Die Sexindustrie und das Internet – Inhalt
Oktober 17, 2008

Pornographie, Moral und Sexindustrie von Peer A. Gosewisch steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Die Sexindustrie und das Internet
Der us-amerikanische Markt der Online-Pornographie
Usenet Newsgroups und das Bulletin Board System (BBS)
Die Sexindustrie als Innovator des Onlinemarktes
Preface
Der e-commerce – Bezahlung per Kreditkarte
Einzelne Internet Payment Service Provider
Alterbestätigungssysteme – Age Verification Systems
Dialer
Partnerprogramme (Affiliates)
Einzelne Anbieter von Partnerprogrammen
Der Mobile Markt
„Adult-Webmaster“ – Geschäftsmodell für Kleinunternehmer ?
Patent-Portefolios – Ein neues Betätigungsfeld für Juristen
Die Freiheit des Netzes und die Freiheit der Pornographen
Preface
Filtersysteme – sinnvoller Jugendschutz contra staatlichen Missbrauchspotential
Das Internet zwischen simplen Betrug und Schwerstkriminalität
Von den Justizbehörden verhandelte Fälle von Internetkriminalität
Der Online-Markt
WebCams – Die Kommerzialisierung der Privatsphäre
Unternehmen der Onlinepornographie
Social-Networking- und Dating-Seiten
Nischenproduktionen – Kommerzielle Alternativen im Internet?
Alt., bzw. „Alternaporn“
BDSM
„Amateure“
SexPro-Zines und Femmeporn
Queer- und Netporn-Politics
Netzkunst
Webseiten von Photographen
Bloggersphäre
Sex und Computerspiele
Vom Strip-Poker zum Multi-Player-Online-Game(MPOG
Einzelne Spiele mit narrativer Struktur
Virtuelles Theater und virtuelles Leben -“Fascade” und “Second Life“
Machinima-Filme
Virtuelle Welten und Cybersex
Preview
Ein Blick ins Museum – Erste kommerzielle Teledildonics-Anwendungen
Computeranimation – ein Rückblick und Aussichten
Brain Computer Interfaces und humanimplantierbare Chips
Comics – Rohstofflieferant für zukünftige Bilderwelten? – Ein Exkurs
Preface
Tijuana Bibles/ eight pagers
Von der „Blonden Pantherin“ zum feministischen Sexcomic
Von Barbarella und Glamour Girl zu „Métal Hurlant“ – Der europäische Markt
Online-Comics
Das Thema „Sexworking“ im Comic – 3 Beispiele
„WigWam Bang“
„Omaha – The Cat Dancer“
„From Hell“
Die Sexindustrie und das Internet
Oktober 17, 2008
Der us-amerikanische Markt der Online-Pornographie
Internet-Pornographie wird über Webseiten, peer-to-peer file sharing Software, ICR und über Usenet-Groups vermarktet und distributiert. Bereits in den 80ern wurde Pornographie im Internet gehandelt, allerdings überwiegend von Privatpersonen und Newsgroups. Mit der Öffnung des Internets für breite Bevölkerungsschichten und der Proklamierung des „World Wide Web“ in der ersten Hälfte der 90er Jahre, kam es zu einer explosionsartigen Ausbreitung von Pornographie über das Internet, die via einem Home- Computer komplikationslos und völlig anonym erhältlich war. Diese Industrie besteht aus einer Reihe weniger großer Unternehmen, die zwischen einigen hundert bis tausenden von Webseiten betreiben und einer großer Anzahl kleinerer Unternehmen. Sie umfasst Firmen, die direkt in der Produktion und Distribution von pornographischen Material involviert sind, aber auch Firmen, die Serviceleistungen wie Hosting, Inkasso und Programmierung anbieten. Kabel- und Satelliten-Netzwerkbetreiber sowie Telekommunikationsdienstleister sind im erheblichen Umfang an diesem Geschäft beteiligt. Global wird die Anzahl der maßgeblich beteiligten Unternehmen, die ihren Umsatz über Mitgliedereinschreibungen, Distribution über das Internet (Pay-per-View, Video-on-Demand, etc.) sowie Werbung und Lizenzierung von pornographischen Inhalten generieren, auf zwischen 150 bis 400 geschätzt.
Quelle: Caslon Analytics profile of the online ‘adult content’ industrie/ http://www.caslon.com.au/xcontentprofile.htm
Der Markt der Online-Pornographie ist ähnlich wie der der gesamten Sexindustrie immer noch geprägt von einer mangelnden Transparenz und fehlendem verlässlichen statistischen Material. Es gibt zwar eine Vielzahl von Statistiken, die aber, je nach tatsächlicher Einsicht in die Marktstrukturen oder politischer Intention, zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Eine Erkenntnis kann man bei dieser Zahlenjonglage, die nachfolgend teilweise dokumentiert wird, auf jeden Fall gewinnen: Das es sich bei diesem relativ jungen Markt um eine sehr dynamische, profitable und schnell wachsende Branche handelt.
Nach einem Bericht von „Forrester Research“ aus dem Jahr 2001 sind 19% der nordamerikanischen User regelmäßige Besucher von pornographischen Webseiten. Von diesen 19% soll jeder vierte User bereits weiblich gewesen sein. Nach den Internetstatistiken und Analysen (2001) von US-Firmen wie “Jupiter Media Metrix”, “Nielsen/NetRatings” und der europäische „NetValue” besuchten ca. 30% aller Internet-User monatlich erotische und pornographische Webseiten bei einer aufgewendeten Gesamtzeit, die zwischen 40 und 85 Minuten lag. Die Firmen “Datamonitor” und “Forrester Research“ schätzten die Anzahl von pornographischen Webseiten für diesen Zeitraum auf 50.000-60.000, während AdultCheck, ein Alterbestätigungssystem für Adult-Seiten von ca. 80.000 Seiten ausging. Nach dem „Internet Filter Review“ der us-amerikanischen Firma „TopTenReview.Inc“ (2003 gegründet) gab es in den USA 2003 4,2 Millionen pornographischer Webseiten – was 12% der globalen Gesamtsumme entspricht – mit jährlich 72 Millionen Besuchern, davon 40 Millionen US-Amerikaner. ( Die auffällige Diskrepanz bei einigen Zahlenwerten ergibt sich aus dem Umstand, das zwischen den Begriffen „Domain“, die beliebig viele Webseiten enthalten kann und einer einzelnen „Webseite“ in einigen Artikeln nicht klar unterschieden wurde) “Websense, Inc.”, ein Provider von Filter-Software, verzeichnete einen enormen Zuwachs von Adult-Webseiten in ihrer URL-Datenbank – von 88.000 im Jahr 2000 zu annähernd 1.6 Millionen Seiten im Jahr 2004. Die Anzahl von Webmastern, bzw. Firmen, die mindestens eine Adult-Seite betreiben, wurden, nach einer Einschätzung von Jason Hendeles im Jahr 2000 auf zwischen 30.000 bis 45.000 geschätzt und man ging von einer Steigerung auf über 110.000 bis 2003 aus. Dies bezieht kleine, vom Privathaushalt aus betriebene Operationen, die in der Regel zwischen 9-18 Domains registriert haben genauso mit ein wie die Majors der Branche, die tausende von Domains betreiben. 2002 sollen nicht mehr als 25 Unternehmen die Branche dominiert haben, wobei der Großteil des Marktes von den 10 führenden Unternehmen kontrolliert wurde.
Jason Hendeles ist der Vizepräsident der Abteilung “Strategic Business Development” des Unternehmens „ICM Registry“. ICM, eine Firma aus Florida, hatte sich bei dem Internetverwalter “Internet Corporation for Assigned Names and Numbers” (ICANN) um ein virtuelles Rotlicht-Quartier beworben, in der alle pornographischen US-Webseiten zentral auf einer Top-Level Domain gebündelt werden sollten. Die ICANN hat diese Bewerbung nach einer unüblichen politische Einflussnahme der Regierung aufgrund des wachsenden Drucks konservativer, christlicher Familienorganisationen, abgelehnt.
2005 listete Google beim Suchbegriff „Porno“ 35 Millionen Seiten auf. Ein Viertel der täglichen Anfragen bei den Suchmaschinen (68 Mill.) soll sich auf pornographisches Material beziehen. Der Markt für Internetpornographie wird auf 2,5 Billionen Dollar geschätzt, im Verhältnis zu dem angenommenen 57 Billionen Dollar schweren weltweiten pornographischen Markt zwar noch ein geringer Anteil, der aber stetig im Wachsen begriffen ist. Vor allem da der Markt für Adult-Videos, der global auf 20 Billionen Dollar geschätzt wird, sich zunehmend auf die Distributionsmöglichkeiten des Internets über Video-on-Demand und Pay-per-View auszurichten beginnt.
Neben der direkten Produktion von Pornographie sind in dem Online-Sektor die Bereiche Analyse, Navigation, Webdesign und Werbung wichtige Segmente des Business. Analyse meint vor allem eine Untersuchung und Aufschlüsselung des Traffics einer betreffenden Weboperation zum Zwecke des verbesserten Marketings. Es gibt Unternehmen deren Service auf einem klaren Preis-Leistungsverhältnis beruhen und andere, die von vor allem kleineren Webunternehmen die Platzierung von Werbebannern oder eine Umsatzbeteiligung als Gegenleistung einfordern. Dieser Service ist inzwischen fester Bestandteil aller großen Partnerprogramme. Navigations-Services bieten spezielle Directories für den User und leiten den Traffic zu einzelnen Seiten. Diese Webseiten bieten neben Hitlisten Linksammlungen von einigen tausend bis 80.000 Links und lassen sich die Platzierung von den Webseiten-Betreibern bezahlen. Ein weiterer wichtiger und lukrativer Geschäftsbereich, der von den beteiligten Firmen als Bestandteil des regulären IT Management Systems gesehen wird, ist die Entwicklung und Anwendung von Filter-Software, um den Zugang zu pornographische Inhalten einzuschränken.
Im Jahr 1997 schätzte Forrester Research den gesamten Online-Endkunden-Markt in den USA auf über $ 2,4 Milliarden. Für 2004 wurde dieser Markt auf über $ 140 Milliarden geschätzt, was einer Wachstumsrate von ca. 80% entspricht und für 2005 ging man von einen gesamten us-amerikanischen e-commerce-Umsatz von knapp $ 170 Milliarden aus. Umsätze des e-commerce in Europa sollen 2004 $ 90 Milliarden ausgemacht haben und wurden für 2005 auf $ 130 Milliarden geschätzt. Der Online-Content-Markt stellt natürlich nur einen Teil dieser Umsätze dar, der sich aufgrund besserer Anbindung der Konsumenten an High-Speed- und Flatrate-Verbindungen aber deutlich erhöhen wird. Nach “Jupiter Research” entwickelt sich der europäische Online-Content-Markt, der im Vergleich zu den USA noch unterentwickelt ist, sehr schnell. 2003 sollen 9% der europäischen Internetnutzer bereit gewesen sein Online-Content und Services zu kaufen, was in einem Umsatz von €693 Millionen resultierte. Das größte Segment stellten hierbei kostenpflichtige pornographische Inhalte, die 43% der Aufwendungen der User ausmachten. Weiterer nicht sexuell-expliziter Multimedia-Content (Musik, Spiele, Video) machten 23% dieses Umsatzes aus. Für 2007 wird davon ausgegangen, das inzwischen 23% aller europäischen User bereit sind Online-Käufe zu tätigen, wobei von einem statistischen Wert von 70€ ausgegangen wird, die jeder User investiert. Wegen der besseren Breitbandanbindungen und der höheren Akzeptanz wird erstmals die Online-Pornographie nicht den Hauptumsatzes dieser Branche generieren. Regulärer Multimedia-Content und Service sollen nach dieser Voraussage 50% des Gesamtumsatzes ausmachen, gefolgt von kostenpflichtigen Bild und Text-Downloads mit 25% und weiteren 25% die die Adult-Branche betreffen. Diese Prognose deckt sich mit dem Ergebnis einer US-Studie aus dem Jahr 2006,die verschiedene Suchmaschinen wie Excite und Alta Vista im Zeitraum 1997 bis 2005 auf die Frequenz pornographisch- und sexorientierter Suchanfragen untersuchte, aus der hervorgeht das diese im Verhältnis zu anderen Suchanfragen erheblich zurückgegangen sind – von 16,8% im Jahr 1997, zu 8,5% 2001, bis zu weniger als 4% im Jahr 2004. Allerdings bezieht die Studie die Marktführer Google, MSN, AOL und Yahoo! In ihre Untersuchung nicht mit ein. Ein Artikel von time.com vom November 2007 bestätigt diese Tendenz . Danach ist der Traffic von Pornowebseiten in den USA von 16,9% im Oktober 2005 auf 11,9% im November 2007 zurückgegangen. Für über 25-jährige User ist sexuelles Entertainment im Web nach wie vor populär und rangiert hinter den Suchmaschinen an zweiter Stelle. Bei den 18-24-jährigen zeigt sich laut dieser Untersuchung aber ein anderer Trend: an erster Stelle stehen Social-Networking-Seiten, gefolgt von Suchmaschinen und e-Mails. Der Besuch von pornographischen Webseiten steht hier nur noch an der vierten Stelle.
“Sexual and Pornographic Web-Searching – Trend Analysis”(2006) von Amanda Spink, Helen Partridge und Bernard J. Jansen / http://www.firstmonday.org/issues/issue11_9/spink/
http://www.thenewatlantis.com/archive/6/jrosen.htm
http://internet-filter-review.toptenreviews.com/internet-pornography-statistics.html
Für die Porno-Industrie hatte das Internet eine enorme Dezentralisierung zur Folge, die nicht nur die Konsumption, sondern auch die Produktion und den Versand betrifft und bot den Majors der Branche die Möglichkeit der Mehrfachverwertung ihres Materials. Schon Ende der 90er konnte ein Pornofilm, z.b. von Vivid oder Private produziert, der in Video- und Sexshops zum Verleih und Verkauf auslag, gleichzeitig über Mail-order vertrieben – im Pay-TV, im AT&T eigenen Sender „Hot Network“ oder im Hotelzimmer angeschaut – und auf den Porno-Webseiten zur Konsumption angeboten werden. Zu den bekanntesten Unternehmen der Sexindustrie gehören neben den Konzernen, die aus dem traditionellen pornographischen Druckgewerbe entstanden sind, wie die “Larry Flynt Publishing”(Hustler), “Playboy” und die “Private Media Group”, Unternehmen wie “Vivid Video”, ”New Frontier Media” und “Rick’s Cabaret”, die alle an der Börse notiert sind. Als die größten Unternehmen in dem Geschäft mit der Online-Pornographie galten um die Jahrtausendwende Voice Media (Cybererotica) und RJB Telcom, welche beide im Audiotext-Segment(Telefonsex) aktiv waren, bevor sie ihre Internetunternehmungen starteten. Außerdem Vivid Video, iGallery, WebPower, CyberEntertainmentNetwork(CEN), „Python Communications“ und BabeNet Ltd.. Im Bereich des “Premium Contents” sollen sie ungefähr die Hälfte des Marktes kontrolliert und zusammen einen Gesamtumsatz von mehr als einer Billion Dollar verzeichnet haben. Allein das Unternehmen „RJB Telcom“ kam auf einen jährlichen Umsatz von ca. 125 Millionen Dollar. Die Mehrzahl dieser Unternehmen befindet sich in privaten Händen, wobei eine zunehmende Tendenz zur Unternehmenskooperation und Networking festzustellen ist. So haben das „Cyber Entertainment Network” und “VS Media” Joint-Ventures mit der „Private Media Group” abgeschlossen, wie auch zwischen “Voice Media” und „Rick’s Cabaret International“ Geschäftskontrakte bestehen. „Private“, wie „Rick`s“ sind öffentlich gehandelte Aktienunternehmen, wie dies auch bei „iGallerie“, die inzwischen Bestandteil von „New Frontier Media“ sind, der Fall ist.
„How Big Is Porn?”, Dan Ackman, Forbes.com, (05.25.01)
Weissbuch der “Free Speech Coalition” (2005) / http://www.freespeechcoalition.com/whitepaper05.htm
Die Zusammenarbeit zwischen Technologie-, Softwarefirmen und Internetdienstleistern mit der Online-Sexindustrie schließt viele bekannte us-amerikanische Konzerne mit ein, u.a. Marriott, Exodus, Concentric, Verio, AboveNet, UUNet (im Besitz von MCI), Sun Microsystems, Yahoo!, AltaVista, Covad, Pacific Bell, Bell Atlantic, Real Networks, Microsoft, AOL und Earthlink. Die größten amerikanischen Kabelnetzwerkbetreiber und Satellitenfirmen, die an pornographischen Filmen über das Pay-per-View-Verfahren mitverdienen sind: Time-Warner, AT&T Cable, , News Corporation über Echostar und DirecTV und Comcast. Während der sogenannten Dot.Com-Krise in den Jahren 2000/2001 erwies sich das Segment der Online-Pornographie als relativ krisenfest und als stabilisierender Faktor der gesamten Internet-Ökonomie. In dieser Zeit, als viele Unternehmen des e-commerce bankrott gingen und ihren laufenden Zahlungen nicht mehr nachkommen konnten, war der Bedarf an Hardware, Hosting-Service und Bandbreite im Adult-Sektor ungebrochen nach wie vor hoch.
Inzwischen hat sich mit “AdultVest.com” die erste Investmentfirma gegründet, die über ihre Webseite mögliche Investoren und Unternehmen aus der Sexindustrie zusammenbringt. Mai 2006 hatten sich bereits 1000 Investoren über die Webseitenformulare des Unternehmens registrieren lassen.
Für Hosting-Firmen, die die Hardware des WorldWideWeb zu Verfügung stellen, stellte die Online-Pornographie ein wichtiger Einkommensfaktor dar, u.a. weil pornographische Webseiten eine weitaus größere Bandbreite und dementsprechend optimierte Hardware zur Darstellung der Photos und Filme benötigen, während viele der Non-Adult-Seiten sich früher überwiegend aus Html-Layout, textbasierten Inhalt und kleinen Graphiken zusammensetzten. Nach Informationen von „PCData Online“ und „NetCraft“ werden 14 der 20 us-amerikanischen Top-Adult-Sites von bekannten Firmen des regulären Internet-Kommerzes gehostet. “Akamai”, eine globale Caching-Company mit mehr als 8000 Servern, die an ca. 1200 Internet Service Providern stationiert und in über 55 Ländern an 700 verschiedene Netzwerke angeschlossen sind, ist ebenfalls an dem Business der Online-Pornographie beteiligt. Den Service den Akamai anbietet, besteht darin Webseiteninhalte(Content) von einem zentralen Server auf viele verschiedene zu platzieren, die sich näher am realen Ort der Konsumenten befinden. Dies sorgt führe schnellere Übertragungszeiten und vermindert die Gefahren von Netzwerküberlastungen. Akamai, zu deren Kunden u.a. CNN, Nasdaq, Apple, Microsoft, Yahoo, CBS und MSNBC gehören, bietet separat, über die Firma „Directrix” seinen Service auch für die Adult-Industrie an. Im März 2001 kam es zwischen der Firma und 15 führenden Unternehmen der Branche, wie Playboy, Vivid, iGallery und Babenet, zu weiterführenden Geschäftsgesprächen.
Zu den Firmen, die pornographische Webseiten hosten, gehören Unternehmen wie AboveNet (eine Tochterunternehmen von Metro Fiber Network(MCI)) , die beide zum MCI-Konzern gehörende Digex und UUNet, außerdem Exodus, Level3, und Verio (im Besitz des japanischen Telekomkonzerns NTT). AboveNet hostet die führende Adult-Webseite „Karasxxx.com“ von RJB Telcom mit monatlichen 6,9 Millionen Usern (2001). MCI hostet über seine Firmen Digex and UUNet, sowie Business Internet Inc die Megaseiten „Cybererotica“ mit einem monatlichen Traffic von über 4 Millionen monatlich (4,6 Mil./Februar 2001) und „adultrevenueservice.com“, außerdem die Webseiten „smutserver.com“, „sexspy.com” und “amateurfreehost.com”. Die Hostingfirma Exodus liefert ihren Service u.a. an „sexshare.com“, “adultfriendfinder.com”, wie auch “Danni’s Hard Drive“. “Level3” welche eines der größten Glasfaser-Netzwerke in den USA betreibt und 33% an dem Telekom-Unternehmen RCN besitzt, hostet die Webseiten „sleazydream.com“ und „lightningfree.com“.
Die großen Suchmaschinen-Betreiber, wie Yahoo, Alta Vista, AOL und Excite machten (2000) alle erhebliche Umsätze mit Onlinewerbung für pornographische Webseiten, vor allem mit der Bannerwerbung auf den Ergebnis-Seiten der dementsprechenden Such-Anfragen. Im Gegensatz zu den Firmen Compuserve und Prodigy, die in der Anfangszeit ihre Chatrooms und Messageboards kontrollierten und sexuell explizitite und obszöne Inhalte zensierten, vertrat AOL eine tolerante Geschäftspolitik gegenüber den Chat-Aktivitäten seiner Mitglieder und verschaffte sich so einen Wettbewerbsvorteil. Neben dieser toleranten Linie in den öffentlichen Chatrooms hatten AOL-Mitglieder die Möglichkeit eigene Chatrooms zu kreieren, einmal auf der Ebene von Interessengruppen und weitergehend als „private area“ wo die Öffentlichkeit ausgeschlossen war und der Zugang nur über persönliche Einladung erfolgte. 1996 sollen diese öffentlichen bis privaten Chat-Räume das profitabelste Geschäftsegment von AOL gewesen sein und 25% der gesamten Onlinezeit aller AOL-Mitglieder ausgemacht haben.
Yahoo hat in den ersten Jahren nach der Unternehmensgründung Sex als einen profitablen Geschäftsbereich wahrgenommen und dementsprechende Marketingstrategien entwickelt. Die zu sexuellen Themen bezug nehmenden Kategorien waren vielfältig und umfangreich. 1997 bot Yahoo dann den speziellen Service von „Adult-Only-Chatrooms“ an und betrieb dort eine intensive Vermarktung des dortigen Web-Space an pornographische Webseitenbetreiber. Yahoo hatte jahrelang auf den sex-orientierten Suchmaschinenseiten Bannerwerbung für pornographische Webseiten zugelassen und eine eigene Webseite, auf der Pornovideos und andere Produkte verkauft wurden, betrieben. 2001 kam es zu einer massiven E-Mail-, Presse- und Telefonkampagne von konservativen religiösen Gruppen, u.a. der einflussreichen „American Family Association“ Yahoo sah sein Image als Internet-Einstiegsseite für die ganze Familie bedroht und entschloss sich Werbung für pornographische Produkte nicht mehr zuzulassen. Dies betraf vor allem die Yahoo-Seiten für Shopping, Auktionen und bezahlte Anzeigen, sowie die Bannerwerbung. In dem folgenden dreimonatigen Zeitraum April bis Juni 2001 betrogen die Einnahmen von Yahoo 140,7 Millionen Dollar, im Gegensatz zu 232,9 Millionen Dollar für den gleichen Zeitraum im Jahr 2000. Ein defizitäres Ergebnis, welches sicherlich auf die damalige Dot.com-Krise verweist, aber auch auf die fehlenden Werbeeinnahmen, aufgrund des Beschlusses keine pornographische Werbung mehr zu schalten, zurückzuführen war.
Im August 2000 schloss AltaVista mit der Private Media Group einen bis dahin für reguläre Suchmaschinen ungewöhnlichen Geschäftskontrakt betreffend der Bannerwerbung ab. Anstelle eines normalen Werbevertrages wurde AltaVista ein Prozentsatz der Einnahmen, die aus den Mitgliedsbeiträgen von „Privates“ Webseiten resultierten, die über die Suchmaschine zustande kamen, zugesprochen. Über die Hälfte aller Suchanfragen bei AltaVista – zum damaligen Zeitpunkt 50 Millionen täglich – sollen sich auf sexuell relevante Themen bezogen haben. „Private“ erhoffte sich über dieses Arrangement weitere Einnahmen und einen höheren Traffic für seine Webseiten aus dem europäischen, pazifischen und asiatischen Raum, sowie aus dem mittleren Osten. Der nordamerikanische Markt – USA und Kanada – waren von diesem Kontrakt ausgeschlossen. In den Wirtschaftsanalysen und Statistiken großer Unternehmen ist das Segment „Online-Sex“ als Umsatzfaktor allerdings selten zu finden. Auch in den Reports von Wirtschaftsanalysten wird dieser Einkommensfaktor immer seltener aufgeführt. Die europäische Firma Datamonitor, die Ende der 1990er noch aufschlussreiche Statistiken erarbeitete und veröffentlichte, hat ihre Forschung eingestellt und sieht von einer Aktualisierung ihrer Statistiken ab. Dies mag aus „Rücksicht“ auf die betreffenden Großkonzerne, die gleichzeitig auch die wichtigsten Großkunden der Analysten sind, geschehen. Diese Unternehmen müssen, vor allem in den USA, Rücksicht auf die öffentliche Meinung nehmen, die oftmals durch Kampagnen einflussreicher konservativer christlicher Organisationen bewusst lanciert wird. Beste Beispiele sind die veränderte Geschäftspolitik von Yahoo nach einer inszenierten Mail- und Telefonkampagne im Jahr 2001 und der teilweise Rückzug von AT&T aus dem Geschäft mit der Online-Pornographie nach Auktionärsprotesten gleichen Jahres.
Usenet Newsgroups und das Bulletin Board System (BBS)
1979 entwickelten die Studenten Tom Truscott und Jim Ellis von der Duke University das sogenannte Usenet. Sie erdachten ein Dateien-Übertragungssystem in welchem die Beteiligten Nachrichten empfangen und lesen sowie abschicken konnten, die in einer Reihe von Kategorien, den „newsgroups“, unterteilt waren. Diese Nachrichten, Artikel, Textbotschaften, etc. wurden dann gespeichert und an eine große Gruppe von Servern weitergeleitet, die es möglich machten jede Textnachricht von einer Person zu Vielen zu transferieren. Das Usenet war zu seiner Zeit eine sehr innovative Technologie, galt aber mit der Einführung des Internets und des E-mail-Systems zunehmend als antiquiert. Die in den newsgroups geführten Diskussionen werden über Google Groups indiziert, aber keine der großen Suchmaschinen erfasst den Multimedia-Content, vor allem Videos und Photos, der weiterhin über das Usenet transferiert wird. Obwohl Yahoo und Google, sowie verschiedene P2P-Netzwerke ähnliche Möglichkeiten des Datentausches anbieten, werden laut Wikipedia täglich mehr als 2 Terrabytes an Content in das Usennet eingegeben. Die Usenet Newsgroups, ursprünglich eine rein textbasierte Möglichkeit des Meinungs- und Informationsaustausches, waren einer der ersten Internetservices die zur Distribution von Pornographie verwendet wurden.
Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre, als digitale Kameras und dementsprechende Software für den Computer für einen Massenmarkt verfügbar wurden und über das Usenet und später über Yahoo- und MSN-Groups freier Webspace angeboten wurde, bildeten sich eine Vielzahl von Gruppen, die sich mit speziellen sexuellen Interessen beschäftigten und dort ihre eigen Photos veröffentlichten. Viele Menschen aus der BDSM-Szene nutzten mit als erste diese Möglichkeiten des Internets. Aufgrund ihrer ausgefallenen sexuellen Praktiken und des möglichen Potentials einer Stigmatisierung war dort das Bedürfnis nach Informationsaustausch, Kommunikation und Partnersuche größer als bei anderen Gruppen. Innerhalb des Baums des Usenets unter hyerarchy alt. binaries.pictures.erotica mit den Untergruppen interracial, .transvestites und .wives, sowie unter alt.personal.bondage, bekommt man einen Einblick in die Bilderwelten dieser BDSM und Amateur-Interessengruppen. Viele dieser Seiten sind allerdings spam-verseucht und es besteht die Gefahr mit Bildmaterial konfrontiert zu werden, welches Szenen extremer Gewalttätigkeit oder Kinderpornographie enthält. Um dies zu vermeiden kann man einen der vielen Usenet-Services, wie pictureview.com in Anspruch nehmen, die beispielsweise jegliche Form von Kinderpornographie herausfiltern.
Zu jedem pornographischen Genre und jeder Nische gibt es dementsprechende Newsgroups. Das dargebotene Material besteht überwiegend aus Files von Bildern und Filmen, die von Magazinen gescannt, von kommerziellen Pornoseiten heruntergeladen wurden oder aus privat aufgenommenen Material. Außerdem stellen viele Unternehmen der Online-Pornographie Bildmaterial, das mit Wasserzeichen versehen ist, in das Usenet und nutzen es so als eine freie Werbemöglichkeit.
Über die unmoderierte Newsgroup Alt.sex.prostitution , die 1995 alt.sex.services und alt.sex.brothels ersetzte, fanden Diskussionen und ein Informationsaustausch über alle Aspekte der Prostitution statt. Aus der Perspektive der in diesem Bereich arbeitenden Frauen, wie auch aus der Sicht der Freier wurden die Situationen in den verschiedenen Ländern erläutert, Preise verglichen und Bordelle, Clubs, Bars, Callgirl-Ringe und Straßenprostituierte vorgestellt.
Obwohl bei diesem Material oft gegen das Urheberrecht verstoßen wird, ist es bis jetzt kaum zu juristischen Vorstößen der betroffenen Unternehmen und Content-Vermarktern gekommen. Newsgroup-Pornographie ist kostenfrei erhältlich und wird, wenn überhaupt, auf Tauschbasis gehandelt. Es stellt nach wie vor eine populäre Möglichkeit für Einzelpersonen dar, Pornographie anzubieten und zu erhalten und bietet ein größeres Maß an Anonymität da keine Übermittlung von Kontaktdaten, wie dies beim kostenpflichtigen Einloggen auf kommerziellen Seiten der Fall ist, verlangt werden. März 2005 waren beispielsweise innerhalb der alt.sex—Hierarchie noch über 1600 Gruppen verzeichnet, wobei ein Großteil der Gruppen keine nennenswerten Aktivitäten verzeichneten. Die Möglichkeit eines nicht-kommerziellen Video- und Bildertausches hat das Usenet, eigentlich ein Relikt aus den Anfangszeiten des Internets, lebendig gehalten. Eine weitere Methode nichtkommerzieller Distrubution von Pornographie bietet das ICR (Internet Relay Chat), ursprünglich ebenfalls ein textbasiertes Chat-System, dessen Popularität aber im Laufe der letzten Jahre zugunsten anderer file-sharing-Netzwerke, wie z.b. „Instant messaging“ von AOL nachgelassen hat.
„GUBA“, eine Suchmaschine und Archivierungssystem, wurde 1998 von zwei Studenten der Arizona State University entwickelt um die enorme Datenmengen des Usennets zu erfassen. Die Möglichkeiten die „GUBA“ bietet haben erheblich mit dazu beigetragen das das Usenet gegenüber der Konkurrenz von ähnlichen Anbietern wie Google Video, Kazaa und Bit Torrent, etc., überlebt hat. Das Potential von “GUBA” liegt in der Suchmaschine und in der Implementation von Technologien, die die Wiedergabe der gewünschten Medien in fast allen gängigen Dateiformaten ermöglicht. Der flash-basierende Videoplayer spielt beispielsweise alle Typen von Videodateien ohne größere Wartezeiten ab. Der über „GUBA“ abgerufene Content ist mit den neuen Medien wie Apple’s Video iPod, Sony’s PlayStation Portable (PSP) und Microsoft’s Xbox 360 kompartibel und macht so die Multimediadaten des Usenets für jede Internetplattform zugänglich. Das Unternehmen sieht sein Ziel aber nicht nur in einer Vermarktung des Usenets, sondern weitergehend in einer Bereitstellung des Contents für den zukunftsträchtigen Mobile-Content-Markt. Gerade auch in Hinblich auf die Adaption der Technologien von dem Video iPod und PSP, stellt Pornographie ein nicht unbeträchtliches Marktsegment dar. Der überwiegende Teil der Multimediadaten des Usenets sind nicht erotischen oder pornographischen Kategorien zuzurechnen, bei den Usern von „GUBA“ stellt dies aber ein populäres Thema dar. Die Unternehmen mit denen „GUBA“ Geschäftspartnerschaften eingegangen ist, stammten zunächst alle aus dem Adult-Bereich: Video Box, AEBN, WantedList und Xobile. Aufgrund der konsumentenfreundlichen Such- und Navigationsfunktionen und vor allem der Komparibilität zu vielen Dateiformaten geht man davon aus sich weiterhin erfolgsversprechend auf dem Internetmarkt platzieren zu können und strebt strategische Partnerschaften in regulären Geschäftsbereichen an. Neben dem Hauptgeschäftsbereiches des Mediendownloads – für einen monatlichen Betrag von $14.95 können User Unmengen von Daten herunterladen – bietet „GUBA“ Partnerprogramme und Möglichkeiten für Content-Provider an. Inzwischen hat sich „Guba“ neu ausgerichtet. Die Adult-Sparte wurde ausgegliedert und ein kostenloses Videohosting-Angebot geschaffen. Weitergehend bietet „Guba“, nachdem dementsprechende Vereinbarungen mit Sony und Warner Bros. abgeschlossen wurden, den kostenpflichtigen Downloads von Hollywoodfilmen an. Seit März 2003 wird der lukrative Geschäftsbereich der Onlinepornographie von Guba über die Plattform skinvideo.com abgewickelt.
Quelle: AVN-Online, “Guba – Sexing up Usenet” 3-1-2006
Eine weitere Form des Informationsaustausches stellten die frühen Internetforen dar, die inzwischen allgemeiner Standard für die Kommunikation der verschiedenen Webcommunities geworden sind. Im Gegensatz zum offenen Usenet setzen die meisten Webforen eine Registrierung voraus. Viele Foren bieten registrierten Benutzern die Möglichkeit, sich per E-Mail benachrichtigen zu lassen, wenn neue Beiträge verfasst wurden. Ein Bulletin Board, als eine spezielle Form des Webforums, vereint alle Postings eines Themas auf einer Seite Nach einer einstellbaren Anzahl von Beiträgen wird das Thema auf eine Folgeseite umbrochen. Der Vorteil dieser „flachen“ Struktur ist eine niedrigere Abrufzeit, kann aber bei umfangreichen Themen zur Unübersichtlichkeit führen. Bereits vor der Geburt des World WideWeb anfangs der 1990er, wurden im größeren Umfang Informationen über solche Bulletin Board Systems (BBS) Sysops (Systems Operators) ausgetauscht. BBS startete Ende der 70er und hatte seine größte Popularität Ende der 80er Jahre erreicht. Während ein Großteil des Datentransfers der über das Bulletin Board System abgewickelt wurde nichtkommerziell war und dem Austausch von Informationen und Software diente, nutzten andere BBS-Operateure das System zum Versand von Pornographie. Die Bezahlung wurde derzeit über verschiedene Methoden abgewickelt. Entweder mussten Kunden eine Telefonnummer anrufen und einem realen Ansprechpartner die notwendigen Kreditkarteninformationen übermitteln. Die eigentliche Transaktion wurde dann manuell oder mit Hilfe von ICVerify, einem Softwarepaket, das die Überprüfung der Kundeninformation und den Überweisungsvorgang abwickelte, vorgenommen.
Andere Operateure nutzten die Zahlungssysteme die in der Telefonsexindustrie gebräuchlich waren und erhoben anfangs von jedem, der eine dementsprechend angewiesene 900-Nummer gewählt hatte, Gebühren. Da mit dieser Methode aber keine Kontrolle, inwieweit sich Minderjährige und andere unautorisierte Personen Zugang verschafften, möglich war, ging man bald dazu über den User seine Kreditkarteninformationen per Telefon über ein Interactive Voice Response (IVR) System übermitteln zu lassen, das dann den Prozess des Geldabhebens an das bestehende Visa/Mastercard-Netzwerk weiterleitete. 1993/4 wurde bereits im erheblichen Umfang Pornographie per Kreditkartenüberweisungen über das Internet gehandelt, während Server-Firmen wie Netscape zu diesem Zeitpunkt Schwierigkeiten hatten den erhöhten Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. SSL Security und Methoden der Datenverschlüsslung wurden gerade in das System implantiert, hatten aber oft Kompatibilitätsprobleme und die Serversoftware war teuer und kompliziert zu handhaben. In Konsequenz entwickelte sich das Apache Server Projekt, ursprünglich ein Open Source Projekt, welches freie Server-Software produzierte, zum Marktführer. 2001 wurden bereits über 60% aller Server weltweit über Apache betrieben, im Segment der Online-Pornographie soll dieser Prozentsatz sogar bei über 80% gelegen haben..
Die Sexindustrie als Innovator des Onlinemarktes
Oktober 17, 2008
Die Sexindustrie als Innovator des Onlinemarktes
Preface
“Without consumer demand for big, bandwidth-hogging sex pictures and streaming video, Cisco would never have sold so many routers and Sun Microsystems so many servers. Without programming pioneers trying to perfect video streaming software that would deliver images of copulation and procreation to paying customers hooked up with a 28.8 kbps dial-up modem, it is unlikely that CNN would be effectively delivering news clips of global breaking news. Without sex-oriented chat and forums to sustain its early years, America Online might never have survived. The e-commerce payment systems that are so common today would be in a far more primitive stage of development, security and usability”.
EroticaBiz – How Sex shaped the Internet“ von Lewis Perdue
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Viele Innovationen des Internets wie Video-streams, Live-Chat und -Webcams, sowie Geschäftsmodelle wie Affiliate-Netzwerke, wurden in den Anfangsjahren des Netzes zuerst im pornographischen Segment auf ihre technische Umsetzbarkeit und ihre kommerzielle Anwendung bis hin zur Praktikabilität überprüft, modifiziert und fanden später dann Verbreitung in anderen kommerziellen Sektoren des Internets. Aus dem bekannten Striptease-Club „Casa Rosso“ im Amsterdamer Rotlichtbezirk wurde ab 1996 eine der ersten Live-Sexshows und Online-Abrechnungssysteme über das Internet anboten. Im gleichen Jahr bot „Cybererotica“ mit „XXX Counter“ einen Vorläufer der späteren Partnerprogramme an. Betreiber pornographischer Webseiten waren die ersten, die sich mit erhöhten Sicherheitsstandards im Bereich der Zugangsberechtigung und des e-commerces auseinandersetzen mussten.
Das Missbrauchspotential seitens der User ist sehr hoch und geht von der Angabe falscher Personen- und Kreditkarteninformationen, widerrechtlicher Stornierung der Zahlung, über Passwort-Hacking und versuchten Betrug bei den möglichen Auszahlungskonditionen der Partnerprogramme, bis hin zu aggressiven Hacker-Attacken durch Anti-Porno-Aktivisten. Diese sogenannte „Grauzone“ pornographischer Webangebote bot sich für Software-Entwickler an, um ihre Produkte in der Testphase unter erschwerten Bedingungen testen zu können. Auch wenn Unternehmen wie „Amazon.com“, „Ebay“ und die Bankinstitute im Bereich des e-commerce die Paradigmen bestimmen, wurde sehr viel der Pionierarbeit im Bereich der Online-Pornographie geleistet. Deren Material warf vor dem Auftauchen der großen Musiktauschbörsen und Filmbibliotheken als einzigstes genügend Profit ab, so dass wirkungsvolle Kopierschutzmaßnahmen sinnvoll erschienen.
Die Firma “BayTSP“, die ihre Wurzeln in der Online-Adult-Industrie hat, bietet einen Service an der es unter den Gesichtpunkten des Copyrights möglich macht jede Art von digitalen File, ob Photo, Text, Musik oder Film im Internet zu verfolgen. Hierzu hat “BayTSP“ einen Prozess entwickelt, der zu jedem digitalen File ein mathematisches Profil, eine sogenannte elektronische DNA entwickelt. Dieses Profil wird dann zusammen mit Copyright und Lizenzierungsinformationen gespeichert. Mit Hilfe vollautomatischer Programme, sogenannter „Spiders“, wird dann das Web nach Fällen von Copyrightverstößen durchsucht. In so einem Fall wird ein Snapshot der Seite erstellt und eine Benachrichtigung an den Webseitenbetreiber verschickt. BayTSP bietet seit Juni 2000 ihren Service an und bis März 2001 wurden bereits 93.000 Benachrichtigungen wegen Verletzungen des Copyrights verschickt.
Der e-commerce – Bezahlung per Kreditkarte
Die meisten pornographischen Webseiten haben keinen eigenen Kreditkarten-Account und lassen den e-commerce über Drittunternehmen, sogenannte IPSP (Internet Payment Service Provider) abwickeln. Die größten Finanzdienstleister, die mit Webmastern von pornographischen Seiten Geschäfte machen, sind „iBill“, „CCBill“, “Paycom/Epoch“ und die Alterbestätigungssysteme„Adult Check“ und „CyberAge“, die inzwischen auch als IPSP eingestuft werden. Der e-commerce wird direkt über die Bankkonten des beauftragten IPSP abgewickelt, die ihrerseits wöchentlich oder zweiwöchentlich an den Webmaster auszahlt. Das Unternehmen behält neben den für die Dienstleistung erhobenen Gebühren eine Summe von 10-20% von jeder eingehenden Zahlung als Sicherheitsreserve zurück, um Stornierungen, bzw. Rückzahlungen, Kreditkartenbetrug und eine mögliche Geschäftsaufgabe von Webmastern, die unerfüllte Mitgliederverträge hinterlassen, auffangen zu können. Dieses Geschäftsmodell einer zahlungspflichtigen Webseite, deren e-commerce über eine Kreditkartenfirma abgewickelt wird, wird hauptsächlich von Firmen betrieben, die über ein ausreichendes Content-Angebot verfügen, welches den User bis zu mehreren Stunden auf der Webseite halten kann und die dieses Angebot regelmäßig erneuern und weitergehend Möglichkeiten der Interaktion anbieten (Live-Chats und Cams mit Modellen, Info-Boards, etc.) Für eine Internetpräsentation mit Abo-Mitgliedschaft werden folgende Einzelfunktionen benötigt: eine Userverwaltung, einen offenen und einen gesicherten Bereich, SSL-Zertifikat, eine Alterskontrolle, einen Adressen- und Risikocheck und mehrere Bezahlverfahren, zumindestens Kreditkarte und elektronischer Lastschrift.
In den USA sind Kreditkarten populär und weit verbreitet und haben sich aufgrund dessen auch im Internet zu dem am meisten genutzten Bezahlverfahren entwickelt. Die Bezahlung per Kreditkarte ist für den Endnutzer auf der ganzen Welt identisch, während es für Internetanbieter, die diese Bezahlform auf ihren Webseiten anbieten wollen, Unterschiede gibt, da die Kreditkartengesellschaften den globalen Markt nach geographischen Regionen unterteilen. Ein Internethändler unterliegt den Anforderungen jener Region, in der er seinen Firmensitz hat. Deutsche Unternehmen unterliegen somit den EU-Regularien und amerikanische Unternehmen den Regularien der USA. Die wichtigsten Kreditkartengesellschaften sind MasterCard International, Visa International, American Express und Diners Club International. Diese vergeben nationale Lizenzen an Banken und andere Finanzdienstleister was die Ausgabe sowie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs via Kreditkarte betrifft, wobei die beiden Erstgenannten für die Online-Pornographie maßgebend sind. Was den e-commerce pornographischer Webseitenüber das Internet betrifft, sind vor allem die sogenannten IPSP (Internet Payment Service Provider) von Interesse. Diese wurden nach den Visa/Mastercard-Regularien zuerst in den USA legalisiert und beginnen sich seit 2003 auf dem europäischen Markt zu etablieren. Ein IPSP ist berechtigt, über seinen Kreditkartenakzeptanzvertrag für andere Unternehmen den Einzug von Kreditkartenzahlungen abzuwickeln. Diese Dienstleistung wird überwiegend von kleinen Händlern und als „risikobehaftet“ eingestuften Anbietern genutzt, die nicht die Möglichkeit haben, einen eigenen Kreditkartenakzeptanzvertrag zu erhalten. Der IPSP ist wegen der Visa/Mastercard-Regularien der Inhaber der Forderungen und zieht die Gelder ein. Auf der Kreditkartenabrechung der Enduser erscheint nicht der Name des entsprechenden Händlers oder Anbieters, sondern der Name des IPSP, der somit juristisch als offizieller Betreiber des Angebots gilt, während der Domaineigentümer nach dem Gesetz für die Inhalte verantwortlich ist. (in Deutschland nach dem§184 StGB) Die IPSP verlangen neben den Gebühren für durchgeführte Transaktionen sogenannte Disagiosätze, die zwischen 10-20% des Umsatzes des Internetanbieters ausmachen können. Im Gegenzug bieten sie ein komplettes Leistungspaket an, dessen Aufbau für kleinere Händler und Anbieter auch nicht rentabel wäre. Hierzu können gehören: Kreditkartenakzeptanz, Userverwaltung, der Einzug von wiederkehrenden Zahlungen bei Mitgliedschaften, sowie deren Zugangsschutz, Hosting, Webmasterprogramme, Statistikfunktionen und Trafficanalyse, Händler- und Endkunden-Support und Betrugs- und Chargeback-Prävention durch Sicherheitsüberprüfungen, sowie das Inkasso bei nicht erfolgten Zahlungen.
Bestandteil der Betrugsprävention ist z.b. die Adressüberprüfung potentieller Kunden, wobei in Deutschland auf die Daten der Deutschen Post und für andere Länder auf die Daten des Weltpostvereins zurückgegriffen wird. Weitergehend wird über Adressbestände von großen Versandhäusern wie Quelle, Neckermann und Otto-Versand überprüft, ob an diese Adresse bereits erfolgreich ausgeliefert worden ist. Außerdem werden die Daten gegen Negativlisten abgeglichen, welche von Inkassounternehmen geführt werden.
Ein Chargeback entsteht, wenn ein Endkunde bei seiner Bank einer Kreditkartenbelastung widerspricht. Die Bank schreibt in der Regel den Betrag dem Kunden wieder gut und bei dem Internetanbieter wird der Betrag durch den IPSP zurückbelastet. Durch Userbetrug, aber vor allem durch aggressive Marketingkampagnen wie Spam-Mails und unseriöse Mitgliederwerbung und Abrechnungsmethoden können sich diese zurückgeforderten Einzelbeträge (in der Regel in der Höhe der veranschlagten Mitgliedsbeiträge für die Paysides) schnell zu mehrstelligen Millionenbeträgen summieren. 1999 erhob die Bank über die DMR den Zahlungstransfer abwickelte, hohe Strafgebühren gegen Webseiten, die eine überproportional hohe Chargebackquote aufwiesen.
Dezember 1999 musste „DMR“ Konkurs anmelden, ohne bestehenden Zahlungsverpflichtungen gegenüber Adult-Webmastern in einer geschätzten Höhe von 80- 100 Millionen Dollar nachzukommen. “American Express” sperrte im Jahr 2000 seine Kreditkarten für Transaktionen im Bereich der Online-Pornographie aufgrund der hohen Kosten und des Risikos des hohen Prozentsatz der Stornierungen und Rückforderungen in diesem Segment. Die anderen beteiligten großen Kreditkartenunternehmen „VISA“ und „MasterCard“ verschärften in Konsequenz ihre Geschäftspolitik gegenüber den Unternehmen der Online-Pornographie. Es wurden Sonder- und Strafgebühren eingeführt und Kontrollverfahren implementiert um Kreditkartenbetrug auszuschalten und um Kunden, die bereits durch mehrmalige Stornierungen auffielen, auszusieben und sie auf Schwarze Listen zu setzen. Seit 2003 ist nur noch eine Chargebackquote von maximal 1% (vormals 2,5%) erlaubt. Diese Quote errechnet sich aus Betrag aller Stornierungen aus einem Kalendermonat, dividiert durch den Gesamtumsatz des Monats. Neben den Bearbeitungsgebühren wurden die Strafgebühren empfindlich erhöht. Als weitere Maßnahme wurden die Anbieter von Alterbestätigungssystemen (AVS/Age Verification Systems) als IPSP eingestuft und mussten dementsprechende Gebühren zahlen und sich den neuen Regularien unterwerfen. Zunächst brachen die Umsätze, vor allem bei den Megasites ein, langfristig stabilisierte sich durch diese Maßnahmen aber der e-commerce der Online-Pornographie
Seitens der Online-Adult-Industrie gibt es ein klares Interesse die Abhängigkeiten zu Kreditkartenunternehmen, bedingt durch deren Monopolstellung zu minimieren, indem man an der Idee eines alternativen Zahlungssystems, welches unabhängig vom Kreditkartensystem ist, arbeitet. Die Hoffnung das sich „PayPal“ zu einem geschäftsfähigen Alternativmodell für die Online-Pornographie entwickeln könnte, hat sich allerdings mit der Übernahme des Unternehmens (2002) durch ebay zerschlagen. 2003 entschied sich der inzwischen weltweit größte Online-Zahlungsdienstleister keine weiteren finanziellen Transaktionen für pornographisches Material durchzuführen. Ausgenommen sind hiervon ausschließlich Artikel wie Videos, Magazine und Photos, die auf Online-Auktionen gehandelt werden und vor 1980 produziert wurden. Serviceleistungen für Adult-Webmaster und ihre Bezahlseiten werden im Gegensatz zu der vorherigen Geschäftspolitik von PayPal nicht mehr durchgeführt. Inzwischen werden zunehmend alternative Bezahlverfahren wie Handy-Payment und Abrechnungsverfahren über das Telefon angeboten.
Einzelne Internet Payment Service Provider
Das Unternehmen « iBill » ging aus der 1986 gegründeten “Logicom, Inc.”(Fort Lauderdale, Florida) hervor, das im Audiotextbereich (u.a. Telefonsex) Abrechnungssysteme anbot. „iBill“ wurde 1997 gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren schnell zu einem populären Finanzdienstleister, vor allem für Unternehmen der Online-Pornographie. Im Jahr 2002 sollen ca. $400 Millionen an Kreditkartentransaktionen über „iBill“ abgewickelt worden sein – wobei der Kreditkartenprozessor einen Betrag von 15% der Gesamtsumme als eigenen Umsatz verbuchen konnte. 85% dieses Geldes sollen über die Sexindustrie umgesetzt worden sein. 2002 wurde „iBill“ von dem aus Atlanta stammenden Unternehmen „InterCept“ für $112 Millionen aufgekauft. Die neuen Bestimmungen des Kreditkartenunternehmens Visa, vor allem in Bezug auf die sogenannten „Chargebacks“ erhöhten die Kosten für Adultwebmaster erheblich, zogen Kontenauflösungen und Vertragswechsel zu anderen Dienstleistern nach sich und führten zu Umsatzeinbrüchen bei „iBill“. 2003 sollen nur noch $330 Millionen an Transaktionen über „iBill“ abgewickelt worden sein. 2004 wechselte das Unternehmen mehrfach den Besitzer und befand sich im Zentrum undurchsichtiger Finanzspekulationen. Im März 2004 wurde „iBill“ von „InterCept“ an ein Finanzkonsortium, zu welchem seit der Insolvenz von „General Media“(2003) auch „Penthouse International“ gehört, verkauft. Im August 2004 übernahm die „Care Concepts I, Inc.“ zu 100% die „Internet Billing Company(„iBill“) von „Penthouse International“ für $55 Millionen und einen Aktienanteil von 19,9% an „Care Concepts“. September 2004 verlor das Unternehmen seinen Geschäftskontrakt mit dem übergeordneten Kreditkartenprozessor „First Data“, da dort Unstimmigkeiten in Bezug auf Zusammenarbeit und Serviceleistungen zu den Kunden der Sexindustrie bestanden. Adultwebmaster mussten teilweise monatelang auf ihre Auszahlungen warten, während „First Data“ das Geld zurückhielt. Im Januar 2005 wurde „iBill“ dann für $23,5 Millionen an das Unternehmen „Interactive Brand Development“ verkauft. Der „neue“ Besitzer war kein anderer als die nach einer Umstrukturierung umbenannte „Care Concepts“. Anfang 2006 wurde bekannt, das persönliche Informationen von Millionen Kunden von „iBill“ in die Hände von Hackern geraten waren und auf den Internet-Schwarzmärkten kursieren. Diese Daten beinhalten zwar nicht die Kreditkartennummern, aber umfassen eine ganze Reihe sensibler Daten wie persönliche Namen; Berufsbezeichnungen, Wohnanschriften, Telefonnummern, E-Mail- und IP-Adressen, Kennwörter, Benutzernamen, Kreditkartentypen und Kaufsummen. Diese Sicherheitslücke soll insgesamt 18 Millionen Kunden von iBill betreffen, die im Zeitraum 1998 bis 2003 dessen Service in Anspruch genommen hatten.
“Epoch Transaction Services”, zu dem auch „Paycom Billing Services” und “Card.com” gehören, ist ein 1996 gegründeter Internet Payment Service Provider (IPSP). Auf der Webmaster-Convention 1997 wurde, nach Änderung des Firmennamens in Epoch, der e-commerce- Service auf den Kundenkreis der Adult-Webmaster ausgerichtet. Epoch begann mit 7 Mitarbeitern und beschäftigt inzwischen (2006) 160 Angestellte. Nach einer Krise bedingt durch hohe Chargeback-Quoten, verschärfte Regularien durch Visa/Mastercard und damit einhergehende Schwierigkeiten den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, hat sich das Unternehmen inzwischen wieder konsolidiert. Zu Epochs Kunden zählen Unternehmen wie Net Management, Flashcash, Topbucks, Python und SilverCash. 2005 expandierte Epoch mit der Gründung von „PaycomEU.net” auf den europäischen Markt und bietet europäischen Webmastern einen fast identischen Service wie in den USA an. Die verschiedenen Online-Abrechnungssysteme umfassen Visa, Mastercard, Discover/Novus, ePassporte, JCB und U.S.-Checks. Zusätzlich wurden die Kartensysteme „Switch“ und „Solo“, die für den e-commerce vor allem in Großbritannien weit verbreitet sind (Anfang 2005 befanden sich mehr als 29 Millionen Karten im Umlauf) in das Angebot von Epoch integriert.
