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Sep
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. Comics – Rohstofflieferant für zukünftige Bilderwelten?

Preface

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Momentan sind die Bilderwelten des Internets bestimmt von Machinia-Produktionen, gängigen Flash-Comics-Animationen und Yentai. Bei der momentanen Geschwindigkeit der Entwicklung von Soft- und Hardware ist es nur eine Frage der Zeit, bis individuelle Zeichenstile über spezielle Software generiert und als Animationen, Film oder virtuelles Design für interaktive Spiele angeboten werden können. An der bevorstehenden Diskussion um Fragen des Copyrights, die den künstlerischen „Rohstoff“, den Stil betreffen, wird sich entscheiden inwieweit diese Comic-Welten realisiert werden können. Aus diesem Grund folgt ein Exkurs zum Thema Comic mit einigen Beispielen von Zeichnern, die sich mit dem Thema Sexualität und Sexarbeit auseinandergesetzt haben.

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Der Begriff „Comic“ bezog sich ursprünglich im England des 18.Jh. auf Witzzeichnungen und wurde für Zeitschriften verwendet, die neben Texten, Bildwitze und kurze Bildgeschichten beinhalteten. Die europäische Form der Bildergeschichte, die sich u.a. aus der Tradition der Bänkelsänger herleitet, wurde dann, ausgehend von den USA ab den 90er Jahren des 19.Jh fester Bestandteil vieler Tageszeitungen. Für diese „funnies“ setzte sich dann der Begriff „comic“ durch – eine inhaltlich- chronologische Folge von Einzelbildern (Paneelen), in einem Streifen angeordnet. Ab Anfang der 30er Jahre erscheint das „Comic Book“, zunächst als Sammlung von Zeitungsstrips, später als eigenständiges Medium. In den USA entwickelt sich eine prosperierende Comic-Industrie – nicht so in Europa – obwohl nach dem 1. Weltkrieg der Bilderbogen, das bis dahin auflagenstärkste Massenmedium, bedeutungslos wurde, rückt der Comic Strip dort nicht an seine Stelle. Erst in der zweiten Hälfte der 1920er begründet sich die später so erfolgreiche franko-belgische Comic-Tradition.

Tijuana Bibles/ eight pagers


Die sogenannten Tijuana Bibles waren keine Bibeln und wurden auch nicht in Tijuana oder Havanna etc. gedruckt, wie es desöfteren auf dem Cover angegeben wurde. Es waren heimlich produzierte und vertriebene pornographische Comics, die sich in ihrer graphischen Gestaltung an den damals üblichen Comicpanelen, die in den Tageszeitungen veröffentlicht wurden, orientierten. Schmale Heftchen im A6-Format, meistens mit 8, manchmal mit 16 Seiten, mit je einem Paneel pro Seite. Das Format der „eight pager“ betrug etwa 12 x 8 cm, sie waren auf billigen Papier gedruckt und waren mit einem Verkaufspreis zwischen 50Cent und einem Dollar für damalige Verhältnisse sehr teuer. (ein Pulp-Heft kostete 10 Cent). Der Inhalt besteht jeweils aus 8 ganzseitigen Bildern und ist nach einem klaren Schema strukturiert. Die drei ersten Bilder dienen der Einleitung und auf den folgenden vier Seiten werden explizit sexuelle Handlungen dargestellt, während die letzte Seite meistens dem Schluss in Form eines Gags vorbehalten bleibt.


Nach Art Spiegelmann sind die Tijuana Bibles die ersten realen Comic Books, die mehr als nur ein Reprint oder eine Fortführung der alten Tageszeitungsstrips waren. Ohne sie hätte es kein „Mad-Magazin“ in den USA gegeben, das eine neue ironische Attitüde in die Medienlandschaft brachte – und ohne das Mad-Magazin hätte sich in den 60er Jahren nicht in dieser Form eine Underground-Comic-Presse entwickeln können. Die Themen dieser, in schwarz oder blau gedruckten Comicgeschichten in den „eight-pager`s“ waren ausschließlich sexueller Natur und handelten von den sexuellen Abenteuern bekannter Comicfiguren, Musik- und Filmstars. Die ersten dieser Hefte erschienen zum Ende der 20er Jahre und sie hatten ihre Blütezeit während der Jahre der wirtschaftlichen Depression. Zu ihren Hochzeiten waren sie ein richtiggehendes Massenmedium. Druck und Nachdruck waren einfach zu realisieren, zudem wurden sie von Hand zu Hand weitergegeben.. Die geschätzte Auflagenstärke ging in die Millionen. Mit der zunehmenden photographischen Darstellung von Frauen als Pin ups bis hin zur pornographischer Ware nach dem 2. Weltkrieg wurde der schnelle Niedergang der Tijuana Bibles eingeleitet. Inwieweit diese kleinen Underground-Comichefte, die vom Ende der 20er  bis in die 50er illegal produziert und vertrieben wurden, Privatinitiativen entsprangen oder von der organisierten Kriminalität kontrolliert wurden, lassen sich nur Vermutungen anstellen. Auf jeden Fall stellte der Verkauf dieser „eight pager“ ein gewinnbringendes Geschäft dar.


Die Qualität dieser gezeichneten Geschichten geht von zweit- bis drittklassigen Witzen und hingepfuschten Zeichnungen bis hin zu eleganten Karikaturen mit intelligenten, kurzen Stories. Es ist ein Genre, welches in erster Linie, wenn nicht sogar ausschließlich von Männern für Männer gezeichnet worden ist und in vielen dieser frühen Heftchen finden sich frauen- und fremdenfeindliche Tendenzen. Sie befriedigten einerseits den Voyeurismus und lieferten das Bild für sexuelle Phantasien, andererseits zeigten sie bezüglich der Comic-Helden genau den Bereich, der in den offiziellen Comics peinlich genau ausgespart wurde; das Sexualleben. Allerdings nicht realistisch oder essayistisch, sondern kurz und knapp, wie die Anspielungen in der damaligen Burleske, nur das in den Comics, diese im Bild genau dargestellt wurden Sie waren die praktischen Sexualkundeheftchen ihrer Zeit. In einfachen, leichtverständlichen Bildern konnte man etwas über den Geschlechtsverkehr, über verschiedene Stellungen und Spielarten erfahren. Außerdem verbreiteten sie die sensationellen Informationen, dass auch Frauen Spaß an Sex haben und sogar fette Menschen wie Oliver Hardy und Kate Smith sexy waren und das Cunnilingus Spaß und Freude machen konnte.

