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. Nischenproduktionen – Kommerzielle Alternativen im Internet? Part 1

In diesem Kapitel liegt der Fokus nicht nur auf den amerikanischen Markt, da auch viele europäische Netzkünstler und Photographen sich mit dem Thema erotischer/pornographischer Produktion und Ästhetik auseinandergesetzt haben und sich, zum Teil bewusst, kommerziell nicht haben verwerten lassen. Diese treffen auf eine Queerbewegung, die in den letzten Jahren beginnt aus dem relativ geschlossenen Raum akademischer Diskussionen auszubrechen und die mit einer zunehmenden Anzahl von Events und Produktionen kreativ den Begriff einer „normalen“ Sexualität und der herkömmlichen Pornoproduktion in Frage stellen.


Alt., bzw. „Alternaporn“


Die meisten „x-rated“-Webseiten haben als Zielgruppe die Männer, in der Regel den 18-24 jährigen Single, obwohl nach „sextracker.com“die 30-40-Jährigen mehr als 26% der User stellen und 40% der Besucher dieser Seiten über 40 Jahre alt sind. Inzwischen hat der Markt auch die Frauen als Konsumenten und Zielgruppe entdeckt. Die Anzahl der Frauen, vor allem die jüngere Generation, die im Internet surfen und im speziellen Porno- und Erotikwebseiten besuchen, ist enorm gestiegen und sie stellen einen hohen Prozentsatz der Kundschaft was den Kauf von Sextoys und Erotika über Web-Bestellung betrifft. Mit dieser veränderten Marktlage haben sich auch die Ansprüche an die dementsprechenden Produktionen verändert. Das Formula der herkömmlichen Pornographie genügt den Ansprüchen der weiblichen Kundschaft nicht. Sie verlangen, anstatt der geschlechtsreduzierten Bilderwelten, oft nach differenzierteren, einfühlsameren Szenearien. Es gibt inzwischen Film- und Webproduktionen, in der Regel von Frauen, die diesen Ansprüchen gerecht werden. Aber ca. 90% der Photos von nackten Männern, die man sich Online anschauen kann sind für die Homosexuellenszene produziert, die oft der Geschlechtsfixation und dem Männlichkeitsideal des Standardformulas entsprechen, so dass in diesem Bereich nach wie vor eine Marktlücke besteht.


„Generally, men view porn like they’re looking at it from the other side of a keyhole, outside looking in, whereas women look at it as if it were a mirror, or like they’re in the scene.” (…) “They’re more interactive; women look for something to relate to on a personal level. You see that in what they like: women want more than pictures. They like text, articles, community; discussion boards are a big thing.”
www.scarlettletters.com,  Ed Rampell, März 2001

Nachdem bereits in den 90ern die Produzenten der lesbischen und homosexuellen Pornographie mit Magazinen wie „On Our Backs“ und Videoproduktionen wie „Cazzo Productions“ und später die BDSM-Szene mit einer Vielzahl von Webseiten, neue Akzente in Richtung einer imaginativen und erotischen Pornographie gesetzt haben, folgten nach 2000 viele Webseiten für die bi- und heterosexuellen Konsumenten. Viele dieser Produktionen stehen im Kontext einer Punk- und Gothik-Ästhetik.

Die Gothic-Kultur ist eine vielseitige Subkultur, die Anfang der 1980er Jahre aus den Punk- und New Wave-Szenen hervorging, sich seitdem in vielfältigen Subgenres aufteilte und mit einer zunehmenden Kommerzialisierung seit dem Ende der 90er Jahre teilweise in die Populärkultur überging. Bedeutende musikalische Vertreter der Anfangszeit waren Bauhaus,  Siouxsie & The Banshees, The Cure, Anne Clarke und  Xmal Deutschland. Im Laufe der Jahre  fusionierten fremde Musikstile mit Elementen der bestehenden Gothic-Musik zu neuen Subgenres, so das unter dem Oberbegriff Gothic/ Dark Wave Stilrichtungen von Emo („emotional“)- eine emotionale Variante der Punkmusik – zu Metal, Industrial und Electro, bis zu Adaptionen mittelalterlicher Musik zu finden sind. In Deutschland stellen  die jährlich stattfindenden Wave-Gotik-Treffen/Leipzig und das M’era Luna Festival/Hildesheim die bekanntesten Plattformen für Musikgruppen dieser Szene mit zehntausenden von Teilnehmern.


Der Begriff Gothic ist von den „gothic novels“ entlehnt, ein literarisches Genre –  sogenannte Schauergeschichten mit Handlungsplätzen wie Friedhöfen, Spukschlössern und Ruinen, die sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreuten. Der 1765 erstmals veröffentlichte Roman „The Castle of Otranto“ gilt als einer der ersten gothic novels. Weitere sind der 1816 entstandene Roman „Frankenstein“ von Mary Wollstonecraft Shelley, wie auch Edgar Allan Poe und die Sparte der Vampir-Romane, die zu diesem Genre zugerechnet werden können. Der damalige Erfolg der gothic novels steht im Kontext der europäische Romantik, eine künstlerische Bewegung, die u.a. als eine Gegenreaktion auf die rationale entmystifizierende Sicht der Aufklärung entstand. Treibende Momente der Romantik waren die Natur im Sinne einer Erkenntnis des Selbst und des Göttlichen und Fragen nach dem Tod, der Grenze des Diesseits zum Jenseitigen. Weiterhin kennzeichnend war das Postulat der uneingeschränkten Entfaltung des Individuums bis hin zu dem „l´art pour l`art“ der Bohemiens. Auch bei den heutigen Gothics stellt die gepflegte und stilvolle Selbstinszenierung ein wichtiges Kriterium dar. Das äußere Erscheinungsbild wird oft von schwarzer Kleidung bestimmt, neben Punkstilen sind mittelalterliche Kleidungsstile präsent, oft werden Musiker bekannter Gruppen als modische Vorbilder herangezogen. Die Haare werden oft zu auffälligen und gefärbten Frisuren modelliert. Tätowierungen, Piercings und das Tragen von symbolträchtigen Schmuck sind weit verbreitet. Die Szenerien der gothic novels werden in Songtexten vieler Gruppen thematisiert und als virtuell-imaginäre Welten auf einer Vielzahl von Webseiten inszeniert. Inhaltlich wie visuell lässt sich ein überdurchschnittliches Interesse an okkulten und neuheidnischen Inhalten feststellen.


(siehe auch „Gothic and Dark Music: Forms and Background“ von Ansgar Jewentrup, in „Gothic, metal, rap and rave – youth culture and ist educational dimensions“, Max Peter Baumann(Hg): 2000, Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin (S.25-50)

Inzwischen werden diese Webseiten unter der Kategorie „AlternaPorn“ oder „Indie-Porn“ zusammengefasst. Viele dieser Seiten sind aus den unabhängigen Netzkulturen der Weblogs hervorgegangen. Schlüsselkennzeichen der Ästhetik von Indie-Porn ist das Konzept von Authenzität – von Photos und Filmen, die sich nicht nach dem althergebrachten Formula richten – und  die Erreichbarkeit der Modelle über Chats und weitergehende persönliche Webblogs und Homepages, bis hin zu richtigen Webcommunities, wo über den Chat ein reger Meinungs- und Informationsaustausch stattfindet. Nicht wenige der Betreiber dieser Seiten sind Frauen. Es gibt Seiten, die überwiegend auf weibliche Konsumenten ausgerichtet sind, andere mit einer ausgeprägten Web-Community, wo das Modeln vor der Kamera unter selbstbestimmten Bedingungen, Bestandteil der sexualitätsbejahenden Attitüde ist und eine Vielzahl von Gothic- und Bdsm-Seiten. Die überwiegende Mehrzahl dieser Webseiten sind kommerziell und verlangen monatliche Mitgliedergebühren und stellen für Frauen (und Männer) die ihre Photos und Filme auf die Seite stellen wollen, ein Geschäftsmodell bereit. Dazu gehört kostenlose Software um das Material zum Server schicken zu können und ein Bezahlungsmodus, der sich in der Regel nach Festpreisen und nicht nach dem erzielten Traffic richtet. Das Internet ist mit herkömmlicher Pornographie gesättigt, so dass immer mehr Adult-Webmaster und inzwischen auch Mainstream-Marketingexperten dazu übergegangen sind sich auf Nischenproduktionen zu spezialisieren, die ursprünglich aus dem Bereich der sexuellen Subkulturen und der Sex-Pro-Aktivisten hervorgegangen sind. Die Subkulturen der Bdsm-Communities, der Gothik-und Punkszene, der Sex-Pro- und femme-Porn- Aktivisten haben sich bis zu einem gewissen Grad zum Barometer und Versuchsfeld der pornographischen Industrie entwickelt. Viele kommerzielle Nachfolgeprodukte, die sich der Ästhetik des Indie-Porn bedienen, wie auch der Geschäftsalltag bereits bestehender Projekte, haben weitergehende avantgardistische Tendenzen in der Gestaltung und im Produktionsablauf größtenteils zugunsten kommerzieller Erfolgsmodelle zum Stillstand gebracht. AltPornBucks zum Beispiel, das 2006/7 gestartete Affiliateprogramm für die Webseite ElectroFilms.com., zielt in seiner Werbung ausschließlich auf Webmaster des Alternaporn-Genres ab. Ein Blick auf das angebotene Material zeigt deutlich, das mit dem zunehmenden kommerziellen Erfolg von AlternaPorn-Seiten und der Gründung des Labels Vivid.alt, sich dieses Genre zunehmend dem Mainstreammarkt öffnet.


“In reality, indie porn is just like indie pop. It pretends to be different from the industry, but works with the same business model. Just as punk and indie pop saved the music industry in the 1980s and 1990s, indie porn will save the porn industry of today.”


“Pornographic Coding”- Florian Cramer and Stewart Home/ Crash conference paper, Feb., 2005

Eines der kommerziellen Erfolgsmodelle des Alternaporn-Genres ist die seit Sommer 2001 im Netz stehende Webesite „Suicide Girls“, die ihren Hauptsitz in Portland(USA) hatte. Sie bietet dem User eine Vielzahl von Modellen, in erster Linie Amateure – viele weibliche Gothics, Punks und Emos – die sich in Photos, Webcams und im Chat präsentieren. Im Gegensatz zu vielen kommerziellen Webseiten haben die Modelle eine weitgehendere Kontrolle über die Bilder und Cams und können ihre eigene Online-Seite gestalten. Die Präsentation der vollständige Nacktheit wird von den Modellen erwartet, Photos mit weit gespreizten Beinen oder Nahaufnahmen auf das Geschlecht sind selten, Penetration wird – als Prinzip von SG – nicht gezeigt. Die Modelle können Photos selbst einschicken oder sich ein Set von einem SG-Photographen erstellen lassen. Für jedes photographische Set wird den Modellen pauschal 300 Dollar gezahlt und die Bilder gehen damit in den Besitz von SG über. „Mrs. Suicide“ alias Selena Mooney, die Cover-Model für das Onlinejournal „nerve“ war, ist eine der Frontfrauen von SG, während der Besitzer Sean Shul sich weitgehend im Hintergrund hält. Sie begann im Stil der klassischen Pin ups von Bettie Page zu photographieren und veröffentlichte die Bilder auf der Webseite. Durch großen Zuspruch seitens der Portländer Alternativszene wuchs die Zahl der Modelle und User schnell. SG bietet, um größtmögliche Interaktivität zu erreichen, nicht nur den Modellen, sondern jedem zahlenden Mitglied Webspace für persönliche Profile, Journale, Photos und Webcams. Anfang 2003 verlegte  SG ihren Sitz von Portland nach Los Angeles.

