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Ein kurzer Abriss der Geschichte der US- Zensur

„Obszönität“ als ein Kampfbegriff gegen Literatur, Theater, Kunst und Sexualaufklärung

„purient interest“ von „prurire“ – „geil sein, lüstern sein“ – „arousing or appealing to an obsessive interest in sex“


„An old joke asks: „Is sex dirty? Only if you do it right.“ America has this assumption that sex must be dirty to be good. I don’t feel that way. Not many did. It is the very act of ‚illegitimacy‘ that creates the industry. If sex were viewed as natural and normal, porn would not be profitable. Indeed, the profitability of the industry declines in direction proportion to its legality. Europe found this out. Porn reflects the Collective Obnoxious. The same prophets who decry porn create its ‚dark‘ appeal.”

Hart Williams (amerikanischer Schreiber für Sexmagazine)

1802 wurde in England die Society for the Supression of Vice“ gegründet, die einen regelrechten Kreuzzug gegen obszöne Bücher, Zeichnungen und Theaterstücke initiierte und die Eingabe dementsprechender Gesetze gegen die Obszönität unterstützte. In den USA wurde 1842 der „Tariff Act“ als Importverbot für pornographisches Material jeglicher Art, im speziellen französischer Porno-Postkarten, erlassen. 1857 folgte in England die Verabschiedung des „Obscene Publications Act“. Einige Jahre später, in den 1860ern, wurde einem radikalen Protestanten der Prozess gemacht, der ein anti-katholisches Pamphlet „The Confessional Unmasked: Shewing the Depravity of the Romanish Priesthood, the Iniquity of the Confessional and the Questions Put to Females in Confession.“ publiziert hatte. Anti-katholische Traktate wie dieser waren im England und den Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts weit verbreitet und hatten oft ein ähnliches Story-Board: Ein Priester wird über die intime Beichte einer jungen Frau und deren Geständnisse erregt und lässt sich dann mit dieser oder einer anderen Frau auf eine sexuelle Liason ein. Der protestantische Schreiber soll angeblich empört gewesen sein über die Art und Weise wie Frauen bei der Beichte befragt wurden. Diese Pamphlete wurden 1868 durch den Wolverhamptoner Magistrat Benjamin Hicklin eingezogen. Seitdem ist der „Obscene Publications Act“ allgemein als „Hicklin Act“ bekannt geworden, der auch in den USA Eingang in die Rechtssprechung fand..

Ein wichtiges Kriterium für die Prüfung, ob beanstandetes Material als obszön gelte, war die „in ihm innewohnende Tendenz, Frauen und Kinder und das schwache Gemüt durch unmoralische Einflüsse zu verderben“ Durch den „Hicklin Act“ kam es zu einschneidenden Zensurmaßnahmen in der Literatur und die Verbreitung wissenschaftlicher Arbeiten und Informationen  über Geburtssteuerung, Verhütung und Geschlechtskrankheiten wurden verhindert. Eine weitere Folge dieses Gesetzes war, dass nun das Geschäft mit Pornographie im viktorianischen England erst richtig prosperierte

In den Vereinigten Staaten schrieb Comstock  1868 für den Staat New York ein Gesetz, welches alles „unmoralische Material“ verbot. 1873 wurde der „Comstock Act“ von dem US-Kongess angenommen. Mit ihm traten u.a. strenge Regulierungen des nationalen Postverkehrs in Kraft, welche Comstock gegen jegliches Material anwendete, welches er persönlich als obszön einstufte. In den ersten sechs Monaten seiner nationalen Operation wurden 194.000 Bilder und Photos, 124.000 Pfund Bücher, 14.200 Stereophotoplatten. 60.300 Gummiartikel, 5.500 Spielkartensets und 31.500 Kästchen mit Aphrodisika beschlagnahmt. Ein besonderes Interesse hatte Comstock an Schriften und Materialien zum Thema Verhütung und Geburtenkontrolle. Die erste amerikanische Arbeit zum Thema Geburtenkontrolle welches unter dem „Comstock Act“ verboten wurde, war eine Schrift für verheiratete Paare von Edward Bliss Foote, der beanspruchte der Erfinder des Gummi-Diaphragmas zu sein. Er wurde 1876 zu einer Geldstrafe von 3.000$ verurteilt. Die Publikation des Sexologen Havelock Ellis „Sexual Inversions”,eine Studie über Homosexualität, wurde 1898 verboten und der Psychologe strafrechtlich verfolgt.

