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Exkurs Australien

Exkurs: Spotlight Australien

In den 70er Jahren wurden pornographische Videos und Bücher in Australien legalisiert. Diese Entscheidung wurde in den 80er Jahren allerdings wieder rückgängig gemacht. 1984 wurde von der Mehrheit der australischen Bundesstaaten beschlossen pornographische Videos zu verbieten und auch den vorher genehmigten Verkauf in Sexshops zu untersagen. Ab diesem Zeitpunkt war ein legaler Handel mit X-rated-Videos nur noch innerhalb des A.C.T. möglich. Die Polizei agierte trotz dieser Gesetzeslage weitgehend zurückhaltend, so dass in allen größeren Städten über die Sexshops weiterhin Hardcore-Videos angeboten wurden, wie auch das Geschäft mit Büchern und Magazinen weitgehend toleriert wurde. Außerdem bestand in Canberra und dem A.C.T. weiterhin eine liberalere Gesetzeslage, die den Verkauf und Postversand von Pornographie ermöglichte, weswegen viele Firmen der Sexindustrie dort ihren verwaltungsrechtlichen Hauptsitz anmeldeten.

Canberra, mit einer Population von ca. 300 000, ist formell die Hauptstadt Australiens und die einzige inländische Großstadt. Sie ist nicht aufgrund von historischen Siedlungsbewegungen entstanden, sondern  in der Mitte zwischen Sydney und Melbourne auf dem Reißbrett geplant und erbaut worden. Der amerikanische Landschaftsarchitekt Walter Burley Griffinvon begann bereits 1913 mit der Bau einer Gartenstadt für ungefähr 25.000 Menschen, aber der erste Weltkrieg und politische Streitereien verhinderten eine zügige Fertigstellung der Stadt. Der Architekt nahm 1920 Abstand von seinem Projekt und 1930 siedelten erst ca. 1000 Familien in dieser Region. Erst in den 60er Jahren wurden die Pläne dieser ehrgeizigen Verwaltungshauptstadt realisiert und Canberra wuchs zu einer City mit über 100 000 Einwohnern heran. Um der unplanmäßigen langsamen städtischen Entwicklung und dem Ruf einer unattraktiven Bürokratenstadt entgegenzuwirken, wurde eine liberale Gesetzgebung als in den anderen australischen Staaten eingesetzt, die dazu führte das sich die australische Sexindustrie dort niederließ und Canberra den Ruf eintrug „Australia’s porn capital“ zu sein.

Nach John Lark, dem Sprecher der „Adult Video Industry Association (AVIA)“ und Direktor der „Radox Caballero Holdings Pty Ltd“, einer der größten Importeure und Verkäufer von X-rated-Videos(Ende der 80er), lag der Umsatz sogenannter „Sex-Paraphernalia“, wie Videos, Magazine, Bücher, Toys und Reizwäsche, Anfang der 80er bei ca. 50 Millionen Dollar, wobei 50% aus dem Verkauf von „blue movies“ stammten. 1985 wurde Großteil dieser Filme in den USA produziert, ein kleinerer Teil kam aus skandinavischen Ländern. Die größte Gewinnspanne versprach die Videopiraterie von Pornovideos, welche legal importiert und registriert waren. Indem die Gebühren für Copyright und Klassifikation umgangen wurden- pro Tape 245$- konnten sie fast zur Hälfte des handelsüblichen Preis auf den Markt geworfen werden. Dies soll zu diesem Zeitpunkt bei ca. 50% der importierten Hardcore-Videos der Fall gewesen sein und führte 1984/5 im Rahmen öffentlicher Kampagnen zu einem erneuten Verbot.