Eineinhalb Jahre nach dem Start up hatte die Seite eine fünfstellige Mitgliederzahl und über 400 000 Besucher pro Woche. Mehr als 1000 Frauen bewarben sich bis Mitte 2003 per Web-Formular als Modell.  Die Anzahl der Modelle ist von 100 im Jahr 2003 auf knapp 1000 Anfang 2006 gestiegen. März 2008 waren bereits 1800 weibliche Modelle auf der Webseite von Suicide Girls vertreten. Für die Community sind weiterhin Themenchats, Artikel und Infos zu Veranstaltungen und Lifestyle und die Online-Journale der Frauen  im Angebot. Das Unternehmen gibt eine Print-Publikation „SG the Magazine“ heraus und 2004 kam es mit einem Joint Venture mit dem Playboy-Holding, genauer mit dem „Playboy Cyber Club“, zu einer weiteren Öffnung zum Mainstream-Markt. Im September 2005 haben die Webmaster von SG eine größere Anzahl von Bildern, die Bondage und Sadomasochismus thematisierten von der Seite genommen um eventuellen juristischen Schritten der US-Behörden im Zuge der „war on porn“-Kampagne vorzubeugen. Die Webseite wird täglich überarbeitet, bzw. mit neuem Material versehen. Laut den Betreibern von „Suicide Girls“  sind etwa 43% der zahlenden Mitglieder Frauen und der Internet-Traffic der Nacktbilder soll nur 20% der gesamten Webseite ausmachen. Der Fokus liegt demnach auf der Web-Community, wo über Mitglieder wie auch über das Unternehmen viele Kulturevents annonciert und zum Teil auch organisiert werden. Genau dieses Image einer Lifestyle-Internet-Community zeigt inzwischen aber Brüche. Der Joint Venture mit Playboy und die Zensur von Mitgliederjournalen haben zu einem deutlichen Imageverlust geführt. Hinzu kommt das Informationen über unkorrekte Verfahrensweisen mit den SG-Modellen bekannt geworden sind. Von einer minimalen Bezahlung abgesehen, soll SG Photos von Frauen die aus dem Vertrag ausgestiegen sind an drittklassige Pornoanbieter weiterverkauft haben. Innerhalb vieler Web-Communities, die den alternativen Anspruch von SG ernstgenommen haben gilt „Suicide Girls“ inzwischen als ein Modell des „Scheiterns am Erfolg“.

Im September 2005 verließen 30 Modelle „Suicide Girls“, weitere 20 folgten in den nächsten Monaten. Nach dem Weggang von 30 populären SG-Modellen, von denen einige in der Bloggsphäre ihre Kritik an Suicide Girls, kombiniert mit internen Informationen, veröffentlichten, strengte „SG Services Inc.“, die Mutterfirma von SG zwei Prozesse gegen verschiedene Besitzer und Betreiber von Webseiten an. Zum einen gegen die Webseite „GodsGirls.com“, wegen der Imitation des Webdesign der Seite, genauer gesagt wegen ähnlicher Verwendung der Farbe Pink und wegen angeblicher Abwerbung vieler Modelle von SG und gegen die Seite „gloomdolls.com“ wegen der Veröffentlichung von Hintergrundinformationen eines Ex-Modells von SG.


„Bust“, Febr./März 2006 – „Hanging Themselves“, Seite 78-81, von Noreen Sobczyk

Eine andere Alterna- oder Indiepornseite mit vergleichbaren Konzept war die nordamerikanische Webseite „ThatStrangeGirl.com“, auf der weibliche wie männliche Modelle zu finden waren. Diese Webseite war seit September 2002 am Netz, mit 85 weiblichen und 18 männlichen Modellen. Die Betreiberin, eine 20-jährige Collegestudentin, erklärte dort unter dem Pseudonym Lux Nightmare ihre Einstellung zur Pornographie:


“All the porn I’d seen up until this point had been rather boring – fake plastic people who didn’t really seem into what they were doing. But alternaporn was different. It was people like me – young, smart, cool girls who loved sex and were more than willing to show off and celebrate their sexuality online… and had a lot of fun doing so.”


StrangeGirl war eine Payside, als zahlendes Mitglied hatte man Zugang zu tausenden von Bildern von Männern, Frauen und Paaren, downloadbaren Videos, mehreren VoyeurCams, einer Sammlung erotischer Texte, dem Message-Board und speziellen Journalien der einzelnen Models. Die Seite ist 2005 Offline gegangen. Nach über einem Jahr eröffnete sie unter der gleichen Domain ihren Blog „Lux Nightmare is not a porn star“. Sie ist zusammen mit Melissa Gira Herausgeberin des Onlinemagazins „Sexerati“ und schreibt für die Blogs “Fleshbot” und “Boinkology”.


http://gothamist.com/2007/03/15/lux_nightmare_c.php

Nakkidnerds.com” wurde von Cloei, einer 26 Jahre jungen Frau aus Massachusetts gegründet. Sie hatte bereits als Modell für kommerzielle Porno-Webseiten gearbeitet, bis sie dann ihr eigenes Webunternehmen gründete. Nakkidnerds arbeitete nicht mit professionellen Modellen, sondern mit Amateuren und Bekannten und Freunden von Cloei zusammen und versucht bessere Arbeitsbedingungen durch einen positiven, identifikationsstiftenden Begriff der Arbeitsethik von Camgirls zu schaffen. Zugang zur Webseite bestand auf der Basis kostenpflichtiger Mitgliedschaft. Die User hatten die Möglichkeit mit den Modellen über Message-Boards und Chatrooms zu kommunizieren. Cloei war durch ihr Engagement eine der ersten Camgirls, die innerhalb der Webcam-Community national bekannt wurden. Die Webseite ist im Netz (Febr. 2008) noch zu erreichen, wird aber, laut Cloei, aus persönlichen Gründen, zur Zeit nicht mehr aktualisiert und betrieben. Ein erneuter Start-up wird den interessierten Usern allerdings in unbestimmter Zukunft in Aussicht gestellt.


“I am sick and tired of searching through the net looking at page after page of tall blonde cookie cutter girls that you KNOW are NOT true amateurs. These days searching for “adult material” is just site after site of the same girls with a few rare exceptions, and frankly it is giving us wild web chicks a bad name.”


Viele weitere bekannte AltPornseiten wie „BrokenDollzs“, PornforPunks”, „fatalbeauty“ und „thatbirdsnest.com“, sind inzwischen ebenfalls offline gegangen.Viele dieser Webseiten entstanden aus der Initiative von Einzelpersonen. Obwohl die Mitgliedergebühren oft unterhalb der herkömmlichen Pay-Sides lagen, sind sie aufgrund zunehmender Konkurrenz und mangelnder Unternehmens, bzw. Netzwerkstrukturen von der Bildfläche verschwunden.

Johanna Angel und ihr Partner Mitch Fontaine sind die Besitzer und Betreiber der 2002 gestarteten Webseite burningangel.com, einer weiteren „AlternaPorn“-Seite, die ähnlich wie SuicideGirls aufgebaut ist, mit dem Unterschied, dass dem User auf der Seite deutlich expliziteres Material angeboten wird. burningangel.com verfügte Ende 2006 bereits über einen Grundstock von ca. 130 Modellen, die pro Shooting 200 Dollar erhalten. Neben den üblichen Photosets und Videostreams für zahlende Mitglieder, bietet die Webseite einen kostenlosen Zugang zu einer umfangreichen Interviewsammlung mit bekannten Größen aus dem Indie- und Punk-Musikgenre wie Bad Religion und Marylin Manson. Unter „free stuff“ werden Icons und speziell für MySpace aufbereitete Themenseiten incluse html-Code angeboten. Durch diese Mischung wurde Joanna Angel mit ihrer Webseite schnell populär und gelangte in den Fokus der Medienöffentlichkeit. Zeitschriften und Magazine wie die New York Times, Village Voice und Esquire UK veröffentlichten Interviews und Photos von ihr und betitelten sie als die „Queen of Altporn“. Über das Label  „Burning Angel“ wurden inzwischen mehrere DVD`s produziert bei denen Johanna Angel als Darstellerin wie als Regieassistentin und Produzentin mitgewirkt hat. Die 26-jährige Unternehmerin ist Hauptdarstellerin in den Horror-Porno-Produktionen der „XXXorcist“ und „Repenetrator“ und erhielt die Möglichkeit bei dem bekannten Regisseur des Altporn-Genres Eon McKai in mehreren Produktionen mitzuwirken.

Außerdem steht Johanna Angel bei Hustler als Kontrakt-Darstellerin unter Vertrag. Hustler knüpft damit an das 1997 von ihnen publizierte Magazin „Rage“ an, ein Pornomagazin, welches sich eines alternativen Stils in der Photographie, Typographie und den Texten bediente, zu den damaligen Zeitpunkt aber keinen kommerziellen Erfolg versprach, während sich knapp 10 Jahre später das AlternaPorn-Genre zum Trendsetter der Pornoindustrie entwickelt hat. Der Film „Johannas Angel`s“, der von VCA produziert wurde, (inzwischen im Besitz von Larry Flint Inc.) war so erfolgreich und wurde für 5 AVN-Awards nominiert, dass 2006 die DVD „Johannas Angel`s 2“ folgte. Sie spielte 2005 in ca. 30 pornographischen Filmen wie „Cum On My Tattoo” mit und wurde 2006 für die AVN-Awards “Best New Starlet” und “Best Actress” nominiert. Die Erfolgsgeschichte Johanna Angels ist ein Beispiel, wie das ursprünglich auch immer auf lokale und subkulturelle Communities bezogene AlternaPorn-Genre sich immer mehr zu einer kommerziellen Folie der herkömmlichen Sexindustrie entwickelt, die so die nächste Generation  von Pornokonsumenten ädaquat bedienen. Deutlich wird dies u.a. bei der persönlichen und gleichnamigen Webseite von Johanna Angel, die sich in der Photographie und den Texten der Eingangsseite kaum noch von einer herkömmlichen Pornowebseite unterscheidet.

Eine weitere Seite ist “eroticbpm.com”, vormals “raverporn”. Sie bietet neben vielen Cam-Shows, als einige der Wenigen auch männliche Modelle. An die Seite „eroticbpm.net“ ist eine große Web-Community angeschlossen mit Message-Boards, Online-Journalen und Informationen über Musik, Konzerte und anderen Themen. Der Betreiber von „eroticbpm“, Scott Qwens, ist Besitzer der Killshot Productions. “EroticBPM.com“ und „Spiceplay.com“ sind die bekanntesten Domains der Killshot Productions. Killhost.com hat die Rechte an insgesamt 40 Domains und Scott Owens Mailadresse steht als maßgeblicher Kontakt bei 17 Domains an der betreffenden Stelle der Webseiten. „punkporn.com“ und „awfulporn.com“ sind in ihrer Struktur wie Blogs aufgebaut und dienen, neben zusätzlichen Informationen und Anekdoten aus der Online-AltPorn-Szene, hauptsächlich der Traffic-Generierung. Die ebenfalls populäre Webseite fatal-Beauties.com war im Februar 2008 offline. In der Anfangszeit betrieb Scott Owen mit der Webseite „erotic.bmp“ ein gemeinsames Marketing mit „suicidegirls“. Ende 2005 kam es zu einer Geschäftskooperation zwischen der Killshot Productions und Blue Blood’s SpookyCash hinsichtlich der Webseiten „fatal-Beauties.“ und „erotic.bmp“, die auch weiterhin besteht. Weitergehend ist „eroticbmp.com“ in einem Affiliate-Netzwerk des Onlinemagazins „lollipop.com“ aufgeführt, wo neben „varla.com“ und „stonerrock.com“, u.a., die ihren Schwerpunkt auf Musik (von Rock bis Punk) haben, auch die Altporn-Seite „supercult.com“ aufgeführt ist.

