausreichend für die Gewährleistung des Jugendschutzes erachten. Die FSF ähnelt von der Struktur her der FSK. Sie entscheidet in Zweifelsfällen über Sendezeiten und kann auch Schnitte verfügen oder eine Freigabe generell ablehnen

In einer Reihe von TV-Magazinen wie „Sexy Clips“ oder „Männermagazin M“ mischten sich Kurzfilme mit Lifemoderation und Pseudoreportagen, wurden Latex- oder Sadomasokleidung vorgestellt und  Stripteaseshows  inszeniert. Hohe Einschaltquoten erlangten Game Shows, die Spiele mit Zoten und Entblößungen jeder Art verbanden, die bekannteste dieser Shows, „Tutti Frutti“, erreichte zeitweise Kultstatus, ist inzwischen aber mangels Nachfrage abgesetzt. In Journalen wie „Liebe Sünde“ oder „Wahre Liebe“ kommen Moderatoren wie Matthias Frings und Lilo Wanders  dem gesteigerten Interesse an sexuellen Subkulturen und dem Thema Sexarbeit mit z.T. qualitativen Beiträgen entgegen, wobei den Einschaltquoten dieser Sendungen klar ein voyeuristisches Interesse zugrunde liegt, dem die Konzeption dieser Journale auch entspricht. Ein Großteil dieses Erotikangebotes taucht, nachdem der Ruf  des Neuen und Skandalösen zur Normalität generiert war, in den Hitlisten der Einschaltquotenforschung nicht mehr auf. Nichtsdestsotrotz hat der Sexfilm innerhalb der erwachsenen Bevölkerung ein festes Publikum und bei Sendern wie RTL,  SAT 1 und vor allem VOX gehört der Sexfilm am Wochenende zum festen Programmrepertoire, während die nächtlichen Erotik-Clips bei DSF, Hamburg 1 und Das Vierte vor allem Bestandteil des aggressiven Marketingkonzeptes der Telefonsexwerbung dieser Sender sind und ansonsten als Lückenfüller dienen.

Petra Milhoffer (Hg.) : 1995, speziell: „Sexualität in Film und Fernsehen“, Frankfurt/M., S.200-209.

Im Bereich des Pay-TV gilt Premiere als der führende Abonementen-Sender in Deutschland und Österreich. Im  Februar  2002 übernahm Dr. Georg Kofler, Vorsitzender und ehemaliger Geschäftsführer  der ProSieben Television GmbH, die Geschäftsführung von Premiere. Aufgrund der umfassenden Neustrukturierung des Unternehmens war die Firmengruppe von dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe und dem Insolvenzantrag der „Holding KirchPayTV“ nicht betroffen, stattdessen gewährten die Bayerische Landesbank und die HypoVereinsbank sogar eine neue Kreditlinie. Im Dezember 2002 übernahm Premiere mit seiner neu gegründeten Tochter DPC Digital Playout Center GmbH den Betrieb und alle Mitarbeiter der in der Insolvenz befindlichen BetaDigital GmbH. Im Februar 2003 übernahm die Investorengruppe Permira 65,13 Prozent an der Premiere Fernsehen GmbH. Ca. acht Millionen Zuschauer in rund 2,9 Millionen Abonnenten-Haushalten nahmen das Premiere –Angebot zu dieser Zeit wahr. Premiere bietet eine Vielzahl von Programme mit dem Schwerpunkt auf die Live-Sport-Berichterstattung und TV-Premieren. Mit dem Angebot „Premiere Direkt“ können Zuschauer Filme zur Wunschzeit bestellen. Konferenzschaltungen während Fußballübertragungen und z.T.frei wählbare Kameraperspektiven nutzen. Abgerechnet wird dieses Angebot nach dem „Pay-per-View“-Verfahren über das Internet, eine Service-Hotline oder per SMS. Premiere Erotik präsentiert täglich zwei Erotikfilme und einen SMS-Erotik-Chat. Mit einer speziellen Pay-per-View-Variante kann über den Kanal „Big Brother –24 Stunden live“ ein 24 Stunden-Einblick in die Container-WG  geordert werden. Unter der Marke „Blue Movie“ bietet Premiere einen Erotik-Kanal an, der über den Fernseher im Einzelabruf genutzt werden kann. Außerdem kann das Angebot von Beate Uhse TV geordert werden. Seit Sommer 2004 bietet Premiere eine spezielle Pay-TV-Variante für Hotels an.