Die Zeichner dieser Comic Strips blieben in der Regel anonym und nur bei zwei von ihnen konnte nach längerer Recherche die Identität ermittelt werden. Der eine, der seine Zeichnungen mit dem Synonym „Mr. Prolific“  kennzeichnete, war „Doc“ Rankin der sein Geld als Zeichner von Cartoons verdiente. Sein Herausgeber „Larck Publications“ produzierte Witzbücher für „Macic-Shops“ und ähnliches. Er war einer der talentiertesten Zeichner und setzte mit seinen „Adventures of Fuller Brush Man“ und „The Lovers Guide“ (mit Mae West und anderen Stars) Maßstäbe in diesem Genre. Der einzige andere Künstler den man benennen konnte war Wesley Morse, der eine Reihe seiner Geschichten auf der Weltausstellung 1939 spielen ließ. Er zeichnete in den 50er Jahren die „Bazooka Joe – Comics“ im Rahmen einer Werbeaktion für „Bazooka-Kaugummi“.


Diese „eight pager“ hatten selten politische Anklänge aber sie waren in ihrer Natur antiautoritär – der Ausdruck eines Protestes gegen die Moral der sexuellen Imagos die von den Massenmedien und Hollywood über das Starsystem vorgegeben wurden. (Greta Garbo, Betty Boop) Seitdem Cartoons eine visuelle Zeichensprache darstellen, stellen Stereotypen die Basis aller Cartoon-Kunst. Die Tijuana Bibles entwickeln in der Verbindung von Pornographie und Cartoon sehr einfache Stereotypen. Beide arbeiten mit den Mittel der Übertreibung und beide entwickeln eine Variationsbreite von Typen, aber niemals von Individuen. Die Frauen in diesen Geschichten, mögen sie intelligent oder dumm, verheiratet oder ungebunden sein, sind alle geil, bis hin zum Punkt der Unersättlichkeit. Das Hauptkriterium ist eher, ob sie die Männer für ihre eigene Befriedigung oder für Geld  zu sich nehmen. Die Männer, ihrerseits, werden unterschieden in alt und geil und jung und geil. Die offiziellen Zeitungs-Funnies wurden vor allem von Kindern und Jugendlichen gelesen, aber eine Gallus-Umfrage von 1938 ergab, dass auch 70% aller amerikanischen Erwachsenen diese Serien ständig verfolgten, so dass man davon ausgehen kann, dass der Einfluss von Comics auf die amerikanische Massenkultur, bevor der Fernseher jedem Haushalt Bilder lieferte, nicht zu unterschätzen ist. Diese „eight pager“ beeinflussten auf ihre Weise alle Bereiche der Kultur, insbesondere die Filme, Radio-Shows und Comic-Strips die sie parodierten – nicht die Entwicklung und Produktion, aber die Rezeption derselben.

Die Tradition dieser „eight pager“ wurde in den Undergroundcomix der 70er Jahre wieder aufgegriffen. In einigen dieser Fälle reagierten die Großverlage allerdings sehr restriktiv. So wurde der Zeichner O´Neill und der Herausgeber des Heftes „Air Pirates“ wegen der Darstellung sexuell agierender Comicfiguren aus dem Walt Disney Universum von Disney wegen Copyrightverletzung zur Zahlung von 190 000 Dollar verklagt. In Europa wurden die Comicfiguren von Herge „Tim und Struppi“ zur Zielscheibe pornographischer Parodien (1962, 1974).  1977 wurde dann der Zeichner Callico von einem Brüssler Gericht wegen einer solchen Persiflage zur Zahlung von 40 000Bfr verurteilt. Der holländische Zeichner Paul Schuurmans nahm sich die Comics „Die Schlümpfe“, „Lucky Luck“ („Fucky Luck – der Mann der schneller kommt als sein Schatten“) und „Tarzan“ vor. Die kleinstformatigen Bände wurden in Deutschland überwiegend in Sex-Shops gehandelt. Auch heutzutage findet man, vorzugsweise im Internet, Persiflagen auf bekannte Comicfiguren und Leinwandhelden, in denen sich z.b. über das Sexleben der Star Trek-Crew ausgelassen wird, oder Karikaturen von Figuren aus dem Marvel- oder Walt Disney-Universum. Die Intention solche Geschichten zu produzieren dürfte zum Teil die gleiche gewesen sein wie damals, mit dem großen Unterschied, dass der Verkauf dieser Tijuana Bibles ein durchaus gewinnbringendes Geschäft war, wo von heute keine Rede mehr sein kann. Während heute die Motivation von der Reizwirkung der Copy-Right-Verletzung und der Persiflage bekannter Figuren ausgeht, waren es in den 20er und 30er Jahren die graphische Darstellung der Geschlechtsorgane und der verschiedenen Spielarten der Sexualität, die zu dieser Zeit extrem tabubehaftet waren. Heutzutage gibt es in den USA einen Comicverlag der die Tradition dieser Eight Pager weiterführt. Die „Shanda Fantasy Arts“, die die „XXX Files“ herausgeben in denen bekannte Comiccharaktere erotische Abenteuer erleben, die im Mainstream immer noch ausgespart bleiben.

Adelman Bob, 1997„Tijuana Bibles“,  Simon&Schuster Editions, New York

Knigge Andreas, 1985„Sex im Comic“,  Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main/ Berlin

www.salon.com (10.06.03) – “The introduction to Tijuana bibles“, Art Spiegelmann

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Von der „Blonden Pantherin“ zum feministischen Sexcomic

Comics mit weiblichen Hauptfiguren sind zahlenmäßig im Vergleich zu den männlichen Serienhelden selten geblieben, aber eine beträchtliche Anzahl von Comic-Heldinnen entstand nach dem Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg, als dessen Prototyp „Sheena, Queen of the Jungle“(1938) gilt. Ein Produkt von „Jumbo Comics“, Ableger des Pulp-Verlages „Fiction House“ eine weibliche Dschungelheldin, die ihr Dschungelterritorium verteidigt und andererseits, mit knappem Fellbikini bekleidet, in assoziativen, typisch „weiblichen“ Posen dargestellt wird. Das Dschungelszenerario bot ausreichenden Raum für okkulte Bildmotive, Totenköpfe, Vodoozauberer, Zombies und Dämonen. Beliebte Covermotive waren Bondage-Szenen in denen die gefesselte Heldin hilflos ihrem Feind ausgeliefert scheint. Der Erfolg dieser Heftreihe ließ eine Vielzahl weiblicher Dschungelheldinnen folgen, z.b. „Tiger Girl“, „Saari, the Jungle Goddess“, „Cave Girl“ und „Princess Pantha“, um nur einige zu nennen. “Sheena” von Jumbo Comics brachte es bis 1953 auf 167 Hefte. 1948 fand in Italien dieses Genre mit der Serie „Panthera Bionda“ Nachahmer. Diese Serie wurde allerdings von der katholischen Kirche stark angefeindet und 1950 wieder eingestellt. In Deutschland erschienen 1950 neunzehn Ausgaben der „Blonden Pantherin“ bis wegen ähnlicher Restriktionen seitens konservativer Kirchenkreise der Vertrieb eingestellt wurde. Im Zuge dieser Anti-Comic-Kampagne sollen sogar Zeitungskioske, die die „Pantherin“ in der Auslage hatten, in Brand gesteckt worden sein.


