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Sextoys – Produzenten, Versandhäuser und Shops

Das Internet, das quasi anonyme Bestellungen ermöglicht, hat aus der Erotikindustrie ein Multi-Milliarden-Business gemacht. Eine Sexspielzeugindustrie mit den Zentren in Fernost und Kalifornien füllt weltweit die Regale von Sexshops mit Vibratoren, Dildos und Gummipuppen. Die Canadian Broadcasting Corp.“ schätzte den nordamerikanischen Umsatz im Jahr 2001 auf $500 Millionen und 2006 wurde der Umsatz der US-Adult-Novelty-Industrie von dem Miami Herald  bereits auf $ 1,5 Milliarden geschätzt. 2004 ist Amazon in den Sextoy-Markt eingestiegen und bietet über die „Health and Personal Care“-Sektion des US-Store mittlerweilen Verhütungsmittel, Stimulanzpillen und über 1500 verschiedene Toys an – insgesamt  rund 15 000 verschiedene Artikel. Der Einstieg des größten Onlineshops ins Erotikgeschäft verlief still und ohne Aufsehen.

In den USA sind in der Produktion von Sextoys die Unternehmen „California Exotic Novelties“, „Topco Sales“ und „Doc Johnson“ marktführend. Die US-Sextoy-Industrie hat zwei jährlich stattfindende Messen, die „Adult Novelty Manufacturers Expo“ (ANME) und die von AVN organisierte „Adult Novelty Expo“(ANE). Die erste ANME, auf der nur Vertreter dieser Industriebranche und Händler zugelassen sind, wurde 1996 in Los Angeles  abgehalten. Weitere von der AVN unabhängige Magazine sind das Adult Store Buyer Magazine (asbmagazine.com) und das Teeze Magazine, die zweimonatlich erscheinen und auf die Branchenvertreter ausgerichtet sind. In der „Topco“-Zentrale in San Fernando produzieren über 500 Mitarbeiter an die 1000 verschiedene Artikel, vom Vibrator zur Reizwäsche bis hin zur Kosmetik. Die Konkurrenz unter den verschiedenen Anbietern ist groß und äußert sich u.a. in dem ständigen Auswurf neuer Produkte. „Topco“ bringt jährlich um die 100 neue Produkte auf den Markt, „CEN“ sogar über 200. Auch der Beate Uhse Konzern ist, wenn auch im weitaus bescheideneren Rahmen, in diesem Sektor aktiv. So wurde 2001 die ungarische Firma „Trans-ExKft“ übernommen. Mit der deutschen Tochtergesellschaft „Lavetra“ des Holdings, deren Produktion nach Ungarn ausgelagert wurde, soll ein Teil der Versorgung mit Gummiprodukten gewährleistet werden, um eine größere Unabhängigkeit von den Marktführern in Asien und den USA zu erreichen. (FAZ,Nr.279)

Viele dieser Sexspielzeuge, vor allen die in Fernost produzierten, sollen allerdings toxischer Müll sein, da die Kunststoffprodukte wegen dem Anspruches auf „Gefühlsechtheit“ mit chemischen Weichmachern, Lösungsmitteln und anderen, zum Teil hochgiftigen Substanzen behandelt werden. So haben sich kleinere Unternehmen, die auf Qualität anstatt auf Quantität setzen, eine Nische erobern können und bedienen eine wachsende Nachfrage von Toys und Accecoires von hochpreisigen Luxusartikeln bis hin zum Markt für weibliche Konsumenten und BDSM-Anhängern, wo der Kauf, Konsum und Gebrauch dementsprechender Artikel inzwischen Bestandteil der Lifestyle-Attitüde geworden ist. Desweiteren gibt es inzwischen Produzenten von „Sexdolls“, die sich, abseits des Massenangebotes von aufblasbaren Puppen aus Fernost, auf die Luxusgüterproduktion spezialisiert haben.

