11
Jan
10

Sexindustrie und organisierte Kriminalität -3. Teil

Die Porno-Mogule in den 1970ern – Mohney, Thevis und Sturmann

Drei der sogenannten pornographischen Mogule in den 70ern in den USA waren Michael Thevis, Reuben Sturman und Harry Vergil Mohney  aus Michigan. Mohney importierte große Quantitäten von europäischer Pornographie, besass ca. 60 „Buchläden für Erwachsene“  und eine Reihe von Massagesalons, Striplokalen, Drive-Ins und Bars. Ähnlich wie Reuben Sturmann arbeitete Mohney eng mit der Colombo- und der DeCavalcante-Familie zusammen, die mit den Gambinos das pornographische Versand- und -Verteilungsgeschäft  an der Ostküste dominierten. Laut den Ermittlungen von „Miporn“ hat Mohney in den 80er Jahren die große Produktionsfirma „Caribbean Films“ und die, für den mittleren Westen der USA vorherrschenden Verteiler „Entertainment World International“ besessen.

In den 1970er Jahren kontrollierte Michael Thevis mehr als 400 Buchhandlungen und Theater und wurde zu den wichtigsten Personen im Pornobusiness gezählt. Er begann Anfang der 60er Jahre über eine Reihe von Zeitungskiosken pornographische Magazine und Filme zu verkaufen. 1967 entwickelte er zusammen mit Roger Dekan Underhill Peep-Show-Maschinen die von zwei  von ihm kontrollierten Firmen „Automatic Enterprises“ und „Cinematics“ produziert und verteilt wurden. Unter der Kontrolle von Di Bernado soll sich  dieses Geschäft zu einem 200 Firmen umfassende Holding entwickelt haben, mit dem Hauptsitz in der Region um Atlanta, Georgia.  Zu den Hochzeiten soll ein Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar erzielt worden sein. 1976 wurde Thevis zu achteinhalb Jahren Gefängnis wegen Transport obszönen Materials und Brandstiftung verurteilt. Er floh 1978 aus dem Gefängnis und war bis zur seiner wiederholten Verhaftung auf der „Ten-Most-Wanted List“ des FBI. Teile seines Firmenimperiums sollen von seiner ehemaligen Frau, seinem Sohn und seinem Sekretär Laverne Bowden weitergeführt worden sein.

Mitte der 70er Jahre kontrollierte Reuben Sturmann über 200 Adult-Bookstores die über regionale Vertriebe wie „Royal News“ in Detroit, „Noble News“ in Baltimore, der „Capitol News Agency“ in Chicago und seinem Flagschiff „Sovereign News“ in Cleveland beliefert wurden. Sturman expandierte mit einer enormen Geschwindigkeit, er begründete ein eigenes Porno-Business in verschiedenen europäischen Ländern  (England , Frankreich, Schweiz, Deutschland und die Niederlande), und ließ in Asien Sex-Toys produzieren. Bald kontrollierte er ca. 800 Adult-Bookstores in den USA und in 40 weiteren Ländern, eine Peepshow-Kette unter dem Namen „Western Amusements“ und „Automatic Vending“, eine dazugehörige Produktionsfirma, sowie die Sexshop- Kette „Doc Johnson“. Bereits 1974 begann Sturman seine Filme auf Video zu kopieren, Videoverleihe zu eröffnen und Hardcorevideos in den USA und Westeuropa zu vertreiben. Im gleichem Jahr übernahm er das Firmennetzwerk von Milton Luros, einem Pornographen aus Los Angeles, dessen Modell einer netzartiger Betriebsstruktur er übernahm.