Eine weitere Person die von dieser Zensurregelung direkt betroffen war und die sich in Folge zu einer Gegenspielerin  des obersten Zensors entwickelte, war Margaret Sanger. Sie hat den Begriff und die Diskussion um die Geburtenkontrolle 1914, dem Jahr in welchem sie in dem Magazin „The Woman Rebel“ zu publizieren begann, entscheidend mitgeprägt. 1915 wurde sie für das Versenden von Informationen zur Geburtenkontrolle per Post unter dem Comstock Act angeklagt und ein Jahr später wegen der Leitung der ersten amerikanischen Geburtenkontrolle-Klinik verhaftet. Unter anderem wegen der verschärften Repression gegen M. Sanger gründeten Frauenrechtlerinnen 1915 die „National Birth Control League“ um eine Gesetzesänderung zu erreichen. Allerdings wurden erst 1965 die letzten juristischen Hindernisse vom  U.S. Supreme Court beseitigt. Erst ab diesem Zeitpunkt waren Informationen zur Geburtenkontrolle in allen 50 Bundesstaaten legal erhältlich. Nach dem Tod von Anthony Comstock 1915, übernahm John Sumner die Position des obersten Zensors. Er war keine Leitfigur wie Comstock,, führte dessen Politik aber unangefochten fort. In seiner Amtszeit wurden die beiden Feministinnen Jane Heap und Margaret Anderson, die die Literaturzeitschrift „The Little Review“ herausgaben, zu je 100$ Strafe verurteilt weil sie 1918 Exzerpte von James Joyce „Ulysses“ veröffentlicht hatten. Nach diesem Urteil konnte James Joyce weder in den USA noch in England bis 1931 einen Verleger für „Ulysses“ finden. In Frankreich erschien der Roman 1922, herausgegeben in einer Edition von Sylvia Beach, die in Paris den Buchladen „Shakespeare and Co“ führte. Als das Werk 1932 zum ersten Mal in den USA vom Verlagshaus „Random House“ publiziert wurde, war dies nicht ohne Risiken für die Verleger.

Der rigiden Zensurpraxis Anthony Comstocks und seiner Nachfolger standen die prosperierende Vergnügungsindustrie – die Kabaretts, Tanzhallen, Nickelodeons und schnell wachsenden Rotlichtviertel in allen Großstädten der USA entgegen. Das Nachtleben in der Stadt New York entwickelte sich mit einem breiten Unterhaltungsangebot für alle soziale Klassen derartig außerordentlich, das New York ab 1890 als einer der sozialen und kulturellen Kulminationspunkte der USA galt, wo sich die Veränderung der amerikanischen Kultur – weg von den Standards viktorianischer Moral und hin zu einer liberaleren Grundhaltung – am deutlichsten erkennen ließ. New York hatte zu diesem Zeitpunkt eine ausgeprägte Theater- und Kabarett-Szene, über 10.000 Saloons und eine Vielzahl von Tanzhallen und die Prostitution war ein integrierter Bestandteil der Vergnügungsindustrie. Bordelle, Concert-Saloons, sogar Restaurants und Tabakläden duldeten, unterstützten und profitierten von der Prostitution

Zum Wechsel zum 20 Jahrhundert begannen Politiker, Sozialreformer und Vertreter kirchlicher Organisationen diese Verhältnisse zunehmend zu kritisieren und gegen den sichtbaren Teil dieser Ökonomie vorzugehen. Eine von kirchlichen Sozialreformern getragene Organisation, die u.a. aus der Anti-Saloon-Liga hervorgegangen war, das „Comittee of Fourteen“, wurde 1905 gegründet. Es konstituierte sich aus Führungspersönlichkeiten der wirtschaftlichen und politischen Elite der Stadt New York und betrieb fast 25 Jahre lang einen Anti-Prostitutionsfeldzug und eine Kampagne gegen jede Form sexuellen Entertainments in Restaurants, Saloons, Kabaretts, Tanzhallen und Theatern. Das Komitee setzte sich an die Spitze einer politischen Bewegung dessen Ziel eine Reformierung des New Yorker Rechtssystem war und setzten Gesetzes- und andere Initiativen gegen kommerziellen Sex an die Spitze dieser Reform-Agenda. 1910 forcierten sie die Einsetzung einer speziellen Grand Jury. Untersuchungsbeamte des Kommittees besuchen Restaurants, Tanzhallen, Massagesaloons, Kabaretts und andere Institutionen die in der einen oder anderen Form kommerzielles sexuelles Entertainment förderten oder anboten. Immobilienbesitzer und andere Unternehmensorganisationen, wie die der Brauereien wurden unter Druck gesetzt um sie von ihrer toleranten Haltung zum kommerziellen Sex abzubringen. Um die Jahrhundertwende kontrollierte die Brauereivereinigung ca. 80- 90% der über 11 000 Saloons die New York zu dieser Zeit hatte. Traditionell wurde kommerzieller Sex in Hinblick auf die damit verbundene Profitsteigerung toleriert, oft auch gefördert. 1908 allerdings einigte sich die New Yorker Brauereivereinigung erstmals mit dem Comittee of Fourteen. Ebenso zogen die Kautionsversicherungsgesellschaften, die Sicherheiten für die Hauswirte stellten und die Grundstücksmakler ihre tolerante Politik zurück.