Die neue Generation der Sexpuppen, sogenannte „RealDolls“ sind inzwischen echten Frauen bis ins kleinste Detail ähnlich, Vagina und After fühlen sich natürlich an. Man kann sie piercen, kosmetisch bemalen und heiß mit ihnen duschen. Das Material, Silikon, hält bis zu 250 Kg Lebendgewicht aus und ist langjährig. Diese vollkommen lebensechten, aus Silikon, mit Stahlskelett, Gelenken und Fingergliedern ausgestattete Puppen kosten rund 6000$. Der Hersteller Mark Maki aus Chatsworth bei Los Angeles, produziert und liefert wie auch der Bildhauer MattMcMullen von seiner Fabrik in San Marcos (San Diego) diese SuperDolls. Seit 1997 hat er über 800 Stück verkauft Die Kunden können ihren „Liebling“ aus einem umfangreichen Sortiment von Körpern, Gesichtern und speziellen Komponenten gestalten, bei einer Lieferzeit von 16 Wochen. Neben dem amerikanischen Marktführer „Real Dolls“ bietet die japanische Firma „Orient Industry“ und die Nürnberger Firma „First Androids“ ein ähnliches Angebot. Orient Industry Co. produziert in ihrer Tokioer Fabrik monatlich 80 dieser Dolls in neun verschiedenen Versionen in den Preisklassen von $850 bis $5500. Ihr teuerstes Modell ist vollkommen aus Silikon und an 35 verschiedenen Punkten beweglich.

David Levy, der Präsident der “International Computer Games Association”, entwirft in seinem Buch „Love and Sex with Robots“ eine nahe Zukunft in der der technische Fortschritt die Entwicklung von menschenähnlichen Androiden als vollwertige Sexualpartner möglich macht. Als Pendant zu diesen Mutmassungen stellte der japanische Robotikexperte Hiroshi Ishiguro 2003 seinen „Replice Q1“-Roboter vor. Eine der ersten „Roboterfrauen“, die mit Hilfe von 42 pressluftbetriebenen Aktuatoren in der Lage war menschenähnlich zu reagieren – auf Berührungen zu reagieren, Atmung zu simulieren, sich drehen und ihre Hände bewegen konnte.

Topco Sales” ist ein privat gehaltenes Unternehmen, 1973 von Martin Tucker gegründet. Tucker, mit einem akademischen Background aus den Ingenieurwissenschaften, schrieb ein erfolgreiches Buch über verschiedene Liebestechniken, welches zu einem kleinen Geschäft in Los Angeles führte. Später begann Topco  PVC-Produkte wie Vibratoren und Dolls zu produzieren. Inzwischen besteht das Unternehmen aus einem großen Produktions- und Versandhaus-Areal in Chatsworth, California, mit knapp 500 Mitarbeitern und einer weiteren Produktionsstätte in Shenzhen/China. Topco lizenziert, produziert und distributiert über 800 Produkte vom Vibrator bis zur Plastiknachbildung der Vaginas von Pornostars und einer breiten Produktpalette in dem Segment Kosmetika an Unternehmen auf der ganzen Welt. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Topco hat u.a. das Patent von „Cyberskin“ entwickelt, ein Material, welches bei Gebrauch eher dem Gefühl menschlicher Haut entspricht und der Erwartungshaltung vieler Kunden entgegenkommt. Topco hält Verträge und dementsprechende Produktlinien von bekannten Markennamen mit Unternehmen wie Hustler, Penthouse, Adam & Eve, Chi Chi Larue, Danni’s Hard Drive, Jill Kelly Production und Beate Uhse.