Substanzielle Teile des australischen Porno-Business sollen in den 70ern und 80ern von us-amerikanischen Mafiakreisen beeinflusst gewesen sein. Einzelpersonen dieser Branche wie Joseph Shellim, Alexander Gajic und Gerald Gold wurden 1983 von der australischen „Costigan Royal Commission“, als in der organisierten Kriminalität involviert benannt. Alle drei genannten Personen waren zu dieser Zeit Besitzer eines Firmenkonglomerats, welches die größte Gruppe der australischen Videoindustrie stellte. Gajic kontrollierte ein Netz von Firmen in ganz Australien, dazu gehörten die „Sienna Pty Ltd“, die von Fyshwick ausgehend in Verbindung mit der „Australian United Videos“ und „Private Screenings Home Video“ ihr Geschäft betrieb. Die Firmen „Curbydex Pty Ltd“, „Mr X-Video“, und „Hollywood House Video“ gehörten ebenso zu dieser Verbindung. Über die „TAG Video“ wurden vorzugsweise Hardcore-Videos der us-amerikanischen Video Company „VCX“ in Umlauf gebracht.

Die „Barbarellas Group“ wurde 1975 gegründet und ist inzwischen Bestandteil des „Adultshop.com“-Holdings. „Barbarella“ vermarktete 1987 – noch als eigenständiges Unternehmen – in über 10 Sexshops ihr gleichnamiges Label für erotische Unterwäsche, die zugleich über private Vorführungen und Parties direkt an Kundinnen verkauft wurden. 1986 sollen ca. 50.000 Frauen an diesen Lingerie-Parties teilgenommen haben und zwischen 20-30% der westaustralischen Bevölkerung besuchten bereits Mitte der 80er mindestens 1x im Jahr einen Barbarella-Sexshop. Laut dem ehemaligen Geschäftsführer Hennessy hat das Marketingkonzept der Barbarella-Group die öffentliche Meinung in Bezug auf Sexshops verändert. Das Unternehmen hat als erstes begonnen in Australien Sex-Paraphernalias an weite Kreise der Bevölkerung zu vermarkten und im Fernsehen Werbung zu schalten. Im Rahmen dieser Marketingstrategie werden auch mehrere Sportvereine gesponsert.

Der westaustralische Erotikanbieter Adultshop.com ist in Australien und Neuseeland Marktführer, in den USA aktiv und betreibt seit September 2000 auch eine deutschsprachige Website. Das Unternehmen verkauft über seinen Online-Versand Pornofilme und DVDs, Sexspielzeug, Körperschmuck, Unterwäsche, Bücher und andere Adult-Produkte und betreibt in Australien und Neuseeland 20 Sexshops und Boutiquen unter den Labels „adultshop.com“ und „Video Expo“. Die Tochterfirma „Calvista” vermarktet Pornofilme über Mail-Order und Online per „pay-per-view“-Verfahren und ist außerdem im Telefonsexgeschäft aktiv. Der Manager Malcolm Day hat die Firma aus den bankrotten „Western Minerals “ heraus gebildet. Adultshop.com existiert seit 1999 und ist an der Börse eingetragen. 2004 beschäftigte das Unternehmen 162 Mitarbeiter und hatte einen Umsatz von $27.2 Millionen, bei einem Nettogewinn von $1.9 Millionen. 2005 verzeichneten die öffentlichen Bilanzen einen Umsatz von $29,2 Millionen. Um den Dialog zwischen Kunst und Pornographie anzuregen wird seit 2005 in Australien der Wettbewerb um den „erotic art prize“ veranstaltet. Initiiert wurde dieser Wettbewerb, der mit $10.000 prämiert wird, von AdultShop.com und Artrage. Artrage ist eine bekannte Organisation, mit eigener Galerie und Veranstaltungsbetrieb, die die Belange zeitgenössischer Kunst in Westaustralien vertritt. Inzwischen ist Adultshop.com eine Geschäftkooperation mit dem deutschen Erotikversand Orion eingegangen.