Durch die vielen Kampagnen, die nicht nur in New York, sondern im ganzen Land innerhalb dieses Zeitfensters stattfanden, hatte sich das Bild in der Öffentlichkeit gewandelt. 1912 war die Prostitution in New York noch öffentlich, prosperierend und aggressiv in ihrem Auftreten. 1916, nachdem eine Vielzahl von Maßnahmen des „Comittee of Fourteen“ gegriffen hatten, war die Prostitution mittels Speerbezirksverordnungen, Ladenschließungen und einer verschärften Vorgehensweise und Kriminalisierung durch die Polizei stark zurückgedrängt worden. Prostitution galt nun zunehmend als unmoralisch und verwerflich und wurde heimlich praktiziert. Freier wurden kriminalisiert. Aufgrund dieser stringenten Vorgehensweise verlagerte sich das Milieu vom Time Square und Tenderloin zunehmend nach Harlem Nachdem die Prostitution aus dem Theaterdistrikt größtenteils zurückgedrängt war, fokussierten die Sozialreformer, u.a. die „Society for the Supression of Vice“ sich auf die Revuen und Theater. 1926 wurden 300 Personen in bezug auf den moralischen Inhalt ihrer Theater- und Showproduktionen vorgeladen. Edouard Bourdets lesbisches Drama “The Captive”, Mae West`s “Sex” und William Francis Dugon`s “The Virgin Man” wurden von den Aufführungsstätten verbannt, Geld- und Haftstrafen gegen die Autoren und Produzenten verhängt. Die Aufführungspraxis der Theater passte sich dem restriktiven Klima an und verpackte sexuelle Inhalte gemäß des konservativ-moralischen Status Quo oder verbannte sie ganz. Zensur wurde zum Standard in der Unterhaltungsindustrie

„Steppin`Out  New York’s Nightlife and the Transformation of American Culture 1890-1930”
Erenberg Lewis A., 1981, Greenwood Press, Westport/USA, London/GB

Faulstich Werner, 1994,, „Die Kultur der Pornographie“, Wissenschaftler Verlag, Bardowick


Samuel Roth, Grove Press und Pin Ups – Die Neudefinition des Obszönitätsbegriffs

Mit der erfolgreichen Revision eines Gerichtsurteils gegen Samuel Roth, der nach dem Obszönitätsparagraphen verurteilt worden war, zeichnete sich ein Paradigmenwechsel in der staatlichen Zensurpolitik ab. Samuel Roth, ein New Yorker Verleger und Literat, der bereits in den 30ern mit dem Gesetz in Konflikt geriet weil er Joyces „Ulysses“ verkaufte, wurde 1955 unter dem Comstock Act für den Postversand seiner Zeitschriften „American Aphrodite“, „Photo and Body“ und „Good Times“ verurteilt.

In den USA entstand bereits Ende der 1920er neben den populären Tijuana Bibles eine regelrechte Pin-up-Industrie. Hübsche junge Frauen, gezeichnet oder photographisch in Szene gesetzt, auf Kalenderblättern, Centerfolds oder auf Covern verschiedener Zeitschriften wurden in vielen Werkstätten und Spinden „angepinnt“,  daher auch die Bezeichnung „Pin-up“. Populäre Publikationen wie „Whisper“, „Wink“, „Titter“ und „Burlesk“ zeigten nackte Starlets und Pin-up-Illustrationen auf ihren Titelblättern und boten Photostories und Berichte aus dem Milieu der Burleske und der Vaudeville, gemischt mit reichhaltigem Slapstick und waren damit bis in die 50er Jahre erfolgreich. Bereits in den Vorkriegsjahren wurde dieser Trend von Interessengruppen des Militärs und der Politik erkannt und führte während des 2. Weltkrieges zu einer Reihe staatlich gesponserter Publikationen mit denen die Soldaten versorgt wurden. Diese waren zwar weniger freizügig, dafür aber umso patriotischer.

