17
Okt
08

Die Freiheit des Netzes und die Freiheit der Pornographen

Preface

Die Globalisierung der Medien durch das Internet wie Kabel- und Satellitenfernsehen  haben es den lokalen US-Justizbehörden schwer gemacht gegen Pornographie Zensurbestrebungen durchzusetzen, da diese sich der Definition einer lokalen Community mit geographischen Grenzen entzieht. Die Internet-Sexindustrie hatte günstige Ausgangsbedingungen und war in ihrem Entstehungsprozess  kaum von staatlichen Reglementationen betroffen, wie sie in den 80er  und anfangs der 90er Jahren in den USA üblich waren. Zur Regierungszeit von Clinton gab es gerade 5 größere Strafverfolgungen wegen Obszönität. Die Pornoindustrie hat inzwischen ein klares Interesse an einem störungsfreien Geschäftsverlauf und versucht aufwendige und teure Auseinandersetzungen mit der Strafjustiz und den Finanzbehörden zu vermeiden und neigt deswegen zunehmend zur Selbstregulation. So wurde aus der Sexindustrie heraus die Organisation „Adult Sites Against Child Pornography (ASACP)“ gegründet, die mit staatlichen Behörden zusammenarbeitet und offensiv gegen Webseitenbetreiber vorgeht die Kinderpornographie anbieten. Alec Helmy gründete die ASACP  1996. 2004 führten bereits 4700 Webseiten das Logo von ASACP und sprachen sich damit eindeutig gegen Kinderpornographie aus.

Der von Bush jr. Angekündigte „War on Porn“ mit seinen befürchteten Konsequenzen vor allem für Kleinstbetriebe und mittelständische Unternehmen der Sexindustrie ist zunächst ausgeblieben. Den Majors der Online-Pornographie könnte eine derartige Kampagne sogar Vorteile bringen. Sie trennen in der Regel klar zwischen Soft- und Hardcore-Content von der freien Eingangsseite zu den nur den zahlenden Mitgliedern vorbehaltenen Bereich, da sie auf eine aggressive Kundenwerbung mittels frei zugänglichen expliziten Materials verzichten können und befinden sich somit  nicht im Fokus eventueller Strafverfolgungen. Viele der Firmen, wie Cyber Entertainment Network, Geek Tech`s und Voice Media, die um 2000 maßgebliche Web-Unternehmungen in diesem Segment betrieben haben, hosten ihre pornographischen Angebote inzwischen über ein Netzwerk von Firmen die auf den niederländischen Antillen registriert sind und entziehen sich so dem eventuellen Zugriff der US-Justiz. Abgesehen davon, wären die Majors die einzigen die über die notwendigen Kapitalrücklagen verfügen um Prozesse im Rahmen so einer Kampagne überhaupt durchstehen zu können. Ein „Crackdown“ würde viele kleinere Webunternehmungen, sowie auf lokaler Ebene, Video-, Buch- und Sexshops zum Aufgeben zwingen, dessen Traffic bzw. Kundschaft sich dadurch aber nicht auflösen, sondern auf die weiter bestehenden Angebote verteilen würde. Eine wirklich grundlegende Einschränkung der Internetpornographie ist unrealistisch. Zu viele reguläre Unternehmen des Internetmarktes, vor allem der Segmente des e-Commerces, Hostings und des Kabel und Satelliten-TV wären hiervon betroffen. Außerdem würde in so einem Fall die Adult-Industrie ihre Logistik in andere Länder mit einer liberaleren Gesetzgebung verlegen, was für die US-Finanzbehörden einen spürbaren Verlust an Steuereinnahmen bedeuten würde.

Filtersysteme – sinnvoller Jugendschutz contra staatlichen Missbrauchspotential

Nachdem staatliche Zensurversuche wie der Communications Decency Act  in den USA weitgehend gescheitert waren, kamen seitens der regulären Internetindustrie schon 1997 Vorschläge zur „freiwilligen Selbstkontrolle“ ins Gespräch. Die Ansätze führten zu einer inzwischen standardmäßig in die gängigen Browser eingebauten „Platform for Internet Content Selection“ (PICS). Diese technische Spezifikation erlaubt im Zusammenspiel mit Bewertungssystemen für Netzinhalte, wie dem vom „Recreational Software Advisory Council“(RSAC), die Filterung von Websites, die ein Surfer nicht sehen will oder soll.