CCBill, ein 1998 gegründetes Unternehmen aus Arizona mit 200 Mitarbeitern, ist eine von fünf Firmen der „CWIE Holding Company Inc.“ und ist in der Adultbranche für eine konservative, aber auch solide Geschäftpolitik bekannt. CCBill bietet über die Partnerschaft mit „DRM-Networks“ (Digital Rights Management) seinen Kunden eine schlüsselfertige Lösung an, was den Schutz der Lizenzierung und des Copyright bei der Vermarktung digitaler Inhalte betrifft. Der IPSP ging aus der 1996 gegründeten „Cavecreek Web Hosting“ hervor, nachdem der Gründer und jetziger Präsident Ron Cadwell sich entschloss seinen 24 Stunden/7 Tage- Hosting-Service auf den e-commerce auszudehnen und so in Konkurrenz zu iBill und DMR zu treten, die ihren Service zu dieser Zeit nur 5 Tage die Woche anboten.
„Netbilling Inc.“ (www.netbilling.com) ist ein kleinerer e-commerce-Dienstleister im weitesten Sinne. Sie hilft Online-Unternehmen den Verkauf von Produkten und Services über das Internet zu vereinfachen und zu erleichtern. Neben den regulären Kreditkartentransaktionen bietet „Netbilling“ außerdem eine alternative e-payment-Methode an. Zu den weiteren Dienstleistungen gehört die Übernahme des Kundenkontaktes der einzelnen Internetunternehmen via Telefon und E-Mail. Die Mitarbeiter im Kundencenter regeln unvollständige Vertragsabschlüsse und versuchen Annulierungen bei den Kreditkarteninstituten entgegenzuwirken. Ein Service der vor allem auf kostenpflichtige pornographische Webseiten auf Mitgliedschaftsbasis abgestimmt ist. „Netbilling“ wurde 1998 gegründet und beschäftigt mittlerweile über 30 Mitarbeiter. Über 70% ihrer Kunden kommen aus dem Adult-Bereich, neben Mainstream und Fetish-Seiten auch Alterbestätigungs- und Webmasterprogramme. Daneben hat das Unternehmen aber auch ein vielseitiges Portefolio von Kunden aus regulären Geschäftsbereichen zu verzeichnen, z.b. Photoausrüstungen, Pferdezucht, Ställe, Gartenbau, etc. und eine Reihe von Videoshops, Internet Service Providern, Content-Anbietern und Hosting-Firmen aus dem regulären wie aus dem pornographischen Geschäftsbereich. Ein Großteil der Kundschaft kommt aus den USA, „Netbilling“ betreut aber auch Kunden in England, Australien, Italien und Japan.
“Sultans of Smut – Cyperporn targets the Mainstream”, MSNBC.com, 09.08.2000, von Mike Brunker
http://www.msnbc.com/news/438846.asp?cp1=1
AVN-Online, “Netbilling Inc.: Smoothing the Way for E-Commerce” 12-1-2000
“Wired News Warns Consumers About iBill” 09.03. 2006
Alterbestätigungssysteme – Age Verification Systems
Die Struktur des Segments der Alterbestätigungsprogramme (Age Verification Services/AVS) reflektiert die der gesamten Branche. Es gibt um die 10 maßgebliche Unternehmen, wie AdultCheck, in diesem Sektor, die zwischen 60% bis 80% der über AVS betriebenen Webseiten abdecken. Die Gebühren für den Enduser variieren zwischen $20 vierteljährig bis $25 pro Monat. In der Regel wird ein einfacher und ein Premium-Zugang angeboten. Diese Einnahmen werden zwischen den AVS-Operateuren, den beteiligten Webseiten-Betreibern und dem jeweiligen Inkasso-Unternehmen geteilt. Das Geschäftsmodell der Alterbestätigungssysteme betrifft vor allem Webmaster, die eine Mehrzahl von kleinen, selten aufgefrischten Webseiten ins Netz stellen, um Traffic zu generieren. Bei diesem Modell werden die Kreditkarteninformationen von einer Drittfirma, die das Alterbestätigungssystem betreibt, abgefragt. Dieses System beruht auf der Annahme, das Kinder keinen Zugang zu Kreditkarten haben. Die Webmaster stellen ihr unzensiertes pornographisches Material in einen passwortgeschützten Bereich ein und verweisen in ihren Startseiten auf dieses Angebot. Die interessierten User werden aufgefordert nachzuweisen, das sie volljährig sind und erhalten dann ein Passwort und einen User-Namen von der Firma die das Alterbestätigungssystem betreibt. Der Webmaster seinerseits erhält für jeden User, der sich über seine Webseiten in das Kontaktformular einträgt, einen bestimmten Betrag.
Eines der größten Unternehmen der us-amerikanischen Online-Pornographie ist „Cybernet Ventures” mit Sitz in Kalifornien, die das Alterbestätigungssystem „Adult Check“ betreibt. Mehr als 4 Millionen Kunden zahlen dreimonatlich eine Summe von 20$ und bekommen im Gegenzug ein Passwort und einen Usernamen, der ihnen den Zugang zu mehr als 400.000 pornographischer Webseiten verschafft. Der jährliche Umsatz von „Cybernet Ventures” soll 2002 bei 320 Millionen Dollar gelegen haben. Im Bereich der Alterbestätigungssysteme ist diese Firma Marktführer. „Adult Check“ ist eines von vier führenden Zugangssystemen für pornographische Webseiten, die seit dem „Communications Decency Act“ von 1996, welches die Angabe von Kreditkarteninformationen für User pornographischer Webseiten zum Schutze von Minderjährigen vorschrieb, enorm an Bedeutung gewonnen haben. Weitere Firmen in diesem Segment sind “CyberAge“ und „NetVerifier”. Die kalifornische Firma “CyberAge“ wurde von drei ehemaligen Mitarbeitern von „Adult Check“ gegründet und gewährt inzwischen Zugang zu ca. 250.000 Webseiten. „NetVerifier” (Elite Erotic Portal) ist ein unabhängiges Wiederverkaufsprogramm, welches bereits seit 1995 online ist. Der primäre Service besteht in einem Alterbestätigungsprogramm, inklusive Passwortvergabe, für den das Unternehmen ihren Partnern eine Kommission in Rechnung stellt. Das Unternehmen, dessen Büros in Tampa liegt, beschäftigte 2003 24 Mitarbeiter und listete über 240.000 Seiten. Für eine Gebühr von $29,95 haben User für den Zeitraum von 2 Jahren Zugang zu dem kompletten Netzwerk. Desweiteren betreibt das Unternehmen separat „GayVerifier“ und „LadyVerifier“. 2002 sollen über 60.000 Unternehmen den Service von „NetVerifier” in Anspruch genommen haben.
Quelle: AVN-Online, „A Webmaster Roundtable, Part One“ 7-1-2001
Dialer
Eine weitere Methode, Mitgliedsbeiträge einzufordern, sind Dialer. Dies sind Einwahlprogramme, die sich auf dem Computer der Internet-Nutzer installieren und Internetverbindungen automatisch über eine andere als die eingestellte Standardverbindung herstellen. Der Kunde lädt die Dialer-Anwendung von einer Webseite herunter und füllt die Kontaktdaten aus. Das Programm schaltet den Verbraucher vom Internet ab und baut eine separate, kostenpflichtige Verbindung über eine Telefongesellschaft zu der Webseite auf. Die Kostenabrechnung erfolgt über die Telefonrechnung des Kunden. Ursprünglich waren sie als einfache und anonyme Zahlungsmethode im Internet gedacht, die vor allem vom Sexbusiness genutzt wurde. Diese Programme waren vor allem in Europa verbreitet, wo die Weitergabe von Kreditkarteninformationen nicht so akzeptiert wurde wie in den USA. In den Vereinigten Staaten haben sich diese Programme nie in dem Maße durchsetzen können und sind inzwischen auch dort wegen ihres Missbrauchspotentials zunehmend in Verruf geraten. Die zuständigen US-Behörden erschwerten ihrerseits den Einsatz von Dialern als Bezahlalternative zur Kreditkarte mit der Begründung vermeintlichen oder realen Missbrauches, so dass Unternehmen der Online-pornographie erst seit den letzten Jahren verstärkt auf alternative Abrechnungsverfahren zurückgreifen konnten um der Monopolstellung von Visa und MasterCard auszuweichen.
Im Oktober 2000 beendete die Federal Trade Commission (FTC) alle us-amerikanische Unternehmungen der “Verity International, Ltd”, einer kleinen Dialer-Firma. Die beiden britischen Besitzer Robert Green und Marilyn Shein wurden beschuldigt mehr als 110.000 US-Amerikanern betrogen zu haben, indem sie ihnen über einen Dialer $3,99 pro Minute für den Besuch pornographischer Webseiten abrechneten, die Kunden aber von weitaus niedrigeren Preisen ausgingen. Die Dialer-Firma stand in direkter Verbindung mit „RJB Telcom“, eines der größten Unternehmen der Online-Pornographie. Die Gebrüder Robert J. und Richard D. Botto, Besitzer von „RJB Telcom“ wurden in diesem Zusammenhang angeklagt. Auf den RJB-Webseiten wurden die potentiellen Kunden zuerst auf eine Formularseite weitergeleitet, die die traditionellen Bezahlmethoden via Kreditkarte anbot. Bei Usern, die sich nicht auf eine Mitgliedschaft einließen, klappte eine Konsole mit der Dialer-Anwendung auf. Zuerst betrieben RJBT ihr eigenes Dialerprogramm über AT&T, die diesen Service aber beendete. Daraufhin wendete sich RJBT an die Firma „Verity International“, die den Dialer-Service betrieb bis seitens des FTC Anklage erhoben wurde. Beide Firmen wurden angeklagt, das sie es unterlassen hatten Minderjährigen den Zugang zu ihren Webseiten zu versperren und das es Usern schwer bis unmöglich gemacht wurde den Dialer-Service zu beenden. In dem Zeitraum dieses Jahres war die Chargeback-Rate so hoch, dass sich Visa Ende Juli 2000 entschloss RBJ Telcom aus dem us-amerikanischen Kreditkartengeschäft auszusperren. MasterCard seinerseits sperrte die Geschäftskonten im August gleichen Jahres wegen einer Rückzahlungsquote die bei über 14% lag. Im Oktober wurden dann per Gerichtsbeschluss die Vermögenswerte von RBJ Telcom eingefroren. Die Botto-Brüder wiesen die Vorwürfe der Anklage von sich und behaupteten, das Sicherheitslücken in ihrem System es einzelnen Webmastern aus den Partnerprogrammen möglich gemacht hätten, derartige kriminelle Verfahrensweisen unbemerkt zu implementieren. RBJT einigte sich im August 2001 mit dem FTC ohne dabei irgendeine Schuld einzugestehen. Die Auflagen denen sich RBJT unterwerfen musste, beinhalteten u.a. das Zugeständnis keine Dialer mehr zu benutzen, keine Gelder von Konsumenten ohne die notwendige Authorisation einzuziehen und neue Sicherheitstechniken zur Vorbeugung gegen eventuellen Missbrauch zu installieren. Außerdem stimmte sie einer dreijährigen Überwachung ihrer Geschäftsbetriebe durch die FTC zu und hinterlegten eine Kaution von 250.000 Dollar, die im Falle einer Verletzung der Auflagen einbehalten werden sollte.
Partnerprogramme (Affiliates)
Oktober 17, 2008
Partnerprogramme (Affiliates)
Affiliate- oder Partnerprogramme sind Provisionssysteme für das Bewerben von bestimmten Produkten oder Dienstleistungen. Ein Webmaster einer gut frequentierten Internetseite vermittelt von seiner Seite Kunden weiter und erhält dafür eine Provision. Eine weitere weit verbreitete Möglichkeit ist der Design von sogenannten „free“-sites um dann den Traffic zu einem der verschiedenen Pay-Sides weiterzuleiten. Als eines der größten und populärsten Affiliate-Programme für Adult-Webmaster galten die von „Innovative Ideas International, Ltd“ betriebenen “Adult Revenue Services”. Nach “Forrester Research” wurden 1999 13% des e-commerce über Affiliate-Programme generiert, 2003 bereits 21%. Diese Partnerprogramme sind eine wichtige Einkommensquellen für die kostenpflichtigen Mitgliederseiten und eine sehr effektive Methode Traffic auf die dementsprechenden Seiten zu lenken und zu erhöhen. Dieses Geschäftsmodell ist allgemeingültig, ob es sich um die einzelne Homepage eines Webmasters handelt oder um ein Unternehmen mit tausenden von Domains. In der Regel leiten die kleineren Portalseiten potentielle Kunden zu den kostenpflichtigen Mitgliederseiten der großen Unternehmen weiter, diese wiederum zahlen prozentuale Gewinnbeteiligungen an den Einnahmen, die aus diesen weitergeleiteten Traffic resultieren. Dieses Verfahren wurde erstmals von führenden Betreibern pornographischer Seiten eingeführt.
Um unter Beweis zu stellen das ihre Webseite gut besucht wird, gingen viele Webmaster dazu über Besucherzähler auf ihrer Startseite zu platzieren. Da diese aber leicht zu manipulieren waren und man dem Kunden objektive Zahlen präsentieren wollte, verlagerte sich dieser Bereich zu Drittfirmen, deren Zähler dann die Daten zur deren Webseite sendeten, dort auswerteten und die Ergebnisse dann wieder im Zähler der Ausgangseite präsentierten. Das erste daraus resultierende Geschäftsmodell bot „Cybererotica“ im Jahr 1996 mit dem „XXX Counter“ (inzwischen im Besitz der Firma „SexTracker“) an, wo Webmaster die Anzahl der Besuche und Mitgliedereinschreibungen darstellen konnten und gleichzeitig eine Analyse ihres Traffic bekamen. Um diesen Service in Anspruch nehmen zu können, zahlten die Adult-Webmaster ihrerseits mit Traffic, indem sie den Icon „The World’s Top Sex Sites“, eine Linkhitliste von Cybererotica, auf ihrer Startseite platzierten. Dieses Geschäftsmodell war einer der Vorläufer der späteren Partnerprogramme. Als nächstes entwickelte Cybererotica „Fast Cash Count„, welches neben den Zählerstatistiken den beteiligten Webmastern einen Prozentsatz an Mitgliedsbeiträgen zahlte, wenn der User über die betreffende Webseite den CashCount-Ikon anklickte und sich danach einschrieb. Auch wenn es zu keinem neuen Vertragsabschluss kam, zahlte Cybererotica für jeden Click auf den Ikon einen Betrag zwischen 0,05 bis 0,10$ und bot damit eines der ersten Pay-per-Clickthrough-Programme im Internet an. Dieses Modell erwies sich allerdings als anfällig für Manipulationen: bereits mit dem ersten Pay-per-Click-System tauchten sogenannte „clickbots“ auf, einfache Programme die den Task des Bannerclicks automatisierten und vervielfältigten. Die Partnerprogramme gingen daraufhin dazu über nur für Clicks zu zahlen, die jeweils von einer einmaligen IP (Internet Protokoll)-Adresse kamen. Click-throughs die über Clickbots maximiert wurden, wiesen demgegenüber nämlich immer die gleiche IP-Adresse auf. Als nächstes tauchten dann Systeme auf, die in der Lage waren zu dem Server des Partnerprogramms gefakte IP-Adressen zu senden. Da der Kontrollaufwand bei diesem Geschäftsmodell sehr aufwendig ist, verzichten inzwischen viele kommerzielle Pornoseiten, die Partnerprogramme anbieten, auf diese Bezahlmethode.
Zu einem nachgefragten Service und wichtigen Marketing-Instrument hat sich die Analyse des Traffics und des Surfverhaltens entwickelt. Mittels speziell entwickelter Software ist eine Analyse der Server Log Files möglich geworden. Server Log Files können einem Webmaster Informationen über das Surfverhalten des Users liefern: von welcher Webseite er gekommen ist, welchen Browser er benutzt, seine IP-Adresse, welche Seiten besucht worden sind und wie viel Zeit er auf den einzelnen Seiten verbracht hat. Log-file-Analyse-Software vereinfacht und automatisiert den Prozess der Informationsauswertung und macht es Webseitenbetreibern und potentiellen Werbekunden möglich nachzuvollziehen von welchen Webseiten Traffic generiert wird und wie der Surfer auf Werbeaktionen und den Aufbau der Webseite reagiert.
Die Vertragsbedingungen zwischen Partnerprogramm und einzelnen Webmastern, die in den sogenannten „Terms&Conditions“ festgelegt werden, sind in der Regel darauf angelegt den Anbieter juristisch abzusichern und Geschäftsbedingungen zu schaffen die einen hohen Traffic und Kundenzufriedenheit gewährleisten. Im Allgemeinen wird es den Partnerseiten verboten insbesonderen Kinderpornographie und anderes Material, welches illegal ist oder gegen die Copyrightbestimmungen verstößt, zu veröffentlichen. Desweiteren führt die Praxis von Spam-e-mails, und die Veröffentlichung von illegalen Passwörtern, MP3s und gecrackter Software in der Regel zum sofortigen Vertragsabbruch. Eine steigende Anzahl von Anbietern lässt inzwischen keine Partnerseiten aus Ländern des osteuropäischen Raumes wie Rumänien, Bulgarien und Russland mehr zu, da die Missbrauchsrate dort zu hoch ist, desgleichen betrifft Webseiten deren Betreiber aus Ländern stammen in denen Pornographie mit hohen Strafen belegt und bis hin zur Todesstrafe verfolgt wird, wie z.b. in Pakistan und Singapur. Diese „Terms&Conditions“ wurden spätestens ab Januar 2001 ernstgenommen, als AOL erfolgreich gegen die Firma Cyber Entertainment Network prozessierte, da über einige der Partnerseiten von CEN AOL-Mitglieder vom massiven Spamming betroffen waren. Das Gericht stimmte der Position von AOL zu, das ein Unterbinden, bzw. Verhindern solcher Vorgehensweisen in der Verantwortlichkeit von Cyber Entertainment Network gelegen hätte.
Einzelne Anbieter von Partnerprogrammen
Alle Majors der Onlinepornographie bieten Affiliate-Programme an, wie Cyber Entertainment Network (CEN) mit „ TrafficCash“ und ca. 35.000 beteiligten Adult-Webmastern(2001) und RJB Telecom mit “MaxCash“. „Kara’s Adult Playground”, mit dem Affiliate-Programm “MaxCash” ist eine Megaseite, die Zugang zu einer Vielzahl von Hardcore-Seiten mit mehreren hunderttausend Photos und Online-Videos offeriert. Nach Firmenangaben sollen seit 1996 ca. 250.000 Webmaster an dem Partnerprogramm beteiligt gewesen sein. Es gibt aber auch eine Reihe von Unternehmen die sich ausschließlich auf dieses Segment konzentriert haben. Viele dieser Partnerprogramme bieten inzwischen das gesamte Spektrum möglicher Serviceleistungen für den einzelnen Webmaster an. Neben den bereits aufgezählten Leistungen gehören dazu das Angebot pornographischer Inhalte wie Bildergalerien, Videos, interaktiver Content sowie das komplette Weblayout, bis hin zu den Bezahlvorgängen, die entweder über ein eigenes e-commerce-System oder über unter Vertrag stehende IPSP`s abgewickelt werden.
“SPACash” ist aus dem “LiveInteractive.net” des aus Uruguay stammenden Pel Martin Caetano hervorgegangen, der zum Zeitpunkt der Unternehmungsgründung noch nicht – oder gerade volljährig war. “LiveInteractive“ bestand aus zwei Partnerprogrammen die ausschließlich im europäischen Raum populär waren. Im August 2003 wurde „SPONSORadulto.com“ gegründet, welches bereits im Oktober gleichen Jahres die Hälfte des spanischen Marktes vereinnahmt hatte und über eine Crew von 20 Mitarbeitern verfügte. Im Anschluss und mit einer Geschäftspartnerschaft mit dem Franzosen Antoine Moreau folgte „SPONSORIX.com“, welches sich bereits 2004 zu einem der populärsten Partnerprogramme im französischen Online-Pornobusiness entwickelt hatte. „LiveInteractive“ hatte mit diesen beiden Programmen ca. 20.000 angeschlossene Webmaster. Das nachfolgende „SPACash“, mit einem Fokus auf den us-amerikanischen Markt, ist von vornerein auf ein globales Marketing ausgerichtet und bietet den Content in 10 verschiedenen Sprachen zur Auswahl an. Das Unternehmen verfügte in der Startphase über ein Netzwerk von 30 Webseiten und beschäftigte 125 Angestellte, die in zwei Schichten arbeiteten. Der Webanalyst “Alexa” gab 2007 das britische Unternehmen “Global Business P. Partnership“ als Betreiber an.
“MeatCash”, mit der Muttergesellschaft “MNP Enterprises” steht als Partnerprogramm und Content-Produzent für eine Produktlinie, die unter dem Begriff “Rough Sex“ zusammengefasst wird. Dies geht von der Darstellung von „harten“, bisweilen schmerzvollen Sex , zu dementsprechenden Hardcore-BDSM, bis zu speziellen Angeboten wie Bukkake. Die Darstellerinnen werden in zwei ausführlichen Interviews abgefragt und vorbereitet und wissen worauf sie sich einlassen. Jede der Frauen setzt ein Limit, wieweit sie in den Szenen zu gehen bereit ist und bringt in der Regel ein gewisses Maß an schauspielerischen Potential mit ein, was dann im Endresultat als eine dramatische Narration vom User abgerufen werden kann. Der Begriff „Rough Sex“ wurde Ende der 90er vom Filmstudio „Anabolic” geprägt. Eine der Regisseurinnen dieses Studios gestaltete Webseiten wie “MidnightProwl.” und “Meatholes.com” mit, die 2003 mit der Gründung von „MeatCash“ ihren Start up hatten. Mit dem wachsenden Erfolg dieser Seiten folgten weitere Seiten wie: „CockBrutality“ und “Ass2MouthSluts”, bis die Zahl der Webseiten dieses speziellen Spektrums Ende 2005 bei über 30 lag – mit steigender Tendenz. Die Programme „StoneyCash”, “VouyerCash” und “RectalRevenue” schlossen sich “MeatCash” an, welches aufgrund einer Initiative der Muttergesellschaft MNP inzwischen die Onlinepräsenz für bekannte Regisseure stellt, die bei Studios wie „Red Light District“, „Platinum X Pictures“ und „Anarchy“ produzieren.
„SmashBucks” ein Partnerprogramm und Hosting-Service für Adult-Seiten wird von Mike Hawk, einem ehemaligen Nachtclubbesitzer und seinem Partner T. Spikes betrieben. Beide begannen ihre Karriere als Internet-Unternehmer eher zufällig mit dem Start up von „CandyFilms.com“ mit dem sie den Musikclip “Porno Star” der Musikgruppe von Spikes vermarkten wollten. Der Online-Video generierte wohl hauptsächlich wegen dem Titel soviel Traffic, das die beiden entschlossen ernsthaft in das Geschäft mit der Online-Pornographie einzusteigen. Sie sicherten sich die Rechte an den Filmen von Mike Paulson, der u.a. mit Ginger Lynn und John Holmes gedreht hatte, gründeten „PornStarClassics.com“ und vermarkteten als eine der ersten alte Pornofilme aus den 70er und 80ern im Internet. Einige Jahre später wurde „SmashBucks“ zusammen mit einem Netzwerk verschiedener Webseiten gegründet. Mit einer Reihe werbewirksamer Marketingmaßnahmen, wie teilweise kostenfreier Content und Hosting, sowie günstigen Gewinnbeteiligungen entwickelte sich „SmashBucks“ zu einem erfolgreichen Unternehmen in dem Segment dieser Branche.
2002 gegründet als ein Partnerprogramm für Paysites, bietet „Epic Cash“ (www.epiccash.com) des Gründers Trey Hickey inzwischen die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten des Geldverdienens für Adult-Webmaster an. EpicCash verfügt über ein Netzwerk von 44 kostenpflichtigen Seiten und zahlte seinen Affiliates $30 Dollar pro Neueinschreibung. Dazu gehören seperate Programme wie „Epic DVDs“ und „URentDVDs.com“ zum Verkauf, bzw. Verleih von DVD`s, die Vermarktung von Aphrodisica und anderen Zusatzstoffen mit dem „Herbal Gains“-Programm, die „Epic Mail Free Sites“, Click-Through- und Build-your-own-Tour-Programme und die Dialer und Zähler-Programme „Epic Dialer“ und „Epic Tracker“. Mit „Blue Frog Mobile“ hat EpicCash verschiedene Bezahl-Modelle entwickelt um auf den Mobile-Markt zu expandieren.
SilverCash, das Programm der kalifornischen Price Communications Inc. ,wurde 1999 von Mike Price gegründet, der bereits seit 1994 ein erfolgreicher Unternehmer im pornographischen Business ist. SilverCash weist einen hohen Traffic auf und betreibt ein Netz von ca. 90 Hardcore-Seiten mit über 30.000 Affiliates zu dem Webseiten wie galleryhost.com, sologirls.com, manhunter.com und videoseekers.co gehören.
Der Mobile Markt
Die neue Handytechnologie mit visuellem Display und Videofunktion hat die Möglichkeit für Erotik- und Pornoangebote auf dem Handy geschaffen und das Mobile-Sex-Segment für die Adultbranche eröffnet, die dabei ist ihren Online-Markt auf den Mobilsektor auszudehnen und miteinander zu verknüpfen. Die Möglichkeit den Besuch von Pornowebseiten über eine „Premium-Text-Nachricht“ via SMS per Handy abzurechnen, gibt dem Kunden das Gefühl anonym zu bleiben und könnte Dialer in naher Zukunft ersetzen. Eines der größten Unterschiede zwischen dem Internet und der Mobile-Technologie ist , das Mobile-Konsumenten keinen Zugang zu freiem Content haben, wie dies im Internet der Fall ist. Inhalte die heruntergeladen werden, bewegen sich zumindestens im Preissegment der Kosten für eine SMS oder eines Telefongespräches. Ein weiterer Unterschied liegt darin, das für Content-Anbieter eine weitaus größere Zahlungssicherheit besteht, da Mobiltelefonnutzer bereits als zahlende Kunden registriert sind und der Aufwand eigener Abrechnungssysteme entfällt, da entstehende Kosten über die monatliche Telefonrechnung abgerechnet werden.