Samuel Roth ging in Berufung und hatte zwei Jahre später Erfolg. Mit der Revidierung des Urteils, getragen durch die Mehrheitsmeinung des U.S. Supreme Court, kam es zu einer Neudefinition des amerikanischen Standards von „Obszönität“. Bis 1956 ging die US-Justiz von einer Begriffsdefinition aus, die sich auf den englischen „Hicklin Act“ von 1868 bezog. Danach konnte ein Buch verboten werden, wenn nur eine Zeile einer Seite des Buches Grund zur Beanstandung gab. Nach der Mehrheitsentscheidung des obersten Gerichtshofs, geschrieben von William J. Brennan 1957, wurde der Begriff Obszönität auf Material angewendet, welches „utterly without redeeming social importance“ – ohne sozialen und literarischen Wert war, bzw. derartig eingestuft wurde. Unter diesen Definition entschied der oberste Gerichtshof, dass der französische Film „The Game of Love“, der in Chicago bereits verboten war, weil die Darsteller nackt zu sehen waren, nicht obszön ist. Im Zuge der Liberalisierung wurden das Homosexuellenmagazin „One“ und das Nudistenjournal „Sunshine & Health“ legalisiert. 1959 hob ein Gericht das Obszönitätsurteil gegen die Novelle „Lady Chatterly’s Lover“, von  D.H. Lawrence, auf, welches in den USA von Barney Rosset’s Grove Press publiziert wurde. Infolge dieser Entwicklung verdoppelte sich zwischen 1957 und 1959 die Anzahl sogenannter Männermagazine, die an den Kiosken angeboten wurden und brachte weiterhin eine steigende Anzahl pornographischer Publikationen, sogenannter „slicks“ hervor, die unter dem Ladentisch gehandelt wurden. Männermagazine, die von den 50ern bis in die 70er an den Kiosken zum Verkauf auslagen, boten harmlose erotische Photographien und waren weit entfernt davon Pornographie im Sinne des heutigen Verständnisses anzubieten. Aber gerade deswegen existierte ein profitabler Markt für illegale Hardcore-Pornographie. Diese Magazine wurden zu Preisen gehandelt, die Produzenten wie Händlern enorme Gewinnspannen versprachen. Ein Magazin, welches beispielsweise 0,85$ an Druck kostete, wurde dann für 5$ an die dementsprechenden Shops weiterverkauft, wo sie der Endverbraucher für 20$ oder „2 for $30“ erwerben konnte.

Grove Press veröffentlichte in den USA als erste den „Wendekreis des Krebses“ von Henry Miller, wie auch „Naked Lunch“ (William S. Borrough) und die „Geschichte der O“.  Das Recht den „Wendkreis des Krebses“ in den USA lesen zu können kostete Barney Rosset, dem Besitzer von „Grove Press“, 250 000$ an Gerichtskosten und beschäftigte 15 Anwälte der „American Civil Liberties Union“. Dieser juristische Erfolg war ein enormer Durchbruch für die Öffnung Amerikas, was die hohe Literatur, die sich mit dem Thema Sexualität beschäftigte, betraf.   Bücher wie Vladimir Nabokov’s “Lolita” und Terry Southern and Mason Hoffenberg’s “Candy”  und “Die Geschichte der O” waren bald überall erhältlich. „Grove Press“ bekam so eine Reputation als ein Verlagshaus von hochwertigen, avantgardistischen „dirty books“. Barney Rosset`s Grove Press brachte die europäische Avantgarde nach Amerika: Samuel Beckett, Jean Genet, Marguerite Duras und Alain Robbe-Grillet. Er veröffentlichte Bücher von Jack Kerouac und Allen Ginsberg und ab den 60ern verstärkt Werke der politischen und kulturellen Radikalen (Frantz Fanon, Che Guevara, Malcolm X, John Rechy, etc.) Die Publikationen dieses Verlages haben im nicht unerheblichen Maße mit dazu beigetragen alte, sexualfeindliche Normen aufzubrechen und haben eine Generation von amerikanischen Schriftstellern motiviert, neue Wege zu gehen.

