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Die us-amerikanische Sexindustrie

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Pornographie, Moral und Sexindustrie von Peer A. Gosewisch steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Preface

Die „Sex-Industrie“ bezieht sich auf Organisationen, Eigentümer, Manager und Arbeiter, die in kommerziellen Sexunternehmen involviert sind. „Sex-Work“ oder „Sex-Arbeit“ ist ein genereller Term für kommerzielle sexuelle Dienstleistungen, Performances oder Produkte, die gegen Bezahlung angeboten werden. Diese Industrie war aufgrund der Gesetzeslage und des sozialen Stigmata lange Zeit an den Rotlichtvierteln urbaner Zentren und deren spezifischen sozialen Milieu verortet. Mit der allgemeinen Liberalisierung und der Lockerung der moralischen Konventionen seit den 60ern, aber vor allem durch die neuen Technologien von Video, Computer, Kabelfernsehen und Handy, hat sich dieser Bereich zu einer bedeutenden Industrie mit einem Massenmarkt entwickelt.

Unternehmen aus dem Printbereich wie Playboy, Hustler, Private und Penthouse bauten bereits in den 80ern eigene Videoeditionen auf und weiteten ihr Branding auf andere  Segmente wie Assecoires und Gentlemens Clubs aus. Mit der Entstehung des World Wide Webs bauten alle Majors dieser Branche ihre Internetpräsenzen auf. Playboy und die europäische Private Media erkannten frühzeitig das Potential dieser Technologie und investierten in das Pay-TV und Internetsegment. Viele Filmproduktionen und Erotika-Versandhäuser haben sich durch das Internet einen Massenmarkt erschlossen, während andere Unternehmen, die vormals im Bereich Telefonie/Mehrwertdienste tätig waren, ihre Logistik nutzten um eigene Webunternehmen aufzubauen. Geschäftskooperationen und Kapitalbeteiligungen mit regulären Unternehmen aus der Finanzwelt und Majors aus der Internet, Kabel- und Satellitennetzwerkbranche waren die zwangsläufige Konsequenz dieser Entwicklung.

Die Sexindustrie hat in den vergangenen 20 Jahren enorme Zuwachsraten und exorbitante Umsätze zu verzeichnen. Wobei die USA inzwischen den weltweit größten Anteil an der Produktion von pornographischer Ware hält. Der Porno ist von der Öffentlichkeit des Kinos in die Privatsphäre der einzelnen Haushalte gewechselt. Videos, Kabel-TV und der Computer sind Massenartikel geworden, dessen spezielle Angebote die ehemaligen Erwachsenenkinos fast vollständig ersetzt haben. Nach einem Report des „California Department of Justice“  aus dem Jahr 1978 soll die us-amerikanische Pornoindustrie bereits zu dieser Zeit einen Umsatz von 4 Milliarden Dollar erzielt haben. Nach einer konservativen Schätzung von „Forrester Research“(Cambridge, Mass.) von 1998 soll sich dieser Umsatz, mit 10 Milliarden Dollar, mehr als verdoppelt haben.

Der Verleih von Hardcore-Videos betrug 1985 in den USA 75 Millionen und stieg bis 1998 auf 686 Millionen an und inzwischen gibt es an die 25 000 Läden, die solche Videos verleihen. Allein 1996 gaben die Amerikaner nach Schätzungen des “US News & World Report“ acht Milliarden Dollar für den Kauf und die Ausleihe von „X-rated“-Videos, Live-Sexshows, Porno&Sexmagazine, Computerpornographie und dementsprechende Angebote in den Kabelprogrammen aus. Eine weitere Billion für den kommerziellen Telefonsex. Nach der Traderorganisation „Adult Video News(AVN)“ lag der Umsatz in diesem Jahr um ca. 2-3 Milliarden höher. Exakte, nachprüfbare Daten sind allerdings schwer erhältlich. Forrester Research ging 1998 in einem Report über die us-amerikanische Online-Adult-Content-Industrie von einem Umsatz  von 750 Millionen Dollar bis zu einer Milliarde aus. Ein weiterer umfassender Industrie-Report aus dem Jahr 2001, der in Zusammenarbeit mit den Firmen „Adams Media Research“ und „Veronis Suhler Communications“ erstellt wurde, veranschlagt den Umsatz mit pornographischen Videos auf 1,8 Milliarden Dollar, den des Internet auf eine weitere Billion, den Umsatz mit pornographischen Magazinen ebenfalls auf eine Billion  – und 128 Millionen Dollar auf die zu der Zeit noch recht neue Bezahlform des „Pay-Per-View“-Verfahrens. Dieser Report kommt damit auf einen Gesamtumsatz  der Sexindustrie von 3,9 Milliarden Dollar, wobei die umsatzstarken Segmente der Prostitution und des Versandhandels und Direktverkaufs  von Sextoys nicht berücksichtigt wurden.