Beim Mobile Payment wird per Handy die Zahlung durch den Handybesitzer autorisiert und der Betrag eingezogen. Die Abrechnung erfolgt entweder direkt durch den Mobilfunkbetreiber über die monatliche Handy-Telefonrechnung oder durch einen Inkassodienstleister. Hier gibt es welche, bei denen sich der Endkunde registriert und sein bevorzugtes Abrechnungsverfahren (Kreditkarte, Lastschrift) hinterlegt. Fällige Beträge werden dann über das hinterlegte Abrechnungsverfahren eingezogen. Bei einer Premium-SMS wird per Handy oder Festnetz eine SMS Nachricht an eine fünfstellige, so genannte Short Nummer verschickt. Dabei spielt es keine Rolle, bei welchem Mobilfunkanbieter der Endkunde sein Vertrag abgeschlossen hat. Durch die Integration einer Mitteilung innerhalb der SMS-Nachricht können verschiedenen Anbieter und Angebote über die gleiche Short Nummer verarbeitet werden bzw. individuelle Angebote abgerechnet werden. Es ist keine separate Registrierung des Endkunden notwendig, noch müssen Kreditkarten oder Bankverbindungen in irgendeiner Form hinterlegt werden. Die Abrechnung erfolgt über die Mobilfunkbetreiber. Bis jetzt wurden die Premium-SMS überwiegend für die Bezahlung von Klingeltönen und für SMS-Chats verwendet. Die Bezahlung von pornographischen Content, wie auch die Möglichkeit einer Alternative zu den klassischen Bezahlverfahren bietet sich an. Der Endkunde könnte per SMS-Nachricht ein Passwort für einen kostenpflichtigen Bereich anfordern. In einer Antwort-SMS wird das Passwort übermittelt und der Endkunde kann den Mitgliederbereich betreten und per SMS Content bestellen, der entweder an das Handy oder an die zu diesem Zweck mitüberlieferte e-mail-Adresse übermittelt wird. In der Regel können bei den einzelnen Mobilfunkanbietern Beträge zwischen € 0,19 und € 3,- abgerechnet werden. Größere Beträge sind nicht möglich und könnten nur durch das Versenden von mehreren SMS-Nachrichten realisiert werden.
Bis jetzt sind die Bezahlverfahren via Handy überwiegend auf das Segment des Micropayments ausgerichtet und erfordern damit innovative Lösungen und eine leistungsfähige Software, die die Funktionsweisen von Handytechnologie und Computer, bzw. Internet in Bezug auf das Mobile Payment deckungsgleich und komplikationslos miteinander verbindet. Denkbar wäre auch – unter der Voraussetzung der Implementierung neuer Sicherheitsstandards, die Missbrauch und Betrug weitgehend ausschließen – eine Öffnung des Mobile Payments hin zu Transaktionsvolumen wie sie im regulären e-commerce üblich sind. Dies würde allerdings eine weitgehende Geschäftskooperation, bzw. Zusammenschluss zwischen großen Telekommunikations- und Finanzdienstleistern voraussetzen.
Eine weitere interessante Methode der Bezahlung mittels Mobiltelefons wird in Japan praktiziert. Dort können Mobile-User bei Transitstellen und anderen Gebühren, die sich im Segment des Mikro-Payments bewegen, ihr Telefon konkret als Zahlungsmittel verwenden indem sie es ein paar Zentimeter vor einem Zahlungsterminal halten. Das Terminal schickt eine Anfrage an einen dafür ausgerichteten Chip im Handy, der dann eine Seriennummer und ein individuelles Kryptogramm zurücksendet. Diese Daten werden vom Terminal an die beauftragte Bank gesendet, die wiederum bei der Bank des Users eine Identifikationsbestätigung und eine Genehmigung der Abbuchung einholt. Dieses Methode kann auf ein Kreditkartenkonto oder ein anderes Bezahlformat des Users eingestellt werden. In den USA gibt es ein ähnliches kontaktloses Zahlungssystem, welches allerdings auf einem Radio Frequency ID -Chip(RFID) beruht, den Exxon Mobil SpeedPass, der ein komplikationslose und schnelle Bezahlung an den Tankstellen ermöglicht.
Laut einer Studie von Maryam Kamvar und Shumeet Baluja, zwei Informatik-Professoren, die über eine Million Suchanfragen für Internetseiten von Mobiltelefonen und PDA`s im Jahr 2005 analysierten, sind pornographische Seiten bei Mobiltelefonnutzern populär und machen ca. 20% aller Suchanfragen aus. Die Besuche von Adult-Seiten über den Personalcomputer sind im Gegensatz zu 1997 im statistischen Wert gesunken. Obwohl diese Angebote über Mobiltelefone alle kostenpflichtig sind und die Qualität des visuellen Angebots auf den kleinen Bildschirmen fragwürdig ist – während über den regulären PC Zugang zu kostenloser und visuell optimierter Internetpornographie besteht – rechnet sich die Sexindustrie hohe Gewinnmargen aus, was das Potential des Mobile Payment betrifft, aber auch der direkten Vermarktung pornographischer Inhalte. Gerade bei Jugendlichen, die eine der großen Nutzergruppen des Mobiltelefons darstellen, steht der Konsum von Erotik-Content einer weitaus geringeren sozialen Kontrolle als beim heimischen PC gegenüber. Aber vor allem stellt der SMS-Markt, der problemlos über das Mikropayment abgerechnet werden kann, einen lukrativen Markt dar. Die weltweite “GSM Association”, die mehr als 450 Wireless-Netzwerk-Operateure vertritt, schätzte die Anzahl der bereits im August 2000 versendeten SMS-Nachrichten auf ca. 9 Billionen und ging von einem Wachstumspotential aus, das sich in einer halbjährigen Verdopplung dieser Summe zeigen würde. SMS hat sich durch die Werbung als wichtiges Lifestyleelement bei Jugendlichen durchgesetzt und wird oft für private Kommunikation in öffentlichen Räumen genutzt und hat bei vielen Dating-Services bereits den telefonischen Kontakt ersetzt.
“Mobile phone users love their pornography”, 4/17/2006 , Nat Anderson
http://arstechnica.com/news.ars/post/20060417-6610.html
„Adult-Webmaster“ – Geschäftsmodell für Kleinunternehmer ?
Oktober 17, 2008
In den USA soll es 2002 ca. 100 000 Paysites mit Adult-Content gegeben haben. Global deren 400 000. Was den amerikanischen Markt betrifft, sollen ca. 1000 „echte“ Unternehmen und 9000 weitere Firmen, deren Status nicht näher definiert ist, ihren Umsatz aus diesem Bereich erzielen. Das Geschäft ist zwar fest in der Hand von wenigen großen Companys aber auch Amateuren und Semi-professionellen bietet das Internet eine Möglichkeit mit Gewinnen, die theoretisch in der Spanne von einigen tausend bis Millionen Dollar im Jahr liegen. Ein Homecomputer, digitale Photo- und Filmkamera und Produktionssoftware, die auch auf Amateurlevel angeboten werden, ermöglichen das Erstellen einer solchen Webseite. Weitergehend gibt es Firmen die bereits für $200 einen Grundstock an pornographischen Inhalten liefern um einem Webprojekt die Startphase zu ermöglichen, so dass neben den Produktionen der regulären milliardenschweren Sexindustrie, gleichzeitig eine Vielzahl sogenannter „Mom and Pop-Productions“ existieren. Die Hoffnung auf das „schnelle Geld“ erweist sich bei vielen dieser Kleinunternehmer allerdings als Illusion. Nach einer Untersuchung von YNOT (Juni 2000) sollen die Hälfte aller us-amerikanischen Adult-Webseiten weniger als 20.000$ Umsatz im Jahr gemacht haben.
Der Einstieg in das Internet-Porno-Geschäft scheint einfach. Jeder kann eine einfache pornographische Seite für unter 1000 Euro oder Dollar betreiben indem er bei den dementsprechenden Anbietern eine CD-Room mit pornographischen Photos kauft und die Seite dann ins Netz stellt- was dazu führte, dass ein Großteil dieser Webmaster den gleichen oder zumindestens austauschbaren Content gleicher Qualität benutzte. Laut „YnotMaster.Com“ liegen diese Kosten mindestens bei ca. 200$ für Photo-CDs mit einigen hundert Bildern und 800$ für lizenzierte Videoclips monatlich oder 400$ wöchentlich für exclusiven Videostream, plus der Kosten für die zusätzliche Bandbreite. Bestimmte Firmen bieten bereits fertige Webseiten zum Verkauf an. Eine einfache Webseite mit Photos und Bannern kostete ca $3500, für knapp $5000 wurde eine Webseite inklusive Video-Streaming angeboten. Eine Seite mit einem kompletten e-commerce-Service, also mit zugehöriger Software für die Zahlungsabwicklung via Internet und weiterführenden interaktiven Diensten, lag allerdings bereits in der Preisklasse von knapp $35 000 (Anbieter: „Tiarra Corporation“) Bei der Produktion qualitativ hochwertiger Adultseiten, sogenannten „premium products“ sieht das Kostenverhältnis schon völlig anders aus. Das aufgewendete Kapital einiger Betreiber von amerikanischen Webseiten mit einem derartigen Anspruch bewegte sich zwischen 50 000 – 290 000$. Die größten Kosten entstehen dabei, neben dem Kauf der notwendigen Bandbreite, durch die Produktion von eigenem Orginalmaterial. Ein Photoshooting mit einem Pornostar kostet bis zu 500$ pro Tag. Die Kosten einer Filmproduktion können schnell über 10 000$ anwachsen. Das gesamte technische Equipment und die Filmcrew muss angemietet werden, dazu die Kosten für die Agentur, die für die Darsteller sorgt und die Gagen für die Akteure. Die Installation eines Live-Video-Systems – einer Mehrzahl von Web-Cams, die Anmietung dementsprechender Räume, die Gagen der Darsteller und die notwendige Software für den e-commerce und die interaktiven Funktionen können ein Startkapital von bis zu 60 000$ nötig machen. So sind die wirklichen Verdiener im Adult-Internet-Business in der Regel diejenigen, die bereits Verbindungen zur Sex-Industrie haben, bzw. innerhalb dieses Gewerbes auf das Internet umgestiegen sind, beispielsweise Print-Magazine mit eigenen Portefolios, Filmproduktionen mit einem Grundstock an Pornomodellen oder Telefonsex-Anbieter die auf die dementsprechende Logistik und Personal zurückgreifen können.
„Porn and Politics in a Digital Age“, Nicholas Confessore www.salon.com
In den 80er und 90ern war der Start-up einer kostenpflichtigen Porno-Webseite hauptsächlich eine Frage der Quantität des angebotenen Materials. Ein Webmaster konnte einen Satz von einigen tausend Bildern von einem Händler leasen oder kaufen und auf seiner Webseite mit Video-Clips kombinieren. Viele der „Teens” oder “Asians“-Seiten funktionierten nach diesem Muster und die größten Affiliate programme bauten auf diesem Typus von kostenpflichtiger Webseite auf. Seiten wie CyberErotica.com dominierten lange Zeit diese Branche. Inzwischen hat aber die quantitative Vermarktung viel an Effektivität verloren. Seitdem neben den schon lange bestehenden „Newsgroups“, peer-to-peer-Netzwerke wie „Kazaa“ dazu übergegangen sind Pornovideoclips und Bilder en masse frei anzubieten, verlieren Webmaster, die keinen eigenes, qualitativ hochwertiges Material anbieten können, zunehmend ihre Kundschaft. Webmaster von konventionellen pornographischen Seiten im unteren Einkommenssegment werden somit zunehmend auf die Affiliate-Netzwerke der Majors angewiesen sein, um ihr finanzielles Auskommen zu sichern. Eine Perspektive stellen die sogenannten Nischensegmente dar ( Amateur, Gothic, BDSM, „Rough Sex“, etc.), wo einerseits nur das Verlangen des Konsumenten an „Außergewöhnlichen“ und „Authentischen“ befriedigt wird, sich aber auch emanzipatorische Tendenzen der Swinger- und BDSM- und anderer Communities auf den pornographischen Markt ausgewirkt haben. In diesem Bereich ist eine zunehmende Tendenz zum Networking zu beobachten, während andererseits Produzenten herkömmlicher Mainstream-Pornographie dazu übergegangen sind Nischen zu covern indem sie die Modelle dem entsprechenden Dresscode gemäß einkleiden und das Interieur darauf abstimmen, das alte Produktions-Formula aber beibehalten.
Viele Webmaster bieten Ersteinsteigern einen begrenzten freien, oder günstigeren Zugang zu ihren Seiten, bei Angabe der Kontaktinformationen und der Kreditkartennummer – in der Regel auf 3 oder 7 Tage begrenzt. Wenn der Kunde dann aber nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit seine Testmitgliedschaft annulliert, wird der volle Mitgliedsbeitrag für einen Monat fällig (ca. 30$). Diese Geschäftspraxis der fortlaufenden, zahlungspflichtigen Mitgliedschaft stellt eine der Haupteinnahmequellen dieser Industrie und funktioniert faktisch genauso wie der Kundenfang mit kostenlosen, bzw. günstigeren Probeabonnements von Zeitungen, mit dem kleinen aber wichtigen Unterschied, dass bei der Zahlungspraxis via Web über Kreditkartennummer, die Kreditkartenunternehmen durch ihre Gebühren im nicht unerheblichen Maße an diesem Geschäft mitverdienen. Neben der Zugangsmöglichkeit über einen „Member-Bereich“, den man durch Bezahlung eines monatlichen Mitgliederbeitrages (Abbuchung über Kreditkarte) und Passwort online besuchen kann, setzt sich zunehmend das „Pay-per-View-Verfahren durch, wo der User ohne weitere Verpflichtungen nur für ein Produkt seines Interesses zahlt. Dies kann ein Videostream sein, zeitlich gestaffelte Ausschnitte einer DVD, eine Webcam incl. Chat oder eine exclusive Photoserie.
Der Besitzer von Cybererotica schätzte im Jahr 2001, das ca 20% des Traffics aller kostenpflichtigen Webseiten von unauthorisierten, nichtzahlenden Surfers kam, die gestohlene Passwörter verwendeten. Es gibt eine Anzahl sogenannter „Passwort-Seiten“ die Usernamen und Passwörter, die entweder gehackt oder aber von jemanden weitergegeben wurden der sich regulär zahlend Zugang verschafft hat, veröffentlichen. Dieses Problem, das fast ausschließlich nur pornographische Webseiten betrifft, kann ein kleineres Webseitenprojekt in den Konkurs treiben, da neben dem Verlust von Mitgliedsbeiträgen, bei exzessiven Surfen erhöhte Kosten für die zur Verfügung gestellte Bandbreite entstehen, die nicht amortisiert werden. Reagiert wurde mit der Entwicklung von Software, die den Zugang über gestohlene Passwörter einschränken. Diese Programme überwachen die einkommenden IP-Adressen und blockieren den betreffenden Account wenn sich über den gleichen Usernamen und Passwort verschiedene IP-Adressen anmelden wollen.
Bei der hohen Anzahl von Porno-Webseiten können deren Betreiber nicht mehr automatisch davon ausgehen, dass ihre Seiten gut besucht werden. Sie sind also auf Werbung angewiesen, die ihnen eine hohe Anzahl von Besuchern, auch „traffic“ genannt, sichert. Diese Paysites haben Geschäftsmodelle entwickelt in welchen sie Betreibern von Homepages und anderer Webseiten für die „Clicks“ (Mausclicks auf ihre Bannerwerbung), die dann direkt auf ihre Seite führen, bezahlen. Für viele Seiten deren Betreiber nicht ausreichend Kapital für eigenen Content und e-commerce-Software haben, hatte sich daraus ein z.T. lukratives Geschäft entwickelt. Sie bieten auf ihren Seiten eine Anzahl von freien Photos, die sie aus dem Netz gezogen haben, gemixt mit einigen Artikeln, an – während der hauptsächliche Inhalt ihrer Seite nur aus aufgelisteten Bannern besteht, deren Clicks sie sich dann von den Paysites bezahlen lassen. Dieses Geschäftsmodell hat aber bereits nach wenigen Jahren aufgrund zunehmender Konkurrenz, aber auch wegen unseriöser Methoden, an Attraktivität verloren. Laut der Firma MediaMetrix sind die Click-through-Raten von durchschnittlich 1% zu 1,5% im Zeitraum 1997-1999 auf 0,2 zu 0,33 im Jahr 2001 gefallen. Die Raten für Bannerwerbung sind ebenso gefallen, während Mitte der 1990er ein Banner pro tausend Clicks noch 70$ kosten konnte, waren es bereits 1999 nur noch die Hälfte. Es gibt Unternehmen wie „SplitInfinity“, „WebSideStory“ und „SexHound“ die sich auf Clicking- und Counter-Software spezialisiert haben. „Counter“ – Zähler, sind insofern wichtig geworden, da die Attraktivität einer Webseite oftmals nicht mehr an ihrer wirklichen Qualität, sondern an der Hitliste, dem quantitativen Traffic gemessen wird. Dies hat dazu geführt, dass inzwischen in einem nicht unbeträchtlichen Maße – und langfristig zum Schaden der Adult-Industrie – hohe Umsätze mit der Manipulation des „Click- through“ und der Hitlisten gemacht werden. Da gibt es versteckte Clicks, zwei-bis dreifach-Clicks, vorprogrammierte „Linking-Zirkel“, die den Surfer innerhalb einer kleinen Gruppe von Seiten festsetzen. So können durch das „Click-through“ ansehnliche Geldbeträge zustande kommen und die betreffende Seite steigt in der Hitliste auf. Nach Einschätzung von Insidern des Adult-Webbusiness sollen bis zu 30% der 100 Topsites nichts anderes machen, als ihre Besucher über das „Clicking“ auszutricksen um „Hits“ zu erzielen.
http://archive.salon.com/21st/feature/1997/12/cov_01feature.html
Damit Pornoseiten Profit abwerfen, muss der Webmaster weitaus mehr tun als eine Domain anmelden, Content produzieren oder einkaufen, die Seite designen oder designen lassen und regelmäßig aufzufrischen. Zu den weiteren Geschäftspraktiken gehört neben den notwendigen Url-Eintrag bei allen wichtigen Suchmaschinen, der Einkauf von Traffic beispielsweise über einen kostenpflichtigen Eintrag eines relevanten Suchmaschinenbegriffs (z.b. High Heels oder Cheerleader) via „Click Through“ (8-11 Cent per Click) oder eine weitergehende Vermarktung über Firmen, die sich auf den Adult-Sektor spezialisiert haben wie „Traffic Dude“ oder „Detour Interactive“. Fast alle Suchmaschinen bieten Unternehmen die Möglichkeit einzelne Schlüsselwörter zu „kaufen“, die dann im Zusammenhang mit einer kombinierten Banner- und kommerziellen Linkwerbung, sowie im Listening eingesetzt werden können. Walt Disney beispielsweise kauft seinen Firmennamen und etliche weitere Schlüsselwörter und Charakternamen, wie „Entenhausen“ oder „Daisy“.
Ein weiterer Teil des Traffics wird über sogenannte Konsolen generiert, dies sind Fenster die aufpoppen wenn ein User die Webseite verlässt. Der Inhalt dieser Konsolen reicht von Bannerwerbung bis zu pornographischen Bildern, die auf ein weiterführendes kostenpflichtiges Angebot verweisen. In der Regel werden mehrere Konsolen verwendet, die den Kunden jeweils auf verschiedene Themenbereiche (Gay, Lesben, Teens, BDSM, Asian, etc.) verweisen, umso die Chancen zu erhöhen, dass der Kunde sich auf eines der zahlungspflichtigen Angebote einlässt. Eine weitere gebräuchliche Praxis den Traffic zu erhöhen ist es mehrere Free-Sides zu schalten, die alle auf das kostenpflichtige Webangebot verweisen.
Außerdem können Webmaster Werbekampagnen über Mail schalten lassen, allerdings keine Spam-Werbung, die eher kontraproduktiv wirkt, sondern Kampagnen, die sich auf klar definierte Zielgruppen beziehen. Firmen wie „Naughty Mail“ bieten ab 2500$ über 100 Listen verschiedener Zielgruppen von Internetpornokonsumenten an, die auf diese Art angesprochen werden können. In diesen Mailadress-Katalogen werden nur Personen aufgenommen, die von sich ausgehend, auf eine Anfrage-Mail eine Bestätigung-Mail zurückgesandt haben. Diese gesicherten Kundendaten werden mit bis zu 2$ pro Adresse gehandelt.
Aufgrund des Erfolgs vieler Amateur- und Alternaporn-Seiten, wo ein direkter Kontakt zwischen Usern und denjenigen die sich als Modelle präsentieren, besteht, sind viele Firmen dazu übergegangen den Usern auf ihren Webseiten die Möglichkeit der Interaktion mit regulären (oder virtuellen) Modellen via Chat und Mail zu geben. Viele Webmaster schließen inzwischen Geschäftskontrakte mit Firmen wie AEBN(Adult Entertainment Broadcast Net) ab. AEBN repräsentiert über 300 Studios und bietet eine große Auswahl an qualitativen Inhalten. Aber vor allem ist AEBN Markführer im Video-Demand-Verfahren und bietet die Möglichkeit Content in das Pay-per-View-Verfahren einzubinden. Dieses Verfahren erlaubt dem User, ohne monatliche Mitgliedsgebühr im Minutentakt nur das zu bezahlen was er sich gerade anschauen will. Viele Webmaster kombinieren inzwischen die Modelle „Pay-Side“ und „Pay-per-View“ und es ist gut möglich das sich dieses Verfahren als Bezahl-Modell gegenüber anderen Möglichkeiten im Internet in den nächsten Jahren durchsetzen wird.
Patent-Portefolios – Ein neues Betätigungsfeld für Juristen
Auf dem US-Markt zeichnet sich eine Entwicklung ab, die in Zukunft auch in Europa viele Unternehmen betreffen und einer beträchtlichen Anzahl von Juristen ein neues Arbeitsfeld bieten wird. Firmen, die im Besitz von Patent-Portefolios und einer gut ausstaffierten Rechtsabteilung sind, haben es zu ihrem Geschäftsmodell gemacht Firmen aus den High Tech- und Kommunikationsbranchen und dessen Nutzern zur Abgabe von Lizenzgebühren zu zwingen. Eine dieser Firmen, die in den USA mit dementsprechenden Forderungen an Unternehmen des Online-Bereiches herangetreten ist , ist die „Acacia Group“. Die „Acacia Technologies Group“ kontrolliert 29 Patentportefolios, die insgesamt 126 US-Patente mit einschließen. Diese Patente betreffen u.a. das Audio/Video-On-Demand-Verfahren, Kryptographie, die Ton- und Videosynchronisierung, Abrechnungssysteme via Kreditkarte und die Anmeldung in drahtlosen Internetzugängen. Zu den Unternehmen, die bereits mit Forderungen von Acacia konfrontiert wurden, gehören die Mediengruppe Bloomberg und die New York Times, auch Unternehmen, die mit der Online-Pornographie erhebliche Umsätze erzielen, sind betroffen. Acadia hält 5 US-Patente im Bereich der Digital Media Transmission (DMT)-Technologie, die die Downloading-, Streaming- und On-Demand-Verfahren von Audio und Videodateien im Internet betreffen. 2003 hatte Acadia gegen 21 Unternehmen der Online-Pornographie Prozesse wegen dem Patentrecht angestrengt. 27 weitere Unternehmen hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf Vereinbarungen mit Acadia eingelassen, die zwischen 1-2 Prozent des Gesamtumsatzes der Unternehmen für eine Lizenzierung ihrer Patente einforderten. Zu diesen Unternehmen gehören „LodgeNet Entertainment Corporation”, ein Hotel-Video-on-demand-Service, das Adult-Webmaster-Affiliate-Programm „CECash“, sowie „Babenet“.
Während die größeren Unternehmen der Branche freiwillig 2% ihres Bruttoeinkommens für Lizenzgebühren hergeben, vor allem um die ungleich höheren Prozesskosten mit diesem Unternehmen zu vermeiden, gibt es u.a. bei Internetaktivisten und einzelnen Adult-Webmastern den Ansatz sich gegen diese Forderungen zu organisieren. Auf dem Info-Board der Webseite Ynotmasters.com war von einer „Fight The Patent Foundation (FTPF)” die Rede, einer gemeinnützigen Organisation, mit dem Ziel den einzelnen Webmastern mit Rechtsbeistand zur Seite zu stehen und eigene, Non-Profit-Patent-Portefolios zu entwickeln. Eine andere Organisation, die„Electronic Frontier Foundation (EFF)“ hat eine Top-Ten-Liste von Patenten aufgestellt, die sie für besonders absurd und schädlich hält und ficht besonders strittige Patente auf eigene Kosten an.. Das »Einkaufen mit einem Klick« gehört dazu, das der Internet-Buchhändler Amazon für sich beansprucht, das „Pop-up-Fenster“, der „Hyperlink“, der „Online-Einkauf mit einer Kreditkarte“ und der von Acacias beanspruchte „Versand von Videos über eine Datenleitung“ stehen auf dieser Liste. Inzwischen ist Michael Goldberg, der Generaldirektor der “New Destiny Internet Group”, die u.a. “homegrownvideo.com” betreibt, einer der führenden Personen die die Interessenvertretung und den Rechtstreit gegen das Patentportefolio-Unternehmen „Acacia Technologies” wahrnimmt. Im Zuge dieser juristischen Auseinandersetzung initierte er die Gründung der „Internet Media Protective Association“ als eine Lobby-Organisation des Internet-Sexbusiness.
Außerhalb der USA ist die Rechtslage häufig unübersichtlich. In den zuständigen Gremien der Europäischen Union sind die Richtlinien über die Patentierbarkeit „computerimplementierter Erfindungen“ umstritten, es scheint aber absehbar zu sein, das den Patentrechtlern der Weg geebnet wird. Damit könnten Firmen wie Acacia dann auch in Europa ihre Rechtsansprüche geltend machen. Erste Vorprüfungen der Rechtslage soll Acacia bereits bei Pay-per-View-Kanälen und den Hersteller von Mobiltelefonen, die Videos übertragen können, in Auftrag gegeben haben. Sie können dabei mit politischer Rückendeckung der USA rechnen, die bei den internationalen Konferenzen und WTO-Verhandlungen zu den radikalsten Verfechtern des Schutzes geistigen Eigentums über Landesgrenzen hinweg gehören.
http://www.FightThePatent.com.
DIE ZEIT 24.02.2005 Nr.9, Thomas Fischermann
http://de.wikipedia.org/wiki/Softwarepatent
http://www.germany.fsfeurope.org/index.de.html
Der Online-Markt
Oktober 17, 2008
WebCams – Die Kommerzialisierung der Privatsphäre
Mit der Technologie der Web-Kamera, der notwendigen Software und den Zugang zu Breitbandverbindungen hat inzwischen jedermann die Möglichkeit seine privaten Filme ins Internet zu stellen. Die für den Betrieb notwendige Technik ist inzwischen preiswert und weltweit verbreitet. Neben dem Download von Filmen, waren es vor allem Live-Webcams, die in der Anfangszeit dieser Technik für Aufmerksamkeit sorgten und in der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Dies reicht von der heute kaum noch nachvollziehbaren Popularität von Seiten wie „Coffeecam“ von Studenten der Universität Cambridge, die ab 1993 ein sich ständig aktualisierendes Foto ihrer Kaffeemaschine ins Netz stellten, bis zu „JenniCam“, die Webseite einer amerikanischen Studentin. Betreiber von Homepages, die eine per USB angeschlossene PC-Kamera bei sich zu Hause oder am Arbeitsplatz installieren, erlaubten einen früher in dieser Weise nicht möglichen Einblick in das Privatleben von Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen vor einer WebCam präsentieren.