Das Alternativmagazin “Blue Blood”, 1992 von Amelia G. gegründet, war eines der ersten Magazine, die den Lifestyle und die Ästhetik von Gothic, Punk und einer dementsprechenden Cyberkultur in den USA einer größeren Öffentlichkeit vorstellten und mit dazu beigetragen haben, dieser subkulturellen Ästhetik den Weg in die Populärkultur zu ebnen. Die später folgende Internetpräsenz BlueBlood.net ist ein Entertainment-Portal für Musik, Mode, Konzert- und Veranstaltungen. Um 2000 herum starteten Amelia G. mit ihrem Partner Forrest Black die Alterporn-Seiten „GothicSluts.com“ und „BarelyEvil.com“, später dann „RubberDollies.com“. Alle diese Webseiten sind dann, nach dem Umzug von Washington DC nach Los Angeles unter die Schirmherrschaft von BlueBlood.com gestellt worden, von der ausgehend – mit einem eigenen Affiliate- und Banner-Programm „Spooky Cash“ – der Content weitervermarktet und Traffic generiert wird. Zum SpookyCash, bzw. BlueBlood-Netzwerk gehören inzwischen neben den bereits genannten Seiten: Szandora.com, MissBunny.com, MichelleAston.com und Erotic.bmp. Blueblood.com bietet im Verhältnis zu anderen kommerziellen Adult-Seiten oft weitaus günstigere Optionen für den User an. „Gothic-Sluts“ bietet neben Photographien, Videos und Storys, mit Message-Boards und einem Chat-Room Kommunikationsmöglichkeiten für die Webcommunity an. Die weiblichen Modelle sind alle dementsprechend gestylt; die Haare oft zum Teil bunt eingefärbt oder zum Punkhaarschnitt hochfrisiert. Fast jede der Frauen ist tätowiert und gepierct. Leder und Latex sind oft genutzte Kleidungsmaterialien. Schminke wird meistens grell verwendet, z.b. in Form von blut- bis knallrotem oder blauen Lippenstift und übermäßigen Kajal um die Augenzone. Themen in denen die Settings oft eingebunden werden, sind Vampirismus, der mit langen Schneidezähnen und Kunstblut inszeniert wird – und weitergehend, die Nähe des Todes. Beliebte Orte der Inszenierungen sind Friedhöfe, Gruften, Schlösser und Kirchen, bzw. versucht man in den Studios und im Weblayout dementsprechende Atmosphären zu erzeugen. Die Grenzen zur BDSM-Szene sind fließend: Domina-Motive, Herr-Sklave-Verhältnisse und Schmerz sind in beiden Szenen gebräuchliche Themen. Auch die Vorliebe für Leder und Latex und die oft düstere Atmosphäre von Folterkellern und Gruften sind in der photographischen Inszenierung ähnlich.

Zwei weitere erwähnenswerte Webseiten, die sich der Gothic-Ästhetik bedienen, dabei aber deutlich eigenständige künstlerische Akzente setzen, sind „glafizian.com“ und „gruppogarage.com.“ Die us-amerikanische Webseite.glafizian.com der Multimediakünstler Jeff Ensign, Musiker der Industrial- Gruppe „Evolution Noise Slave“ und seiner Frau Kimberly, die auch als Modell auf der Webseite wirkt, bietet ein interaktives Internet-Erlebnis aus Experimentalfilm, Musik, Performance und Photographie. Das Projekt ist nach Angaben der Künstler, stark von den Schriften  Antonin Artauds beeinflusst. Die italienische Webseite gruppogarage (Start up 1998), der 1993 von Leonardo Damiani gegründeten Künstlergruppe  „gruppogarage“ gewann 2001 und 2002 den „Golden Web Award“ und bietet überwiegend erotische Photographie an.

Michael C. Gross und Roberta E. Morgan waren die Betreiber der  Pornowebseite „MikeyandMandy“. Michael Gross arbeitet als Artdirektor und freischaffender Designer. Er war u.a. Art-Direktor beim Magazin “National Lampoon” und bei dem Film „Heavy Metal“, den er mitproduzierte und brachte über seine Tätigkeit als Photograph bei dem Erotikmagazin „MetArt“ sein Portefolio als Grundstock für die Webseite mit ein. Die beiden stellten auf der Webseite ihre eigene Vorstellung von Erotik und Pornographie vor, die von einem Kritiker als „Like going to a porn circus“ bezeichnet wurde. Die Seite bot verschiedene Kategorien wie Videos, Vintage, Tits and Asses, She-Males, Weird, Comics&Animation, Ethnic, sowie Texte und Kolumnen an. In mehreren kurzen Tutorials zu den Themen erotische Photographie und Texte, sowie den Start up einer eigenen Pornoseite, boten beide ihre persönlichen Erfahrungen und Kenntnisse an. Die kostenpflichtigen Webseite ist seit Herbst 2007 vom Netz, der Blog von Roberta E. Morgan „mandyssexlife“ besteht weiterhin.

No Fauxxx”, ebenfalls eine Community-Seite, hat ein Angebot, das von erotischer Photographie bis Hardcore reicht. Sie stellen männliche wie weibliche Modelle und Paare in einem gemeinsamen Webspace ins Netz und unterlassen die sonst  auf Pornoseiten übliche Kategorisierung in Untergruppen wie „anal“, „straight“, „lesbisch“ etc.  Und sie bieten Modellen jenseits der herrschenden ästhetischen Schönheitsvorstellungen – wie sie auch im AltPorn-Genre gepflegt wird – die Möglichkeit sich zu präsentieren.


“No Fauxxx means „No Fakes.“ Most of our models are not professional adult models or sex workers, although some are. Either way, they are normal people interested in expressing their sexualities. They are all sizes, all genders, all sexual orientations, all races, and from all sorts of places, doing all sorts of things.No Fauxxx is for models who are sick of not seeing people like them in mainstream porn, and for members who appreciate real bodies, real people, and a variety of genres.”


BDSM


Als Colin Rowntree, Gründer und Präsident von “Wasteland.com“, 1995 seine Internetunternehmungen begann, wurde der Markt der Online-Pornographie von nur wenigen Unternehmen und Einzelpersonen bestimmt, dazu gehörten die ursprüngliche YNOT-Crew, Bangwang (Pornholio), Jonathan Leiberman von „Naughty.com“ und David Van der Poel von „Python“, zwischen denen ein reger Informationsaustausch und ein Verhältnis gegenseitiger Hilfestellung bestand. “Wasteland.com“ gilt als eine der besten BDSM-Webseiten im Netz und präsentiert sich als eine Livestyle- und Informations-Seite der BDSM-Community. „Wasteland“ ist eine kostenpflichtige Seite, die ihren Mitgliedern mehr als 1 Million exklusiver Bilder – u.a. einer der größten Sammlungen von Fetisch-Photos im Internet – und mehr als 10.000 Videos und Multimedia- und Liveshows anbietet. Die Webcommunity hat eine Basis von ca. 6000 aktiven Mitgliedern denen neben dem Livechat und der Möglichkeit von Live-Video-Konferenzen und dem Einstellen eigener Photos, umfangreiche Informationsressourcen und Tutorials zu verschiedenen Themen angeboten werden.  Hierzu gehören: SMPraktiken, Bondage, Fetischismus, Fisting, Analsex, Piercing, “Wasserspiele”, Körpermodifikationen, sowie sexualmagische Praktiken und Rituale. Adressen und Termine von Studios, BDSM-Services, Clubs und Parties in vielen Städten werden in separaten Kategorien aufgelistet. „Wasteland“ wurde 2 Jahre hintereinander von AVN der Titel „Best BDSM/Fetish Site“ zuerkannt. Der hohe Traffic der Seite wird u.a. von mehreren tausend „Freesites“ generiert, die entweder von dem Unternehmen oder über Affiliates betrieben werden. Mit dem Partnerprogramm „Spicecash“ wird inzwischen eine Reihe weiterer Webseiten angeboten. ForbiddenEast.Com, welche japanisches Material offeriert, BDSMHardcore.Com, der WastelandBlog und Sssh.Com, sowie SsshTV.Com, die auf die weibliche Zielgruppe ausgerichtet sind. Sssh.com bietet pornographische Filme und Photostrecken von Männern, einen Online-Dating-Service, ein Magazin mit informativen Artikeln, Horoskopen und Besprechungen männlicher Stripteasetänzer und Clubs, Live-Chat und eine interaktive Community. Im Sommer 2007 fusionierten Wasteland.com und Powerotics.com, eine Webseite, die umfangreiche Ressourcen zum Thema BDSM zur Verfügung stellte, unter der in den Niederlanden gehosteten Domain kinkculture.com.

Brooks Talley, der auch die Webseiten whitehouse.org und illuminati.org betrieb, ist der Gründer von “Bondage.com”, einer Webseite mit mehr als 700.000 registrierten Usern (April 08). Die meisten der Besucher von Bondage.com kommen wegen den kostenfreien Bild- und Videomaterial, den Diskussionsforen, Artikeln und dem Partner-Vermittlungsservice. Der Dating-Service von Bondage.com, mit über 450.000 Profilen ist sehr populär innerhalb der kalifornischen BDSM-Szene und wird oft zur realen Kontaktaufnahme genutzt.  Eine ausreichende Anzahl von Usern loggt sich für den  kostenpflichtigen Content in den Mitgliederbereich ein, so dass aus „Bondage.com“ eine kleine profitable Firma mit sechs Angestellten geworden ist. Über ein dazugehöriges Webshop-Konzept werden DVD`s, Lederkleidung und Assecoires und spezielle Toys und Hilfsmittel vermarktet. Bondage.com  hat sich auf eine weitgehende Geschäftskooperation mit Various, Inc., die inzwischen zum Penthouse Media-Konzern gehört eingelassen und bietet anderen Webmastern in ihrem Affiliateprogramm 20 Webseiten wie Adultfriendfinder, AsiaFriendfinder, u.a. zum bewerben an.


Das  „Cyber-Dyke Network“, gegründet 2000, ist aus der Initiative von  Zille und Alexi Defeu, einem nordkalifornischen lesbischen Paar entstanden. Sie begannen mit ihrer Webseite „Darkplay“, wo sie ihre eigenen sexuellen Aktivitäten und Vorlieben dokumentierten, vor allem BDSM und Fetisch-Photographie mit Gothic-Attitüde. Neben diesen intimen Performances des Pärchens wurden oft Freunde und Bekannte, wie z.b. Jane Duvall von „Jane’s Guide“ zu den photographischen Sessions eingeladen. Es folgte mit einer Reihe von gleichgesinnten Webseitenbetreiberinnen die Gründung von Cyber-Dyke, eine Plattform für lesbische Pornographie – in erster Linie von Frauen für Frauen – die nach Aussagen ihrer Betreiberinnen aber allen Geschlechtern, ob homo- oder heterosexuell, offen steht. Die einzelnen Webprojekte können unter dem Dach des Netzwerks mehr Traffic generieren und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und Wissen machte Zeit- und Kostenersparnisse möglich. Zu den weiteren CyberDyke-Seiten gehörten u.a. „StoryMistress“  von Lori Selke, die bei den lesbischen Pornomagazin „On Our Backs“ gearbeitet hat und die Erotik-Anthologien „Tough Girls“ und „Literotica“ editiert, und die Seiten“ Sappho’s Girls“, „Faerie Fantasies“ und „ Grrl Tools“ von Aeden McKenna. CyberDyke nutzt zur Content-Herstellung persönliche Beziehungen und lässt Freunde und bekannte Pärchen in ihren Sessions als Modelle auftreten, beim regulären Booking bevorzugen sie wirkliche Lesben und bisexuelle Frauen und versuchen sich bei der Narration an wirklichen Phantasien zu orientieren.