Die “Health Devices Corp.” (Los Angeles) (evtl. umbenannt), die unter den Namen „Doc Johnson Enterprises“ Sextoys produziert, wurde 1975/6 von Reuben Sturman und seinem Sohn gegründet. Im Zuge der Untersuchungen und Anklagen wegen Steuerhinterziehungen gegen Reuben Sturman in den Jahren 1985-88, wurde das Unternehmen auf den Präsidenten Ronald Braverman übertragen und entging so der Schließung und Beschlagnahme seiner Konten. 1996 wurde Braverman im Falle von Reuben Sturman der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt und zur Zahlung von $1 Million Dollar und einer Haftstrafe verurteilt. Er blieb weiterhin in geschäftsführender Funktion des Unternehmens und heiratete 2001 Naomi Delgado, die Exfrau von Sturman. Das Unternehmen ist einer der Marktführer im Segment Sextoys und bietet in seinen Katalogen ca. 3500 verschiedene Produkte an. Der Umsatz steigerte sich von $8 Millionen im Jahr 1990 auf $45 Millionen im Jahr 2000. 2002 wurde mit Jenna Jameson ein Vertrag zur Entwicklung einer Produktlinie unter ihren Namen abgeschlossen. Ähnliche Kooperationsverträge bestehen inzwischen mit den Unternehmen Vivid Entertainment und Private Media. Das Unternehmen beschäftigt über 450 Mitarbeiter.

Susan Colvin, Besitzerin und in der Firmenleitung von „California Exotic Novelties“- einen Hersteller und Distributor von Sextoy – gründete das Unternehmen 1994, zu einer Zeit, als sich eine positive Einstellung zum Sex und zur weiblichen Sexualität als eine Lifestyle-Attitüde in der Berichterstattung der Mainstream-Medien abzuzeichnen begann. Sie sorgte für Innovationen in der Produktentwicklung und im Design und setzte den Fokus der Kundengewinnung auf Paare und Frauen, auf deren Bedürfnisse zu dieser Zeit wenige Artikel abgestimmt waren. Von ihren Anfängen mit 15 Mitarbeitern und einigen hundert Produkten entwickelte sich „Cal.Exotic“ bis 2001 zu einem Unternehmen mit 55 Mitarbeitern, zwei großen Warenhäuser und einen Katalog, der über 1200 Artikel anbietet. „Cal.Exotic“ bietet verschiedene Produktlinien unter den Namen von bekannten Pornofilmstars an wie Nicole Sheridan und Gina Lynn an, sowie eine Gay-Line unter dem Namen “Colt”. Mit „Wicked Pictures” und “Digital Playground” wurden Vereinbarungen getroffen um unter den jeweiligen Namen Artikel zu vermarkten

Unternehmen, die Sextoys dem Endverbraucher anboten, waren lange Zeit als Sexshops in den Rotlichtmilieus der Großstädte angesiedelt, bis sich anfangs der 90er eine liberalere Grundhaltung zur Sexualität und dementsprechenden kommerziellen Angeboten durchzusetzen begann. Zwei Unternehmen mit „traditionellen“ Background sind, bzw. waren „Goalie Entertainment“ und „Castle Superstores Corp. Höchstwahrscheinlich sind beide Unternehmen in dem Zeitraum 1999-2003 aufgekauft, bzw. umbenannt worden. Das Unternehmen „Goalie Entertainment“ vermarktet pornographische Filme und Magazine und Sextoys über eine Kette von 74 Läden in den gesamten USA. Außerdem installiert sie und betreibt den Service von Video-Peepshow-Kabinen. Laut Forbes lag der Umsatz des Unternehmens 1998 bei $60 Millionen. Der Präsident von “Goalie Entertainment”, Edward Wedelsted, der bereits in den 80ern seine Geschäfte betrieb und Kontakte zu Reuben Sturman unterhielt, geriet gemäß der damaligen restriktiven Gesetzeslage oft mit den Justiz- und Steuerbehörden in Konflikt. Ihm wird nachgesagt, dass es sich nach dem Zerfall des  Reuben Sturman-Imperiums einen Teil der Sexshopketten Sturmans angeeignet haben soll. Castle Superstores Corp., war  eines der größeren Sexshopketten in den USA um die Jahrtausendwende. Die Gründer des Unternehmens, das 1999/2000 einen Umsatz von ca. $20 Millionen machte, war Taylor Coleman. Zu dieser Zeit gab es bereits 11 Wal-Mart-ähnliche Sexshopkaufhäuser, mit 45.000 Artikeln im Angebot. Die letzte Internetpräsenz der 1998 gestarteten Webseite war Dezember 2003.