Seit März 2005 ist Premiere an die Börse notiert und im September gleichen Jahres hat die schweizerische „erotic media AG“ von der Premiere AG den Blue Movie Kanal übernommen. Die Erotic Media Ag verfügt nach eigenen Angaben über eine Bibliothek von über 6000 Filmen. Neben Blue Movie betreibt sie seit Juli 2006 den Telemediendienst redXclub.

Das Blue Movie Programm, das weiterhin von Premiere mit einer Smart Card und einem Digital Receiver empfangen werden kann, wird seitdem zusätzlich über die Ladenkette, den Versandkatalog und den Online Shop von Beate Uhse vermarktet. Im August 2007 verkaufte Georg Kofler seine Aktienanteile und trat als Vorstandsvorsitzender zurück. Seit Januar 2008 steigert  die News Corporation von Rupert Murdoch beständig ihre Aktienanteile an Premiere: von 14,5% im Januar auf 25% im Mai des gleichen Jahres. 2007 erzielte Premiere nach eigenen Angaben einen Umsatz (vor Steuern und Abschreibungen) in Höhe von 83,4 Millionen Euro. Inzwischen (10/09) hat die News Corp. ihre Anteile an Sky Deutschland (bis Juli 2009 „Premiere“) auf 39,96% aufgestockt. Vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen verlor der Münchner Pay-TV-Sender im Jahr 2008 29,8 Mio, während im Vorjahr noch 2,9 Millionen Euro Gewinn verzeichnet wurde. Auch die Abonnentenzahlen entwickelen sich rückläufig: Bis Ende März 09 hatten weitere 28.000 Abonnenten dem Bezahl-TV-Sender gekündigt. Darüber hinaus gab Premiere bekannt, sich in Sky Deutschland AG umzufirmieren. Das Produktbündel Sky Deutschland ist den Kabelnetzbetreibern, die in den Abonnementfernsehmarkt drängen, allerdings unterlegen. Rund 1,7 Millionen Haushalte haben mit Stand 31. März 2009 eines oder mehrere Pay-TV-Angebote eines Kabelnetzbetreibers abonniert – insgesamt deutlich mehr Abonnenten als Premiere jemals im Kabel verzeichnen konnte.

1993 versuchte die Firma VTO von Teresa Orlowski im Privatfernsehen einen Pornokanal zu etablieren. Sie belegte Sendezeit auf einem Satelliten und ließ von 1 bis 4 Uhr nachts ihr eigens für den Sender produziertes Programm ausstrahlen, scheiterte damals aber an der Gesetzeslage. Inzwischen ist das Segment Pornographie zu einem lukrativen Geschäft beim Pay-TV geworden. Bereits 1995 gaben Gäste in Deutschland Hotels jährlich 60 Millionen Mark für den Konsum von Pornofilmen aus. Laut des damaligen Geschäftsführers der Firma „C.I.S. Hotel Communication“, einer von zwei Firmen die sich in Deutschland auf die Belieferung von Hotels mit Pornofilmen spezialisiert haben, sollen mehr als drei Viertel aller Pay-TV-Programme die in deutschen Hotels konsumiert werden, Hardcore-Filme sein. Seit 1992 sendete die britische „Red Hot Television“ von Richard Desmond Hardcore-Pornos für ihre rund 10 000 Abonnomenten, zuerst von Holland, dann von Dänemark aus. Im April 1993 wurde dieser Fernsehsender in England verboten und bietet seit 2000 sein Angebot über die „Sky-Plattform“ an. Ein Satellit bei dem  auch acht Playboy-Chanels und weitere , wie „Xplicit 984 “ zu empfangen waren. Der europäische Kabel-TV-Betreiber „Sky TV“ gehört zur Rupert Murdoch`s „BskyB“. SkyTV offeriert inzwischen über das Label  „Adult Channel“ Hardcore-Angebote und Vivendi SA`s Canal Plus, Europas größter Pay-TV-Anbieter mit 14 Millionen zahlenden Kunden in 11 Ländern, bietet nach 22.30 Uhr Hardcore über das pay-per-view-Verfahren.