Die Reformation des veralteten, aus dem 19.Jh. stammenden Obszönitätsparagraphen fand hauptsächlich unter dem liberalen „Earl Warren Supreme Court“ von 1953 bis 1969 statt und  wurde unter dem Gerichtspräsidenten Warren Berger(1969-1986) zum allgemein gültigen Standard. Vor den 60igern fiel fast jede Veröffentlichung sexuell expliziten Materials, mit der Ausnahme von Joyce „Ullysses“  unter die Definition „obszön“. Aber auch in späteren Jahren kam es zu einschneidenden Gerichtsurteilen des US Supreme Courts, die zeigten, dass sich die Liberalisierung ausschließlich an den neuen Standards der literarischen Avantgarde orientierten. 1966 wurde der Verleger Samuel Mishkin wegen der Veröffentlichung von Pulp-, Fetisch-, und Pornobüchern verurteilt. Seine Publikationen deckten die Themen, Fetischismus, SadoMasochismus, Homosexualität und Bondage ab. Ein weiterer Prozess wurde gegen Allan Ginzburg geführt, der das Magazin „Eros“, die Zeitung „Liaison“ und das Buch „The Housewife’s Guide to Selected Promiscuity” herausgegeben hatte. Er wurde zu einer Strafe von 42.000$ und 5 Jahre Haft verurteilt.

In den 50ern bis in die 70er wurde jenseits des florierenden Underground-Marktes die öffentliche Diskussion um die Standards, was als obszön klassifiziert wurde, über populäre Männermagazine wie Playboy, Penthouse, High Society und Hustler, sowie Verleger wie Samuel Roth und Barney Rosset geführt. Ein weiteres Magazin, welches über 3 Jahrzehnte von der „Milky Way Productions“ verlegt wurde, war „Screw“, welches noch vor „Hustler“ frontale Nacktphotos von Frauen und Männern veröffentlichte und in seiner Gestaltung subkulturelle Einflüsse erkennen ließ. Al Goldstein, der Herausgeber von „Screw“, finanzierte u.a. eine der ersten homosexuellen Wochenzeitungen Amerikas, namentlich „Gay“ (1969-1973).

Milky Way produzierte eine eigene Videoedition und betrieb lange, die nur für das Kabelfernsehen konzipierte Show „Midnight Blue“( Softcore) und „Ecstasy Channel“ (Hardcore).  2003 musste das Magazin, wie auch die Company, Konkurs anmelden. Bereits ein Jahr später lief ein Film über Al Goldstein, „Screwed“ in den amerikanischen Kinos an.

Mit der zunehmenden Liberalisierung und der absehbaren Entstehung eines Massenmarktes, wie wahrscheinlich auch durch kalkulierte Finanz- und Warentransaktionen kam es in den 80ern zu einer massenhaften Produktion von pornographischen Magazinen bei gleichzeitigen Preisverfall. Mit der zunehmenden Konkurrenz des Videofilms und später dem Internet, sind alle Auflagen der Magazine rückläufig und viele bereits vom Markt verschwunden, stellen aber nach wie vor ein lukratives Segment der Sexindustrie dar. Laut der Firma „Adams Media Research“ und der „Magazine Publishers Association” soll der Umsatz (2002) von Adult-Magazinen bei ca. 1 Miliarde US-Dollar liegen. 1997 lag er noch bei 1,2 Milliarden.

Der „Production Code“ und der  « Comics Code Authority“

Der sogenannte Hays Code wurde von der MPAA 1930 eingeführt und stellte mit der Einsetzung der „Production Code Administration“ 1934 das maßgebliche Kriterium was in der Filmproduktion für das Publikum als moralisch akzeptabel angesehen wurde. Alle Filme, die ab diesem Zeitpunkt realisiert wurden, benötigten ein Zertifikat dieser Instanz um aufgeführt werden zu können. Diese Praxis hatte in den Vereinigten Staaten für mehr als 30 Jahre für alle US-Filme Bestand. Alle großen Hollywood-Studios übernahmen den „Production Code“ größtenteils als Basis einer Selbstregulation um auf diesem Wege staatlichen Zensurmaßnahmen vorzubeugen. Der „Production Code“ umfasste einen ausführlichen Katalog von Inhalten, visuellen Darstellungen, bis hin zu einzelnen Wörtern, die als moralisch illegitim galten. Dazu gehörten neben der allgemeinen Feststellung das die filmische Narration nicht zulassen darf, das die Zuschauer eine Sympathie für Kriminelle oder „teuflische“ und „sündhafte“ Verhaltensweisen entwickeln können,  u.a. das Verbot der Darstellung von Nacktheit und „suggestiven Tänzen“ und die Bezugnahme auf „sexuelle Perversionen“ wie Homosexualität. Weitergehend durfte die filmische Darstellung nicht den Eindruck entstehen lassen das „niedere Formen sexueller Beziehungen“ gesellschaftlich akzeptiert sind. Stattdessen sollten die Werte von Familie, Heirat, Heim und Herd hochgehalten werden. Filmemacher und kleine Studios, die sich nicht an diese Bestimmungen hielten, wurden von Hollywood ausgegrenzt, kamen auf die schwarze Liste der katholischen „Legion of Decency“ und hatten keine Aufführungsmöglichkeiten mehr.