Content Filtering Technologie basiert auf zu blockenden Listen, oft im Zusammenhang mit Blockertechniken, die gespeicherte Schlüsselwörter zum Aufspüren von zu filternden Inhalten benutzen. Listen von Domain-Namen und URL`s werden zusammengefasst und kategorisiert und dann in die Filter-Software geladen, die dann je nach Einstellung, nur bestimmte Kategorien blockt. Wenn der User dann auf eine bestimmte Webseite zuzugreifen versucht, überprüft die Software ihre Listen-Datenbank und sperrt die Seite falls ein Eintrag vorhanden ist. Auf einem nationalen Level setzt die Filtertechnologie in der Regel bei den Internet Service Providern oder in der Nähe der internationalen Gateways an, so dass die Maßnahmen das ganze Land betreffen. PICS ist eine Art globales Bewertungssystem, das es dem Surfer ermöglichen soll Inhalte nach speziellen Bedürfnissen auszuwählen. Die Konzeption von PICS ähnelt der der amerikanischen V-Chip-Technologie für TV-Programme – indem die Programmverantwortlichen jugendgefährdende Sendungen indizieren, können Eltern ihre Ausstrahlung individuell verhindern. Das Funktionsmuster von PICS ist aber wesentlich komplexer: PICS ist eine Art Oberfläche, auf der verschiedene Schemata eingesetzt und den speziellen Bedürfnissen gemäß konfiguriert werden können. Das bekannte Schemata SafeSurf und das des RSAC, haben ihren Ursprung in den USA. Bis 1999 zeigten diese Selbstregulierungsmaßnahmen allerdings kaum Wirkung. Gerade 100.000 Webseiten hatten ihr Angebot nach den vorgegebenen Kriterien, die vor allem jugendgefährdende Inhalte wie Hardcoresex oder Gewaltdarstellungen kennzeichnen sollen, eingestuft, was weniger als 1 Promille der gesamten Internetangebote ausmachte.

Die im Mai 99 gegründeten Internet Content Rating Association (ICRA) versucht diese Situation zu verändern. In der ICRA sind die Majors der Internetindustrie wie AOL Europe, British Telecom, die europäische Providerlobby EuroISPA, IBM, Microsoft und T-Online angeschlossen. Der Hauptsponsor dieser Association ist die Bertelsmann Stiftung. Ein vorrangiges Ziel ist es dem RSAC-Ratingsystem zum Durchbruch verhelfen und das Netz zu einem Medium machen, in dem genauso wie beim Fernsehen Selbstkontrollsysteme greifen. Die ICRA hatte sich 1999 die Rechte an der Filtersoftware des RSCA gesichert und begann ein Basis-Vokabular zu formulieren, auf das länder- und weltanschauliche Filter aufgesetzt werden sollten. Kern der in einem Zwölf-Punkte-Plan abgegebenen „Empfehlungen“ für ein Selbstregulierung und Nutzerautonomie verbindendes System ist aber der Ruf nach einer verbesserten Architektur für das Bewerten und Filtern von Netzinhalten: Contentprovider sollen angehalten werden, ihre Inhalte mit Labels zu versehen, und Filter sollen allen Surfern dann die Möglichkeit geben, die Inhalte besser auswählen zu können. Ein Beispiel für derartige Filtersysteme bot die MSN Suche, die November 2004 im deutschen Internet online ging, die die Suche  nach Wörtern wie z.B. „Sex“ oder „Porno“, mit folgender Meldung quittierte:“ Bei der Suche nach „Sex“ werden möglicherweise sexuelle Inhalte ausgegeben. Ändern Sie Ihre Suchbegriffe, um Ergebnisse zu erhalten.“ Microsoft hatte, um gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland gerecht zu werden, einen dementsprechenden Filter in die Suche eingebaut, der von jedem findigen Jugendlichen aber problemlos zu umgehen war.