Ein weiteres Unternehmen im Pay-TV-Segment ist „InXworld“, ein 2002 gegründetes niederländisches Unternehmen, das über Satellit auf verschiedenen Kanälen pornographische Filme anbietet. Der erste Kanal „FREE-X TV“, der nach dem Geschäftsmodell der Vorauszahlung und nicht über kostenpflichtige Mitgliedschaft funktionierte, konnte bereits nach einem Jahr ca. 1 Million Zuschauer verzeichnen. Trotz der Konkurrenz von 20 verschiedenen Adult-Kanälen in den Jahren 2002-3 wurden  zwei weitere Kanäle gestartet: „X Dream TV“ und „Back Room“. X Dream ist auf das Amateurgenre spezialisiert und „Back Room“ ist auf ein homosexuelles Publikum ausgerichtet. Mit diesen drei Kanälen expandierte das Unternehmen dann auf den amerikanischen und australischen Markt, wobei für den US-Markt, im Gegensatz zu Europa wo nur Karten verkauft wurden, die notwendigen Empfangsgeräte mit angeboten werden (der sogenannte „Starter Kit“ für $369 )

Nach einem Report von “Strategy Analytics, Inc.“  (“Digital TV in Western Europe: Market Outlook & Analysis”) nutzten 2004  25 Millionen Haushalte digitalen Satelliten-Service und 7,6 Millionen weitere nutzten digitalen Kabelservice. Für das Jahr 2010 wird von einer Gesamtzahl von 78 Millionen Haushalte für beide Segmente ausgegangen, was einer Wachstumsrate von 139% entsprechen würde.  2004 wurden in Europa acht neue Internet-Pay-TV(IPTV)-Services gegründet. Den IPTV-Plattformen werden hohe Wachstumsraten und eine entscheidende Bedeutung bei der Entwicklung des europäischen PayTV-Marktes prognostiziert. 2005 gab es 2 Millionen IPTV-Kunden in Europa, prognostiziert werden 15 Millionen für das Jahr 2009. Die komplette Anzahl aller europäischen PayTV-Kunden – inclusive Kabel- und Satellitfernsehen – wird für 2010, nach einem Report der “Multimedia Research Group, Inc“(MRG),  auf ca. 100 Millionen geschätzt. Da sich die Deutsche Telekom 2006 entschieden hat IPTV und begleitende Entwicklungen wie Video-on-Demand zu unterstützen, wird der deutsche Markt auch für die us-amerikanischen Majors interessant.

Laut der Global Broadband-Studie des kanadischen Unternehmens Sandvine von 2009 machen Echtzeit-Unterhaltungsangebote wie Video- und Audiostreams  inzwischen rund 27 Prozent des weltweiten Internetverkehrs aus. Eine deutliche Steigerung um fast 14% gegenüber der Erhebung von 2008. Von dem zu diesem Segment dazugehörigen globalen IPTV-Markt entfallen knapp 50 Prozent auf Europa. Weitere zentrale IPTV-Märkte sind Nordamerika und Asien. Der us-amerikanische IPTV-Markt wuchs von 2008 mit ca. 3 Millionen Abonnenten auf über 5 Millionen im Folgejahr. Damit hat IPTV in den USA momentan noch einen geringen Marktanteil von knapp 5%. Das Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics prognostiziert dem IPTV-Markt bis 2013 eine Steigerung auf 13%, mit 15,5 Millionen Abonnenten. Ende 2007 gab es in Deutschland 180.000 IPTV-Kunden und laut einer Studie von BITKOM stieg die Anzahl bis Ende 2008 auf 536.000 IPTV-Abonnenten. Damit hat sich die Kundenzahl innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Die Telekom nahe Management-Beratung Detecon International prognostiziert für das Jahr 2013 mehr als 5 Millionen IPTV-Nutzer. Diese Zahlen bleiben zwar weit hinter den ursprünglichen Prognosen zurück, bestätigen aber eine, wenn auch langsamere, stetige Wachstumstendenz.