Die Zeitschrift „Bizarre“ des amerikanischen Herausgebers und Zeichners John Alexander Scott Coutts, bekannt unter seinem Künstlernamen John Willie, (1902 geboren in Singapur, 1962 gestorben) verzichtete auf exotische Landschaften und Symbole und destillierte stattdessen die in diesen Comics angedeuteten Tendenzen auf ihre Essenz. Seine Figur „Gwendoline“ erschien in den insgesamt 26 Ausgaben dieser Zeitschrift in den USA im Zeitraum 1946-1959. „Bizarre“ hatte eine relativ kleine Auflage und wurde ausschließlich über den Postversand vertrieben. John Willies wurde von seiner Nachwelt inzwischen zum Altmeister des Sexualfetisch-Comics erklärt. Die Themen seiner Stories bewegen sich stets im gleichen Rahmen: fetisch- und sadomasochistische Phantasien, die vorzugsweise in einem schier unerschöpflichen Spektrum von Bondage-Motiven mündeten und eine Vielzahl von Geschichten die den lesbischen Flagellantismus als Thema behandeln. John Willie beeinflusste mit seinem Zeichenstil Eric Stanton ( 1926 – 1999) der ebenfalls erotische Comics und Illustrationen mit dem Fokus auf BDSM produzierte. Beide Künstler arbeiteten im Studio von Irving Klaw, der ihre Comicserien veröffentlichte und Bettie Page als Bondagemodell entdeckt hatte.

Eine Dekade später, 1969 erscheint auf dem us-amerikanischen Markt eine weitere weibliche Protagonistin – „Vampirella“. Die gleichnamige Figur wurde von dem Zeichner Frank Frazetta entwickelt, der sich wahrscheinlich von „Satanik“, dem 1965 erstmalig erschienen weiblichen Helden des italienischen „fumetti neri“-Genres (sexualisierte Horrorcomics) inspirieren ließ.  Die Erzählung ist eine Mischung aus herkömmlichen Vampirgeschichten und Science Fiction, in denen Vampirella in einem knappen roten Kostüm auf Männerjagd geht um ihnen das kostbare Lebenselixier auszusaugen. Herausgeber war der Verlag „Warren“ der mit seinen Horror-Magazinen „Eerie“ und „Creepy“ bereits den Erwachsenenmarkt bediente.


In den 70er Jahren beginnt sich das Medium Comic, ausgehend von den USA, England und Frankreich, langsam als eigene Kunstform, mit anspruchvollen Stories, dementsprechender graphischer Gestaltung und innovativer Erzählweisen, durchzusetzen. Vorausgegangen war dieser Entwicklung die Entstehung des innovativen Genres des Underground-Comix. Die im Zuge der 68-Bewegung geschaffenen Freiräume spiegelten sich auch in den Comics wider, vor allem in der us-amerikanischen Szene, mit Autoren wie S. Clay Wilson und Robert Crumb. „Zap1“ war das erste reguläre Comix-Heft, dass 1967/8 erschien. Viele der Underground-Comix waren allerdings schon vorher in Fanzines und Studentenzeitungen abgedruckt worden, z.b. „Fritz the Cat“, die bekannteste Schöpfung Robert Crumbs, war bereits erstmals 1958 in dem Fanzine „Foo“ erschienen und die Superheldenparodie „Wunderwarzenschwein“ von Gilbert Shelton, erschien 1959 in dem Studentenblatt „Bachanal“. Crumbs Comix wurden in Europa schnell zur begehrten Importware als die Hippiewelle, sexuelle Revolution und Bewusstseinserweiterung via Drogen, mit einigen Jahren Verspätung nach Europa kam. 1970 gab der März-Verlag die „Head-Comix“ heraus und 1975 folgte der 2001-Versand mit dem Sammelband „Die 17 Gesichter des Robert Crumb“. Crumbs Werk lässt sich in zwei Hauptkategorien einteilen, einerseits die Geschichten um den bärtigen Guru „Mr. Natural“ – mit philosophischen Themen aus den 60er Jahren, Spirit und politischer Kritik und andererseits die Stories in denen Crumb seinen sexuellen Phantasien freien Lauf lässt und mit den Lesern seine Vorlieben für ausgeprägte Hintern, Brüste und stämmige Frauenbeine, die in Schuhen mit riesigen Plateausohlen enden, teilt.

Viele der Underground-Comix gingen sehr offen mit sexuellen Phantasien um und spiegelten dabei oft den damals noch nicht hinterfragten männlichen Chauvinismus wider. Andere Tendenzen wurden in den sexuellen Subkulturen sichtbar: 1966 erschien in Philadelphia das erste schwule Comix-Heft, „The uncensored Adventures of Harry Chass“. Es wurde hauptsächlich über die Verteiler homosexueller Pornomagazine vertrieben. 1970 erschien mit „It Ain`t Me Babe“, das erste Comix-Heft was ausschließlich von weiblichen Zeichnern gestaltet wurde. Es war Auslöser für weitere Magazine die ab Anfang der 70er die amerikanische Comixszene bereicherten, z.b. „Tits and Clits“, „Wimmen`s Comix“, „Pandora’s Box“ und die Serien „Girl Fight Comics“ und „Abortion Eve“. Wie ihre männlichen Kollegen waren die weiblichen Cartoonisten in der Darstellung von sexuellen Themen freizügig, anstelle von Brüsten und Ärschen wurde in den „Women’s Comics” aber eher über Menstruation, Vibratoren, Abtreibungen, Lesben und Sexualpolitik diskutiert. 1976 wurde u.a. von Trina Robbins eine Anthologie über Sex im feministischen Comix herausgegeben – „Wet Satin“, die den Verlagen allerdings zu pornographisch war, so dass nur 2 Ausgaben realisiert werden konnten. Die Comix-Zeichnerinnen haben , im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen dieser Zeit, immer sehr offen homosexuelle Beziehungen in ihren Stories dargestellt. 1979 kam dann mit „Come Out Comix“ das erste lesbische Comic-Heft heraus. Es folgten ein paar Jahre später „Dynamite Damsels“ (Roberta Gregory) und „Dyke Shorts“ (Mary Wings).

Über den Erfolg der Undergroundcomics etablierte sich das Genre des männlich orientierten pornographischen Comic. In den 80ern stellten sie bereits einen populären und wachsenden Markt dar. Verlage wie „Fantagraphics“ gründeten mit „Eros Comix“ Tochterunternehmen, die ausschließlich erotische und pornographische Comics vermarkteten.