Nach Erkenntnissen des FBI soll diese schnelle wirtschaftliche Expansion Sturmans im nicht unerheblichen Maße durch die Geschäftsübernahmen  anderer Händlern, Verteilern und Lieferanten in den USA begründet liegen, welche durch die Unterstützung der Gambino-, und DeCavalcante- Familie, insbesondere der Person Di Bernados, möglich wurden. Die De Cavalcante-Familie soll in den 70ern ein Multimillionen-Dollar-Firmenkonglomerat von Buchhandlungen, Kinos und Verlagshäusern in New Jersey, Pennsylvanien, Maryland, Ohio und Georgia kontrolliert haben, u.a. auch die Versandfirma „Star Distributors“/New York,  dem größten pornografischen Händler auf der Ostküste. Einer der Teilhaber dieser Firma war Robert DiBernado. Sturman war der größte Kunde von „Star Distributors“, aber das FBI konnte im Zuge der Miporn-Untersuchung auch Transaktionen zwischen DiBernardo und Michael Thevis und Harry Mohney nachweisen. Von der Firma „Star Distributers LTD“ ausgehend, die in den 60er Jahren unter den Einflussbereich der italienischen Mafia geriet, fand eine vertikale Integration von Verlagen, Videofirmen und Lageristen statt.

Reuben Sturman(geb.1924) besaß bereits zum Ende der 50er einen Großhandel für Zeitschriften und Magazine mit Lagerhäusern in acht Städten und handelte bereits mit Sexmagazinen und „girlie“-Magazinen. Durch die Studentenbewegung proklamierte sexuelle Revolution in den 60ern entwickelte sich sein Geschäft sehr rasch, so dass seine Firmen bereits 1968/9 zu den führenden Vertriebsorganisationen für Adult-Magazine zählten. 1969 begann Reuben Sturman  regelmäßig nach Dänemark zu fliegen um u.a. bei den Theanders pornographische Ware einzukaufen. Der damals in der Branche berühmte europäische Filmemacher Lasse Braun verkaufte seine Loops in Quantitäten von Millionen von Dollars an Sturmann. Zusammen entwickelten sie 1971 Peep-Show-Maschinen.  Super8-Projektoren, installiert in einer kleinen Kabine mit abschließbarer Tür, die über Münzeinwurf betrieben wurden. So hatten die Konsumenten der pornographischen Loops zum ersten Mal die Möglichkeit ungesehen zu onanieren – eine erfolgsversprechende Innovation auf diesem Markt, da die vorherigen Generationen der Filmautomaten, sowie heute die Glücksspielautomaten, relativ offen im Raum standen. Sturman verteilte diese Peep-show-Maschinen faktisch in jeden Staat der USA, er versorgte alle seine Shops und Buchläden mit ihnen, gründete Firmen die die Aufstellung und Wartung besorgten und bot anderen Sexshopbesitzern, bei 50- prozentiger Gewinnbeteiligung, die kostenfreie Aufstellung an.

Sturman konstruierte in seinem Firmenimperium ein Labyrinth von Scheinfirmen und verantwortlichen Stellvertretern, die oftmals nur aus einem falschen Namen oder dem einer bereits verstorbenen Person bestanden um der justiziellen Verfolgung wegen Obszönität und Steuerhinterziehung  zu entgehen. Obwohl es bereits seit 1964 immer wieder zu Durchsuchungen seiner Lagerhäuser und Beschlagnahme von Materialien kam, konnte Sturman lange Zeit vor dem Gesetz nicht belangt werden. Während der späten 80er übereignete Sturman  mündlich einen Großteil seines  pornografischen Netzwerkes an Familiemitglieder und Freunde. Sein Sohn David (geb.ca.1952) übernahm daraufhin „General Video West“ der vorherrschende pornografische Verteiler für die US-Westküste..

Zwei weitere Personen, die von der „California Organized Crime Control Commission“ als führende Kräfte im mafia-kontrollierten Sexbusiness bezeichnet wurden, waren Norman Arno und Michael Zaffarano. Während der Anfänge des Videomarktes  war Norman Arno ein Geschäftspartner von Michael Zaffarano, einem führenden Mitglied der New Yorker Mafia. Seine Firma „VCX Incorporated“ soll 1985 ca. 40% des US-Marktes kontrolliert haben.