“One of my personal goals is breaking the stereotype that women only want fluffy soft-core stuff (…) I think women, especially younger women, want more than that.(…) When we started, the web was full of mass-produced generic porn that didn’t interest or excite us – and it still is! So basically we’re out to redeem porn! We want to let erotica and porn consumers know that porn doesn’t have to be contrived or ugly or insulting to one’s intelligence; that explicit work can be beautiful and thought provoking. We want to make adult entertainment that is authentic, spontaneous, and that has artistic merit”.


CyberDyke.net hatte (Febr.2006) neben der Portalseite vier Hauptseiten: “Darkplay”, “Sappho’s Girls”, “Posteriority” und “SerafinaSox” und über 10 weitere Seiten, deren Inhalt nach bestimmten Themen wie Rasur, Natursekt, Fesselung und literarischer Erotica ausgerichtet sind. Für einen einmaligen Mitgliedspreis von 20 $ monatlich hatte der User Zugang zu allen Seiten des Netzwerks. “DarkPlay” stellt in diesem Segment die lesbische Hardcoreseite des Netzwerks mit BDSM, Fisting, Analsex und zwei-bis dreifacher Penetration. “Sappho’s Girls” präsentiert eine softere Variante vom lesbischen Sex während „Serafina Sox“ die Bandbreite des Fußfetischismus abdeckt und sich bei der Webseite “Posteriority” alles um den weiblichen Hintern dreht. Ende 2006 hat das Netzwerk eine deutlich kommerziellere Ausrichtung bekommen. Das Angebot an freien Photos und die Verlinkung orientierte sich deutlich an dem Teil des Mainstream-Publikums, der Wert auf eine qualitative Bandbreite von erotischen bis Hardcore-Content legt. Im Copyright der Webseite ist das kalifornische Unternehmen „Pleiades Web Press“ angegeben, die neben dem CyberDyke-Netzwerk, die Gotik-Seiten Gothic Undine, Blood-dolls.com und Shadowjen.com, sowie die Webseite des Fotografen C. Owen Johnson betreibt. Alle Webseiten scheinen über einen firmeneigenen Server zu laufen und der e-commerce wird über CCBill abgewickelt. Im April 2008 bot sich das Cyber-Dyke-Portal im neuen Weblayout und mit Zugang zu 16 thematisch ausdifferenzierte Webseiten an. Die Tendenz der Mainstream-Pornographisierung hat sich zumindestens in der Eingangsseite deutlich verstärkt. Dies wird vor allem in der Sektion „About us“ bei „Who are the Cyber Dykes“ deutlich, deren Kurzvorstellungen deutlich an den Erwartungen heterosexueller Pornokonsumenten ausgerichtet sind.

Eine herausragende Webpräsenz ist die des Photographen Viktor Curtis(geb. 1968) aus Los Angeles, der mit seinem Projekt „lightworship“ und der gleichnamigen Webseite eine außergewöhnlich dichte atmosphärische Beschreibung der Welt des Fetisch und BDSM liefert. Seine Arbeiten sind in führenden BDSM-Magazinen in den USA und in Europa publiziert worden, wie “Secret Magazine”/US, “Skin Two”/London und “Soumises”/Paris. Bei einer Ausstellung in Los Angeles  im Sommer 2005, zeigte Playboy TV eine Reportage über sein Werk. Die Webseite wurde seit Nov. 2005 nicht mehr aktualisiert.


Fakir Musafar (geb.1930) hat sich seit den 70er Jahren  intensiv mit schamanistischen Ritualen und vielen Formen von Körpermodifikationen beschäftigt und hat die dafür relevanten Techniken und Praktiken von ararchischen Kulturen für die heutige Zeit adaptiert. Er sieht in diesen „rites de passages“ ein Potential spiritueller Erfahrung, Transzedenz und Heilungsmöglichkeiten, welches auf diesem Wege dem modernen Menschen wieder zugänglich gemacht werden kann. Anfang der 90er Jahre wurde er durch Auftritte in Fernsehshows von NBC, CBS und CNN landesweit bekannt und trat in den folgenden Jahren auf verschiedenen internationalen Kunstfestivals in Europa auf. Fakir gilt als einer der Wegbereiter von modernen Disziplinen wie Piercing, Branding und Sculpting und hat maßgeblich mit zu ihrer Popularisierung beigetragen. Im Rahmen von Auftritten in Universitäten und kleineren Performances inszeniert er schamanistische Körperrituale und bietet dementsprechende Workshops und Vorträge an. Er arbeitet außerdem als Photograph und dokumentiert seine eigenen Arbeiten und Rituale und die Anderer, welche in einer Buchpublikation, seiner eigenen Webseite, sowie in einer Vielzahl von Magazinen wie „Theater Journal“, „Bizarre Magazin“ und „Skin Two“ veröffentlicht wurden. Fakir wurde von verschiedenen Medien als Vater des „Modern Primitive Movement“ bezeichnet. Im Zeitraum 1992 bis 1999 gab es sein eigenes Photomagazin „Body Play“ heraus, welches dann wegen Schwierigkeiten mit der Distribution bankrott ging. Seit 2000 gibt es eine Online-Version die frei zugänglich ist. Er bietet in der San Francisco Area professionelle Branding- und Piercing-Lehrgänge an, die ein medizinisches, technisches und ästhetisches Grundwissen dieser Disziplinen vermitteln. Die Ausbildungsstätte ist beim Staat Kalifornien als eine „Career Training“-Institution registriert.


„(…)human life is a constant interplay between body and spirit, a drama to be encouraged and explored. A drama whose ritual brings body and spirit interactively together. A drama that includes body, erotic energy and spirit. A drama that defines where one starts, the other stops and where they overlap. I call exploration of this drama ‚body play.'“ (…)I think the rare and unusual experiences we sometimes bring back from a scene are the keys that open spiritual doors. If BDSM players can keep those moments in mind, meditate on them, and share them with others, they will gain more insight into the ‚body/spirit‘ connection. (…)It is not a matter of belief or theology. It is a matter of dipping one’s feet in the water and getting wet.“


Fakir Musafar im Interview mit Sensuous Sadie   http://www.sandm.com/


Die Webseite „gloriabrame.com“ vertritt zwar kein alternatives ästhetisches Konzept, stellt aber eine informelle Ressource zum Thema BDSM dar. Neben einer Vielzahl eigener Artikel, Linklisten und literarischer Erotica, kommen viele andere Autoren mit belletristischen und informativen Beiträgen zu Wort. Ihr Blog und das Message-Board sind die einzigen Bereiche, die ständig aktualisiert werden. Gloria Brame ist eine bekennende BDSMlerin und eine akademisch ausgebildete Sexologin und Sexualtherapeutin. Sie ist Autorin von vier themenspezifischen Publikationen, die u.a. über die Webseite vermarktet werden und bietet kostenpflichtig ihren sexualtherapeutischen Service an. Ihr Mann betreibt über „W.D.Brame“ einen kleinen Internetversand von SM-Tools.

„Those innate contradictions and paradoxes are what makes each person an individual. I’d say that, on many levels, the profound experience of SM (when you do have a profound experience of it, meaning you are at the edge of your limits, emotionally or physically) celebrates the paradoxes. Yes, I’m sexually sadistic and like to hurt men; and yes, I am tender and maternal, and love to dote on them. In SM, there’s no conflict between being your complete self; everyone who gets SM gets why a dominatrix bitch can also be a loving friend. I can be my fully integrated paradoxical self in SM.“


Gloria Brame im Interview mit Sensuous Sadie   http://www.sandm.com/

Ein gutes Beispiel für die weitergehende Kommerzialisierung der sexuellen Subkulturen und Nischenproduktionen stellt die Firma „CyberNetentertainment“ in San Francisco dar. CyberNetentertainment, inzwischen umbenannt in „kink.com“ bezeichnet sich selbst als führende Fetisch-Film-Produktion und betreibt inzwischen 11 Webseiten(2006). Der Versuch mit zwei Webproduktionen „malewank.com“(2002-2003) und „buttmachineboys.com“(2002-2004) in die Gay-Nische zu expandieren, scheiterte nachdem sich die Betreiber von buttmachineboys aus dem Vertrag lösten. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Webseite „Hogtied.com“, eine BDSM-Seite, die der ehemalige Betriebswirtschaftsstudent Peter Rogers 1997 gründete. Die Seite bot ausführlich dokumentierte BDSM-Sitzungen an, die im eigenem Studio abgehalten wurden. In den Filmen und photographischen Serien blieb man nicht bei vorinszenierten Einzelbildern, sondern versuchte die lustvollen Momente die sich aus den Fesselspielen in Kombinationen mit weiteren Anreizungen wie Vibratoren, leichten Stromstößen, Spanking und anderen Formen von Schmerz für die Protagonistinnen ergaben, einzufangen. Die Modelle wurden ausdrücklich darauf hingewiesen nicht für die Kamera zu schauspielern. „hogtied“ wurde ein kommerzieller Erfolg. Ab 2001 folgten weitere Start-ups mehrerer Webseiten, die nach dem Baukastenprinzip verschiedene Segmente des BDSM oder „Kinky-Sex“ abdeckten und ähnlichen Vorgaben wie für die Settings auf „hogtied“ folgten. Alle diese Seiten sind kostenpflichtig, bieten aber als hervorstechendes Kriterium dem User bereits kostenlos umfangreiche Photoserien zur Ansicht an. Das Material hat eine technisch hohe Qualität und die Szenerien folgen einem striktem Formula, dass – je nach speziellem Thema – verschiedene Formen der Fesselung, der Unterwerfung, der Stimulation durch Schmerz und der Penetration zeigen. Es wird weiterhin versucht eine Aura von Authenzität zu erzeugen, aber schon nach kurzer Durchsicht wird deutlich, dass professionelle Produktionsvorgaben und Bedingungen die Settings bestimmen, die ausschließlich auf die Content-Produktion bezogen sind und individuellen Performances wenig Spielraum zu lassen scheinen.