Kritiker befürchteten das unter dem Deckmantel des Jugendschutzes gegen die Informationsfreiheit des Netzes vorgegangen werden wird. Wie abhängig das sogenannte freie Netz vom jeweiligen politischen System und den Marktmechanismen ist, zeigt sich beispielsweise in China. Dort wird das Internet dynamisch und an mehreren Punkten gefiltert. Wenn auf  eine der blockierte Seiten zugegriffen wird, erscheint meistens eine Fehlermeldung wie „404 error“. Neben  pornographischen Angeboten sind es Webseiten religiöser und politischer Gruppierungen, bis hin zu Nachrichtendiensten wie BBC und sogar Wikipedia, die von der chinesischen Zensurbehörde gesperrt werden. Technisch beruhen die Filtermaßnahmen weitgehend auf westlicher Technologie, die vor allem aus den USA von den Unternehmen Cisco Systems, Nortel Networks, Sun Microsystems und 3COM stammt. Suchmaschinenbetreiber wie Yahoo, Google und Microsoft arbeiten, um ihre Marktposition auf dem chinesischen Markt zu sichern, mit chinesischen Zensurbehörden zusammen und filtern ihrerseits politisch unliebsamen Inhalten aus ihren Einträgen. In ähnlich restriktiver Weise wird in islamischen Ländern wie dem Iran und Saudi Arabien gegen die freie Netzkultur vorgegangen. Allein in Saudi Arabien sollen ca. 400 000 Webseiten blockiert sein.


Eine Möglichkeit diese Zensurmaßnahmen zu umgehen soll die Software „Peek-a-booty“ bieten.  Sie arbeitet nach dem Peer-to-Peer-Prinzip und verschlüsselt die Webseiten, so dass der blockende Server die Inhalte nicht kontrollieren kann. Diese Verschlüsselung wird standardgemäß im E-Commerce Bereich eingesetzt. Über diese Software ist ein sogenanntes Peek-a-booty Netzwerk entstanden an dem jeder teilnehmender User mitwirken kann. Es funktioniert als eine P2P-Anwendung, kommt also ohne zentralen Server aus und erschwert somit die mögliche juristische Verfolgung der Betreiber. Die dezentrale Zufallsstruktur schafft die Sicherheit, das nicht das gesamte Netzwerk auf die Liste von Zensurbehörden gelangen kann.

peek a booty, welches als Projekt über die Webseite http://sourceforge.net/  weitergeführt wurde, ist 2006 eingestellt worden

Das Internet zwischen simplen Betrug und Schwerstkriminalität

In der Regel sind die Anbieter von kommerziellen pornographischen Webseiten um seriöse Geschäftsbedingungen bemüht und werben oft damit, dass ihre Webseiten frei von Pop up`s, Spams, etc. sind. Trotzdem gibt es immer noch eine Vielzahl von Webmastern die mit kriminellen Methoden schnell zu Geld kommen wollen  oder versuchen den Computer des Users zu hijacken. Geld verdienen lässt sich nach dieser Logik mit Webseiten, die einen hohen Traffic generieren, durch massenhafte unseriöse Geldforderungen oder durch Kreditkartenbetrug oder ähnlichen Vergehen, indem z.b. Trojaner die PC`s  von Usern infiltrieren und dort Passwörter und Bankkontodaten einlesen und speichern. Das Hijacking von Computern dient z.b. dem Zweck für kriminelle Aktivitäten im Netz eine nicht rückfürbare IP-Adresse zu verwenden oder sogar dem Zusammenschalten mehrerer solcher Computer zu einem Netzwerk für Spam-Mailkampagnen oder Serverangriffe.

Zu den gebräuchlichsten unseriöse Geschäftsmethoden zählen:

-überzogene Geldforderungen über Dialer oder Mitglieds-einschreibungen

-nicht klar definierte „terms & conditions“

-Nicht-Einhaltung der zugesagten Leistung (z.b. der Konsument zahlt für den Download eines Videoclips, der nicht heruntergeladen wird oder viel kürzer ist als angegeben)

-nicht vorhandende Möglichkeit eine Mitgliedschaft zu beenden, indem z.b. der User aufgefordert wird zu diesem Zwecke eine e-Mail-Adresse oder Telefonnummer zu kontaktieren, die nie besetzt ist