Die US-Sexindustrie ist aufgrund einer Vielzahl von Publikationen, den vielen Adult-Webmasterforen und dem Trade-Magazin AVN weitaus transparenter als die Branche in Europa. Verlässliche Daten zur realen Ökonomie schwanken allerdings erheblich und scheinen von dem jeweiligen politischen Standpunkt beeinflusst zu sein. Während seitens dieser Industrie und von Vertretern einer liberalen Grundhaltung die wirtschaftliche Bedeutung für den Staatshaushalt hervorgehoben und mit dementsprechenden Bilanzen untermauert wird, versuchen konservative Kreise und erklärte Pornographiegegner die wirtschaftliche Bedeutung herunterzuspielen und liefern ihrerseits dazu die nötigen Fakten. So kam es im Mai 2001 in den Artikeln zweier einflussreichen US-Publikationen zu Schätzungen des Umsatzes der Sexindustrie, die um über 6 Milliarden Dollar differierten. Das New York Time Magazine ging in ihrem Artikel „Naked Capitalists: There’s No Business Like Porn Business“, von einem Gesamtumsatz von 10 bis 14 Milliarden Dollar aus, das Magazin Forbes hingegen veranschlagte die Summe zwischen 2,6 bis 3,9 Milliarden Dollar. Der Autor des 2003 erschienenen Buches  „EroticaBiz – How Sex shaped the Internet“, Lewis Perdue geht von einem legalen, also versteuerten Gesamtumsatz von 16,2 Milliarden aus, zusätzlich – bei der Annahme von 500.000 Prostituierten in den USA, von einem illegalen Gesamtumsatz in Höhe von zusätzlichen 15 Milliarden Dollars. (Prostitution ist in den USA bis auf wenige Ausnahmen im Bundesstaat Nevada verboten.) Nach einer Schätzung von Adult Video News (AVN) soll der Umsatz der US-Sexindustrie im Jahr 2005 $12.6 Milliarden betragen haben. Für diese Schätzung wurden Reports von Kagan Research, Jupiter Research,  New York Times, Forbes und der Free Speech Coalition mit herangezogen.

Im Gegensatz zu Europa haben die Geisteswissenschaftler in den USA weit weniger Berührungsängste gegenüber der „Popular Culture“ zu dem das Genre Pornographie zuzurechnen ist, nachdem sie sich von einer gesellschaftlichen Randerscheinung zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor und gesamtgesellschaftlichen Phänomen entwickelt hat. Dies hängt u.a. damit zusammen, das die Sexualwissenschaft, nach ihrer zeitweiligen Zerstörung durch den Faschismus in Europa, zunächst besonders in den Vereinigten Staaten wiederbelebt wurde. Neben den langjährig wirkenden Kinsey- und dem Masters-and-Johnson-Institut, gibt in San Francisco eine private sexualwissenschaftliche Hochschule, das „Institute for Advanced Study of Human Sexuality“ und eine Vielzahl von Universitäten bieten dementsprechende Studienprogramme an.

In den USA soll es ca. 50 Universitäten geben, die innerhalb dementsprechender Studiengänge Kurse zum Thema Pornographie anbieten. Neben etlichen filmwissenschaftlichen Seminaren, Kurse wie „Exploring Cybersexualities“ im Rahmen des Multimedia-Studiengangs der San Francisco State University oder „Pornography: the Writing of Prostitutes“ an der Wesleyan University, wo die Studenten eigene Kurzgeschichten und Videotapes realisieren.