Mit dem Internet und der Möglichkeit der anonymen Bestellung über den Postweg, veränderte sich das Verbraucherverhalten und die Umsätze dieser Unternehmen stiegen rapide an. Laut dem Marketing-Direktor von „CalExotic“ soll es im Internet ca. 25.000 Webseiten geben, über die Online Sextoys verkauft werden. Alle großen Versandhäuser, die früher über den Postweg und über den Direktverkauf in Shops ihre Waren an den Endkunden gebracht haben, nutzen das Internet als eine weitere Vermarktungsmöglichkeit, daneben gibt es eine Reihe von Unternehmen, wie die Internet-Versandhäuser “Erotic Shopping”, “Adult DVD Empire”,„SexToyFun“ und vor allem “MALLcom”, die ausschließlich Online ihre Produkte anbieten. Gerade in diesem Bereich gibt es eine Reihe von Shopkonzepten und Internetpräsenzen, die von SexPro-Aktivisten und Feministen getragen werden, die diese Leitgedanken in ihrer Geschäftspraxis verwirklicht haben. Dazu gehören “Good Vibration”, “Come as you are”, “Libida” und “Babeland”, wo neben dem Produktverkauf  Workshops, Informationen und Sexualtherapeutisches angeboten werden.

Adam & Eve” und die Muttergesellschaft „Phil Harvey Enterprises (PHE)“ ist eines der größten Unternehmen in der Sextoybranche und im Versand für Erotica in den USA, mit einer Mailing-Liste von  einer Million Kunden. Zu der Firma gehört eine Sexshop-Ladenkette, aber der Hauptumsatz wird über das Versandgeschäft erzielt. Zu diesem Zwecke wird eine Reihe von Verkaufskatalogen produziert, die neben dem Massenpublikum auf die potentiellen Kunden der verschiedenen Nischenbereiche abzielen. Die „Phil Harvey Enterprises (PHE)“ wurde 1970 gegründet. Das Unternehmen erzielte 1998 bereits einen Gesamtumsatz von $90 Millionen. Phil Harvey begann sein Unternehmen 1969 mit der Gründung der „Population Services International Inc(PSI)“, die Kondome via Postversand verkaufte. Die Initiative entstand aus einem staatlichen Familienplanungsprogramm der Carolina School of Public Health, an dem Harvey als Student beteiligt war. Zu dieser Zeit galten Kondome und andere Verhütungsmittel nach dem Comstock Act immer noch als obszön und deren Postversand als illegal. Getragen von dem Leitgedanken der 68-Generation, beachteten die Firmengründer das überkommen Gesetz, das erst 1971 abgeschafft wurde, nicht, distributierten Kondome in die gesamte USA und schalteten Werbeanzeigen in Studentenzeitungen.1970 wurde die Phil Harvey Enterprises gegründet, die sich im Laufe der folgenden Jahre zu einem erfolgreichen Erotika-Versand entwickelte. Mit der Leitung der PSI hat Phil Harvey nichts mehr zu tun, aber er gründete 1989 in Washington die gemeinnützige „DKT International Inc“, die durch den Versand von Kondomen in 3.Weltländer dortige familien-, bzw. bevölkerungspolitische Initiativen unterstützt. Finanziert werden die  DKT, wie auch die PSI überwiegend durch Spendengelder von Adam&Eve.