Die Unterscheidung einer öffentlichen und privaten Sphäre wird hier allen Anschein nach gebrochen. Die Aufnahmen der Webcam werden anonymen Usern bereitgestellt und verlassen den sozialen Nahraum des Bildproduzenten und haben den Voyeurismus im Netz, im Gegensatz zu seiner früheren Konnotation, zur gesellschaftlichen Akzeptanz verholfen. Viele der Cam-Angebote – weibliche Protagonistin, männlicher User – weisen eine Schlüssellochstruktur auf und werden vom dem Betrachter erotisch belegt, auch wenn die Situationen nicht unbedingt Teil einer erotischen Inszenierung sein müssen.
Andererseits ist die Auflösung von privater und öffentlicher Sphäre nur eine Scheinbare, die Unverbindlichkeit des Internets, wo beim Chat das Rollenspiel ein wichtiger Faktor der virtuellen Kommunikation sein kann, trifft auch auf Webcams zu. Man kann Betrachten ohne zu kommunizieren, man kann Wünsche äußern, auf die jedoch nicht reagiert werden muss. Während die reale soziale Gemeinschaft in der alltäglichen Begegnung in der Regel zu einer konkreten stellungsnehmenden Kommunikation führt, liegt der Fall für die virtuelle Gemeinschaft anders: die Distanz zwischen den Individuen bleibt in den meisten Fällen erhalten und so können sich Freiräume für Interpretation und Probehandeln eröffnen, wie dies auf privaten Homepages und vor allem auf den Social-Networking-Seiten zu beobachten ist. Die Webcams, Blogs und eine Vielzahl kommerzieller interaktiver Angebote des Internets korrespondieren dabei mit dem Reality-TV, das diese Folie in ein Konzept des Gegenwartsfernsehens transformiert hat, wo die Grenzen zwischen Fiktion und Realität ganz bewusst fließend gestaltet werden.
Auch diese Formate beruhen auf Konzepten und Regieanweisungen, die Protagonisten werden in diesen Doku-Soaps oftmals wie Laienschauspieler eingesetzt, meistens handelt es sich um Material, das konzipiert, nach bestimmten Mustern abgedreht, geschnitten, montiert und bearbeitet wird.
JenniCam war eine der ersten Webseiten, die allen Internet-Usern die Möglichkeit gab Einblicke in das Privatleben einer jungen Frau (Jennifer Ringley) zu nehmen. Im April 1996 installierte sie in ihrem Zimmer im Studentenwohnheim des Dickinson College (US) eine Webcam. Auf der Webseite wurde dann alle 3 Minuten automatisch ein aktuelles Bild der Cam gezeigt. Im Laufe der Zeit wurden alle Räume mit Cams ausgestattet und die technischen Möglichkeiten verbessert. Zeitweilig ergänzt von einem Tagebuch, ließ JenniCam 7 Jahre lang für einen Jahresbeitrag von 15 $ Jeden am Leben der damals 19 Jahre alten Studentin teilhaben. Für zahlende Mitglieder der „Jenny´sWebCamside“ wechselten die Kameras alle 2 Minuten. Für nichtzahlende „Gäste“ gab es eine Dauereinstellung gratis die alle 20 Minuten wechselte. JenniCam erreichte eine enorme Popularität, zum einem weil es sich um den Einsatz einer damals noch neuen Technik handelte und vor allem weil Jennifer Ringley konsequent ihre gesamte Privatsphäre offen legte. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges hatten sich mehr als 3 Millionen User täglich auf ihrer Seite eingeloggt. Die Webseite wurde zum Jahreswechsel 2003/2004 geschlossen. Die Popularität von „Jennicam“ war ein Gradmesser für die Entwicklung von Webcams zum Massenmedium und korrespondierte mit Fernsehshows wie „Real World“ von MTV (erstmals 1992), bzw. nahm die Entwicklung späterer Sendungen wie „Big Brother“ und „Container“ vorweg, in denen Personen für Wochen rund um die Uhr unter Beobachtung stehen und ein Wegfall der Privatsphäre das Konzept bestimmte.
Im Amateur-Genre, bzw. beim sogenannten Realcore, wo die Partizipanten sexuell explizites Material von sich veröffentlichen, um auf diesem Wege Gleichgesinnte kennenzulernen und ihren exhibitionistischen Neigungen nachzugehen, werden ebenfalls Freiräume, genutzt bzw. geschaffen. Mit dem Unterschied, das die Agierenden innerhalb der Netzgemeinschaft als soziale Individuums erkennbar sind und als solche ernstgenommen werden wollen. Ursprünglich war dieser Bereich von privaten und nicht von kommerziellen Interessen geprägt, hat sich im Laufe der Jahre aber zu einem boomenden Nischensegment entwickelt. Bereits vor der Jahrtausendwende dominierten kommerzielle Angebote, die einen Streaming-Server voraussetzen und an ein Abrechnungssystem gekoppelt waren und größtenteils sexuelle, bzw. pornographische Inhalte anboten.
Im sogenannten „Single-Girl-Segment“, wo vor allem Authenzität ein wichtiges Markenzeichen ist, gehört die Verwendung von Webcams, nicht nur für Shows und aufgezeichnete Filme, sondern auch für den Live-Chat inzwischen oftmals zum Standard. Während sich das Amateurgenre in seiner Anfangszeit an den Bedürfnissen und dem sozialen Code der Swinger-Communities orientierte, entsprangen die Single-Girl-Seiten von Anfang an einem kommerziellen Konzept. Ursprünglich waren diese Seiten fast ausschließlich auf Softcore-Angebote ausgerichtet, bis dann viele Webmaster aufgrund der veränderten Marktsituation und dem Erfolg der AlternaPorn-Seiten ihre statischen Konzepte in Richtung von authentischen und interaktiven Angeboten auszurichten begannen. So eine Seite bietet jeweils nur Material von einer Frau, das Material ist aber exklusiv und die Produktion und die Up-dates sind kostengünstiger zu realisieren und wurden auch erfolgreich im Hardcore-Segment realisiert. Bei vielen Frauen wird die Livecam ergänzt durch Materialien wie Lebenslauf, Tagebuch, Homepage, einem Chat Modul und einem Archiv vorheriger Aufnahmen. Die Single-Girl-Seiten sind überwiegend Bestandteil der Angebote größerer Content-Anbieter und Partnerprogramme, es gibt aber auch eine Anzahl von Frauen, die sich erfolgreich selbst vermarkten, wie beispielsweise die 1998 gegründete kanadische „AimeeSweet.com“ aus der heraus sich das Partnerprogramm „ModelCash“ entwickelt hat oder Raven Riley mit ihrer 2004 gestarteten Webseite „RavenRiley.com“, die durch Veröffentlichungen von Strip-Shootings über das CFUS-Netzwerk (Crazy fucked up Shit) schnell bekannt wurde.
Beim Suchbegriff „webcamgirls“ listet Google(Nov.06) 400.000 Einträge auf. Ein Camgirl kann unter günstigen Voraussetzungen, wenn sie einen Kunden im Chat hat, 70 Cent die Minute verdienen, was auf einen Stundensatz hochgerechnet, $42 wären. Allerdings dürften viele Sitzungen mit den Klienten deutlich kürzer ausfallen und die Frauen müssen während ihrer Anwesenheit zum Teil lange Stand-by-Phasen überbrücken. Schon ab 100€ soll sich eine einfache Webcam-Verbindung realisieren lassen, zusätzlich zu den Anschaffungskosten eines Computers, der Cam und den Standardgebühren für den Internetanschluss. Die Software wird in vielen Fällen umsonst angeboten und Interessierte können sich auf Webseiten wie webcamworld.com über das Produktangebot informieren und in Tutorials die Praxis erlernen. Bei einer kommerziellen Nutzung und den dementsprechenden qualitativen Ansprüchen erhöhen sich diese Kosten aber schnell auf ein Vielfaches. Frauen, die eine sexuell explizite Webcam als ein Neben- oder Haupterwerb betreiben, können verschiedene Angebote der kommerziellen Cam-Portale in Anspruch zu nehmen. Deren Geschäftsmodelle differieren. “ iFriends“, das Netzwerk der Muttergesellschaft Web Power Inc. aus Florida, verlangt z.b. eine 50 prozentige Umsatzbeteiligung für ihren Service, während das Amateurnetzwerk „Wildrose“ Frauen, Paaren, wie Männern, kostenlos eine eigene Webseite innerhalb des Netzwerkes anbietet und dafür an dem Traffic partizipiert.
Die kanadische Dokumentarfilmerin Aerlyn Weissman untersucht in ihrem Film „WebCam Girls“ die Wechselbeziehungen zwischen dem Alltagsleben der Frauen und ihrer Arbeit vor der Webcam. Sie verschafft dem Zuschauer einen Einblick in dieses Genre und spürt einen möglichen emanzipatorischen Diskurs dieses Arbeitsbereiches nach. In dem Film werden bekannte Einzelpersönlichkeiten der Webcommunity wie die Sexualtherapeutin und Fetischmodell Ducky Doolittle, die Cam-Studio-Pionierin Dionne Loewen, die Akademikerin Terri Senft und die Künstlerin Ana Voog interviewt.
Aerlyn Weissman hat zusammen mit Lynne Fernie den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „Forbidden Love“(1992) produziert, der dem Leben und der Kultur lesbischer Frauen in Kanada in den 1950ern anhand von 10 Interviews nachspürt. 1995-6 folgte eine dreizehnteilige TV-Produktion “DoubleTake: Women in Media”, die sich mit der Politik der Repräsentation von Frauen in den Medien auseinandersetzt. Ab 2000 begann sie mit der populären„Kink“-Serie, die von dem Leben von Einzelpersonen aus der BDSM und Fetischszene erzählt.
Theresa M. Senft hat eine feministische und kritische Dissertation über Camgirls geschrieben, welche 2006 in überarbeiteter Form als Buch bei Peter Lang Publishing verlegt wurde. Desweiteren war sie Co-Autorin von „History of the Internet,1843-Present” und Mitherausgeberin von „Sexuality & Cyberspace“(1990). (http://www.terrisenft.net/)
Ana Voog, Rockmusikerin und Hutmacherin, begann bereits 1997 mit ihrem Webcamprojekt „anacam“, wo sie nicht nur 24 Stunden am Tag Einblick in ihr tägliches Leben gab, sondern weitergehend künstlerisch mit Performances und visuellen Settings mit dieser Situation experimentierte. Ihre sexuellen Aktivitäten sind den Usern ebenfalls über Cam zugänglich, wobei sie sich deutlich zur Pornographie abgrenzt.
VoyeurDorm.com ist eine Webseite wo sich User einloggen können um in einer Wohnung, die mit 40 Kameras bestückt ist, mehreren jungen Frauen (die Mehrzahl um die 20 Jahre) bei ihrem „Leben“ in dieser Wohnung zu zuschauen. 6000 Zuschauer zahlten monatlich 43 $ für den Zugang zu einer Webseite die via digitaler Filmübertragung in Jetztzeit, Zugang zu dem Privatleben von 7 Frauen ermöglichte. Wie sie schlafen, essen, duschen, fernsehen oder auf Toilette gehen. Für weitere 16$ monatlich können die Mitglieder mit den Bewohnerinnen in den Live-Chat gehen, den ganzen Tag- und die ganze Nacht lang. Laut der Reportage einer US-Journalistin für das Magazin „Nerve“, die 2002 im VouyeurDorm zu Gast war, hatten alle der Frauen einen Hochschulabschluss und viele von ihnen planten Theater- und Stimmtrainingskurse im nahe gelegenen College zu belegen.. VoyeurDorm zahlte ihnen den Lebensunterhalt, Miete, Ernährung, Haushalt und mehrere hundert Dollar die Woche, außerdem 1500$ pro Semester für Kurse, die sie belegen wollten.(6 erhielten 200$ die Woche, eine Frau mit ViP-Status, 500$). Das Reglement verlangt das mindestens 3 Frauen die gesamte Zeit in der Wohnung sind. Jede von den sieben durfte nur 2x in der Woche Nachts über auswärts bleiben. Mehr als drei männliche Besucher in der Wohnung zur gleichen Zeit waren nicht erlaubt, außerdem kein Drogenkonsum, auch kein Alkohol und kein Geschlechtsverkehr vor der Kamera. Telefonnummern oder private Treffen mit den Chat-Teilnehmern waren verboten (über den Chat benutzten alle Frauen falsche Namen, bzw. Spitznamen). Jede der Frau war verpflichtet täglich drei „Aktionen“ ihres Alltaglebens für die Zuschauer zu präsentieren, wie z.b. schwimmen im wohnungseigenen Pool, Workout´s im Trainingsraum, Fernsehen oder mit der Familie telefonieren. Jede muss mindestens 2 Stunden täglich im Chat verbringen. Außer Geld war es ihnen erlaubt Geschenke anzunehmen, die dann über Expresslieferdienste zur Wohnung gebracht wurden.
Laut der Betreiber von VoyeurDorm die mit dem Slogan „The girls in VoyeurDorm have no secrets. Their privacy is your pleasure“ warben, zeigt die Webseite ganz einfach das Leben dieser jungen Frauen und ihre „natürliche und freizügige Art“. Die Frauen bewegen sich am Tage meistens in T-Shirts und Mini-Shirts oder in Fitnesskleidung in der Wohnung – sich während des „Alltaglebens“ barbusig oder ganz nackt vor der Kamera zu präsentieren wurde nicht extra bezahlt. Allerdings gab es jeden Abend eine spezielle Onlineshow, wie z.b. Body Painting, Strip-Poker und Striptease, die dann extra honoriert wurden. Die Gruppe wurde in regelmäßigen Abständen aufgefrischt, was aufgrund des großen Andrangs keine Schwierigkeiten bereitete. Jeden Tag bewarben sich ca. 60 Frauen per e-mail-Formular für einen Platz in der Arena des VoyerDorms. Nach dem gleichen Prinzip folgten ähnliche Webunternehmungen wie „Voyeur Casa“ (Costa Rica) und “Dude Dorm”, wo ausschließlich Männer zu sehen waren. Im Januar 2000 hatte “Dudedorm.com” seinen Start up. Ähnlich wie bei Voyeurdorm lebten jeweils 3 schwule, bi- und heterosexuelle Männer in einem Stadthaus und waren bei jedem Detail ihres Alltaglebens in der Wohnung über Webcam zu beobachten und über Chat zu kontaktieren. Die dazugehörige Hosting-Firma „CandidHosting.Com” hostete u.a. “DancerDorm”, ein Joint Venture zwischen Cybererotica und dem Striptease-Unternehmen Rick’s Cabaret.375 000$ hatte der Start up von VoyeurDorm gekostet. Die monatlichen Kosten von 60 000$ waren für die beiden ursprünglichen Betreiber nicht tragbar, so dass sie 2001 50% ihrer Gesellschaft an die „Internet Entertainment Group´s Seth Warshawsky“ verkauften. Bald darauf betrug der Umsatz des VoyerDorm-Net 250 000$ im Monat. Seth Warshavsky verkaufte seine Anteile später an seinen ehemaligen Partner Dave Marshlak. Inzwischen ist VoyeurDorm im Besitz von „Voice Media“, die u.a. die Megaseite „Cybererotica“ betreibt.
2001 kam es zu einem Prozess zwischen “VoyeurDorm” und der Stadt Tampa. Die Stadt brachte das Unternehmen aufgrund der zur Schau gestellten partiellen Nacktheit der Bewohnerinnen in einen Kontext zum Adult Entertainment Business, auf dem die lokalen Sperrgebietsverordnungen, wie dies sonst bei Sexshops, Nachtclubs und dementsprechenden Buch- und Videoläden der Fall ist, angewendet werden konnte und verfügte eine Schließung von „VoyeurDorm“. Diese „Zoning Codes“ beruhen u.a. auf der Unterteilung zwischen Wohn- und Geschäftsbereichen einer Stadt. In den Wohnvierteln ist Gewerbe und eine gewerbliche Nutzung des Wohnbereiches in vielen Fällen nicht erlaubt. Da das Internet inzwischen fast Jedem die Möglichkeit bietet ein Gewerbe von Zuhause aus zu betreiben, sind die Behörden in der Regel zu einer liberaleren Genehmigungspraxis übergegangen. Unter der Vorraussetzung, das diese „Hausarbeit“ in keiner Weise die Nachbarschaft und den Wohncharakter der Umgebung negativ beeinflusst und unter einem strengen Reglement wird die gewerbliche Nutzung von Wohnraum oft erlaubt. Diese Verordnungen verbieten z.b. jede Art von Herstellungsprozess und Außenwerbung, begrenzen die Anzahl möglicher Beschäftigter und verbieten möglichen Kundenverkehr. Diese Sperrgebietsverordnungen sind in vielen Städten dazu verwendet worden um gegen die Strukturen des traditionellen Rotlichtmilieus vorzugehen. Da die Vorbehalte gegenüber der Sexindustrie seitens der „öffentlichen Meinung“ und den Behörden nach wie vor bestehen und viele Adult-Webmaster ihr Geschäft von Zuhause aus betreiben, wurde dieser Prozess in der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt. In der ersten Instanz verlor „VoyeurDorm“ gegen die Stadt, in dem folgenden Berufungsverfahren vor der nächsthöheren Instanz wurde dann dem Unternehmen Recht zugesprochen, da die lokalen Sperrgebietsverordnungen sich nicht auf den Geschäftsbereich des Internets anwenden ließen. Dieser Prozess hatte bis zu einem gewissen Grade Modellcharakter und bedeutete nicht nur für „VoyeurDorm“, sondern für die gesamte Branche einen Erfolg und verschaffte dem Unternehmen einen hohen Bekanntheitsgrad, der sich in einer Vielzahl neuer Mitgliedereinschreibungen niederschlug.
AVN-Online, „VoyeurDorm and Other Home-Based Businesses“ 12-1-2001
scarlettletters.com, Ed Rampell,( März 2001)
www.nerve.com/Dispatches/Grigoriadis/VoyeurDorm/ (o4.02.2002)
In diesem Kapitel liegt der Fokus nicht nur auf den amerikanischen Markt, da auch viele europäische Netzkünstler und Photographen sich mit dem Thema erotischer/pornographischer Produktion und Ästhetik auseinandergesetzt haben und sich, zum Teil bewusst, kommerziell nicht haben verwerten lassen. Diese treffen auf eine Queerbewegung, die in den letzten Jahren beginnt aus dem relativ geschlossenen Raum akademischer Diskussionen auszubrechen und die mit einer zunehmenden Anzahl von Events und Produktionen kreativ den Begriff einer „normalen“ Sexualität und der herkömmlichen Pornoproduktion in Frage stellen.
Alt., bzw. „Alternaporn“
Die meisten „x-rated“-Webseiten haben als Zielgruppe die Männer, in der Regel den 18-24 jährigen Single, obwohl nach „sextracker.com“die 30-40-Jährigen mehr als 26% der User stellen und 40% der Besucher dieser Seiten über 40 Jahre alt sind. Inzwischen hat der Markt auch die Frauen als Konsumenten und Zielgruppe entdeckt. Die Anzahl der Frauen, vor allem die jüngere Generation, die im Internet surfen und im speziellen Porno- und Erotikwebseiten besuchen, ist enorm gestiegen und sie stellen einen hohen Prozentsatz der Kundschaft was den Kauf von Sextoys und Erotika über Web-Bestellung betrifft. Mit dieser veränderten Marktlage haben sich auch die Ansprüche an die dementsprechenden Produktionen verändert. Das Formula der herkömmlichen Pornographie genügt den Ansprüchen der weiblichen Kundschaft nicht. Sie verlangen, anstatt der geschlechtsreduzierten Bilderwelten, oft nach differenzierteren, einfühlsameren Szenearien. Es gibt inzwischen Film- und Webproduktionen, in der Regel von Frauen, die diesen Ansprüchen gerecht werden. Aber ca. 90% der Photos von nackten Männern, die man sich Online anschauen kann sind für die Homosexuellenszene produziert, die oft der Geschlechtsfixation und dem Männlichkeitsideal des Standardformulas entsprechen, so dass in diesem Bereich nach wie vor eine Marktlücke besteht.
Nachdem bereits in den 90ern die Produzenten der lesbischen und homosexuellen Pornographie mit Magazinen wie „On Our Backs“ und Videoproduktionen wie „Cazzo Productions“ und später die BDSM-Szene mit einer Vielzahl von Webseiten, neue Akzente in Richtung einer imaginativen und erotischen Pornographie gesetzt haben, folgten nach 2000 viele Webseiten für die bi- und heterosexuellen Konsumenten. Viele dieser Produktionen stehen im Kontext einer Punk- und Gothik-Ästhetik.
Die Gothic-Kultur ist eine vielseitige Subkultur, die Anfang der 1980er Jahre aus den Punk- und New Wave-Szenen hervorging, sich seitdem in vielfältigen Subgenres aufteilte und mit einer zunehmenden Kommerzialisierung seit dem Ende der 90er Jahre teilweise in die Populärkultur überging. Bedeutende musikalische Vertreter der Anfangszeit waren Bauhaus, Siouxsie & The Banshees, The Cure, Anne Clarke und Xmal Deutschland. Im Laufe der Jahre fusionierten fremde Musikstile mit Elementen der bestehenden Gothic-Musik zu neuen Subgenres, so das unter dem Oberbegriff Gothic/ Dark Wave Stilrichtungen von Emo („emotional“)- eine emotionale Variante der Punkmusik – zu Metal, Industrial und Electro, bis zu Adaptionen mittelalterlicher Musik zu finden sind. In Deutschland stellen die jährlich stattfindenden Wave-Gotik-Treffen/Leipzig und das M’era Luna Festival/Hildesheim die bekanntesten Plattformen für Musikgruppen dieser Szene mit zehntausenden von Teilnehmern.
Der Begriff Gothic ist von den „gothic novels“ entlehnt, ein literarisches Genre - sogenannte Schauergeschichten mit Handlungsplätzen wie Friedhöfen, Spukschlössern und Ruinen, die sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreuten. Der 1765 erstmals veröffentlichte Roman „The Castle of Otranto“ gilt als einer der ersten gothic novels. Weitere sind der 1816 entstandene Roman „Frankenstein“ von Mary Wollstonecraft Shelley, wie auch Edgar Allan Poe und die Sparte der Vampir-Romane, die zu diesem Genre zugerechnet werden können. Der damalige Erfolg der gothic novels steht im Kontext der europäische Romantik, eine künstlerische Bewegung, die u.a. als eine Gegenreaktion auf die rationale entmystifizierende Sicht der Aufklärung entstand. Treibende Momente der Romantik waren die Natur im Sinne einer Erkenntnis des Selbst und des Göttlichen und Fragen nach dem Tod, der Grenze des Diesseits zum Jenseitigen. Weiterhin kennzeichnend war das Postulat der uneingeschränkten Entfaltung des Individuums bis hin zu dem „l´art pour l`art“ der Bohemiens. Auch bei den heutigen Gothics stellt die gepflegte und stilvolle Selbstinszenierung ein wichtiges Kriterium dar. Das äußere Erscheinungsbild wird oft von schwarzer Kleidung bestimmt, neben Punkstilen sind mittelalterliche Kleidungsstile präsent, oft werden Musiker bekannter Gruppen als modische Vorbilder herangezogen. Die Haare werden oft zu auffälligen und gefärbten Frisuren modelliert. Tätowierungen, Piercings und das Tragen von symbolträchtigen Schmuck sind weit verbreitet. Die Szenerien der gothic novels werden in Songtexten vieler Gruppen thematisiert und als virtuell-imaginäre Welten auf einer Vielzahl von Webseiten inszeniert. Inhaltlich wie visuell lässt sich ein überdurchschnittliches Interesse an okkulten und neuheidnischen Inhalten feststellen.
(siehe auch „Gothic and Dark Music: Forms and Background“ von Ansgar Jewentrup, in „Gothic, metal, rap and rave – youth culture and ist educational dimensions“, Max Peter Baumann(Hg): 2000, Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin (S.25-50)
Inzwischen werden diese Webseiten unter der Kategorie „AlternaPorn“ oder „Indie-Porn“ zusammengefasst. Viele dieser Seiten sind aus den unabhängigen Netzkulturen der Weblogs hervorgegangen. Schlüsselkennzeichen der Ästhetik von Indie-Porn ist das Konzept von Authenzität – von Photos und Filmen, die sich nicht nach dem althergebrachten Formula richten – und die Erreichbarkeit der Modelle über Chats und weitergehende persönliche Webblogs und Homepages, bis hin zu richtigen Webcommunities, wo über den Chat ein reger Meinungs- und Informationsaustausch stattfindet. Nicht wenige der Betreiber dieser Seiten sind Frauen. Es gibt Seiten, die überwiegend auf weibliche Konsumenten ausgerichtet sind, andere mit einer ausgeprägten Web-Community, wo das Modeln vor der Kamera unter selbstbestimmten Bedingungen, Bestandteil der sexualitätsbejahenden Attitüde ist und eine Vielzahl von Gothic- und Bdsm-Seiten. Die überwiegende Mehrzahl dieser Webseiten sind kommerziell und verlangen monatliche Mitgliedergebühren und stellen für Frauen (und Männer) die ihre Photos und Filme auf die Seite stellen wollen, ein Geschäftsmodell bereit. Dazu gehört kostenlose Software um das Material zum Server schicken zu können und ein Bezahlungsmodus, der sich in der Regel nach Festpreisen und nicht nach dem erzielten Traffic richtet.
Das Internet ist mit herkömmlicher Pornographie gesättigt, so dass immer mehr Adult-Webmaster und inzwischen auch Mainstream-Marketingexperten dazu übergegangen sind sich auf Nischenproduktionen zu spezialisieren, die ursprünglich aus dem Bereich der sexuellen Subkulturen und der Sex-Pro-Aktivisten hervorgegangen sind. Die Subkulturen der Bdsm-Communities, der Gothik-und Punkszene, der Sex-Pro- und femme-Porn- Aktivisten haben sich bis zu einem gewissen Grad zum Barometer und Versuchsfeld der pornographischen Industrie entwickelt. Viele kommerzielle Nachfolgeprodukte, die sich der Ästhetik des Indie-Porn bedienen, wie auch der Geschäftsalltag bereits bestehender Projekte, haben weitergehende avantgardistische Tendenzen in der Gestaltung und im Produktionsablauf größtenteils zugunsten kommerzieller Erfolgsmodelle zum Stillstand gebracht. AltPornBucks zum Beispiel, das 2006/7 gestartete Affiliateprogramm für die Webseite ElectroFilms.com., zielt in seiner Werbung ausschließlich auf Webmaster des Alternaporn-Genres ab. Ein Blick auf das angebotene Material zeigt deutlich, das mit dem zunehmenden kommerziellen Erfolg von AlternaPorn-Seiten und der Gründung des Labels Vivid.alt, sich dieses Genre zunehmend dem Mainstreammarkt öffnet.