„Fantagraphics Books“ ein Verlag aus Seattle, wurde mit den Publikationen von Jaime und Gilbert Hernandez Anfang der 80er Jahre und vielen anderen Independent-Zeichnern bekannt. 1990 wurde das Sublabel „Eros Comix“ für die Vermarktung pornographischer Comics gegründet, mit dem der Verlag seine finanzielle Situation sanieren konnte.


Howard Chaykins(1950), begann mit seiner Serie „Black Kiss“ im Jahr 1988. Die Erzählung ist ausschließlich in Schwarz-weiß-Zeichnungen gestaltet und spielt im Call-Girl-Milieu Hollywoods der 50er Jahre. Mit einer Crime-Noire-Atmosphäre und Elementen des Phantastischen – (die beiden weiblichen Hauptprotagonistinnen erweisen sich im Laufe der Erzählung als sexbesessene  Vampire) und den expliziten Sex- und Gewaltdarstellungen, hat „Black Kiss“ die Grenzen verschoben was in Mainstream-Comics gezeigt werden durfte. Die Hefte wurden in Plastik eingeschweißt und mit einem „adults only“- Label vermarktet. Die Serie galt in den USA als eine der erfolgreichsten Independent-Comics dieser Zeit.

Der kommerzielle Erfolg von erotischen und pornographischen Comics setzte sich mit steigender Tendenz in den 90ern fort, wobei ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Publikationen deutlich frauenfeindlich waren. Die Comickünstlerin  Roberta Gregory war 1991 mit ihrem erotischen Comic im Buchformat, die Erste die dieser Entwicklung einen deutlichen Kontrapunkt setzte – und dies mit beträchtlichen Erfolg, sowohl bei Frauen wie auch bei Männern. Die folgende 2. Ausgabe gab sie im Eigenverlag heraus und der Fokus ihrer Erzählung verlagerte sich vom Sex zur weitergehenden Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen. Andere Frauen zeichneten  über das Leben und Sex im speziellen, wie Roberta Gregory aus ihrer eigenen, weiblichen Perspektive heraus und boten oft intelligentere und einfühlsamere Geschichten an als die herkömmlichen Produkte. Durch den daraus resultierenden Erfolg wurde dem feministischen Erotikcomic, seitens der Industrie, ein dementsprechender Stellenwert eingeräumt. Zu den bekannteren Zeichnerinnen gehören Mary Fleener, Produzentin von “Slutburger“ und „Nipplez ’n‘ Tum Tum“, Julie Doucet, Aline Kominsky-Crumb, Petra Waldron und Jennifer Finch mit ihren „Adventures of A Lesbian College Schoolgirl“, Molly Kiely’s “Diary of a Dominatrix” und  “That Kind of Girl” sowie Colleen Coover.

AVN-Online “The Princesses of Porno Power: Women’s Erotic Comix” , Kara Maia Spencer

Die „normale“ Seite sexuellen Erlebens, die ganz alltägliche und sehr individuelle Sichtweise auf „pornographische“ Erfahrungen, jenseits des industriellen Formulas, wird auch in der Antalogie „True Porn“(Bd.1/2) dargestellt. In diesem Sammelband, herausgegeben von Robyn Chapman und Kelli Nelson beim Verlag „Alternative Comics“ stellen eine Vielzahl von Zeichnern ihre Kurzgeschichten vor. – http://www.trueporncomic.com/

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Der bekannte US-Szenearist Warren Moore (Watchmen, V for Vendetta, From Hell) veröffentlichte 2006 das erotische Comic „Lost Girls“, an dem er 16 Jahre mit seiner Lebenspartnerin Melinda Gebbie gearbeitet hatte. Die Erzählung handelt von drei der bekanntesten weiblichen Figuren des klassischen Märchen/Fantasy-Genres: Wendy aus Peter Pan, Dorothy von The Wizard of Oz und Alice aus Alice im Wunderland und ihren Abenteuern als Erwachsene bei ihrem Zusammentreffen in einem östereichischen Hotel kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges. Moore interpretiert die Phantasieländer der Klassiker; Oz, Never Never Land und Wunderland als sexuelle Metaphern, die die Welt der heranwachsenden Protagonistinnen widerspiegeln und weitergehend einen tiefenpsychologischen Code der Autoren entspringt, die den versteckten Wunsch nach sexueller Entfaltung zu ihrer Zeit so zu Papier gebracht haben. Als Konsequenz beschreibt Moore ausführlich die sexuellen Erlebnisse der drei Frauen und führt die ausschweifenden klassischen Phantasien in die Körperlichkeit zurück. Das Ergebnis ist eine graphische Novelle, die keinen sexuellen Fetisch und Paraphilia in der Beschreibung auslässt. In den USA ist das Buch freigegeben, in Kanada wurde „Lost Girls“ zunächst als pornographisch eingestuft.

Von Barbarella und Glamour Girl zu „Métal Hurlant“

Der europäische Markt

In Europa erscheinen ab den 60ern ebenfalls Comics, die sich grundsätzlich von der vorangegangenen Comic-Generation unterschieden und sich ausschließlich an Jugendliche und Erwachsene wandten. Neben den Darstellungen des subkulturellen Milieus aus der us-amerikanischen Undergroundpresse,  gab es eine Mehrzahl von erotischen Geschichten, vor allem von französischen Zeichnern. 1962 erschien in der französischen Erotik-Zeitschrift „V-Magazin“ die ersten Geschichten von „Barbarella“, einer erotischen Comic-Heldin, von Jean-Claude Forest. 1964 wurde der erste Barbarella-Sammelband des Erotica-Verlages „Eric Losfeld“ von den französischen Zensurbehörden verboten, was der Serie eine große Popularität einbrachte. Bis dato war es eine übliche Praxis, die bedeckten, aber sichtbaren Busen der weiblichen Comicfiguren von Prinz Eisenherz oder Tarzan wegzuretuschieren. Bei Barbarella, eine Figur die der Ästhetik der damaligen Twen-Modelle nachempfunden war, handelte es sich um einen Science Fiction-Comic, dessen Erfolg in der Erotisierung der Handlung lag, die fast ausschließlich mit den Mitteln der Andeutung arbeitete. 1966 erschien „Barbarella“ in Deutschland, 1968 folgte dann mit „Pravda“ von Guy Peellaert die Geschichte einer harley-fahrenden Motorradfrau. 1970 kommen mit „Epoxy“ (Paul Cuvelier/Jean van Hamme) und „Phoebe – Zeitgeist“ (Michael O`Donoghue/Frank Springer) zwei weitere, erotische Comicfiguren auf den Markt, wobei „Phoebe“ deutlich sadomasochistische Tendenzen erkennen ließ.