1986 geriet Adam&Eve, wie viele andere Unternehmen der Sex-Branche zu dieser Zeit, in den Fokus staatlicher Ermittlungen und wurde unter dem Obszönitätsvorwurf angeklagt. Während viele kleinere Unternehmen durch die Kampagne der Reagan-Regierung zur Geschäftsaufgabe gezwungen wurden und größere Firmen wie Vivid und VCA Vergleiche aushandelten und Strafgelder und Haftstrafen in Kauf nahmen, prozessierte die PHP – letztendlich mit Erfolg. Der Prozess dauerte von 1986 bis 1994 und kostete dem Unternehmen $3 Millionen. Phil Harvey beschreibt die Umstände und die politischen Motivationen dieser Kampagne und des Prozessverlaufs in seinem Buch „The Government vs. Erotica“. 1991 wurde das Tochterunternehmen “ Sinclair Intimacy Institute Inc.“ gegründet, welches Sex-Lehrfilme produziert und vertreibt. Die Filme sind nicht pornographisch, sondern präsentieren ihre Ratschläge in einem ästhetischen Softcore, der als Zielgruppe vor allem Paare und Frauen ansprechen soll. Für die Produktlinie wurden in bekannten Pressepublikationen wie „Esquire“ und „New York Times Book Review“ Anzeigen geschaltet. 1998 soll das „Sinclair Intimacy Institute“ bereits einen Umsatz von $8 Millionen erzielt haben.

“Adam & Eve” produziert eigene pornographische Filme, u.a. über “Adam & Eve Productions” und  „Ultimate Pictures“ ein Studio aus Los Angeles, das 1991 übernommen wurde. Candida Royalle, Filmproduzentin und Gründerin von „Femme Productions” lässt ihre Filme und andere Produkte seit 1995 exklusiv durch  PHE vermarkten und distributieren. Später trat sie als offizielle Sprecherin für Adam&Eve auf, bzw. hatte eine dementsprechende Anstellung im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. 1997 ging das Internetportal, welches nach dem gleichem Prinzip wie beim Kataloggeschäft verschiedene Nischen abdeckt, online. In diesem Jahr betrug der Umsatz des Unternehmens $600.000. 2003 betrug der Gesamtumsatz von “Adam & Eve” bereits $30 Millionen. Lange Zeit stellten Sextoys das Hauptverkaufsprodukt, inzwischen wird die Hälfte des Umsatzes mit Videos und DVD`s erzielt. Auf ihren verschiedenen Vertriebswegen bedient das Unternehmen insgesamt ca. 6 Millionen Kunden, deren Großteil bis jetzt weiterhin über die Kataloge aquiriert werden, die auch den maßgeblichen Faktor für die Generierung des Traffics der Webseiten darstellen. “Adam & Eve” bietet online 12.000 verschiedene Produkte an und betreibt das Partnerprogramm „AdamEveCash“ mit über 6000 angeschlossenen Webmastern. Die größten Konkurrenten von „Adam&Eve“ sind MALLCom” und „PECash“. 2000 wurde mit “Temptations Parties” eine neue Marketingidee umgesetzt, die ähnlich wie die sogenannten Tupperware-Parties funktioniert. Einzelne Personen die als Mediatoren fungieren, laden Bekannte aus ihren Freundeskreis zu einer Party ein, bei der dann eine Produkt- und Verkaufsvorstellung  von Adam&Eve stattfindet. Die Verkaufsrechte der Produkte wurde dann über das Label „Temptations Parties“ an unabhängige Distributoren weitergegeben.

Zwei weitere Unternehmen, die sich auf diese Form der Party-Verkaufsveranstaltungen spezialisiert haben sind „Passion Parties“ und „Athena“. Die in Las Vegas beheimatete Firma „Passion Parties“(1994 gegründet) hat über 12.000 Konsultanten, die nach dem Multiplikatorenprinzip auf den Event- und Verkaufsveranstaltungen die Produkte anbieten, vorführen, informieren und verkaufen. Das Unternehmen hatte 2005 einen Umsatz von $47 Millionen zu verzeichnen. Nach dem gleichen Prinzip wie „Passion Parties“ ist „Athena`s Home Novelities“ strukturiert. Das Unternehmen wurde 1998 von Jennifer Jolicoeur in Woonsocket (USA) gegründet und legt besonderen Wert auf das persönliche Verhältnis der einzelnen Organisatorinnen und Distributorinnen (insgesamt über 650) zum Unternehmen als Bestandteil der Cooperate Identity. Dieses „Adult-Novelty-Party“-Konzept wird von der Firma inzwischen landesweit umgesetzt. Athena ist Mitglied der „Direct Sales Women`s Association“