“In reality, indie porn is just like indie pop. It pretends to be different from the industry, but works with the same business model. Just as punk and indie pop saved the music industry in the 1980s and 1990s, indie porn will save the porn industry of today.”
“Pornographic Coding”- Florian Cramer and Stewart Home/ Crash conference paper, Feb., 2005
Eines der kommerziellen Erfolgsmodelle des Alternaporn-Genres ist die seit Sommer 2001 im Netz stehende Webesite „Suicide Girls“, die ihren Hauptsitz in Portland(USA) hatte. Sie bietet dem User eine Vielzahl von Modellen, in erster Linie Amateure – viele weibliche Gothics, Punks und Emos – die sich in Photos, Webcams und im Chat präsentieren. Im Gegensatz zu vielen kommerziellen Webseiten haben die Modelle eine weitgehendere Kontrolle über die Bilder und Cams und können ihre eigene Online-Seite gestalten. Die Präsentation der vollständige Nacktheit wird von den Modellen erwartet, Photos mit weit gespreizten Beinen oder Nahaufnahmen auf das Geschlecht sind selten, Penetration wird – als Prinzip von SG – nicht gezeigt. Die Modelle können Photos selbst einschicken oder sich ein Set von einem SG-Photographen erstellen lassen. Für jedes photographische Set wird den Modellen pauschal 300 Dollar gezahlt und die Bilder gehen damit in den Besitz von SG über. „Mrs. Suicide“ alias Selena Mooney, die Cover-Model für das Onlinejournal „nerve“ war, ist eine der Frontfrauen von SG, während der Besitzer Sean Shul sich weitgehend im Hintergrund hält. Sie begann im Stil der klassischen Pin ups von Bettie Page zu photographieren und veröffentlichte die Bilder auf der Webseite. Durch großen Zuspruch seitens der Portländer Alternativszene wuchs die Zahl der Modelle und User schnell. SG bietet, um größtmögliche Interaktivität zu erreichen, nicht nur den Modellen, sondern jedem zahlenden Mitglied Webspace für persönliche Profile, Journale, Photos und Webcams. Anfang 2003 verlegte SG ihren Sitz von Portland nach Los Angeles.
Eineinhalb Jahre nach dem Start up hatte die Seite eine fünfstellige Mitgliederzahl und über 400 000 Besucher pro Woche. Mehr als 1000 Frauen bewarben sich bis Mitte 2003 per Web-Formular als Modell. Die Anzahl der Modelle ist von 100 im Jahr 2003 auf knapp 1000 Anfang 2006 gestiegen. Für die Community sind weiterhin Themenchats, Artikel und Infos zu Veranstaltungen und Lifestyle und die Online-Journale der Frauen im Angebot. Das Unternehmen gibt eine Print-Publikation „SG the Magazine“ heraus und 2004 kam es mit einem Joint Venture mit dem Playboy-Holding, genauer mit dem „Playboy Cyber Club“, zu einer weiteren Öffnung zum Mainstream-Markt. Im September 2005 haben die Webmaster von SG eine größere Anzahl von Bildern, die Bondage und Sadomasochismus thematisierten von der Seite genommen um eventuellen juristischen Schritten der US-Behörden im Zuge der „war on porn“-Kampagne vorzubeugen. Die Webseite wird täglich überarbeitet, bzw. mit neuem Material versehen. Laut den Betreibern von „Suicide Girls“ sind etwa 43% der zahlenden Mitglieder Frauen und der Internet-Traffic der Nacktbilder soll nur 20% der gesamten Webseite ausmachen. Der Fokus liegt demnach auf der Web-Community, wo über Mitglieder wie auch über das Unternehmen viele Kulturevents annonciert und zum Teil auch organisiert werden. Genau dieses Image einer Lifestyle-Internet-Community zeigt inzwischen aber Brüche. Der Joint Venture mit Playboy und die Zensur von Mitgliederjournalen haben zu einem deutlichen Imageverlust geführt. Hinzu kommt das Informationen über unkorrekte Verfahrensweisen mit den SG-Modellen bekannt geworden sind. Von einer minimalen Bezahlung abgesehen, soll SG Photos von Frauen die aus dem Vertrag ausgestiegen sind an drittklassige Pornoanbieter weiterverkauft haben. Innerhalb vieler Web-Communities, die den alternativen Anspruch von SG ernstgenommen haben gilt „Suicide Girls“ inzwischen als ein Modell des „Scheiterns am Erfolg“.
Im September 2005 verließen 30 Modelle „Suicide Girls“, weitere 20 folgten in den nächsten Monaten. Nach dem Weggang von 30 populären SG-Modellen, von denen einige in der Bloggsphäre ihre Kritik an Suicide Girls, kombiniert mit internen Informationen, veröffentlichten, strengte „SG Services Inc.“, die Mutterfirma von SG zwei Prozesse gegen verschiedene Besitzer und Betreiber von Webseiten an. Zum einen gegen die Webseite „GodsGirls.com“, wegen der Imitation des Webdesign der Seite, genauer gesagt wegen ähnlicher Verwendung der Farbe Pink und wegen angeblicher Abwerbung vieler Modelle von SG und gegen die Seite „gloomdolls.com“ wegen der Veröffentlichung von Hintergrundinformationen eines Ex-Modells von SG.
„Bust“, Febr./März 2006 – „Hanging Themselves“, Seite 78-81, von Noreen Sobczyk
Eine andere Alterna- oder Indiepornseite mit vergleichbaren Konzept war die nordamerikanische Webseite „ThatStrangeGirl.com“, auf der weibliche wie männliche Modelle zu finden waren. Diese Webseite war seit September 2002 am Netz, mit 85 weiblichen und 18 männlichen Modellen. Die Betreiberin, eine 20-jährige Collegestudentin, erklärte dort unter dem Pseudonym Lux Nightmare ihre Einstellung zur Pornographie:
“All the porn I’d seen up until this point had been rather boring – fake plastic people who didn’t really seem into what they were doing. But alternaporn was different. It was people like me – young, smart, cool girls who loved sex and were more than willing to show off and celebrate their sexuality online… and had a lot of fun doing so.”
StrangeGirl war eine Payside, als zahlendes Mitglied hatte man Zugang zu tausenden von Bildern von Männern, Frauen und Paaren, downloadbaren Videos, mehreren VoyeurCams, einer Sammlung erotischer Texte, dem Message-Board und speziellen Journalien der einzelnen Models. Die Seite ist 2005 Offline gegangen. Nach über einem Jahr eröffnete sie unter der gleichen Domain ihren Blog „Lux Nightmare is not a porn star“. Sie ist zusammen mit Melissa Gira Herausgeberin des Onlinemagazins „Sexerati“ und schreibt für die Blogs “Fleshbot” und “Boinkology”.
http://gothamist.com/2007/03/15/lux_nightmare_c.php
“Nakkidnerds.com” wurde von Cloei, einer 26 Jahre jungen Frau aus Massachusetts gegründet. Sie hatte bereits als Modell für kommerzielle Porno-Webseiten gearbeitet, bis sie dann ihr eigenes Webunternehmen gründete. Nakkidnerds arbeitete nicht mit professionellen Modellen, sondern mit Amateuren und Bekannten und Freunden von Cloei zusammen und versucht bessere Arbeitsbedingungen durch einen positiven, identifikationsstiftenden Begriff der Arbeitsethik von Camgirls zu schaffen. Zugang zur Webseite bestand auf der Basis kostenpflichtiger Mitgliedschaft. Die User hatten die Möglichkeit mit den Modellen über Message-Boards und Chatrooms zu kommunizieren. Cloei war durch ihr Engagement eine der ersten Camgirls, die innerhalb der Webcam-Community national bekannt wurden. Die Webseite ist im Netz (Febr. 2008) noch zu erreichen, wird aber, laut Cloei, aus persönlichen Gründen, zur Zeit nicht mehr aktualisiert und betrieben. Ein erneuter Start-up wird den interessierten Usern allerdings in unbestimmter Zukunft in Aussicht gestellt.
“I am sick and tired of searching through the net looking at page after page of tall blonde cookie cutter girls that you KNOW are NOT true amateurs. These days searching for “adult material” is just site after site of the same girls with a few rare exceptions, and frankly it is giving us wild web chicks a bad name.”
Viele weitere bekannte AltPornseiten wie „BrokenDollzs“, PornforPunks”, „fatalbeauty“ und „thatbirdsnest.com“, sind inzwischen ebenfalls offline gegangen.Viele dieser Webseiten entstanden aus der Initiative von Einzelpersonen. Obwohl die Mitgliedergebühren oft unterhalb der herkömmlichen Pay-Sides lagen, sind sie aufgrund zunehmender Konkurrenz und mangelnder Unternehmens, bzw. Netzwerkstrukturen von der Bildfläche verschwunden.
Johanna Angel und ihr Partner Mitch Fontaine sind die Besitzer und Betreiber der 2002 gestarteten Webseite burningangel.com, einer weiteren „AlternaPorn“-Seite, die ähnlich wie SuicideGirls aufgebaut ist, mit dem Unterschied, dass dem User auf der Seite deutlich expliziteres Material angeboten wird. burningangel.com verfügte Ende 2006 bereits über einen Grundstock von ca. 130 Modellen, die pro Shooting 200 Dollar erhalten. Neben den üblichen Photosets und Videostreams für zahlende Mitglieder, bietet die Webseite einen kostenlosen Zugang zu einer umfangreichen Interviewsammlung mit bekannten Größen aus dem Indie- und Punk-Musikgenre wie Bad Religion und Marylin Manson. Unter „free stuff“ werden Icons und speziell für MySpace aufbereitete Themenseiten incluse html-Code angeboten. Durch diese Mischung wurde Joanna Angel mit ihrer Webseite schnell populär und gelangte in den Fokus der Medienöffentlichkeit. Zeitschriften und Magazine wie die New York Times, Village Voice und Esquire UK veröffentlichten Interviews und Photos von ihr und betitelten sie als die „Queen of Altporn“. Über das Label „Burning Angel“ wurden inzwischen mehrere DVD`s produziert bei denen Johanna Angel als Darstellerin wie als Regieassistentin und Produzentin mitgewirkt hat. Die 26-jährige Unternehmerin ist Hauptdarstellerin in den Horror-Porno-Produktionen der „XXXorcist“ und „Repenetrator“ und erhielt die Möglichkeit bei dem bekannten Regisseur des Altporn-Genres Eon McKai in mehreren Produktionen mitzuwirken.
Außerdem steht Johanna Angel bei Hustler als Kontrakt-Darstellerin unter Vertrag. Hustler knüpft damit an das 1997 von ihnen publizierte Magazin „Rage“ an, ein Pornomagazin, welches sich eines alternativen Stils in der Photographie, Typographie und den Texten bediente, zu den damaligen Zeitpunkt aber keinen kommerziellen Erfolg versprach, während sich knapp 10 Jahre später das AlternaPorn-Genre zum Trendsetter der Pornoindustrie entwickelt hat. Der Film „Johannas Angel`s“, der von VCA produziert wurde, (inzwischen im Besitz von Larry Flint Inc.) war so erfolgreich und wurde für 5 AVN-Awards nominiert, dass 2006 die DVD „Johannas Angel`s 2“ folgte. Sie spielte 2005 in ca. 30 pornographischen Filmen wie „Cum On My Tattoo” mit und wurde 2006 für die AVN-Awards “Best New Starlet” und “Best Actress” nominiert. Die Erfolgsgeschichte Johanna Angels ist ein Beispiel, wie das ursprünglich auch immer auf lokale und subkulturelle Communities bezogene AlternaPorn-Genre sich immer mehr zu einer kommerziellen Folie der herkömmlichen Sexindustrie entwickelt, die so die nächste Generation von Pornokonsumenten ädaquat bedienen. Deutlich wird dies u.a. bei der persönlichen und gleichnamigen Webseite von Johanna Angel, die sich in der Photographie und den Texten der Eingangsseite kaum noch von einer herkömmlichen Pornowebseite unterscheidet.
Eine weitere Seite ist “eroticbpm.com”, vormals “raverporn”. Sie bietet neben vielen Cam-Shows, als einige der Wenigen auch männliche Modelle. An die Seite „eroticbpm.net“ ist eine große Web-Community angeschlossen mit Message-Boards, Online-Journalen und Informationen über Musik, Konzerte und anderen Themen. Der Betreiber von „eroticbpm“, Scott Qwens, ist Besitzer der Killshot Productions. “EroticBPM.com“ und „Spiceplay.com“ sind die bekanntesten Domains der Killshot Productions. Killhost.com hat die Rechte an insgesamt 40 Domains und Scott Owens Mailadresse steht als maßgeblicher Kontakt bei 17 Domains an der betreffenden Stelle der Webseiten.
„punkporn.com“ und „awfulporn.com“ sind in ihrer Struktur wie Blogs aufgebaut und dienen, neben zusätzlichen Informationen und Anekdoten aus der Online-AltPorn-Szene, hauptsächlich der Traffic-Generierung. Die ebenfalls populäre Webseite fatal-Beauties.com war im Februar 2008 offline. In der Anfangszeit betrieb Scott Owen mit der Webseite „erotic.bmp“ ein gemeinsames Marketing mit „suicidegirls“. Ende 2005 kam es zu einer Geschäftskooperation zwischen der Killshot Productions und Blue Blood’s SpookyCash hinsichtlich der Webseiten „fatal-Beauties.“ und „erotic.bmp“, die auch weiterhin besteht. Weitergehend ist „eroticbmp.com“ in einem Affiliate-Netzwerk des Onlinemagazins „lollipop.com“ aufgeführt, wo neben „varla.com“ und „stonerrock.com“, u.a., die ihren Schwerpunkt auf Musik (von Rock bis Punk) haben, auch die Altporn-Seite „supercult.com“ aufgeführt ist.
Das Alternativmagazin “Blue Blood”, 1992 von Amelia G. gegründet, war eines der ersten Magazine, die den Lifestyle und die Ästhetik von Gothic, Punk und einer dementsprechenden Cyberkultur in den USA einer größeren Öffentlichkeit vorstellten und mit dazu beigetragen haben, dieser subkulturellen Ästhetik den Weg in die Populärkultur zu ebnen. Die später folgende Internetpräsenz BlueBlood.net ist ein Entertainment-Portal für Musik, Mode, Konzert- und Veranstaltungen. Um 2000 herum starteten Amelia G. mit ihrem Partner Forrest Black die Alterporn-Seiten „GothicSluts.com“ und „BarelyEvil.com“, später dann „RubberDollies.com“. Alle diese Webseiten sind dann, nach dem Umzug von Washington DC nach Los Angeles unter die Schirmherrschaft von BlueBlood.com gestellt worden, von der ausgehend – mit einem eigenen Affiliate- und Banner-Programm „Spooky Cash“ – der Content weitervermarktet und Traffic generiert wird. Zum SpookyCash, bzw. BlueBlood-Netzwerk gehören inzwischen neben den bereits genannten Seiten: Szandora.com, MissBunny.com, MichelleAston.com und Erotic.bmp. Blueblood.com bietet im Verhältnis zu anderen kommerziellen Adult-Seiten oft weitaus günstigere Optionen für den User an. „Gothic-Sluts“ bietet neben Photographien, Videos und Storys, mit Message-Boards und einem Chat-Room Kommunikationsmöglichkeiten für die Webcommunity an. Die weiblichen Modelle sind alle dementsprechend gestylt; die Haare oft zum Teil bunt eingefärbt oder zum Punkhaarschnitt hochfrisiert. Fast jede der Frauen ist tätowiert und gepierct. Leder und Latex sind oft genutzte Kleidungsmaterialien. Schminke wird meistens grell verwendet, z.b. in Form von blut- bis knallrotem oder blauen Lippenstift und übermäßigen Kajal um die Augenzone. Themen in denen die Settings oft eingebunden werden, sind Vampirismus, der mit langen Schneidezähnen und Kunstblut inszeniert wird – und weitergehend, die Nähe des Todes. Beliebte Orte der Inszenierungen sind Friedhöfe, Gruften, Schlösser und Kirchen, bzw. versucht man in den Studios und im Weblayout dementsprechende Atmosphären zu erzeugen. Die Grenzen zur BDSM-Szene sind fließend: Domina-Motive, Herr-Sklave-Verhältnisse und Schmerz sind in beiden Szenen gebräuchliche Themen. Auch die Vorliebe für Leder und Latex und die oft düstere Atmosphäre von Folterkellern und Gruften sind in der photographischen Inszenierung ähnlich.
Zwei weitere erwähnenswerte Webseiten, die sich der Gothic-Ästhetik bedienen, dabei aber deutlich eigenständige künstlerische Akzente setzen, sind „glafizian.com“ und „gruppogarage.com.“ Die us-amerikanische Webseite.glafizian.com der Multimediakünstler Jeff Ensign, Musiker der Industrial- Gruppe „Evolution Noise Slave“ und seiner Frau Kimberly, die auch als Modell auf der Webseite wirkt, bietet ein interaktives Internet-Erlebnis aus Experimentalfilm, Musik, Performance und Photographie. Das Projekt ist nach Angaben der Künstler, stark von den Schriften Antonin Artauds beeinflusst. Die italienische Webseite gruppogarage (Start up 1998), der 1993 von Leonardo Damiani gegründeten Künstlergruppe „gruppogarage“ gewann 2001 und 2002 den „Golden Web Award“ und bietet überwiegend erotische Photographie an.
Michael C. Gross und Roberta E. Morgan sind die Betreiber der Pornowebseite „MikeyandMandy“. Michael Gross arbeitet als Artdirektor und freischaffender Designer. Er war u.a. Art-Direktor beim Magazin “National Lampoon” und bei dem Film „Heavy Metal“, den er mitproduzierte und brachte über seine Tätigkeit als Photograph bei dem Erotikmagazin „MetArt“ sein Portefolio als Grundstock für die Webseite mit ein. Die beiden stellen auf der Webseite ihre eigene Vorstellung von Erotik und Pornographie vor, die von einem Kritiker als „Like going to a porn circus“ bezeichnet wird. Die Seite bietet verschiedene Kategorien wie Videos, Vintage, Tits and Asses, She-Males, Weird, Comics&Animation, Ethnic, sowie Texte und Kolumnen an. In mehreren kurzen Tutorials zu den Themen erotische Photographie und Texte, sowie den Start up einer eigenen Pornoseite, bieten beide ihre persönlichen Erfahrungen und Kenntnisse an. Neben der kostenpflichtigen Webseite gibt es zusätzlich den Blog „mandyssexlife“.
“Mikey and Mandy’s Most Original Porn Emporium (…) is a dirty version of the National Lampoon crossed with an art and lit magazine and a fetish blog.”
“No Fauxxx”, ebenfalls eine Community-Seite, hat ein Angebot, das von erotischer Photographie bis Hardcore reicht. Sie stellen männliche wie weibliche Modelle und Paare in einem gemeinsamen Webspace ins Netz und unterlassen die sonst auf Pornoseiten übliche Kategorisierung in Untergruppen wie „anal“, „straight“, „lesbisch“ etc. Und sie bieten Modellen jenseits der herrschenden ästhetischen Schönheitsvorstellungen – wie sie auch im AltPorn-Genre gepflegt wird – die Möglichkeit sich zu präsentieren.
“No Fauxxx means „No Fakes.“ Most of our models are not professional adult models or sex workers, although some are. Either way, they are normal people interested in expressing their sexualities. They are all sizes, all genders, all sexual orientations, all races, and from all sorts of places, doing all sorts of things.No Fauxxx is for models who are sick of not seeing people like them in mainstream porn, and for members who appreciate real bodies, real people, and a variety of genres.”
BDSM
Als Colin Rowntree, Gründer und Präsident von “Wasteland.com“, 1995 seine Internetunternehmungen begann, wurde der Markt der Online-Pornographie von nur wenigen Unternehmen und Einzelpersonen bestimmt, dazu gehörten die ursprüngliche YNOT-Crew, Bangwang (Pornholio), Jonathan Leiberman von „Naughty.com“ und David Van der Poel von „Python“, zwischen denen ein reger Informationsaustausch und ein Verhältnis gegenseitiger Hilfestellung bestand. “Wasteland.com“ gilt als eine der besten BDSM-Webseiten im Netz und präsentiert sich als eine Livestyle- und Informations-Seite der BDSM-Community. „Wasteland“ ist eine kostenpflichtige Seite, die ihren Mitgliedern mehr als 1 Million exklusiver Bilder – u.a. einer der größten Sammlungen von Fetisch-Photos im Internet – und mehr als 10.000 Videos und Multimedia- und Liveshows anbietet. Die Webcommunity hat eine Basis von ca. 6000 aktiven Mitgliedern denen neben dem Livechat und der Möglichkeit von Live-Video-Konferenzen und dem Einstellen eigener Photos, umfangreiche Informationsressourcen und Tutorials zu verschiedenen Themen angeboten werden. Hierzu gehören: SMPraktiken, Bondage, Fetischismus, Fisting, Analsex, Piercing, “Wasserspiele”, Körpermodifikationen, sowie sexualmagische Praktiken und Rituale. Adressen und Termine von Studios, BDSM-Services, Clubs und Parties in vielen Städten werden in separaten Kategorien aufgelistet. „Wasteland“ wurde 2 Jahre hintereinander von AVN der Titel „Best BDSM/Fetish Site“ zuerkannt. Der hohe Traffic der Seite wird u.a. von mehreren tausend „Freesites“ generiert, die entweder von dem Unternehmen oder über Affiliates betrieben werden. Mit dem Partnerprogramm „Spicecash“ wird inzwischen eine Reihe weiterer Webseiten angeboten. ForbiddenEast.Com, welche japanisches Material offeriert, BDSMHardcore.Com, der WastelandBlog und Sssh.Com, sowie SsshTV.Com, die auf die weibliche Zielgruppe ausgerichtet sind. Sssh.com bietet pornographische Filme und Photostrecken von Männern, einen Online-Dating-Service, ein Magazin mit informativen Artikeln, Horoskopen und Besprechungen männlicher Stripteasetänzer und Clubs, Live-Chat und eine interaktive Community.
Brooks Talley, der auch die Webseiten whitehouse.org und illuminati.org betrieb, ist der Gründer von “Bondage.com”, einer Webseite mit mehr als 700.000 registrierten Usern (April 08). Die meisten der Besucher von Bondage.com kommen wegen den kostenfreien Bild- und Videomaterial, den Diskussionsforen, Artikeln und dem Partner-Vermittlungsservice. Der Dating-Service von Bondage.com, mit über 450.000 Profilen ist sehr populär innerhalb der kalifornischen BDSM-Szene und wird oft zur realen Kontaktaufnahme genutzt. Eine ausreichende Anzahl von Usern loggt sich für den kostenpflichtigen Content in den Mitgliederbereich ein, so dass aus „Bondage.com“ eine kleine profitable Firma mit sechs Angestellten geworden ist. Über ein dazugehöriges Webshop-Konzept werden DVD`s, Lederkleidung und Assecoires und spezielle Toys und Hilfsmittel vermarktet. Bondage.com hat sich auf eine weitgehende Geschäftskooperation mit Various, Inc., die inzwischen zum Penthouse Media-Konzern gehört eingelassen und bietet anderen Webmastern in ihrem Affiliateprogramm 20 Webseiten wie Adultfriendfinder, AsiaFriendfinder, u.a. zum bewerben an.
Das „Cyber-Dyke Network“, gegründet 2000, ist aus der Initiative von Zille und Alexi Defeu, einem nordkalifornischen lesbischen Paar entstanden. Sie begannen mit ihrer Webseite „Darkplay“, wo sie ihre eigenen sexuellen Aktivitäten und Vorlieben dokumentierten, vor allem BDSM und Fetisch-Photographie mit Gothic-Attitüde. Neben diesen intimen Performances des Pärchens wurden oft Freunde und Bekannte, wie z.b. Jane Duvall von „Jane’s Guide“ zu den photographischen Sessions eingeladen. Es folgte mit einer Reihe von gleichgesinnten Webseitenbetreiberinnen die Gründung von Cyber-Dyke, eine Plattform für lesbische Pornographie – in erster Linie von Frauen für Frauen – die nach Aussagen ihrer Betreiberinnen aber allen Geschlechtern, ob homo- oder heterosexuell, offen steht. Die einzelnen Webprojekte können unter dem Dach des Netzwerks mehr Traffic generieren und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und Wissen machte Zeit- und Kostenersparnisse möglich. Zu den weiteren CyberDyke-Seiten gehörten u.a. „StoryMistress“ von Lori Selke, die bei den lesbischen Pornomagazin „On Our Backs“ gearbeitet hat und die Erotik-Anthologien „Tough Girls“ und „Literotica“ editiert, und die Seiten“ Sappho’s Girls“, „Faerie Fantasies“ und „ Grrl Tools“ von Aeden McKenna. CyberDyke nutzt zur Content-Herstellung persönliche Beziehungen und lässt Freunde und bekannte Pärchen in ihren Sessions als Modelle auftreten, beim regulären Booking bevorzugen sie wirkliche Lesben und bisexuelle Frauen und versuchen sich bei der Narration an wirklichen Phantasien zu orientieren.
“One of my personal goals is breaking the stereotype that women only want fluffy soft-core stuff (…) I think women, especially younger women, want more than that.(…) When we started, the web was full of mass-produced generic porn that didn’t interest or excite us – and it still is! So basically we’re out to redeem porn! We want to let erotica and porn consumers know that porn doesn’t have to be contrived or ugly or insulting to one’s intelligence; that explicit work can be beautiful and thought provoking. We want to make adult entertainment that is authentic, spontaneous, and that has artistic merit”.
CyberDyke.net hatte (Febr.2006) neben der Portalseite vier Hauptseiten: “Darkplay”, “Sappho’s Girls”, “Posteriority” und “SerafinaSox” und über 10 weitere Seiten, deren Inhalt nach bestimmten Themen wie Rasur, Natursekt, Fesselung und literarischer Erotica ausgerichtet sind. Für einen einmaligen Mitgliedspreis von 20 $ monatlich hatte der User Zugang zu allen Seiten des Netzwerks. “DarkPlay” stellt in diesem Segment die lesbische Hardcoreseite des Netzwerks mit BDSM, Fisting, Analsex und zwei-bis dreifacher Penetration. “Sappho’s Girls” präsentiert eine softere Variante vom lesbischen Sex während „Serafina Sox“ die Bandbreite des Fußfetischismus abdeckt und sich bei der Webseite “Posteriority” alles um den weiblichen Hintern dreht. Ende 2006 hat das Netzwerk eine deutlich kommerziellere Ausrichtung bekommen. Das Angebot an freien Photos und die Verlinkung orientierte sich deutlich an dem Teil des Mainstream-Publikums, der Wert auf eine qualitative Bandbreite von erotischen bis Hardcore-Content legt. Im Copyright der Webseite ist das kalifornische Unternehmen „Pleiades Web Press“ angegeben, die neben dem CyberDyke-Netzwerk, die Gotik-Seiten Gothic Undine, Blood-dolls.com und Shadowjen.com, sowie die Webseite des Fotografen C. Owen Johnson betreibt. Alle Webseiten scheinen über einen firmeneigenen Server zu laufen und der e-commerce wird über CCBill abgewickelt. Im April 2008 bot sich das Cyber-Dyke-Portal im neuen Weblayout und mit Zugang zu 16 thematisch ausdifferenzierte Webseiten an. Die Tendenz der Mainstream-Pornographisierung hat sich zumindestens in der Eingangsseite deutlich verstärkt. Dies wird vor allem in der Sektion „About us“ bei „Who are the Cyber Dykes“ deutlich, deren Kurzvorstellungen deutlich an den Erwartungen heterosexueller Pornokonsumenten ausgerichtet sind.