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Die Comicfigur Prawda war möglicherweise von „Octobriana“, einem sowjetischen Undergroundcomic inspiriert. Octobriana, die Hauptfigur dieses Comic stellte eine Mischung aus einem Frauentyp mongolischen Einschlags und dem damaligen populären Frauenbild im Westen dar, wie er durch die Schauspielerin Brigit Bardot und durch die Comicfigur Barbarella repräsentiert wurde. Octobriana war ein Produkt der PPP – Progressive/Political/Pornography – einer Gruppe sowjetischer Künstler und Intellektueller, die sich Ende der 1950er Jahre gegründet hatte und die dieses Comic als ein subversives Medium für ihre Systemkritik nutzten. Bekannt wurde das Comic und die PPP durch den Tschechoslowaken Petr Sadecky, der 1967 in den Westen emigrierte und mehrere Ausgaben dieses Comics mitbrachte.

Seitens der 68er-Studentengeneration wurde das Medium Comic gezielt eingesetzt um subversives Gedankengut zu verbreiten. Alfred von  Meysenburg, überzeugter Adorno- und Marcuse-Anhänger und Student der Soziologie, kam 1968 mit den beim Heinrich Heine Verlag verlegten Bänden „Das Ende der Verkäuferin Jolly Boom“ und den Folgeband „Glamour Girl“ heraus. Die Story handelt von dem Leidensweg einer biederen Handelskauffrau zur Prostituierten und deren abschließende Läuterung zur SDS-Symphatisantin und wartete „ um den Strategien der Triebunterdrückung und Triebmodellierung der herrschenden Klasse entgegen zu wirken“, mit den Darstellungen nackter Körper auf. Vom Zeichenstil sind seine Arbeiten an der Pop-Art, vor allem der Roy Lichtensteins, orientiert. Seine Bildsequenzen und ein Teil der Texte sind bewusst aus der Werbung und Gebrauchsgraphik entlehnt. Meysenburg versuchte auf diese Weise diese Elemente im Rahmen seiner Geschichte zu persiflieren und zu verfremden um die Mechanismen der Konsumgesellschaft zu verdeutlichen.

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Der Franzose Pichard (geb. 1920), Werbegraphiker, Illustrator, später Kunstprofessor, gilt als einer der europäischen Vorreiter des erotischen Comics. Eine seiner bekanntesten Figuren ist das 17-jährige Mädchen „Blanche“. Sie war mit ähnlichen Körpermaßen wie die Heldin des Playboy-Strips „Little Annie Fanny“ ausgestattet, die Hugh Hefner ab 1962 herausbrachte. Das Szenario der Geschichte ist eine Ansammlung von Klischees verschiedener „Schicksalsromane“ mit fast ausschließlich viktorianischen Dekor. Die Erstausgabe erschien im französischen „V-Magazine“ von Eric Losfeld. Ab 1977 erschienen weitere Geschichten in dem Comic-Magazin „Metal Hurlant“, später auch in der deutschen Ausgabe von „Schwermetall“. Pichards bekannteste Serie „Paulette“ entstand ab 1979. Während sich bei den Serien „Paulette“ und „Blanche“ ironisch angelegte Persiflagen auf die Stereotypen der Trivialliteratur ab und zu bemerkbar machten, zeigt sich in seinem Werk von 1977 „Marie-Gabrielle de Saint-Entrope“ eine andere Tendenz der Schaulust: Sadomasochistische Szenen und eine Vielzahl von Folterszenen vollbusiger nackter Frauen dominieren die Erzählung. Dieser Comic hat Pichard Kritik und den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit und „der lüsternen Ästhetisierung von Gewalt“ eingebracht.

Auch bei dem französischen Zeichner Crepax ist SM ein immer wiederkehrendes Thema. Er steht mit seinen Darstellungen aber eher bei John Willies „Bizzare“ als bei Pichards penetrierenden Zeichnungen und seine Darstellungen zielen eher auf den geistigen Effekt des Sadomasochismus. Crepax war ein großer Verehrer der Schauspielerin Louise Brooks, die in der Weimarer Republik mit der Darstellung der „Lulu“ Filmkarriere machte – eine Figur aus dem Film „Tagebuch einer Verlorenen“ des Regisseurs Reinhold Pabst.  Diese charakteristische Figur, mit dem Pagen-Haarschnitt, taucht auch immer wieder bei einzelnen Stories von Crepax auf. Crepax hat mit den Jahren mittels seinen  Ausschnitten aus dem Bildganzen und der wechselnden Anwendung von Split Panels eine narrative Technik entwickelt, an der sich viele Produzenten erotischer Photographie ein Beispiel nehmen könnten. Ab 1973 begann Crepax mit der Umarbeitung erotischer Weltliteratur in seine Comicerzählungen. In Deutschland wurden Werke von Crepax wie Emmanuelle (1980), Justine (1992) und Valentina in Nadelstreifen (1997)  über Münchner Verlage wie den Bahia Verlag und die Edition Erotik und später dem Schreiber & Leser-Verlag publiziert.

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„Da werden in auffallend dick umrandeten Bildern in Briefmarkengröße ein Schuh gezeigt, ein Brillenglas, eine Gürtelschnalle, ein abgestreiftes Spitzenunterhöschen. Mit fortschreitender Zuspitzung der erotischen Handlung werden die Details durch Augen und Lippen abgelöst, dann von Brustwarzen, einem erigierten Penis, einer Vagina, einem After


(Zitat aus: Knigge Andreas, 1985 : 195 , „Sex im Comic“, Ullstein-Verlag)

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Ein weiterer erfolgreicher Zeichner in diesem Segment ist der italienische Comicautor Paolo Eleuteri Serpieri. (1944)  Er begann 1985 mit seiner Science Fiction Serie „Morbus Gravis“ um die weibliche Comicfigur Druuna, die einen deutlichen erotischen bis pornographischen Charakter hatte. Die insgesamt acht Alben dieser Serie wurden in zwölf Sprachen übersetzt und  über eine Million mal verkauft.



Die neuen Tendenzen des Medium Comics führten die französischen Zeichner Moebius, Phillipe Druillet, Jean Pierre Dionnet und Bernard Farkas mit ihrem Verlag „Les humanoides associés“ ab 1974 mit dem Comicmagazin „Métal Hurlant“ in den Mainstream. 1977 folgte „Heavy Metal“ für den us-amerikanischen Markt und einige Jahre später erschien die deutsche Version „Schwermetall“. In Anlehnung an den Erfolg von Magazinen wie „Heavy Metal“ und „U-Comix“ erscheint in den USA seit 1994 das „Penthouse-Comic“-Magazin, welches ausschließlich erotische Comics veröffentlicht. Es gelang diesem Verlag allerdings nicht zugkräftige Zeichner zu verpflichten, so dass der erwartete Erfolg ausblieb. Seit 1998 erscheint „Penthouse Comic“ auch in Deutschland.