Bereits 1998 wurde in Los Angeles eine „World Conference on Pornographie“ veranstaltet an der hunderte hochrangige Vertreter vieler wissenschaftlicher Disziplinen und juristische Experten teilnahmen. Organisatoren waren das „Center for Sex Research“ an der California State University. Nach einer Statistik des „Penguin Atlas of Human Sexual Behavior“ (2000/Mackacay Judith) bezeichnen 23% aller amerikanischen Männer und 11% der Frauen sich selbst als Konsumenten von Hardcorepornographie.

Der amerikanische Markt der Sexindustrie ist nach seinem wirtschaftlichen Umfang und seiner ökonomischen Bedeutung wesentlich besser erfasst, als dies in Deutschland der Fall ist. Mit Abstand am besten erfasst ist der us-amerikanische Videomarkt seit Mitte der 80er Jahre, dies geht vor allem auf das Trader Magazin „Adult Video News (AVN)“ zurück, die seit 1986 regelmäßig Zahlen zu Produktion und Umsatz veröffentlichen. Von der Entstehungsgeschichte dieser Branche bis in die 80er Jahre des 20.Jh. ist die Datenlage sehr ungenau, da viele Unternehmen in ihrer Anfangszeit in der Illegalität operierten und die Grauzone zur organisierten Kriminalität immer noch einen einflussreichen Faktor darstellt. Die Entwicklung der Branche liest sich aufgrunddessen überwiegend als eine Geschichte der Strafverfolgungsbehörden und der Zensur und den politischen Emanzipationsversuchen vor diesen Instanzen. Für den Zeitraum der letzten 10 Jahre bietet sich das Internet als Informationsquelle an und speziell für das Segment der Online-Pornographie die verschiedenen Adult-Webmaster-Foren  und  das e-Buch „EroticaBiz – How Sex shaped the Internet“ von Lewis Perdue. Weitere aufschlussreiche Literatur stellen die Publikationen „Porn Gold- Inside the Pornography Business“ von David Hebbditch/Nick Anning, 1988, “Porn – Myths for the 20. Century”, Stoller Robert J., 1991 und „Sex for Sale“, Weitzer Ronald (Hg.), 2000 dar. „Porn Gold“ versucht im Zeitraum 1950 bis in die 80er die Situation des europäischen Marktes zu erhellen, während die anderen beiden Bücher ihren Fokus ausschließlich auf den us-amerikanischen Markt haben.


Was die genannte Literatur, vor allem das Buch von Robert Stoller betrifft, ist die Person von William (Bill) Margold erwähnenswert, der als einer der wenigen Personen in der Lage war, kenntnisreiche Einblicke in dieses Business zu verschaffen. William (Bill) Margold, seit den 70ern ein Pornodarsteller, arbeitete in verschiedenen Bereichen der Sexindustrie, als Journalist für Hustler, Publicity-Direktor, Talentscout und überwiegend als Berater. Nach dem Selbstmord einer Bekannten, dem Pornostar Savannah, 1994, mitbegründete er die „Free Speech Coalition (FSC)“ , ein Internet-Board, 24 Stunden über Chat und Telefon erreichbar, u.a.für Pornodarsteller, die ihre persönlichen, berufsbezogenen Probleme nicht alleine bewältigen konnten. Es entwickelte sich zu einem Selbsthilfe-Board, das 1995 in „PAW (Protecting Adult Welfare)“ umbenannt wurde. Seine Karriere begann 1972 als er für das Adult-magazin „Hollywood Press“ Artikel verfasste, kurze Zeit darauf begann er als Darsteller und als Mitarbeiter in einer Castingagentur zu arbeiten. Im Zeitraum 1973-82 soll er über die Hälfte der in Kalifornien produzierten Pornos gecastet haben. 1984 gründete er zusammen mit Jim Holliday die „X-Rated Critics Organization (XRCO)“ und später die „FOXE – Fans of X-rated Entertainment“, die jährlich ihre eigene Award-Show kreeiren. Ab 1985 (bis 1991) stand er dem Akademiker Robert Stoller, einem Psychiater und Soziologen, der über die Arbeitverhältnisse in der Sexindustrie forschte, als Interviewpartner zur Verfügung und vermittelte weitergehende Kontakte. Durch dessen Veröffentlichungen in den 90ern (u.a. “Porn and Coming Attractions”), wurde Margold in der lesenden Öffentlichkeit Amerikas bekannt. Stollers Werk trug nicht unerheblich zu einem objektiven Diskurs über die Sexindustrie mit bei. 1998 beendete William Margold seine Tätigkeit als Pornodarsteller.
Eine weitere, mit Vorbehalt zu gebrauchende Ressource, da viele Postings auf ihren Wahrheitsgehalt nicht überprüft werden können, war die Webseite lukeford.com, die einen deutlichen Blog-Charakter hatte.  Luke Ford beobachtete die Sexindustrie in den USA seit 1995, seine Erstveröffentlichung erfolgte 1999 mit „A History of X: 100 Years Of Sex In Film“ (Prometheus). Bekannt geworden ist er aber durch seine Arbeit über das organisierte Verbrechen, sowie  Anekdoten und Geschichten über Pornodarsteller und Internas dieser Industrie, die er auf seiner 1997 gegründeten Webseite publizierte. Er veröffentlichte auf seiner Seite alles was ihm angetragen wurde, auch kontroverse Standpunkte, ohne allerdings vorab den Wahrheitsgehalt der Informationen zu überprüfen. Populär wurde die Seite u.a. durch eine Story über einen HIV-infizierten Pornodarsteller und dadurch das die wirklichen Namen mehrerer Pornodarsteller, die nur unter ihren Künstlernamen bekannt waren, veröffentlicht wurden.  Die Webseite wurde 2000 eingestellt, 2004 aber wieder relaunched, inzwischen sind die informellen Ressourcen auf dieser Seite nicht mehr vorhanden und werden stattdessen auf der Webseite http://www.lukeisback.com weitergeführt.