Eine herausragende Webpräsenz ist die des Photographen Viktor Curtis(geb. 1968) aus Los Angeles, der mit seinem Projekt „lightworship“ und der gleichnamigen Webseite eine außergewöhnlich dichte atmosphärische Beschreibung der Welt des Fetisch und BDSM liefert. Seine Arbeiten sind in führenden BDSM-Magazinen in den USA und in Europa publiziert worden, wie “Secret Magazine”/US, “Skin Two”/London und “Soumises”/Paris. Bei einer Ausstellung in Los Angeles im Sommer 2005, zeigte Playboy TV eine Reportage über sein Werk. Die Webseite wurde seit Nov. 2005 nicht mehr aktualisiert.
Fakir Musafar (geb.1930) hat sich seit den 70er Jahren intensiv mit schamanistischen Ritualen und vielen Formen von Körpermodifikationen beschäftigt und hat die dafür relevanten Techniken und Praktiken von ararchischen Kulturen für die heutige Zeit adaptiert. Er sieht in diesen „rites de passages“ ein Potential spiritueller Erfahrung, Transzedenz und Heilungsmöglichkeiten, welches auf diesem Wege dem modernen Menschen wieder zugänglich gemacht werden kann. Anfang der 90er Jahre wurde er durch Auftritte in Fernsehshows von NBC, CBS und CNN landesweit bekannt und trat in den folgenden Jahren auf verschiedenen internationalen Kunstfestivals in Europa auf. Fakir gilt als einer der Wegbereiter von modernen Disziplinen wie Piercing, Branding und Sculpting und hat maßgeblich mit zu ihrer Popularisierung beigetragen. Im Rahmen von Auftritten in Universitäten und kleineren Performances inszeniert er schamanistische Körperrituale und bietet dementsprechende Workshops und Vorträge an. Er arbeitet außerdem als Photograph und dokumentiert seine eigenen Arbeiten und Rituale und die Anderer, welche in einer Buchpublikation, seiner eigenen Webseite, sowie in einer Vielzahl von Magazinen wie „Theater Journal“, „Bizarre Magazin“ und „Skin Two“ veröffentlicht wurden. Fakir wurde von verschiedenen Medien als Vater des „Modern Primitive Movement“ bezeichnet. Im Zeitraum 1992 bis 1999 gab es sein eigenes Photomagazin „Body Play“ heraus, welches dann wegen Schwierigkeiten mit der Distribution bankrott ging. Seit 2000 gibt es eine Online-Version die frei zugänglich ist. Er bietet in der San Francisco Area professionelle Branding- und Piercing-Lehrgänge an, die ein medizinisches, technisches und ästhetisches Grundwissen dieser Disziplinen vermitteln. Die Ausbildungsstätte ist beim Staat Kalifornien als eine „Career Training“-Institution registriert.
„(…)human life is a constant interplay between body and spirit, a drama to be encouraged and explored. A drama whose ritual brings body and spirit interactively together. A drama that includes body, erotic energy and spirit. A drama that defines where one starts, the other stops and where they overlap. I call exploration of this drama ‘body play.’“ (…)I think the rare and unusual experiences we sometimes bring back from a scene are the keys that open spiritual doors. If BDSM players can keep those moments in mind, meditate on them, and share them with others, they will gain more insight into the ‘body/spirit’ connection. (…)It is not a matter of belief or theology. It is a matter of dipping one’s feet in the water and getting wet.“
Fakir Musafar im Interview mit Sensuous Sadie http://www.sandm.com/
Die Webseite „gloriabrame.com“ vertritt zwar kein alternatives ästhetisches Konzept, stellt aber eine informelle Ressource zum Thema BDSM dar. Neben einer Vielzahl eigener Artikel, Linklisten und literarischer Erotica, kommen viele andere Autoren mit belletristischen und informativen Beiträgen zu Wort. Ihr Blog und das Message-Board sind die einzigen Bereiche, die ständig aktualisiert werden. Gloria Brame ist eine bekennende BDSMlerin und eine akademisch ausgebildete Sexologin und Sexualtherapeutin. Sie ist Autorin von vier themenspezifischen Publikationen, die u.a. über die Webseite vermarktet werden und bietet kostenpflichtig ihren sexualtherapeutischen Service an. Ihr Mann betreibt über „W.D.Brame“ einen kleinen Internetversand von SM-Tools.
„Those innate contradictions and paradoxes are what makes each person an individual. I’d say that, on many levels, the profound experience of SM (when you do have a profound experience of it, meaning you are at the edge of your limits, emotionally or physically) celebrates the paradoxes. Yes, I’m sexually sadistic and like to hurt men; and yes, I am tender and maternal, and love to dote on them. In SM, there’s no conflict between being your complete self; everyone who gets SM gets why a dominatrix bitch can also be a loving friend. I can be my fully integrated paradoxical self in SM.“
Gloria Brame im Interview mit Sensuous Sadie http://www.sandm.com/
Ein gutes Beispiel für die weitergehende Kommerzialisierung der sexuellen Subkulturen und Nischenproduktionen stellt die Firma „CyberNetentertainment“ in San Francisco dar. CyberNetentertainment, inzwischen umbenannt in „kink.com“ bezeichnet sich selbst als führende Fetisch-Film-Produktion und betreibt inzwischen 11 Webseiten(2006). Der Versuch mit zwei Webproduktionen „malewank.com“(2002-2003) und „buttmachineboys.com“(2002-2004) in die Gay-Nische zu expandieren, scheiterte nachdem sich die Betreiber von buttmachineboys aus dem Vertrag lösten. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Webseite „Hogtied.com“, eine BDSM-Seite, die der ehemalige Betriebswirtschaftsstudent Peter Rogers 1997 gründete. Die Seite bot ausführlich dokumentierte BDSM-Sitzungen an, die im eigenem Studio abgehalten wurden. In den Filmen und photographischen Serien blieb man nicht bei vorinszenierten Einzelbildern, sondern versuchte die lustvollen Momente die sich aus den Fesselspielen in Kombinationen mit weiteren Anreizungen wie Vibratoren, leichten Stromstößen, Spanking und anderen Formen von Schmerz für die Protagonistinnen ergaben, einzufangen. Die Modelle wurden ausdrücklich darauf hingewiesen nicht für die Kamera zu schauspielern. „hogtied“ wurde ein kommerzieller Erfolg. Ab 2001 folgten weitere Start-ups mehrerer Webseiten, die nach dem Baukastenprinzip verschiedene Segmente des BDSM oder „Kinky-Sex“ abdeckten und ähnlichen Vorgaben wie für die Settings auf „hogtied“ folgten. Alle diese Seiten sind kostenpflichtig, bieten aber als hervorstechendes Kriterium dem User bereits kostenlos umfangreiche Photoserien zur Ansicht an. Das Material hat eine technisch hohe Qualität und die Szenerien folgen einem striktem Formula, dass – je nach speziellem Thema – verschiedene Formen der Fesselung, der Unterwerfung, der Stimulation durch Schmerz und der Penetration zeigen. Es wird weiterhin versucht eine Aura von Authenzität zu erzeugen, aber schon nach kurzer Durchsicht wird deutlich, dass professionelle Produktionsvorgaben und Bedingungen die Settings bestimmen, die ausschließlich auf die Content-Produktion bezogen sind und individuellen Performances wenig Spielraum zu lassen scheinen.
Der Start-up der Seite „fuckingmachines.com“ 2001 wurde in den USA von einer großen Öffentlichkeit, vor allem durch Webmagazine und Blogs, wahrgenommen. Diese Seite zeigt ausschließlich weibliche Modelle, die von Maschinen – von umfunktionierten Bohrmaschinen bis hin zu Maschinen in Automobilgröße – penetriert werden. 2002/3 folgten weitere Spezialisierungen mit „wiredpussy“(Elektro-Bondage), „waterbondage“ und „meninpain“. 2004 folgte die Webseite „ultimatesurrender“ wo Frauen mit Ringer- und Wrestlingtechniken gegeneinander kämpfen. Die Gewinnerin zwingt am Ende die andere Frau entweder zum Cunnilingus oder penetriert sie mit einem umgeschnalltem Kunstpenis. CyberNetentertainment bietet als Partnerprogramm für den e-commerce „CyberNet Bucks” an, mit dem der Fetish-Content an andere Webmaster weitervermarktet wird, ist Mitglied der „Free Speech Coaliation“ und sponsert, bzw. betreibt in San Francisco das BDSM-Community-Zentrum „SF-Citadel“, wo u.a die „Academy of SM arts“ von Cleo Dubois mehrmals im Jahr Workshops anbietet. Mit „behindthekink“ startet das Unternehmen 2006 eine Dokumentarserie, die als Film über das Internet abgerufen werden kann. Ähnlich wie die Documentary-Soaps“ mit denen „Vivid“ und „Private“ ihre Modelle im Kabelfernsehen weitergehend vermarkten, soll das Leben der Darsteller hinter den Kulissen und im Privaten, sowie Hintergründe des Produktionsalltages und Geschäftsablaufes gezeigt werden. “CyberNet Entertainment” erhielt 2006, nachdem der Domainname von dem Unternehmen „National A-1“ erworben wurde, den Namen „Kink.com“. Weiterhin erwarb National A-1 das Recht exklusives Fetisch-Material von „Kink.com“ auf ihrer Webseite „HotMovies.com“ weiterzuvermarkten.
Kink.com war eines der ersten Unternehmen des pornographischen Bussiness, die Bondage und Penetration im szenischen Zusammenhang zeigten (2005). Vorher wurden Bondage-Szenen in der Regel ohne sichtbare Penetration gezeigt, um möglichen Zensurbestrebungen der Behörden aus dem Weg zu gehen. Veranlasst wurde diese Haltung u.a. durch die Meese Commission, die 1986 feststellte, das gerade im BDSM-Bereich Unsicherheiten bestehen, ob die weiblichen Darsteller zu den pornographischen Szenen gezwungen wurden, also ob es sich in Wirklichkeit um normale BDSM-Szenen handelt oder um Vergewaltigung. Erst mit der zunehmenden Popularität und Kommerzialisierung der BDSM-Nische wurde diese Form der Selbstzensur in den letzten Jahren von einigen kommerziellen Anbietern abgelegt.
„Amateure“
Einer der Pioniere der us-amerikanischen Online-Pornographie ist Rick Muenyong. Er gründete 1996 das „YNOT“-Netzwerk, welches für Jahre das bedeutenste und populärste Diskussions-Board und Ressource-Seiten für Adultwebmaster darstellte. Anfang 2000 verkaufte Muenyong YNOT an „Flying Crocodile, Inc.“. Nach einem kurzen Zwischenspiel mit Webseiten wie „mad.com“ und ShortDomains.com“ über die Muenyong einen Teil seines Profites in den Erwerb von über 600 Domainnamen investierte, die er dann Firmen mit einer mittelständischen Kapitaldichte für ihre Internet-Start up`s anbot, konzentrierte er sich wieder auf das Pornobusiness. 2001 gründete er die Webseiten „EroticRanks.com“, „AmateurRanks“- einem in Nevada angemeldeten Unternehmen – und „AmateurMasters.com“ und andere, sich auf die Amateur-Nische beziehende Seiten. Die Chatrooms, Suchmaschinen und Diskussionsboards von „AmateurMasters“ und „AmateurRanks“ entwickelten sich schnell zu einem Dreh-und Angelpunkt der Amateur-Webmasterszene. Muenyong definiert das Amateur-Segment folgendermaßen:
„In my opinion, an adult Internet amateur specifically is someone who shares his or her sexuality and personal lifestyle with anyone who wishes to access it online, first for the sexual part of it and not necessarily for the money. Everything you see and read should be 100 percent real, and the content shouldn’t be too professional. These are people who want to exhibit themselves online and get user feedback. They want to make a little bit of money, but that’s not what’s most important to them.”
AmateurMasters.com ging im Oktober 2003 in den Besitz von „Sammy4u.com“ und „Cyberinventions Inc.“ über. Aus „RanksCounter“, entwickelte sich u.a. das Projekt „MasterStats“, ein Webseiten-Analyse-Service, der eine genaue Aufschlüssung des Traffics und des Surfverhaltens des Users ermöglicht. „RanksCounter“ ging 2003 in Muenyong`s neuem Projekt “Porn Site Reviews” auf, bzw. RanksCounter.com ist die Betreiberfirma der anderen Domains. Es ist eine Suchmaschine und ein Guide für Pornowebseiten, die nach einem eigenen Bewertungssystem vorgestellt werden. Seit Ende 2005 ist Aly Drummond Public Relations-Direktorin dieser Seite. Sie war vorher in gleicher Position, bzw. als Marketing-Direktor bei AVN und Python Communications beschäftigt, hostete eine Radio-Show bei YNOT-Radio und die populäre „AlyTV Webmaster Video Show“. TheBestPorn.com unterstützt und arbeitet mit der „Association of Sites Advocating Child Protection (ASACP)“ zusammen. „TheBestPorn.com“ entwickelte sich schnell zur anerkannten „Stiftung-Warentest“-Seite für die Online-Pornographie. April 08 waren dort über 2000 Unternehmen vertreten, 13 000 Webseiten gelistet und 4500 Kurzkritiken abrufbar. Anfang 2007 wurde das Angebot mit der Seite „PornUsers.com“ erweitert.
Mit der Technologie der Web-Kamera, der notwendigen Software und den Zugang zu Breitbandverbindungen hat inzwischen jedermann die Möglichkeit seine privaten Filme ins Internet zu stellen. Verschiedene Geschäftsmodelle für User und Anbieter die derartige Filme auf Webcam-Portalen vermarkteten folgten rasch. Mitte der 90er Jahre kam die Firma “Logitech” mit einem der ersten günstigen Modelle einer Webcam und dementsprechender Software auf den Markt. 1999 wurden nach einer Statistik der Firma „InfoTrends“ 2 Millionen Webcams in Nordamerika verkauft, 2004 waren es bereits 28,7 Millionen. Die Vermarktung von Amateurfilmen erfolgt in den USA neben dem Internet über Katalogfirmen. Diese Filme finden vor allem ihre Käufer aufgrund des niedrigeren Preises der unter $25 liegen kann. (vor der VHS und DVD-Krise) Die größeren Verleiher in den USA inserieren über bekannte Magazine wie Hustler oder Penthouse, u.a. weil das wichtige Trader Magazin AVN eine Politik betreibt, nur Filme zu besprechen, deren Verleiher auch in Zeitschriften inserieren. Inzwischen sind viele professionelle Pornostars in dem Amateur-Segment aktiv, und sehen dies als Bestandteil einer Marketing-Strategie und eines Zusatzverdienstes. Wenn sie mit ihrem Webprojekt erfolgreich sind und ihre Popularität ausreichend steigern konnten, folgt in der Regel der Start up einer kostenpflichtigen Mitgliederseite. Zu den größeren Unternehmen die sich auf das Amateur-Segment spezialisiert haben, gehörten 2002 neben „Wild Rose Productions“ und „Homegrown Video“, die Firmen “Naked Hosting”, “Amateur Cams” und “Amateur Hosting” (die beiden letzeren haben den gleichen Besitzer)
„Homegrown Video“ existiert seit 1982 und ist hervorgegangen aus der Swinger-Community in San Diego. 1992 wurde das Unternehmen von den Brüdern Farrell und Moffitt Timlake übernommen. Es entwickelte sich zuerst als Produzent von bekannten, langjährigen Amateurvideo-Serien, bis das Unternehmen dann 1997 in das Internet expandierte, bis hin zu der Partnerschaft mit „Cybererotica“. Inzwischen bietet Homegrown mit das größte Angebot an authentischen Amateurporno im Internet an. Vor allem im Bereich seiner Internetpräsenz expandierte das Unternehmen in den letzten Jahren. Zusammen mit „Wild Rose Productions” und “Carol Cox” wurde 2003 ein Live-Cam-Portal gestartet, welches Amateuren weltweit die Möglichkeit bietet ihre eigenen Shows zu hosten. 2004 wurden die langjährigen Geschäftsbeziehungen zu „Cybererotica.com“ beendet und ein eigenes Affiliate-Programm „HomegrownCash“ ins Leben gerufen. Die Firma bietet auf einer separaten Webseite Content für Webmaster an und hat mit „MyHomegrown.com” eine Möglichkeit geschaffen, wo Amateure ihre privaten Videos vermarkten können. Gemeinsam mit dem holländischen Webportal „Dreamclub“ soll eine dialer-basierte Version von „Homegrown Video“ für den holländischen Markt etabliert werden. Seit 2003 befindet sich das Unternehmen in einem Rechtsstreit mit “Acacia Technologies”, die für sich in Anspruch nehmen die Patentrechte für Streaming- und Download-Technologie zu besitzen, konnte bis jetzt aber ihre Rechtsansprüche gegen die Patent-Portefolio-Firma erfolgreich verteidigen. Michael Goldberg ist Generaldirektor der “New Destiny Internet Group”, die u.a. “homegrownvideo.com” betreibt. Goldberg ist einer der führenden Personen die die Interessenvertretung und den Rechtstreit gegen das Patentportefolio-Unternehmen „Acacia Technologies” wahrnimmt. Im Zuge dieser juristischen Auseinandersetzung initiierte er die Gründung der „Internet Media Protective Association“ als eine Lobby-Organisation des Adult-Internet-Business.
Wild Rose ist ein Netzwerk der Swinger- und Amateur-Community und bietet eigenen e-commerce und Hosting-Service an. Das „WildRoseNet“ offerierte 2006 den Zugang zu über 70 Webseiten für 7,95$ monatlich. Wildrose bietet den Mitglieder Zugang zu mehreren Webcam-Netzwerken, über 70 Webseiten und einer umfangreichen Swinger-Community mit Blogs, Chatsysteme in denen Bildertausch und Lifevideo integriert sind und Boards mit Informationen zum Lifestyle, Reisen und Events. Das Unternehmen startete 1994 mit der Webseite „Wild Rose Fireside Chat“ aus der sich dann die persönliche Webseite von Carol Cox entwickelte. Carol Cox ist eine verheiratete Swingerin mit 3 Kindern aus Montreal/Kanada. Ihre Webseite wies Nov./2006 einen Traffic von über 80.000 täglichen Besuchen auf. Über die „Wildgirl“-Sektion werden über 2300 Frauen gelistet, die von einfachen photographischen Material bis zur eigenen Webseite und LiveCams vertreten sind. In der Regel bieten diese Seiten einen freien Gastzugang und einen kostenpflichtigen Mitgliederbereich an. carolcox.com, wildrose.net und an die 10 weitere Webseiten werden von der New Yorker Firma „Digital Perception Inc.“ betrieben.
Quelle: AVN-Online: “For Money or Love: The Malleable Amateur Community” 8-1-2002
“WebPower” eine der Pioniere im Bereich der Online-Pornographie, zu denen unter anderem die Webseite „amateurs.com“ gehört, betreiben die Social-Networking-Seite „iFriends“. Sie war nach “PCDataOnline.com“, „Nielsen/NetRatings“ und „Ranking.com“ eine der größten und am schnellsten wachsenden Videochat-Communities und gehörte mit zu den 200 populärsten Webseiten im Internet. 1998 als ein videochat-basierender Partnervermittlungsservice und eine Online-Chat-Community gegründet, entwickelte sich iFriend nach eigenen Angaben zu einer Social-Networking-Seite, mit einer Vielzahl von Kategorien, mehr als 2 Millionen registrierten Usern(2001) und über 200.000 registrierten Video-ChatHosts aus mehr als 100 verschiedenen Ländern. Mit der Community-Plattform, der zur Verfügung gestellten Webcam- und Audio-Streaming-Software und dem integrierten e-commerce, ist es Einzelpersonen wie Firmen möglich mit Hilfe eines für Cams ausgerüsteten PC die iFriend-Plattform zu nutzen, um Life- oder aufgezeichnete Webkonferenz und Streaming-Produkte oder Service anzubieten. Ein Großteil dieses Angebotes soll sexuell konnotiert sein und wird von Amateuren und Frauen genutzt, die selbstständig oder als Angestellte Camshows anbieten, die auf minutenbasis abgerechnet werden. Die möglichen Verdienstspannungen sollen nach internen Schätzungen zwischen ca. 1000-2500 Dollar liegen. Weitergehend soll iFriends eine der größten Communties von Gay-Amateuren haben, die über die Plattform ihre Webangebote offerieren. Auf der Cam-Plattform kann jeder Erwachsene seine Webcam ins Netz stellen lassen, die dann von Interessierten kontaktiert werden kann, wobei der Server von „iFriend“ nur eine Verbindung zwischen dem User- und dem Host-Computer herstellt, also keinen Einfluss auf die Qualität der Wiedergabe des Videos hat. Die Verbindung ist kostenpflichtig, bei 1,99$ bis 3,50$ pro Minute, bei einem Minimum von 2 Minuten. Für den Verbindungsaufbau und die Abwicklung des e-commerce behält „iFriend“ 50% der Einnahmen ein. Anfang 2008 war bei der Sektion „Adults only“der Eingangsseite des Portals der Vermerk “iFriends forbids obscenity and hardcore pornography” zu lesen und unter Webcam/Livechat waren 678 Einträge verzeichnet. Über die „Hot Search“-Suchfunktion kam man allerdings auf Seiten, wo tausende von Einträgen zu finden waren. Die Namensgebungen wirkten aber automatisch generiert und da der Zugang nur über eine VIP-Mitgliedschaft möglich war, konnte man sich über das wirkliche Potential dieser Webcommunity keine Klarheit verschaffen.
Igor Shoemaker ist Besitzer und Betreiber des „Voyeurweb“-Netzwerkes, mit ca. 600.000 zahlenden Mitgliedern, bei einem Jahresbeitrag von 25$. Das Netzwerk besteht aus 4 Seiten: Voyeurweb mit über einer Million Besuchern täglich und die kostenpflichtigen Seiten „Funbags“- auf der alles alte Material der Hauptseite archiviert wird und „HomeClips“, die Videosektion des Netzwerkes. Die aufgrund des überdurchschnittlichen Traffics hohen Anforderungen an die technische Infrastruktur, schlagen mit monatlichen Unkosten von ca. 600.000$ zu Buche. Dem soll ein jährlicher Gesamtumsatz von 18 Millionen Dollar(06) gegenüberstehen. Die Domain ist über die Firma „SouthINT Properties“ in Panama registriert.
„[Es] zählt nicht die Bildschärfe, nicht die geile Pose und nicht die Körbchengröße. Was zählt, ist das Authentische. Und das Heimliche, das Unfreiwillige.“
Igor Shoemaker
Ein Großteil der Hauptseite „Voyeurweb“ ist kostenfrei zugänglich. Neben einem Community-Board handelt es sich hauptsächlich um Bildergalerien, die von Mitgliedern und Usern eingesendet werden. Das Photomaterial ist thematisch unterteilt in Sektionen wie Freestyle-, Exhibitionist- Voyeur- und Hitlisten-Photos. Zu jedem Bereich findet jedes Jahr ein Wettbewerb statt, an denen die Einsender mit ihren Bildern teilnehmen. Die drei besten Photos werden durch die Anzahl der Userclicks bestimmt und mit zwischen $100 bis $2500 unterschiedlich prämiert. Das frei zugängliche Material ist durchgehend Softcore und wird in so einer Quantität angeboten, das der interessierte Surfer sich stundenlang auf der Webseite aufhalten kann. „RedClouds“ ist der kostenpflichtige Mitgliederbereich von VoyeurWeb, in welchem pornographische Filme und Photos von privaten Einsendern gezeigt werden.
Das Ehepaar Seska und James gehören zu den wenigen Amateuren, die auf individueller Basis aus ihrem Webangebot ein profitables Unternehmen gemacht haben. En wichtiges Kriterium ihres Erfolges war ihr relativ früher Einstieg in dieses Nischensegment, zu einer Zeit als der Markt noch nicht übersättigt war. Heutzutage, wo anstelle von hunderten, tausende von Amateuren ihre Angebote im Netz haben, ist es nach ihren Angaben weitaus schwieriger aus einer Internetpräsenz ein profitables Unternehmen zu machen. Die Anlaufzeiten, bis sich ein ausreichender Traffic einstellt und die Unkosten überhaupt gedeckt werden können, haben sich im Verhältnis zu früher so verlängert, dass das Risiko eines finanziellen Scheiterns größer geworden ist . Die Kanadierin (Montreal) Seska ist Darstellerin und Autorin/Webmasterin mehrerer eigener Webseiten: Seska.com, ihrere persönlichen XXX-Seite und Seska 4 Lovers und Seskuality, zwei erotischen E-Zines. Außerdem ist sie Webmasterin für die Coalition for the Rights of Sex Workers und stand mit den Neoburleske-Gruppen „The Scandelles” und “ Coral Lees” im Raum Montreal auf der Bühne. Sie betreibt die gleichnamigen Webseiten und tritt bei Gelegenheit weiterhin Solo auf. Sie gibt Workshops wie z.b. „Business Plans for Sex Workers” und tritt auf Veranstaltungen des Onlinegewerbes, bei SexPro-Veranstaltungen und Interviews als DIY Porn-Aktivistin auf.
„The one thing that’s different about amateur sites than any other type of porn is that it’s the fairest type of site for a woman,“ says James. „She gets her share. We don’t have a boss, so all the money comes to us and it’s 50-50, while with almost all other porn the company makes all the money and the girl gets paid a certain amount. And when they’re done with her, it’s over.“
Ein weiteres Beispiel für das kleine, individuelle Segment des Amateurgenres ist die Webseite „tastytrixie.com/“ Die persönliche Webseite einer Frau, die unter dem Pseudonym Trixie in ihrem Memberbereich über Photos und Cams eine Mischung aus Homemade- Pornographie und Alltagsvoyeurismus anbietet. Sie versteht sich als „Webwhore“ und erläutert dies auf ihrer Seite in einem “WebWhore Manifesto”. Seit 2005 bietet sie auf einer weiteren Webseite „bloodytrixie.com/“ die spezielle Variante des Menstruationsporno an. Zusammen mit ihrem Partner hat sie ihr Angebot auf die VoyeurCam-Seite „spyonus.com“ erweitert und ihr Partner präsentiert sich auf „deliacd.com“ als Crossdresser und auf „TrixiesHouseboy.com“ von seiner männlichen Seite.