-Zahlungsaufforderungen für nicht erbrachte Leistungen (z.b. Monatsbeiträge für eine Webseite die vom User nie besucht wurde)

-Pagejacking – ein Weboperateur verschafft sich Kontrolle über eine nicht-pornographische Webseite und leitet den Traffic auf sein pornographisches Angebot um

-Mousetrapping und Browser-hijacking, wo der User in eine Endlosschleife, in der Regel über Screens einer Pornoseite, gebracht wird – oft im Zusammenhang mit dem illegalen Download von kostenpflichtigen Dialern, Trojanern und anderer Spyware. Die normalen Bedienungselemente des Browsers sind in so einem Fall oft blockiert und werden manipuliert (z.b. Festlegung einer neuen Startseite) und machen ein Ausschalten des Computers notwendig.


Zum einem wird versucht den User auf bestimmte Webseiten zu locken, entweder direkt indem man  interessierte User mit kostenlosen Download von Pornographie auf präparierte Webseiten lockt, oder indirekt  indem man auf den durch die Suchmaschinen generierten Traffic setzt. Eine verbreitete Praxis ist es z.b. abgelaufene Domänenamen, bei denen der ursprüngliche Eigentümer vergessen hat seinen Rechtsanspruch zu erneuern, aufzukaufen und den Traffic dann auf dementsprechende Pornoseiten umzuleiten. Eine weitere Möglichkeit ist es ähnlich klingende Domänenamen von bereits bekannten Webseiten zu verwenden oder eine Webseite um nichtpornographische Themen herum aufzubauen, die gute Suchmaschinenergebnisse versprechen, dann den User aber auf eine Pornoseite weiterleiten, bis hin zu Methoden die als „Cyber Squatting“ bezeichnet werden, wie am Beispiel der Webseite „tourdefrance.com“. Als 2003 Fahrradsportinteressierte diese Seite anstelle der offiziellen „www.letour.fr “ besuchten, gelangten sie zunächst auf eine Begrüßungs-Seite mit Frankreich-Landkarte und  Informationen zur Tour de France, um sich dann, nach Klicken auf eine „Enter“-Schaltleiste, einen kostenpflichtigen Dialer herunterzuladen, der sie dann, hoher Telefonrechnung inklusive, zu pornographischen Angeboten weiterleitete. 2006 wurde dieser Domänename von einem Onlinecasino genutzt.


Mit Hijacking bezeichnet man  eine moderne Form der Webpiraterie im Internet. Betroffene User sollen so dazu verleitet werden bestimmte Webseiten zu besuchen, bzw. diese regelmäßig als Startseite zu akzeptieren. Dazu gehören auch imitierte Systemfehlermeldungen, „message alert“-Kästchen und Pop up`s, die einen, wenn man auf den OK Button klickt, zu dementsprechenden Angeboten weiterleiten. Gerade auch in Bezug auf pornographische Seiten ist dies eine weit verbreitete Praxis gewesen. In der gefährlicheren Form des Hijackings kann eine Umleitung direkt zum Download kostenpflichtiger Dialer oder anderer gefährlicher Programme wie Trojaner und Spyware führen. Bei dieser Vorgehensweise werden so genannte aktive Inhalte wie Java Script und ActiveX benutzt, um die Einstellungen des Internet Explorers zu manipulieren. Gerät ein Internetsurfer auf eine entsprechend präparierte Webseite, nehmen die aktiven Inhalte die Änderungen im Browser vor. Hinzu kommt, dass gleichzeitig  auch ein Trojaner auf dem PC installiert wird, der dafür  sorgt , dass diese Manipulationen nicht rückgängig gemacht werden können. Auf dem Computer des Users ist dann z.b. die Startseite im Internet Explorer  verändert und lässt sich nicht rückgängig machen, nach der Eingabe einer www-Adresse wird man auf eine andere Seite umgeleitet und die Favoriten-Liste des Internet Explorers und die Suchfunktion können manipuliert sein.