1948 wurde die vertikale Integration der Filmindustrie in dem Prozess gegen Paramount Pictures Thema des obersten Gerichtshofs aufgrund der Verletzung der Anti-Trust-Gesetze. Aufgrundessen  mussten die Studios ihr Monopol bei den Filmaufführungsstätten abgeben und hatten keine Möglichkeit mehr ausländische Filme, für die der „Production Code“ keine Gültigkeit hatte, vom Markt fernzuhalten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dann außerhalb des Studiosystems eine Reihe unabhängiger Kinos, die mit zunehmenden Erfolg europäischen und amerikanischen Underground aufführten, so dass die Diktionen des Hays Code immer mehr an Gültigkeit verloren. Mit der Aufführung von “Blow up” 1967 – einem Film dem das Zertifikat verweigert wurde – durch das Filmstudio MGM, welches ein Mitglied der MPAA war, wurde deutlich des der „Production Code“ endgültig überholt war. 1968 führte die MPAA dann ein Rating-System, mit vier verschiedenen Kategorien – G, M, R und X – ein. Dieses Bewertungssystem klassifizierte die Filme je nach Eignung oder Nicht-Eignung für jugendliche Zuschauer. „G“ – unbedenklich, generell freigegeben, „M“ – für das „reifere“ Publikum, „R“- nicht unter 16 Jahren ohne erwachsene Begleitung und „X“- nicht unter 17 Jahre erlaubt.

In der Comic-Industrie funktionierte der „Comics Code Authority (CCA)“ in ähnlicher Weise. Er wurde von der „Comics Magazine Association of America (CMAA)” eingesetzt um die Inhalte und grafischen Darstellungen der Comics zu kontrollieren und zu zensieren. Die Verlagshäuser ließen ihre Produkte von der CCA kontrollieren und konnten, wenn sie nicht beanstandet wurden, das CCA-Zertifikat auf dem Cover zu Werbezwecken verwenden. Die CCA wurde 1954 gegründet und hatte ihren Fokus hauptsächlich auf die Genres der „True crime“ und Horror-Comics, beschäftigte sich aber auch mit der Vielzahl der „love and romance“-Comics, damit diese, moralisch unbeanstandet, frei von sexuellen Anspielungen waren. Die CCA war zwar keine offizielle, staatlich legitimierte Entscheidungsinstanz, hatte aber großen Einfluss auf die Distribution und das Kioskwesen, so dass Comics ohne das CCA-Zertifikat oft gar nicht erst ausgeliefert wurden. Einer der in den Fokus der „Comics Code Authority“ geriet war William Gaines, Präsident von EC Comics, u.a. Herausgeber von dem MAD-Magazin, mit den Publikationen “Crime SuspenStories”, “The Vault of Horror” und “The Crypt of Terror”. Darstellungen von Vampiren, Zombies und Werwölfen waren genauso wie die Wörter „terror“, „horror“ und „crime nach den Reglementarien der CCA verboten. Gaines versuchte seinen Standpunkt auf einem öffentlichen Hearing zu verteidigen, konnte aber nicht verhindern das die betreffenden Magazine aufgrund der Restriktionen im Laufe eines Jahres keinen Profit mehr abwarfen. In den 60er Jahren, mit dem Aufkommen der Underground-Comix wurde das Diktat der CCA erstmals unterlaufen, da diese Magazine sich über Head-Shops und Buchläden eine eigen Vertriebsstruktur aufgebaut hatten. Der Comic Code wurde 1971 und 1989 jeweils einer Revision unterzogen um ihn an die veränderten Marktbedingungen anzupassen, verlor aber weiterhin zunehmend an Einfluss, bis CCA-Sponsoren wie DC Comics und Marvel eigene Erwachsenen-Comics ohne Zertifikat herausgaben und Marvel 2001 sich von dem CCA abkehrte und ein eigenes Rating-System favorisierte.


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