Pornographie – Der neue Massenmarkt

Vor 40 Jahren war die Pornoindustrie so gut wie nicht einsehbar und bestand aus der Produktion und dem Vertrieb von Magazinen, Erotika, Stag-Filmen und Peepshows, die allesamt in den Rotlicht-Bezirken gettoisiert waren. In Europa übernahmen Dänemark und Schweden bei der Legalisierung von Pornographie eine  Vorreiterrolle. 1967 wurden in Dänemark pornographische Schriften, 1969 dann auch visuelles Material legalisiert. Schweden hob 1969 das Pornographieverbot auf. Deutschland, wo sich bereits seit Mitte der 60er Jahre eine umsatzstarke Sexfilmindustrie etabliert hatte, folgte 1973. Ein prosperierender Wirtschaftszweig, der lange in der Grauzone des Rotlichtmilieus und der Illegalität verdeckt operierte, konnte sich ab  diesem Zeitpunkt legal entfalten. In den USA veränderte sich die juristische Ausgangslage 1973 mit dem Gesetz „Miller v. California“, in welchem die Entscheidung was obszön war und nicht, anstatt einer zentralen Bundesbehörde, den einzelnen Kommunen überlassen wurde. In einzelnen Bundesländern verschärfte sich die Gesetzesgebung zwar, aber durch die unterschiedliche Gesetzesauslegung taten sich Lücken auf die von dezentralen Produktions- und Vertriebsorganisationen genutzt werden konnten, so dass sich ab diesem Zeitpunkt, mit dem beginnenden Videoboom, Pornographie zu einer Industrie  mit einem Massenmarkt entwickeln konnte.

Mit den neuen Technologien des Satelliten-Fernsehens, Pay-TV und dem Internet wurde die Distanz zwischen Produzenten und Konsumenten von pornographischem Material noch geringer. Internet und Kabel-TV ermöglichten komplikationslos den anonymen Konsum von Pornographie. Einige Firmen die durch den Videoboom zur ansehnlicher wirtschaftlicher Größe gewachsen waren, wie auch die Majors aus dem Print-Bereich, nutzten die neuen Möglichkeiten zur vielfältigen Vermarktung mit dementsprechenden Gewinnen. Mitte der 90er Jahre entwickelten sich Wirtschaftspatenschaften mit „regulären“ Konzernen wie „AT & T“, „Marriot“ und General Motors, welcher Besitzer der Satellit-TV-Gesellschaft „Direc TV“ war.. Die drei größten Hotelketten der USA, Hilton, Marriot und Western sind mit ihrem Kabel-TV über die Kabelnetzwerke von „Lodgenet“ und “OnCommand.Video” am Pornogeschäft beteiligt. Durch den Zusammenschluß von AT&T und Camcast Corparation ist der größte Kabelnetzwerkbetreiber in den USA entstanden und somit die größte „Pipeline“ für pornographisches Material. Für die Kabel- und Satelliten-Kompanien ist das Geschäft mit der Sexindustrie besonders lukrativ. Im regulären Bereich kassieren sie ca. 50% der Gebühren die vom Endverbraucher erhoben werden, im pornographischen Segment sind es bis zu 80%.