Frederick’s of Hollywood Inc.( fredericks.com) betreibt ca. 150 Shops für Damenunterbekleidung, überwiegend in den großen Shopping Mails. Frederick’s war traditionell auf erotische  Unterbekleidung spezialisiert, hat es aber durch eine Ausweitung der Produktpalette auf Sport- und Schwimmbekleidung, Parfüm und Schmuck verstanden sich einen seriösen Ruf zu verschaffen. Die Firma betreibt einen Mail-Order-Katalog Versand für Kanada und die USA und außerdem eine Webseite mit Online-Shopping. Frederick’s of Hollywood galt als einer der Konkurrenten von Beate Uhse, die sich 2005 mit ihrem Shop-Konzept wegen zu hoher Verluste aus den USA wieder zurückziehen musste. Der Besitzer ist die Investment-Firma „Wilshire Partners“

MALLcom” ist eines der ersten Partnerprogramme für Adult-Produkte im Internet mit inzwischen über 10.000 angeschlossenen Affiliates. Hierzu gehören Webseiten wie „AdultFriendFinder.com”, “PeterNorth.com” und Seymore Butts “TeamTushy.com”, sowie ein Großteil der Webseiten von „BrainCash“. “MALLcom” bietet über 40.000 Produkte online an, überwiegend DVD`s und Sextoys, während die Bestellungen von VHS-Videos, die früher ein Hauptumsatzfaktor waren, nur noch 10% der Gesamtbestellungen ausmachen. Trotz seiner Marktkapazität im Online-Versand ist  “MALLcom” vielen kein Begriff. Dies liegt daran, dass das Unternehmen im Onlineangebot und bei der Abwicklung des e-commerce, was Webdesign und Namensgebung betrifft, hinter die Betreiber der jeweiligen Webseiten zurücktritt. “MALLcom” bietet Adultwebmastern, wie größeren Internetunternehmen die Möglichkeit eines individuellen Online-Sexshops. Das Webdesign dieses Angebotes entspricht dann dem Design der betreffenden Seite und in den Formular-Seiten erscheint ebenfalls der Name der Webseitenbetreiber. “MALLcom” bleibt in den meisten Fällen völlig im Hintergrund, erfüllt aber den gesamten Service des Onlinegeschäftes. Der beteiligte Affiliate hat keinen weiteren Arbeitsaufwand und wird prozentual an dem Verkaufsumsatz beteiligt.

Mit dem gleichen Konzept hat David Levine, Präsident der Firma „Convergence Inc.“ und Besitzer und Betreiber von „SexToyFun Erfolg gehabt. Die Seite hatte ihren Start-up 1994 und wurde 1995 von Yahoo gelistet, die zu dieser Zeit nur ca. 50 Unternehmen in ihrer Sex-Sektion führten. (2001 waren es bereits Tausende) 1996 wurde das erste Affiliate-Programm gestartet, welches einen virtuellen Shopservice darstellte. Die beteiligten Webmaster konnten ihr eigenes Verkaufsangebot an Sextoys auf ihrer Webseite entwerfen, während der gesamte e-commerce und der Versand und weitergehende Kundenservice dann über die Seite SexToyFun abgewickelt wurde. Der Prozess der Zahlungsabwicklung bis zum Produkterwerb war so gehalten, das die eigentliche Firma völlig im Hintergrund blieb und der Eindruck entstand, als wenn das Geschäft ausschließlich über die teilhabende Webseite abgewickelt wurde. Mit diesem Konzept entwickelte sich SexToyFun zu einem lukrativen Unternehmen und ist in den Jahren 1999 und 2000 überproportional gewachsen und hatte 2000 einen Gesamtumsatz von über $3 Millionen zu verzeichnen