Beginnend in den 80ern boomt der Markt für erotische Comics in den 90ern. Neben Spezialeditionen von Erotikverlagen bringen auch die großen Comicverlage Extraausgaben bekannter Comickünstler mit überwiegend erotischen Inhalt auf den Markt. In Deutschland veröffentlicht die „Edition Kunst der Comix“  erotische Comics in ihrer „Collektion X“. Die dort verlegte Zeichnerin Giovanna Cassetto wurde mit ihrem Band „Striptease“ sogar noch 2001 von der Bundesprüfstelle indiziert. Der Verlag Schreiber und Leser veröffentlicht seit 1992 mit seiner Edition Erotik die erotischen Werke von bekannten Zeichnern wie Milo Manara und der Verlag Sackmann und Hörndl (comic+) publiziert mit seiner Edition Luxor, seit 1990 Zeichner wie Loisel/Le Guirec, Paolo E. Serpieri und Don Lawrence. Das Verlagshaus Sonnenberg stellte das Dach für bekannte Labels der deutschen Ausgaben von U-Comix, Schwermetall sowie Penthouse Comix und dem Alpha-Comic-Verlag und den drei Editionen  Kunst der Comics(Collektion X), Aleph und Luna über die eine Vielzahl vor erotischen Comics im deutschen Raum publiziert wurden.

Der kleine Verlag „Schwarzer Turm“ bietet über den „Freibeuter-Shop“ im Internet mehrere Sex- und Pornocomics aus eigener Produktion und von anderen Verlagen an. Neben „Weißblechs Weltbeste Comics“, die mit Titeln wie „Der geifernde Grapsch“ und „Drogengeile Teenieschlampen“ reinsten Trash anbieten, wie er bereits seit den 70ern auf dem US-Markt zirkulierte, gibt es die Serien „Alraune“ und „Arsinoe“, die sich beide – im realistischen Zeichenstil- an das gängige pornographische Formula halten. Qualitativ herausragende Produktionen sind die Einzelbände „Vier Stunden zu früh“ von der Zeichnerin Renke Karrow und „Small Favors“ von der US-Amerikanerin Colleen Coover. 2005 erschien vom gleichem Verlag  „Hurengeschichten“. Verschiedene Kurzgeschichten, die auf Interviews mit Prostituierten beruhen, die in Zusammenarbeit mit der Prostituiertenorganisation „Hydra“ entstanden sind.


Bei vielen anspruchsvollen Comicgeschichten wird, ähnlich wie beim Film, seit den 90ern eine neue Tendenz sichtbar. Das Innen- und Sexualleben der Protagonisten wird nicht mehr ausgespart, sondern fließt mit in die Geschichte ein. Bei Dave Mc Keans, „Cages“, (Carlsen Verlag 1997, 5.Band) erlebt man den Protagonisten, einen Kunstmaler, bei dem Beginn einer romantischen Beziehung mit seiner Nachbarin. Die folgenden gezeichneten Sex-Szenen sind weder aufgesetzt noch voyeuristisch, sondern Teil der Erzählung. Sie sind skizzen- und collagenhaft, so dass der Leser die beiden Akteure mehr imaginiert, als das sie real abgebildet werden. Auf einer weiteren Erzählebene nehmen die „Schutzgeister“ der beiden, eine Katze und ein kleiner Mann,  das Liebesspiel zum Anlass für philosophische und tantrische Diskurse. Dave Mc Keans, „Cages“ wurde erstmals bei Kitchen Sink Press veröffentlicht. McKean ist Jazzmusiker, ein Umstand der bei seinen Zeichnungen, die sich zeitweise in eine Art grafischen Musikfluss auflösen, spürbar wird

Online-Comics

Viele pornographische Comics werden inzwischen über das Internet angeboten, entweder über Online-Kataloge wie „Blowfish“ und von us-amerikanische Verlagen wie „Eroscomics“, oder als Content für pornographische Webseiten. Neben den kommerziellen Angeboten gibt es viele Künstler, die ihre Comics kostenfrei im Netz anbieten, so auch in dem Bereich der Sex- und Pornocomics. Ein gutes Beispiel für diese Art nichtkommerzieller Webcomics ist die Serie „Sexy Losers“, in der Regel kurze Stories, die in der Form eines Tageszeitungsstrips in ein bis zwei Paneelen veröffentlicht werden. Auf der Webseite des Künstlers sind bereits 240 dieser Stripes.Abgerufen werden kann die Webseite über

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comicartcollective.com/. Mit der Webseite adultwebcomics.com bestand  2006 – 2008 für unbekannte Zeichner die Möglichkeit ihre Werke zu veröffentlichen und die Seite als Platform für eine mögliche Karriere in diesem Genre zu nutzen. Ein ähnliches Angebot bietet speziell für 3D-Comics die Seite renderotica.com

Das wachsende Potential  von 3D-Comics, Spielen und interaktiven Anwendungen ist auch in Hinblick auf den 18 U.S.C. 2257 interessant, da die Speicherung der Personendaten bei virtuellen, computergenerierten Akteuren entfällt und etwaige Verstöße gegen dieses Gesetz nicht mehr von Belang sind. Im Internet gibt es eine ganze Reihe von amerikanischen Anime- und Comic-Anbieter für Adultwebmaster  Die Anbieter von adultcartooncontent.com boten beispielsweise Comics je nach Qualität und Anzahl der Seiten zwischen 7 – 90$ und 3D-Comics zu 50$ an. Desweiteren Flash-Cartoons und Webdesignvorlagen, sowie Partnerprogramme mit dem kalifornischen „JK Network“, die vier Comic- und Anime-Seiten in ihrem Programm haben: HardToon.com, FetishDrawing.com,  EroComics.com und  MaxiManga.com

Im Bereich der Angebote pornographischer Comics im Internet sind drei Hauptsegmente auszumachen; das Genre des Yentai, Comics verschiedener westlicher Zeichenstile wie sie von der kalifornischen Firma „Naweb Admin“ seit 2001 mit eadultcomics.com und 10 weiteren Webseiten angeboten werden und 3D-Comics, die mit Hilfe verschiedener Computerprogramme produziert werden. Diese 3D-Comics werden oft im Zusammenhang mit interaktiven Angeboten und Adult-Games vermarktet. Anbieter dieses Segments sind beispielsweise „XPosh Llc“(USA) mit 3dplaything.com, die über Somavision registriert sind, amazonsoul.com(Kanada) und die populäre crazyxxx3dworld.com des US-Unternehmens „Global iNet World“. Mit zu den populärsten Hentai-Anime-Seiten im Netz gehörten nach Alexa (Nov.2006) archivehentai.com und free-manga-hentai.com der holländischen Firma „Web Dreams“, hentaikiss.com von CNC Marketing(USA), die Netzwerke animemanga.biz und exstasia.biz der italienischen „Vaga Srl“, sowie weitere Webseiten von Einzelanbietern und kleineren Firmen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Comic

http://xoomic.de/webneu/magazin/zensur2.html

http://www.avant-verlag.de/

Grünewald Dietrich, 2000, „Comics“, Max-Niemeyer-Verlag, Tübingen

Schnurrer Achim (Hg.), 1996, „Comic: zensiert“, Bd.1, Edition Kunst der Comics, Sonneberg, Deutschland