Inzwischen sind es reguläre Geschäftsleute die das Business in der Sexindustrie betreiben. Einige wenige große Unternehmen sind verantwortlich für einen Grossteil der pornographischen Ware die in den USA produziert wird. Man setzt auf Pornographie als Massenprodukt und versucht juristische Probleme durch Selbstregulation zu vermeiden. Die pornographischen Formula haben sich durch die öffentliche Diskussion und aufgrund einer veränderten Konsumentenhaltung – vor allem durch die steigende Anzahl weiblicher Konsumenten- verändert. Das Nischensegment boomt und der Trend geht in Richtung qualitativer Produktionen und Filmen mit komplexeren Handlungsrahmen.

Events, Konferenzen und Traderorganisationen der Sexindustrie

1984 gründete Paul Fishbein das Wirtschaftsmagazin der Sexindustrie „Adult Video News„, welches inzwischen maßgebliche Standards in dieser Industrie setzt. 1999 übernahm AVN die „IA2000 Internet & Phone Sex Convention“ mit ihrem monatlich erscheinenden Magazin, welches in „AVN-Online“ umbenannt wurde. Bedeutende, jährlich stattfindende Messen und Kongresse für die US-Sexindustrie sind  zum einen die von der AVN organisierten Events, die überwiegend in Los Angeles und Las Vegas stattfinden. Dies sind die „Internext”, die “AVN Adult Entertainment Expo”, die “Erotica LA”  und die „AVN Adult Novelty Expo“. Außerdem gibt AVN einige der entscheidenden Informationsmedien dieser Branche heraus. Die Magazine und Online-Publikationen  „AVN.com“, „InsideAdult.com“ und  „AVNOnLine.com“  AVN veröffentlich regelmäßig anerkannte Statistiken  dieser Industrie und stellt monatliche Bestellerlisten auf. Jedes Jahr  inszeniert AVN auf einer dreitägigen Expo eine Award-Show mit Preisverleihung, beispielsweise für die „Best Anal Sex Scene“, „Best Girl Girl“, bis zur „Best Non-Sex Performance“.

Paul Fishbein soll geschäftliche wie private Verbindungen zu der Firma „VCA“ unterhalten haben. Die Internetauftritte von AVN liefen über die Server von „Babenet“, welche enge Geschäftsbeziehungen zu VCA unterhielt. Der Vizepräsident von VCA, Darren Roberts, kommt ursprünglich von „Babenet“ und Paul Fishbein ist verheiratet mit Kimberly Wilson, die bei VCA für die Vermarktung der Filme via Kabel verantwortlich ist.

Weitere Branchentreffen sind der jährlich mehrmals an verschiedenen Orten stattfindende „Webmaster Access“ mit einer Vielzahl von Seminaren und Möglichkeiten zum Networking, das „Phoenix Forum“ und kleinere Events wie die „XRCO“, die „Cybernet Expo“  und die „Adult Webmaster Events“ Die wichtigsten Magazine, bzw Web-Ressourcen der Online-Pornographie sind neben AVN Online, Klixxx, das 1996 gegründete XBiz World, sowie YNOT.com. Im europäischen Raum sind Venus-Messe, die Events von „Adult Online Europa“(AOE) und „Eurowebtainment“ und die „World Telemedia“ für die amerikanische Branche von Interesse.