“I’m Trixie, an all-natural college-educated woman in my thirties. I’ve been a „webwhore“ since I began doing live camshows on iFriends in 2000. I’ve wanted to work in the sex industry for as long as I can remember. As an independent porn producer I enjoy lots of variety in my work days & nights doing writing, web design, chatting with fans, blogging, shooting pictures, masturbating, fucking and more. The best part of running my business? I serve my own values by sharing honest, fun, kinky, and challenging portrayals of human sexuality with a worldwide audience.”
Die australische Webseite „Beautiful Agony“ ist der Schönheit des menschlichen Orgasmus gewidmet (Facettes de la petit mort). Sie bietet innerhalb einer dreimonatigen Mitgliedschaft für 29.95$ fast 500 (Febr.2006), Videoclips mit Ton zum Anschauen und Herunterladen an, ein Drittel davon von Männern. Die Kurzfilme zeigen ausschließlich das Gesicht der betreffenden Person während der Masturbation in Stadien zunehmender sexueller Erregung und des Klimax. Die Kurzfilme werden privat von den teilnehmenden Personen realisiert und dann den Webseitenbetreibern zugesandt. Nach Angaben der Betreiber kamen Ende 2005 wöchentlich ca. 5 neue Filme zu dem Angebot hinzu. Auf der Webseite wird Interessierten ausführlich erklärt wie und in welchen Format die Filme mit eine Camcorder realisiert werden können. Wenn der Film auf der Webseite veröffentlicht wird, erhalten die jeweiligen Produzenten eine -für alle in gleicher Höhe veranschlagten – Veröffentlichungsgebühr. Desweiteren gibt es ein Diskussions-Board wo überwiegend die einzelnen Film bewertet werden. Für zahlende Mitglieder wird in der „magazine section“ Informatives und Kurzweiliges zum Thema Orgasmus, sowie Interviews geboten. Die Webseite ging April 2004 ans Netz, als Betreiber und Eigentümer trat die Firma „GMBill.com Pty Ltd” in Erscheinung. Webmastern wird ein einfaches Partnerprogramm geboten und Blogger bekommen 1-2 Monate freien Zugang zur Webseite, wenn sie Banner auf ihren Blogg posten. GMBILL ist u.a. ein australischer IPSP (InternetPaymentServiceProvider) über den der e-commerce kostenpflichtiger Mitgliederseiten abgewickelt werden kann, außerdem betreibt das Unternehmen weitere sehr erfolgreiche Webseiten des Amateursegments. Seit dem Jahr 2000 die Webseite abbywinters.com, die als eine der populärsten Amateur-Webseiten gilt. Nach dem Erfolg von Beautiful Agony folgten die Webseiten Ishotmyself.com und ifeelmyself.com (2006). Beide Webseiten funktionieren nach dem gleichen Geschäftsprinzip wie bei Beautiful Agony. Ishotmyself präsentiert Selbstphotographien von jungen Frauen und „ifeelmyself“ greift das Thema authentischer, weiblicher Selbstbefriedigung, Orgasmus und weitergehend, Sex mit einem Partner wieder auf und präsentiert es überwiegend in Webcamfilmen, die die ganze/n Person/en zeigen. Inzwischen tritt für alle drei Webseiten die niederländische “Feck NL BV” als Betreiber auf. Der e-commerce kann entweder über „feck-service.com“, „CCBill“, oder eben über das bereits bekannte Unternehmen „GM Bill LLC” abgewickelt werden.In der Selbstdarstellung von “Ishotmyself” stellen die Betreiber die Seite als ein unabhängiges Projekt vor, eine von „Selbsthilfe getragene Plattform“. Aus diesem Grunde , so der Text, würde man auch auf Werbung, Banners und Pop-up-Konsolen zur Geldeinnahme verzichten, genauso wenig wie persönliche Informationen der abgebildeten Frauen weitergegeben werden würden. User, die sich auf einen kostenpflichtigen Kontrakt zwischen $29 – $59 (für 90 Tage) einlassen, sind in diesem Sinne keine Kunden oder Konsumenten, sondern werden als „Sponsoren“ bezeichnet…. Alles in allem eine hervorragende Geschäftsidee – sogar die Kosten für die Contentproduktion entfallen.
Das Phänomen „Realcore“
Realcore is mostly for free: this is the ultimate evidence of the desire to be seen. Because in all types of Realcore, hetero or gay, kinky or vanilla, what matters to users is the truth of what they see. In this respect is very similar to much of Reality Tv. Who cares if disaster images are blurry and the shooting poor? Something else is going on, and it’s so much more important and compelling that quality doesn’t matter at all. It’s the same in Realcore. And, oddly enough in the age of surgical perfection, neither does beauty: this is the revolution of the normal – me, and perhaps you too.
“Realcore – the digital porno revolution” von Sergio Messina
Durch die Voraussetzung kostengünstiger Computer und Webcams, sowie Breitbandzugängen haben sich eine Vielzahl von virtuellen Communities gebildet, wo eine Vielzahl von Menschen unterschiedlichster sexueller Präferenz und unabhängig von dem Ort ihres tatsächlichen Lebenszusammenhangs über ihre sexuelle Interessenlage kommunizieren, Texte und Bilder austauschen und vor der eigenen Webcam in Jetztzeit performen. Für Viele ist das Internet ein Ort geworden, wo sie sexuelle Erfahrungen sammeln und experimentieren können. Diese virtuellen Räume, wie auch die der MPOG`s und der Social-Networking-Seiten, haben inzwischen bei immer mehr Menschen einen Stellenwert im sozialen Leben erlangt. Die Partizipanten sind physisch in ihrer vertrauten Umgebung vor ihrem Internetzugang, agieren aber sozusagen in einer Illusion ihrer Privatsphäre, da alles Text- und Bildmaterial welches in diesen virtuellen Raum hineingegeben wird, quasi der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Grenzen zwischen der Privatsphäre und der Öffentlichkeit werden unscharf, ein Trend der sich ebenfalls seit Anfang der 90er mit der Popularität der Reality-TV-Sendungen abzuzeichnen begann. Im Bereich der Onlinepornographie stellt das sogenannte „Realcore“- Element, seit dem kommerziellen Erfolg von Amateurproduktionen schon lange ein eigenes Genre, wo Authenzität auf Bildträger eingefangen oder vorgetäuscht wird und beim Film wie in der Photographie ist das „Reality“-Genre als ästhetisches Stilmittel inzwischen fest etabliert und ist gekennzeichnet durch Unschärfe, niedrige Bildauflösung, Handkamera, ungeschnittenem Filmmaterial und segmentierenden Bildausschnitten. Es gibt hier allerdings eine Begriffsverwirrung; während in der Sexindustrie mit Realcore authentische Amateur- bis Gonzo-Produktionen gemeint sind, sprechen Cybersoziologen und Netzwerkkünstler von Realcore wenn sie eine sexuell intendierte und nichtkommerzielle Kommunikation und Interaktion innerhalb der Netzwerksphäre meinen. Viele der Menschen die im letzteren Sinne im Realcore partizipieren, haben angefangen indem sie in den dementsprechenden Netzwerken Bildmaterial heruntergeladen und gechattet haben, bis sie dann selbst Photos oder Webcameinstellungen von sich aufnahmen und veröffentlichten. Emulation spielt dabei eine große Rolle, sie sehen bestimmtes Material was sie anspricht und machen etwas Ähnliches oder lassen sich weitergehend inspirieren. Für viele Beteiligte ist diese Form des Realcores interessanter und befriedigender als der reguläre Pornokonsum, da er nicht nur passiv sondern wirklich interaktiv sein kann. Wobei es eben kein festgelegtes Skript wie im kommerziellen Formula gibt, wo Interaktivität inzwischen auch ein wichtiges Kriterium stellt. Den Usern bleibt es überlassen ob sie sich nach dem Einloggen passiv verhalten und nur Visuelles und Texte konsumieren oder sich am Chat beteiligen und irgendwann selbst vor ihrer Digitalkamera oder Webcam anfangen zu performen.
Auf der 2001 stattgefundenen Ars Electronica in Linz/Österreich, die einen thematischen Schwerpunkt auf Netzkünstler hatte, die sich über Gender Studien und Queer Theorien mit den Mechanismen von Festschreibungen sexueller Vorlieben, Geschlechterrollen und Vererbung auseinandersetzten Sergio Messina mit seiner Installation „Brave New Porn“ vertreten, wo er Amateurpornographie verschiedener Interessengruppen, die ihre Bilder über das Usenet posten, dokumentierte und sie mit einer Mischung aus Humor und Respekt kommentierte. Sergio Messina, ein italienischer Musiker, Journalist und Online-Aktivist ist einer der ersten gewesen der über die Aktivitäten der Sexgroups im Usenet und bei großen Internetprovidern, die er unter dem Begriff „Realcore“ zusammenfasst, berichtet hat. Sergio Messina stellt auf seiner Webseite realcore.radiogladio.it sein Projekt vor und war 2006 auf dem Transito-Festival in Amsterdam vertreten.
In dem Buch „WebAffairs“ von Eighteen Publications und einer größeren Ausstellung im Erotic Art Museum von Hollywood 2005 hat eine Professorin der Kunsthochschule in Boston so eine Webcommunity dokumentiert. Unter dem Pseudonym „Show-n-tell“ stellte sie sich als Voyeur vor und nahm an der Kommunikation und den Interaktionen teil, deren visuelle Eindrücke sie mittels Screenshots festhielt.
Der chinesische Künstler Isaac Leung (in den USA und Hongkong lebend) hat sich in seinem Projekt „The Impossibility of Having Sex with 500 Man in a Month – I am an oriental Whore“ im Rahmen seines Kunststudiums in Chicago, ebenfalls mit diesem Thema auseinandergesetzt.. Für den Zeitraum eines Monats gab sich Leung als einen 18-jährigen Japaner aus, der auf der Suche nach sexuellen Austausch mit anderen Männern im Internet war. In diesem Zeitraum hatte er Kontakt mit insgesamt 161 Männern mit denen er über Chat kommunizierte und via gegenseitiger Webcam-Verbindung gemeinsam onanierte, bzw. sie gegenseitig ihre sexuellen Präferenzen visualisierten. Jede dieser 161 Cybersexerfahrungen wurden mit einer Vielzahl von Screenshots, die den Textchat wie die oft expliziten Webcambilder betrafen, dokumentiert, ohne das die Beteiligten informiert und um Einverständnis gefragt wurden. Ergänzt wurde das Material durch umfangreiche Tagebucheintragungen von Leung selbst.
Das amerikanische Kunstmagazin “Dirty Founds”, ein Ableger von “Founds”, hat sich auf die Dokumentation von Home-made-Pornography, wie sie bereits vor dem Zeitalter der Video- und Computertechnologie, in Formen von Texten, Zeichnungen, Photographien und Super-8-Filmen existierte, spezialisiert
SexPro-Zines und Femmeporn
Die Webseite „Sexuality.org“ wurde 1995 von Russell Brunelle und anderen Studenten der University of Washington als ein Publizitätsorgan ihrer „Society for Human Sexuality“ ins Netz gestellt. Das vornan gestellte Ziel dieser Organisation war es, eine Verbesserung der Sexualerziehung und Sexualaufklärung in den USA zu erreichen. Workshops und Vorträge die auf dem Campus der Universität abgehalten wurden, wurden auf der Webseite angekündigt, veröffentlicht und diskutiert. Nach seiner Promotion führte Russell Brunelle die Webseite weiter und übernahm Layout, Programmierung und fügte neues Material hinzu, welches u.a. von drei Kolumnisten kam, die monatlich Artikel für „Sexuality.org“ schrieben. Brunelle verstand sich nach eigener Aussage als ein Chronist der sich in den USA entwickelnden sexualitäts-bejahenden Kultur. Die Webseite entwickelte sich zu einer kostenfreien, sexpositiven Ressource für alle Aspekte der menschlichen Sexualität – von Sexualerziehung für Erwachsene, Queer- und BDSM-Kultur, bis hin zur Sexarbeit. Die Seite bietet verschiedene Informationsstränge und Services an. Die Sektion „Books and Resources“ führt u.a. weiter zu Sextoys, erotischer Literatur, Videoverleihen und Partnervermittlungen. Unter der Sektion „Learning More“ sind lehrreiche Artikel zum Thema Safer Sex, verschiedene Sexualtechniken und Stellungen, Vorspiel und erotische Massage zu finden. Der Hauptteil der Seite ist auf das „Seattle’s Sex Positive Community Center“ (www.wetspot.org) ausgerichtet, wo Russell Brunelle die Position einer der Hauptverantwortlichen dieser nichtkommerziellen Organisation einnimmt. Die Seite trägt sich über Sponsoren und Partnerprogramme, die der Intention von „Sexuality.org“ nach, sorgfältig ausgewählt wurden. Hierzu gehören u.a.: condoms.net, bluedoor.com, amazon.com, alternativeconnections.com und match.com.
Die größten pornographischen Internetunternehmen befinden sich alle im Besitz von Männern und sind aus dem traditionellen Sex-Business, wie Telefonsex, Video und Printpublikationen heraus entstanden. Frauen, abgesehen von Modellen, sind im größerem Umfang in der Online-Pornographie erst seit der 2. Hälfte der 1990er vertreten. 2001 startete Dianna Vesta - Besitzerin und Betreiberin von „Femsupreme“ (seit 1995), welches sich von einem BBS-Board-Unternehmen zu einer Mega-Seite mit Nischen-Content entwickelt hatte – eine Yahoo-Group für Frauen die pornographische Webseiten betreiben. Daraus entstand das im Kollektiv betriebene, nichtkommerzielle Projekt „Women Owned Adult Sites/ WOAS“, welches Möglichkeiten des Informationsaustausches, der Unterstützung und des Marketings bot. Um Mitglied bei WOAS zu werden mussten die dementsprechenden Webseiten nachgewiesener Maßen sich im Besitz von Frauen befinden und von ihnen betrieben werden. Wenn dieses Kriterium erfüllt war, wurden die Seiten in einer Directory gelistet und die einzelnen Seiten führten dann einen WOAS-Banner. Andererseits erschienen die Banner der einzelnen Seiten nach einem Rotationsprinzip auf der WOAS-Seite. An die einzelnen Mitglieder wurde eine monatliche Newsmail verschickt. (2002 an über 1400 Mitglieder) Die Domain existiert unter diesen Namen nicht mehr. Dianna Vesta betreibt weiterhin die Community-Seite „Femsupreme“; „Sexslaveacademy“ und “Dianna Vesta.com”.
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Webportalen, die – wie „ladylynx.com/“ und „soulgasm.com“ Linklisten zu Photoseiten nackter Männer, erotischer Literatur, Toys, Fetish-Seiten und andere interessante Erotica für Frauen, anbieten. „zenporn“ ist ein weiteres Portal für qualitative straight-, bi-, lesbische und schwule sowie pansexuelle Webseiten. Die Webseite “Purve.com” bietet seit 1998 exclusiv für Frauen erotischen und pornographischen Content und bietet in dem „Erotica for Women Webring” Zugang zu einer Vielzahl weiterer Seiten. Über „femmeresources“ gibt es u.a. ausführliche Informationen für Webmaster, die pornographische Webseiten und Material an Frauen vermarkten wollen.
mindcaviar.com/ ist ein seit 1999 bestehendes Webzine für literarische Erotica, mit einigen Art-Galeries und einer umfangreichen Linkliste zu weiteren Literaturseiten. Die Betreiberin Jamie Joy Gatto unterhielt auch die beiden Webseiten „Ophelia’s Muse“ („A Tiny Webzine of Erotic Tragedies”) und “A Bi-Friendly Place”, ein bisexuelles Ressource Center und Online-Zine, welches inzwischen über Mindcaviar gehostet wird. „mindcaviar.com“ ist eingebunden in den verschiedenen Netzwerken: „Authors of Literary Erotica“, „Erotic Photography & Art Ring“ und „Femmerotic Network“ von Scarletletters.
www.janesguide.com gibt es im Internet seit 1997, ein Internetportal mit einem umfangreichen Linkindex von Erotica- bis XXX-Hardcore-Seiten und als eine besondere Kategorie: erotische und pornographische Texte. Es versteht sich als ein sexualitäts-bejahendes, libertines Informationsportal und aufgrund seiner qualitativen Linkauswahl und der vielen Tipps, als eine „Consumer-Ressource“. Die Auszeichnung „Jane say´s this is orginal content“ gilt vielen Adult-Webmastern inzwischen als Qualitätssiegel und wird als kleine Graphik auf den dementsprechenden Seiten angezeigt und so als Werbung verwendet. Ausführlich besprochene, weiterführende Links zu Informationsressourcen decken das ganze Themenspektrum ab: allgemeine Informationen zum Thema Sexualität, Partnerschaft und Hilfsmittel, Gender, Bondage und Fetish. Desweiteren gibt es kleine Galerien von Photographen und anderen Künstlern und in der Rubrik „JaneTalk “ verschiedene Diskussionsforen. Betreiber der Seite sind Jane und Jim Duvall, Jane Duvall arbeitete vorher als Journalistin, zwischenzeitlich als Telefonsex-Operator, bis dann der Erfolg ihres Webzines diese Arbeit zu einem full-time-job werden ließ. Zu den weiteren Mitarbeitern gehört u.a. Heather Corinna, eine in Amerika bekannte Sex-Aktivistin. Sie schreibt für JanesGuide und betreibt eigene Webseiten. JanesGuide.com finanziert sich fast ausschließlich über Werbung.
“Clean Sheets” ist ein Web-Magazin für qualitative erotische Literatur und Kunst und informative Ressourcen zum Thema Sexualität. 1998, u.a. von Jane Duvall und Mary Anne Mohanraj gegründet und von Heather Corinna unterstützt, hat sich “Clean Sheets” zu einem führenden Webpublisher für Erotica, mit über 3000 Lesern täglich, entwickelt. Viele der dort zuerst erschienen Kurzgeschichten werden von den führenden Erotik-Anthologien in den USA, wie “Best Women’s Erotica” und “Mammoth Books’ Best Erotica” nachgedruckt, außerdem ist an Clean Sheets ein eigenständiger kleiner Buchverlag, die “Samba Mountain Press” angeschlossen. Das Magazin finanziert sich über Spenden und Sponsoring. Hauptsponsoren sind „babeland.com“, ein Sex-Toy-Geschäft und Versand und „Stimulation Systems, Inc.”, eine Firma die elektrische Stimulationshilfen vermarkten.
Die drei Webseiten www.scarletletters.com, www.scarleteen.com und www.femmerotic.com sind alle von der Feministin und Sexaktivistin Heather Corinna gegründet worden und werden von ihr in Zusammenarbeit mit Einzelpersonen und Initiativen betrieben. Z.B. Seska Lee, eine kanadische Sex-Pro-Aktivistin, die als Webmasterin u.a. auch ihre eigene Adult-Seite betreibt. Scarletletters.com existiert seit 1998 und hat den Schwerpunkt auf literarische Erotica und versuchte mit dem „Artist in Residence program” zu einem Webportal für Künstler, insbesonders Literaten und Photographen zu werden. Femmerotic.com ist die persönliche Webseite von Heather Corinna, mit ihrem Journal, vielen Photogaleries und der Sektion „prose&poetry“. Beide Webseiten bieten eine reichhaltige Einsicht was Kurzgeschichten, Essays und Galerien betrifft und stellen für zahlende Mitglieder umfangreiche Archive zur Verfügung. “Scarleteen” gilt als eine der höchsten frequentierten Sex-Aufklärungsseiten im Netz. Die Seite ging 1998 online, zu einer Zeit als ähnliche Seiten wie „Teenwire“ und „Go Ask Alice“ noch nicht existierten. Nach Angaben der Betreiberinnen wird die Seite von ca. 12.000 Jugendlichen zwischen 13-25, Eltern und Lehrern regelmäßig genutzt und bietet einen informativen Querschnitt von Antworten, Problemlösungen und Denkanstößen zu Fragen zum Thema Sexualität in einer für Jugendlichen ansprechenden Art und Weise. Viele Adult-Webmaster verweisen in ihrer Eingangsseite bei der Altersbestätigung mit einem Link für die nichtvolljährigen User an „Scarleteen.com”.
“Libido – The Journal of Sex and Sensibility”(libidomag.com) existiert bereits seit 1988, hat seinen Sitz in Chicago und wird von Marianna Beck und Jack Hafferkamp herausgegeben. Es versteht sich als ein sexualitätsbejahendes, informativ wie unterhaltsames Magazin für Männer wie für Frauen. Die Druckversion des Magazin wurde aus Kostengründen nach dem Erscheinen der letzten Ausgabe im Oktober 2000 eingestellt.
Marianna Beck und ihr Partner Jack Hafferkamp, die mit dem herkömmlichen pornographischen Formula nicht zufrieden waren, haben seit 1999 begonnen eigene Videoproduktionen zu realisieren. Ihr erster Film „Ecstatic Moments”(1999) wurde in London als bester Erotikvideo des Jahres ausgezeichnet. 2005 erschien ihre Produktion „Trial Run“ auf dem Markt. Marianna Beck ist ausgebildete Akademikerin und Hafferkamp arbeitet als Journalist und lehrte früher an der Northwestern University’s Medill School of Journalism, bis seine Mitwirkung bei Libido 1994 zur Kündigung des Lehrvertrages führte. Beide waren und sind aktiv als Vortragende auf verschiedenen sexualwissenschaftlichen Tagungen.
Die Webseite bietet eine Vielzahl von Buch, Film, und Produktbesprechungen an, sowie erotische Kurzgeschichten, die in der Regel aus bereits publizierten Büchern stammen. Autoren sind u.a. Carol Queen, Steve Mason, Chales-Gene McDaniel, David Steinberg, Jack Hafferkamp und Marianna Beck. Weitergehend findet sich eine kommentierte Linkliste zu Rubriken wie Erotika-Versandhandel, Photographen, Künstlern und anderen Webmagazinen. Über ein Shopkonzept werden eine kleine Anzahl eigener Bücher, die Magazine, Audio-Erotik-Stories, DVD`s und Videos vermarktet. Unter der Rubrik „Naked Brunch“ werden literarische und informative Kolumnen angeboten, sowie fundierte Abhandlungen zum Thema Geschichte der Pornographie und der Zensurpraxis in den Vereinigten Staaten und unter dem Stichwort „Safer Sex Ressources“ findet sich eine fachlich kompetente und informative Zusammenstellung von weiterführenden Links. Inzwischen liegt das Hauptaugenmerk der beiden auf der Filmproduktion und deren Vermarktung über die Webseite „libidofilm“, auf der die informellen Ressourcen weiterhin aktualisiert werden. Libidofilms wurde im Sommer 2007 relauncht und bietet neben einigen Langfilmen eine wachsende Anzahl von erotischen/pornographischen Kurzfilmen an (3-8 min), die als kostenpflichtiger Stream und zum Download angeboten werden.
Violet Blue ist eine Kolumnistin und Sex-Therapeutin, die für mehrere Magazine erfolgreich über Erotica, Pornographie und sexuelle Befriedigung schreibt und inzwischen 10 Bücher veröffentlicht hat. Sie arbeitet bei dem populären Sexblog „Fleshbot.com” (Gawker Media) mit und betreibt die eigene Webseite „Tiny Nibbles“. Eine übersichtliche informelle Ressource von Film, Buch und Toy-Besprechungen bis hin zu ihrem persönlichen Blog. „Tiny Nibbles“ hat nach eigenen Angaben einen Traffic von ca.10.000- 65.000 Usern täglich
„furrygirl.com/“ (2003) ist die persönliche Webseite einer Frau aus Seattle(US), die unter dem Namen Furry-Girl eine kommerzielle pornographische Webseite betreibt. Außerdem betreibt sie die Webseiten “VegPorn.com” und “VegSexShop.com”. Seit 2005 bietet sie mit ihrer Webseite „Erotic Red”, die Variante des Menstruationsporno an. Dies stellt innerhalb der Pornoindustrie eines der letzten (legalen) Tabuthemen dar und sogar Anbieter von Abrechnungssystemen die ausschließlich Adult-Webmaster zu ihren Kunden zählen, ziehen in solchen Fällen bisweilen ihre Dienstleistung zurück. Die Betreiberin ihrerseits begreift „period porn” als einen Teil ihres sexuellen Lebens, den sie auf ihrer Webseite der Öffentlichkeit zugänglich macht. „vegporn.com“ ist nach eigenen Angaben eine sex-positive, pansexuelle und alternative Porno-Webseite für Vegetarier. Sie bieten für zahlende Mitglieder momentan einen Content von 650 Photos männlicher und weiblicher Models und sehr vielen Informationen zum Thema Vegetarismus. (unter diesem Gesichtspunkt wird dann z.b. diskutiert ob der Samen von Vegetariern süßer schmeckt als der von Fleischessern)
„DuckyDoolittle.com“ ist eine in Nordamerika bekannte Sextherapeutin, Lehrerin und Performerin. Sie hat 17 Jahre Erfahrung in diesem Feld und begann als Stripperin auf dem Time Square und arbeitete als Domina und Model für Männermagazine. Später machte sie Karriere als Sex-Kolumnistin für Mode- und Männermagazine und arbeitete 3 Jahre im feministischen Sex-Toy-Shop „babeland“ als Ausbilderin, wo sie die Workshop-Programme maßgeblich betreute. Sie ist Herausgeberin mehrer Bücher, veranstaltet Workshops und tritt mit ihren Performances auf einer Vielzahl von Universitäten, Theater und Nachtclubs auf. Sie hat mit Elternorganisationen umfangreiche Programme zur Sexualerziehung und zur Verhinderung von Geschlechtskrankheiten erarbeitet. Momentan arbeitet sie als Beraterin im Bereich „Sexual Assault & Violence Intervention“ in speziell eingerichteten Notfallräumen an verschiedenen New Yorkern Krankenhäusern.
Audacia Ray lebt in New York, hat jeweils einen Abschluss in Cultural- und American Studies und betreibt die Webseite “wakingvixens.com”. Sie ist eine der Herausgeberinnen von “$pread“, einem Magazin für und von Sexarbeiter/innen und schreibt u.a. für den Sexblog „Fleshbot“. 2007 wurde von „Adam & Eve Pictures” der Pornofilm „The Bi Apple” herausgebracht bei dem sie das Drehbuch verfasste und Regie führte. Ihr Buch „Naked on the Internet: Hookups, Downloads and Cashing on Internet Sexploration” wurde 2007 bei “Seal Press” herausgegeben.





























































































