Der Start-up der Seite „fuckingmachines.com“ 2001 wurde in den USA von einer großen Öffentlichkeit, vor allem durch Webmagazine und Blogs, wahrgenommen. Diese Seite zeigt ausschließlich weibliche Modelle, die von Maschinen – von umfunktionierten Bohrmaschinen bis hin zu Maschinen in Automobilgröße – penetriert werden. 2002/3 folgten weitere Spezialisierungen mit „wiredpussy“(Elektro-Bondage), „waterbondage“ und „meninpain“. 2004 folgte die Webseite „ultimatesurrender“ wo Frauen mit Ringer- und Wrestlingtechniken gegeneinander kämpfen. Die Gewinnerin zwingt am Ende die andere Frau entweder zum Cunnilingus oder penetriert sie mit einem umgeschnalltem Kunstpenis. CyberNetentertainment bietet als Partnerprogramm für den e-commerce „CyberNet Bucks” an, mit dem der Fetish-Content an andere Webmaster weitervermarktet wird, ist Mitglied der „Free Speech Coaliation“ und sponsert, bzw. betreibt in San Francisco das BDSM-Community-Zentrum „SF-Citadel“, wo u.a die „Academy of SM arts“ von Cleo Dubois mehrmals im Jahr Workshops anbietet. Mit „behindthekink“ startet das Unternehmen 2006 eine Dokumentarserie, die als Film über das Internet abgerufen werden kann. Ähnlich wie die Documentary-Soaps“ mit denen „Vivid“ und „Private“ ihre Modelle im Kabelfernsehen weitergehend vermarkten, soll das Leben der Darsteller hinter den Kulissen und im Privaten, sowie Hintergründe des Produktionsalltages und Geschäftsablaufes gezeigt werden. “CyberNet Entertainment” erhielt 2006, nachdem der Domainname von dem Unternehmen „National A-1“ erworben wurde, den Namen „Kink.com“. Weiterhin erwarb National A-1 das Recht exklusives Fetisch-Material von „Kink.com“ auf ihrer Webseite „HotMovies.com“ weiterzuvermarkten. Im November 2009 wurden über die Domain kink.com dreiundzwanzig  themenspezifische Webseiten angeboten.

Kink.com war eines der ersten Unternehmen des pornographischen Bussiness, die Bondage und Penetration im szenischen Zusammenhang zeigten (2005). Vorher wurden Bondage-Szenen in der Regel ohne sichtbare Penetration gezeigt, um möglichen Zensurbestrebungen der Behörden aus dem Weg zu gehen. Veranlasst wurde diese Haltung u.a. durch die Meese Commission, die 1986 feststellte, das gerade im BDSM-Bereich Unsicherheiten bestehen, ob die weiblichen Darsteller zu den pornographischen Szenen gezwungen wurden, also ob es sich in Wirklichkeit um normale BDSM-Szenen handelt oder um Vergewaltigung. Erst mit der zunehmenden Popularität und Kommerzialisierung der BDSM-Nische wurde diese Form der Selbstzensur in den letzten Jahren von einigen kommerziellen Anbietern abgelegt.

„Amateure“


Einer der Pioniere der us-amerikanischen Online-Pornographie ist Rick Muenyong. Er gründete 1996 das „YNOT“-Netzwerk, welches für Jahre das bedeutenste und populärste Diskussions-Board und Ressource-Seiten für Adultwebmaster darstellte. Anfang 2000 verkaufte Muenyong YNOT an „Flying Crocodile, Inc.“. Nach einem kurzen Zwischenspiel mit Webseiten wie „mad.com“ und ShortDomains.com“ über die Muenyong einen Teil seines Profites in den Erwerb von über 600 Domainnamen investierte, die er dann Firmen mit einer mittelständischen Kapitaldichte für ihre Internet-Start up`s anbot, konzentrierte er sich wieder auf das Pornobusiness. 2001 gründete er die Webseiten „EroticRanks.com“, „AmateurRanks“- einem in Nevada angemeldeten Unternehmen – und „AmateurMasters.com“ und andere, sich auf die Amateur-Nische beziehende Seiten. Die Chatrooms, Suchmaschinen und Diskussionsboards von „AmateurMasters“ und „AmateurRanks“ entwickelten sich schnell zu einem Dreh-und Angelpunkt der Amateur-Webmasterszene. Muenyong definiert das Amateur-Segment folgendermaßen:


„In my opinion, an adult Internet amateur specifically is someone who shares his or her sexuality and personal lifestyle with anyone who wishes to access it online, first for the sexual part of it and not necessarily for the money. Everything you see and read should be 100 percent real, and the content shouldn’t be too professional. These are people who want to exhibit themselves online and get user feedback. They want to make a little bit of money, but that’s not what’s most important to them.”


AmateurMasters.com ging im Oktober 2003 in den Besitz von „Sammy4u.com“ und „Cyberinventions Inc.“ über. Aus „RanksCounter“, entwickelte sich u.a. das Projekt „MasterStats“, ein Webseiten-Analyse-Service, der eine genaue Aufschlüssung des Traffics und des Surfverhaltens des Users ermöglicht. „RanksCounter“ ging 2003 in Muenyong`s neuem Projekt “Porn Site Reviews” auf, bzw. RanksCounter.com ist die Betreiberfirma der anderen Domains. Es ist eine Suchmaschine und ein Guide für Pornowebseiten, die nach einem eigenen Bewertungssystem vorgestellt werden. Seit Ende 2005 ist Aly Drummond Public Relations-Direktorin dieser Seite. Sie war vorher in gleicher Position, bzw. als Marketing-Direktor bei AVN und Python Communications beschäftigt, hostete eine Radio-Show bei YNOT-Radio und die populäre „AlyTV Webmaster Video Show“. TheBestPorn.com  unterstützt und arbeitet mit der  „Association of Sites Advocating Child Protection (ASACP)“ zusammen. „TheBestPorn.com“ entwickelte sich schnell zur anerkannten „Stiftung-Warentest“-Seite für die Online-Pornographie. April 08 waren dort über 2000 Unternehmen vertreten, 13 000 Webseiten gelistet und 4500 Kurzkritiken abrufbar. Anfang 2007 wurde das Angebot mit der Seite „PornUsers.com“ erweitert.

Mit der Technologie der Web-Kamera, der notwendigen Software und den Zugang zu Breitbandverbindungen hat inzwischen jedermann die Möglichkeit seine privaten Filme ins Internet zu stellen. Verschiedene Geschäftsmodelle für User und Anbieter die derartige Filme auf Webcam-Portalen vermarkteten folgten rasch. Mitte der 90er Jahre kam die Firma “Logitech” mit einem der ersten günstigen Modelle einer Webcam und dementsprechender Software auf den Markt. 1999 wurden nach einer Statistik der Firma „InfoTrends“ 2 Millionen Webcams in Nordamerika verkauft, 2004 waren es bereits 28,7 Millionen. Die Vermarktung von Amateurfilmen erfolgt in den USA neben dem Internet über Katalogfirmen. Diese Filme finden vor allem ihre Käufer aufgrund des niedrigeren Preises der unter $25 liegen kann. (vor der VHS und DVD-Krise) Die größeren Verleiher in den USA inserieren über bekannte Magazine wie Hustler oder Penthouse, u.a. weil das wichtige Trader Magazin AVN eine Politik betreibt, nur Filme zu besprechen, deren Verleiher auch in Zeitschriften inserieren. Inzwischen sind viele professionelle Pornostars in dem Amateur-Segment aktiv, und sehen dies als Bestandteil einer Marketing-Strategie und eines Zusatzverdienstes. Wenn sie mit ihrem Webprojekt erfolgreich sind und ihre Popularität ausreichend steigern konnten, folgt in der Regel der Start up einer kostenpflichtigen Mitgliederseite. Zu den größeren Unternehmen die sich auf das Amateur-Segment spezialisiert haben, gehörten 2002 neben „Wild Rose Productions“ und „Homegrown Video“, die Firmen “Naked Hosting”, “Amateur Cams” und “Amateur Hosting” (die beiden letzeren haben den gleichen Besitzer)

Homegrown Video“ existiert seit 1982 und ist hervorgegangen aus der Swinger-Community in San Diego. 1992 wurde das Unternehmen von den Brüdern Farrell und Moffitt Timlake übernommen. Es entwickelte sich zuerst als Produzent von bekannten, langjährigen Amateurvideo-Serien, bis das Unternehmen dann 1997 in das Internet expandierte, bis hin zu der Partnerschaft mit „Cybererotica“. Inzwischen bietet Homegrown mit das größte Angebot an authentischen Amateurporno im Internet an. Vor allem im Bereich seiner Internetpräsenz expandierte das Unternehmen in den letzten Jahren. Zusammen mit „Wild Rose Productions” und “Carol Cox” wurde 2003 ein Live-Cam-Portal gestartet, welches Amateuren weltweit die Möglichkeit bietet ihre eigenen Shows zu hosten. 2004 wurden die langjährigen Geschäftsbeziehungen zu „Cybererotica.com“ beendet und ein eigenes Affiliate-Programm „HomegrownCash“ ins Leben gerufen. Die Firma bietet auf einer separaten Webseite Content für Webmaster an und hat mit „MyHomegrown.com” eine Möglichkeit geschaffen, wo Amateure ihre privaten Videos vermarkten können. Gemeinsam mit dem holländischen Webportal „Dreamclub“ soll eine dialer-basierte Version von „Homegrown Video“ für den holländischen Markt etabliert werden. Seit 2003 befindet sich das Unternehmen in einem Rechtsstreit mit “Acacia Technologies”, die für sich in Anspruch nehmen die Patentrechte für Streaming- und Download-Technologie zu besitzen, konnte bis jetzt aber ihre Rechtsansprüche gegen die Patent-Portefolio-Firma erfolgreich verteidigen. Michael Goldberg ist Generaldirektor der “New Destiny Internet Group”, die u.a. “homegrownvideo.com” betreibt. Goldberg ist einer der führenden Personen die die Interessenvertretung und den Rechtstreit gegen das Patentportefolio-Unternehmen „Acacia Technologies” wahrnimmt. Im Zuge dieser juristischen Auseinandersetzung initiierte er die Gründung der „Internet Media Protective Association“ als eine Lobby-Organisation des Adult-Internet-Business.

Wild Rose ist ein Netzwerk der Swinger- und Amateur-Community und bietet eigenen e-commerce und Hosting-Service an. Das „WildRoseNet“ offerierte 2006 den Zugang zu über 70 Webseiten für 7,95$ monatlich. Wildrose bietet den Mitglieder Zugang zu mehreren Webcam-Netzwerken, über 70 Webseiten und einer umfangreichen Swinger-Community mit Blogs, Chatsysteme in denen Bildertausch und Lifevideo integriert sind und Boards mit Informationen zum Lifestyle, Reisen und Events. Das Unternehmen startete 1994 mit der Webseite „Wild Rose Fireside Chat“ aus der sich dann die persönliche Webseite von Carol Cox entwickelte. Carol Cox ist eine verheiratete Swingerin mit 3 Kindern aus Montreal/Kanada. Ihre Webseite wies Nov./2006 einen Traffic von über 80.000 täglichen Besuchen auf. Über die „Wildgirl“-Sektion werden über 2300 Frauen gelistet, die von einfachen photographischen Material bis zur eigenen Webseite und LiveCams vertreten sind. In der Regel bieten diese Seiten einen freien Gastzugang und einen kostenpflichtigen Mitgliederbereich an. carolcox.com, wildrose.net und an die 10 weitere Webseiten werden von der New Yorker Firma „Digital Perception Inc.“ betrieben.