„Porn video is perfect… It’s done with anonymous consumers through hole-in-the-wall outlets all over the country. The collection system for the money is full of holes, so shaky and uneven and complicated and convoluted that it’s impossible for investigators to trace the money that comes through them back to its source.“ (…) „The real money is made in income streaming. They’re making their money laundering through the distribution side. People who make pornographic films complain endlessly that they never see the money that comes in off them.“ (…) „They started in the distribution end and it turned out to be so successful that they decided to move into production. That’s one reason why there’s so much porn being made: they need to put stuff on the shelves so they can show income.“

(ein Pornographer im Interview mit Dr. Robert Stoller Ende der 80er  –  Stoller Robert J., 1991 „Porn – Myths for the 20. Century”, Yale University Press, New Haven, London)

Der neue und rasch wachsende Videomarkt versprach lukrative Gewinne, veränderte aber auch die Rolle der Mafia im Pornobusiness. Der Mob war aufgrund der massenhaften Verbreitung des neuen Mediums nicht mehr in der Lage Verteilung, Verkauf und Aufführung der Produkte zu kontrollieren, wie es früher über die Sexshops, Buchläden und Adult-Theater, also mehr oder weniger milieuspezifischen Einrichtungen, möglich war. Damit verlor die Mafia die Möglichkeiten der Preiskontrolle, die enorme Gewinnspannen ermöglichten. Anstelle eines illegalen, extrem kontrollierten Marktes einer Schattenwirtschaft, die sich den Regularien der staatlichen Behörden entzog trat ein neuer Massenmarkt mit den Voraussetzungen industrieller Produktionsbedingungen, der langfristig in der regulären internationalen und staatlichen Ökonomie aufging.


„Miporn“ – die staatliche Bekämpfung der Schattenwirtschaft

1977 startete das FBI die Undercover-Operation „Miporn“. Dieses Akronym kombiniert den Namen des Ortes von dem aus die Scheinunternehmungen des FBI operierten – „Miami“, mit dem Gegenstand der Untersuchung „Pornografie“ Die operative Basis stellte die Firma „Golden Coast Specialties Inc“, die via Mailorder ausschließlich mit pornographischem Material handelte. Über diese Firma trafen Undercover-Agenten des FBI mit einem Großteil der wichtigsten Produzenten und Großhändler in den USA zum Zwecke von Geschäftsverhandlungen zusammen. Die Kosten dieser Operation. in Höhe von 400.000$,  wurden u.a. von der „Motion Picture Association of America“ getragen, die durch das illegale Kopieren vieler Filme des Mainstream-Kinos, spürbare Verluste hinnehmen musste. 1980 kam es dann zu dem (in diesem Jahrhundert) bisher größtem Gegenschlag gegen die organisierte Kriminalität in der Sexindustrie. Pornokinos, Lagerhäuser, Sexshops und Büros in 13 Hauptstädten der USA wurden durchsucht, Tonnen pornographischen Materials beschlagnahmt und über 50 Personen festgenommen. Einer der Hauptangeklagten war Norman Arno, der Präsident der in Nord-Hollywood ansässigen Firma „VCX Incorporated“ eine der großen Film-Produktionen und Versandfirma und die Brüder Louis and Joseph C. Peraino und DiBernardo. Die Perainos bekamen Haftstrafen von sechs und drei Jahren, DiBernardo wurde zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Im Zuge des von „Miporn“ geschaffenen Vakuums in den Strukturen der betreffenden Organisationen durch die Verhaftung vieler führender Mitglieder und die entstandenen Unsicherheiten durch die Undercover-Aktionen, kam es anscheinend zu Verteilungskämpfen und internen Säuberungen. So wurde 1982  Joseph S. Peraino Sohn niedergeschossen und damit ihre Dominanz im Pornographiegeschäft endgültig beendet. 1986 wurde DiBernardo ermordet.