Ein weiteres australisches Aktienunternehmen und ein Novum in der gesamten Sexindustrie war „Daily Planet“.„Daily Planet“ war das erste Bordell das an die Börse gegangen ist. Der Firmenbesitzer und Gründer des Etablissements in Melbourne/ Australien, John Trimble hatte 48% der Firmenanteile im Wert von $12 Millionen in die Hände von Investoren gegeben. Die danach geplante Neuemission der Aktien im Wert von $50 Millionen sollten dem Unternehmen ein Kapital von 62 Millionen australische Dollar (rund 34 Millionen Euro) für zukünftige Investitionen und Expansionen einbringen. „Daily Planet“ ging als „Daily Planet Limited“ im Mai 2003 an die australische Börse. Beim Börsenstart wurde die Aktie mit 50 Cent (australische $) gehandelt, erreichte übergangsweise einen Wert von $1,03 und sank zum September 2004 auf 40 Cent. Zum Unternehmen gehörten neben dem Bordell „Daily Planet“, der Striptease-Club „Showgirls Bar 20“ und das „Royal Melbourne Hotel“. Wegen zunehmender Schwierigkeiten mit den zuständigen Stellen der australischen Wirtschaftsbehörde wurde Ende 2004 das Bordell aus dem Unternehmen ausgruppiert und verkauft und das Unternehmen in „Planet Platinum Limited“ umbenannt. „Showgirls Bar 20“ ist ein exklusiver Stripteaseclub in Melbourne, 1993 gegründet, der in den Jahren 2003-2005 mit dem australischen „Adult Entertainment Industry Award“ für den besten Club und die beste Unterhaltung ausgezeichnet wurde. Zu dem Club zugehörig ist die Agentur „Hard Bodies“, die außerhalb des Hauses Stripteasetänzerinnen vermittelt, desweiteren bietet „Showgirls Bar 20“ 4-wöchige Fortbildungskurse im Striptease an. Für diesen Gentlemens Club ist seit 2005 ein Franchise-Konzept in Planung, welches auch für den amerikanischen und europäischen Raum angedacht wurde.

Die bekannteste australische Sexmesse, die „Sexpo“, fand erstmals 1996 in Melbourne statt und wurde von „Club X“ organisiert, einer der größten australischen Buch- und Sexshopketten mit einem ausgeprägten Angebot an pornographischen Videos und DVD`s. Die Sexpo hat sich von einem Public Relation- und Marketing-Vehikel des „Club X“, der mittlerweile über 35 Niederlassungen unterhält, zu einer anerkannten Industriemesse der Adult-Branche entwickelt. (Die Geschäftsleute die hinter der „Club X“-Kette stehen, sollen die Brüder Eric und Ken Hill sein, Besitzer von mehr als 12 verschiedenen Unternehmen, wie Immobilien, einer Kino-Kette und den besagten Sexshops.) 2006 trat erstmals „California Exotic Novelties”, ein us-amerikanischer Produzent von Sextoys, als einer der Hauptsponsoren auf. Getragen wird die „Sexpo“ u.a. von der „Eros Association Inc.“, einem 1992 gegründeten Interessenverband, der nach eigenen Angaben 70% der australischen Sexindustrie vertritt, die sich inzwischen zu einem solventen Industriezweig entwickelt hat. So waren 2002 640.000 Australier in den Mailinglisten von Distributeuren pornographischer Videos verzeichnet Über 250 Sexshops erzielten einen Umsatz von 100 Millionen (australische Dollars) und Escort-Agenturen, Massagesalons und 800 legale, sowie ca. 350 illegale Bordelle wurden insgesamt 12 millionenmal von männlichen Kunden besucht.

Ein der wesentlichen Anliegen der „Eros Association“ ist die Lobbyarbeit mit dem Ziel einer politischen Anerkennung der Branche als ein reguläres Markt- und Industriesegment und die Durchsetzung einer liberaleren Gesetzgebung. Zwar konnte die in den späten 80ern gestartete Regierungskampagne zum rigorosen Verbot pornographischer Videos, aufgrund der Tatsache das sich über 70% der Bevölkerung für eine Legalisierung aussprachen, gestoppt werden und in einigen Bundesstaaten ist eine mögliche Legalisierung der Prostitution im Gespräch, aber die Gesetzeslage ist nach wie vor restriktiv. Der Verkauf und Vertrieb von Adult-Videos und DVD`s wird zwar weitgehend geduldet, ist dem Gesetz nach aber immer noch verboten, Striptease wird über behördliche Anweisungen reglementiert und Prostitution wird in zwei der australischen Bundesstaaten weiterhin kriminalisiert. Telefonsex ist illegal , sofern er über reguläre Hausanschlüsse stattfindet und es ist verboten pornographisches Material über eine australische ISP zu hosten.