Quelle: AVN-Online: “For Money or Love: The Malleable Amateur Community” 8-1-2002


WebPower” eine der Pioniere im Bereich der Online-Pornographie, zu denen unter anderem die Webseite „amateurs.com“ gehört, betreiben die Social-Networking-Seite „iFriends“. Sie war nach “PCDataOnline.com“,  „Nielsen/NetRatings“ und „Ranking.com“ eine der größten und am schnellsten wachsenden Videochat-Communities und gehörte mit zu den 200 populärsten Webseiten im Internet. 1998 als ein videochat-basierender Partnervermittlungsservice und eine Online-Chat-Community gegründet, entwickelte sich iFriend nach eigenen Angaben zu einer Social-Networking-Seite, mit einer Vielzahl von Kategorien, mehr als 2 Millionen registrierten Usern(2001) und über 200.000 registrierten Video-ChatHosts aus mehr als 100 verschiedenen Ländern. Mit der Community-Plattform, der zur Verfügung gestellten Webcam- und Audio-Streaming-Software und dem integrierten e-commerce, ist es Einzelpersonen wie Firmen möglich mit Hilfe eines für Cams ausgerüsteten PC die iFriend-Plattform zu nutzen, um Life- oder aufgezeichnete Webkonferenz und Streaming-Produkte oder Service anzubieten. Ein Großteil dieses Angebotes soll sexuell konnotiert sein und wird von Amateuren und Frauen genutzt, die selbstständig oder als Angestellte Camshows anbieten, die auf minutenbasis abgerechnet werden. Die möglichen Verdienstspannungen sollen nach internen Schätzungen zwischen ca. 1000-2500 Dollar liegen. Weitergehend soll iFriends eine der größten Communties von Gay-Amateuren haben, die über die Plattform ihre Webangebote offerieren. Auf der Cam-Plattform kann jeder Erwachsene seine Webcam ins Netz stellen lassen, die dann von Interessierten kontaktiert werden kann, wobei der Server von „iFriend“ nur eine Verbindung zwischen dem User- und dem Host-Computer herstellt, also keinen Einfluss auf die Qualität der Wiedergabe des Videos hat. Die Verbindung ist kostenpflichtig, bei 1,99$ bis 3,50$ pro Minute, bei einem Minimum von 2 Minuten. Für den Verbindungsaufbau und die Abwicklung des e-commerce behält „iFriend“ 50% der Einnahmen ein. Anfang 2008 war bei der Sektion „Adults only“der Eingangsseite des Portals der Vermerk “iFriends forbids obscenity and hardcore pornography” zu lesen und unter Webcam/Livechat waren 678 Einträge verzeichnet. Über die „Hot Search“-Suchfunktion kam man allerdings auf Seiten, wo tausende von Einträgen zu finden waren. Die Namensgebungen wirkten aber automatisch generiert und da der Zugang nur über eine VIP-Mitgliedschaft möglich war, konnte man sich über das wirkliche Potential dieser Webcommunity keine Klarheit verschaffen.

Igor Shoemaker ist Besitzer und Betreiber des „Voyeurweb“-Netzwerkes, mit ca. 600.000 zahlenden Mitgliedern, bei einem Jahresbeitrag von 25$. Das Netzwerk besteht aus 4 Seiten: Voyeurweb mit über einer Million Besuchern täglich und die kostenpflichtigen Seiten „Funbags“- auf der alles alte Material der Hauptseite archiviert wird und „HomeClips“, die Videosektion des Netzwerkes. Die aufgrund des überdurchschnittlichen Traffics hohen Anforderungen an die technische Infrastruktur, schlagen mit monatlichen Unkosten von ca. 600.000$ zu Buche. Dem soll ein jährlicher Gesamtumsatz von 18 Millionen Dollar(06) gegenüberstehen. Die Domain ist über die Firma „SouthINT Properties“ in Panama registriert.


„[Es] zählt nicht die Bildschärfe, nicht die geile Pose und nicht die Körbchengröße. Was zählt, ist das Authentische. Und das Heimliche, das Unfreiwillige.“

Igor Shoemaker

Ein Großteil der Hauptseite „Voyeurweb“ ist kostenfrei zugänglich. Neben einem Community-Board handelt es sich hauptsächlich um Bildergalerien, die von Mitgliedern und Usern eingesendet werden. Das Photomaterial ist thematisch unterteilt in Sektionen wie Freestyle-, Exhibitionist- Voyeur- und Hitlisten-Photos. Zu jedem Bereich findet jedes Jahr ein Wettbewerb statt, an denen die Einsender mit ihren Bildern teilnehmen. Die drei besten Photos werden durch die Anzahl der Userclicks bestimmt und mit zwischen $100 bis $2500 unterschiedlich prämiert. Das frei zugängliche Material ist durchgehend Softcore und wird in so einer Quantität angeboten, das der interessierte Surfer sich stundenlang auf der Webseite aufhalten kann. „RedClouds“ ist der kostenpflichtige Mitgliederbereich von VoyeurWeb, in welchem pornographische Filme und Photos von privaten Einsendern gezeigt werden.

Das Ehepaar Seska und James gehören zu den wenigen Amateuren, die auf individueller Basis aus ihrem Webangebot ein profitables Unternehmen gemacht haben. En wichtiges Kriterium ihres Erfolges war ihr relativ früher Einstieg in dieses Nischensegment, zu einer Zeit als der Markt noch nicht übersättigt war. Heutzutage, wo anstelle von hunderten, tausende von Amateuren ihre Angebote im Netz haben, ist es nach ihren Angaben weitaus schwieriger aus einer Internetpräsenz ein profitables Unternehmen zu machen. Die Anlaufzeiten, bis sich ein ausreichender Traffic einstellt und die Unkosten überhaupt gedeckt werden können, haben sich im Verhältnis zu früher so verlängert, dass das Risiko eines finanziellen Scheiterns größer geworden ist . Die Kanadierin (Montreal) Seska ist Darstellerin und Autorin/Webmasterin mehrerer eigener Webseiten: Seska.com, ihrere persönlichen XXX-Seite und Seska 4 Lovers und Seskuality, zwei erotischen E-Zines. Außerdem ist sie Webmasterin für die Coalition for the Rights of Sex Workers und stand mit den Neoburleske-Gruppen „The Scandelles” und “ Coral Lees” im Raum Montreal auf der Bühne. Sie betreibt die gleichnamigen Webseiten und tritt bei Gelegenheit weiterhin Solo auf. Sie gibt Workshops wie z.b. „Business Plans for Sex Workers” und tritt auf Veranstaltungen des Onlinegewerbes, bei SexPro-Veranstaltungen und Interviews als DIY Porn-Aktivistin auf.


„The one thing that’s different about amateur sites than any other type of porn is that it’s the fairest type of site for a woman,“ says James. „She gets her share. We don’t have a boss, so all the money comes to us and it’s 50-50, while with almost all other porn the company makes all the money and the girl gets paid a certain amount. And when they’re done with her, it’s over.“


Ein weiteres Beispiel für das kleine, individuelle Segment des Amateurgenres ist die Webseite tastytrixie.com/“ Die persönliche Webseite einer Frau, die unter dem Pseudonym Trixie in ihrem Memberbereich über Photos und Cams eine Mischung aus Homemade- Pornographie und Alltagsvoyeurismus anbietet. Sie versteht sich als „Webwhore“ und erläutert dies auf  ihrer Seite  in einem “WebWhore Manifesto”. Seit 2005 bietet sie auf einer weiteren Webseite „bloodytrixie.com/“ die spezielle Variante des Menstruationsporno an. Zusammen mit ihrem Partner hat sie ihr Angebot auf  die VoyeurCam-Seite „spyonus.com“ erweitert und ihr Partner präsentiert sich auf „deliacd.com“ als Crossdresser und auf „TrixiesHouseboy.com“ von seiner männlichen Seite.


“I’m Trixie, an all-natural college-educated woman in my thirties. I’ve been a „webwhore“ since I began doing live camshows on iFriends in 2000. I’ve wanted to work in the sex industry for as long as I can remember. As an independent porn producer I enjoy lots of variety in my work days & nights doing writing, web design, chatting with fans, blogging, shooting pictures, masturbating, fucking and more. The best part of running my business? I serve my own values by sharing honest, fun, kinky, and challenging portrayals of human sexuality with a worldwide audience.”


Die australische Webseite „Beautiful Agony“ ist der Schönheit des menschlichen Orgasmus gewidmet (Facettes de la petit mort). Sie bietet innerhalb einer dreimonatigen Mitgliedschaft für 29.95$  fast 500 (Febr.2006), Videoclips mit Ton zum Anschauen und Herunterladen an, ein Drittel davon von Männern. Die Kurzfilme zeigen ausschließlich das Gesicht der betreffenden Person während der Masturbation in Stadien zunehmender sexueller Erregung und des Klimax. Die Kurzfilme werden privat von den teilnehmenden Personen realisiert und dann den Webseitenbetreibern zugesandt. Nach Angaben der Betreiber kamen Ende 2005 wöchentlich ca. 5 neue Filme zu dem Angebot hinzu. Auf der Webseite wird Interessierten ausführlich erklärt wie und in welchen Format die Filme mit eine Camcorder realisiert werden können. Wenn der Film auf der Webseite veröffentlicht wird, erhalten die jeweiligen Produzenten eine -für alle in gleicher Höhe veranschlagten – Veröffentlichungsgebühr. Desweiteren gibt es ein Diskussions-Board wo überwiegend die einzelnen Film bewertet werden. Für zahlende Mitglieder wird in der „magazine section“ Informatives und Kurzweiliges zum Thema Orgasmus, sowie Interviews geboten. Die Webseite ging April 2004 ans Netz, als Betreiber und Eigentümer trat die Firma „GMBill.com Pty Ltd” in Erscheinung. Webmastern wird ein einfaches Partnerprogramm geboten und Blogger bekommen 1-2 Monate freien Zugang zur Webseite, wenn sie Banner auf ihren Blogg posten. GMBILL ist u.a. ein australischer IPSP (InternetPaymentServiceProvider) über den der e-commerce kostenpflichtiger Mitgliederseiten abgewickelt werden kann, außerdem betreibt das Unternehmen weitere sehr erfolgreiche Webseiten des Amateursegments. Seit dem Jahr 2000 die Webseite abbywinters.com, die als eine der populärsten Amateur-Webseiten gilt. Nach dem Erfolg von Beautiful Agony folgten die Webseiten Ishotmyself.com und ifeelmyself.com (2006). Beide Webseiten funktionieren nach dem gleichen Geschäftsprinzip wie bei Beautiful Agony.  Ishotmyself  präsentiert  Selbstphotographien von jungen Frauen und  „ifeelmyself“  greift das Thema authentischer, weiblicher Selbstbefriedigung, Orgasmus und weitergehend, Sex mit einem Partner wieder auf und präsentiert es überwiegend in Webcamfilmen, die die ganze/n Person/en zeigen. Inzwischen tritt für alle drei Webseiten die niederländische “Feck NL BV” als Betreiber auf. Der e-commerce kann entweder über „feck-service.com“, „CCBill“, oder eben über das bereits bekannte Unternehmen „GM Bill LLC” abgewickelt werden.In der Selbstdarstellung von “Ishotmyself” stellen die Betreiber die Seite als ein unabhängiges Projekt vor, eine von „Selbsthilfe getragene Plattform“. Aus diesem Grunde , so der Text, würde man auch auf Werbung, Banners und Pop-up-Konsolen zur Geldeinnahme verzichten, genauso wenig wie persönliche Informationen der abgebildeten Frauen weitergegeben werden würden. User, die sich auf einen kostenpflichtigen Kontrakt zwischen $29 – $59 (für 90 Tage) einlassen, sind in diesem Sinne keine Kunden oder Konsumenten, sondern werden als „Sponsoren“ bezeichnet…. Alles in allem eine hervorragende Geschäftsidee – sogar die Kosten für die Contentproduktion entfallen.