Total Media, ein Betreiber von mehreren Adult-TV-Kanälen in Europa, und LFP Broadcasting haben 2005 eine umfangreiche Zusammenarbeit vereinbart, die u.a. die Etablierung von Hustler TV in Europa zum Ziel hat.  Hustler TV zählt bereits ein Jahr nach dem Sendestart in den USA zu einem der erfolgreichsten Pay Per-View Adult Channels, der schon in sechs der 10 wichtigsten Kabelnetzen zu empfangen ist und eine potentielle Zielgruppe von 16 Millionen Abonnenten erreicht. Der Start von Hustler TV in Europa (und Israel) ging einher mit Kooperationsvereinbarungen und Umverteilungen unter den Majors von Adult-Kanälen. Der Softcore-Kanal „Blue Hustler“ sendet auf der Sendefrequenz von „Private Blue“ und ersetzte diesen und anstelle von „Private Gold“ mit seinem Hardcore-Angebot sendet der Kanal „Hustler TV“ . Beide Kanäle der „Private Media“ wiesen zuletzt rückläufige Zuschauerzahlen auf. Private und Playboy TV haben Ende 2005 ihre europäischen Kanäle „Private Gold“ und „Spice Platinium“ in einem zunächst auf 5 Jahre befristeten Vertrag zu dem neuen Label „Private Spice“ zusammengelegt

„Spice Platinum“ wurde 2001 als europäischer Adult-Kanal gegründet und hatte Abonnenten in über 15 Ländern. „Private Gold“, 2000 gegründet und war in Lateinamerika und Europa zu empfangen. Er galt als der führende europäische XXX-Kanal mit Abonnenten in 25 Ländern.

Die Umbenennung der Programme die vor allem in Zentral- und Osteuropa bekannt sind , verschafft der LFP eine gute Ausgangsposition für den europäischen Markteintritt. Hustler GB wird über Sky Channel 988 und Telewest gesendet. Ab 2005/06 war Hustler TV auch in Frankreich über Kabelnetzwerk und über französische Satellitenplattformen zu empfangen. Kurze Zeit später folgte der osteuropäische Raum. Auch der Konkurrent „Penthouse“ will in den europäischen Markt mit eigenen PayTV-Kanälen und einem VOD-System einsteigen.

Die Entwicklung immer schnellerer Internetverbindungen erschließt der Branche neue Geschäftsfelder. Moderne Breitbandverbindungen über das Telefon- oder Fernsehkabelnetz ermöglichen die Kombination von Internetzugang, Online-Telefonie und Online-TV („Triple Play“). Allein die Erlöse aus dem Netzzugang werden einer Marktstudie  zufolge von 2006 bis 2010 um jährlich 11,9 Prozent auf 214 Milliarden US-Dollar steigen. In Deutschland lag der Umsatz mit Zugangsentgelten für das Breitband-Internet im Jahr 2005 bei geschätzt 4,1 Milliarden US-Dollar. Bis 2010 dürfte der Umsatz wegen der aggressiven Expansion von Seiten der Telefon- und Kabelnetzgesellschaften auf 11,4 Milliarden US-Dollar steigen. Damit wäre Deutschland vor England der größte Markt innerhalb Europas.

Pastötter Jakob, 2003, „Erotic Home Entertainment und Zivilisationsprozess“, Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden

http://www.guefa.de/Links/Default.htm
Ressource von Filmproduzenten pornographischer Filme

http://www.lyngsat-address.com/tv/Europe.html
Ressource : Lyngemark Satellite-Angebote in Europa

Webseiten der erwähnten Unternehmen


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