Knigge Andreas, 1985, „Sex im Comic“, Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main/ Berlin


Das Thema „Sexworking“ im Comic3 Beispiele

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Hernandez, Jaime, 1994

„WigWam Bang“

Reprodukt/Edition Moderne,Berlin/Zürich

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Der Comic zeichnet u.a. die Geschichte von Doyle und Ray und in diesem Rahmen, die der Frau Danita, einer ca. 18-25 – jährigen Afroamerikanerin mit Kind. Danita bekommt von ihrer Freundin Lily, einer ca. 30-40- jährigen weißen Amerikanerin, das Strippen beigebracht und verdient danach ihr Geld in einem Nachtclub. Im Laufe der Geschichte sieht man Doyle, einen ca. 25-32 -jährigen Amerikaner. Er ist der Freund von Lilly, wohnt bei ihr, lässt sich von ihr aushalten, scheut aber vor einer zu engen Bindung zurück und schläft auch öfters bei den Underdogs unter Brücken oder in einem Zelt. Zu Ray, dem Freund von Danita, verbindet ihn eine Freundschaft. Auch Ray ist meistens ohne Geld, ein mittelloser Künstler, der in seinem Atelier haust. Er verliert seine Wohnung, weil er die rückständige Miete nicht zahlen kann, wird aber von Danita, die die Wohnung übernimmt, aufgenommen. Ray ist bereit zu einer festen Beziehung und sieht sich durch die gelungenen Auftritte Danitas in seinem Milieu auch aufgewertet. Die Beziehung scheitert aber daran, dass durch die Schließung der Bar die materielle Grundlage ihrer Beziehung entzogen wird und an einer alten Liebesbeziehung von Ray, die trotz ihrer Abwesenheit zwischen ihnen steht. Danita zieht daraufhin mit ihrem Kind wieder zu ihrer Mutter, hat durch ihre Erfahrungen in der Strip-Bar aber ein neues Selbstbewusstsein entwickelt.


Beide Männer, Doyle und Ray scheinen keinen strukturierten „normalen“ Lebensentwurf als ihr Ziel zu verfolgen. Beide leben mehr oder weniger von der Arbeit  ihrer Freundinnen, wobei dieses Verhältnis seitens der Frauen auf Freiwilligkeit beruht und sich auch nicht auf mehrere Frauen erstreckt. Sie sind also keine Zuhälter was durch die Beschreibung ihrer Charaktere auch deutlich wird. Ihr Tagesablauf wird bestimmt durch die Gestaltung ihrer freien Zeit. Vom Suchen einer Duschmöglichkeit bis hin zu vielfältigen sozialen Interaktionen: Tramps eine günstige Stelle zum Aufspringen auf den Zug zeigen, mit Bekannten Bier trinken oder wie Doyle, sich in seiner Stammkneipe, der Strip-Bar, aufhalten. Beide sind keine Outsider die sich durch einen bestimmten Dresscode zu erkennen geben, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern tragen in der Regel Hemd und Anzug. Die Stabilität ihrer Lebenssituation wird durch ihre Freundinnen und ihren Verdienst gestellt. In beiden Fällen zerbricht diese Beziehung. Bei Doyle wegen seiner Unwilligkeit sich fest zu binden, bei Ray wegen dem Kind und der fehlenden materiellen Grundlage. Beide geraten in eine Krise, Ray sieht  seine sexuelle Potenz in Frage gestellt, Doyle verlässt sogar das ganze Milieu. Im letztem Bild sieht man ihn die Bahnschienen entlanggehen und die Stadt verlassen.

Die Toplessbar wird ausschließlich von Männern besucht. Die Stripperinnen werden hauptsächlich in der Garderobe dargestellt , die Atmosphäre unter ihnen ist locker. Der Chef, „Mr. Bumper“ tritt nie in Erscheinung, so dass man über die Hierarchie im Arbeitsverhältnis nichts erfährt. Ansonsten ist eine Barkeeperin die einzige weitere Frau. Die Mutter von Danita, welche in der Nähe wohnt, ist von der Arbeit Danitas zwar nicht begeistert, toleriert sie aber. Einzig eine Verwandte von Danita, ihre ca. 25 jährige -Cousine, äußert sich abwertend und empfindet auch den Umzug in die Wohnung von Ray als sozialen Abstieg. Sie betrachtet zweifelnd ein Aktbild, das Ray von Danita gemalt hat welches eindeutig ihre sexuellen Reize betont, weswegen sie ihm vorwirft, dass er nicht besser sei als die Zuschauer in der Strip-Bar, wenn er sie so sehe.

Eine Schlüsselszene in Bezug auf das Thema „Strippen“ wird zeichnerisch gelungen dargestellt, als Danita auf der Bühne strippt, sich in eine Art Selbstvergessenheit steigert, sich im Tanz gefällt und aus dieser Stimmung heraus sich im Publikum umguckt und zum ersten Mal die Gesichter der Männer, ihre Blicke, wahrnimmt. Sie sieht ihre Geilheit, sich als Objekt dieser Geilheit. Ihr bricht der Schweiß aus. Sie ist angewidert wenn nicht sogar ängstlich.Ob eine Frau sich als Objekt des patriarchalen Blickwinkels wahrnimmt oder als Frau, die die sexuell aufgeladene Atmosphäre genießt und sogar Macht empfindet, Macht über die auf sie schauenden Männer, liegt im individuellen Empfinden und in ihrer Selbstreflexion begründet


„Omaha – The Cat Dancer“ Nr.16

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Reed Waller& Kate Worley : 1991

Kitchen Sink Press, Princetown /USA

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Ein Erwachsenencomic, herausgegeben von „Kitchen Sink Press“ (Inc. Nr2 Swamp Rd., Princetown WI 54968, USA). Zeichnung und Text von Reed Waller, ab der zweiten Ausgabe unter Mitarbeit von Kate Worley. In der Fortsetzungsgeschichte die 2-monatlich erschien (Erstausgabe 1981, 7. Nachdruck 1990) wird in Schwarzweiß mit einem Zeichenstil, der dem amerikanischen Undergroundcomicklassiker „Fritz the Cat“ ähnelt, die Geschichte der Stripteasetänzerin Omaha erzählt. Die menschlichen Personen in diesem Comic werden allesamt als Tiercharaktere dargestellt. Schwerpunkt der Geschichte sind die Beziehung Omahas zu ihrem Freund Chuck, die Krisen dieser Beziehung und ihre Liebschaften, die u.a. mit Bildsequenzen von erotischen und zum Teil pornographischen Charakter dargestellt werden, weswegen der Comic in den USA erst ab 18 Jahre freigegeben ist. Diese Sequenzen machen im Verhältnis zur gesamten Bildgeschichte nur einen geringen Teil aus und sind Bestandteil der Lebensschilderung dieser Personen. Da sind z.b. Joanne, eine Bekannte von Omaha und Chuck, die als professionelles Callgirl arbeitet, bisexuell ist und die Beiden eines Abends auch verführt. Oder Rob Shaw, ein homosexueller Photograph, den Chuck über seine Agentur, wo er als Zeichner arbeitet, kennenlernt und schließlich noch Shelly, eine Freundin von Omaha, die als Tänzerin, aber auch als Organisatorin im Strip-Business gearbeitet hat, bis sie angeschossen wurde und erst mühsam wieder laufen lernen muss.