Das Phänomen  Realcore


Realcore is mostly for free: this is the ultimate evidence of the desire to be seen. Because in all types of Realcore, hetero or gay, kinky or vanilla, what matters to users is the truth of what they see. In this respect is very similar to much of Reality Tv. Who cares if disaster images are blurry and the shooting poor? Something else is going on, and it’s so much more important and compelling that quality doesn’t matter at all. It’s the same in Realcore. And, oddly enough in the age of surgical perfection, neither does beauty: this is the revolution of the normal – me, and perhaps you too.


“Realcore – the digital porno revolution” von Sergio Messina

Durch die Voraussetzung  kostengünstiger Computer und Webcams, sowie Breitbandzugängen haben sich eine Vielzahl von virtuellen Communities gebildet, wo eine Vielzahl von Menschen unterschiedlichster sexueller Präferenz und unabhängig von dem Ort ihres tatsächlichen Lebenszusammenhangs über ihre sexuelle Interessenlage kommunizieren, Texte und Bilder austauschen und vor der eigenen Webcam in Jetztzeit performen. Für Viele ist das Internet ein Ort geworden, wo sie sexuelle Erfahrungen sammeln und experimentieren können. Diese virtuellen Räume, wie auch die der MPOG`s und der Social-Networking-Seiten, haben inzwischen bei immer mehr Menschen einen Stellenwert im sozialen Leben erlangt. Die Partizipanten sind physisch in ihrer vertrauten Umgebung vor ihrem Internetzugang, agieren aber sozusagen in einer Illusion ihrer Privatsphäre, da alles Text- und Bildmaterial welches in diesen virtuellen Raum hineingegeben wird, quasi der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Grenzen zwischen der Privatsphäre und der Öffentlichkeit werden unscharf, ein Trend der sich ebenfalls seit Anfang der 90er mit der Popularität der Reality-TV-Sendungen abzuzeichnen begann. Im Bereich der Onlinepornographie stellt das sogenannte „Realcore“- Element, seit dem kommerziellen Erfolg von Amateurproduktionen schon lange ein eigenes Genre, wo Authenzität auf Bildträger eingefangen oder vorgetäuscht wird und beim Film wie in der Photographie ist das „Reality“-Genre als ästhetisches Stilmittel inzwischen fest etabliert und ist gekennzeichnet durch Unschärfe, niedrige Bildauflösung, Handkamera, ungeschnittenem Filmmaterial und segmentierenden Bildausschnitten. Es gibt hier allerdings eine Begriffsverwirrung; während in der Sexindustrie mit Realcore authentische Amateur- bis Gonzo-Produktionen gemeint sind, sprechen Cybersoziologen und Netzwerkkünstler von Realcore wenn sie eine sexuell intendierte und nichtkommerzielle Kommunikation und Interaktion innerhalb der Netzwerksphäre meinen. Viele der Menschen die im letzteren Sinne im Realcore partizipieren, haben angefangen indem sie in den dementsprechenden Netzwerken Bildmaterial heruntergeladen und gechattet haben, bis sie dann selbst Photos oder Webcameinstellungen von sich aufnahmen und veröffentlichten. Emulation spielt dabei eine große Rolle, sie sehen bestimmtes Material was sie anspricht und machen etwas Ähnliches oder lassen sich weitergehend inspirieren. Für viele Beteiligte ist diese Form des Realcores interessanter und befriedigender als der reguläre Pornokonsum, da er nicht nur passiv sondern wirklich interaktiv sein kann. Wobei es eben kein festgelegtes Skript wie im kommerziellen Formula gibt, wo Interaktivität inzwischen auch ein wichtiges Kriterium stellt. Den Usern bleibt es überlassen ob sie sich nach dem Einloggen passiv verhalten und nur Visuelles und Texte konsumieren oder sich am Chat beteiligen und irgendwann selbst vor ihrer Digitalkamera oder Webcam anfangen zu performen.

Auf der 2001 stattgefundenen Ars Electronica  in Linz/Österreich, die einen thematischen Schwerpunkt auf Netzkünstler hatte, die sich über Gender Studien und Queer Theorien mit den Mechanismen von Festschreibungen sexueller Vorlieben, Geschlechterrollen und Vererbung auseinandersetzten Sergio Messina mit seiner Installation „Brave New Porn“ vertreten, wo er Amateurpornographie verschiedener Interessengruppen, die ihre Bilder über das Usenet posten, dokumentierte und sie mit einer Mischung aus Humor und Respekt kommentierte. Sergio Messina, ein italienischer Musiker, Journalist und Online-Aktivist ist einer der ersten gewesen der über die Aktivitäten der Sexgroups im Usenet und bei großen Internetprovidern, die er unter dem Begriff Realcore“ zusammenfasst, berichtet hat. Sergio Messina stellt auf seiner Webseite  realcore.radiogladio.it sein Projekt vor und war 2006 auf dem Transito-Festival in Amsterdam vertreten.


In dem Buch „WebAffairs“ von Eighteen Publications  und einer größeren Ausstellung im Erotic Art Museum von Hollywood 2005 hat eine Professorin der Kunsthochschule in Boston so eine Webcommunity dokumentiert. Unter dem Pseudonym „Show-n-tell“ stellte sie sich als Voyeur vor und nahm an der Kommunikation und den Interaktionen teil, deren visuelle Eindrücke sie mittels Screenshots festhielt.


Der chinesische Künstler Isaac Leung (in den USA und Hongkong lebend) hat sich in seinem Projekt „The Impossibility of Having Sex with 500 Man in a Month – I am an oriental Whore“ im Rahmen seines Kunststudiums in Chicago, ebenfalls mit diesem Thema auseinandergesetzt.. Für den Zeitraum eines Monats gab sich Leung als einen 18-jährigen Japaner aus, der auf der Suche nach sexuellen Austausch mit anderen Männern im Internet war. In diesem Zeitraum hatte er Kontakt mit insgesamt 161 Männern mit denen er über Chat kommunizierte und via gegenseitiger Webcam-Verbindung gemeinsam onanierte, bzw. sie gegenseitig ihre sexuellen Präferenzen visualisierten. Jede dieser 161 Cybersexerfahrungen wurden mit einer Vielzahl von Screenshots, die den Textchat wie die oft expliziten Webcambilder betrafen, dokumentiert, ohne das die Beteiligten informiert und um Einverständnis gefragt wurden. Ergänzt wurde das Material durch umfangreiche Tagebucheintragungen von Leung selbst.


Das amerikanische Kunstmagazin “Dirty Founds”, ein Ableger von “Founds”, hat sich auf die Dokumentation von Home-made-Pornography, wie sie bereits vor dem Zeitalter der Video- und Computertechnologie, in Formen von Texten, Zeichnungen, Photographien und Super-8-Filmen existierte, spezialisiert


Sex-Pro-Zines und FemmePorn

Die Webseite „Sexuality.org“ wurde 1995 von Russell Brunelle und anderen Studenten der University of Washington als ein Publizitätsorgan ihrer „Society for Human Sexuality“ ins Netz gestellt. Das vornan gestellte Ziel dieser Organisation war es, eine Verbesserung der Sexualerziehung und Sexualaufklärung in den USA zu erreichen. Workshops und Vorträge die auf dem Campus der Universität abgehalten wurden, wurden auf der Webseite angekündigt, veröffentlicht und diskutiert. Nach seiner Promotion führte Russell Brunelle die Webseite weiter und übernahm Layout, Programmierung und fügte neues Material hinzu, welches u.a. von drei Kolumnisten kam, die monatlich Artikel für „Sexuality.org“ schrieben. Brunelle verstand sich nach eigener Aussage als ein Chronist der sich in den USA entwickelnden sexualitäts-bejahenden Kultur. Die Webseite entwickelte sich zu einer kostenfreien, sexpositiven Ressource für alle Aspekte der menschlichen Sexualität – von Sexualerziehung für Erwachsene, Queer- und BDSM-Kultur, bis hin zur Sexarbeit. Die Seite bietet verschiedene Informationsstränge und Services an. Die Sektion „Books and Resources“ führt u.a. weiter zu Sextoys, erotischer Literatur, Videoverleihen und Partnervermittlungen. Unter der Sektion „Learning More“ sind lehrreiche Artikel zum Thema Safer Sex, verschiedene Sexualtechniken und Stellungen, Vorspiel und erotische Massage zu finden. Der Hauptteil der Seite ist auf das „Seattle’s Sex Positive Community Center“ (www.wetspot.org) ausgerichtet, wo Russell Brunelle die Position einer der Hauptverantwortlichen dieser nichtkommerziellen Organisation einnimmt. Die Seite trägt sich über Sponsoren und Partnerprogramme, die der Intention von „Sexuality.org“ nach, sorgfältig ausgewählt wurden. Hierzu gehören u.a.: condoms.net, bluedoor.com, amazon.com, alternativeconnections.com und match.com.


Die größten pornographischen Internetunternehmen befinden sich alle im Besitz von Männern und sind aus dem traditionellen Sex-Business, wie Telefonsex, Video und Printpublikationen heraus entstanden. Frauen, abgesehen von Modellen,  sind im größerem Umfang in der Online-Pornographie erst seit  der 2. Hälfte der 1990er vertreten. 2001 startete Dianna Vesta –  Besitzerin und Betreiberin von „Femsupreme“ (seit 1995), welches sich von einem BBS-Board-Unternehmen zu einer Mega-Seite mit Nischen-Content entwickelt hatte – eine Yahoo-Group für Frauen die pornographische Webseiten betreiben. Daraus entstand das im Kollektiv betriebene, nichtkommerzielle Projekt „Women Owned Adult Sites/ WOAS“, welches Möglichkeiten des Informationsaustausches, der Unterstützung und des Marketings bot. Um Mitglied bei WOAS zu werden mussten die dementsprechenden Webseiten nachgewiesener Maßen sich im Besitz von Frauen befinden und von ihnen betrieben werden. Wenn dieses Kriterium erfüllt war, wurden die Seiten in einer Directory gelistet und die einzelnen Seiten führten dann einen WOAS-Banner. Andererseits erschienen die Banner der einzelnen Seiten nach einem Rotationsprinzip auf der WOAS-Seite. An die einzelnen Mitglieder wurde eine  monatliche Newsmail verschickt. (2002 an über 1400 Mitglieder) Die Domain existiert unter diesen Namen nicht mehr. Dianna Vesta betrieb weiterhin die Community-Seite „Femsupreme“; „Sexslaveacademy“ und “Dianna Vesta.com”. Letztere gibt es nicht mehr, die anderen beiden Webseiten waren 11/09 mit Maleware infiziert.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Webportalen, die – wie „ladylynx.com/“ und „soulgasm.com“ Linklisten zu Photoseiten nackter Männer, erotischer Literatur, Toys, Fetish-Seiten und andere interessante Erotica für Frauen, anbieten. „zenporn“ ist ein weiteres Portal für qualitative straight-, bi-, lesbische und schwule sowie pansexuelle Webseiten. Die Webseite “Purve.com” bietet seit 1998 exclusiv für Frauen erotischen und pornographischen Content und bietet in dem „Erotica for Women Webring” Zugang zu einer Vielzahl weiterer Seiten. Über „femmeresources“ gibt es u.a. ausführliche Informationen für Webmaster, die pornographische Webseiten und Material an Frauen vermarkten wollen.