Reuben Sturmann befand sich ebenfalls im Fokus der US-Behörden. Nach jahrelangen Ermittlungen der zuständigen Behörde für Steuerhinterziehungen(IRS) und nach einem Zugriff auf die Schweizer Konten Sturmans, der nach Interventionen des amerikanischen Justizministeriums von den Schweizer Behörden genehmigt wurde, konnte Sturman wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe belangt werden. 1990 wurde er in Cleveland angeklagt und  zu zehn Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von $2,5 Millionen verurteilt. Nach Folgeprozessen und Verhandlungen mit dem Justizministerium, nachdem Unstimmigkeiten in den Undercover-Aktionen bekannt wurden, einigte man sich auf eine Art Vergleich bei dem die Strafe auf vier Jahre Haft reduziert wurde und ein zusätzlichen Strafgeld von einer Million Dollar gezahlt werden musste. Sturman bekannte sich seinerseits schuldig im organisierten Verbrechen involviert zu sein und in mehreren Fällen gegen die Transportgesetze von obszönen Material, inclusive Kinderpornographie verstoßen zu haben. Weil Sturman 29 Millionen Dollar Steuerschulden hatte, beschlagnahmte die IRS alle seine verfügbaren Vermögenswerte. Dies wurde im Nachhinein als ein wichtiger Schritt angesehen bei der Entwicklung substanzieller Teile der Sexindustrie hin zu normalen, steuerzahlenden Firmen mit annährend transparenter Geschäftsstruktur.

„This was the biggest case the IRS criminal division had ever seen. It’s effect on the rest of the porn industry was monumental. There were a lot of people in this industry reporting nickels and dimes who now reports hundreds of thousands of dollars.“

(Rossfelder, Beamter  der IRS)

1995 soll es zu verschiedenen Verteilungskämpfen um das Sturmansche Imperium gekommen sein. Reuben Sturman, Sohn russischer Einwanderer, starb 1997 an den Folgen der Alzheimer Krankheit. Die Nachfolger von Reuben an „General Video of America(GVA)“, welche in Cleveland in ihren Hauptsitz hat, die fast 70% der landeseigenen pornographischen Videoproduktionen vertrieb, soll  Melvin Kaminsky sein, während Teile der Firma als Franchise-Unternehmen selbstständig operieren. So ist z.b. David Sturman, der älteste Sohn, Präsident der „GVA Western“ in San Francisco, ein halb oder vollständig autonomer Teil von „General Video of America

Ken Guarino, der es 1980 vermeiden konnte von der Miporn-Untersuchung erfasst zu werden, war zu der Zeit bereits ein maßgeblicher Produzent von Pornovideos. Ihm gelang, laut AVN (1994), eine fast vollständige vertikale Integration in der Entertainmentindustrie. Er ist Besitzer des Vertriebsnetzes „North Star“, übernahm weitere Videoproduktionen wie „Intropics“ und „Cal Vista Video“ und ist  Mehrheiteigentümer des Firmenkonglomerats „South Pointe Enterprises“ zu dem auch „Metro Home Video“ zuzurechnen ist. 1994 kaufte Guarino die inaktive „Metro Global Media“(MGMA) um unter diesen Namen die Firmenaktivitäten zu bündeln und sie als Aktiengesellschaft zuführen. Ende 1999 wurde der Eintrag der „Metro Global Media“ bei der NASDAQ wieder gelöscht. Anfang 1997 wurde Guarino wegen Steuerhinterziehung und nachgewiesenen Mafiakontakten, die u.a. Schutzgeldzahlungen beinhalteten, zu 16 Monaten Haft und einer Geldstrafe von $250 000 verurteilt.

Metro ist einer der offiziellen Sponsoren der AVN-Expo. Zu den Kunden dieses Firmenholdings gehören z.b.die „Graff Pay Per View Inc“ des Spice-Pay-per-View-Netzwerks die u.a. bei „South Pointe“ Pornofilme für ihr Programm einkauft. Im Juli 1999 unterzeichneten die „Metro Global Media Inc.“ und die „New Frontier Media“ einen gegenseitigen Kooperationsvertrag in Bezug auf Lizenzierung und Produktion ab. Der Vertrag beinhaltete die Vermarktung der gesamten Film- und Videobibliothek von Metro (über 3000 Titel), u.a. der Produktlabels „Cal Vista“, „Taboo“ und „Amazing Collection“ über die Internet und Pay-TV-Netzwerke von „New Frontier“ und sicherte Metro das Vorrecht zu, über 400 Film-Titel für „New Frontier“ zu produzieren.