Quelle: AVN-Online “Sextoyclub.com: … Can Get It for You Wholesale”    4-1-2001

The Xandria Collection” (xandria.com), ein Sextoy-Händler mit den Schwerpunkten auf Vibratoren, Dildos, Reizwäsche und Fetischkleidung, existiert schon seit über 30 Jahren und hat einen Kundenstamm von 2- 2,5 Millionen vorzuweisen. Das Unternehmen hat  sein Versandgeschäft erst relativ spät dem Medium Internet angepasst, welches aber inzwischen neben den Katalogen, ein Hauptstandbein der Firma darstellt. Die Internetsektion bietet neben dem Partnerprogramm „SexSells!”, Foren für literarische Erotica und die Historie von Sexspielzeugen, sowie themenspezifische Nachrichten, Artikel und Interviews an.

Good Vibrations”, eine Unternehmenskooperative, wurde bereits 1964 von Joanie Blank gegründet. Das Sortiment besteht in einer qualitativen Auswahl an Sextoys, Büchern, Videos und DVD`s. Die Kunden können über das Internet, per Katalog, Telefon oder direkt in dem Sexshop Bestellungen aufgeben, bzw. einkaufen und sich beraten lassen.  Ein professioneller Informations- und Beratungsservice ist ein wichtiger Faktor des Unternehmenkonzeptes und des damit verbundenen politischen Anspruches. Die Mitarbeiter von  “Good Vibrations” werden diesbezüglich ausgebildet und trainiert, bevor sie in einem der Läden oder auf der speziellen Serviceline mit den Kunden in Kontakt treten. Jedes Produkt wird getestet, bzw. gelesen oder angeschaut und dann entscheiden die Mitglieder der Kooperative demokratisch ob es in das Verkaufsangebot übernommen wird. Viele der angebotenen Bücher und Filme werden von seperaten Unternehmen der Kooperative produziert. Die “Open Enterprises Inc.”  betreibt u.a. “Down There Press”, “Passion Press” und  “Sexpositive Productions” und bildet das Dach unter dem „Good Vibrations“ operiert. 1996 ging das Unternehmen mit „GoodVibes.com“ online. Neben dem Verkaufsangebot bietet die Webseite ausführliche Produktinformationen und -Tests, eine Ausstellung antiker Vibratoren und das „Good Vibes Magazine“, eine themenspezifischen Informationsquelle und Ressource. Außerdem wird ein eigenes Workshop- und Ausbildungsprogramm angeboten. “Good Vibration” produziert jährlich 5 Kataloge, die an ca. 750.000 Kunden gehen. Das Unternehmen verzeichnet inzwischen einen Jahresumsatz von $15 Millionen, wo von 50% über den Online-Versand generiert werden. Bis 2008 will Good Vibration fünf weitere Shops in den USA eröffnen. Carol Leigh, eine Sex-Pro-Aktivistin und Mitarbeiterin von “Good Vibrations”, war 2006 bei der Organisation des ” San Francisco Sex Worker Film and Video Festival” und der „Sex Workers Art Show Tour“ beteiligt. Good Vibrations wurde im Zeitraum zwischen 1989 bis 1992 vom ursprünglichen Kollektivmodell zur Genossenschaft umgeformt. Eine weitere Umstrukturierung im Sinne eines herkömmlichen Geschäftsmodells erfolgte 2005/6.  2007 geriet Good Vibrations in finanzielle Schwierigkeiten, nachdem der Internetverkauf durch die Konkurrenz von Unternehmen wie Amazon.com und Drugstore.com sowie einem schlechten Google-Ranking einbrach. Der Großhändler GVA-TWN(Cleveland) kaufte das Unternehmen im September 2007 auf. GVA-TWN vertreibt Sexshop-Produkte bereits seit den 60er Jahren und besitzt im mittleren Westen eine eigene Shop-Kette. Good Vibrations ist heute eine Corporation nach kalifornischem Recht. Der offizielle Name ist Open Enterprise, Inc. Es besteht aus drei Good-Vibrations-Sexshops,  einem Versandhandel und den drei Verlagen Down There Press, Passion Press und Sexpositive Productions.