Trojaner sind kleine Programme, die im Hintergrund arbeiteten. Die meisten Trojaner sammeln heimlich Benutzerdaten desjenigen, auf dessen Computer sie eingeschleust wurden. So können  Tastatureingaben z.b. von Passworten und Kreditkarteninformationen aufgezeichnet und dann über das Internet weitergeleitet werden. Andere Trojaner, auch Server-Programme genannt, ermöglichen  Hackern den vollen Zugriff auf einen infizierten Computer. Diese Programme öffnen am Computer verschiedene Ports die dann über spezielle Scanprogramme gefunden werden können. Die Infizierung mit Trojanern und eventuelle Fremdzugriffe müssen also nicht zeitgleich erfolgen, sondern können zeitlich weit auseinanderliegen, sofern das System nicht ausreichend gegen Maleware geschützt wird.


Wenn der Websurfer einmal auf einer präparierten Seite gelandet ist, können eine Vielzahl von Problemen auftauchen, die ein Verlassen dieser Seite extrem erschweren können. Eine gebräuchliche Methode ist das „Looping“. Dabei erscheinen auf dem Computer in einer nie endenden Schleife eine Vielzahl pornographischer Seiten, die umso schneller aufklappen als das man versucht sie wegzuklicken. Andere Seiten manipulieren wichtige Steuerungsfunktionen des Browsers wie den Back und Close-Button, so dass man die Pornoseite nicht mehr verlassen kann.  Diese Methode wird als „Mousetrapping“ bezeichnet. Andere mögliche Manipulationen sind erst bei einem neuen Systemstart zu erkennen. In diesem Fall wird z.b. ein Programm ins Startverzeichnis eingeschleust, das einen dann zu einer speziellen Webseite weiterleitet oder pornographische Bilder auf den Desktop lädt. Eine weitere, oft relativ harmlose Methode, ist eine aggressive Marketingstrategie  über die e-MailAccounts, z.b. in der Form von Massenwerbung (Spams) oder weitergehend durch dementsprechende Anhänge, die mit Maleware versetzt sind, was schlimmstenfalls zu bereits beschriebenen Situationen führen kann. In Zusammenhang mit bewusst infizierten e-Mail-Anhängen ist man aufgrund der inzwischen weit verbreiteten Vorsichtmaßnahmen zu differenzierteren Methoden übergegangen. Beim sogenannten „Relaying“ wird ein fremder E-Mail-Server zur massenhaften Versendung von E-Mails mit gefälschter Absenderadresse und Herkunft missbraucht, um eine Identifizierung der Betreiber unmöglich zu machen und beim „e-mail Spoofing“ wird der Empfänger zur Öffnung eines unbekannten Anhangs verleitet indem e-Mail-Adressen aus seinem Adressbuch verwendet werden, die zuvor über Spyware ausgekundschaftet wurden.

Einige von den Justizbehörden verhandelten  Fällen von Internetkriminalität


In einem Bericht der Federal Trade Commission(FTC) von 1999 wurde geschätzt das ca. 25 Millionen Webseiten gehijackt, bzw. gepagejacked worden waren. (Begriffsunterscheidung Webseite – Domain) Ein bekannter Fall von Pagejacking wurde 1999 vor einem US-Gericht gegen die Personen Carlos Pereira und Guiseppe Nirta verhandelt. Nirta war der Direktor einer australischen Firma, die pornographische Webseiten wie „taboosisters“ und „taboohardcore“ betrieb und Pereira, mit seinen Webseiten „piratelynx.com“ und „atariz.com“, war derjenige der eine Vielzahl von Webseiten pagejackte und den daraus resultierenden Traffic zu dem australischen Netzwerk sendete. Carlos Pereira doublierte bestehende Webseiten indem er den zugänglichen Quelltext kopierte und eine Java-Skript-Routine implementierte, die den Surfer dann auf die Pornoseiten weiterleitete. Dieses Pagejacking war profitabel, da es nicht nur eine, sondern eine Vielzahl bestehender Webseiten betraf. Neben Einnahmen durch Mitgliedseinschreibungen von umgeleiteten Surfern wurde der Traffic an Clickthrough-Programme weiterverkauft. Der FTC schloss in Zusammenarbeit mit australischen und portugiesischen Behörden die Unternehmungen der beiden und erwirkte per Gerichtsbeschluss, das die in Virginia ansässige Firma Network Solutions, wo die betreffenden Domains registriert waren, die Webadressen aus dem Verkehr zog. Neben pornographischen Spam-Mails ist es vor allem das Pagejacking das Unbeteiligte in Berührung mit Pornographie kommen lässt und so Tendenzen bestärkt die eine allgemeine Reglementierung der Online-Pornographie fordern.