1990, unter der ersten Bush-Regierung, wurde gegen einen Großteil der wichtigsten Produzenten von pornographischen Videos Ermittlungsverfahren und Prozesse eingeleitet. Als Reaktion wurde seitens der Sexindustrie die „Free Speech Legal Defense Fund (FSLDF)“ gegründet, die 1992 in die „Free Speech Coalition (FSC)“ umbenannt wurde. Die “Free Speech Coalition (FSC)” hatte in ihrer Anfangszeit weniger als 10 Firmen, die zu ca. 90%  zur Finanzierung der Organisation beigetragen haben. Inzwischen sind es über 15 Hauptsponsoren, deren Beiträge ca. zu 50% den Finanzierungsbedarf decken, während die Anzahl der Mitglieder 2005 – durch Öffnung der Strukturen auf Kleinstunternehmen und Konsumentenkreise –  bei stetig steigender Tendenz, auf über 600 angestiegen war. Die FSC entwickelt sich aufgrund der wachsenden Bedeutung des Internetmarktes von einer Lobbyorganisation  der Adult-Video- und DVD- Industrie hin zu einer Vertretung der pornographischen Film- und Onlineindustrie, sowie deren Konsumenten. Die „Free Speech Coalition” ist auf mehreren Industrie Trade Shows vertreten und unterhält Verbindungen zu anderen Organisationen, wie z.b. der ASACP und der ACE, der Traderorganisation der Nachtclub-Industrie. 2005 etablierte sie die ständige Anwesenheit ihres ersten nationalen Lobbyisten in Washington, in persona Aubrey C. King.

Eine weitere Organisation, die später in der „Free Speech Coalition“ aufging war die „Global Internet Association“. 1996 gründete Mark Tiarra  die “United Adult Sites“, als eine Non-Profit-Organisation für Adult-Webmaster, um juristische und unternehmerische Hilfestellungen zu geben. Nachdem 2000 VISA und andere Kreditkartenunternehmen Gebühren und Strafgelder enorm erhöhten, wurde von einigen der wichtigsten Unternehmen der Online-pornographie die Lobby-Organisation „Global Internet Association“ gegründet, dessen Präsident Tiarra wurde.

Die „Internet Media Protective Association“ (IMPA) wurde von Michael Goldberg gegründet. Goldberg ist Generaldirektor der “New Destiny Internet Group”, die u.a. “homegrownvideo.com” betreibt und einer der führenden Personen die die Interessenvertretung und den Rechtstreit der Branche gegen das Patentportefolio-Unternehmen „Acacia Technologies” wahrnimmt.

Weitere Initiativen, die in Teilbereichen bei bestimmten juristischen Kampagnen und Zensurbestrebungen mit der „Free Speech Coaliation“ und anderen Gruppen der Online-Pornographie zusammenarbeiten, sind verschiedene Sex-Pro- und Bürgerrechtsorganisationen. Dies sind u.a. die „ITCR – The Institute for Twentyfirst Century Relationships” und “NCSF – The National Coalition for Sexual Freedom”. Sie betreiben eine Aufklärungs- und Informations-, wie auch Lobbyarbeit für die freie sexuelle Entfaltung des Individuums und unterstützen sexuelle Minderheiten. Eine weitere Initiative, die “AU – Americans United for the Separation of Church and State”, wurde ursprünglich gegründet um religiöse Minderheiten zu schützen und versteht sich inzwischen als eine Organisation, die gegen die vielfältigen Verflechtungen von staatlichen Institutionen und rechtsgerichteten, fundamentalistischen religiösen Organisationen gegenangeht und über diese Zusammenhänge informiert.  Desweiteren die „ACLU – American Civil Liberties Union”, eine Bürgerrechtsorganisation, die gegen die zunehmende Einschränkung der Bürgerrechte im Allgemeinen, wie im Internet opponiert. Die “NCAC – National Coalition Against Censorship” tritt gegen jegliche Art von Zensur an, von Literaturzensur im Schulsystem, Pressezensur, bis hin zu staatlichen Reglementationen wegen angeblicher Obszönität im Filmbereich und im Internet. Zuguterletzt die “Electronic Frontier Foundation (EFF)” Eine Non-Profit-Organisation, die 1990 gegründet wurde und ihren Sitz in San Francisco/Kalifornien hat. Sie versteht sich als Lobby-Organisation und Advokat auf das Recht der freien Meinungsäußerung wie sie im obersten Gebot der US-Verfassung festgeschrieben ist im Kontext des heutigen digitalen Zeitalters. Ihr Hauptziel ist es die Wahrnehmung für die Bürgerrechte im Kontext der neuen Technologien bei den Medien, Politikern und der allgemeinen Öffentlichkeit zu schärfen und diese Rechte zu verteidigen.


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