In den letzten Jahren gelang dem FBI im Zuge ihrer Operation „Buttondown“ eine erhebliche Schwächung der Mafiastrukturen in den USA. 100 führende Mitglieder verschiedener Familien und 600 weitere Mitglieder wurden in den letzten Jahren verhaftet. Nach Angaben des FBI soll sich die Anzahl der in den USA operierenden Familien  von 24 auf 9 reduziert haben. Im Herbst 2004 musste das FBI allerdings feststellen, dass viele der Geschäftsfelder von einer sich bildenden albanischen Mafia übernommen wurden, die für ihre brutalen Methoden bekannt sind und deren innere Strukturen aufgrund ihrer ethnischen Identität weitaus schwerer zu analysieren sind. 2006 hat das FBI in einer internen Studie bekanntgegeben, das seit dem 11.09.2001 die Anzahl neu aufgenommener polizeilicher Ermittlungen um 45% gesunken ist. Aufgrund des „War on Terror“ haben sich bei der Behörde die Prioritäten verschoben und es stehen dem FBI 2200 Agenten weniger für die regulären Untersuchungen von Bereichen wie Bankraub, Drogenhandel und organisierte Kriminalität zur Verfügung. Die Bereiche wo eine Zunahme der Ermittlungstätigkeit zu verzeichnen ist, sind neben dem Terrorismus, Gangs, Kinderpornographie und Obszönität. In der Washington Post von September 2005 war sogar zu lesen, dass der oberste Staatsanwalt Alberto Gonzales der Untersuchung und Strafverfolgung von Obszönitätsfällen oberste Priorität einzuräumen gedenkt.

Während die Öffentlichkeit noch völlig unter dem Eindruck der Ereignisse des 11.9. in New York stand, verabschiedete US-Präsident Bush im Oktober 2001 den USA PATRIOT Act (USAPA), ein Anti-Terror-Gesetz, welches den zuständigen US-Behörden, vor allem den verschiedenen Polizei- und Geheimdiensten weitreichende Befugnisse einräumte, die sich u.a. auch auf die Überwachung von Internetaktivitäten beziehen. Vorausgesetzt das es einen Grund für eine polizeiliche Ermittlung gibt, können die Aktivitäten der betreffenden Person verfolgt und ihr Umgang mit Telefon und Computer überwacht und aufgezeichnet werden. Internet-Service-Provider sind seitdem angehalten Kunden- und Traffic-Daten auf Anfrage herauszugeben. Das FBI ist seit Oktober 2001 berechtigt in Privat- und Geschäftsräume von „Zielpersonen“ zum Zwecke der Informationsbeschaffung während derer Abwesenheit einzudringen und bestimmte Computer-Tools einzusetzen.

Hierzu gehört „Magic Lantern“, ein Programm, das jeden Tastenschlag am Computer aufzeichnet und dies als eine Textdatei speichert. Das Programm kann entweder manuell auf den Computer geladen werden oder von einem „Fixpoint“ aus im Internet als Virus auf den Rechner gelangen. Ein weiteres Programm ist „DCS 1000“, besser bekannt als „Carnivore“, welches in der Lage ist Schlüsselinformationen aus einer riesigen Datenmenge herauszufiltern, die entsteht wenn sämtliche Aktivitäten eines InternetProviders (e-mail, Webseiten-Aktivitäten, Telephonie, Programmierung) aufgezeichnet werden. Im September 2006  hatte der US-Minister Chertoff mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble vereinbart, eine Sondereinheit zur Überwachung des Internets aufzubauen. Ähnlich wie Chertoff will Schäuble eine „Internet Monitoring und Analysestelle“ (IMAS) gründen, in der ca. 50 Beamte des jeweiligen Geheimdienstes nach verdächtigen Online-Aktivitäten von Extremisten Ausschau halten sollen.