Ein weiterer Fall, der von der FTC in den Jahren 1999/2000 vor Gericht gebracht wurde, war der von “J.K. Publications” und “Netfill”, sowie einer Reihe weiterer Tarnfirmen des Ehepaars Taves und Dennis Rappaport, die eine Reihe pornographischer Webseiten betrieben. Die Angeklagten hatten sich den Zugang zu einer Datenbank der kalifornischen „Charter Pacific Bank“ erkauft, in der die Daten von mehr als 3 Millionen Kreditkartenkunden gespeichert waren. Sie gelangten an die gespeicherten Visa- und Mastercard-Nummern, bearbeiteten sie und verschickten dann an die dementsprechenden Personen Rechnungen über Mitgliedsbeiträge für den Zugang zu ihren pornographischen Webseiten, die sie in Wirklichkeit gar nicht besucht hatten. Das Geld wurde  anschließend an Banken auf der Cayman-Insel transferiert. Die “US Federal Trade Commission” (FTC) verurteilte die Firmeninhaber abschließend zur Rückzahlung von $37.5 Millionen – die Summe, die abzüglich bereits geleisteter Rückzahlungen, den ermittelten Gesamtumsatz dieses Kreditkartenmissbrauches entsprach.

1997 und 1998 waren Mario Carmona und Brian Shuster Gründer und Betreiber von „Xpics.com“ und einem Netzwerk weiterer Webseiten so erfolgreich, dass sie teilweise einen monatlichen Umsatz von bis zu $10 Millionen zu verzeichnen hatten. In diesen 2 Jahren gehörte „Xpics“ zu den am meisten frequentierten pornographischen Webseiten und hatte zeitweise mehr Traffic zu verzeichnen als „Amazon.com“ und befand sich an neunzehnter Stelle der im Internet meist besuchten Webseiten.(Mai, 1998). 2 Jahre später war das Unternehmen bankrott. Ausgangspunkt der Krise war die Implentation einer aggressiven Methode zur Neukundengewinnung wie sie im Prinzip bei Druckpublikationen schon lange praktiziert wird. Nach der Herausgabe von persönlichen Daten erhält der Kunde ein oder mehrere Freiexemplare, denen automatisch, sofern er nicht von sich ausgehend den Auftrag annulliert, ein kostenpflichtiges Abonnement folgt. Diese Geschäftsmethode wurde bei „Xpics“ erstmals im pornographischen Internetbusiness angewendet. Die Betreiber boten sogenannter „Free Trials“ an, denen automatisch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft folgte. Die User mussten, um  unter Beweis zu stellen das sie volljährig und zum Zugang berechtigt waren, ihre persönlichen Daten und ihre Kreditkartennummer angeben. Allerdings wurden die User nicht darauf hingewiesen das dem sogenannten „Free Trial“ automatisch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft folgt. Weitergehend wendeten die Betreiber bestimmte Strategien an, um den Widerruf der Registration unmöglich zu machen, indem über Trojaner Kontrollfunktionen des Browsers überschrieben wurden, so dass die angegebene Seite zur Aufhebung des Vertrages nicht erreichbar war oder man zu anderen irrelevanten Seiten weitergeleitet wurde. Da es vielen Betroffenen nicht möglich war die Firma via Internet oder auf anderen Wegen zu kontaktieren, wandten sie sich an ihre Kreditkarteninstitute und annullierten auf diesem Wege die Abbuchungen. Die daraus resultierenden Rückzahlungen waren sehr kostenintensiv für das betroffene Unternehmen und wurden von dem Kreditkarteninstitut mit Strafgeldern belegt. In der Regel müssen Unternehmen das Quantum an Rückzahlungen auf unter einem Prozent des beteiligten Umsatzes halten, sonst geraten sie in Gefahr das ihnen das Kreditkartenunternehmen den Service aufkündigt und sie keine Bezahlvorgänge über Kreditkarten abwickeln können. “Xpics” musste für jede Rückzahlung zusätzlich 15$ zahlen. Im April 1998 war die Anzahl der Rückerstattungen auf so ein Maß angestiegen, das die Charter Pacific Bank die Konten von „Xpics“ sperrte. Andere Kreditinstitute folgten bald mit dieser Maßnahme worauf das Unternehmen nicht mehr zahlungsfähig war. Webmastern die sich an dem dazugehörigen Partnerprogramm „Xcash“ beteiligt hatten, blieb die Firma ca. $10 Millionen an Außenständen schuldig, die nicht mehr eingefordert werden konnten.

Bei dem Fall der „Crescent Publishing Group“ wurde in dem im Jahr 2000 stattgefundenen Prozess ein weitaus größeres kriminelles Potential sichtbar. Die „Crescent Publishing Group“ vormals „Drake Publishing, Inc.“ hat ihren Sitz in Manhattan/New York und produzierte über ein Dutzend verschiedener Magazine, wie „High Society“, „Playgirl“ „Celebrity Skin“ und „Cheri“, mit einem angenommenen Umsatz von ca. 40 Millionen Dollar. Der Content dieser Magazine wurde über 64 Zweigunternehmungen für eine Vielzahl von Webseiten genutzt, die nach einem Joint Venture mit der Firma „Lexitrans, Inc.“ gestartet wurden. Die Gesellschaft betrieb neben „Cum-TV.com“ etwa  150 weitere Web-Seiten. Das pornographische Business war aber nur ein , wenn auch bedeutender, Teil des Gesamtprogramms dieses Verlagshauses, welches u.a. auch „Travel Agent“(Einzelhandel) und „Unique Homes“(Immobilien) herausgab. Lexitrans wurden enge Verbindungen zu der New Yorker Mafiafamilie der Gambinos nachgesagt. Bereits 1999 wurde seitens des FTC gegen die Crescent Publishing Group ermittelt. Über eine Vielzahl von Webseiten wurde den Usern „Free Tour Web Sites“ offeriert, unter der Voraussetzung der Angabe der Kreditkartennummer, vorgeblich um zu prüfen, ob die Konsumenten die gesetzlich vorgeschriebene Volljährlichkeit zum Besuch dieser Seiten hatten. Tatsächlich wurden dann monatliche Mitgliedsbeiträge zwischen 20 bis 90$ über die Kontodaten abgehoben, zusätzlich wurde in vielen Fällen per Programmierung der „Back“-Button des Browsers außer Funktion gesetzt. Diese „Free Tour Web Sites“ verschafften den Betreibern dieser Operation, laut Erkenntnissen der ermittelnden Staatsanwalt, zwischen 1997 bis 1999 ein Einkommen von 188 Millionen Dollar, insgesamt wird von einer Summe in Höhe von 230 Millionen Dollar ausgegangen. Um den standardisierten Sicherheitsüberprüfungen der Kreditkartenunternehmen  zu entgehen, wurden regelmäßig die Namen der geschäftsführenden Firmen und beteiligten Banken geändert bzw. gewechselt. Nachdem die Vorgehensweise publik geworden war sperrte „VisaUSCard“ die Beteiligten aus ihrem Kreditkartensystem aus. Daraufhin wurde der Geschäftssitz nach Guatemala verlegt, neue Scheinfirmen gegründet und der Betrug noch einige Zeit weiter betrieben. Ruderman, der ehemalige Besitzer der „Crescent Publishing Group, Inc“ hatte offiziell sein Unternehmen 1998 für 75 Millionen Dollar verkauft und stritt jede Beteiligung ab. Er wurde allerdings von der US-Staatsanwaltschaft 2001 als „stiller“ Teilhaber, bzw. Besitzer identifiziert. Der Präsident Bruce Chew und David Bernstein, wie die Firma Crescent Publishing insgesamt, wurden mit Strafgeldern in Höhe von 30 Millionen Dollar belegt. Bruce Chew, der offiziell seit 2003 in dieser Sache angeklagt wurde, entschied sich zu einer weitgehenden Kooperation mit den ermittelnden Behörden.


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