Mit dem „Western Australian Censorship Act“, der 1996 verabschiedet wurde um den lokalen Behörden eine Handhabe gegen die Verbreitung „obszönen“ Materials zu geben, wurden die Bürger aufgefordert dementsprechende Inhalte, die per Online-Kommunikation nach Westaustralien transferiert wurden, zu melden. Diese Gesetzgebung berechtigte Polizeibeamte, ohne die Notwendigkeit eines Hausdurchsuchungsbefehls, Orte wo solche Inhalte ausgestellt werden zu betreten. Weitergehend kriminalisierte das westaustralische „Internet Censorship Bill of 2002“ jegliches Material welches für Kinder ungeeignet ist, auch wenn diese Inhalte deutlich an Adult Groups addressiert sind. Um 1999 soll die australische Online-Pornographie aus ca. 250 Webseiten von nicht mehr als 23 maßgeblichen Operateuren bestanden haben. 98% dieser Seiten waren Portale zu ausländischen Webseiten, überwiegend in den USA. 67 % gaben Subdomain- oder Subdirectory-Bezeichnungen für ihre Domain-Namen an. Insgesamt 219 dieser Seiten wurden in den USA gehostet und sämtliche kostenpflichtige pornographische Inhalte wurden ebenfalls außerhalb Australiens gehostet.

Seit 2004 hat sich die australische Sexindustrie, die inzwischen 1 Billion Dollar im Jahr umsetzen soll, in weiteren Interessenverbänden organisiert: die “Adult Retailers Association of Queensland (TARA)” und die “Queensland Adult Business Association (QABA)”, welche beide mit der „Eros Association“ verbunden sind, außerdem die „Brothel, Escort Agency and Massage Association (BEAMA)“ in Canberra und die „Adult Entertainment Industry Association (AEIA)“ in Victoria.

“The Topology & Data Topography of Australian Adult Websites” von David Harte & Mark Brogan, 2001

Biographie

Gaffin Harris, 1997, „Hollywood Blue – The Tinseltown Pornographers“, B.T. Bratsford Ltd., London

Hebditch David/Nick Anning, 1988, „Porn Gold- Inside the Pornography Business“, Faber and Faber, London, Boston

Kawamura Gabriele, 1994, „Yakuza – Gesellschaftliche Bedingungen organisierter Kriminalität in Japan“
Hamburger Studien zur Kriminologie, Bd. 19, Centaurus- Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler

Priscilla Alexander/Frederique Delacoste, 1987 (engl.)/1989 (deutsch), „Sexarbeit- Frauen in der Sexindustrie“), Heyne Verlag, München

Seeßlen, Georg/ Bernhard Roloff (Hg.) 1980, „Ästhetik des erotischen Kinos“, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg

Seeßlen, Georg/ Bernhard Roloff (Hg.) 1980, „Der Asphaltdschungel – Geschichte und Mythologie des Gangsterfilms“, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg

Stoller Robert J., 1991, „Porn – Myths for the 20. Century”, Yale University Press, New Haven, London

Weitzer Ronald (Hg.), 2000, „Sex for Sale“, Routledge, New York, London

Williams, Linda 1995, „hardcore“, Stoemfeldverlag

Fiato Anthony : , “The Animal in Hollywood – Mobsters, Pornstars and Federal Agents”

„mehrwert – beiträge zur Kritik der politischen ökonomie“, Nr. 31, April 1989 – „Kriminalität und Ökonomie“

American History of Censorship” von Jack Hafferkamp – (Die Internetseite ist vom Netz)

http://www.uni-oldenburg.de/kunst/mediengeschichte/allg/altenloh/
http://en.wikipedia.org/wiki/Bob_Guccione
http://en.wikipedia.org/wiki/Playboy
http://www.spiegel.de/spiegel/vor50/0,1518,79962,00.html
http://www.itvdictionary.com/listing_of_cable_programming_networks.htm
Eine Auflistung von Kabelnetzbetreibern und informelle Linkressource
“American Porn” – http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/shows/porn/
http://www.freespeechcoalition.com/
http://www.ynotmasters.com/


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