mindcaviar.com/ ist ein seit 1999 bestehendes  Webzine für literarische Erotica, mit einigen Art-Galeries und einer umfangreichen Linkliste zu weiteren Literaturseiten. Die Betreiberin  Jamie Joy Gatto unterhielt auch die beiden Webseiten „Ophelia’s Muse“ („A Tiny Webzine of Erotic Tragedies”) und “A Bi-Friendly Place”, ein bisexuelles Ressource Center und Online-Zine, welches inzwischen über Mindcaviar gehostet wird.  „mindcaviar.com“ ist eingebunden in den verschiedenen Netzwerken: „Authors of Literary Erotica“, „Erotic Photography & Art Ring“ und „Femmerotic Network“ von Scarletletters.


http://www.janesguide.com gibt es im Internet seit 1997, ein Internetportal mit einem umfangreichen Linkindex von Erotica- bis XXX-Hardcore-Seiten und als eine besondere Kategorie: erotische und pornographische Texte. Es versteht sich als ein sexualitäts-bejahendes, libertines Informationsportal und aufgrund seiner qualitativen Linkauswahl und der vielen Tipps,  als eine „Consumer-Ressource“. Die Auszeichnung „Jane say´s this is orginal content“ gilt vielen Adult-Webmastern inzwischen als Qualitätssiegel und wird als kleine Graphik auf den dementsprechenden Seiten angezeigt und so als Werbung verwendet. Ausführlich besprochene, weiterführende Links zu Informationsressourcen decken das ganze Themenspektrum ab: allgemeine Informationen zum Thema Sexualität, Partnerschaft und Hilfsmittel, Gender, Bondage und Fetish. Desweiteren gibt es kleine Galerien von Photographen und anderen Künstlern und in der Rubrik „JaneTalk “ verschiedene Diskussionsforen. Betreiber der Seite sind Jane und Jim Duvall, Jane Duvall arbeitete vorher als Journalistin, zwischenzeitlich als Telefonsex-Operator, bis dann der Erfolg ihres Webzines  diese Arbeit zu einem full-time-job werden ließ. Zu den weiteren Mitarbeitern gehört u.a. Heather Corinna, eine in Amerika bekannte Sex-Aktivistin. Sie schreibt für JanesGuide und betreibt eigene Webseiten. JanesGuide.com finanziert sich fast ausschließlich über Werbung.

Clean Sheets” ist ein Web-Magazin für qualitative erotische Literatur und Kunst und informative Ressourcen zum Thema Sexualität. 1998, u.a. von  Jane Duvall und Mary Anne Mohanraj gegründet und von Heather Corinna unterstützt, hat sich “Clean Sheets” zu einem führenden Webpublisher für Erotica, mit über 3000 Lesern täglich, entwickelt. Viele der dort zuerst erschienen Kurzgeschichten werden von den führenden Erotik-Anthologien in den USA, wie “Best Women’s Erotica” und “Mammoth Books‘ Best Erotica”  nachgedruckt, außerdem ist an Clean Sheets ein eigenständiger kleiner Buchverlag, die “Samba Mountain Press” angeschlossen. Das Magazin finanziert sich über Spenden und Sponsoring. Hauptsponsoren sind „babeland.com“, ein Sex-Toy-Geschäft und Versand  und „Stimulation Systems, Inc.”, eine Firma die elektrische Stimulationshilfen vermarkten.


Die drei Webseiten www.scarletletters.com, www.scarleteen.com und www.femmerotic.com sind alle von der Feministin und Sexaktivistin Heather Corinna gegründet worden und werden von ihr in Zusammenarbeit mit Einzelpersonen und Initiativen betrieben. Z.B. Seska Lee, eine kanadische Sex-Pro-Aktivistin, die als Webmasterin u.a. auch ihre eigene Adult-Seite betreibt. Scarletletters.com existiert seit 1998 und hat den Schwerpunkt auf literarische Erotica und versuchte mit dem „Artist in Residence program” zu einem Webportal für Künstler, insbesonders Literaten und Photographen zu werden. Femmerotic.com ist die persönliche Webseite von Heather Corinna, mit ihrem Journal, vielen Photogaleries und der Sektion „prose&poetry“. Beide Webseiten bieten eine reichhaltige Einsicht was Kurzgeschichten, Essays und Galerien betrifft und stellen für zahlende Mitglieder umfangreiche Archive zur Verfügung. “Scarleteen” gilt als eine der höchsten frequentierten Sex-Aufklärungsseiten im Netz. Die Seite ging 1998 online, zu einer Zeit als ähnliche Seiten wie „Teenwire“ und „Go Ask Alice“ noch nicht existierten. Nach Angaben der Betreiberinnen wird die Seite von ca. 12.000 Jugendlichen zwischen 13-25, Eltern und Lehrern regelmäßig genutzt  und bietet einen informativen Querschnitt von Antworten, Problemlösungen und Denkanstößen zu Fragen zum Thema Sexualität in einer für Jugendlichen ansprechenden Art und Weise. Viele Adult-Webmaster verweisen in ihrer Eingangsseite bei der Altersbestätigung mit einem Link für die nichtvolljährigen User an „Scarleteen.com”.

Libido – The Journal of Sex and Sensibility”(libidomag.com) existiert bereits seit 1988, hat seinen Sitz in Chicago und wird von Marianna Beck und Jack Hafferkamp herausgegeben. Es versteht sich als ein sexualitätsbejahendes, informativ wie unterhaltsames Magazin für Männer wie für Frauen. Die Druckversion des Magazin wurde aus Kostengründen nach dem Erscheinen der letzten Ausgabe im Oktober 2000 eingestellt.


Marianna Beck  und ihr Partner Jack Hafferkamp, die mit dem herkömmlichen pornographischen Formula nicht zufrieden waren, haben seit 1999 begonnen eigene Videoproduktionen zu realisieren. Ihr erster Film „Ecstatic Moments”(1999) wurde in London als bester Erotikvideo des Jahres ausgezeichnet. 2005 erschien ihre Produktion „Trial Run“ auf dem Markt. Marianna Beck  ist ausgebildete Akademikerin und Hafferkamp  arbeitet als Journalist und lehrte früher an der Northwestern University’s Medill School of Journalism, bis seine Mitwirkung bei Libido 1994 zur Kündigung des Lehrvertrages führte. Beide waren und sind aktiv als Vortragende auf verschiedenen sexualwissenschaftlichen Tagungen.


Die Webseite bietet eine Vielzahl von Buch, Film, und Produktbesprechungen an, sowie erotische Kurzgeschichten, die in der Regel aus bereits publizierten Büchern stammen. Autoren sind u.a. Carol Queen, Steve Mason, Chales-Gene McDaniel, David Steinberg, Jack Hafferkamp und Marianna Beck. Weitergehend findet sich eine kommentierte Linkliste zu Rubriken wie Erotika-Versandhandel, Photographen, Künstlern und anderen Webmagazinen. Über ein Shopkonzept werden eine kleine Anzahl eigener Bücher, die Magazine, Audio-Erotik-Stories, DVD`s und Videos vermarktet. Unter der Rubrik „Naked Brunch“ werden literarische und informative Kolumnen angeboten, sowie fundierte Abhandlungen zum Thema Geschichte der Pornographie und der Zensurpraxis in den Vereinigten Staaten und unter dem Stichwort „Safer Sex Ressources“ findet sich eine fachlich kompetente und informative Zusammenstellung von weiterführenden Links. Inzwischen liegt das Hauptaugenmerk der beiden auf der Filmproduktion und deren Vermarktung über die Webseite „libidofilm“, auf der die informellen Ressourcen weiterhin aktualisiert werden. Libidofilms wurde im Sommer 2007 relauncht und bietet neben einigen Langfilmen eine wachsende Anzahl von erotischen/pornographischen Kurzfilmen an (3-8 min), die als kostenpflichtiger Stream und zum Download angeboten werden.

Im Oktober 2008 wurde Libidofilm allerdings geschlossen. Die Filme werden seitdem über Hotmovies vermarktet.


Violet Blue ist eine Kolumnistin und Sex-Therapeutin, die für mehrere Magazine erfolgreich über Erotica, Pornographie und sexuelle Befriedigung schreibt und inzwischen 10 Bücher veröffentlicht hat. Sie arbeitet bei dem populären Sexblog „Fleshbot.com” (Gawker Media) mit  und betreibt die eigene Webseite „Tiny Nibbles“. Eine übersichtliche informelle Ressource von Film, Buch und Toy-Besprechungen bis hin zu ihrem persönlichen Blog. „Tiny Nibbles“ hat nach eigenen Angaben einen Traffic von ca.10.000- 65.000 Usern täglich

furrygirl.com/“ (2003) ist die persönliche Webseite einer Frau aus Seattle(US), die unter dem Namen Furry-Girl eine kommerzielle pornographische Webseite betreibt. Außerdem betreibt sie die Webseiten “VegPorn.com” und “VegSexShop.com”. Seit 2005 bietet sie mit ihrer Webseite „Erotic Red”, die Variante des Menstruationsporno an. Dies stellt innerhalb der Pornoindustrie eines der letzten (legalen) Tabuthemen dar und sogar Anbieter von Abrechnungssystemen die ausschließlich Adult-Webmaster zu ihren Kunden zählen, ziehen in solchen Fällen bisweilen ihre Dienstleistung zurück. Die Betreiberin ihrerseits begreift „period porn” als einen Teil ihres sexuellen Lebens, den sie auf ihrer Webseite der Öffentlichkeit zugänglich macht. „vegporn.com“ ist nach eigenen Angaben eine sex-positive, pansexuelle und alternative Porno-Webseite für Vegetarier. Sie bieten für zahlende Mitglieder momentan einen Content von 650 Photos männlicher und weiblicher Models und sehr vielen Informationen zum Thema Vegetarismus. (unter diesem Gesichtspunkt wird dann z.b. diskutiert ob der Samen von Vegetariern süßer schmeckt als der von Fleischessern)


DuckyDoolittle.com“ ist eine in Nordamerika bekannte Sextherapeutin, Lehrerin und Performerin. Sie hat 17 Jahre Erfahrung in diesem Feld und begann als Stripperin auf dem Time Square und arbeitete als Domina und Model für Männermagazine. Später machte sie Karriere als Sex-Kolumnistin für Mode- und Männermagazine und arbeitete 3 Jahre im feministischen Sex-Toy-Shop „babeland“ als Ausbilderin, wo sie die Workshop-Programme maßgeblich betreute. Sie ist Herausgeberin mehrer Bücher, veranstaltet Workshops und tritt mit ihren Performances auf einer Vielzahl von Universitäten, Theater und Nachtclubs auf. Sie hat mit Elternorganisationen umfangreiche Programme zur Sexualerziehung und zur Verhinderung von Geschlechtskrankheiten erarbeitet. Momentan arbeitet sie als Beraterin im Bereich „Sexual Assault & Violence Intervention“ in speziell eingerichteten Notfallräumen an verschiedenen New Yorkern Krankenhäusern.


Audacia Ray lebt in New York, hat jeweils einen Abschluss in Cultural- und American Studies und betreibt die Webseite “wakingvixens.com”. Sie ist eine der Herausgeberinnen von “$pread“, einem Magazin für und von Sexarbeiter/innen und schreibt u.a. für den Sexblog „Fleshbot“. 2007 wurde von „Adam & Eve Pictures” der Pornofilm „The Bi Apple” herausgebracht bei dem sie das Drehbuch verfasste und Regie führte. Ihr Buch „Naked on the Internet: Hookups, Downloads and Cashing on Internet Sexploration” wurde 2007 bei “Seal Press” herausgegeben.


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