Die Stripclubs, das Milieu, in dem Omaha sich zum Teil bewegt, ist das von finanziell gut situierten Kreisen und dementsprechenden Hostessen und Callgirlringen (sie selbst arbeitet ausschließlich als Exotic-Dancer).  Aufgrund der politischen Situation müssen alle Striplokale in der Stadt schließen und der Leser nimmt Teil an den Bemühungen eines dieser Lokale wieder zu eröffnen, u.a. indem Unterschriften gesammelt und Eingaben beim Gericht gemacht werden. Man erfährt etwas über die Schwierigkeiten einer feministischen Initiative mit dem Thema Prostitution und Sexworking und stellt fest, dass es Menschen gibt, die lieber ihren nackten Körper präsentieren als das sie sich in einem 8-Stunden-Tag an eine Firma verkaufen. Einen weiteren Spannungsbogen bietet die Story um einen machthungrigen Senator, der in der Vergangenheit Chuck´s Mutter zu einer Zwangsheirat erpresst hat und im Laufe der Geschichte ermordet wird, wobei die Hauptakteure dieses Comics, Omaha und Chuck, im Zuge der polizeilichen Ermittlungen, in Verdacht geraten.

„Omaha“ ist kein Comic, das realistisch die Situation der Striptänzerinnen in den USA beleuchtet, aber auch kein reiner Sex&crime-Funny oder Noire-Comic. Die ganze Geschichte ist getragen von einem Geist sexueller Liberalität wie er sich in den USA in den 60er Jahren aus der Studenten-, Kommunen- und Hippiebewegung entwickeln konnte. Am Rande der sehr ausführlich dargestellten Beziehungskontexte erhält der Leser einige Einblicke auf Verhältnisse in diesem Milieu, die durchaus als wirklichkeitsnah bezeichnet werden können.

„From Hell“

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Alan Moore&Eddie Campbell : 1989/1999

Speed, Verlag Thomas Tilsner, Bad Tölz

Deutsche Ausgabe, 2.Auflage 2001

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In dem Comic „From Hell“ von Alan Moore und Eddie Campbell, in dem es um die Geschichte des Serien und Frauenmörders „Jack The Ripper“ geht, hat der Texter Moore umfangreiche Hintergrundrecherchen zu der speziellen Thematik und darüber hinaus, zu den historisch-sozialen Hintergründen dieser Zeit betrieben, die von dem Zeichner Campbell graphisch detailliert umgesetzt werden. Neben der eigentlichen Kriminalgeschichte werden die Freimaurerlogen, verwoben mit dem Königshaus, als politischer Machtfaktor dargestellt, wobei sich die Autoren die Freiheit nehmen bis in das Genre des Phantastischen zu gehen. In dem Zusammenhang dieser Arbeit ist vor allem die detaillierte Beschreibung des Londoner Prostituiertenmilieus im Stadtteil Whitechapel, insbesonderen der Straßenstrich interessant, von dem hier auch eine dreiseitige, zusammenhängende Bildsequenz vorgestellt wird.


Diese Zeichnungen zeigen die Prostituierte Marie bei ihrer Arbeit, die Kontaktaufnahme, die über den Mann erfolgt indem er sie anspricht und sagt, dass er einen Ausflug nach „Hairy-Ford-Shire“ machen möchte und nur 3 Pence dabei hat. Dies bezieht sich zwar auf die Aussprache des Ortes „Herfordshire“, war aber ein Slangausdruck für die weiblichen Genitalien. („From Hell, Anhang, S.8) Dann suchen sie gemeinsam einen Hinterhof auf und der Geschlechtsverkehr wird im Stehen, an einem Zaun gelehnt vollzogen. In dieser Form möglich, durch ein Anheben des Rockes ihrerseits und aufgrund des Umstandes, dass das Tragen von Unterwäsche zu dieser Zeit noch unüblich war. Sie versucht den Mann zu „kobern“, also den Geschlechtsverkehr vorzutäuschen, indem sie den Penis zwischen ihren Schenkeln hält. Ihr Kunde bemerkt dies und fordert, bzw. erzwingt den richtigen Verkehr. Hier nutzt der Zeichner in 3 Bildern eine Gestaltungstechnik wie sie im Film mit dem Zoom gebräuchlich ist, um die emotionale Distanz der Frau zum Geschehen zu verdeutlichen. Im ersten Bild sieht man von oben herab, beide am Zaun gelehnt, stehend kopulieren, wobei die Geräusche des Mannes mit der Sprechblase „Ummf“ verdeutlicht werden. Das zweite Bild führt weiter weg vom Geschehen und lässt die umliegenden Gebäude erkennen, während in der Bildmitte zentriert, weiterhin, wenn auch kleiner, die Sprechblase „umf“ steht. Das dritte Bild schließlich, lässt beide Gestalten im Grau der Hinterhoflandschaft verschwinden, wobei das Auge wiederum bei „umf“ stehenbleibt. Auffällig an der Darstellung ist die brutale Kürze des Geschlechtsaktes und die „Gespanntheit“ der Situation, in der fest geschlossenen Faust des Mannes verdeutlicht, während die andere Hand geöffnet, als Geste der Verachtung, die 3 Pence vor ihr auf das Pflaster fallen lässt. Ein Kondom wurde nicht benutzt. Es gab sie zwar schon zu dieser Zeit, stellte aber für die Straßenprostituierte in der Regel ein unerschwinglicher Luxusartikel dar, der den Prostituierten der gehobenen Klasse vorbehalten war. Diese Form der dargestellten Schnellprostitution soll im viktorianischen England üblich gewesen sein und betrug in der Regel tatsächlich 3 Pence. Der Verkehr fand meistens im Stehen, gegen eine Wand oder einen Zaun gelehnt statt. In der Umgangssprache nannte man dies einen „thrupenny upright“ – einen „Drei-Penny-Ständer“ (From Hell, Anhang, S.8) In den folgenden letzten Bildern sieht man die Frau Marie durch die Gassen gehen, die von Straßenhändlern bevölkert sind. Ein charakteristisches Straßenbild, wie es in jeder Großstadt zu dieser Zeit anzutreffen war.


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