Come as you are” ist ein kanadischer Sex-Toy-, Video- und Buchversand, der im Kollektiv von Toronto aus, wo sie einen regulären Sexshop führen, betrieben wird.  Der Onlinekatalog bietet neben einem ausgesuchten und dennoch umfangreichen Angebot von Toys, Büchern und Filmen, Informationen zu vielen Themen rund um die Sexualität und eine spezielle Linkliste von Initiativen und Selbsthilfegruppen, die sich mit der Sexualität von Menschen mit bestimmten Krankheitsbildern (z.b. Multiple Sklerose, Körperbehinderungen, Taubstumme, etc.) beschäftigen. In den Räumen des Sexshops in Toronto finden regelmäßig Workshops statt, u.a. zu Themen wie: Einführung in SM, Japanese Bondage, Blow Jobs, Massage, weiblicher Orgasmus, Striptease und Lappdancing für den Hausgebrauch etc.

Zu den Produkten, die man Online bestellen kann gehört beispielsweise “ Sweet Action“, ein New Yorker Pornomagazin für Frauen, das im Stil von Suicide Girl mit tätowierten Musikern und „cute emo boys“ wirbt. Außerdem das Schwestermagazin von „Found“ – „Dirty Found“, welches 2004 gestartet wurde.

“I can tell you this for certain: it’s not like any other dirty magazine you’ve seen… It’s a cool thing, a fascinating glimpse into other people’s secret hearts and minds. In a way, it’s like a magazine of amateur porn: like letters written to dirty magazines, or photos published with adult personal ads. But unlike amateur porn, the stuff in Dirty Found wasn’t meant for public consumption. It’s not about what writers or artists or photographers think their audience will find hot. It’s about what ordinary people personally and privately think is hot.”

(Magazinbesprechung bei Adultfriendfinder.com, April 2005)

Ein weiteres erfolgreiches Sexshop-Unternehmen, das seinen Fokus auf ein weibliches Klientel hat, ist “Babeland”. Claire Cavanah und Rachel Venning eröffneten ihren ersten “ Toys in Babeland”-Shop 1993 in Seattle. 1995 erweiterte sich das Unternehmen mit einem Versandhandel und 1996 folgte der Start up der gleichnamigen Webseite. 1998 und 2003 wurden zwei weitere Shops in NewYork eröffnet. Seit 1999 hat sich das Unternehmen in seiner Corporate Identity verstärkt an Firmen wie „Good Vibrations“ und „Libida“ angepasst, die aus dem Umfeld von Sex-Pro-Initiativen hervorgegangen sind und bietet gleichermaßen Beratung, begleitende Informationen und Workshop-Programme an. Babeland ist der offizielle Sponsor des Webprojektes „Clean Sheets“, das  literarische Erotica anbietet.

“Libida” bietet über das Internet eine qualitative Auswahl an Sextoys, Büchern, Videos und DVD`s an. Neben ausführlichen Produktbeschreibungen und Tests, sind auf der Webseite Artikel, literarische Erotica und Galerien bekannter Künstler zu finden. Das Unternehmen versteht sich nicht nur als ein Online-Versandhaus für Erwachsene, sondern sieht sich in seinem Wirkungskreis eingebunden in die Aktivitäten vieler Sex-Pro- Aktivisten und Initiativen. „Libida“ waren einer der ersten, die Erotica und pornographische Artikel überwiegend für ein weibliches Klientel anboten. Das Unternehmen wurde 1999 in San Francisco/Kalifornien, u.a. von Petra Zebroff, einer Professorin der Sexologie mitbegründet. Viele der Mitarbeiter haben einen akademischen Hintergrund und kommen aus dem therapeutischen und medizinischen Bereich. Ein der bekannteren Mitarbeiterinnen ist Lisa Palac, Produzentin der Audio-Serie „Cyborgasm“ und Gründerin des „Future Sex Magazine“.


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