Erst seit den 1980ern und verstärkt in den 1990ern zeigt sich die Tendenz, die Sexindustrie als eine normale Wirtschaftsbranche und als ein nicht unwesentlichen Bestandteil des Staatshaushaltes zu sehen und sich von dem „Schmuddelimage“ der Anfangsjahre zu befreien. Ein maßgeblicher Faktor dieser Entwicklung stellt die Nutzung des WorldWideWebs durch die Sexindustrie dar. Die durch das Internet weitgehend möglich gewordene Anonymisierung von Konsum und Distribution von Pornographie hat einen neuen Massenmarkt geschaffen an dem, neben den im Pornobusiness direkt involvierten Firmen, viele reguläre Firmen des e-commerce, sowie Satelliten- und Kabelnetzbetreiber beteiligt sind.  Die logistischen Erfordernisse einer Massenproduktion, Geschäftskontrakte mit regulären Großunternehmen und Banken setzen notwendigerweise Unternehmensstrukturen und ein seriöses Geschäftsgebaren voraus, die dem allgemeinen Standard entsprechen. Die Erfahrungen der Sexindustrie mit den Justiz- und Steuerbehörden haben gezeigt, dass eine Verletzung des juristischen Reglements, wie z.b. Kinderpornographie oder Steuerhinterziehung oft zeit- und kostenintensive Prozesse nach sich ziehen, die mit einem Imageverlust in der Öffentlichkeit und in Unternehmerkreisen verbunden ist, den sich die Majors, wie auch die mittelständischen Unternehmen der Branche nicht mehr leisten können.  Die ehemaligen Geschäftspraktiken und die oft kurzfristig angelegte Logik des Profits, die sich im Zeitraum der Illegalität von Pornographie im Kontext des Rotlichtmilieus entwickelt hatte, ist von der Logik des regulären kapitalistischen Marktes ersetzt worden. Im Grunde genommen durchaus vergleichbar mit der Geschichte der Ölkonzerne, deren Entstehungsgeschichte sich auch nicht unbedingt nach  juristischen und moralischen Parametern einordnen lässt und deren Handlungsspielräume inzwischen von den Szenearios der aufwendigen Verwaltungsbauten in den Metropolen bis hin zu ihren Geschäftspraktiken in der 3. Welt reichen.

Hebditch David/Nick Anning, 1988, „Porn Gold- Inside the Pornography Business“ Faber and Faber, London, Boston

„Der Asphaltdschungel – Geschichte und Mythologie des Gangsterfilms“, Bernhard Roloff, Günter Seesslen, 1980, rororo, Reinbek bei Hamburg

Kawamura Gabriele, 1994, „Yakuza – Gesellschaftliche Bedingungen organisierter Kriminalität in Japan“
Hamburger Studien zur Kriminologie, Bd. 19,  Centaurus- Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler

„mehrwert – beiträge zur Kritik der politischen ökonomie“, Nr. 31, April 1989 – „Kriminalität und Ökonomie“

Gaffin Harris, 1997, „Hollywood Blue – The Tinseltown Pornographers“ B.T. Bratsford Ltd., London

Stoller Robert J., 1991, „Porn – Myths for the 20. Century”.  Yale University Press, New Haven, London

Weitzer Ronald (Hg.), 2000,  „Sex for Sale“,  Routledge, New York, London

Erenberg Lewis A., 1981 „Steppin`Out – New York’s Nightlife and the Transformation of American Culture 1890-1930”
Greenwood Press, Westport/USA, London/GB

Taylor William R. : 1991, „Inventing Time Square“,  Russel Sage Foundation, New York

“American Porn”   http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/shows/porn/

http://de.wikipedia.org/wiki/Prohibition


0 Responses to “Sexindustrie und organisierte Kriminalität -3. Teil”



  1. Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: